Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 14 (5.4.1929)
- Date
- 1929-04-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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9. Jahrgang Nummer 14 Spenden für den Hilfsfonds Wir veröffentlichen nachstehend die zweite Liste der danken an dieser Stelle den Einsendern herzlichst. R.-A. Moos l, Ulm; Erich Kohn, Schweidnitz; Siegbect Lewy, Luckenwalde; R.-A. Dr. Gumbel, Heilbronn; Julius Afch, Blankenese; Sigmund Schwarzenberger, Fürth (Bayern); Joses Simon, Frankfurt a. M.; Eugen Simson, Düsseldorf; Otto Leyser, Düsseldorf; Julius Becker, Danzig; Apotheker Alfred Schmidt, Breslau; Frau B. Rosenau, Berlin-Halensee; Unbekannt, Berlin-Schöneberg; Amtsgerichtsrat Siegismnnd Seligsohn, Berlin-Halensee; Albert Woyda, Berlin; Direktor tz. Lipschütz, Berlm-Halensee; Adeline Goldberg u. Rose Jacobsohn, Berlin NW; Hedwig Ries) Berlin-Wilmersdorf; Frau B. Woyda, Berlin NO; Leo Jacob, Berlin-Charlottenburg; M. Gottfeldt, Berlin NO; Tr. Moritz Garbäty, Berlin- Pankow; Tr. Eugen Pinner, Berlin; I. Nadelmann, Berlin- Charlottenburg; Rabb. Dr. Leo Baeck, Berlin; Benno Bernstein, Berlin-Charlottenburg; Paul Litten, Berlin-Grunewald; Dr. Alfred Alexander, Berlin; Pros. Dr. Paul Rosenstein, Berlin; Dr. H. Sachs, Berlin; Henry Wittkower, Berlin; Carl Fuchs, Berlin-Halensee; Jacques Kunstenaar, Zürich 6; Julius Rothschild, Berlin; Frau Elise Gerson, Berlin SW; Moritz Sichel, Stuttgart; Alfred Kaskes, Stettin; Rabb. Dr. Mgx Freudenthal, Nürnberg; Emil Bensinger, Mannheim; Oscar Lippcrt, Linden-Ruhr; Dagobert Grünberg, Königsberg (Pr.'j; Jakob Hirschmann, Fürth; Louis Hirsch, Friedberg; R.-A. Tr. Sally Kaufmann, Duisburg: Kapellmeister Benno Pulvermacher u. Frau, Breslau; Hugo Meyer, Bielefeld; Direktor G. Bach, Berlin-Schöneberg; P. Baerwalo- Berlin-Charlottenburg; I. R. Dr. Hermann Samter, Berlin; Max u. Emil Müller, Berlin; Johanna Nathan, Berlin; A. Eifenhardt, Berlin; M. Putter, Berlin-Halensee; Direktor I bei uns eingegangenen Spenden für den Hilfsfonds und Dr. Gutmann, Berlin; N. Heller, Berlin-Grunewald; Tr Loewenstein, Berlin-Charlottenburg; Carl Katzenstem, Berlin- , Wilmersdorf; San.-Rat Tr. W. Seeligsohn, Berlin; Tr. I. Etbogen, Berlin; Dr. Max Neumann, Stolp; Sigmund Ullmann, Kempten; Dr. Karl Kaufmann, Mannheim; H. Selinger, Lörrach; Bezrrksrabbiner Dr. Einstein, Landau: Guioo Höchfeld, Hamburg 1°; Oscar Solms, Düsseldorf; W. Werthauer, Berlin W; I. M. Mannheim, Berlin-Charlottenburg; I. R. Gruenbaum, Berlin-Charlottenburg; Gustav Zamory, Berlin; M. Grünwald- Berlin-Charlottenburg; Tr. med Alfred Witkowfti, Berlin; Leopold Dommauer, Berlin; San.- Rat Tr. Alfred Peyser, Berlin-Charlottenburg; I. R Tr. Franken, Aachen; Lehrer Hermann Wallach, Aachen; I. Lewin, Schneidemühl; R.