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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-05-31 · 22 (31.5.1929) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
22 (31.5.1929)
Date
1929-05-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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am Friedhofszaun einen Hundckadaver gesunden, der von draußen hineingeworscn morden war. Leipzig. (G e m e i n de s i tz u n g.) In der am 27. d. Mts. stattgefundenen Gemeindesitzung wurden hauptsächlich Verwaltungsfragen behandelt. Nach einem warmempfundenen Nachruf auf den verstorbenen Syndikus der Gemeinde, Justizrat Lebrecht, wurde dem Gemeindevorstand die Ermächtigung zur vorläufigen Wirtschaftsführung bis zur Verabschiedung des diesjährigen Haushaltplanes erteilt und die vorjährige Steuerordnung mit sinngemäßen Aenderungen für das lausende Jahr genehmigt. Zwei Punkte jedoch verdienen Beachtung. Es hat sich gezeigt, daß das Gemeindesitzungszimmer, in dem gegen?- wärtig die Gemeindesitzungen stattfinden, den Ansprüchen nicht mehr gewachsen ist. Der Vorstand hat deshalb in Erwägung gezogen, die Sitzungen außerhalb des Gemeindehauses abzuhalten. Die Entscheidung über diese Frage wurde vertagt. Ferner lag ein Antrag der Gemeindcrabbiner auf Zuziehung zu den Gemeindesitzungen vor. In der Aussprache über diesen Antrag wurde verschiedentlich betont, daß die Rabbiner bei ihrer Anwesenheit ln Gemeindesitzungen sich der Gefahr einer allgemeinen Kritik aussetzen tvürden. Auch hätten die Rabbiner die Möglichkeit, von ihnen gestellte Fragen und Anträge sachgemäß durch den Vorstand der Gemeindesitzung vortragen zu lassen. Obgleich einige Gemeindevertreter auch für die Zuziehung der Rabbiner zu den Gemcindesitzungen waren, verfiel der Antrag einstimmig der Ablehnung. Eine Resolution einiger Gemeindevertrcter, den zuständigen Gemeinderabbiner nach vorheriger Beschlußfassung in der nächsten Sitzung zu gewissen Fragen zuzuziehen, wurde ebenjalls abgelehnt. Leipzig. (Goldenes Jubiläum des Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands.) Am 21. und 22. Mai hielt der Verein israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands sein« diesjährige Jahresversammlung in Leipzig ab, die gleichzeitig zu einer Jubelfeier anläßlich des 50 jährigen Bestehens pcs Vereins ausgestaltet war. Der Vorstand des Vereins hatte die Vertreter des Rates der Stadt Leipzig, des Sächsischen israelitischen Gemeindeverbandes und der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig sowie der jüdischen Organisationen zu einem Bcgrüßungsabend eingeladen, zu dem, da er öffentlich war, auch zahlreiche Mitglieder der hiesigen Gemeinde erschienen waren. Ferner tvaren vertreten der Ausschuß des Reichsverbandes jüdischer Lchrervereiue Deutschlands, des Verbandes jüdischer Lehrcrvereine PreußüUs, Vertreter des D.J.G.B. und des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Nach einer Begrüßungsansprache des 2. Vorsitzenden des Vereins, Kantors Jaffe-Leipzig, in der er u. a. hervorhob, welche besondere Stellung Leipzig in der Entwicklungsgeschichte des Vereins einnimmt und in der er die überragende Bedeutung des derzeitigen 1. Vorsitzenden des Vereins, Lehrers Steinhardt-Magdeburg, würdigte, folgten Begrüßungen durch den Vorsteher der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig, Handelsgerichtsrat Gotdschmidt, der zugleich für den Sächsischen israelitischen Gemeindeverband dem Verein die besten Wünsche für seine weitere Entwicklung übermittelte. Im Namen des Rabbinats der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig unterstrich Gemeinderabbiner Gustav Cohn die Gemeinsamkeit des Weges und der Ziele im Dienst an der jüdischen Jugenderziehung und hieß den Verein auch im Namen der Leipzig-Loge willkommen. Hierauf folgten Begrüßungsansprachen der Vertreter des Hilfsvereins der deutschen Juden, des jüdischen Frauenbundes, des C.