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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-06-05 · 23 (5.6.1929) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
23 (5.6.1929)
Date
1929-06-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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7 Kinder, sondern je 3 bezw. insgesamt 55 aufwiesen. Für Kiel bemerkt Rabb. Dr. Arthur Posner: Hier ist die relativ große Kinderzahl nur den sogenannten Ostjuden zu danken! Der Einfluß der Ostjuden auf die Erhaltung vieler jüdischer Gemeinden Preußens ist bisher noch lange nicht bekannt gewesen. Die Mischehe wird vielfach in der Auszählung berührt. In der Dortmunder Aufstellung findet man 149 Mischehen, an denen die Männer 91 mal, also zu 3/f( beteiligt sind. Aus diesen Mischehen stammen 21 Kinder vom jüdischen Vater und 10 von jüdischer Mutter, die in jüdischem Glauben erzogen wurden. Neben diesen 149 Mischehen wird die Anzahl der Mischehen von aus der Gemeinde ausgetretenen Juden noch auf 165 bis 70 geschätzt, so daß neben den ermittelten 701 jüdischen Ehen (mit 1402 Personen) die etwa '315 Mischehen (mit 315 jüdischen Personen) 22,5 o/0 der verheirateten jüdischen Personen betragen dürsten. Die Ergebnisse der Enquete gelten im allgemeinen nur für die preußischen Juden in Orten unter 1000 Juden; das Fehlen der großen Gemeinden Berlin, Breslau, Frankfurt v. M., Köln usw. läßt einen Rückschluß auf Großgemeurden im allgemeinen nicht zu. (Jta.) Umschau Arbeitsgemeinschaft der Konzessionen für den Frieden. Eine Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden ist soeben für Deutschland gegründet worden. Von evangelischer Seite gehört ihr die Deutsche Vereinigung des Weltbundes für Freundschastsarbeit der Kirchen, von katholischer Seite der Friedensbund deutscher Katholiken, von jüdischer Seite der Jüdische Glaubensbund an. In einem Aufruf wird betont, daß alle materiellen Sicherungen ohne Mitwirkung ideeller Faktoren unwirksam bleiben müßten. Bei voller Anerkennung der Pflicht zur Wahrung der nationalen Eigenart der einzelnen Völker seien die Bekenntnisse sich ihrer Friedensaufgabe längst bewußt geworden. Ter Aufruf hebt hervor, daß der dauernde Friede auf Grund sittlicher Forderungen angestrebt werde, „nicht als Verewigung alles Geschehenen, als ein Freibrief für alles künftige Unrecht, sondern als Verpflichtung zur Gerechtigkeit und zum gegenseitigen Vertrauen, als Ausdruck der Freundschaft und Bruderschaft der Völker". Der Aufruf ist unterzeichnet von evangelischer Seite von Professor Sigmund Schultze, Direktor Dr. von Strauß (Berlin), Professor Dr. Heyde (Kiel); von katholischer Seite von Prinz Max zu Sachsen und Stadtbaurat Tr. Adler, ferner von jüdischer Seite von dem Vor^ sitzenden des Deutschen Rabbinerverbandes Dr. Baeck, Professor Einstein und Oskar Wassermann. Barchfeld. (Jubiläum.) Vorsteher Jakob Steru beging sein 25 jähriges Jubiläum als Gemeindeobcrhaupt und durfte aus diesem Anlaß manche Ehrungen entgegennehmen. Außer dem Provinzialrabbiner Dr. Cohn, Fulda, der den Festgottesdienst leitete, dem Kreisvorstchcr ünd 'Vertretern der israelitischen Gemeinde Schmalkalden waren viele Freunde aus nah und fern zum Jubiläum erschienen. Der Bürgermeister und der Ortsgeistliche hatten im Namen der christlichen Ortsbevölkerung Glückwunschschreiben übersandt; die israelitische Gemeinde ließ ihrem verdienten Führer ein