-A. Richard Jung, Nürnberg; D Liebhold, Mannheim: Rabb. Dr. Gustav Oppenheim, Mannheim: PH Tännchen, Marienwerder; Gustav Thalheimer, Mannheim; Alfred Levi, Haigerloch; Karl Kahn, Elberfeld; Dir. Arthur Älauber, Dresden; Lehrer W. Freundlich, Breslau; Bankier Leopold Silberstein, Berlin-Charlottenburg; Sally Baec, Berlin: Bruno Kantorowicz, Berlin-Charlottenburg; Justizrat Tr. Brodnitz, Berlrn-Charlottenburg; I. Krojavker, Berlin- Charlottenburg; M. Bach, Berlin-Charlottenburg; G. Remack, Berlin; Dr. S. Pollak, Berlin-Charlottenburg; Julius Meißner, Berlin; Dr. Reinsberg, Berlin-Neukölln; Tr. E. Fränkel, Augsburg; N. N., Danzig; George Goetz- Berlm-Halensee; Hans Adam, Berlin; Dr. M. Spanier, Magdeburg. Weitere Zahlungen für den Hilfsfonds erbitten wir auf das Postscheckkonto der Bereinigung für das liberale Judentum, Berlin 137 069. Aus den Gemeinden Barmen. (Abschied des Rabbiners.) Am letzten Freitagabend verabschiedete sich der Rabbiner unserer Gemeinde, Herr Dr. Grabowski. Nach dem Abendgottesdienst, der sehr zahlreich besucht war, hielt der Vorsitzende der Gemeinde, Herr S.-R. Dr. Ollendorsf, eine zu Herzen gehende Ansprache, in der er die Verdienste schilderte, die sich Herr Dr. Gr. während seines 30 jährigen Wirkens in Barmen erworben, ihm den Dank der Gemeinde aussprach und ihm einen friedlichen, ruhigen Lebensabend wünschte. Er begrüßte die erschienenen Vertreter der Nachbarsynagogengemeinde Elberfeld und der Barmer katholischen Geistlichkeit. Danach betrat Herr Dr. Grabowski zum letzten Male die festlich geschmückte Kanzel, hielt einen Rückblick auf die verflossenen 30 Jahre, die er in Barmen amtierte und nahm in ergreifenden Worten Abschied von dem Gotteshaus, der Gemeinde und allen Bekannten und Freunden. Als stetes Erinnerungszeichen überreichte er dem Vorstand am Schlüsse ein prächtiges Thoramäntelchen, von ihm und seiner Gattin gestiftet. Herr Dr. Grabowski tritt mit dem 1. April dieses Jahres nach etwa; 40 jähriger Dienstzeit — 10 Jahre amtierte er in Könitz — in den Ruhestand. Er wird seinen Wohnsitz auch fernerhin in Barmen behalten. Berlin. (Silberne Hochzeit.) Am 12. April feiert Herr Benno Bechar, Halensee, Kursürstendamm 165-66, nebst Gemahlin das Fest der silbernen Hochzeit. Herr Becher, der die Bezirksgruppc Halensec-Gruncwald des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V. mitgegründct hat, ist einer unserer rührigsten und eifrigsten Vorstandsmitglieder des Bezirks Halcnsee-Grunewald. Wir sprechen ihm und seiner Gattin die herzlichsten Glückwünsche auch an dieser Stelle aus. Berlin. (I u b i l ä u m.) Mit Beginn des Sommcrhalbjahrs feiert der akademische Zeichenlehrer Otto Geismar das fünsnndzwanzigjährige Jubiläum seiner ununterbrochenen Amtstätigkeit im Dienste der Berliner Jüdischen Gemeinde. Siebzehn Jahre hindurch hat er an der Lehrerbildungsanstalt, die übrige Zeit an der Mittel- und an der Aufbauschule den Zeichenunterricht erteilt und hierbei Hunderten von Schülern verständnisvoll das Reich der Kunst erschlossen. Geismar ist ein Künstler in seinem Fache: mit seinen Illustrationen zur Bibel und zur Hagada hat er die Jugend zur Selbsttätigkeit angeregt und ihr auf dem Wege primitiven Nachschasfens leichtes Verständnis und rasche Einprägung heiliger Texte und Worte ermöglicht. Seine „Tierbilder" lehren die Jugend Liebe und Verständnis unserer vicrfüßigcn Freunde. — Geismar ist Badenser von Geburt. Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe übernahm er die Zeichenlehrerstclle am Realgymnasium in Mannheim, folgte aber am 1. April 1904 einem Ruse der Berliner Jüdischen Gemeinde, in der Erwartung, in der Rcichshauplstadt größere Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten zu finden, von denen er dann auch ausgiebigen Gebrauch machte. Von Geismar ist neben weiterer erfolgreicher Unterrichtstätigkeit noch manches Schöne zu erwarten. Berlin. (2 5 j ü h r i g e s Dienstjubiläum von Fritz Goetz.) Am 1. April feiert Herr Chefredakteur Fritz Goetz sein 25iqhriges Dienstjubuäum im Verlag Ullstein; er ist Leiter des unpoliti- Wm Teils der „Bossischen Zeitung". Das Vertrauen seiner Kollegen ans allen Lagern der Journalistik von links bis rechts hat ihn an die Spitze der Berliner „Kommunalpolitischen Pressekonferenz" berufen. Fritz Goetz ist auch Pressebeirat des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Der „Schild", Organ des Reichsbundes, widmet dem Jubilar die folgenden Zeilen: „Der R.j.F. ist stolz darauf, daß Freund Goetz trotz seiner hervorragenden Stellung im öffentlichen Leben und seiner Arbeitsüberlastung den Bund in seinen Presseangelegenheiten nun schon seit acht Jahren betreut und auch den „Schild" zu einer angesehenen Wochenschrift, die von der großen Tagespresse häufig zitiert wird, vorwärts gebracht hat. Was ihn besonders auszeichnet ist die stille Wohltätigkeit, die er, ohne daß es jemand erfährt, ausübt, also im schönsten Sinne des Wortes ein wirklicher Kamerad!" Berlin. (Schule der jüdischen I u g e n d.) Wir werden um Veröffentlichung der folgenden Zuschrift gebeten: Die Schule der jüdischen Jugend hat am 28. März ihr erstes öffentliches Trimester beschlossen. Bei dieser Gelegenheit wird die jüdische Oessentlichkeit gern erfahren, wie der unter ihrer dankenswerten Teilnahme unternommene Versuch, breite Kreise der jüdischen Jugend aller Lager zu gemeinsamem Lernen zu verbinden, fortschreitet. Einige tatsächliche Angaben und Zahlen sollen das Ergebnis /des ersten Trimesters illustrieren: An den 26 während des Trimesters lausenden Kursen und Arbeitsgemeinschaften (abgesehen von den Sonderveranstaltungen) habe» insgesamt etwa 350 Jugendliche teilgenommen. Davon an 14 ein bis zwei Mal wöchentlich stattfindenden Kursen und Arbeitsgemeinschaften, in denen die hebräische Sprache an Hand von Texten gelehrt wurde oder hebräische Sprachkenntnisse vorausgesetzt wurden, etwa 140 Teilnehmer; an zwei Geschichtskursen 55, an zwei Arbeitsgemeinschaften über jüdisch-soziale Probleme 50, an drei philosophischen Arbeitsgemeinschaften 38, an zwei Musikkursen und einem Palästinakurs ungefähr 60. Als Sondervcranstaltung fand eine biblische Arbeitsgemeinschaft unter der Leitung von Dr. Martin Buber statt, die eine tägliche Teilnehmerzahl von etwa 60 Hörern anszuweisen hatte. Eine Vorlesung von Dr. Buber „Zwischen Landnahme und Königtum" war von 140 Zuhörern besucht. Nach vorliegenden Mitteilungen wird sich die Zahl der Teilnehmer im nächsten Trimester, das am 22. April beginnt, weiter beträchtlich erhöhen. Ter neue Arbeitsplan wird gegenwärtig vorbereitet. Er wird Anfang April veröffentlicht werden. — Erwähnenswert ist noch, daß an der Schule fast alle jüdischen Bünde und Jugendorganisationen, sowie zahlreiche Unorganisierte teilgcnommen haben. Interessenten wenden sich um Auskunft an das Büro der Schule der jüdischen Jugend, W. 35, Lützowstraße 16. Berlin. (O