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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-03-29 · 13 (29.3.1929) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
13 (29.3.1929)
Date
1929-03-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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bringt. Aber die praktische Ausgestaltung im einzelnen müssen wir im allgemeinen den Fachleuten überlassen. Wenn ein französischer Religionsphilosoph des 19. Jahrhunderts, Auguste Sabotier, gesagt hat: „Ta Gott die letzte Ursache aller Tinge ist, so ist er von keinem einzigen Tinge die wissenschaftliche Erklärung", so möchte ich sagen: Ta die Religion aus. alle Gebiete, wenn auch Mr mittelbar, einwrrken kann, so ist sie -für kein einziges das zureichende Mittel seiner Gestaltung, nicht einmal für die unter allen praktischen Fragen für sie am meisten in BetrüGt kommende, die Erziehungsfrage. Und es ist sehr charakteristisch, daß selbst die Orthodoxie das zugibt, wie eine mit Recht von 'Gottschalk gerühmte Stelle in 'einem Artikel des „Israelit" beweist. Ta heißt es u. a.: „Dazu ist noch zweierlei nötig: ein Appell an die schweigenden Führer der Zeit, daß sie gemeinsam mit den Männern der Praxis über die Zeitfragen u Rate sitzen und daraus die Erziehungsforderung formuieren." Also wohl gemerkt: g e m e i n s a m m i t d e n M ä n-, n e r n der Praxis, und das ist es ja, was ich meinte. Das gilt aber auch und erst recht für andere Gebiete, denn die Wirklichkeit ist ein Material, das man mit dem feinen Instrument religiöser Beeinflussung allein und direkt nicht behandeln und gestalten kann, dem man damit allein nicht bHfommt — das sei auch Herrn Raphael gegenüber betont , und ich kann nur immer wieder betonen, daß die Ausgabe der Religion es, ist, vor allem die Seele selbst zu gestalten und zu beeinflussen. Laib rü a'k fcw, das ist die Losung ihrer seelsorgerischen Aufgabe: zu Herzen reden, das Gemüt bewegen, die Willenskräfte entfachen, den sittlichen Antrieb stärken, die Gewissen schärfen, das kann sie gar nicht oft und stark genug. Zum Schluß noch etn paar Worte über das Verhältnis von Religion und Kultur. Herr I. Wolfsohn, Breslau, der sonst zu meinen Ausführungen sich zustimmend äußert, bemängelt meine Stellung zu den Wienerischen Darlegungen, sofern sie einen Gegensatz zwischen Religion und Kultur auszudrücken scheinen. Aber nicht so sehr darum habe ich ihm beigepflichtet, sondern vornehmlich, weil er mit besonderer Klarheit und Schärfe das Irrationale, das Andersartige in der Religion hervorgehoben hat. Sie liegt in der Tat in gewissem Sinne über den Dingen dieser Welt, wie der Geist Gottes über den Wasserii schwebt. Damit ist freilich auch gesagt, daß sie oft genug im Gegensatz zur Kultur stehen wird, und ich möchte hinzusügen, auch stehen soll. Sie darf nicht zu allem Ja und Amen sagen, was die Kultur hervor bringt oder mit sich bringt, und wenn sie sich mit ihr deckte oder immer nur nach Ausgleich und Ueberemstimmung mit ihr trachtete, io brauchte man überhaupt keine Religion, so wenig man sie brauchte, wenn sie nichts anderes lehrte als was die ratiö, Vernunft und Wissenschaft uns lehren kann. In ihrem B-e- Verbreiten Sie Ihre Zeitung Jeder Leser der Jüdisch-liberalen Zeitung müßte es als eine Ehrenpflicht emniinden, einen neuen Abonnenten zu werben. Veranlassen Sie einen Ihrer Bekannten, die untenstehende Bestellung ausgefüllt im Briefumschlag als Drucksache an den Verlag der Jüdisch-liberalen Zeitung, Berlin SW 48, Wilhelmflraße 147, zu senden. ' Ich bestelle hiermit die Jüdisch-liberale Zeitung ab 1. April 1929 bis aus Widerruf zum Bezugspreise in Höhe von Mark 2.50 pro Vierteljahr. Die Gebühren für ein Vierteljahr in Höhe von Mark 2.50 überweise ich auf das Postscheckkonto der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin 137069. bitte ich durch Nachnahme zu erheben. (NichtgewünschteS bitte durchstreichen) Name des Bestellers:. Wohnung . Ort u. Datum -.