Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 20 (17.5.1929)
- Date
- 1929-05-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdischen Kredilvereins entgegen und hat sich über dessen Tätigkeit sehr befriedigt ausgesprochen, wenngleich die Unkosten im ersten Jahre ,licht voll gedeckt werden konnten. Der Jüdische Kreditverein tvill ausschließlich ein Hilfsinstrument für den Mittelstand sein. Er trägt seinem Charakter als Genossenschaft durch eine besonders vorsichtige Geschäftsführung Rechnung und hält sich deshalb auch von allen Börsen- und. sonstigen spekulativen Geschäften zurück. Der Jüdische Kredilverein konnte in seinem ersten Geschäftsjahre 1928 seinen Mitgliedern rund RM. 400 000, — Wechsel-Diskont-Krcdit und rund RM. 150 000,— offene Kredite zur Verfügung stellen und damit einer großen Anzahl von Genossen sehr wesentliche Dienste leisten; die Befreiung von den Sorgen um Beschaffung von Löhnen und Gehältern usw. hat die Arbeitsfähigkeit der Kreditnehmer außerordentlich gestärkt und ihre Existenz sicherer gestellt. — Die Enttvicklung des Jüdischen Kreditvereins macht erfreuliche Fortschritte. In den ersten 3 Monaten des lausenden Jahres betrug der Umsatz schon genau die Hälfte des Gesamtumsatzes von 1928; die Summe der in dieser Zeit diskontierten Wechsel erreicht fast den vollen Diskont-Betrag von 1928. Der Erfolg zeigt, wie glücklich der Gedanke der Gründung des Jüdischen Kreditvereins gewesen ist und läßt die Hoffnung zu, daß der J.K.B. immer mehr seinen Zweck wird erfüllen können, dem jüdischen Mittelstand die ihm notwendigen und von anderer Seite nicht gebotenen Kredite bereitstellen zu können. Aufsichtsrat und Vorstand rechnen dabei bestimmt auf die tatkräftige Unterstützung aller jüdischen Kreise, die sich durch ihren Beitritt zur Genossenschaft oder durch Zuleitung von Depositen- und Spargeldern ein großes Verdienst um den jüdischen Mittelstand erwerben können. Breslau. (Das Beate-Gutt mann-Heim der Breslauer Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes.) Die Breslauer Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes beabsichtigt, im kommenden Monat mit dem Bau des Beate-Guttmann-Heims zu beginnen. Zu diesem Zwecke fand am Sonntag, den 5. Mai, vormittags 101/2 Uhr, im Repräsentantensaal der Synagogengemeinde die Gründungssitzung statt, zu der die Kuratoriumsmitglieder zahlreich erschienen sind. Frau Beate Guttmann erösfnete die Sitzung und erläuterte den Gedanken, aus dem heraus das Beate-Guttmann-Wohnheim entstehen tvird. Es ist gedacht als ein Heim für alleinstehende Frauen des gebildeten Mittelstandes, die durch Krieg und Inflation geschädigt sind. Diesen Frauen soll der Frieden des Alters und ein gepflegter Lebensabend im Heim gesichert werden. — Frau Lilli Liegner berichtete über die Entstehungsgeschichte des Heims. Mannigfache Vorarbeiten waren nötig, um den Bau zu ermöglichen. Das Haus wird 42 Rentnerinnen Wohnung gewähren und außerdem eine staatlich konzessiv' nierte Haushaltungsschule in seinen Räumen unterbringen. Diese Schule wird Hausgehilfinnen ausbilden und jungen Mädchen, die den Beruf einer .Hortnerin oder Gewerbelehrerin ergreifen wollen, das notwendige Haushaltungsjahr bieten. Die Ortsgruppe hat Frau Beate Guttmann zmn 70. Geburtstage die ersten Mittel zur Errichtung