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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-05-17 · 20 (17.5.1929) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
20 (17.5.1929)
Date
1929-05-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Religion und Dichtung Bon Rabbiner Tr. Gottschalk, Frankfurt a. M. Ter nachfolgende Artikel ist unter Heranziehung von drei in neuerer Zeit erschienenen Gedichtbänden geschrieben ivorden: M. «panier: Psalmen (2. vermehrte Auflage 1929), Iüngstc Arbeiterdichtung (1925) und Das proletarische 2 ch i ct - sal (1929). „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis." Wenn irgendwo, so hat das im Reich der Religion seine Geltung. Es wird immer zu der reizvollsten, aber auch schwierigsten Aufgabe gehören, festzustellen, was denn nun die Schriftsteller der Bibel mit ihren Aussagen von Gott und über Gott wirklich gemeint haben, was sie wörtlich verstanden oder symbolisch aufgefaßt haben wollten. Mit anderen Worten: wie weit sie Dichter waren, wie weit nicht. Denn das wird ja stets zu den lockendsten Bemühungen des religiös Ergriffenen zählen, dem Unfaßbaren Worte zu leihen, das, was in ihm selbst, was in jedem andern, was im Geschehen der Völker sich nur noch oder erst in Worten und Taten offenbart — ohne daß es damit die religiöse Kraft an sich wäre. Aber nicht nur dort — auch in religiösen Erzählungen, religiösen Reden, den Stammvätergeschichten und Prophetenreden, dem Hiobdrama, den sozialen Gesetzen, in allen nichtjtidisch-religiösen Zeugnissen. Den „letzten Grund" all dessen aufzudecken, ist Sache des religiösen Dichters. Und damit wird er d e r religiöse Schöpfer schlechthin. Aber nicht nur, weil er den Urgrund aufspürt, sondern weil er auch in der gedrängtesten, unmittelbarsten Form auf uns wirkt. Erzählungen sind breit, Gesetze lenken durch die Tatsachen ab. Reden bedürfen oft langatmiger Erklärungen und wenden sich an die Aeußerungen religiöser Gefühle. Das schlichteste religiöse Gedicht schlägt sie deshalb alle in seiner Wirkung aus dem Felde. Dabei sehen wir noch davon ab, wieviel die Melodie die Kraft des Religiösen in solchen Texten erhöht. Wirklich erhöht, denn Musik ist ja die andere ungeheure Macht, die jenes Unaussprechbare aufzufangen vermag, die gefühlsgeborene Gefühle zum Klingen und Schwingen bringt. Gewiß, „wenn ihrs nicht fühlt, ihr werdets nicht erjagen" — aber wenn ihrs fühlt, dann werdet ihr zugÄen, daß das Einfachste auch hier das Größte ist. Beweist das nicht jeder Gottesdienst? Selbst wenn wir auf die Predigt schauen — was am nachhaltigsten an ihr, ist doch die geheimnisvolle religiöse Ergriffenheit, die bald laut, bald leise, bald stürmend, bald sänftigend den Hörer berührt. Diese und das kurze, innige Gebet und die innigen Klänge, sie zusammen schaffen das, was der „Laie" ganz richtig als „Erbauung" bezeichnet und mit Recht fordert, denn die Erbauung allein ist imstande, zu er — bauen, nichts Geringeres als die Religiosität, den Bau also selbst und zugleich den Grundstein damit zum Lebensbau. Religion und Dichtung — indem sie sich beide an das Urgefühl wenden, verbindet sie der Gedanke der Ewigkeit und des Grenzenlosen, sind sie bei Boten vom Menschen zur Menschheit. Wo und wann sich jemals beide verbunden haben, da haben sie sich die Unsterblichkeit gesichert. Tenn die Seele ändert sich nun einmal nicht. Liebe und Sehnsucht und Hoffen und Trauer und Jubel und Verzweiflung find nock von keiner- Technik abgelöst worden. Und Geheimnis