---- Bitte deutlich schreiben griff und Wesen liegt ja schon, daß sie etwas anderes sein und enthalten muß. Tenn sie hat es, abgesehen von dem Ethischen, mit den ewigen Geheimnissen zu tun, an die keine Erkenntnis heranreicht, sondern nur der Glaube, die Ahnung, die Sehnsucht. Darum ist sie weniger und darum ist sie mehr als Kultur. Wohl stehen beide in einem gewissen Zusammenhang und Wechselwirkung, denn sie ist ein Kulturfaktor ersten Ranges und die Kultur wirkt auf sie, wenigstens auf die äußere G e st a l t u u g des religiösen Lebens zurück (und das, aber nur das deutet schon der Gleichklang von Kultus und Kultur an, worauf Herr Wolssohn mit Recht hinweist). Sie hat es aber auch mit dem Myst erinm der Einzelse el e zu tun, an das selbst die Psychoanalyse nicht heranreicht, und der Mann, dem man gewiß keine Kulturfremdheit oder -feindschaft zuschreiben wird, I. Wellhausen, ruft am Ende seiner - 'wohl der glänzendsten — Darstellung der israelitischjüdischen Geschichte aus: „Alle Kultur ist unausstehlich, wenn sie das Individuum und sein Geheimnis nicht anerkennt. Der Fortschritt der Gattung ist über eine gewisse Grenze hinaus kein Fortschritt des Individuums". Zusammensassend möchte ich meinen Standpunkt in der vorliegenden Frage dahin präzisieren: Ich stimme selbstverständlich mit denen überein, die da behaupten, daß die Religion sich im Leben, aus allen ihr zugänglichen und erreichbaren Gebieten bewähren und betätigen solle. Nur meine ich, daß eine solche religiöse Durchdringung, die „nur" ethischer Natur sein kann, weil das Religionsgesetz nicht mehr wie in deralten Theokratie Staatsgesetz i ft, nur dann möglich, wenn die Religion zuvor in der Seele selbst Wurzel geschlagen und Boden gefaßt hat. Aber ich schreibe ihr noch eine dritte und zwar die höchste, weil ihr allein eigentümliche und vorbehaltene Aufgabe zu, die gleichsam ihr Allerheiligstes bildet: Sie soll das Leben nicht bloß dnrchbringen und weihen, sondern uns au,ch über dasselbe erheben, indem sie uns alles Vergängliche nur als ein Gleichnis empfinden, alles Irdische, Menschliche von einer höheren Warte aus betrachten lehrt, i'm Lichte Gottes, wie der Psalmist sagt, oder wie der Philosoph sich ausdrückt: sub specie aeterni, 'm Lichte der Ewigkeit, uud dadurch uns selber, nicht erst in einem künftigen Jenseits, sondern schon hienieden etwas wie Ewigkeit und ewigen Wert verleiht und damit das höchste Gut: den Frieden der Seele. Im letzten Grunde also braucht die Religion das Leben nicht zu durchdringen, sondern sie fällt mit dem wahren, ewigen, höheren Leben zusammen. „Ein Baum des Lebens und des Heiles ist sie denen, die sie ergreifen und festhalten." Umschau Empfang des Präsidiums der Wiener Kultusgemeinde beim Bnndespräsidenten Miklas. Der Bundespräsident Dr. Miklas empfing die Mitglieder des Präsidiums der Wiener Israelitischen Kultnsgemeinde, die ihm anläßlich seiner Wahl zum Bundespräsidenten die Glückwünsche der Gemeinde entboten und dabei den Wunsch aussprachen, der Bundespräsident möge sich bei der Bundesregierung dafür einsetzen, daß den Forderungen der Kultusgemeinde betreffend eine Staatsdotierung für die kulturellen und religiösen Bedürfnisse der Kultusgemeinde stattgegeben werde. Sie wiesen darauf hin, daß, während die jüdische Religion übergangen wird, die Posten für die katholische und die