Ehrengeschenk überreichen. Berlin. (Der Bau der Synagoge P r i n z r e g e n t e n - st r a ß e.) Der Rohbau der Synagoge Prinzregenteustraße in Wilmersdorf ist, wie die Jüdische Telegraphcn-Agentnr mitteilt, jetzt fertiggestellt und die Innen- und Außenarbeiten werden mit Hochdruck betrieben, damit der Bau noch in diesem Jahre seiner Bestimmung übergeben werden kann. Der Jnnenraum, bei dessen Anordnung tragende Pfeiler möglichst vermieden worden sind, bietet Platz für 2300 Personen, so daß auch in ihren Größcnverhältnissen die neue Synagoge zu den größten Europas zählt. Die Frontlänge des Gebäudes mißt 60 Meter, die Gesamtfläche des Grundstücks 3300 Quadratmeter. Der Kuppelbau, der einen lichten Durchmesser von 37 Metern ausweist, übertrisst an seinen Ausmaßen sämtliche Berliner Kuppelbauten und ist auch etivas größer als die Berliner Domkuppel. Der Entwurf stammt von dem Baumeister der Jüdischen Gemeinde, RegierungKbaumeister Beer; die Bauleitung ivird vom Bauamt der Gemeinde durchgeführt. Die Baukosten sind auf 1,2 Millionen Mark veranschlagt. Wahrscheinlich wird diese Summe aber etwas überschritten werden, >vcil die Bauarbeiten durch die Frostperiode stark behindert und verzögert worden sind. Berlin. (G e l d s ch r a n k e i n b r e ch e r im Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde.) Einbrecher drangen in der Nacht in das Gebäude der Berliner Jüdischen Gemeinde in der Oranienburger Straße 28 ein und knabberten zwei Geldschränke auf, fanden aber kein Geld darin. Die für die Gehälter aufbewahrten Gelder waren an anderer Stelle verwahrt worden. Der Einbruch wurde entdeckt, als am Freitag früh die Angestellten erschienen. Mitteilungen zur Aufklärung nimmt Kriminalkommissar Zapfe bei der Dienststelle B. 6 im Polizeipräsidium entgegen. Berlin. (Sitzung der Schriftleiter der jüdischen G e m e i n d e z e i t u n g e n Deutschlands.) Am 22. Mai 1929 fand in Berlin eine Zusammenkunft der Schriftleiter der jüdischen Gcmeindezeitungen Deutschlands statt, mit der Aufgabe, der im Vorjahre auf der Pressa in Köln in Aussicht genommenen Arbeitsgemeinschaft „Das jüdische Gemeindeblatt" eine Organisationsform zu geben. Es waren zu der Zusammenkunft erschienen: Gemeinderabbiner Cohn- Leipzig, Rabbiner Dr. Grün-Danzig, Rabbiner Dr. S. Levi-Mainz, Syndikus Dr. Eugen Mayer-Frankfurt, Dr. Meisl-Berlin, Dr. Ollendors-Berlin, Rechtsanwalt Dr. Eugen Schmidt-München, Rabbiner Dr. Schönberger-Aachen, Jacob Sternlicht-Dresden. Der Besprechung lag ein vom Vorsitzenden des vorbereitenden Ausschusses, Gemeinderabbiner Cohn, gefertigter Satzungsentwurf zu Grunde, in dem als wesentliche Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft die Beschaffung und der Austausch von Artikeln, die Bereitstellung von Bildmaterial, der Austausch der Gemeindeblätter und der Austausch der Erfahrungen der Schriftleitungen bezeichnet sind. Dr. Ollendorf-Berlin begrüßte eine engere Verbindung der deutschjüdischen Gemeindeblätter mit der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. — Dr. Eugen Mayer-Frankfurt regte an, daß die Zentralwohlfahrtsstelle einmal im Monat einen Bericht über ihre Tätigkeit an die Redaktionen der Gemeindezeitungen sende. Es sei notwendig, die Zeitschriften zu illustrieren, die gegenseitige Ueberlassung von Klichees sei wichtig. — Dr. Meisl-Berlin erklärt, daß in Berlin die Schaffung einer Arbeitsgemeinschaft der Gemeindezeitungen nicht