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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-03-15 · 11 (15.3.1929) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
11 (15.3.1929)
Date
1929-03-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IWch MeraleZeilmL Organ -er Vereinigung für -as liberale Judentum e. D. ' Bezugspreis durch die Gefchästrstelle '/«jährlich 2N. 2.50 Einzelnummer 0.20. Bei freier Zusendung i. Inland 0.25 Für die Mitglieder der Vereinigung ist der Bezugspreis im Mitgliedsbeittage enthalten. Verautworkl. Redakteur: Bruno Doyda. Die „Jüdisch-liberale Zeitungerscheint jeden Freitag. Redaktion und GeschästssteUe: Berlin SW 48, Wilhelmstr. 147 Fernruf: Bergmann 3358, 3359 Postscheckkonto: Berlin NM 7, 137069 (Vereinigung für das liberale Judentum) achdruck sämtlicher Original-Beiträge nur mit vorheriger Genehmigung der _Redaktion gestattet._ Anzeigenpreise: Die 12gespaltene Nonparaillezeile 0.45 Goldmark, die Reklamezetle 3.00 Gvtdmark» bei Wiederholungen Rabatt. Anzeigenannahme: „Jüdisch - liberale Zeitung- Jnseratenabteilung: Berlin SM 48, Milhelmstratze 147 (Bergmann: 3358-59), sowie iamtl. Annoucen-tLxpeditiou. Rr.11 Berlin. 15. März 1929 9. Jahrgang Vereinigung für das Berlin sw 48 liberale Judentum e. V. Wilhelmstr. >47 Aufruf! Dor Vorstand unserer Bereinigung hat am 24. Februar getagt und sich mit den geistigen Fragen unserer Bewegung und dem Ausbau unserer Organisation eingehend beschäftigt. Das liberale Judentum ist nichts Fertiges. Ein ewiges Ringen mit den Fragen nach dem Sinn des Judentumsund den großen Menschheitsproblemen kennzeichnet gerade unsere Bewegung. Wir wollen ein freies, aufbanendcs, zukunftsbewußtes Judentum. Brücken sind wir zwischen Vergangenheit und Zukunft, verantwortlich dafür, daß das deutsche Judentum die Führerschaft nicht verliert, die es hundert Jahre lang besessen hat. Ein Doppeltes schließt diese Aufgabe in sich: Klarheit nach innen zu schaffen und das eigene Ideal zur Herrschaft zu bringen in den jüdischen Gemeinden Deutschlands. Wir müssen die geistigen Grundlagen unserer Bewegung vertiefen und fördern: Also Schaffung einer populären und einer wissenschaftlichen Literatur des liberalen Judentums und Ausgestaltung unserer „Jüdisch-liberalen Zeitung". Wir müssen den Zusammenhang mit unseren Freunden in der ganzen Welt fördern: Also ratkrästige Unterstützung unseres Weltverbandes für das liberale Judentum. Wir wollen Mitarbeiten an der Ausgestaltung unseres Gottesdienstes: Also Mittel für die liberalen Gottesdienste auch dort, wo die Gemeinden hierfür genügende Mittel nicht zur Verfügung stellen können oder wollen. Wir müssen unsere Jugend über unsere Bewegung aufklären und an unsere Organisation ketten: Also Förderung unserer liberalen Jugendbewegung und Schaffung neuer liberaler Jugendorganisationen, wo nur irgend dazu die Möglichkeit gegeben ist. Wir müssen dafür sorgen, daß das liberale Judentum auch in den Gemeinden die Herrschaft erhält; der überwiegende Teil der deutschen Juden ist liberal, leider aber sind es nicht überall die offiziellen Vertretungen der Gemeinden: Also Schaffung von Mitteln zur Durchführung der notwendigen Wahlkämpfe in Gemeinden, Ländern und Reich. Wir müssen aber auch in der Lage sein, uns als die Organisation des deutschen Judentums bei allen großen jüdische'! und Menschheitsfragen würdig und führend zu beteiligen: Also Schaffung materieller Mittel, die uns ermöglichen, au den sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Ausgaben des Judentums und der Menschheit, insbesondere an der großen Friedensbewegung tatkräftig mitzuarbeiten. Ob eine Bewegung lebensfähig ist, entscheidet die Opserwilligkeit ihrer Mitglieder. Wir fordern von Miseren Mitgliedern heute ein geringes Opfer. Jeder möge für den Hilfsfonds des liberalen Judentums eine