b e r r a b b i n e r D r. C a r l e b a ch übernimmt das Rabbinat in Berlin.) Wie mitgeteilt wird, wird Oberrabbiner Dr. Carlebach-Altona dem an ihn ergangenen Rufe, ein Rabbineramt in Berlin anzunehmen, Folge leisten. Dadurch wird das orthodoxe Rabbinat, für das erst kürzlich Dr. Freimann-Poscn gewonnen wurde, eine weitere Bereicherung erfahren. Breslau. (R e p r ä s e n t a n t e n v c r s a m m l n n g.) Tie Sitzung der GeMeindevertretung am 27. März beschäftigte sich in der Hauptsache mit der Beratung des Gemeindehaushalts für das Rechnungsjahr 1929/30. Gemeindevertreter Gins gab dem Haushaltspläne ein Äelcittoort mit, in welchem er den Vergleich mit dem Etat des Vorjahres zog und betonte, daß er diesmal nichts wesentlich Neues brächte und daß die großen Pläne der Gemeinde nicht durch laufende Mittel gedeckt, sondern aus Anleihemitteln bestritten werden müßten. Die einzelnen Etats wurden alsdann nach den Vorschlägen der Haushaltskommission der Gemeindevertretung, die alle unvorhergesehenen Ausgaben und Rücklagen erheblich herabgesetzt hatte, nach ausführlicher Besprechung mit geringen Aendernngeu angenommen. Der Abschluß weist in Einnahme und Ausgabe ungefähr 1,675 Millionen auf, von denen 1,175 Millionen durch Stenern zu decken sind. Vom Vorstande war vorgeschlagcn worden, als Knltnsstener einen Zuschlag von 121,2 <>/o zur Einkommensteuer 1928 festzirsetzen. Demgegenüber führte Gemeindevertreter Gins aus, daß uns die Nöte der Gemeindcmitglicdcr in ivirtschaftlichcr Beziehung zwängen, sic steuerlich pfleglich zu behandeln. Man setzte daher die Knltnsstener auf 11 o/o fest. Im übrigen bewilligte die Gemeindevertretung der hebräischen Sprachschule eine jährliche Beihilfe von Mk. 300, ~, dem jüdischen Museum E. V. zu den Unkosten der Ausstellung „Das Judentum in der Geschichte Schlesiens" ein Beitrag von 500,— Mk., dem Hilfsverein der Deutschen Inden zur Milderung des Elends in Beßarabien eine Beihilfe von Mk. 1000,—, zur Versorgung der jüdischen Bevölkerung Rußlands mit Mazzoth einen Betrag von Mk. 500,—, dem Büro für Statistik der Juden eine Jubiläumsbcihilsc von Mk 300,-—, den gleichen Betrag dem jüdischen Lehrgut in Rodges. Sic genehmigte ferner den Haushaltsplan der Mora Salomon Leipziger Beth-Hamidrasch-Stistung, den Schenkungsvertrag zwischen der Gemeinde und dem jüdischen Frauenbünde zum Beate Guttmann-Heim für Angehörige des verarmten Mittelstandes und die Satzungen der Lippmann und Marie Blochschen Altersstistung (Mk. 10 000, —). Schließlich ermächtigte die Gemeindevertretung den Vorstand, für die Darlehnskasse der Mittelstandshilfe .vbic Bürgschaft über einen Kredit von Mk. 20 000,— Hu übernehmen und gab ihre Zustimmung zum Bau eines Almemors für die Alte Synagoge, nachdem Gemeinderabbincr Dr. Hoffmann in einem Gutachten diesen als ein religiöses Bedürfnis seiner Richtung hingestellt hatte. — Zn Beginn der Sitzung hatte der Vorsitzende dem kürzlich verstorbenen Vorstandsmitgliede Bankdirektor Emil Hancke ehrende Worte des Gedenkens gewidmet; die Ersatzwahl für ihn wurde vertagt. - In kurzer geheimer Sitzung wurde einem Grnndstückserwerb zugestimmt, ebenso der Wahl des Gemeindevertreters Dr. Raphael Gluskinos in das Kuratorium der