des Heims überreichen können. Inzwischen haben staatliche und städtische Behörden größere Beträge zugesichert. Auch die Burgfeld- Stiftung und die A. W. Heymann-Stiftung beabsichtigen, die Anstalt mit dem Rest ihrer Fonds zu unterstütze». Die Synagogengemeinde Breslau hat den Bauplatz geschenkt. Einen großen Betrag erhält die Anstalt als Hauszinssteuerhypotheken für abzugebendc Wohnungen. — Herr Gchcimrat Goldfeld überbrachte die Grüße der Synagogengemeinde. — Herr Regierungs-Baumeister Ehrlich erläuterte alsdann den Bauplan. - Frau Paula Ollendorff begrüßte die Gründung im Aufträge des Bundesvorstandes. - Danach ergriff Herr R.-A. Ollendorff das Wort. - Herr Dr. Ernst Roscnthal sprach im Namen der Burgseld-Stiftung und wünschte dem Beate-Guttmann-Wohnheim bestes Gedeihen. — Zum Schlüsse der Sitzung wurden verschiedene Kommissionen gebildet, die mit den einzelnen organisatorischen Arbeiten betraut wurden. - Herr Dr. Oskar Guttmann, Berlrn, dankte im Namen seiner Familie dafür, daß das entstehende Wohnheim den Namen Guttmann tragen werde. Seine Familie werde immer bestrebt sein, die Interessen des Heims zu fördern. - Frau Beate Guttmann schloß gegen Wr-> Uhr die eindrucksvolle Versammlung und dankte allen Anwesenden für ihr Erscheinen und ihre Mitarbeit. Breslau. (Todesfall.) Wieder hat unsere Gemeinde einen schmerzlichen und nur sehr schwer ersetzlichen Verlust erlitten. In der Nacht vom 13. zum 14. Mai ist Herr Justizrat Felix Hirschberg, seit langen Jahren Mitglied des Gemeindevorstandes und seit der Begründung des Preußischen Landesverbandes dessen Mitglied, nach kurzer schtverer Krankheit gestorben. Er hat sein Vorsteheramt wie alle seine zahlreichen Ehrenämter in geradezu vorbildlich pslichtgetreuer Weise ausgeübt; ganz zu schweigen von der hervorragenden Befähigung, die ihn für solche Dinge eignete. Jedem, der mit ihm und unter ihm arbeitete, wurde die Arbeit zum Vergnügen. Man hatte stets das Gefühl: dieser Mann ist bei allem, was er tut, mit einem warm empfindenden und verstehenden Herzen. Justizrat Hirschberg gehörte der religiös-konservativen Richtung an, aber Unduldsamkeit lag ihm fern. Auch in dem religiös andersgerichteten Judest sah er stets voll und ganz den Glaubensbruder, dem man niemals mit religiöser Selbstüberhebung begegnen dürfe. So trauern die Gemeindemitglieder aller Richtungen um diesen guten Menschen und Juden. Castellaun (Hunsrück). (Jubiläum.) Herr Jsak Forst konnte aus eine dreißigjährige Tätigkeit als Vorsteher der Synagogengemeinde und als ehrenamtlicher Vorbeter zurückblicken. Der Festsabbat gestaltete sich zu einer erhebenden Feier für den Jubilar und die Gemeinde, die es sich nicht hatte nehmen lassen, das Gotteshaus prächtig zu schmücken. Nach dem Einheben dankte Herr Albert Katzenstein im Namen der Gemeinde ihrem Führer in zu Herzen gehender Ansprache. Dabei überreichte er ihm ein Ehrengeschenk in Gestalt eines silbernen Bechers. Tief bewegt nahm der Jubilar die Ehrung entgegen. Nach Beendigung des Gottesdienstes erschienen die Gemeindemitglieder vollzählig im Hause des Herrn Forst, um ihm und seinen Angehörigen auch persönlich Glück zu wünschen. Nach Sabbatausgang bereitete der Jubilar seinen Getreuen einen gemütlichen Abend in einem Restaurant, der alle bis tief in die Nacht hinein