evangelische Kirche im Staatsbudget erhöht worden sind. Bundespräsident Miklas erkannte die jüdischen Forderungen, die sich auf der Basis des Gleichberechtigungsprinzips bewegen, als berechtigt an, erklärte aber, der österreichische Bundespräsident sei auf Grund der Verfassung außerstande, in die Regierungsmaschine einzugreifen. Er sei nichtsdestoweniger berett, sich bei den zuständigen Ministern dafür einzusetzen, daß die berechtigten Wünsche der Israelitischen Kultusgemeinde erfüllt werden. DEUTSCHE BAIIK Aktienkapital o. Reser ve 240 Hillioneii Reicbsmark Bilanz am 31. Dezember 1928 Aktiva Kasse, fremde Qeldsorten und fällige Zins- und Dividendenscheine . . , Quthaben bei Noten- und Abrech nungsbanken . Wechsel und unverzinsliche Schatz Anweisungen. Nostroguthaben bei Banken und Bank Reports und Lombards gegen börsen age Wertpapiere .... isse auf verfrachtete oder ein gelagerte Waren. Eigene Wertpapiere. Beteiligungen an Gemeinschafts-Ge schäften. Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und Bankfirmen . . Schuldner in laufender Rechnung Langfristige Dollar-Vorschfisse Bankgebäude . Sonstiger Grundbesitz .... Mobilien. Uebergangsposten der eigenen Ste len untereinander. Passiva Gläubiger in laufender Rechnung . Akzepte. 6°/o Dollar-Darlehn, fällig 1. 9. 1932 llnerhobene Dividende. Dr. Georg v. Siemens-Wohlfahrtsfond Zur'Verteilung verbleibender Ueber- 57,048,405 672,470,499 241,197,171 157,541,331 317,364,540 1,484.452,917 35,000,000 38,000,000 25,873,301 1,186,041,000 104,450,000 42,500,000 2,500,000 Reishsmark 150,000,0001- 77,500,0001- 227,500,000 2,453,891,035 104,846,177 105,000,000 133,259 2,138,641 25,788,125 „dtfwitin- und Verlust-Rechnung am 31. Dezember 1928 Toll Handlungs-Unkosten. Steuern und Abgaben. Wohlfahrtseinrichtungen, Pensionen und Abfindungen, sowie Versicherungsbeiträge für die Beamten . . Abschreibungen aut Bankgebäude . „ „ sonst.Orundbesitz „ „ Mobilien.... Zur Verteilung verbleibender Ueberl Haben Vortrag aus 1927 . . - > Zinsen und Wechsel. . . Gebühren. Sorten und Zinsscheine Wertpapiere. Gemeinschafts-Geschäfte . Dauernde Beteiligungen , Reichsmark 82,139,949 32 13,740,137 22 8,016,455 Reichsmark 1,912,9% 1 50,001,581 ( 72,057,011 i 750,350 1 1,500,000 - 1,500,000 - 2,280,812 t Verein ffir Feuerbestattung in Berlin von 1874, e. V. Term, kostenlose Feuerbestattung Annahme W 35, Lfltzowstraße 44. Telephon: Lüttow 960-61 und Charlottenburg, Kantstr. 154 a Bcke PasanenstraBe, Telephon: Steinplatz 1835 DISCONTO-GESELLSCHAFT BERLIN Bankmäfligc Geschäfte jeder Art Zahlreich« Zweigniederlassungen in Deutschland Bilanz am 31.Dazambtr 1928 Aktiv* , fremde Geldsorten and l&Ulge >- nnd Dividen4ensoh< * ~ Zinsnnd blvidendenscheine. Guthaben bei Notennnd Abrechnung»- danken..... Schecks, Wechsel und nnveminsllehe SchatzanwelBungen. Nostrogutbaben bei Banken nnd Bank- Armen mit Fälligkeit bla au 8 Monaten Reports nnd Lombards gegen börsengängige Wertpapiere. Vorschüsse auf verfrachtete oder eingelagerte Waren.. Eigene Wertpapiere. ”-Ual-Betelligi Konsortial-BeteUigungen.--------- Beteiligung bei der Norddeutschen Bank ln Hamburg. Beteiligung bei dem A. Bohaaffhausenschen Bankverein A.-G.. Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und Bankflrmen. Schuldner in laufender Rechnung. Einrichtung.«.... Bankgebäuae...... Sonstige Liegenschaften... RH £6446894 60624228 487018980 189621522 102867489 228298490 Kommandit-Kapital.. Allgemeine (gesetzliche) Reserve. Besondere Reserve.RM 8000000 bierznUeberweisnng ans dem Reingewinn.. , 1000 000 Gläubiger... Akzepte. Wohlfahrtsfonds für die Angestellten . Noch nicht abgehobene Gewinnanteile der früheren Jahre. 