aus starken Widerhall gestoßen sei. Eine gewisse Verbindung scheine ihm jedoch notwendig zu sein. Auch ihm erscheine die Frage des Bilden Materials sehr wichtig. — Dr. Levi-Mainz wies auf den Mangel hin, daß neuerscheineiche Bücher nicht genügend gewürdigt »verden. — Dr. Schönberger-Aachen hob die Bedeutung der Artikelbeschaffung MM Aus den Gemeinden ★ Versammlungskalender Bresla«. Jll „Abraham Geiger". Mittwoch, de« 12. Juni, 20.15 Uhr: Gemütliches Beisammensein im Kurgarten, Kürassierstraße. Frankfurt a. M. Jüdisch-liberale Jugendgemeinschaft. 8. und 9. Juni: Gemeinsame Fahrt nach Gießen. Näheres durch Herrn Heinemann, Bäckerweg 54, Car. 46 680. Am 8. Juni: Zusammenkunft der Jugendgruppe bei Dr. Hoffmann, llntermainanlage 7. Referat RenS Metz: Moses Mendelssohn. Dienstag, den 11. Juni 1929, 20.45 Uhr: Heimabend. „Religiöser Liberalismus". Sitzungszimmer der Westendsynagoge. Am 15. Juni 1929, nachmittags: „Denksport", Irma Dresdner, im Garten bei Flörsheim, Neumannstraße 153. 44444444444444444444444444444444444444444444444»444444444444 | * | Gottesdienste f * f 444«4»4444444444444»4444444»♦♦444444444444444444♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦ Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden, Schönhanser Allee 182. Jeden Freitagabend liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr pünktlich. Freitag, den 7. Juni, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Wey l. Sonnabend, den 8. Juni, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Berlin-Weslend. Verein Liberale Synagoge Westend, Leistikowstraße 7-8 (Schul, aulaj, nahe Reichskanzierplatz. Jede« Freitagabend liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr pünktlich. Freitag, den 7. Juni, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Aula der Cacilienschnie, Nikolsburger Platz): Jeden Freitagabend liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn. 19.15 Uhr pünktlich. Freitag, de* 7. Juni, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. K l e in. durch die zu gründende Arbeitsgemeinschaft hervor. — Rechtsanwalt Dr. Eugen Schmidt-München gab der Hoffnung Ausdruck, daß es in Bälde gelingen werde, die Arbeitsgemeinschaft arbeitsfähig zu machen, und setzte sich für die Berücksichtigung der gegenwärtigen Notlage der freie» Schriftsteller bei der Honorierung, insbesondere auch bei Abdruck einer Arbeit in weiteren Zeitungen, ein. — Dr. Eugen Mayer führte aus, daß zwar die größeren Gemeindezeitungen im wesentlichen einen selbständigen Aufbau ihres redaktionellen Teiles durchzusühren wünschen. Dies schließt nicht ans, daß doch mitunter Artikel führender Männer in den deutschen Gcmeindezeitungcu am besten allgemein erscheinen würden. — Dr. Cohn-Leipzig machte darauf aufmerksam, daß bis jetzt nur verhältnismäßig geringe Beträge in Aussicht gestellt worden seien, so daß größere Aufgaben damit zunächst nicht in Angriff genommen werden könnten. — Dr. Grün-Danzig brachte zum Ausdruck, daß die Gemeinde Danzig schon im Interesse des Zusammenhanges mit der deutsch-jüdischen Kultnrgemeinschaft einen Zusammenschluß begrüßen würde. — Dr. Mayer machte den Vorschlag, daß der engere Ausschuß eine Denkschrift ausarbeite und daß diese Denkschrift auf die Tagesordnung der Konferenzgcmeinschaft der deutschen Gemeinden komme. Er sei der Ansicht, daß es dann ohne große Mühe gelingen tverde, verschiedene noch ausstchende Gemeinden