zusammenhielt. Das Fest wird dem Jubilar und der Gemeinde Castellaun noch lange in freundlicher Erinnerung bleiben. Duisburg. (Krise in der Repräsentanz.) Nach den Wahlkämpfen des vorigen Sommers, die in der hiesigen Gemeinde tobten, und über die wir s. Zt. ausführlich berichtet hatten, wav wieder einigermaßen Ruhe eingetreten, da die nichtliberale Mehrheit der Repräsentantenversammlung immer wieder erklärte, nun vor allen Dingen für die Befriedung der Gemeinde besorgt sein zu wollen. Einige Zeit schien es, als ob sich eine Verständigung anbahnte, wozu besonders das entgegenkommende Verhalten der liberalen Minderheit beigetragen hatte, die sich im Interesse des Friedens auch bei vielen Fragen der Mehrheit unterordnete, obgleich die Beschlüsse mit ihrer grundsätzlichen Einstellung nicht in Einklang zu bringen waren. Bei der Etatberatung kam es jedoch bei einem verhältnismäßig geringfügigen Posten zu Differenzen, die für die Zukunft der Synagogengemeinde Duisburg von größter Bedeutung sein können. Seit vielen Jahren war ein Beitrag für den Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens eingesetzt worden, den der Vorstand in seiner Mehrheit auch in diesem Jahr wieder mit 200 RM. zum Ansatz gebracht hatte, und zwar neben einem Beitrag für den Keren hajessod. Trotz warmer Befürwortung des Beitrages durch den Vorsitzenden der Gemeinde, Theodor Lauter, und trotzdem sich auch ein nichtliberales Vorstandsmitglied für diesen Beitrag einsetzte, wurde der Antrag auf Bewilligung dieses Beitrags abgelehnt, indem die Stimme des zionistischen Repräsentantenvorstehers den Ausschlag gab. Herr Theodor Lauter hatte als einziges liberales Mitglied des Vorstandes bereits erklären lassen, daß er auf diesen Beitrag ein solches Gewicht lege, daß es ihm unmöglich sei, sein Amt als Vorsitzendey werter zu behalten, wenn der Beitrag abgelehnt werden würde. Dieser Erklärung schlossen sich auch die liberalen Repräsentanten an. Trotzdem konnte man sich auf der Gegenseite nicht entschließen, durch die Bewilligung des erwähnten Postens den Frieden in der Gemeinde zu retten und zu bewahren, und versteifte sich, ausgehend von dev bekannten Resolution Mecklenburg, auf Prinzipien. Versammlungskalender Breslau. Jli „Abraham Geiger". Sonntag, den 19. Mai (Pfingsten): Wanderung: Dittersbach—Reimsbachlhal—Charlottenbrunn. Treffpunkt 5.39 Uhr früh Freiburger Bahnhof, Abfahrt 6.97 Uhr, Sonntagsfahrkarle 3. Klaffe bis Charlottenbrunn. — Mittwoch, den 22. Mai, 29.15 Uhr: Gemütliches Beisammensein im Kurgarten, Kürassierstraße. Fraukfurt «. M. Jüdisch-liberale Jugendgemeinschaft. Dienstag, den 21. Mai 1929: Erster Gartenabend bei Flörsheim, Neumannstraße 153. Samstag, den 25. Mali 1929, 17 Uhr: „Faust", Dr. Hvffmann, Unirrmainanlage 7. Montag, den 27. Mai 1929, 29.39 Uhr: Arbeitsgemeinschaft „Sozialismus — Kapitalismus", Georg Stierle, im Sitzungszimmer der Westendsynagoge. f GaÜ«>die«str JUmwwiiii.. vervu-Nsr»«. Liberale Synagoge Norde«, Schönhauser Allee 182. Jede« Freitagabend liberaler Gottesdienst mit Chor nvd Predigt. Beginn 19.15 Ahr pünktlich. Freitag, den 17. Mai, Gottesdienst. Predigt: Rabbinatslandidat Boos. Sonnabend, den 18. Mqi, vormittags 19 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonfki. Freitag, den 