Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 16 (19.4.1929)
- Date
- 1929-04-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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9. Jahrgang Nummer IS Leilage 19. April 1929 Eine neue Hagada Rechtzeitig zum Pessachfest erscheint als Gabe der „Gemeinschaft" als Doppelheft dieser Zeitschrift, die die Liberale Synagoge Norden in Berlin herausgibt, eine neue Hagada. Wenn man im Stil der Hagada sprechen darf, so schreitet die Frage voran: „Worin unterscheidet sich diese Hagada von allen andern?" Hat sie schöne Bilder, glänzt sie durch tiefgründige Kommentare? Hermann Falkenbergs Buch^vill keine Geistreichelei sein, sondern verdient als Motto: Tom ma hu aumer, und heißt: Was fragt, was braucht der schlichte Mensch? Falkenberg unternimmt den Versuch — und das ist nach den Worten der Hagada lobenswert —, dieses verschlossene Buch zu entsiegeln und seinen Reiz allen zu gewähren, ob sie kenntnisreich oder -arm sind. Ter Verfasser macht der Hausfrau alles tischgerecht und dem Hausherrn und seinem Kreise alles mundgerecht. Wir erfahren, wie die alten Bräuche sich gebildet haben, und welcher lebendige Sinn gerade heute in den Symbolen wohnt. Tie Wiedergabe des Textes in der deutschen Sprache ist edel und gewählt, und Beigaben unserer besten Dichter schmücken das Heft. Vielleicht kann der Eindruck der Hagada dahin geformt werden, daß sie bestimmt den Zahlreichen, die sich ihrer mit Erwartung bedienen werden, heilige jüdische Stunden schenkt! Tie Feinheiten des Inhalts herauszuheben, ist in der Kürze des Augenblicks nicht möglich. Darum sei den Freunden des Buches nur noch folgendes mitgeteilt: Falkenbergs Hagada ist eine Zusammendrängung aus einer großen Arbeit, der sich der Verfasser seit Jahr und Tag liebevoll gewidmet hat, derem würdige Drucklegung aber bisher nicht unternommen werden konnte. Umsomehr verdient die Energie des Autors Dank und Anerkennung, so daß wir dieser Teilgabe uns erfreuen können, und nicht minder, gebührt Herrn Moritz Rosenthal Lob, der in seiner Offizin dem kleinen Werk die liebevollste Ausstattung gegeben hat. Wenn moderne Juden es nach diesem Vorbild als ein Dekorum betrachten, hebräische Drucke herzustellen, dann ist dies ein zweifelsfreier Fortschritt, und wir sind bestimmt aus dem rechten Wege! Dr. Martin S a l o m o n s k i. Berliner Synagogenchöre in Äöln Tie Kölner Roonstraßensynagoge erlebte letzten Sonntag eine künstlerische Sensation: Alexander Wein bäum, der geniale Dirigent der Berliner Synagoge Lützowftraße konzertierte mit seiner „Vereinigung Berliner Syn a g o g en ch ö r e". In den Berliner Synagogen singen insgesamt etwa tausend Sänger und Sängerinnen. Aus diesen hatte Weinbaum eine Elitetruppe zusammengestellt: 19 Soprane, 12 Alt, 10 Tenöre und 10 Bässe. Wohlgegemerkt — man hatte also keinen der Berliner Synagogenchöre vor sich, sondern gewissermaßen den Extrakt aus vielen Ehören. Dieser Konzertchor besucht zunächst Düsseldorf, Köln und Frankfurt, um dann evtl, noch Breslau zu berühren. Vom ersten blühenden F-dur-Akkord an stand es für den Musiker fest: dies ist eine Korporation, deren Leistungen das hochgesteckte Ziel rechtfertigen. Dies herzhafte Anpacken der höchsten Sopranlage, dieser gesunde Vollklang des Gesamtchores bei achtfacher Teilung, dieses leichte Portamento in raschen liturgischen Sätzchen, das orgelhaste Verschweben des Contra-C der tiefen Bässe, das Festhalten der Stimmung im schwierigsten polyphonen a capella-Satz, der Reichtum an feinsten dynamischen Abstufungen, die rhythmische Akkuratesse, — all das stempelt diese Künstlerschar für alle Synagogenchöre Deutschlands zur Respekt heischenden, übergeordneten Instanz. Tie