bleibt Geheimnis und wird es bleiben, wie am ersten Tag. Staunen und Ehrfurcht, Schicksal und Abhängigkeit sind durch keine Gelehrsamkeit ersetzt und von keiner Philosophie zergrübelt worden. Deshalb hatte die Dichtung ihre Aufgabe und wird sie immer behalten: das Werkzeug dev Religion zu sein, die Menschheit durch die religiöse Weltsprache zu verbinden. Religion und Tichtung — und sind nicht beide auch Bekenner? Nicht in dem dogmatischen, nein gerade im überdogmatischen Sinn? „Und wenn ein Mensch in seiner Qual verstummt, gab mir ein Gott, zu sagen, wie ich leide." Das gilt für Religion und gilt für Dichtung. Und gilt für den Jubel wie für das Leid. Ter Mensch, wie er ist und erst recht, wie er sein möchte, er tritt uns in beiden so rührend offen und hingegeben entgegen. Er gibt gleichsam zurück, was er von Gott empfangen, er, sein urewiges Ebenbild. Er spricht sich mit dem aus, der ihn am besten versteht, vor dem er sich nicht zu verbergen braucht — vor ihm, seinem Vater, seiner Mutter zugleich. Es sind ja seine Gaben, die er erbittet, mit denen et ihn dereinst „begabt" oder für die er ihn jedenfalls bestimmte. Wunderbar, geheimnisvoll, ergreifend, erschütternd, dieses Wechselspiel immer wieder zu beachten. In der Religion, in der Tichtung wiederholt sich immer wieder etwas von der Weltschöpfung, werden wir an die Tore des Uranfangs geführt, umgibt uns die reine Luft der Idee. Religion und Tichtung — stimmen sie nicht, ähnlich wie die Musik, auch durch das Moment der Harmonie überein? Ist es denn Zufall, wenn Tichtung nach Rhythmus strebt und nach Reim? Ist es nicht der äußere Widerschein nur dessen, was in ihr lebt. Streben nach Wohlklang, nach Harmonie, nach Ausgleich, nach Schönheit, das Streben, etwas Eigenes, anderes in diese immer gleichförmige Welt zu bringen — und will Religion anderes? Es wäre leicht, einen Gang durch die religiöse Weltliteratur anzutreten und alles Gesagte an ihr zu beweisen» Mer, da wir noch von den Psalmen zu reden haben werden, hat es bielleicht besonderen Reiz, von zwei Büchern aus neuerer und neuester Zeit zu sprechen, Büchern, von einfachen Menschen zeugend, von Menschen, die man gern für unreligiös hält, die aber, mitten im Getriebe der Maschinen stehend, Kinder einer ganz veränderten Zeit, doch auch von beiden Mächten ergriffen sind: Religion und Tichtung, neue Zeugen so uralter Kräfte, neue Boten des ewigen Gottes, der sich hier wirklich in seiner „Erhabenheit" zu den „Gebeugten und Armen" gewandt und sie angerührt hat. (Jüngste Arbeiterdichtung" 1925. „Das proletarische Schicksal" 1929.) Wie klingt Messiasstimmung aus den Worten heraus: „Hell im Licht ein Gipfel loht: neuer sel'ger Menschheilstag." „Allumfassende Menschenliebe sei der Pulsschlag im Weltgetriebe künftiger Zeit... Heilig, heilig das Menschenleben! Gott in uns!" Wie fühlt man den „einen" Gott, wenn man ihn auch anders nennt: „So in allen Herzen, Händen fühl ich eine Kraft vollenden alles Lebens reiche Fülle: Weltengeistes Schöpfungswille." Wie ringt sich aus der Zerrissenheit der Welt und des Einzellebens jene Sehnsucht nach dem Ausgleich los, von der wir sprechen: „O daß ihr nicht betet wie wir, nicht die Harmonie ersehnt, die der Leiden Wellen glättet..." Wie viel rührende Dankbarkeit dafür, daß die traurige Gegenwart durch das Glück der Erinnerung wenigstens belebt werden kann, weil es ja nichts „Vergangenes" gibt: „Hat ein Gott wohl Schöneres gegeben als die Macht, Vergangenes zu halten? Totes in die.Gegenwart