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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-04-05 · 14 (5.4.1929) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
14 (5.4.1929)
Date
1929-04-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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4 Man, indem er die kirchliche Jurisdiktion über Palästina aus der französischen nach der britischen Einflußzone verlegt, daran geht, die Verwaltung und den Besitz an den Heiligtümern in Jerusalem, Bethlehem und Nazareth, die seit der Errichtung des Staates Palästina unter britischem Mandat noch immer nicht geregelt waren, endgültig zu ordnen. Ist das Judenaustreibungsedikt von 1492 im heutige» Spanten noch in Kraft? Die Jüdische Telegrapheu-Agentur verbreitet aus Sofia folgende Mitteilung: „Der Präsident der jüdischen Völkerbundsliga in Bulgarien Dr. Saul Mezan hat im Hinblick auf die im Mar d. I. in Madrid stattfindende BoMonferenz der internationalen Völkerbundsgesellschasten an den Präsidenten der Union der Völkerbundsligen das folgende Schreiben gerichtet: Herr Präsident, Sie misten, daß aus Grund des Edikts der spanischen Könige Ferdinand und Jsabella vom Jahre 1492 alle Juden Spaniens, die ihren Glauben nicht abschwören wollten, aus dem Lande vertrieben wurden. Seit Anbruch der konstitutionellen Aera haben jüdisch-politische Gruppen, so auch die Alliance Jsraelite Universelle, versucht, die Aufhebung dieses Ediktes zu erwirken; die spanischen Regierungen weigerten sich aber, dies zu" tun und erklärten, daß die heutige spanische Verfassung die Glaubensfreiheit sichere und daß 'durch sie das Edikt von 1492 außer Kraft gefetzt erscheint. Heute aber, wo in Spanien dre Verfassung außer Kraft gesetzt ist, darf man sich mit Recht fragen, ob Spanien alle Garantien für die Abhaltung eines internatrottctleu und interkonfessionellen Kongresses, wie es die Plenarverfammluug der Völkerbundligen ify bietet. Ich bitte Sie also, Herr Präsident, wenn möglich, die gegenwärtige spanische Regierung zu der Abgabe einer präzisen Erklärung zu veranlassen, ob sie das Austreibungsedikt von 1492 als effektiv aufgehoben betrachtet. Ohne eine solche Erklärung erscheint mir etn Garantie-Minimum für die Teilnahme Mischer Gesellschaften an der Madrider Konferenz nicht gegeben und ich muh zweifeln, ob diese Gesellschaften, an die ich mich gleichzeitig wende, zu oer Mai-Konferenz werden erscheinen können. Genchmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung. Dr. Saul Mezan, Präsident der Jüdischen Völkerbundsgesellschaft in Bulgarien." Wir veröffentlichen diese Mitteilung, bemerken aber, oah uns die daun enthaltene Frage reichlich überflüssig zu fern scheint. Tatsächlich dürfte doch kein vernünftiger Mensch der Auffassung sein, daß das Edikt von 1492 noch in Kraft ist. Schließlich sprechen doch die Tatsachen eine klarere Sprache als Erklärungen oder vergilbte Edikte. Tie Kalenderreform und das Pessachfest. Tie Internationale Liga für den festen Kalender veröffentlicht soeben eine in der Jüdischen Telegraphenagentur wiedergegebene Erklärung, in der für die Zusammenlegung des jüdischen Pessachfestes mit den christlichen Ostertagen eingetreten wird. In der Erklärung heißt es u. a.: Das jüdische Pessachfest fällt .im Jahre 1929 infolge des jüdischen 13 Monate-iJähres auf den 25. April, was zur Folge hat, daß das griechischorthodoxe Osterfest, welches der Tradition gemäß nach dem jüdischen Pessachfch gefeiert wird, auf den 5. Mai — 35 Tage nach den Ostern der westlichen Kirchen — verlegt wurde Daraus