-V., der zionistischen Vereinigung und des R. j. F. Auch ein Vertreter der Leipziger jüdischen Jugend entbot dem Verein seinen Willkommensgruß. Im Brennpunkt der Festveranstaltung stand eine Kundgebung 'zur Hebung des Interesses für die religiöse Erziehung der Jugend. Die Kundgebung behandelte in einem dreigeteilten Vortrag das Thema! „Der jüdische Lehrer, die jüdische Schule, das jüdische Kind". Zum ersten Teil dieses Themas sprach Mittelschullehrer Dr. H. Stern- Berljn, ihm folgten zum zweiten Teil Lehrer M. Steinhardt-Magdeburg und zum letzten Teil Oberlehrer Th. Rothschild-Eßlingen. Die drei Festreserate setzten sich mit dem Verhältnis der jüdischen Erziehungsprobleme und Erziehungssaktoren zur modernen Pädagogik in tief-» schürfender Weise auseinander. Die Forderung nach der modernen jüdischen Lehrerpersönlichkeit wurde erhoben, die die Seele des neuzeitlichen Kindes zu gewinnen 'weiß, um es nicht bloß mit Wissen zu erfüllen, sondern um in ihm die jüdische Persönlichkeit zu entwickeln. Die weitere Forderung nach der jüdischen Volksschule ist die logische Konsequenz der vorhergehenden Forderung, zumal wir nach wie vor keine echten Simultanschulen, sondern nur verkappte Konsessionsschulen besitzen. Die Eigenart des jüdischen Kindes, erklärbar aus der Besonderheit jüdischer Veranlagung, jüdischer Umgebung und jüdischen Lebens, erheischt dringlich eine besondere jüdische Erziehung, die nur der unabhängige jüdische Lehrer in unabhängig jüdischen Schulen mit Erfolg zu erzielen vermag. Die Kundgebung machte bei der Bedeutung der Redner tiefsten Eindruck. Umrahmt war der rednerische Teil von künstlerischen musikalischen Darbietungen, um die sich Oberkantor Lampel-Leipzig sowie die Konzertsänger Sonnini und Stern mit bestem Erfolge bemüht hatten. In der Jubiläumstagung am folgenden Tage legte der langjährige verdiente Vorsitzende des Vereins, Lehrer Steinhardt-Magdeburg, nach 31 jährigem treuesten Walten sein Amt nieder. Er wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt, eine Dankadresse wurde ihm feierlich überreicht. An seine Stelle trat nach einstimmiger Wahl der bisherige 2. Vorsitzende des Vereins, Kantor Jaffe-Leipzig. Das Hauptthema der Jahresversammlung: „Apologetik im jüdischen Religionsunterricht" wurde von dem Junglehrer Rosenberg-Magdeburg behandelt. Der Redner wies die Notwendigkeit apologetischer Unterweisung überzeugend nach, riet jedoch von, einer systematischen Apologetik als Unterrichtsfach ab. Erfolgreichere Wege apologetischer Erziehung wies er an zahlreichen Beispielen aus dem Leben nach. Die folgende ausgedehnt« Diskussion stand aus hoher Warte. Ein festliches Mahl, durch viele launige Ansprachen gewürzt, beschloß am späten Nachmittag die denkwürdige Tagung. Luckenwalde. (Todesfall.) Einen schweren Verlust hat unsere Synagogengemeinde, Stadt und Kreis Luckenwalde, erlitten. Im 68. Lebensjahre verschied der Stadtrat und Kreistagsabgeordnete Gustav Bauchwitz. Ueber 30 Jahre war er Mitglied der Gemeinde- Repräsentanz, 25 Jahre davon ihr Vorsteher. 