Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 24 (12.6.1929)
- Date
- 1929-06-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Träger dieser Wissenschaft fast ausschließlich die Rabbiner und Lehrer, jetzt wurden Kräfte aus allen Fakultäten in ihren Dienst gestellt. Mittelpunkt für sie wurde das Fovschungsinstitut, das in den letzten Jahren vier, im letzten über zwanzig Mitarbeiter zählte. Daß sie sich in diesem kurzen Zeitraum wissenschaftliche Geltung erwarben, beweisen die zahlreichen Berufungen junger Akademie-Gelehrter an allgemeine und jüdische wissenschaftliche Institute in der alten und neuen Welt. Die Akademie hatte und hat es schwerer als andere Institutionen ähnlichen Charakters; diesen steht die Unterstützung öffentlicher und staatlicher Instanzen zu Gebote; sie war auf freie Initiative und Förderung im engeren jüdischen Kreift angewiesen. Dem Enthusiasmus der Gründungstage ist die strenge und nüchterne Arbeit nachgefolgt, ihr Niederschlag liegt in einer Reihe bedeutungsvoller Publikationen zutage. Möge der glückliche Stern, der über der Entwicklung ihres ersten Jahrzehnts waltete, auch über dem zweiten stehen. Das Leitziel bleibt: Verjüngung und Entfaltung der jüdischen Wissenschaft in der Einheit ihrer letzten Zielsetzung und in der methodischen Gliederung ihrer zahlreichen weittragenden Aufgaben. Namens des Verlvaltungsvorstandes erstattete der Generalsekretär Dr. Israel Auerbach den Rechenschaftsbericht. — Am Tage der Beisetzung Bradls traten die Vorstände zusammen zu dem Gelöbnis, sein Werk in seinem Geiste fortzuführen und möglichst zu sichern. Das ist geschehen. Die Akademie geht ihren Gang wie früher. Das Jahr 1928 erforderte große Anstrengungen und Opfer. Tie Ausgaben mit 124 000 Mark überstiegen weit die des Vorjahres, ebenso aber auch die Einnahmen, so daß ein früheres Defizit und der neue Bedarf gedeckt werden konnten. Indes konnte das Grundvermögen keine Vermehrung erfahren. Als neuer Bestandteil desselben ist ein Bradt-Fonds gegründet worden. Die Publikationen des Jahres waren Baers „Die Juden im christlichen Spanien", Tykocinskis „Gaonäische Verordnungen", die abschließenden Lieferungen von Albecks Edition „Midrasch Berschit Rabba", der erste Halbband der Wilenskischen Edition des „Sefer ha Rikma" und in der Hermann Cohen-Stiftung „Cohens Schriften zur Philosophie und Zeitgeschichte" nebst Gordins „Zur Theorie des unendlichen Urteils". Die großen Aufgaben des neuen Jahres sind bezeichnet mit Selma Stern-Täublers „Jud Süß", dem großen statistischen Werke Silbergleits „Ueber die Bevölkerungs- und Berufsverhältnisse der Juden in Deutschland" und mit der Mendelssohn- Jubiläumsausgabe (letztere in Gemeinschaft mit der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums), deren erste drei Bände von im ganzen sechzehn am Mendelssohn- Jubiläumstage, dem 6. September 1929, erscheinen. Der Akademie ist es noch nicht gegeben, auf ihren Lorbeeren auszuruhen: eine anerkannte, aus öffentlichen Mitteln unterhaltene Institution des Reichsverbandes der deutschen Juden ist sie noch nicht. Bis sie es wird, können keine anderen Kräfte sie erhalten, als Bradt'scher Enthusiasmus und großzügige Förderung durch alle Einzelnen und die jüdischen Körperschaften. Dem Verwaltungsvorstande wurde nach dem Bericht der Revisoren einstimmig Entlastung erteilt, der Etat für 1929 mit Einnahmen und Ausgaben im Betrage von 160 000 Mark genehmigt und in den Ausschuß die Herren Dr. Fritz Mannheimer-Amsterdam, Rabbiner Dr. Baerwald-München, Rabbiner Dr. Frendenthal-Nürnberg, Kommerzienrat Dr. Albert Moos und Kommerzienrat Max Wolf-Stuttgart und Dr. James Loeb-Murnau hinzugewählt. Der Vorsitzende schloß die Versammlung mit der Mahnung, die deutsche Judenheit möge erkennen, daß zu