zu weben?" Ist es nicht geläuterte Religiosität geradezu, Demut und Hochsinn zugleich, die ihr „Gebet" also formt- „Hör', was ich will, es ist nicht bill'ger Segen, wie man ihn oft von dir herniederfleht, ich komm zu dir, wie man zum Freunde geht, und will mein Leben in die Hand dir legen." Und wie wird dieser „Freund" wirklich als solcher empfunden auch und gerade in Zeiten der Not, da man „im Tale des Dunkels" wandelt: „Leid ist eine Stube, eng und klein, aber eine Lampe schenkt ihr frohen Schein. Trückl dich in der Zelle Schmerz, vor der Türe Hohn und Spott, wärmt und tröste dich, mein Sohn, die Lampe: Gott." Mer wie wird er — hochbedeutsam — auch in dem Stürmen der Arbeit gefunden, im Brausen und Getriebe der Welt, der Städte und Straßen und gleichzeitig — im Menschen selbst, der über all diesem Rhythmus steht: „Weißt du, was die Mittags-Straße schüttert, lebt, wenn chaotisch tausend Lebenstakte schlagen aus den Menschen, Häusern, Pferden, Wagen? Gottesrhythmus! Und du selbst, du Mensch in diesem Herzschlag-Leben, von Tränen überspült, vom Straßenbraus gezackt, bist der höchste Rhythmus, vollster Blutstrom-Takt: denn in dir ist Gott!" So klingt, singt, glüht, schreit es in diesen einfachen Menschen, diesen „Arbeitern" im wörtlichen, aber auch edelsten Sinn, religiösen geradezu: diesen Arbeitern am Reiche Gottes! Welch ein Hochmut, Welche Knrzsichtigkeit, ja von Gott aus gesehen, Sünde geradezu, diese Religiosität am Wege liegen zu lassen, sie nicht zu suchen, diesen Brüdern nicht entgegenzugehen, diesen Frommen des Herzens — wie auf der anderen Seite den Frommen des Geistes. Aber wie sehen wir auch gerade an ihnen: es ist nicht wahr und es nicht nötig, daß die neue Zeit um jeden Preis ganz neue Sprache braucht, ganz neue Wortgebilde, verkrampfte und verzerrte oder gar mittelalterliche! hervorsucht. Es ist nicht wahr, daß die einfache und die schlichte Rede, die man auch ohne Erklärung versteht, heute Werlebt und veraltet ist. Tie Sprache des Herzens, sie will man hören, und diese Sprache war immer schlicht, hat immer ergriffen, war immer fromm und ergreift den „Einfältigen" heute noch. Auch wenn dieser „Einfältige" das Wissen der Welt in sich aufgespeichert hat. Gerade die Führer aller Religionen, einfach waren sie, einfach sprachen sie und sicherten sich Führung und Ewigkeit. Und so kann man sagen, daß die neuen Lieder weltfrommer Menschen nur die Fortsetzung sind uralter Klänge: der Psalmen. Ganz treffend urteilt deshalb Herder von ihnen: „Versetzung in die damalige Zeit erfordert also Einfalt... jenes stille Anstaunen Gottes und seiner Werke, das sich bald zur Entzückung erhebt, bald zur tiefsten Unterwerfung herabsenkt." Und man soll sie deshalb nur immer wieder in unsere Zeit hineinstellen und klingen lassen, diese Psalmen. Sie geben gewiß nicht den ganzen religiösen Rhythmus unserer Zeit wieder. Wie könnten sie, da sie Kinder ihrer Zeit. Und neue „Psalmen" sind durchaus nötig und neben den alten gleichberechtigt. Mer genug von dem, was überzeitlich, was Religion und Tichtung gemeinsam, ist in ihnen zu finden. Und nicht zuletzt so viel Einfachheit, wohltuende Schlichtheit, die so verständlich — bald fortreißt, aufstürmt und bald so erquickend friedlich stimmt. Gewiß, wir sind dauernd in ihrer Schuld, wir Juden, die wir die Enkel der Schöpfer. Viel zu gering ist die Zahl der Lieder, die unsere Gebetbücher heute zieren, schmachvoll die Art, wie sie noch immer — oft genug jedenfalls — „in Andacht gebetet" werden, in