Achillesferse solcher Veranstaltungen ist und bleibt das Programm. Tenn da es eine der althcbräischen Kultur entwachsene Musik heute nicht mehr gibt, so lehnen sich all diese neuzeitlichen Epigonen an klassische Vorbilder an, die sie mit traditionellen Floskeln, Melismen und Hebraismen durchsetzen. Weintraubs Kol nidre-ParaPhrasc als „alt-aramäischer" Satz angekündigt, überzeugt keineswegs stärker, als die bekannte schlichte Lewandowskysche Fassung. Ter in Moskau lebende Moses Milner verrät in seinem grandiosen a capella-Chor Unessane taukes eine bodenständig slawische, melancholische Musikernatur, während Arno Nabels oratorienhaft dramatischer Mismaur schir an den Messen deutscher Meister geschult ist. Nadel lebt in Berlin als Organist der Synagoge Kottbuser Ufer; die Synagogengemeinde Berlin bevorzugt Juden bei der Besetzung der Örganistenstellen. Der deutsche Programmteil brachte von dem Berliner Komponisten De La Motte Fouque, einem Enkel des Schöpfers der Undine, eine großzügige Vertonung des 90. Psalmes, von Arnold Mendelssohn, dem Darmstädter Bärenheuter- Konrponisten, eine erquickend melodische Bearbeitung des 121. Psalmes und als Krönung des Konzertes einen stolz jubilierenden, von Trompetenfanfaren umdrängten Chor aus Händels „Esther". Solist des Abends war der aus Riga stammende Opernsänger Eugen Transky, dessen sympathischer Tenor sich in Joel Engels Hakaussel eindringlich bewährte. In Else Reppen-Zallo, Hilda Lind, Max Gordon und Arnold Fried verfügt der Chor über eigene ausgezeichnete Solisten. An der Orgel waltete feinsinnig der Berliner Organist Arthur Zepke. Der große Augenblick fand ein kleines Geschlecht: die prächtige Synagoge war sehr schwach besucht. Die liberalen Juden Kölns hätten bei so seltenem und so köstlichem Anlaß ihr Gotteshaus nicht im Stich lassen dürfen; aber auch die konservativen Kreise hätten Weihestunden erlebt — trotz Orgel und gemischten Chores. Leider fehlte auch die christliche Bevölkerung Kölns. Man war unter sich — comme toujours. Musikdirektor Benno S t e r n b e r g. vuuahme von Bestellung«» auf dir Jüdischliberale Zeituug S«i «Be» Postämtern Deutschland» t«|''" Aus’denGemeinden Alzey. (Todesfall.) In dem kürzlich verstorbenen Sanitätsrat Tr. M. Mainzer verliert die Gemeinde ein langjähriges verdientes Vorstandsmitglied. An seiner Bahre sprachen Rabbiner Tr. Lev i, Mainz, und Lehrer Srern Worte des Dankes und liebevollen _ Ge* denkens für alle der Gemeinde erivicsenen Dienste. Tie berufliche Tätigkeit des Verstorbenen als Reichsciscilbahnarzt und Mitglied des Aerztevereins des Kreises fand durch locitcrc Ansprachen der Vertreter der Eisenbahnverwaltnng und der Aerzlcschast aufrichtige Anerkennung. Endlich widmete der Vorsitzende der Talberglogc in Worms dem Entschlafenen eindrucksvolle Abschiedsworte. Berlin. (S e d e r a b c n d e.) Zu dem diesjährigen Pessachsestc veranstaltet der Liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin folgende Sederfeiern: In Schneider's .Hotel, Klostcrstraßc 79, Ecke Königstraßc (Tel. E 2 Kupsergraben 3851), am ersten Scderabend, Mittwoch, den 24. April, abends 8l/4 Uhr, unter Leitung des Herrn Kantor Gordon, am zweiten Scderabend, Donnerstag, den 25. April, abends 8s 1 Uhr, unter Leitung des Herrn Kantor Hanns John. Ferner in den Räumen der Odd-Fellow-Loge, Kursürstendamm 4811 (Tel. I 1 Bismarck 798), am ersten Sederabend, Mittwoch, den 24. April, abends 8i/4 Uhr, unter Leitung des Herrn Kantor Hanns John. Der Preis für das trockene Gedeck beträgt bei allen Veranstaltungen Mk. 4,50. Rechtzeitige Anmeldungen bei oben angegebenen Tclephonnummern oder direkt beim Liberalen Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin, SW. 48, Wilhelmstraße 