den Dingen, die für uns Bedeutung haben über das Leben hinaus, an erster Stelle die Erhaltung unseres geistigen Besitzstandes gehört. Sie zu sichern ist der Sinn der Akademie, und das beruft sie dazu, eine von der jüdischen Allgemeinheit Deutschlands zu übernehmende und zu erhaltende öffentliche Institution zu werden. Festgabe zum zehnjährigen Bestehen ver Akademie. Den Teilnehmern der Jahresversammlung der Akademie wurde als Festgabe eine Druckschrift mit Beiträgen von Mit- Legendc, füllten sich seine Augen mit Tränen, er breitet die Hände zum Himmel aus und im Gefühle, am Ziele zu fern, ruft er, fast überströmend vor Glück: „Wie schön ist das Land, wie lieblich; ach, seine Düfte beleben die Seesen!" Nun kamen Engel und wollten ihn entführen. Aber auch sie noch waren zu irdisch für ihn. Sie wichen zurück vor dem Glanz seines Antlitzes und der Erhabenheit seiner Gestalt. Gott selbst entführte ihn im Kuß von der Erde. „Auf einem Berge sterben, wie muß das köstlich sein, wo sich die Wolken färben im Abendsonnenschein. Tief unten der Welt Gewimmel, Forst, Flur und Stromeslauf, und droben tut der Himmel die goldenen Pforten auf." Rolland schreibt in seinem Buch über Michelangelo: „Ich behaupte nicht, daß, der Durchschnitt der Menschen auf solcher Höhe leben könnte. Einen Tag aber im Jahre sollen sie hinaufwallfahrten. Sie werden dort den Atem ihrer Lungen erneuern. Ta oben werden sie sich dem Ewigen näher fühlen. Tann werden sie wieder in die Ebene des Lebens hinabsteigen und ihr Herz wird gestählt sein für deii Kamps des Alltags." Das Wochenfest, es ist solch ein Tag. An ihm gilt es, sich mit dem Glück zu erfüllen: ein Geschlecht der Berge sollen wir sein, wie wir es seit Mose schon immer waren. Schon der Nichtjude Bileam hat ja festgestellt: „Das Volk wohnt einsam." Aber den Grund dafür fand erst Mose auf: „Gott führt es einsam." Wohl ist es heute noch so wie damals: nur einige wagen sich auf den Gipfel, nur einige vermögen das Dunkel zu durchdringen, das als Geheimnis unser Schicksal bedeutet. Viele bleiben am Fuß nur des Berges, flüchten nicht, aber fühlen sich doch mehr erdrückt als befreit von diesem Glück, auf Bergen zzu wohnen. Hier liegt drum die Mahnung des Wochenfestes, den Sinn unseres Daseins von neuem zu fühlen, über all dem Wirrnis der Tage, über der Verästelung all unserer Arbeit, das Ziel unseres Judeseins so klar zu erkennen und festzuhalten, wie Arno Nadel in „Moses Berufung" : ,Hin auf, hinauf, so klingts aus Gottes Munde, nie rasten. Du bist nicht für dich geworden. ... Das Herz des Rätsels, das ttef in deinem Herzen pocht und aufruft, es ist die Weihe deines reinsten Daseins, die Kraft, aus der das Wort erstrahlt: sie alle, die nicht wie du von Gott ersehen worden, den Menschenpfad, den einztgen zu wanbLkn, sie mußt du wie ein Adler aufwärts tragen, aus deinen Flügeln, .Gotteskind, zu mir. Dann erst ist all dein Tun vollendet!" Versammlungskalender Lrerlaa. IN „Abraham Geiger". Mittwoch, den 19. Juni, 29.15 Uhr, im kleinen Zimmer des Kurgarten, Kürassierstraße, Jnstrnktionsabend: „Grundlagen und Ziele des religiös-liberalen Judentums". Sonntag, den 23. Juni: Zobten-Wanderung. Treffpunkt pünktlich 7.39 Uhr am Haupleingang des Hauptbahnhofes. Sonnlagsfahrkarte 3. Klasse bis Ströbel 2,19 Mark. Abfahrt 8 Uhr vormittags Bahnsteig 5. Frankfurt a. M. Jüdisch-liberale Jugendgemeinschaft. Am 19. Juni 1929, 17 Uhr: Irma Dresdner: Denksport, bei Flörsheimer, Nenmannstraße 153. Dienstag, den 18. Juni 1929: Gartenabend bei Flörsheimer, Reumannstraße 153. Rabbiner Dr. Gottschalk liest aus neuen Büchern. Samstag, den 22. Juni 1929: Spaziergang. 