einmalige Spende von mindestens 10,— Mark geben. Biele von uns können mehr opfern. Sie sollen die Bürgen sein für diejenigen, denen der Lebenskampf ein derartiges einmaliges Opfer nicht gestattet. Alle aber müssen wenigstens durch kleine Spenden zeigen, daß sie mitbauen wollen an dem großen Werk, welches wir für unsere Kinder und Kindeskinder schaffen. Darum gebt alle, der Vermögende mehr, der andere weniger, und — gebt schnell! Der Charakter dieser Umlage als einer ausgesprochenen Ausnahme-Aktion macht es selbstverständlich, daß die regelmäßigen Vierteljahrsbeiträge von ihr unberührt bleiben. Unsere Ortsgruppen und Vertrauensleute werden also unabhängig von dieser Sonderumlage Anfang April den Vierteljahresbeitrag von M. 2.50 einkafsieren lassen. Einzahlungen erbeten auf das Postscheckkonto der Vereinigung für das liberale Judentum e. V.. Berlin Br. 137069 Der Gesamtvorstand der Vereinigung für das liberale Judentum e.V. Rabbiner Dr. Leo Vaeck, Berlin Erich Bayer, Breslau Alfred Berger, Breslau Dr. Siegfried Braun, Köln a. Rh. Rechtsanwalt Dr. Waller Breslauer, Berlin Jufttzral Mar Chodziesner, Berlin I. Fabian, Königsberg i.Pr. Frau Bertha Falkenberg, Berlin Rechtsanwalt Dr. Heinrich Frank, Köln a. Rh. Rabbiner Dr. Julius Ealliner, Berlin Rechtsanwalt Dr. Moritz Galliner, Berlin Dr. Moritz Garbaty, Berlin Rechtsanwalt Dr. Rudolf Geiger, Frankfurt a. M. George Goetz, Berlin Frau Annie Heinrichsdorff, Berlin Rechtsanwalt Dr. Hugo Hoffmann, Frankfurt a. M. Alfred Jaulus, Berlin Rechtsanwalt Richard Jung, Nürnberg Rechtsanwalt Dr. Siegfried Kann, Düsseldorf Rechtsanwalt Dr. Willy Katzenstein, Bielefeld Rechtsanwalt Dr. Siegfried Kanffmann, Köln a. Rh. Direktor Dr. h. c. Wilhelm Kleemann, Berlin Mlhelm Kronheim, Magdeburg Landgerichtsrat Dr. Arthur Lilienthal, Berlin Dipl.Jng. Ludwig Lewin, Berlin Georg Mecklenburg, Chemnitz Direktor Hugo Oftberg, Berlin Justizrat Mlhelm Plonsker, Berlin Rabbiner Dr. M. Salomonski, Berlin Rechtsanwalt Dr. Ernst Scheyer, Lieguitz Frau Ottilie Schönewald, Bochum Rabbiner Dr. Caesar Seligmann, Frankfurt a. M. Rechtsanwalt Dr. Julius L. Seligfohn, Berlin RechtsMwalt Heinrich Ster«, Berlin Landgerichtsdirektor L. Stern, Stuttgart Hauptlchrer Karl Stiefel, MMNheim Jacob Balk, Hamburg Rabbiner Dr. Hermann Vogelstein, Breslau Frau Hedwig Vorreuter, Dortmund Kommerzienrat Siegm. A. Weil, München Dipl.-Jng. Bruno Woyda, Berlin Das neue Einheiksgebetbuch Von Rabbiner Tr. Casar Seligmann -Frankfurt. Tao im Auftrag des Liberalen Kultusausschnfses des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden erscheinende Gebetbuch hat seine Geschichte. Schon seit langer Zeit wird der Zustand als unhaltbar erkannt, daß ,ast jede größere jüdische Gemeinde in Deutschland, auch bei nur geringen uuterjrijfctbcucen Besonderheiten, ihr eigene-. Gebetbuch har. Vor mehr als einem halben Jahrhundert bereits hat man die;.' nnt dem Wort des Propheten Jeremra gegeißelt: „Wie die Zahl deiner Städte waren deine Götter Juda." In der Tat empfanden die im Lause des 10. Jahrhunderts entstandenen Gebetbücher sich selbst als etwas Vorläufiges, gleichsam als einen notwendigen Uebergang. Abraham Geiger schreibt im Jahre 1860: „es wird die bunte Mannigjaltigteit eine Zeit lang noch immer zunehmen. Das dar; uns jedoch nicht beirren und uns nicht mit der Besorgnis vor eurer Zersplitterung erfüllen. Allmählich tritt die gegenseitige Annäherung wieder ein... und die allgemeine Verslärrdigung wird immer mehr euitreten. Das sind Ausblicke rn die Zukunft." Ludwig Philippsohn widmete schon im Jahre 1866 der Zersplitterung des liberalen Kultus einen Leitartikel v.