147 (Bergmann 3358/59), erbeten. Berlin. (6 0. Geburtstag.) Am 16. Aprü feierte Herr Handelsrichter Max Salomon, Inhaber der Isidor Salomon Näh- und Stickseidensabrik A. G., seinen 60. Geburtstag. Herr Salomon zählt mit zu unseren ältesten Mitgliedern und ist seit langen Jahren ein treuer Unterstützcr unserer Bestrebungen. Im allgemeinen Leben nimmt der Jubilar eine hervorragende Stellung ein. Vor dem Kriege Ivar er Stadtverordneter der Stadt Schöncberg und Beisitzer des Kaufmannsgerichts. Tie Handelskammer soivie seine Fachorganisa tioncn haben ihn in Ehrcnstellungen bernscn. Wir lvünschen dem rüstigen Sechziger noch lange Jahre kräftigen Wirkens und Schaffens. Berlin. (V o ir der S n b v e n t i o n s k o in in i s s i o n des Preußischen L a n d e s v e r b an d c s.) A m i l i ch: Am Montag, deii 8. April, tagte zu Berlin unter dem Vorsitz des .Herrn Rechtsunwalt Tr. Alfred Klee der Subventionsausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Wie stets, >var auch' dieses Mal eine umfangreiche Tagesordnung zu erledigen, da sich eine große Anzahl von Gemeinden und Einzelpersonen mit der Bilie um Untcrstützung an den Landesverband gewandt hatte. Es kann mit Genugtuung sestgcstellt iverdcn, daß es möglich gewesen ist, in einer ganzen Reihe von Fällen deii Anträgen stattzugeben. Einer Lchrerwitwe wurde eine lausciide Beihilfe gewährt, einer anderen die Wciterbewilligung der lanfendeii Unterstützung zugcsichert. Zwei Witwenpeusioucn wurden erhöht. Einer besonders leistungsschwachen Gemeinde wurde eine lausciide Uirterstützniig bervilligt. Einem Lehrer wurde _ chic Summe zur Deckung von Verpflichtungen zur Verfügung gestellt. Tie Weiterbeioilligung mehrerer Stipendien wurde in Aussicht genommen. Ferner beivilligte der Ausschuß eincin Lehrer bic _ notwendigen Mittel zur Ausbildung, um ihn in den Stand zii setzen, im Provinzialverein israelitischer Gehörloser in Geisenkirchcn Gottesdienste abzuhalten. Einem arideren Lehrer wurde eine Erholnngsbeihilse gewährt. Tic Bewilligung eines Zuschusses für die Turch-- sührung eines Fortbildungskursns, den eine Arbeitsgemeinschaft jüdischer Lehrer eingerichtet hat, wurde beschlossen. Auch dieses Mal lagen verschiedene Gesuche um Baubcihilsen vor. Eine Gemeinde erhält zur Instandsetzung ihrer Synagoge eine Beihilfe soivie ein zinsloses Darlehen, eine andere Gemeinde zur Errichtung eines Betsaales, in einem dritten Falle dient die Bewilligung der Wiederherstellung eines alten jüdischen Friedhofes. Auch zur Fertigstellung eines im Ban begriffenen Ritualbades wurde eine Summe ausgesetzt. Es fand sodann eine längere Anssprache über die Erhöhung der Ruhegehälter an Kultusbeamte a. D. und .Hinterbliebene statt. Obwohl sich alle Mitglieder des Ausschusses darüber einig waren, daß die zur Zeit festgesetzten Beträge an und für sich unzulänglich sind, mußte man mit Rücksicht aus die geringen noch zur Verfügung stehenden Mittel von einer Erhöhung im taufenden Rechnungsjahr absehcn. Berlin. (Jahresversammlung des H i l s s v e r e i n » der Deut s ch e n Jude n.) Am Sonntag, 24. März, saild in Berlin die Jahresversammlung des Hilfsvereins der Deutschen Juden statt, die sehr zahlreich besucht war. Auch viele Mitglieder der auswärtigen Komitees waren erschienen. Den Vorsitz führte in Vertretung des durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Tr. James Simon Generalkonsul Eugen Landau. Willy Dreysus, stellvertretender Vorsitzender des Hilfsvereins, erstattete den Finanzbericht. Tic Einnahmen haben eine erfreuliche Steigerung erfahren, sie betrugen rund Mk. 300 000,—. Zu den Einnahmen kommen außerdem noch hinzu Mk. 23 500,— für den Paul Nathan-Fonds. Dr. Mark Wischnitzer, Generalsekretär des