15.39 Uhr Treffpunkt Haupteingang Hippodrom. Magdeburg. Jüdisch-liberaler Jugendbund „Heimat". Tennisabteilung: Die Tennisspielzeiten liegen: Sonntags von 8 bis 19 Uhr, Mittwochs von 4 bis 6 Uhr auf den Plätzen an der Salzquelle. Wir treffen uns jeden Dienstag nachmittags und abends im Schwimmbad Ostende, Oststraße 8. Ratibor. Nächste Zusammenkunft Mittwoch, 12. Juni, 29 Uhr. Jia-Teiegramme, Berlesung der Satzungen, 1. Alt aus Stefan Zweigs „Jeremias". Vorgetragen von Anni Frankel und Peter Berliner. 44444444444444444444444444444444444444444444444444444444444t | * | Gottesdienste f *;; 444444444444444444444444444444444444-444444444444444444444444 Berlin-Karlshorst. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B. und Israelitische Vereinigung zu Karlshorst-Friedrichsfelde E. B. Freitag, den 14. Juni 1929, abends 8 Uhr pünktlich» in der Aula des Kant-Realgymnasiums, Karlshorst, Treskowallee Nr. 42-43, Gottesdienst mit Seelenfeier (Schowuausfest). (Ritus Neue Synagoge.) Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden (Schönhauser Allee 162). Donnerstag, 13. Juni, abends 7.15 Uhr, Festgottesdienst (Schowuausfest). Predigt: Dr. Swarsensky. Freitag, 14. Juni, vormittags 10 Uhr, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonfki, abends 7.15 Uhr Festgottesdienst mit Seelenferer, Predigt: Prof. Friedländer. Sonnabend, 15. Juni, vormittags 10 Uhr, Festgottesdienst mit Seelsnfeier, Rabbiner Dr. S a I o m o n f k i. Berlin-Westend. Liberale Synagoge Westend (Aula Leistikowstraße 7, nahe Reichskanzlerplatz). Freitag, 14. Juni, 7.15 Uhr abends, Festgottesdienst mit Seelenfeier (Schowuausfest). Predigt: Rabbiner Dr. Salomo n s k i. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (Cäcilienschule, Nikolsburger Platz). Donnerstag, 13. Juni, 7.15 Uhr abends, Festgottesdienst mit Thoraoorlefung (Schowuausfest). Predigt: Rabbiner Dr. Salomonfki. Freitag, 14. Juni, 7.15 Uhr abends, Festgottesdienst mit Seelenfeier. Predigt: Dr. Swarsensky. gliedern des wissenschaftlichen Vorstandes überreicht. Prof. Julius Guttmann schreibt über „Die Akademie für die Wissenschaft des Judentums, zu ihrem zehnjährigen Bestehen", Dr. Leo Baeck über „Gustav Bradt", Prof. Ernst Cassirer über „Die Idee der Religion bei Lessing und Mendelssohn". Es folgt „Ein nngedruckter Vortrag Hermann Cohens über Spinozas Verhältnis zum Judentum", einsteleitet von Dr. Franz Rosenzweig, Prof. Elbogen gibt eme Abhandlung „Zum Problem der jüdischen Literaturgeschichte", und Dr. Isaak Heinemann über „Ursprung und Wesen des Antisemittsmus im Altertum". Ein unbekanntes schönes Bildnis Bradts schmückt die Schrift. Trguerfeier für Gustav Braßt. Die Veranstaltung der Akademie für die Wissenschaft des Judentums schloß mit einer Trauermndgebung für Gustav Bradt, ihren Gründer. Etwa 600 Personen füllten den großen Saal des Logenhauses. Nach einem Harmoniumvorspiel des Herrn Janowski brachte Herr Oberkantor Albeck einen hebräischen Psalm zu Gehör. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Leo Baeck die Gedenkrede. — Er umriß mit feinsinnigen Worten das Milieu und die Zeit, aus denen Bradt herkam. Das erstere gab ihm die gemütvolle Milieu-Frömmigkeit der östlichen kleinen jüdischen Provinzstadt zu seiner eigengeprägten Jndividual- Frömmigkeit. Die Zeit gab ihm zur Freiheit innerer Aufklärung die Freiheit auch zur Zeitkritik und zur Rückkehr in seine und die zugleich traditionelle Gefühlswelt. Das Tiefste in ihm war zugleich ein Jüdisches: Das Messianische. Es trug ihn der Lebensaufgabe zu, der er, zwar erst in vorgerücktem Alter, von Hermann Cohen geführt, begegnete, der er dann aber seine ganze doppelte Frömmigkeit und Freiheit, seine innerste Begabung, seine genialische Naivität lieh. Es war die Verwirklichung der Akademie. Aus tiefster Erschütterung heraus wurde ihm diese Aufgabe bewußt, und „reinen Herzens und aufrecht an Geist" gäb er sich