Wirklichkeit „wie Geschwätz" behandelt. Wo sind aber auch die Psalmen st und en außerhalb unserer Gottesdienste und doch wieder in unfern Gotteshäusern, wo Psalmen gesprochen und gesungen werden müßten, von edelsten Sprechern, in klassischen Tönen und über sie dann vielleicht noch geredet würde, nicht mit Grammatik und trockenen Erklärungen und Archäologie, sondern über die Psalmen im Licht unserer Zeit oder über unsere Zeit im Licht unserer Psalmen — der Psalmen, die heute noch unsere sind. Tenn gewiß, ist auch in ihnen manches verklungen, manches unserem Empfinden fremd, manches für unser religiöses Gefühl zu wenig geläutert. M. Spanier, Berlin, hat vor 7 Jahren eine Reihe dieser Psalmen erläutert, und jetzt kann er die zweite Auslage seines Buches erscheinen lassen. Sie ist um 10 Psalmen vermehrt: Psalni 8, 16, 19, 22, 42/43, 46, 50, 104, 123, 129. Im ganzen sind es nun 23. Man sagt nicht zuviel, wenu man sagt, Spaniers Buch liest sich wie ein Psalm auf die Psalmen, so voll von Innigkeit ist es und Frömniigkeit. Was er den Psalmen nachrühmt: daß ein glühendes Menschenherz aus ihnen spricht, darf man auch von seiner Erläuterung sagen. Und das Schöne ist, daß er die Erläuterung zum geringsten Teil als grammatische oder archäologische Ausgabe ansieht, sondern „den Heiligen ins .Herz gesehen hat". Und was er da fand, einfach und doch schön, schlicht und doch innig, verständlich und doch ergriffen und ergreifend oft darbietet. Schlicht und schön im Uebersetzen wie im Ausdeuten. Vielleicht hätte es den Eindruck noch verstärkt, wenn er die gelegentliche Abwehr fremder Beurteiler sortgelassen hätte. Und bedauern möchte man auch die Verteidigung, die Psalm 137 erfährt. Hier hat wohl Cohen schon das Nötige gesagt: („Lyrik der Psalmen"). „Dennoch sind Härten der Grausamkeit nicht zu beschönigen, — wie in dem Psalm an den Strömen Babels. Trotz allen Weines, da wir an Zion dachten... bleibt es dennoch ein roher Ueberschwang patriotischer Trauer, der Schluß dieses wunderbaren Psalms..." Doch diese wenigen Einzelheiten treten hinter den gekennzeichneten Gesamteindruck zurück. Nur einige Proben: (Zu Ps. 121) „Wie ists mit den Psalmen? Aus einem ganz besonderen Anlaß sind sie geboren. Aber jener Zwang des Augenblicks hat in dem gasteigerten religiösen Gefühl des Frommen mit solcher Intensität den Ausdruck gestaltet, daß jedes fühlende Menschenherz wie unter schützenden Fittichen sich in ihm bergen kann. Zeitenferne und doch Herzensnähe! Der Ewigkeitswert dieser Dichtungen liegt in dieser Weltenweite des umfassenden Gefühls, das alle Schranken und Grenzen der Religion und Bekenntnisse überschreitet und zu jedem Menschen spricht. Und selbst jener „Ungläubige" des modernen Dichters, der sich im Schoße der Allnatur sicher weiß in seiner Ueberzeugung: „Mir kann nichts geschehen" — könnte er nicht diesen Psalm des hingebungsvollen Vertrauens andächtig mitbeten?" (Zu Ps. 131) „Wer dieses zarte, feine Blümchen gefunden hat, den sieht es wie ein bescheidenes Vergißmeinnicht an, und es bleibt in seinem Herzen. Hier gilt wirklich das Wort der Ebner-Eschenbach vom kleinen Liede: „Es liegt darin ein wenig Klang, ein wsnig Wohllaut und Gesang und eine ganze Seele." Leise hallende Töne wie von silbernen Glocken erklingen hier in sanfter Melodie." (Zu Ps- 122, bei dem der Verfasser in Uebersetzung und Ausdeutung besonders glücklich war): „Und es ist wahrlich die höchste Zeit. Immer wilder droht die Not, immer schreckender die Gefahr. Sein Körper