24. Mai, PGottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Weyl. Sonnabend, den 25. Mal, vormittags 19 Ahr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonfki. Berltn-Westeud. verein Liberale Synagoge Westend, Leisttkvwstraße 7-8 (Schalanla), nahe Reichskaazlerpkatz. Jede» Freitagabend liberaler Gvllesdienst «U Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr pünktlich. Freitag, den 17. Mai, Gottesdienst. Predigt: Rabbinatskandidat Dr. Manfred Swarfenfky. Freitag, den 24. Mai, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonfki. Berlin,Mlmersdsrs. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Anla der CSrilienfchnle, Nikolsbnrger Platz): Jede« Freitagabend liberaler Gattesbienft mit Chor nnd Predigt. Beginn 19.15 Uhr pünktlich. Freitag, de« 17. Mai, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonfki. Freitag, den 24. Mai, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Wiener. Die Folge der Ablehnung des Beitrages war die, daß zunächst der Vorsitzende der Gemeinde, Theodor Lauter, der seit über 30 Jahren in der Verwaltung der hiesigen Gemeinde tätig ist und der durch sein Interesse für jüdische Dinge und durch die vornehme Art, mit der es ihm stets gelang, die Meinungsverschiedenheiten zu überbrücken und die Einheit der Gemeinde zu erhalten, sein Amt niederlegte. Ihm schlossen sich die beiden liberalen Repräsentanten Rudolf Alsberg und Hermann Strauß an, die beide ebenfalls seit Jahren für die Gemeinde tätig sind und sich allgemeinen Ansehens erfreuen. Die weitere Folge ist die, daß die Repräsentantenversammlung von jetzt ab nur aus nichtlibcralen Mitgliedern besteht, und daß in' ihr zum großen Teil Männer sitzen, die mit der Geschichte und den Interessen der Gemeinde nicht die geringste Fühlung haben. Die Nichtliberalen, die unter dem Namen des Jüdischen Einheitsblocks Zionisten und Konservative vereinigen, werden die Verantwortung für die Folgen ihres einheitsgesährdenden Verhaltens zu tragen haben. Epplngen. (Freispruch der Friedhossschänder.) Vor der Heidelberger Strafkammer hatten sich zwei 14 jährige Volksschüler aus Eppingen zu verantworten, die an einem Novembersonntag des vergangenen Jahres auf dem israelitischen Friedhof in Eppingen, vier Grabsteine aus den Sockeln geworfen und ein Gartenhaus beschädigt hatten. Die Israelitische Gemeinde hatte für die Aufklärung des Falls eine Belohnung von 200 Mark ausgesetzt, doch blieben die Täter unbekannt, bis sie sich selbst durch Pralereien in der Konfirman« denstunde verrieten. Das Jugendgericht hatte beide Knaben freigesprocheu mit der Begründung, daß sie intellektuell und moralisch unreif seien, und die Tat ein Lausbubenstreich gewesen sei. Dabei hatte das Jugendgericht angeordnet, daß der eine Schüler unter Schutzaufsicht gestellt und der andere, der elternlos ist, in Fürsorgeerziehung gegeben werde. Der Staatsanwalt hatte Berufung eingelegt. Die neue Verhandlung vor der Strafkammer fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Die Angeklagten gestanden reuevoll und beteuerten, daß sie in Zukunft brave Menschen werden wollten. Der Staatsanlvalt beantragte zu den angeordneten Erziehungsstrasen noch eine Freiheitsstrafe mit Bewährungsfrist. Die Strafkammer urteilte jedoch dahin, daß das Jugendgericht die Persönlichkeiten der Täter nnd die Tat selbst zutreffend gewürdigt