ganz ihr hin. So wurde Bradt zum Schöpfer und zum menschlichen Vorbild. Den Worten Dr. Baecks folgte der stehend angehörte „El mole rachamim" Albecks. Harmoniumklänge beschlossen die erhebende Feier. (Jta.) Antisemitische Studentenkrawalle Aus Anlaß eines am Sonnabend, den 8. Juni, vor der Rampe der Wiener Universität stattgefundenm Studentenbummels fanden Ausschreitungen gegen jüdische Studenten statt. Etwa 60 zionisnsche Studenten, die ruhig in einer Gruppe zusammenstanden, wurden von über 500 antisemitischen Studenten und Heimwehrleuten überfallen und mit Stöcken und Gummiknütteln schwer mißhandelt. Sechzehn jüdische Studenten erhielten erhMiche Verletzungen, acht von ihnen mußten sich in dauernde ärztliche Behandlung begebm. Die Zeitungen stellen fest, daß sich die Polizei, bei dem Ueberfall passiv verhielt und erst, als es ernst wurde, einschritt und die Menge zerstreute, dann aber in erster Reihe gegen die jüdischen Studenten vorging und außer angreifenbe antisemitische auch angegriffene jüdische Studenten verhaftete. Die Polizei veröffentlicht ihrerseits eine Darstellung, in der die Behauptung der Presse, daß sie sich bei STOliWERO^ f “billig. > iDohlSchmeckend L nahrhufi. Beginn des Ueberfalls auf die jüdischen Studenten passiv verhalten habe, bestritten wird. Die Polizei habe, heißt es in der Darstellung, sofort die beiden kämpfenden Parteien voneinander getrennt, sie habe unter den angegriffenen jüdischen Studenten keine Verhaftungen vorgenommen, es seien vielmehr nur Studenten aus der Gruppe der Angreifenden verhaftet. Der Rektor der Universität ließ eine Kundmachung anschlagen, in der unter Hinweis auf die Schlägereien den Schuldigen strengste Bestrafung angedroht wird. Für diese ganze Woche wurde ein Verbot, Farben zu tragen, erlassen, sonne ein Legitimationszwang bei Betreten des Universitätsgebäudes eingeführt. Ter Rektor hat Vertreter der zionistischen Studentenschaft und der hakenkreuzlerischen Studenten zu sich eingeladen und versucht, die beiden Gruppen zu einer ehrenhaften Austragung ihrer Differenzen zu bewegen. Nachdem dieser Versuch mißlungen war, hat das Rektorat den traditionellen Sonnabend-Bummel der Universitätshörer in der Aula der Universität bis aus weiteres verboten. Ferner meldet die Jüdische Telegraphen-Agentur Ausschreitungen aus verschiedenen Universitätsstädten Polens. Diese haben ihren Ursprung in Zusammenstößen in Lemberg, die nach einer katholischen Prozession von gewissenlosen Hetzern inszeniert wurden. Ter polnische Innenminister Skladkowski hat sich im Flugzeug nach Lemberg begeben und veranlaßt, das das Innenministerium eine offizielle Darstellung der Geschehnisse veröffentlicht. Er hat angekündigt, daß jeder Versuch zur Veranstaltung weiterer Exzesse rücksichtslos unterdrückt werden würde. Im Zusammenhang mit den Lemberger Geschehnissen fanden am vergangenen Sonntag auch in Posen antisemitische Ausschreitungen statt. Demonstrierende Studenten demolierten jüdische Geschäftsläden und mißhandelten jüdische Einwohner. Etwa 40 Demonstranten wurden von der Polizei verhaftet. :; * | Aus den Gemeinden >! 44444-^444 44444444 »44444^44*4« >44»«444444444»4«4»44444444444! Berlin. (E riieniiu >ig zum Ehrendoktor.) Herr Justizrat Dr. Arnold Seligsohn, unser langjähriges, treues Mitglied, ist zumj Ehrendoktor der Staatswissenschasten von der Fakultät an der Universität Berlin ernannt morden. Berlin. (D er M ag i st r at -enteignet Grundbesitz der jüdischen Gemeind e.) Der Magistrat Berlin hat die Stadtverordnetenversammlung ersucht, der Enteignung des der Jüdischen Gemeinde gehörigen und zum endgültigen Ausbau der verlängerten Metzstraße in Weißensee benötigten Straßenlandes von insgesamt 3926 Quadratmetern zuzustimmen. Es handelt sich um Boden, den