Hilfsvcreins, gab einen kurzen Ucberblick über die Tätigkeit in der Berichtszeit. Die Werbe- und Propagandaarbeit wurde nach Kräften fortgesetzt, um möglichst weite Kreise zu gewinnen. Durch die Werbeaktion sind erhebliche Mittel aufgebracht worden. Die Auswandercrfürsorge sei nach wie vor das Hauptgcbict. Durch seine Tätigkeit entlaste der Hilfsvcrein die deutschen Gemeinden. Auch dem „Verband der russischen Juden" habe der Hilssverein durch Gewährung von namhaften Zuschüssen seine Unterstützung geliehen. Für die Uebersiedlung junger Leute aus Deutschland und aus den Ländern des Ostens nach dem Orient zur unmittelbaren Ausnahme von Arbeit habe der Hilfsverein erhebliche Beiträge geleistet. ^Tcr Hilfsverein hat seine Auswandcrerfürsorgetätigkeit erweitert durch Subventionierung der Zentralwohlfahrtsstellc in Danzig und des .Hilfsausschusses für jüdische Durchwanderer in Köln, die wichtige Ausgaben an der Ost- und Westgrenze zu erfüllen haben. Dank den Mitteln, die durch den .Hilfsverein dem „Verband Jüdischer Studentenvereinc" in Deutschland zur Verfügung gestellt wurden, konnten vom Wintersemester 1927 bis zum Wintersemester 1928/29 145 Studenten aus Osteuropa ihr Studium in Deutschland absolvieren. Für die kulturell-sanitäre Arbeit in den neugegründeten jüdischen Kolonien in Rußland ist zunächst ein Betrag von Mk. 100 000,— bestimmt worden. Im Laufe des vorigen und zu Anfang dieses Jahres hat der Hilfsverein bei zwei Katastrophen wirksam eingegriffen: > anläßlich de« Erdbebenkatastrophe in Bulgarien und der Hungersnot in Beßarabicn. Im Sommer 1928 haben sich zum ersten Male seit längerer Zeit die großen jüdischen Organisationen zu gemeinsamer Beratung zusammengefunden, wodurch das Band zwischen den deutschen Juden und denen der Weststaaten und Amerikas wieder enger geknüpft worden ist. Am 1. Juli 1928 fand eine Konferenz in Paris statt, an der das American Jewish Committee, die Jewish Colonization Association, das Joint Foreign Committee in London, die Israelitische Allianz in Wien und der Hilfsverein der Deutschen Juden teilnahmen. Max M. Marburg (Hamburg), stellvertretender Vorsitzender des Hilfsvereins, betonte die Weltweite und Weltverbundenheit der jüdischen Hilfstätigkeit der Gegenwart, die Notwendigkeit des Zusammenarbcitens der großen Gesellschaften für Auslandshilfe in Amerika, England, Frankreich und Deutschland. Berlin. (Generalversammlung des Vereins „Freunde der Taubstummen-Jedidc Jlmim".) Der Verein „Freunde der Taubstuminen-Jedide Jlmim" hielt am 14. April d. I. seine Generalversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung feierte der 2. Vorsitzende, Herr Rychwalsli, in schönen Worten die 30 Jahre lange Tätigkeit unseres 1. Vorsitzenden, Herrn Ludwig Ginsbcrg. Das Lehrerkollegium übcrbrachte seine Glückwünsche durch Herrn Taubstnmmcnoberlchrcr Höxter. Der 1. Vorsitzende, Herr Ginsberg, dankte für die Ehrung, für die selbstlose Mitarbeit der Vorstandsmitglieder und die hingebende Tätigkeit des Lehrerkollegiums der Israelitischen Taubstummen-Anstalt in Weißcnsee. Er gedachte dann der verstorbenen Vorstandsmitglieder und Vertrauensleute des vorigen Jahres, vor allem der beiden Herren Justizräte Arndt, Berlin, und Holz, Königsberg. Die allgemeine Lage hat sich für den Verein und für die Anstalt dadurch wesentlich gebessert, daß die Zentralivoylfahrtsstelle und der Preußische Landesverband Subventionen gegeben haben, und der Schul- und Talmud-Thora-Vorstand der jüdischen Gemeinde Berlins die in der Anstalt erteilten Rcligionsstunden bezahlt hat. Auch an dieser Stelle dankte er den Organisationen für die tatkräftige Hilfe. Herr Dr. Koehlcr legte den Rechnungsabschluß für 1928 vor und den Voranschlag für 1929. Er