habe. Die Berufung wurde als unbegründet zurückgewiescn. Fürth i. B. (Todesfall.) Vor kurzem starb im Alter von 67 Jahren Herr Sigmund Holzinger. Einer alten Fürther Familie angehörend, erfreute er sich in allen Kreisen der Gemeinde und der Bürgerschaft höchsten Ansehens. Gleich ausgezeichnet durch Gaben des Geistes und des Herzens war er ein hervorragender Kaufmann, ein tätiger Förderer der großen Organisationen der Stadt und des Wohksahrtswesens und ein treuer Sohn seiner Glaubensgemeinschaft. Durch treffliche Ueberlieferungen zu bedeutsamem Wirken berufen, hat er zahlreiche wissenschaftliche und karitative Institutionen in hohem Maße gefördert und in bemerkenswerter Weise sein ganzes Leben in den Dienst der Menschenliebe gestellt. In seiner Persönlichkeit verkörperten sich beste Traditionen der Fürther Gemeinde. Für sein eigenes Leben war er anspruchslos und bescheiden, seiner Familie, seinen Freunden, weiten Kreisen der Gesellschaft in Stadt und Land tvar er vertraut durch seine nie versagende Herzensgüte und echte Liebenswürdigkeit, durch klugen Rat und treffliche Lebensweisheit. In ben Gesamtausschuß der Israel. Kultusgemeinde stand er an führender Stelle der liberalen Fraktion, in der Freimaurerloge zur Freundschaft und Treue war er mit höchsten Ehren, um nur diese Beispiele zu skizzieren, ausgezeichnet worden. Der Verlust dieses Mannes von besonderem Rang wurde in der ganzen Stadt tief empfunden und beklagt. Die Trauerfeier am Sonntag, 28. April, vormittags 11 Uhr, in der Trauerhalle des Neuen Friedhofes, gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung. Nach dem einleitenden Gebet des Kantors Adler entwarf Rabbiner Dr. Behrens ein umfassendes Bild von dem Leben und vielseitigen Wirken des bedeutenden Mannes und gab der allgemeinen Trauer um seinen Heimgang ergreifenden Ausdruck. Namens der Israelitischen Kultusgemeinde würdigte ihr Vorsitzender K. R. Maier Bechmann seine Verdienste und die langjährige Mitarbeit in der Verwaltung. Den Abschiedsgruß für die Loge „zur Freundschaft und Treue" sprach unter Niederlegung der üblichen drei Rosen in besonders ehrenden, herzlichen Worten R.-A. Dr. Stahl. Für das Lehrlingsheim legte mit einer Ansprache Pfarrer Schmetzer einen Kranz nieder, für den Jugendhort Annahme van Bestellungen Jüdisch-liberale Zeitung M tBett Postämtern Deutschem-» widmete mit tief empfundenen Dankesworten K. R. Heinrich Morgenstern einen Kranz, für das Personal der Firma sprach ein Vertreter der Angestellten, der ebenfalls einen Kranz überbrachte. Die Stadt Fürth hatte ebenfalls einen Kranz gesandt. Geistlicher Rat Stadtpfarrer Knapp war mit einer Abordnung der Niederbronner Schwestern erschienen. Hannover. (Erste Sitzung des neuen Kollegs.) Zu Beginn der öffentlichen Repräsentantensitzung werden die wiedevbezw. neugewählten Mitglieder des Repräsentantenkollegiums in ihr Amt eingesührt. Der Vorsitzende gibt seiner Freude darüber Ausdruck, daß die neugewählten Herren seiner im Interesse der Einheit der Gemeinde an sie ergangenen Aufforderung bereitwilligst gefolgt seien. Durch ihre Bereitwilligkeit hätten sie bekundet, daß sie an den Gemeindearbeiten regen Anteil nehmen wollen; sie hätten aber auch gezeigh, wie sehr auch ihnen die Erhaltung der Einheit der Gemeinde am Herzen liegt. Redner gibt