die Jüdische Gemeinde zur Erweiterung des Friedhofs erworben hatte. Berlin. (6 0. Geburtstag.) Albert Jolowicz, der bekannte Berliner Antiquar, begeht am 20. Juni d. I. seinen 60. Geburts? tag. Albert Jolowicz gilt mit Recht als einer der besten Kenner der slawischen Literatur und Geschichte. Zu den ursprünglichen Spezialgebieten seines Antiquariats — Slawica, Polonica, Judaica, Hebraica und klassische deutsche Literatur — trat später noch eine Abteilung für slawische Kunst (Kupferstiche) und besonders für altpolnische Kunst hinzu, die gewerblich bisher noch nirgends gepflegt wurde. Cannstatt. (Persönliche s.) Oberlehrer Emanuel Adler seicrte dieser Tage unter starker Teilnahme weiter Kreise aus der Gemeinde sein 40 jähriges Amtsjubiläum. Außer den Berufsgenossen ließen auch das Israelitische Vorsteheramt, die städtischen Schulbehörden und die Landesvcrsammlung dem geschätzten Beamten Glückwünsche und Aufmerksamkeiten übermitteln. Duisburg. (Um die Einheit der Gemeinde.) Der Jüdisch-liberale Gemeinde-Verein hatte am 29. Mai 1929 sein« Mitglieder und die ihm nahestehenden Gemeindeangehörigen zu einer Versammlung eingeladen, in der über die Gründe berichtet werden sollte, die den ersten Vorsteher der Gemeinde, Herrn Theodor Lauter, und die beiden liberalen Repräsentanten, die Herren R. Alsberg und H. Strauß, bewogen hatten, ihre Aemter in der Gemeindeverwaltung und Gemeindevertretung niederzulegen. Der 1. Vorsitzende des Vereins, Herr Rechtsanwalt Dr. Kaufmann I, eröffnetc die Versammlung mit einer kurzen Begrüßungsansprache, in der er auf die besondere Bedeutung der Versammlung hinwies und in der er feststellte, daß der Jüdisch-liberale Gemeinde-Verein sich in der kurzen Zeit seines Bestehens als Zentrum der liberalen Juden in Duisburg erwiesen habe. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß das Interesse an den brennenden Fragen des Gemeindelebens sich in einem so überaus großen Besuch widerspiegele. Alsdann ergriff Herr Theodor Lauter das Wort. Er ging davon aus, daß er nach dem Abgang der letzten Gemeindewahlen, in der die Liberalen in der Minderheit geblieben seien, einen überaus schweren Stand gehabt habe. Sein oberster Grundsatz sei aber gewesen, für den Frieden in der Gemeinde zu sorgen. Das sei nicht, immer leicht gewesen, und er habe manches Mal Beschlüssen zustimmen müssen, die er innerlich nicht gebilligt habe. Er habe aber in solchen Fällen seine Meinung zurückgestellt, um den Frieden in der Gemeinde und der Gemeindeverwaltung zu wahren. Zum offenen Kampf sei es aber bei den diesjährigen Etatberatungen gekommen. Er habe gewünscht, den Beitrag für den Central-Berein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der 18 Jahre lang regelmäßig von der Gemeindevertretung bewilligt worden sei, wieder in den Etat einzustellen. Im Vorstand habe er für die Einstellung und Bewilligung dieses Postens auch eine Mehrheit gefunden. Bevor denn der Etat der Repräsentantenversammlung vorgelegt worden sei, habe er sich persönlich bemüht, auch in der Repräsentantenversammlung eine Mehrheit für diesen Posten znsammenzubringen. Es habe zunächst auch den Anschein gehabt, als ob ihm dies gelingen würde. In der maßgebenden Repräsentantenversammlung sei aber trotz aller Bemühungen dieser Posten nicht bewilligt worden. Als er gesehen habe, wie trotz aller Bemühungen mit allen Mitteln von den Gegnern gegen ihn und gegen seine Vorschläge gearbeitet worden sei, habe er eingesehen, daß er bei der augenblicklichen Zusammensetzung der Verwaltung nicht mehr habe Mitarbeiten können. Cr habe ursprünglich die Absicht gehabt, sofort die nötigen Folgerungen zu ziehen und sein Amt ni^erzulegen. Auf Wunsch einiger Freunde habe er aber diesen Schritt noch zurückgestellt, um mit Herrn Rabbiner