Leipziger-Stiftung, des Herrn Erich Bayer in den Ausschuß der Neuen Synagoge und des Herrn Rechtsanwalts James Pollack in den Kultusausschuß I. Brieg. (Das Kruzifix im G e r i ch t s s a a l.) Wir berichteten vor einiger Zeit über einen Vorgang beim hiesigen Schössen>- gericht, der auch außerhalb des Ortes die Presse eingehend beschäftigt hat. Gerichtsassessor Freund hatte vor der Sitzung des Schöffengerichtes am 9. Februar 1929 das «auf dem Verhandlungstisch stehende Kruzifix mit zwei Leuchtern entfernen lassen. Zu dieser Angelegenheit hat nunmehr der preußische Justizminister Dr. Schmidt auf eine kleine Anfrage der Abgeordneten Kliesch und Lukassowitz im Landtag Stellung genommen. Der Justizminister stellt fest, daß Freund den Antrag eines in der bezeichneten Verhandlung als Verteidiger auftreteifden Rechtsanwalts auf Wiederaufstellung des Kruzifixes zurückgewiesen hat, nachdem er als Vorsitzender «inen entsprechenden Gerichtsbeschluß hierüber erwirkt hatte. Freund hat dem Auftrag an den Protokollführer zwar nicht die Aeußerung: „Ich kann das Kruzifix nicht sehen", wohl aber die Worte: „Das stört mich" hinzugefügt. Der Landgerichtspräsident in Brieg hat alsbald die Wiederausstellung des Kruzifixes veranlaßt und Gerichtsassessor Dr. Freund wegen seines eigenmächtig in die Befugnisse der Justizverwaltung eingreifenden Vorgehens, das geeignet war, die religiösen Empfindungen Andersdenkender zu verletzen, sein starkes Befremden Beilage 5. April 1929 und seine ernste Mißbilligung ausgesprochen. Zu weiteren Maßnahmen liegt, lvie der Justizminister hinzusügt, zurzeit kein ausreichender Anlaß vor. Das Verhalten des Assessors Dr. Freund ist sofort, nachdem es in der Stadt Brieg bekannt geworden war, von der dortigen Leitung der jüdischen Gemeinde in einem Schreiben an die Spitzen der evangelischen und der katholischen Kirche bedauert und verurteilt worden. Dresden. (G e m e i n d e a n g c l e g e n h c i t e n.) Tic Steuer für das lausende Jahr wurde wieder auf 12i/2 o/0 der Einkommensteuer für 1928 festgesetzt. Wie hier mitgeteilt, hatte der Gemeinderat beschlossen, den Antrag auf Bezeichnung des Gemeindegottesdienstes nach altem Ritus als „Gemeindegottesdienst Adas Jeschurun" der neu zu wählenden orthodoxen Kultuskommission zu überweisen. Diese Neuwahl ist vorläufig hinfällig geworden. Wie es scheint, liegt nämlich ein Bedürfnis nach einem zweiten (orthodoxen) Gemeindegottcsdienst hier nicht vor, so daß der von der Gemeinde unterstützte Gottesdienst Adas Jeschurun seine Zwecke durchaus erfüllt. Die Liberalen und Orthodoxen haben sich infolgedessen dahin geeinigt, es bis zum Frühherbst vorläufig beim alten zu belassen, und dieser Antrag wurde unter Stimmenthaltung der Zionisten zum Beschluß erhoben. Emden. (Todesfall.) Der Ehrenvorsitzende der hiesigen Gemeinde, Herr Philipp Meyer, ist im Alter von 85 Jahren zur ewigen Ruhe eingegangen. Seine Verdienste um die während der 35 Jahre gemeinnützigen Wirkens an der Spitze der Gemeinde geleisteten Arbeit war durch Zuerkennung eines Ehrenplatzes in der Synagoge gewürdigt worden. Anläßlich seines Ablebens fand eine Trauersitzung des Vorstandes statt, bei der u. a. Vorsteher B. Pollack, die Vertreter des