27 Jahre gehörte er der Stadtverordnetenvertretung an und war davon 5 Jahre ehrenamtlicher Stadtrat. Der Kreis Luckenwalde-Jüterbog hatte ihn in den Kreistag gewählt. Welche Wertschätzung er genossen und welche Bedeutung er für Stadt und Land hatte, geht daraus hervor, daß an den Bcisetzungsseierlichkeiten der Magistrat und das Stadtverord^ neten-Kollegium, der Landrat und der Vertreter der Regierung sowie die evangelische Geistlichkeit von Luckentvalde teilgenommen haben. Die Synagogengemcinde hat ihm ein Ehrenbegräbnis zuteil werden lassen. Die Gedächtnisrede in der Synagoge hielt Herr Leo Rosenblatt aus Berlin. Am Grabe sprachen u. a. der Bürgermeister sowie ein Vertreter der bürgerlichen Fraktion, der sozialdemokratischen Stadtverordneten-Fraktion, der Städtischen Betriebswerke und viele andere und legten Kränze am Grabe nieder. Am Tage der Beisetzung hatten das Rathaus und viele städtische Gebäude Halbmast geflaggt. Groß ist die Trauer um diesen Mann, der sich als guter Sohn seiner Heimat und als guter Jude Verdienste geschaffen, die seinen Tod noch lange überdauern werden. Meerholz. (9 0. Geburtstag.) Unter lebhafter Beteiligung weiter Kreise beging der hier im Ruhestand lebende Lehrer S. Birk in seltener körperlicher und geistiger Rüstigkeit seinen 90. Geburtstag. 34 Jahre war er bis zu der im Jahre 1908 erfolgten Pensionierung als Lehrer und Vorbeter hier tätig, und bei allen Mitbürgern erfreut sich der Greis großer Wertschätzung, was auch an dem seltenen Familienfeste deutlich in Erscheinung trat. Trotzdem sich der Jubilar aus Bescheidenheit die von der israelitischen Gemeinde geplanten Feierlichkeiten verbeten hatte, tvaren alle Gemeindemitglieder, zahlreiche Berufsgenossen und andere Freunde zur Gratulation erschienen. Der Hessische Lehrerverein hatte durch den Vorstand telegraphisch die Glückwünsche übermitteln lassen; die Israelitische Lehrerkonferenz Hessen hatte ebenfalls ein Glückwunschtelegramm gesandt und das Ausschußmitglied Lehrer Levi, Birstein, mit ihrer Vertretung bei der Feier beauftragt. Die israelitische Gemeinde Hanau war durch Lehrer Weingarten vertreten. Alle Gratulanten hoben in ihren Ansprachen die ausgezeichnete geistige Reg-/ samkeit und daH körperliche Wohlbefinden des Jubilars hervor, der als Nestor der jüdischen Lehrerschaft Hessens auch außerdem viele Ehrungen entgegennehmen durfte. München. (Hofrat Dr. Adolf Theilhaber 75 Jahre.) Hofrat Dr. Adolf Theilhaber, der bekannte Münchener Gynäekologe, feierte in diesen Tagen seinen 75. Geburtstag. Anläßlich seines 50. Doktorjubiläums, das zeitlich mit dem Jahr seines 70. Geburts" tags zusammenfiel, erschien eine umfangreiche Festschrift, in der prominente deutsche und ausländische Wissenschaftler die Bedeutung seiner medizinischen Forschungen sestlegten. Theilhaber hat am Ende des vorigen Jahrhunderts auf dem Gebiete der Frauenheilkunde Grnndlegendes geschaffen, in diesem Jahrhundert dienten seine Untersuchungen hauptsächlich der Aufhellung und Behandlung des Krebsproblems. Nach seiner Lehre ist der Krebs Erscheinung eines vorzeitig entarteten Organs. Theilhaber, der in München ein eigenes Institut und eine eigene Klinik ins Leben gerufen hatte, wies stets eine akademische Laufbahn zurück, da man offen von ihm die Taufe forderte. Der von ihm geschaffene Daniel-Bund, der eine Erneuerung des Judentums auf ethisch-vegetarischer Grundlage forderte und die Rückkehr zur Natur (Landwirtschaft, Gartenbau, Sport usw.) propagierte, ist ein Opfer der Inflation getvorden. Theilhaber dient seit Jahrzehnten den Bewegungen des Pazifismus und der reinsten Demokratie. Nassau. (Jubiläum.) Auf eine 25 jährige Tätigkeit als Vorsteher der hiesigen Gemeinde konnte dieser Tage Kaufmann M. Rosenthal zurückblicken. Auch als langjähriges Mitglied des Synaim Interesse der religiösen Angelegenheiten eifrig betätigt. Die Gegogenrats für den Regierungsbezirk Wiesbaden hat sich der Jubilar im Interesse der religiösen Angelegenheiten eifrig betätigt. Die