appellierte an die Werbetätigkeit der einzelnen Vorstandsmitglieder und der Freunde unserer Anstalt, die uns helfen müßten, wie bisher alle Schwierigkeiten zu überwinden. Die aus dem Vorstände ausscheidcnden Herren wurden wieder, und die Herren Verlagsbuchhändler Tr. Karger, Berlin, und Rechtsanwalt und Notar Dr. Holz, Königsberg, neugewählt. Als Revisoren wurden die Herren Fränkcl, Lindemann und Amts- und Landrichter Dr. Goldmann gewählt. Die ehemaligen Schüler überreichten dem Vorstande als Fonds für den neu zu errichtenden Kindergarten Mk. 1000,—. Dieser Betrag stellt den größten Teil des UebcrschusscS des Wohltätigkeitsfestes dar. Für die hochherzige Spende wurde ihnen von .allen Seiten gedankt. Hierauf erstattete der Direktor der Anstalt, Herr Dr. F. Reich, den Bericht über die Anstalt. Das Jahr 1929 muß nun das Jahr des inneren Aufbaues lvcrden. Bingen. (Besetzung des R a b b i n a t s.) Die jüdische Gemeinde zu Bingen wählte zum Nachfolger des vor längerer Zeit nach Frankfurt a. Q. berufenen Dr. Ignaz Maybaum zum Rabbiner .Herrn Dr. .Heinrich Gutmann, Absolventen des Breslauer Jüdischen Theologischen Seminars. Bochum. (H a k e n k r e u z s a h n c n in der Kirche v e r b o - t e n.) Tie Nationalsozialistische Partei Rheinlands und Westfalens veranstaltete hier ihren Parteitag. Programmäßig sollte ein Kirchgang, getrennt nach den Konfessionen, den Sonntag einlciten. Mit der Begründung, daß die Mitsührung von Hakenkreuzsahncn in ein Gotteshaus nicht stntthast sei, wurde jedoch den katholischen Nationalsozialisten der Eingang in die Bochnmer Prvpstcikirchc vcrtveigert. Dierdorf (Westerwald). (S y n a g o g c n w c i h c.) In unserm Städtchen wurde am 9. April die vom Architekten B.D.A. Robert Srern- K ö l n erbaute Synagoge feierlich cingetvciht. Nachdem von dem alten Gotteshaus Abschied genommen tvar, bewegte sich der Festzug, in dem man die Vertreter geistlicher und weltlicher Behörden bemerkte, zur neuen Synagoge. Dort übergab der Erbauer dem Gemeindevorsteher den Schlüssel, wobei ein von Herrn Emil B l u m e n a u - K ö l n verfaßter Prolog vorgctragen wurde. Den eigentlichen^ Weiheakt vollzog Herr Lehrer G i n s b e r g. Nach seiner zu Herzen gehenden Festprcdigt, mit der er zugleich auch die Gcfallenengedenktafel weihte, sprachen eine Reihe von Ehrengästen, u. a. Herr B l u m e n a ri im Aufträge der Syjnagogengem e i n d e Köln und des Preußischen Landesverbandes, sowie Herr Lehrer R a n s c n b c r g - Neuwied für den Rheinischen Provinzialvcrband. Ein fröhliches Konzert am Abend schloß die schöne Feier, die im Gedächtnis aller Teilnehmer sortleben wird, ab. Dortmund. (Einweihung des Gemeindehauses.) Donnerstag, den 11. April, am Rochhachaudesch Nissan, fand die feierliche Einweihung des neuen, Gemeindehauses statt. — Nach jahrelangem vergeblichen Bemühen war cs dem Vorstande der Synagogengemeinde endlich gelungen, ein passendes Haus zu finden, das sowohl seiner Lage »vie auch seiner Anlage nach den Anforderungen entsprach, die eine Großgemciude an ein Gemeindehaus' stellen muß. Es fand zunächst eine Führung durch die neuen, geschmackvoll eingerichteten Räume statt. An das Büro der Gemeinde schließt sich das Sitzungszimmer der Repräsentanten, an dieses ein kleinerer Raum für Beratungen im engeren Kreise. Das .Bibliothekszimmer mit prachtvoll eingerichteter Bibliothek bietet allen Lese- und Lernbedürftigen behaglichen Aufenthalt. An dieses schließt sich der große, aufs prächtigste ausgestattete Saal für Vorträge und festliche Veranstaltungen. — Viel bewundert ward die Küchcnanlage des Hauses, die gleichzeitig als Ausgabestelle des Frauenvereins eingerichtet ist. In _ großen, eine ganze Wandfläche bedeckenden