Gemeindeausschusses und der Chewra Kadischah, Synagogenvorsteher v. d. Walde, Lehrer Hirschberg und der Sohn des Entschlafenen, Herr Max Meyer, Ansprachen hielten und ihrer Trauer beredten Ausdruck verliehen. Landrabbiner Dr. Blum hielt am Grabe eine eindrucksvolle Gedenkrede. Frankfurt a. M. (Beibehaltung des Steuersatzes.) Tie Sitzung der Gemeindevertretung am 21. März hatte sich im wesentlichen mit der Festsetzung des Steuersatzes für das laufende Etatjahr zu befassen. Die Sitzung wurde cingeleitet durch eine Ansprache des ersten Vorsitzenden des Vorstandes, Herrn Justizrat Dr. Blau, in der ein Ueberblick über die Finanzlage der Gemeinde gegeben wurde. Der .Haushaltsplan schließt ans beiden Seiten im Ordinarium mit RM. 1 968 447,60, im Extraordinarium mit RM. 729 601,— ab. Der ordentliche Haushaltsplan weist einen zunächst ungedeckten Fehlbetrag von RM. 136 450, - auf und auch die Erfordernisse des Extraordinariums sind in der Hauptsache nur im Kreditweg zu decken. Aus diesen beiden Tatsachen ergibt sich, daß die Finanzlage der Gemeinde nach einer Reihe verhältnismäßig günstig verlaufener Jahre im bevorstehenden Rechnungsjahr als stark angespannt bezeichnet werden muß. Dies liegt nicht etwa daran, daß für das neue Jahr besonders erhebliche neue Lasten übernommen werden sollen, im Gegenteil: cs sind auf der einen Seite nur die unbedingt erforderlichen Ausgaben, von denen der weitaus überwiegende Teil auf rechtlichen Verpflichtungen beruht, vorgesehen, und auf der anderen Seite eine große Reihe von Kürzungen gegenüber dem Etat der Vorjahre vorgenommen worden, wie auch neue Bewilligungen nicht ausgesprochen worden sind. Ebenso konnte auf der Einnahmcseite die in den Vorjahren begonnene Herabsetzung gewisser Einnahmeposten, insbesondere der Synagogenplatzmieten und anderer Gebührentarife zunächst nicht fortgesetzt werden. Im weiteren Verlauf seiner Ansprache betont J.-R. Blau, daß der Gemeindevorstand sich trotz schwerster Bedenken zu einer an sich rechnerisch gebotenen Steuererhöhung in der jetzigen Zeit wirtschaftlichen Tiefstands der Gemeindemitglieder nicht habe entschließen können. Immerhin gebiete es die Vorsicht, den Steuersatz von 11 Prozent nicht in einer endgültigen Form zu beschließen, sondern die Möglichkeit einer Abänderung vorzubehalten, lvie dies übrigens auch in den Vorjahren geschehen ist. Auf dem Gebiete des Schulwesens sei der Vorstand entschlossen mit aller tunlichen Beschleunigung eine Neuordnung und damit hoffentlich auch eine Entlastung des Gemeindeetats herbcizuführcn. Was die Wohlfahrtspflege betrifft, so zeige die Gegenüberstellung der Vorkriegsziffcrn und der jetzigen Aufwendungen, welche Umschichtung sich gerade in unseren Kreisen vollzogen hat und wie stark insbesondere der gute jüdische Mittelstand von diesen Verhältnissen getroffen ist. Die Gemeindelasten auf diesem Gebiet haben sich in einem noch viel größeren Verhältnis als im Reich und in den Kommunen gesteigert. Es berichteten alsdann über die Beschlüsse der Gemischten Finanzkommission, des Vorstands und der Gemeindevertretung Herr Rechtsanwalt Dr. Geiger. Tic Kommission ist zu dem Beschluß gelangt, den Steuersatz, der im Vorjahr aus ll »» gesenkt worden war, wieder bei 11 