erwachsen für Juden wie für Angehörige anderer Religionen Verluste infolge Vermehrung der arbeitsfreien Tage. Tie größten Leidtragenden sind die Juden in den Ländern Mittel- und Osteuropas, die ihre Läden und Werkstätten geschlossen halten müssen. Auch können sich Unzukömmlichkeiten daraus ergeben, daß die Hetze gegen die Juden als Ketzer «und Christuskreuziger verstärkt würde, so unsinnig es auch wäre, die Juden dafür verantwortlich zu machen, daß vor 1900 Jahren Jesus und seine jüdischen Anhänger von den Pharisäern verfolgt wurden. Während 1927 Pessach und Ostern am gleichen Tage, am 17. April und 1928 in der gleichen Woche (am 5. und am 8. April) begangen wurden, lagen schon i. I. 1929 zwischen Ostern (31. März- und Pessach (25. April) ganze 25 Tage. Das bringt es mit sich, daß auch zwischen dem jüdischen Schowuos-Fest und dem christlichen Pfingstfest zum Nachteil beider religiöser Gemeinschaften die gleiche Zeitspanne liegt. Die Tivergierung um 25 Tage wird sich 3 Jahre später, 1932, wiederholen. In diesem Jahre fällt der Ostersonntag aus den 27. März, das Pessachfest aus den 21. April. Dies weil in den Jahren 1929 wie 1932 die Juden ihre archaische Methode der Einschiebung eines 13. Monats durchführen; als ob die Lebensbedingungen und die religiösen Erfahrungen feit der babylonischen Gefangenschaft vor etwa 2500 Jahren unverändert geblieben wären. Vor 2 Jahren nahm die rumänische orthodoxe Kirche den neuen Gregorianischen Kalender statt des alten Julianischen Kalenders an. Dies war ein weiser Akt. In Transylvanien aber haben in diesem Jahre die Römisch-Katholischen und die Griechisch-Orientalischen und die Juden dreimal Osterlage. Man hat berechnet, daß es dort einschließlich der Sonntage und der nationalen Feiertage' 150 arbeitsfreie Tage im Jahre gibt. Diese Kalender-Divergenzen verursachen Armut unter Juden wie unter Angehörigen anderer Konfessionen. Ein Gleiches gilt für Bessarabien. Das Statement enthält eine Abhandlung von Basil Mathews, betitelt „Die schwankende Welt des Judentums", in der behauptet wird, daß allein in Budapest mehr als 40 000 Juden zum Christentum übergetreten sind. Sogar in den neuen zionistischen Kolonien Palästinas sei unter den jungen Kolonisten bte Autorität des Rabbiners erschüttert. In New Nork seien etwa 100000 Juden zu den Kirchen der Christen Science übergetreten. In dem Statement wird auch auf die Gutachten des britischen Chies Rabbi I. H. Hertz, oes französischen Grand Rabbin Israel Levi, des Rabbi Fürst vom Rabbinischen Rat der Agudas Jisroel, des Rabbiners Dr. Loewenstem-Zürich und Lucien Wolfs an das Sonderkomitee Werbt neue Mitglieder! des Völkerbundes vom Jahre 1925 Bezug genommen, in .welchen erklärt wurde, daß eine Aenderung des Kalenders in einer Weise, daß der Sabbath in der neuen Kalenderwoche variiert, aus die jüdische Religion zerstörend wirken würden Die bei vielen Nationen gemachten Erfahrungen, heißt es dann weiter, beweisen aber, daß die Rabbiner, die Juden und die jüdische Religion mehr Vorteil davon haben könnten, wenn sie zustimmen würden, daß alljährlich ein Sabbath dem Kalender beigefügt wiro, sodaß Ostern und Pessach auf den gleichen Tag fielen. Zum Schluß des Statements heißt es: Tie seit 1600 Jahren andauernden Konflikte zwischen christlichen Priestern und jüdischen Rabbinern würden schwinden, wenn die Religionen ihre Frühlings-Feiertage zusammenlegten. Der 9. April wäre das richtige Datum für Pessach-Oflern. auf das man sich auf einer internationalen Konferenz einigen könnte, weil nach der geplanten Vereinfachung des Kalenders der