Getmeinde bereitete ihrem allgemein geschätzten Führer §ls Zeichen der Dankbarkeit eine würdige Feier, an der auch Vertreter der Behörden teilnahmen. Neuwied. (Hauptversammlung des Vereins israelitischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens.) Der Verein israelitischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens hielt am 21. und 22. d. M. in Neuwied seine Hauptversammlung ab, die von dem stellvertretenden Vorsitzenden Lehrer Katzenstein-Steele geleitet wurde. Als Ehrengäste tvaren anwesend: Der Vertreter der Stadt Neuwied, Herr Syndikus Dr. Voß, der Vertreter der Schulbehörde, Herr Schulrat Weiß, und als Vertreter des Vorstandes und der Repräsentanten der Synagogengemeinde Neuwied die Herren Stern und Kahn. Nach den üblichen Begrüßungsreden gab der stellvertretende Vorsitzende einen Bericht über die Vereinstätigkeit des letzten Jahres und ging insbesondere auf die Einwirkung der wirtschaftlichen Umwälzung in Gemeinden und Schulen unserer Provinzen ein. In ehrenden Worten beklagt er das im letzten Vereinsjahr erfolgte Ableben der Mitglieder Ostwald-Witten, Baum- Rheine, Ostermann-Bochum, Lehmann-Simmern und Oppenheim-Goch. Er gedachte ebenso der für das jüdische Schulleben so bedeutenden Jakob Löwenberg-Hamburg und Seminardirektor Dr. Michael Holzmann-Berlin. Längere Ausführungen waren der Kleinarbeit gewidmet, die durch Vorstandsbeschlüsse und Bezirkskonferenzen erledigt wurden, die sich sowohl auf das innere Schulleben, als auch auf die äußere Gestaltung der Schulverhältnisse bezogen. Im Mittelpunkt der 2 tägigen Verhatrdlungen standen die Borträge: 1. Ueber apologetische Fragen im Religionsunterricht" durch Lehrer Buchheim- Cssen und 2. über „Der Lehrer in der Wohlfahrtspflege der jüdischen Gemeinde" durch Lehrer Frohsinn-Essen. Die von tiefster Sachkenntnis zeugenden Ausführungen gaben ein erschöpfendes Bild der zur Behandlung stehenden Fragen. Sie fanden den lebhaftesten Beifall der Versammlung und führten zu einer angeregten Aussprache, an der sich auch die christlichen Teilnehmer mit besonderer Anerkennung über die wissenschaftliche und fachkundige Bearbeitung der Frage beteiligten. Wiederholt wurde es lebhaft bedauert, daß mit Rücksicht auf Arbeitsüberlastung der langjährige geschätzte Vorsitzende, Herr Rektor Abraham-Essen, sein Amt niederlegen mußte. Um aber seine wertvolle Mitarbeit nicht entbehren zu müssen, übertrug ihm die Versammlung einstimmig den Ehrenvorsitz und sandte ihm telegraphisch Dank und Gruß. Die Leitung des Vereins liegt nunmehr in den Händen des bisherigen 2. Vorsitzenden, des Herrn Lehrer Katzenstein-Steele. Als Tagungsort der nächstjährigen Hauptversammlung wurde Duisburg gewählt, um so zugleich das Interesse des Vereins an der aufblühenden dortigen jüdischen Volksschule zu bekunden. Der Abend vereinigte die in stattlicher Zahl erschienenen Versammlungsteilnehmer mit den Mitgliedern der Gemeinde Neuwied zu einem Festmahl, verbunden mit gemütlichem Beisammensein. In bewährter Meisterschaft fand hier der rheinische Humor des Lehrers Eugen Jakobi-Köln Gelegenheit zur Betätigung. Reden und musikalische Vorträge trugen zum vollen Gelingen des Abends bei. Mit einem Danke des Lehrers Buchheim-Essen an den Vorsitzenden für sein« umsichtige und geschickte Leitung und ehrenden Worten an den in Neuwied im Ruhestände lebenden, allgemeinen verehrten Lehrer Rawsenberg fand die harmonisch und eindrucksvoll verlaufene Tagung ihren Abschluß. Remagen. (Goldene Hochzeit.) Das Ehepaar Moritz Faßbender in Remagen begeht am 4. Juni in größter Rüstigkeit seine goldene Hochzeit. Wohl selten genießt ein Ehepaar bei allen Konfessionen so