bricht zusammen. Todesangst quält mit unerbittlich zugreisender Macht. Feinde lauern aus sein Ende. Nur ein schnelles göttliches Tazwischentreten kann noch vor gänzlichem Vergehen retten. Ta läßt sich aus dem leidenschaftlichen Flehen nach Hilfe, aus dem himmelanstürmenden Gebetsdrang die Gebetserhörung unmittelbar heraus. Und wie die Klagen fassungslos dahinstürmen, braust nun ein Lobeshymnus aus die göttliche Allmacht aus dankbarem Herzen." So mancher, der erst die Uebersetzung liest und dann Spaniers Erläuterung wird erstaunt fragen, ob das wirklich alies in dem so einfachen, schmucklosen Lied steht? Ihm wird man sagen müssen: lies dir den Psalm laut und allein und in Andacht vor, und du wirst alles wiederfinden. Und wer das nicht kann, und es können es viele nicht, für sie müssen die verlangten Psalmenstunden im Gotteshaus eingerichtet werden (wie übrigens auch Propheten stunden). Ta wird er, nicht zuletzt auch durch die Musik, so psalmenfreudig und psatmensromm gestimmt werden, daß er Spaniers Buch dann mit verdoppeltem Genuß und Tank lesen muß. Religion und Tichtung, die seit Jahrtausenden ihren Zauber aus die Menschheit ausübten, werden auch auf dem Weg über dieses Buch — das bald erweitert werden möge ihre fromme Wirkung nicht verfehlen. # :: Aus den Gemeinden Allenstein. (Hauptversammlung des O st p r e u ß i - scheu S y n a g o g e n - V e r b a n d e s.) Die am 9. Mai im jüdischen Gemeindehause in Allenftein stattgefundene Hauptversammlung des Verbandes der Synagogengemeinden Ostpreußens gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung des ostpreußischen Judentums. Aus säst allen ostpreußischen Gemeinden waren Vorsteher, Mitglieder der Körperschaften und Gemeindemitgliedec sowie Beamte, ferner Vertreter des Nordostdeutschen Rabbinerverbandes und des Vereins jüdischer Religionslehrer und Kultusbeamten erschienen. Der Berbandsvorsteher, Arthur Cohn-Königsberg, begrüßte die Gäste und Ehrengäste. Der Berbandsvorsteher eröffnete die Tagung durch einen tief empfundenen Nachruf an den verstorbenen Berbandsvorsteher, Justizral Eduard Holz-Königsberg. Der Jahresbericht des Verbandsvorstehers gab ein Bild von der außerordentlich umfangreichen und fruchtbaren Tätigkeit des Verbandes. Im besonderen berichtete er über die vom Preußischen Landesverband bewilligte Ostpreußenhilfe, über die Organisation des Religionsunterrichtes, die im großen und ganzen als durchgeführt bezeichnet werden konnte, die beabsichtigte Schaffung hauptamtlicher Bezirksrabbinate, die Kulturfahrten in die Kleingemeindeir usw. Anschließend hielt Rabbiner Dr. Apt-Allenstein einen mit großem Beifall aufgcnommenen Vortrag über „Die religiöse Pflicht des Zusammenschlusses". Professor Türk-Berlin referierte über die Aufgaben des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, die er in der Hilsstätigkeit für die notleidenden kleinen und mittleren Gemeinden durch Getvährung von Subventionen zur Besoldung der Beamten, Instandhaltung der Synagogen und Friedhöfe, in der Einrichtung von Bezirkslehrerstellen, Bezirksrabbinaten und Schulinspektionen, in der Begründung einer Arbeiterkolonie, Förderung und Beachtung der jüdischen Bevölkerungsstatistik, Schaffung des Judengesctzes, Einführung einer Beamtenordnung usw. erblickt. Die Referate veranlaßten eine außerordentlich rege Aussprache, an der sich die Vertreter zahlreicher Gemeinden sowie die Vertreter zahlreicher Gemeinden sowie die Vertreter der Beamtenorganisation beteiligten. Ein Mittagessen, zu