heutige 9. April dauernd auf einen Sonntag fallen würde. Zum Schluß wird formell vorgeschlagen, daß vom 9. April 1933 ab alljährlich Christen und Juden ihr Frühlingssest an diesem Tage feiern. Fünf Juden unter den Begründern des Faschismus. Anläßlich des zehnten Jahrestages der Begründung der „Facsi Jtaliani di Combattimento", die später in die „Partita Nazionale Fascista" (Nationale Faschistenpartei) umgetauft wurde, veröffentlicht die Presse eine Liste der 105 Persönlichkeiten, die die Partei begründeten. In dieser Liste findet man die Namen der folgenden fünf Juden: Comm. Cesare Goldmann und C. Momigliano, beide aus Mailand, Ing. Salvatore Attal aus Leghorn, Professor Piero Jacchia aus Triest und E. De Angelis aus Neapel. * Sprechsaal Für diese Rubrik übernimmt die Schriftleitung lediglich die preßaeleklicke Derantwortuua. Das Judentum in kleinen Religionsgemeinschaften Wir veröffentlichen die nachstehenden Ausführungen mit dem Bemerken, daß der Liberale Kultus-Ausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden in seiner letzten Sitzung bereits die Erfüllung der Wünsche auf Radioüberträgung des Gottesdienstes befürwortet hat. Es ist zu hoffen, daß der Rat des Preußischen Landesverbandes nunmehr beschleunigt versuchen wird, diese Anregung zu verwirklichen. Die Redaktion. Tie Uebelstände in den kleinen Religionsgemeinschaften haben sich nach dem Kriege so verschärft, daß von Religionsgemeinschaften als solchen heute bei ihnen kaum mehr die Rede sein kann. Die Ursache hierzu liegt wohl darin, daß die jüngere Generation das Leben in größeren Orten vorzieht, die ihr ein schnelleres wirtschaftliches Fortkommen ermöglichen; die ältere stirbt allmählich und so ist es zu erklären, daß die früher ziemlich respektable Gemeinde nunmehr nur aus einigen Familien besteht, die Grundbesitz oder Geschäft am kleinen Platze Hallen. Diese wenigen Mitglieder der Gemeinde sind selbstverständlich nicht in der Lage, sich einen ständigen Lehrer zu halten. Es wird daher nur zu den Feiertagen ein Vorbeter bestellt. Ein solcher kommt am Tage vor dem Fest und kann sich in der kurzen Zeit nicht auf die Gewohnheiten der Gemeinde einstellen. So kommt es beim Gottesdienst zu allerlei Mißverständnissen, die oft die ganze Andacht gefährden. Ties ist besonders in Reformgemeinden der Fall, wenn sie einen nach altem Ritus vorbetenden Lehrer nehmen. Ten in hebräischer Sprache gehaltenen Gottesdienst verstehen die Mitglieder einer derartigen Gemeinde nur wenig, so daß sie sich nicht selten dabei langweilen und die Schuld daran häufig dem Lehrer beimessen. Es kommt sogar vor, daß nach der Uhr gesehen wird und daß die Worte zu hören sind: „Jst's noch nicht bald zu Ende?" Das stört dann die wenigen Andächtigen, und der Gottesdienst endet mit einem Mißklang, so daß man auch an Feiertagen nach und nach den Gottesdienst ausfallen läßt. Religionsunterricht erhalten in jenen Gemeinden die Kinder auch nicht, es sei denn, daß sie dem Unterricht in größeren Gemeinden beiwohnen, was jedoch selten geschieht. Zur Barmizwoh wird ihnen das Nötigste kurz vor der Feier eingepaukt, lieber die Bedeutung des Festes wird ihnen wenig gesagt. Was ist also ihr Judentum für diese Gemeinden? Ein Wort, eine Aeußerlichkeit, der sie — vielleicht sogar leider — unterworfen sind. Tie besser Unterrichteten ihrer Mitglieder brüsten sich den Unwissenden gegenüber mit ihren Kenntnissen, wodurch häufig Verfeindungen entstehen, die der Gemeinschaft das Ende geben. Wie ist diesen Uebelständen nun abzuhelfen? — Zunächst könnte vielleicht ohne große Kosten ein