o/o zu belassen und eine Erhöhung nicht vorzunehmen. Es ist zwar ungewiß, ob das Steuer-Soll bei der voraussichtlichen Entwicklung, welche die wirtschaftlichen Verhältnisse im Jahr 1929 nehmen, tatsächlich eingeht. Eine Erhöhung im voraus glaubt jedoch die Kommission nicht verantworten zu können. Große Schwierigkeiten bietet der außerordentliche Etat. Die Mehrkosten des Friedhofes, der Ausbau des in der Gervinusstraße erworbenen Hauses, sowie die Einrichtung der Urologischen Abteilung des Krankenhauses erfordern Mittel, für die einstweilen Deckung nicht vorhanden ist. Einen Ausgleich durch Steucrerhöhung hat die Kommission abgelehnt. Es bleibt daher nur der Weg des Kredits oder der Vcrmögensinanspruchnahme. In der Aussprache wurde von verschiedenen Seiten des Hauses bedauert, daß man im vorigen Jahre auf die Initiative des Vorstandes hin, entgegen den Bedenken der Gemeindevertretung den Steuersatz herabgesetzt habe. Ter Vertreter der Bolkspartei, Herr Rechtsanwalt Dr. Simon, sprach sich gegen eine Inangriffnahme des Gemeindevcrmögens zum Ausgleich des außerordentlichen Etats aus, wurde jedoch von dem Sprecher der liberalen Fraktion, Herrn Dr. Wolf, darauf hingewiesen, daß eine Kreditaufnahme zu teuer komme, deshalb die Inangriffnahme eines Vermögenstcils wohl empfehlenswerter sei, zumal cs sich um eine dauernde Vermögensanlage handle. Von sämtlichen Parteien wurde eine Steucrerhöhung als unerfreulich abgelehnt. Der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Herr Dr. Merzbach, regte an, entsprechend dem Vorgehen der Evangelischen Kirchengemeinde, die einen 12 obigen Zuschlag zur Einkommensteuer und 10 o/o zur Vermögenssteuer erhebt, zu prüfen, ob nicht ein Zuschlag zur Vermögenssteuer in der Gemeinde möglich sei. Herr Dr. Mainzer erinnerte daran, daß ein ähnlicher Vorschlag von ihm bereits früher gemacht worden sei. Die Versammlung beschloß, entsprechend dem Vorschlag der Finanzkommission den Steuersatz bei 11 o/o zu belassen. Frankfurt a. M. (Jubiläum von Rabbiner Dr. Lazarus.) Am 1. April feierte Herr Rabbiner Dr. Arnold Lazarus sein 25 jähriges Amts-Jubiläum. Den 9. April 1877 zu Breslau geboren, wurde er als noch nicht 27 jähriger am 1. April 1904 von der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt als Vertreter des Rabbiners und Religionslehrers berufen. Anfang 1905 erhielt Herr Dr. Lazarus das Rabbinatsdiplom des Breslauer jüdisch-theologischen Seminars. Die Hoffnungen, die man an ihn knüpfte, hat er in reichem Maße erfüllt. Bereits am 1. April 1905 wurde er zum zweiten Rabbiner der 'Hauptsynagoge gewählt. Im Jahre 1907 stellte ihn die Gemeinde in Anerkennung seiner Leistungen als Prediger und Religionslehrer bereits als koordinierten Gemeinderabbiner an. Am 1. April 1914 erhielt er die Anstellung auf Lebenszeit. Im Kriege wirkte er als Feldgeistlicher. Seit dem 1. April 1928 ist er Referent für den Religionsunterricht und Mitglied der Städtischen Schuldeputation. Herr Rabbiner Dr. Lazarus hat in all den Jahren mit besonderer Liebe die jüdisch-liberalen Bestrebungen, auch die der Jugend, gefördert. Steht er doch mit seiner tiefen Religiosität mitten im brausenden Leben, ist ein Kenner aller weltlichen Freuden wie Nöte. Seine