beziv. Gcmcindezeitungen zum Beitritt zu bewegen und die erforderlichen Mittel zu erlangen. Die Aussprache ergab die grundsätzliche Zustimmung der erschienenen Vertreter mit den im Entwurf von Dr. Cohn-Leipzig enthaltenen Richtlinien. Gemäß dem Anträge Tr. Engen Mayer-Frankfurt tvurde beschlossen, eine Denkschrift auszuarbeiten und diese der Konfercnzgcmeinschaft der deutschen Gemeinden vorzulegen. Man hofft, dadurch in den Besitz der für die Zwecke der Arbeitsgemeinschaft erfor»- derlichen verhältnismäßig nicht bedeutenden Mittel zu kommen und dann im Sinne der Richtlinien praktische Arbeit leisten zu können. (Jta.) Breslau. (6 0. Geburtstag.) Am Donnerstag dieser Woche begeht der Vorsitzende der Breslauer Repräsentantenversammlung, Justizrat Peyser, seinen 60. Geburtstag. Justizrat Peyser, der sich stets treu zum liberalen Judentum in seinem Wirken bekannt hat, betätigt sich fast annähernd 20 Jahre im Ehrendienste der Gemeinde. Schon im Jahre 1914 wurde er in den wichtigsten Ausschuß der Gemeinde, in die liberale Kultuskommission berufen. Seit 1912 ist er Mitglied der Gemeindevertretung, in per er viele Jahre die liberale Fraktion führte. Im Jahre 1922 wählte ihn die Gemeindevertretung als Nachfolger von Prof. Wohlauer s. A. zu ihrem Vor « sitzenden. Als solcher leitet er mit Umsicht und Gerechtigkeit die Geschäfte dieser Versammlung. Daneben ist Justizrat Peyser Mitglied des Finanzausschusses, des Kuratoriums der Gotthelf-Stiftung und des Vorstandes des Stndenten-Stipendiensonds. Ganz hervorragenden Anteil hatte er an der Ausarbeitung der neuen Gemeindesatzung im Jahre 1925. Neben den vielen Ehrenämtern in der Gemeinde zählen den Jubilar noch viele Vereine zu ihrem tatkräftigen Mitarbeiter. Wir können nur wünschen, daß diese unermüdliche Schaffensfreude zum Segen der Gemeinde dem Jubilar noch viele Jahrzehnte erhalten bleibt. Sein Wirken wird nicht zuletzt den Bestrebungen des liberalen Judentums förderlich sein. Detmold. (7 0. Geburtstag.) Das durch vielseitiges Wirken in Wohltätigkeitsvereinen verdiente Mitglied hiesiger Gemeinde Herr H. M. Jena beging unter lebhafter Anteilnahme weiter Kreise den 70. Geburtstag und wurde von vielen Seiten durch Aufmerksamkeiten geehrt. Dortmund. (Todesfall.) Am 25. Mai entschlief das langjährige Mitglied des Vorstandes der Synagogengemeinde, Herr Ferdinand Jonas, im Alter von 75 Jahren. — Er gehörte zu den map-, kantesten Persönlichkeiten der Dortmunder Gemeinde, deren Interessen ihm stark am Herzen lagen, und um deren Förderung er sich außerordentliche Verdienste erworben hat. — Der Vorstand und die Repräsentanten widmen ihm einen tief empfundenen Nachruf, in dem es heißt: Insbesondere war er als Vorsitzender der Gottesdienstkommission um die Hebung des Gottesdienstes und dessen würdige Ausgestaltung mit anerkennenswertem Erfolg bemüht." — Mit der Familie und der Gemeinde verliert unsere Ortsgruppe der Vereinigung Leser, die verreisen können sich die „Jfidisch-liberale Zeitung" auf kurze oder längere Zeit ins Bad oder in die Sommerfrische nachsenden lassen Der Nachsendungsantrag ist bei dem zuständigen Postamt zu beantragen. Es ist dringend ratsam, die Ueberweisung möglichst acht Tage vor der Reise zu bestellen. ür das liberale Judentum einen ihrer wärmsten Freunde und Förderer. (Siehe Nachruf im heutigen Bericht über die letzte Veranstaltung derselben.) Frankfurt a. M. (S o z i a l c A r b e i t.) Im Anschluß an die Frankfurter 'Bezirkstagung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden trat der Soziale Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbandes gemeinsam mit den Vertretern des Preußischen Landesverbandes und der Zentralwohlfahrtsstelle am 13. und 14. Mai in Frankfurt a. M. zu einer Sitzung zusammen. Während am 13. Mai grundsätzliche Fragen der Gesängnisseelsorge in mehrstündiger Aussprache erörtert wurden, beschäftigte sich die Sitzung am 14. Mai nach Entgegennahme des Geschäftsberichtes der Sachbearbeiter der Geschäftsstelle neben den Fragen der Krankenhaus- und Anstalts- 'eelsorge, im wesentlichen mit den Problemen der sozialen Ausbildung der Rabbiner und Kandidaten, sowie mit der Sozialen Arbeit des Rabbiners überhaupt. Außerdem wurde in Anlehnung an ein Referat über kulturelle Gcfangenenfürsorge die Notwendigkeit jüdischer und rabbinischer Mitarbeit auch auf diesem Gebiete betont. An die Sitzung schloß sich eine ernsthafte und fruchtbare Ansprache mit geladenen Gästen aus den Kreisen der Jugendbewegung über das Problemgebiet „Der Rabbiner und die Jugend", worüber die Rabbiner Dr. Prinz und Grünewald und die Herren Dr. Franz Wolf und Dr. Georg Lubinski referierten. Gleiwitz. (Todesfall.) Der langjährige Kantor Hermann Markus ist am 30. Mai verschieden. — Im Vorjahre konnte er in Gesundheit sein 25 jähriges Dienstjubiläum im Verbände der Synagogengemeinde Gleiwitz feiern und nun ist der ticfgebildete, wissenskundige und pflichlerfüllte Mann gestorben. Seit 1903 stand er in der Synagoge am Vorbetertisch und konnte in echter Frömmigkeit unentwegt die Andächtigen im Gottesdienste führen. Sein jüdisches Wissen war ganz ungewöhnlich und er erfreute durch Tiefe und Bescheidenheit alle, die ihm näher standen. Harburg. (Persönliche s.) Nach längerem Leiden ist hier der Lehrer und Kantor Michael Bachenheimer gestorben. Dreißig Jahre wirkte der Entschlafene segensreich in der hiesigen Gemeinde, bis zunehmende Krankheit ihn vor drei Jahren zwang, in den Ruhestand zu treten. In seiner Gemeinde und im Kreise der Amtsgenossen wird das Andenken an den pflichttreuen, charaktervollen Beamten und Freund unvergessen bleiben. Hildesheim. (8 0. Geburtstag.) In seltener körperlicher und geistiger Frische beging Herr D. Goldberg seinen 80. Geburtstag. Mehr als zwei Jahrzehnte war der heute noch gemeinnützig wirkende Jubilar Mitglied des 'Vorstands der Synagogengemeinde. Namens der Gemeinde sprach der erste Vorsteher, Rechtsanwalt Dr. Berg, die Glückwünsche aus; außerdem gratulierten als offizielle Beauftragte Lehrer Stern für die Chewra Kadischa, deren Vorsitzender Herr Goldberg heute noch ist, und Leopold Fulder als Präsident der Hillel-Loge. Kassel. (U e b e r g a n g s b c st i m m n n g e n zum I u d e n g e - setz.) Aus den Verhandlungen des Preußischen Landesverbandes über das künftige Judengesetz interessiert der Beschluß des Rates, daß für Kurhcssen nicht Sonder-, dagegen aber Uebergangsbestimmungen erlassen werden sollen. Da das Judengesetz ivohl leider vermutlich, noch lange aus sich warten lassen wird, dürften diese Uebergangsbestimmungen in späteren Sitzungen erst formuliert und dann in die Tat umgesetzt werden. Rechtsanwalt Dr. D. Goldschmidt, der als Korreferent über die Frage den Standpunkt Dr. Jsmar Freunds teilte, hielt nach Einführung der Uebergangsbestimmungen auch das Weiterbestehen der Vorstcherämter bezw. deren