große Sympathien. Alle Volksschichten wollen an diesem Jubelfest leilnchmen. — Herr Faßbender ist langjähriger Vorsitzender der jüdischen Gemeinde, Ehrenvorsitzender des Vereins zur Hebung des Handioerks unter den Juden, Sitz Remagen, Ehrenvorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr und des Turnvereins, Mitglied der städtischen Armenkommission. — Seine Verdienste um die Wohltätigkeit wurden durch Verleihung der staatlichen Anerkennungsurkunde des Wohlfahrtsministeriums gewürdigt. — Der Remagener Verschönerungsverein hat zu Ehren des Jubelpaares aus eigene Kosten die Synagoge anstreichen lassen. — Mögen dem Paar im Kreise der Kinder und Enkelkinder noch lange Jahre in voller Rüstigkeit bcschiedcn sein. Stuttgart. (Mitgliederversammlung des Württembergischen Landesverbandes für israelitische Wohlfahrtspflege.) Am Sonntag, den 26. Mai, fand die Mitgliederversammlung. 8cs L.J.W. im Gemeindehaus zu Stuttgart statt. „Man sah leider viele, die nicht da waren", ein betrübendes Zeichen mangelnden Interesses an einer für die Rcligionsgemeindeii unseres Landes so notwendigen und nützlichen Organisation. Der Vorsitzende, Herr Gemeindevorsteher Essinger, Stuttgart, begrüßte die Anwesenden und dankt ihnen für ihr Erscheinen. Er weist darauf hin, daß der L.J.W. nunmehr 10 Jahre besteht und in dieser Zeit mancherlei Aufgaben der Wohlfahrtspflege zum Segen der Betreuten erfüllt hat, wie dies auch aus dem diesjährigen Bericht zu ersehen ist. Die Sekretärin, Fräulein Salomon, verliest den von der Fürsorgerin Fräulein Weil ausgestellten Bericht. Die Fürsorgerin selbst konnte infolge Erkrankung bedauerlicherweise der Versammlung nicht beiwohnen. Mehr als was in Zahlen zum Ausdruck kommt, ist aber das, was an Rat, Weg*- Weisung, Auskunft und Vermittlung geleistet wurde. Es wurden verwaiste und verlassene Kinder untergebracht, Stellen vermittelt, Stipendien erwirkt, Darlehen konnten im Berichtsjahre nicht gegeben werden. Da zeigt sich ein tief fühlbarer Mangel, dem abzuhelsen eine der wichtigsten Aufgaben sein muß. Herr Leopold Kahn bringt den Dank der Versammlung für den erschöpfenden Bericht zum Ausdruck. In der Aussprache nahm — wie alle Jahre wieder — das Problem der Wanderfürsorge den weitesten Raum ein. Die von Fräulein Salomon vorgetragene Betriebsrechnung wird ohne Anstand genehmigt und dem Ausschuß Entlastung erteilt. Der Enuvn.s zu einem Voranschlag für das Jahr 1929 ,wird gleich'all5 heißen. Bemängelt wird, daß die Gemeinden sich uich: bereit s-nven lassen, ihre Mitgliedsbeitrage höher zu bemessen. Eine rühmliche Ausnahme, das wird besonders hervorgehoben, mach die Gemeinde Laupheim, die sich an allen Fragen der Wohlfahrtspflege mit großem Interesse beteiligt. Dr. Rieger stellt den Antrag, beim Vorsteheramt darum nachzusuchen, auf den Verwaltungsbeitrag des L.J.W. zu verzichten. Als Ersatz für die verewigte Frau Fanny Henle, Heilbronn, wurde Frau Moritz Kirchheimer, Hcilbronn, als Mitglied des Wohlfahrtsrats gewählt. Herr Jonas Weil, Laupheim, wird in den Wohlsahrtsrat cooptiert. Die gut geleitete Mitgliederversammlung nahm einen harmonischen Verlauf. Zeitz. (Persönliches.) Hier verstarb nach langem Leiden das Vorstandsmitglied der Gemeinde Hugo Marcus. In zwanzig jähriger gemeinnütziger Arbeit hat er sich *bie Sympathien aller Gemeindemitglieder erworben, die sein frühes Ableben > aufrichtig bedauern und dem durch sein charaktervolles Wesen und seine Arbeitsfreudigkeit allgemein beliebten Gemeindevertreter ein dankbares Gedenken bewahren. Berlin. (P s ing stfa hr t des Jli.) „John Brown's body lies mouldering in his grave, but his soul is marching on!" Auch wir lagen müde und faul im Steingrab Berlin, aber unsere Seelen zogen uns hinaus an die märkischen Seen und Wälder. 