10% Gewinnanteil auf RM 285000000 Kommandit-Anteile. Gewinnbeteiligung des Aufsichtsrats.. Ged ertrag auf neue Rechnung. 12000000 25000000 84867 SIS 564181784 1 B2841820 5360950 Gewinn« und Vwlust-Bechnung 1928 VeTwaltungskosten einschliesslich Gewinnbeteiligung der Geschäftsinhaber, Direktoren, Prokuristen und Angestellten . Steuern. Zn verteilender Reingewinn. RM 47826173 8052588 16876594 Haben Vortrag aus 1927 . Effekten.. Provision. Wechsel und Zinsen. Beteiligung bei der Norddeutschen Bank in Hamburg. Beteiligung bei dem A. Bchaaffhausensohen Bankverein A.-G. Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken nnd Bankflrmen .... RM pf 185000000 48000000 4000000 187000000 1486998168 22 62249816 90 2952000 77022 90 18600000 656756 75 219887 57 1703 658 099 84 RM Pf. 217874 14 8687619 55 81018 298 18 80124586 12 1200000 - 2500000 - 2507227 97 71255 855 91 Israelitischer Gottesdienst in Aranksurf/M. Liberaler M»S: Hanptsynagoge. Freitag, d. 29. 3., abds. 6.30. Sonnabend, d. 30. 3., morg. 9, nachm. 4, Ausgang 7.40. Wochengottcsdienst: morg. 7.30, nachm. 4. Westendsynagoge Freitag, d. 29. 3., abds. . 6, Festgottesdienst anläßlich des 25jährigen Dienstjubiläums des Herrn Gemeinderabbiners Dr. Lazarus. Predigt Rabbiner Dr. Seligmann. Sonnabend, d. 30. 3., morg. 9.30. Wochengottesdicnft: morg. 7.30, abds. 7. Konservativer Ritus: Synagoge am Börneplatz Freitag, d. 29. 3., abds. 6.25. Sonnabend, d. 30. 3., Frühg. 6.45, morg. 8.15, nachm. 4, Bortrag Rabbiner Dr. Hossmann sür junge Leute: „Die Grundlehrcn des Judentums im Anschluß an Maimonides". Ausgang 7.40. Wochengottesdienst: morg. 6.30, nachm. 6.15. Synagoge Bockenheim. Freitag, d. 29. 3., abds. 6.25. Sonnabend, d. 30. 3., morg. 8.45, nachm. 4, Ausgang 7.40. Wochengottesdienst: morg. 7. Israel. Krankenhaus Gagernstr. 36. Freitag, d. 29. 3., abds. 6.25. Sonnabend, d. 30. 3., morg. 8.15, nachts 4. Liitriie Blauer Frankfurter Organ für jüdisch-liberale Interessen Aus dem Inhalt der letzten Nummer: Rabb. Dr. Gottschalk, Frankfurt a. M. Jeremia Aktiver Liberalismus Edith Falk, Frankfurt a. M. Die Pest Herausgeber: „311", Frankfurt am Main. Zu beziehen kostenlos durch d. Schriitleitg. Frankfurt a. M. Untermainanlage 7 m Uberale^ynagog^lorden In einigen Tagen erscheint das resatn Heit der „Gemeinscnar HAGADA für die Sederabende bearbeitet von Hermann Falkenberg PrBlS WIK. 0.50 Für Mitglieder der liberalen Vereinigung ermässigter Preis Bestellungen an die Geschäftsstelle A. Zander, Berlin, Linienstrasse 45, Telephon Norden 3233 Vormittags-Abendschule Private Vorbereitungsanstalt. Direktor Danziger Berlin, Alte Jakobstrafie 125 Julius Simon Kunstu. Bauglaserei Bilder-Einrahmungen Charlottenburg Eosander Strasse 8 Wilhelm 8157 O Hier fehlt ihr Inserat (Reden, Diskussion, Beschlüsse) Gründungsversammlung der World Union for Progressive Judaism London, 10.—12. Juli 1926 Preis: im Buchhandel M 1.80, für Mitglieder d. Vereinigung, die bei uns direkt bestellen. M.I.— Vereinigung dir das Judentum E.v. Berlin SW 48, Wilheimstraße 147 | Sehfiltenrelhe lYereinlpg I.ObJodentinn E.Y. [Die Grundsätze des Jüdisch» religiösen Liberalismus Von Rabbiner Dr. Lewkowitz-Berlin Preis 0.50 Mk. den er. S in zweiter Auflage die seil ahren vergriffene Broschüre I Grundlagen und Ziele des I religiös-liberalen Judentums bm Dr. JMtirii hortiea-Eiberfei« preis 0.78 m. I Bestellungen beim Verlag der „ Jüdisch-liberalen Zeitung* Berlin SW 48, WilhelmstraBe 147 Verlag: Vereinigung für das liberale Judentum e. Berlin SW- «S- - W-3»«- »ton. ».(bc, S«H« SO. 23. - «ru«: $«*»*« Mg»-- «- «*, B--,!».M«n-»d°-l- 804 81

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