\ der Allgemeinen Zeitung des Judentums und fragt: „Warnm lassen dre Gemeinden... ihre Rabbiner nicht zusammentreten, um ein gemeinsames Werk zu vollbringen?" Tie Vorrede zum Nürnberger Gebetbuch (1807) beklagt die „bunte Mannigfaltigkeit des Gebet-Ritus in den deutschen Gemeinden fortschrittlicher Richtung" und kommt zu dem Schluß: „Cs t'.:t dringend not, daß aus diesem heiligen Gebiete der Individualismus endlich aufhöre, daß von der bestehenden Verschiedmarligkeit zur Einheitlichkeit hingelenkt werde, und ho;- senttirh ist die Zeit nicht mehr fern, da alle den. gleichen liberalen Prinzipien huldigenden Gemeinden Deutschlands eines gemeinsamen Gebetbuchs und Gottesdienstes sich erfreuen werden." Dre ersten Versuche zu eiuem einheitlichen Kultus derjenigen Gemeinden, me sich von der orthodoxen Liturgie abgrwandt hatten, gehen au, me Rabbinerversammlungen von 1841-1846 zurück. Die erste zu Braunschweig übertrug einer Kommission die prinzipielle Klärung einiger Grundsragen (Hebräisch oder Landessprache, Dauer des Gottesdienstes, Vermeidung von Wieocrholungen, Opsergebete, nationale Erwartungen, Messias, Schriftvorlesungen, Orgel, Schosar und Lulaw). Aus der Frankfurter Rabbinerversammlung bildete du' Diskussion über die radikalen Kommissionsvorschläge den Hauptgegenstand der Debatten. Dieser erste Versuch, zu einem einheitlichen Kultus zu gelangen, verschwand seooch bald in einer Redaktionskommission, deren Vorsitzender Leopold Stern einen maßvollen Plan für die zu schaffende Einheits-Liturgre aus der Breslauer Rabbinerversammlung vorlegte. Nach oessen Scheitern versuchte er m der 50er Jahren wenigstens für Südwest-Deutschland eine Einigung aus dem Gebiete der Liturgie hecbeizu,uhren, mit dem Erfolg, daß die drei Rabbinerkonjerenzen zu Wiesbaden, Gießen und Frankfurt a. M. 1854 -1856 die Grundlage zu dem von Leopold Stein herausgcgebenen „Gebetbuch für Israelitische Gemeinden" schufen. Um dieselbe Zeit hatte Abraham Geiger in Breslau (.1854, fern neues Gebetbuch herausgegeben. Vorher waren schon in Hamburg, Wien, Prag, der Berliner Reformgemeinde, Aachen und Koblenz neue Gebetbücher erschienen: Mannheim, Stuttgart, Braunschweig, Leipzig, München, Augsburg. Nürnberg, Glogau u. a. folgten. Aus der von Ludwig Philippsohn 1868 nach Kassel einberufenen Rabbinerversammlung, aus der wieder die Kultus frage den Hauptgegenstand der Erörterung bildete, sollte es zu einer Einigung kommen; aber die Schwiengkerten erwiesen sich als zu groß^ und so kam es wiederurrr nur zur Ueberweisung an eine Kominission. Auch die beiden Synodeii zu Leipzig und Augsburg 1860 und 1871 brachten die Frage nicht weiter. Resigniert äußert sich M. Joel aus der Rabbinerversammtung zu Breslau 1887. Er stellt fest, daß über oie prinzipiellen Differenzen keine Meinungsverschiedenheiten mehr herrschen und daß die Fundamentalgebete überall dieselben seren. „Der Wunsch, daß ein gemeinsames Gebetbuch vorhanden wäre, ist vielleicht (?) berechtigt." Einen ersten Versuch, zu einem einheitlichen Gebetbuch, aus einem begrenzten Landergebiet zu gelangen, machte der Verband der Synagogengemeinden Westfalens. Diese beauftragten Rabbiner H. Vogelstein-Stettin mü der Bearbeitung eines einheitlichen Gebetbuches, das, in prinzipieller Anlehnung an dre neuen Gebetbücher für Berlin, Breslau und Frankfurt, in den Jahren 1894—96 erschien. Ern großzügiger Versuch, aus konservativerer Grundlage ein Einheitsgebetbuch zu schassen, wurde 1897 von dem Mitglied des Großyerzoglichen Oberrats von Baden, Dr. David Mao er in Karlsruhe, durch ein Rundschreiben unterirommen, in welchem er sämtliche deutschen Großgemeinden zu gemeinsamer Regelung der Gebetbuchftage aussorderte und rn welchem ein Plan zur Herstellung eines einheitlichen Gebetbuches entwürfen wurde. Von diesem Gebetbuch ist im Jahre 1905 der erste Band erschienen; seine Einführung (in Baden) scheiterte am Widerspruch der Orthodoxie und der Zionisten. Dagegen konnten die vereinigten nordamerikanischen Gemeinden

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