Sabbatgottesdienst im Rundfunk veranstaltet werden. Ta ein Radioapparat auf kleinen Plätzen fast in jedem Hause zu findest ist, würden die verstreuten Kinder des Hauses Israel somit ihren Gottesdienst haben, nicht zu vergessen auch die an das Haus Gefesselten aus den größeren Gemeinden. Ferner könnte der Rundfunk eine Stunde in jeder Woche für Vorlesungen aus dem Talmud gewonnen werden. Ties letztere wäre nicht nur ein Vorteil für die innere Gemeinschaft, sondern auch für den Umgang mit Andersgläubigen, da der Talmud manches, die Gesetze und Gebräuche des Judentums Entstellende aufklärt. Auch möchte es gut sein, wenn die in größeren Gemeinden bestehenden Jugendbünde sich der Jugendlichen aus den Meinen Gemeinden annehmen würden. Durch die heutigen schnellen Verkehrsmöglichkeiten würde es für die letzteren nicht schwer sein, an den Versammlungen teilzunehmen. Nur durch die genannten und ähnliche Hilssmöglichfeiten kann dem allmählichen Ausarien des Judentums gesteuert werden. E. Stern, Riethberg t. W. -^ Statt Karten! Die Verlobung ihrer Kinder Thea u. Georg zeigen an Justizrat Ludw. Chodziesner und Frau Elise geb. Schönflies Berlin-Finkenkrug V. Rabbiner Dr. Julius Galliner und Frau Elisabeth geb. Kristeller Charlbg., Sybelstr. 19 Referendarin Thea Galliner Dipl.-Ing. Georg Chodziesner Verlobte Empfang: Sonntag, den 7. April 1929 soRretarin mit guter Allgemeinbildung, perfekt in Stenographie und Schreibmaschine per sofort gesucht Angebote mit Zeugnisabschriften, Referen zen und Gehaltsansprüchen erbeten unter Ziffer R« 6630 an die Expedit, ds. Bl IJta«ralc^yn8ge|«J|erdeji In einigen Tagen erscheint das Ptsach Heu der „demeinsciiar HAGADA für die Sederabende bearbeitetvon Hermann Falkenberg Pf0|S IYIH. 0.50 Für Mitglieder der liberalen Vereinigung ermässigter Preis Bestellungen an die Geschäftsstelle A. Zander, Berlin, Linienstrasse 45, Telephon Norden 3233 ui Joachimstiialerstr. 321 erunewaid. Daibrackstr.20 It Jahannissir. 16 I Steglitz, Friesenstr. 3-4 I. Unterricht f. Knaben u. Mädchen v. 6—18 J. II. Binsegnungskursus: Nächste Einsegnung April 1930, Dr. Rosenthal III. Fortbildungskursus für junge Menschen VI. Hebräisch: Die Teilnahme ist freigestellt Alle Kurse auch L unentgeiii. Anmeldungen im Büro Johannisstr. 16 (Norden 5150), bei Herrn Dr. Lehmann, Fasanenstr. 6 (Steinplatz 324), bei Herrn Dr. Rosenthal Altonaerstr. 33 (Moabit 1522) Scbflltenrelbe i, Vereinigung I. d. llb.iadeiilnni E. V. ■Mi Hr. 1 Die Grundsätze des Jüdischreligiösen Liberalismus Von Rabbiner Dr. Lewkowitz-Berlin Preis 0:50 Mk. HMt Hr. 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Friedensirage der Liberalen Vereinigang zur Jevlsb Agent; Milium Rabbiner Dr. Lazarus Herausgeber: „JH“, Frankfurt am Main. Zu beziehen kostenlos durch d. Schriftleitg. Frankfurt a. M. Untermainanlage 7 w Staatlich genehmigte wirtschaftliche Frauenschule auf dem Lande Wolfratshausen im Isartal / 580 m über dem Meer (Gründung des jüdischen Frauenbundes, Ortsgruppe München) bildet jause MHdchen ans za tüchtigen Hausfrauen und schafft die ürnndlage znm Wirtschaftsberuf, zum Sozialberuf und zum Lehrberuf Die Schule wird streng rituell geführt. Anmeldungen für das Winterhalbjahr jetzt erbeten. Prospekte durch die Schulleitung. 4- Liberaies Einheits-Gebetbuch anettueii iflr das ganze Jahr bearbeitet im Aufträge des liberalen Kultus-Ausschusses des Preußisch. Landesverbandes jüd. Gemeinden Zweiter Teil: Heuiahr u. versöhnungstag in 1 Band . in 2 Bänden Rm, 5.— Rm. 8.— ln Kürze erscheint! 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