seiner Freude darüber Ausdruck, daß durch die Betveguug der religiös-liberalen Partei ein frischer wohltuender Zug in die weitesten Kreise der Gemeinde gedrungen sei, auch in jene Kreise, die sich früher gegenüber den Geschehnissen in der Gemeinde fast gleichgültig gezeigt hätten. Eine der wichtigsten Aufgaben des Kollegs sei die Genehmigung des Haushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1929/30, die diesmal wegen der bekannten Vorgänge in der Gemeinde bislang in vollem Umfang nicht möglich war. Das alte Kolleg bewilligte lediglich den Notetat für drei Monate sowie die Erhebung zweier Vorauszahlungen für die beiden ersten Vierteljahr« des laufenden Rechnungsjahres in Höhe von je Vm derjenigen! Synagogenabgaben, zu den die Gemeindemitglieder für das Rechnungsjahr 1928/29 veranlagt wurden. Die Bewilligung dieser Vorauszahlungen war notwendig, da der Betriebsfonds, der im Jahre 1924 über 60 000 Mark ausmachte, infolge der an Synagoge und Verwaltungsgebäude notwendig gewordenen umfangreichen Ausbesserungsarbeiten fast vollständig ausgebraucht wurde. Das neue Kolleg wird also den eigentlichen Etat für das laufende Rechnungsjahr in allen Einzelheiten zu prüfen und zu genehmigen haben. - Eine weiter« wichtige Aufgabe des Kollegs sei die Beschlußfassung über das neu einzuführeude Wahlsystem aufgrund des Proportionalwahlrechts. — Der Vorsitzende verliest ein unterm 26. April eingegangenes Magistratsschreiben, in dem dieser mitteilt, daß die Verpflichtung der wiederbezw. neugewählten Vorstandsmitglieder erst dann vorgenommen werden könne, wenn in der in 8 18 des Verwaltungsstatuts vorgeschriebenen Einspruchsfrist Einwendungen gegen die Richtigkeit der am 21. April vorgenommenen Wahlen nicht erhoben würden. Es sei aber Einspruch erhoben, nnd zwar seien von seiten zweier stimmberechtigter Gemeindemitglieder gegen die vorgenommenen Wahlen Einwendungen erhoben worden, weil etwa 250 ortsansässige, im Wahlalter befindliche Ostjuden, die sich zur Führung eines eignen Haushaltes oder Gewerbebetriebes in Hannover niedergelassen hätten, trotz ihres Antrages in die Wählerliste nicht ausgenommen wurden. — Es werden sodann die Mitglieder der verschiedenen Kommissionen gewählt. — Der Vorsitzende berichtet, daß der Preußische Landesverband mitgeteilt habe, daß das diesseitige Schreiben vom 1. März 1929, die Uebergangsbestimmungen für die Provinz Hannover zum Preußischen Judengesetz betreffend, in der Tagung des Großen Rates des Preußischen Landesverbandes am 26. Mai besprochen werde. — Nach einer Aufstellung des Architekten werden sich die Kosten für den Friedhofsneubau in Bothfeld einschließlich Zuwegungen und gärtnerischen Anlagen auf etwa 253 000 Mark stellen. Von dieser Summe sind bislang 230 000 Mark bewilligt. Von einer Nachbewilligung wird auf Wunsch des Vorsitzenden für den Augenblick Abstanb genommen. — Es wird beschlossen, die erforderlichen Mittel für die Instandsetzung der Aula und der Zentralheizung in der Religionsschule (etwa 2000,— bis 2500,— Mark) bereitzustellen. Vor Ausführung soll die Baukommission gehört werden. — Herr Dr. Schleisner führt bezüglich des in Bearbeitung befindlichen Wahlstatuts aus, daß das jetzt noch in Kraft befindliche Wahlstatut der Synagogengemeinde Hannover sich genau nach den Grundsätzen