welchem die Synagogengemeinde Allenftein eingeladen hatte, vereinigte die annähernd 200 Teilnehmer. Nach Wiedereröffnung der Hauptversammlung erstattete Waisenhausdirektor Peritz Königsberg den Bericht des Schulausschusses, aus dem sich ergab, daß besonders durch die Bildung von Bezirkslehrerstellen die Erteilung eines vollwertigen Religionsunterrichtes in einer immer größeren Anzahl von Gemeinden erreicht worden ist. Den Kasscn-- bericht erstattete der Schatzmeister Siegmuud Wolfs-Königsberg. Zum Berbandsvorsteher wurde einstimmig Herr Arthur Cohu-Königsberg gewählt, zu Stellvertretern Sanitätsrat Dr. Rosenkranz Insterburg und Siegmund Wolfs-Königsberg, zu Mitgliedern des Gesamt-Ausschusses Rechtsanwalt Ncumann-Allcustein, Dr. Krüger-Allenstein und Geheimrat Prof. Dr. Falkeuheim-Königsberg. Der Verband wird im nächsten Jahre die Feier seines 50 jährigen Bestehens begehen. Stadtältester Otto Eichclbaum-Jnsterburg überbrachtc die Einladung seiner Gemeinde, diese Feier in Insterburg stattfinden zu lassen, da der Verband hier s. Zt. gegründet ivorden ist. Der Eintrag wurde einstimmig angenommen. Die Tagung nahm einen überaus harmonischen und befriedigenden Verlauf. Geheimrat Falkenheim sprach dem Verbandsvorsteher für die umsichtige Leitung den Dank der Versammlung aus. Berlin. (Auszeichnung von Professor N i c o d e m o C a r o.) Auf der 94. Hauptversammlung der Deutschen Bunseu- Gesellschast, die soeben in Berlin stattfand, teilte der Vorsitzende Professor Bodenstein mit, daß die Buusen-Denkmünze, die bisher Männern wie Nernst, Ernst, Bosch, Haber verliehen worden ist, in diesem Jahre Professor Nicodemo Caro erhalten habe. Geheimrat Caro band in Gemeinschaft mit dem (inzwischen verstorbenen) Geheimrat Frank den Stickstoff der Luft an Calcium-Carbit. Berlin. (Todesfall.) Im 77. Lebensjahr ist üt Berlin Frau Flora Fränkcl, geb. Alexander, nach langem Leiden verschieden. Die Berliner Presse feiert sie allgemein als eine echte Wohltäterin der Menschheit. In Breslau geboren, hat sie an der «eite ihres Mannes, des Großindustriellen Hermann Frankel, bereits in Neustadt in Oberschlesien durch ihr soziales Wirken eine große Rolle gespielt, nach dem Tode ihres Mannes hat Flora Fränkcl sehr lauge in Berlin gewohnt. Sie ist Mitbegründerin der Arbeitergärten vom Roten Kreuz, die zurzeit 6000 Gärten mit ungefähr 25 000 Familienangehörigen umfassen. — Die Beisetzung von Frau Konsul Flora Frankel fand am Sonntag auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee unter großer Beteiligung statt. Zehn Deputationen der Gartenbesitzer der von ihr begründeten Gärten erwiesen ihr mit ihren Fahnen die letzte Ehre. Rabbiner Dr. Weiße hielt die Trauerrede. Der erste Vorsitzende der Baruch Auerbachschen Waisen-Erzichungs-Anstalten, Herr Generalkonsul Eugen Landau, widmet der Verstorbenen den folgenden Nachruf: „Durch den plötzlichen Tod von Frau Konsul Flora Fränkcl h»l unser Haus einen sehr schmerzlichen Verlust erlitten. Ueber 90 Jahre hat die Heimgegangene als Ehrenmutter sich die größten Verdienste um unsere Anstalten erworben und ein nie erlahmendes Interesse bis zuletzt bekundet. Ihr Andenken wird bei uns unvergessen bleiben." Berlin. (Vom Jüdischen K r e d i t v c r e i n.) Der Aufsichtsrat des Jüdischen Kreditvcreins für Handel und Gewerbe E. G. m. b. H., Berlin C. 2, Neue Promenade 3, nahm in seiner Bilanz- Sitzung den Geschäftsbericht für das erste Jahr des Bestehens des

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