Bezirke als Bezirksverbände für möglich. Dies oft erörterte Problem wird infolge seiner Kompliziertheit auch künftig alle beteiligten Organe noch oft beschäftigen müssen. Königsberg. (Tod der Dichterin Gutti Alsen.) Hier verstarb die Dichterin Gutti Alscn, die sich innerhalb des deutschen Schrifttums Namen und Anerkennung errungen hatte. Im Trauerhause in der Rheinstraße hatten sich Freunde und Verehrer der Dichterin zusammengefunden, um noch einmal bei Gutti Alsen in ihrem Heim zu verweilen. Die Trauerfeier wurde mit einem von Fritz Kudnig verfaßten und von seiner jungen Frau vorgetragenen Gedicht auf Gutti Alsen eröffnet. Die Gedächtnisrede hielt Gemcinderabbiner Dr. Reinhold Lewin, der des Lebenstveges der Verblichenen als Mensch, als Mutter, wie als Deutsche und Jüdin gedachte. Nach dem Sterbegesang des Kantors verließ die Trauergemeinde mit dem Sarge das Haus, um diesen nach dem Friedhof am Königstor, aus dem nur noch wenige Plätze frei sind, zu überführen. Hier ertvartete eine lveit zahlreichere Gemeinde die Leiche. In der Leichenhalle wies Dr. Lewin in besonders herzlichen Worten darauf hin, daß wahre Liebe bis über den Tod hinaus währe. Dies habe auch die Dahingegangene anerkannt. In ihrem letzten Wort, dem „Requiem", habe sie erzählt, wie sie ans dem Höhepunkt des Schmerzes um ihre verlorene Tochter das Gefühl gehabt habe, wie diese wieder in den Leib der Mutter eingegangen sei. Namens der Schriftsteller überbrachte Martin Borrmann der Toten die letzten Grüße. Dann wurde der Sarg in die Gruft getragen und nach Gebet und Segen schlossen sich über ihm die Erdschollen. Nürnberg. (Todesfall.) „Gütig gegen die Menschen und ehrfürchtig gegen Gott", so charakterisierte in seinem Nachruf Herr Rabbiner Dr. Freudenthal den am 27. Mai im 78. Lebensjahr dahingeschiedenen Privatier Bernhard Schloß. Als Mitbegründer und langjähriger Teilhaber der Firma M. Weinbergs Nachf. hat es der Verstorbene durch Fleiß und Rührigkeit zu einem bedeutenden Geschäfte und zu einer führenden Firma des Papiergroßhandels gebracht. In der Fürsorge für die Armen und Notleidenden war er unermüdlich tätig, sowohl viele Jahre als Waisenrat in der Stadtgemeinde, als insbesondere in seiner Eigenschaft als langjähriges Mitglied in der Verwaltung und im Vorstand des israelitischen Armen-« Unterstützungsvereins. 33 Jahre gehörte er der Verwaltung dieses Vereins an. Er waltete dieses Amtes erfüllt von dem hohen Gedanken, echt jüdischer Z'doko. Bernhard Schloß war stets eifrig bemüht, auch in der organisierten Wohlfahrtspflege den Weg vom Herzen, und znm Herzen aller Beteiligten zu finden. Er kannte alle von den Vereinen betreuten Notleidenden ^persönlich; ihm war keine Zeit und Mühe zu viel, wo es galt, zu raten, zu helfen und zu geben. Am Friedhof umstanden die Bahre nicht nur Leidtragende aus allen Kreisen und allen Konfessionen, sondern man sah auch gar manch«! Notleidende in schlichtem Gewand, denen der Verlebte ein treuer Gönner und Helfer war. Alles in allem ein treuer und guter Jude, ein Mann, dessen Wirken Segen stiftete und dessen Andenken fortleben wird für fernere Zeiten. Oppeln. (Bersammlung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien.) Der Verein israelitischer Lehrer tn Schlesien, der die jüdischen Lehrpersonen und zum Teil auch die Kultusbeamten von Schlesien und Oberschlesien umfaßt, hält am

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