Schränken, ist die so segensreich wirkende Pfundsammlung des Fraucnvereins untergebracht. - - In den noch unvollendeten Räumen des ersten Stockes werden Wohnungen für die Gemeindeschwestern und Räume für Vcreinszwecke hergerichtet, die besonders den einzelnen Jugendbündcn. zur Verfügung gestellt tverden sollen. — Die Gesamtcinrichtung ist von jüdischen Handwerkern der Gemeinde hergcstcllt worden, denen in seiner Begrüßungsansprache Herr Max Dörnbcrger, als Vorsitzender der Baukommission, seinen besonderen Dank aussprach. Er bedauerte, daß cs dem greisen Vorsitzenden der Gemeinde, Herrn Leescr, nicht möglich sei, an dieser Feierstunde tcilzunehmen, und verlas ein aus Italien eingetragenes Glückwunschtelegramm desselben. Tie Weihe des Hauses lvurde dann von Herrn Rabbiner Dr. Appel vorgenommen. Namens des Vorstandes der Gemeinde gab Herr Justizrat Kempenich einen längeren Rückblick über die Entwicklung der Gemeinde, dem sich ergänzend Herr Leo Jonas anschloß, der Vorsitzende der Repräsentanz, der ebenso wie sein Vorredner den besonderen Dank für das gute Gelingen des Werkes den .Herren der Baukommission und allen am Bau Beteiligten aussprach. — Viele jüdische Verbände hatten Vertreter zur Einweihungsfeier entsandt und zahlreiche Stiftungen und Spenden gingen ein. Dresden. (Persönliches.) In dem am 9. d. M. einer tückischen Herzkrankheit erlegenen Herrn Benno Weinberg wurde der Gemeinde und zahlreichen Freunden ein Mann entrissen, der mit seinen 51 Jahren ein Vorbild rastloser Schaffensfreude war, dabei von außerordentlich heiterer Gemütsart, immer hilfsbereit und mit großer Liebe an seinem Judentum hängend. Schon frühzeitig, durch Verlust des Vaters, aus sich selbst gestellt, wuchs er in der Jakobsohn-Schule zu Seesen heran, wofür er sich zum Danke mit an die Spitze jener; Hilfsaktion vor einigen Jahren zur Rettung dieser bedrängten jüdischen Schule stellte. Ebenso hat er, für alle jüdischen Fragen interessiert, insbesondere die Finanzen des C.-V. in schwerer Zeit und dann bis an sein beklagenswert frühes Ende mustergiltig verwaltet. Sein 25 jähriges' Jubiläum in leitender Stelle beim Sachsenwerk Niedersedlitz feierte Herr Direktor Arthur G l a u b e r, der seit mehreren Jahren sozusagen der Steuer- und Finanzsachverständige des Gemcinderats ist und sich mit großer Hingabe dem Aufbau der Gemeindesinanzen widmet. Ein Jubeltag äußerst seltener Art war dem gleichfalls unserer Bewegung nahestehenden Herrn Friedrich Pick, Prokurist des Bankhauses Gebr. Arnold, bcschieden, nämlich das der ununterbrochenen 50 jährigen Tätigkeit in diesem Hause. Wegen seines schlichten Wesens sehr beliebt, wurde der Jubilar, der als ganz junger Mensch in die Firma kam, der er schon lange mitleitend angehört, weit über den Kreis seiner Berufsgenossen hinaus herzlich gefeiert und geehrt. Flamersheim. (Synagogen-Jubiläu m.) Die hiesige Gemeinde feierte das 50 jährige Jubiläum ihrer Synagoge in dem festlich geschmückten Gotteshaus durch einen besonderen Festgottcsdicnst, bei dem Rabbiner Dr. Wolfs, Köln, die Predigt hielt. Ein Gemeindeabend vereinigte die Festteilnehmer; auch die Ortsbevölkerung hatte erfreulicherweise durch Schmücken der Häuser und Teilnahme an den Veranstaltungen dem Festtag lebhaftes Interesse entgegengebracht. Hamburg. (Repräsentantensitzung.) Das Repraseutanten-Kollegium der Deutsch-Israelitischen Gemeinde tagte am 10. April unter Leitung seines ersten Vorsitzenden Alfred Lisser. Rektor Jos. Feiner (lib.) trat anstelle des verstorbenen Paul Levy in das! Kollegium ein. Tic Gemeindesteuer wurde für das Rechnungsjahr 1929/30 von 10 o/o auf 9 o/o ermäßigt. Die sämtlichen Anträge des Gemeinde-Vorstandes auf Geldbewilligung wurden genehmigt, nämlich: