Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 17 (26.4.1929)
- Date
- 1929-04-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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s. Jahrgang Mvmmer 17 Beilage 2V. April 1929 proseffor Dr. Xfitf zum 70. Geburlslag Biel zu. oft habe ich mit dem allverehrten Manne gelacht »der die in jüdischen Blättern so beliebte Manier, in sehr verzückten Artikeln zu dezimal bestimmten Festeszeiten Berühmtheiten eigentlich erst zu schassen und sie gleich bengalisch zu beleuchten, als daß ich es nun fertig brächte, selbst wenn mir die Gabe seierlicher Rhetorik gegeben wäre, dieses Haupt superlativisch zu umkränzen. Nur mit einigen Federstrichen möchte ich ein Bild des vortrefflichen Mannes geben, wie ich es sehe. Eine jüdische Zeitung hat Türk einmal den ungekrönten König der jüdischen Gemeinde genannt, so wie man zu Kaisers Zeiten dem Herrn von Heydebrand und der Lasa einen ähnlichen Rang für Preußen zuerteilte. Und wenn unbestechliche Sachlichkeit, ehrliche, uneigennützige Arbeit, eindringendes Berstchen und ein etwas kräftig ausgebildeter fiskalischer Sinn diese Würde verleihen, so verdienter sie schon, auch wenn er dankend ablehnt und ein wenig gekränkt ist, daß man neckisch daran erinnert. In Amtsgeschäften habe ich ihn zuerst als Vorsitzenden der Gemeinde-Unterstützungs-Kommission (G.-U.-K.) des D.J. G.B. kennen gelernt. Auf einem vollen Geldsack thronte er damals nicht, und er mußte sich schon danach einrichten, seine Gaben weise zu verteilen. Man konnte ihn in Verdacht haben, daß er bei seiner genauen Kenntnis der Akten und der Verhältnisse in den Gemeinden der einzelnen Landes-- teile die Summen schon vorher festgesetzt hatte, die das Plenum bewilligen sollte. Aber er ließ jeden Referenten zu Worte kommen und jede sachliche Begründung gelten, nur legte er immer Wert darauf, daß unterschieden werde zwischen der wirklichen Bedürftigkeit' der einzelnen Gemeinde und der Darstellung des Notstandes durch die mehr oder weniger diplomatisch veranlagten Antragsteller. Amüsant in den Sitzungen war dann immer der Kampf Türks mit dem übrigens sehr einsichtigen Rendanten, um für die armen Gemeinden noch etwas mehr Geld aus dem selten bis zum Rande gefüllten Säckel zu erhalten. Niemals hat der Umstand, ob eine Gemeinde liberal oder orthodox war, die Bewilligung von Mitteln beeinflußt. In Unterstützungsangelegenheilen den Parteisinn auszuschalten, war schon damals Türks Art. Ja, ja, Parteien müssen sein! Gesetzt, sie wären nicht auf Erden, Wie könnt' das Wirken der Gemein' Bestimmet und entschieden werden? so dürfte Gellert, wenn er gewollt hätte, gedichtet haben. Mit Leuten, die beidsichtig sind, d. h. in biefem Sinne, die das Recht der andern Seite auch einsehen und, mit dem oft nicht gerade ehrenden Attribut der Abgeklärtheit geschmückt, ihre Leidenschaftslosigkeit in Angelegenheiten, die ihnen nicht so wichtig erscheinen, als eine Art Ueberlegenheit fühlen, mit solchen Leuten ist wirklich kein Staat zu machen. Kein Staat? Vielleicht gerade. Aber doch noch nicht in unfern Tagen, sondern mehr in Zeitläuften, die den messianischen näher liegen. Jedenfalls kann man sich freuen, wenn man einen Parteimann oder gar einen Parteiführer von der Art unseres Türk hat, der niemals im Kampfe die Vornehmheit der Gesinnung vermissen läßt. Wie oft trägt man ihm Persönliches zu, das den Gegner verunglimpfen soll. Das gleitet von ihm ab wie Tropfen vom Wachstuch. Er ignoriert es lächelnd. Nur durch die Ueberzeugungskraft seiner Sachlichkeit will er siegen. Die Klugheit, die aus den jugendlich aufleuchtenden dunklen Augen spricht, lenkt sein oft weitschauendes diplomatisches Vorgehen im Verhandeln; aber das Erfülltsein von der Heiligkeit seiner Sache ist doch stets der innere Antrieb seines Wirkens. Türk ist aufgewachsen in der Zeit des erstarkenden Deutschlands, er hat mit leidenschaftlichem Fühlen am politischen und kulturellen Erleben des Vaterlandes teilgenommen, er hat durch Auslandsreisen seinen Blick geweitet und in nimmer rastendem Streben seinen Geist genährt und sein Fühlen erwärmt an den edelsten Werken des Wissens und der Kunst. Ihm erscheint als Verengung, alles Geschehen nur aus dem Gesichtswinkel einer jüdischen Partei zu sehen, wenn er auch stets seiner Verpflichtung gegenüber der jüdischen Gemeinschaft nicht nur aus dem Gefühl der Stammeszugehörigkeit, sondern aus tief religiösem Empfinden sich bewußt bleibt. Mag sein, daß die Ratio seine religiöse Stellungnahme oft mehr beeinflußt als der jetzt herrschenden Anschauung von der Eigenständigkeit und Andersartigkeit religiösen Erlebens in Gemütstiefen zulässig erscheinen mag, aber niemand wird sein inniges Hingegebensein an das religiöse Ideal des Judentums, wie es ihm vorschwebt, bezweifeln wollen. Es ist ihm — für den Parteiführer eine Notwendigkeit — die Kraft einer sehr eindringlichen Beredsamkeit gegeben, die durch die schöne, phrasenlose Schlichtheit des Ausdrucks und die lichtvolle Klarheit der Gedankenfolge wirkt. Ein llangvolles Organ, Familienerbe, das nun zu seiner Herzensfreude weiterwirkt in der Sangeskunst seiner Tochter, steigert die Wirkung der Rede, aber am eindrucksvollsten ist doch immer jener jugendliche Gefühlsdrang, der die Rede beschwingt. Wenn man ihn so hört, klingt einem manchmal ein Ton entgegen, wie etwa aus den Worten: Und wohnt er droben auf dem Eispalast Des Schreckhorns oder höher, wo die Jungfrau Seit Ewigkeit verschleiert sitzt — ich mache Mir Bahn zu ihm! — und man wird daran erinnert, daß er in einer Studenten- »ufführung des Tell den Melchthal, wie erzählt wird, so meisterlich gesprochen hat, daß man ihm zuredete, Schauspieler zu werden. Er ist es aber in keinem Sinne geworden, kin etwas mit Beidsichtigkeit belasteter Zuhörer denkt wohl manchmal, wenn er am Schlüsse einer heftig kritisierenden Jteoe bte tönenden Worte hört: „Meine Herren, so geht das mcht." Du, lieber Gott, es gcht schließlich auch s o, wenn es auch vielleicht anders besser ginge. Aber Respekt haben JJ14® doch immer vor dieser selbstsicheren Ueberzeugtheit »i^d^denheit, wie sie aus einer unbedingten Sachlichkeit der Gesinnung stammt. •£ eine Eigenschaft, die bei begabten Rednern Men rst, er kann zuhören. Diese Fähigkeit hat wohl ihren tiefsten Grund in seiner liebenswerten Bescheidenheit, die im Umgang mit ihm. oft so rührend und erquicklich sich offenbart. Alles Wertvolle und jede Art des Könnens läßt er gelten, wenn nur wirklich Bedeutendes geleistet wird. Er erkennt immer viel lieber an, als daß er absprechend urteilt. All die guten Eiigenschaften einer warmherzigen Menschenliebe scheinen besonders gedeihlich angeregt zu werden m der Atmosphäre seines ihn tiefbeglüc^nden, gesegneten Familienlebens, das den tapfern Mann jung erhalten hat in einem Leben voll Arbeit und Kampf. Wenn man ihn so energiegestrafft mit seinen 70 Jahren einherschreiten sieht, keimt im Herzen seiner Freunde der innige Wunsch: Er soll so bleiben ad mea w'eßrim schana! Tr. M. Spanier, Berlin. Es ist so oft auch in letzter Zeit von dem liberalen Judentum als negativer Kraft die Rede gewesen. Man sagt, daß es eine Bewegung sei, die nur niederveißen und nicht aufbauen, die nur reden und nicht handeln könne, und deren Anhänger keiner Opfertat fähig seien. Der Freund, den zu begrüßen wir heute das Glück haben, Moriz Türk, ist in seiner Person und seiner Lebensarbeit ein glänzendes Beispiel für die törichte Unwahrhaftigkeit dieses Vorwurfs. Türk ist ein Führer des liberalen Judentums seit fast dreißig Jahren. Und je mehr von den alten Kämpfern des Gemeindeliberalismus ins Grab sanken oder die Ruhe des Alters aufsuchten, um so mehr ist er in den Vordergrund getreten. Seit einem Jahrzehnt führt er die Liberale Fraktion der Berliner Repräsentantenversammlung und ist damit zu einem der maßgeblichen Führer des deutschen liberalen Judentums geworden. Welche geistigen, sozialen und politischen Veränderungen innerhalb und außerhalb des Judentums haben sich in diesen über 25 Jahren seiner jüdischen Arbeit abgespielt! Er aber ist in seiner Grundauffassung vom Wesen des Judentums der gleiche geblieben. Führer und Gewissen seiner Partei, ihr Sprecher in großen Fragen, ihr fleißigster und gewissenhaftester Arbeiter in den kleinsten Berwaltungsdingen, unbestechlich in allen großen Entscheidungen, aber nicht unbelehrbar gegenüber dem Wandel der Zeiten, ein Führer mit dem Prägestempel seiner Persönlichkeit und doch ein treuer Diener der Sache, Parteihaupt, aber nicht Parteisklave, vor allem den Blick gerichtet ruf das große gemeinsame Ganze! Wie in jedem Menschen die Erlebnisse und Eindrücke der frühen Mannesjahre unlösbar haften, so ist auch Türk in seiner jüdischen Arbeit ein Kind seiner Zeit. Als er in die jüdische Gemeindearbeit eintrat, stand der Liberalismus in unbestrittener Herrscherstellung in der jüdischen Gemeinde und in den jüdischen Organisationen. Seine Frontstellung in Geineindedingen war nach rechts gerichtet, sein einziger Gegner in der Gemeindestube der Gemeindekonservatismus. Tie Kämpfe mit dem nationalen Judentum waren noch nicht an die Pforten der Gemeindestube gelangt, der Zionismus befand sich in seiner ersten Stürmerperiode, liberal und Antizionist sein war naturgemäß ein und dasselbe. Wie anders liegen die Dinge heute! Die junge Kämpfergenvration der Zionisten von damals ist heute als Mitarbeiter in die Gemeindeverwaltungen eingezogen; aber auch ihre Knabenblütenträume sind nicht überall zur Reife gelangt. Die Front der liberalen Gemeindevertreter richtet sich heute in erster Reihe gegen die Ansprüche und Wünsche der Jüdischen Volkspartei; der Gemeindekonservatismus, in vielen Gemeinden ohnehin stark zurückgegangen, hat in den früheren strittigen religiösen Fragen fast in allen führenden Gemeinden einen Ausgleich mit dem religiösen Liberalismus erlangt. Aber auch in den Reihen des liberalen Judentums selbst ist Liberalismus und Antizionismus nicht mehr ein und dasselbe. Manche Liberale, geführt von einer jüngeren Rabbinergeneration, haben ihren Frieden mit dem Zionismus gemacht und vereinen in ihrer Person heute in kultischen Fragen liberales Judentum, in politischen den Zionismus. Türk hat diesen Weg nicht mitgemacht. Religiös auf dem Boden der Reformgemeinde stehend, politisch, wie es bei einem Manne, der ein ganzes Menschenleben deutsche Kinder erzogen hat, nicht anders denkbar ist, mit dem deutschen Leben und deutscher Kultur innigst verwachsen, in seiner gesamtjüdischen Einstellung ein entschiedener Gegner der Konzentration des Judentums in einer jüdischen Nation, steht er noch heute in seiner Grundanschauung unerschüttert da wie vor dreißig Jahren, ein deutscher Jude, ein religiöser Jude, ein liberaler Jude! Eine derartige Persönlichkeit von schärfster Ausprägung, schon von Berufs wegen zu regieren gewöhnt, mit großen Ansprüchen an den Charakter seiner Mitarbeiter und seiner Gegner, sollte eigentlich in allen Lagern ein Stein des Anstoßes sein, sollte eigentlich im höheren Alter immer mehr erstarren und versteinern, sollte ein Hemmschuh der eigenen Partei und ein stetes Kampfobjekt für den Gegner darstellen. Wie aber steht es wirklich? In Gemeinde und Landesverband ist Türk weit mehr gewesen als ein Parteiführer. Er ist der treueste, fleißigste, objektivste und unermüdlichste Arbeiter in allen Zweigen der Verwaltung gewesen und geblieben. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß er in der Gemeinde Berlin, die beute nahezu die Hälfte des deutschen Judentums ausmacht, nicht nur der Sprecher der größten Partei ist — die Sprecher sind nicht immer die besten Arbeiter —, sondern daß er zu gleicher Zeit früher im Subventionsausschuß und in der Deputation für eine geordnete Gemeindeseelsorge, daneben im Kuratorium des Reichenheimschen Waisenhauses tätig war, daß er heute, wie früher ein führender Mann im Schulvorstand und im Hauptausschuß des Wohlfahrtsamtes, daß er maßgÄliches Mitglied in der Rabbinerwahl-Kommission, und viele Jahre schon Vorsitzender des wichtigsten ständigen Ausschusses der Repräsentantenversammlung, des Ausschusses 3, ist, daß er heute das Amt des Vizepräsidenten des Landesverbandes und des Vorsitzenden seines umfassendsten Ausschusses, des Wohlfahrtsausschusses, bekleidet; — wenn man also sieht, daß er auf religiösem, auf pädagogischem wie auf sozialem Gebiet an führender Stelle fast ein Menschenalter im Dienste der jüdischen Gemeinschaft tätig gewesen ist, so ergibt sich eben zwingend der Schluß, daß hier eine Persönlichkeit am Werke ist, die über ihrer jüdischen Parteieinstellung nie vergessen hat, daß über der Partei die Gemeinde, über der Gemeinde das Gesamtjudentum steht. Nur derjenige, der selbst einen Einblick darin hat, wie schwierig in personeller und sachlicher Hinsicht das Arbeiten in den letzten zehn Jahren auf jüdischem Gebiet geworden ist, wieviel Schmiegsamkeit gepaart mit Würde, wieviel großzügige Erkenntnis, gepaart mit unsäglicher Kleinarbeit, allein dazu gehört, sich auf dem unermeßlichen Gebiet der sozialen Arbeit zurechtzufinden, geschweige denn an ihr führend mitzubauen, nur der wird dieser Persönlichkeit gerecht werden. Wenn man daran denkt, welche gewaltige Umwälzung aus dem Gebiete des Schulwesens, der Lehrerbildung in den letzten zehn Jahren eingetreten ist, wie das Wohlfahrtswesen der Gemeinden und der Gemeindeverbände sich von Grund auf umgestaltet hat, und wie dazu nun das neue Parteileben in den Gemeinden mit seinen Forderungen und neuen Erkenntnissen hinzutritt, dann wird man darin einstimmen müssen, daß nur ein Mann von Geist und Charakter fähig ist, sich an der Spitze dieser Bewegungen und Organisationen zu behaupten. Der Schlüssel zu dieser erstaunlichen Wandlungsfähigkeit des Geistes bei der unbeirrbaren Festigkeit des Willens und der Weltanschauung liegt in der Persönlichkeit unseres Freundes Türk. Seine Weltanschauung, sein Liberalismus, hat ihn erfüllt, aber nie geknechtet. Denn ihm ist etwas eigen, ohne das ein wahrer Führer nicht bestehen kann: die Gerechtigkeit, der Sinn für den Wert einer ehrlichen Weltanschauung und Arbeit auch auf der gegnerischen Seite! Nur so ist es erklärlich, daß derselbe Mann, der gar oft die Klinge mit den konservativen und zionistischen Gegnern gekreuzt hat, seit vielen Jahren in den großen Fragen der deutschen jüdischen Gemeinschaft mit denseäen Gegner einträchtig und fruchtbar zusammenarbeitet, und daß er, schon ein Mann von über 65 Jahren, auch in dem neuen Preußischen Landes verband alsbald eine führende Rolle eingenommen hat. Als er vor kurzem daran dachte, seine Stelle als Vorsitzender des