7 Jungen und 5 Mädels vom Jli-Berlin machten sich am Psingstsonnabend teils per Bahn teils per Rad auf, um die Pfingsttage in der Gegend des Werbellinsees zu verbringen. Am Sonnabend kamen wir zu unserem Standquartier Eichhorst am Werbellinkanal. Die erste Nacht wurde mehr durch Humor als durch Schlaf ausgefüllt; daher liefen wir am Sonntag nicht viel, sondern sonnten uns auf der Wiese vor der Jugendherberge Altenhof am Ufer des Werbellinsees. Am Nachmittag überquerten wir den See im Motorboot, um dann, in Eichhorst angelangt, die traditionellen Makkaroni mit Behagen zu verspeisen. Der Pfingstmontag führte uns in den Biesenthaler Forst an den Samithsee, wo wir die hungrigen Mägen mit fetten Eierkuchen füllten. Ein Teil von uns fuhr am Montag schon noch Hause, während wir Anderen zum dritten Mal Elchhorst aufsuchten. Der dritte und schönste Tag sah uns am Eisenhudersee, wo wir uns es recht gemütlich machten, was einen Förster veranlaßte, dieses Stimmungsbild „Nachtlager von Granada" zu nennen. Bei Einbruch der Dunkelheit waren wir am Bahnhof Biesenthal, von wo lvir erholt und gebräunt und befriedigt über den Verlauf dieser ziemlich improvisierten Fahrt nach Hause fuhren. Berlin-Karlshorst. (S ch o w u a u s - G o t t e s d i e n st.) Anläßlich des Schowuaus-Festes veranstaltet die Bezirksgrnppe des Berliner Liberalen Vereins gemeinsam mit der Israelitischen Vereinigung Karlshorst-Friedrichsfelde E. B. am 14. Juni 1929, abends 8 Uhr, in der Aula des Kant-Realgymnasiums, Karlshorst, Treskowallee 42/43, einen Gottesdienst mit Seelenfeier. Die Predigt hat, wie im vorigen Jahre, Herr George Goetz übernommen. Kalendarium f. die Zeit v. 1. 6. b. 8.6.29 Juni 1929 Jjar 5689 Sonnabend 1 22 Wochenabschnitt: B'chukaussai haftarah: Jevemia 16, 19—21; 17, 1—14 Sabbat-Ausgang: 9.15 Uhr Sonnlag 2 23 Montag 3 24 Dienstag 4 25 Mittwoch 5 26 Donnerstag 6 27 Jom Kippur Kolon Freitag 7 28 Sonnabend 8 29 Neumondweihe Wochenabschnitt: Bamidbor Haftarah: Samuel I, Kap. 20, 18—42 Sabbat-Ausgang: 9.24 Uhr Aus der Bewegung > ★ : ♦♦♦♦ Hilonrhtiien Hier trt Renovierung von Wohnungen, RoschittsioKaien. Fassaden etc. RoMrt Bntheim W50,KuUnbacherstr.7 Fernsprecher: Lotzoui 6280 Kostenanschläge gratis Gefährtin zwecks Wanderungen sucht Akademiker, 33 J., evtl, spätere Heirat. Angeb. v. Berliner Damen unt. 25. J. u. etwa 1,65 unt. Postlagerk 136, Charlottenbg. 4, erbet. Julius Simon Kunstu. Bauglaserei Bilder-Einrahmungen C harlotte nburg Eosander Strasse 8 Wilhelm 8157 Verein für Feuerbestattung in Berlin von 1874, e. V. verm. hestenlose Feuerbestattung Annahme W 35, Lütxowstrafie 44, Telephon; Lfltzow 960-61 und Charlottenburg, Kantstr. 154 a Bcke Fasanen«trafie, Telephon: Steinplats 1835 Bilanz- Buchhalter verheiratet, 38 J. alt, Korrespondent, Organisator, Personalüberwachung sucht sich zu verändern. Ziffer B. 224 Bad Tölz Kurarzft Dr. Levi I Staatlich genehmigte wirtschaftliche Frauenschule auf dem Lande Wolfratshausen im Isartai / 580 m Ober dem Meer (Gründung des jüdischen Frauenbundes, Ortsgruppe München)] bildet junge HMehen ans an tüchtigen Hausfrauen» und schafft die Grundlage anna Wirtaetaaftaberuf, sau Sozialberuf und sau Lehrberuf Die Schule wird streng rituell erbeten. Prospekte durch die geführt Anmeldungen Schulleitung. für das Winterhalbjahr jetzt «erlag: Bereinigung für das liberale Judentum e. Berlin SW. 48. — Verantwortlicher Redakteur: Dipl.-Jng. Bruno Koyda, Berlin SW. 29. — Druck: Hermann Wegner 8 Co., Berlin-Mariendorf.

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