aufbaue, die auch den Wahlen zum Landtag und Reichstag vor dem Kriege zugrunde lagen. Dies Wahlsystem, das geheim ist, und nachdem derjenige Kandidat gewählt ist, der bei der Wahl die absolute Mehrheit sämtlicher abgegebener Stimmen auf sich vereinigt, während die Minorität leer ausgeht, soll nun durch ein sogenanntes Proportionswahlrecht oder Verhältniswahlrecht abgelöst werden. Die das neue Wahlstatut ausarbeitende Kommission hat genaue Anweisungen vom Kolleg erhalten. Sie gingen hauptsächlich dahin, das aktive und passive Wahlrecht auch auf die Frauen und erwachsenen Kinder der Gemeindemitglieder, sowie auf die in Gemäßheit des 8 7 Abs. 1 aufgenommenen Frauen auszudehnen. Das Aufnahmepcinzip in Gemäßheit obigen Paragraphs soll nach wie vor beibehalten werden. Das Proportionalwahlrecht (bedingt die sogenannte Listenwahl, die eine gebundene nach Listen und freie Listenwahl sein kann. Im ersten Falle sei der Wähler der einen Liste an die in ihr aufgeführten Personen gebunden, wahrend bei der freien Listenwahl jeder Wähler berechtigt sei, Namen in einer Liste zu streichen und durch beliebige in den Listen der anderen Parteien enthaltene Namen zu ersetzen. Auch sei der Wähler befugt, die Reihenfolge der Kandidaten in einer Liste zu ändern. — Der Streit, der in der Gemeinde um das Aufnahmeprinzip entstanden ist, sei ja den Anwesenden zur Genüge bekannt. — Das Wahlstatut, das bereits fertiggestellt ist, wird nun von ihm, Redner, in Gemeinschaft mit Herrn Dr. Paul Goldschmidt nochmals überprüft und alsdann dem Kolleg zur Genehmigung schnellstens vorgelegt werden. — Herr Sternheim teilt mit, daß er in der heutigen Vorbesprechung der Herren Repräsentanten zum Vorsitzenden der Repräsentanten, zu seinem Stellvertreter Herr Richard Dammann gewählt worden sei. — Im Namen seiner Fraktion dankt Herr Herzberg für die den ncugewählten Mitgliedern des Repräsentantenkollegiums, den anwesenden drei liberalen Herren, von seiten des Vorsitzenden ausgesprochenen Begrüß uugsworte. Redner hofft, daß diese Herren in Gemeinschaft mit den übrigen religiös-liberalen Gemeindevertretern in bester Uebereinstimmung mit den anderen Mitgliedern des Kollegs im Interesse der Gemeinde arbeiten werden. — Bezüglich des Preußischen Landesverbandes bemerkt Redner, daß die an den Preußischen Landesverband abzuführenden Beträge die hannoversche Gemeinde außerordentlich stark belasten. Irgendwelche Entschädigung für diese Beträge, die zwischen 12 000—15 000 Mark schwanken, habe man vom Landesverband nicht zu erwarten. Es wäre daher ernstlich zu erwägen, ob man nicht aus dem Verbände austreten solle. — Hauptaufgabe seiner Fraktion sei der weitere Ausbau des Religionsunterrichtes. Mit Befriedigung habe seine Partei zur Kenntnis genommen, daß sich die Anzahl der die Religionsschule besuchenden Kinder im laufenden Jahre um 100 gehoben habe. Redner würde es im Interesse der Hebung des Religionsunterrichtes außerordentlich begrüßen, wenn sich der Dezernent für das gesamte Religionsschulwesen ein Gremium aus dem Kreise der Eltern der Kinder bilden würde. All diese Fragen, die die religiös^ liberale Partei beschäftigen, bewiesen zur Genüge, daß die Partei an allen wichtigen Fragen des Judentums regen Anteil nehme. — Herr Goldmann beantragt schleunige Einberufung einer Chorkommis-