Wohlfahrtsausschusses abzugeben, waren es gerade konservative und zionistische Mitglieder dieses Ausschusses, die erklärten, daß seine Sachkenntnis und seine Persönlichkeit an der Spitze dieses Ausschusses unentbehrlich seien. Moritz Türk darf heute mit Stolz und Genugtuung auf seine jüdische Lebensarbeit zurückblicken. Er hat von seiner Persönlichkeit kein Quäntchen abgegeben. Als liberaler Jude ist er einer der Führer 'des deutschen Judentums geworden, einer der Baumeister an dem großartigen Aufbauwerk, welches das deutsche Judentum gerade nach dem Kriege auf sich genommen hat. Aus ihn dürfen wir zeigen, wenn wir beweisen wollen, daß nichts für den Wert einer Arbeit so entscheidend ist wie die Kraft der Persönlichkeit. Er hat sich durchgesetzt lediglich durch das, was er war und wtzs er leistete; möge ihm Gott die Kraft geben, noch lange mit uns zu arbeiten, und möchte er in sich den Segen ver spüren, der der Lohn treuer und gerechter Arbeit ist! Rechtsanwalt Heinrich Stern. Prof. Adolf Weidmann in Haifa gestorben Herr Professor Tr. Adolf Weißmann, der hervorragende Musiktheoretitec, Musikkritiker der „B. Z. am Mittag", ist kurz nach seiner AntUnft in Palästina, wo er Vorträge über Musikwissenschaft an der Hebräischen Universität zu Jerusalem halten sollte, an einem Herzschlag im Alter von 57 Jahren verschieden. Professor Tr. Adolf Weißmann wurde in Beuthen, Oberschlesien, geboren, studierte zunächst romanische Philologie, in welchem Fache er es zum Studienrat brachte, widmete sich aber später ganz der Musikwissenschaft und der modernen Musiktritik und wurde in Deutschland führend auf diesem Gebiete. Er war eine Zeit lang Musikkritiker des „Berliner Tageblatts", in den letzten t2 Jahren übte er dieses Amt an der „B. Z. am Mittag" aus. Seine Musikbücher, wie „Berlin als Musikstadt", „Entgötterung der Musik", „Musik nach der Weltkrise", „Ter Dirigent", seine Monographien über Chopin und Verdi, fanden stärkste Beachtung. Professor Adolf Weißmann hat sich in den letzten Jahren auch mehrfach mit der Frage befaßt, ob es eine jüdische Volksmusik gäbe und welches die Voraussetzungen für das Werden einer modernen jüdischen Musik seien. Vor kurzem hat Professor Weizmann im Rahmen eines Mends für jüdische Musik, der von dem Berliner Komitee zur Förderung des Musiklebens in Palästina von Dr. Bernhard Kahn und Gattin veranstaltet war, einen weithin beachtlichen Vortrag über die verschiedenen Epochen der jüdischen Musik gehalten, über den wir seinerzeit ausführlich berichteten. Ter Vortrag behandelte mit auffallender Skepzis die Möglichkeiten einer neuen jüdischen Musik. Tie Beerdigung von Professor Adolf Weißmann fand heute in Haifa unter großer Beteiligung von Kreisen der palästinensischen Judenheit und zahlreicher im Lande weilender Touristen statt. Religion und Politik Von Tistriktsrabbiner Dr. Sigfrid Behrens, Fürth. Stat pro ratione voluntas. Die Beschäftigung mit den Angelegenheiten der Gemeinschaft setzt gründliche Sachkenntnis, intensive Anteilnahme und eine ebenso selbständige wie unabhängige Kraft des Urteils voraus. Die Gesundung des öffentlichen Lebens ist auf diese Bedingung gegründet, die mit der Konsolidierung unserer poiltischen Verhältnisse, mit der Klärung unseres schicksalhaften Weges sich durchsetzen muß. Der Ehrgeiz allein wird unfern Weg nicht heilsam betreuen und beraten. Die vorübergehende Verdunkelung dieser Richtlinien wird an der Berechtigung dieser Forderungen nichts mehr ändern können. In Wirklichkeit kehren ja die Menschen eines Tages zn der Besonnenheit zurück, die in allen Kämpfen der Geister heilsam und notwendig ist. Tie Weisheit muß siegen, so lange