Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 10 (8.3.1929)
- Date
- 1929-03-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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9. Zahrgang Nummer 10 ffeisfX (M)yryWeMUMM> Beilage S.März 1929 Der Sammler In letzter Zeit nimmt die Sammeltätigkeit für jüdische Zwecke außerhalb Deutschlands in solchem Umfange zu, daß die nachfolgenden Ausführungen, die wir der letzten Ausgabe der C.V.-Zeitung mit freundlicher Genehmigung der Schriftlcitung und des Verfassers entnehnren, besonderes Interesse beanspruchen dürfen. Die Notlage jüdischer Institutionen in Deutschland, der Existenzkampf deutscher Juden sollte für die Juden Deutschlands Anlaß sein, bei der Hergabe von Mitteln die Grundsätze primitivster Oekonomie nicht außer acht zu lassen. Die Red. Dortmund, den 23. Januar 1929. An die Schriftleitung der „C. V.-Zeitung". Kürzlich suchte mich ein Herr auf mit dem Ersucherl, chn in der Sammlung von Beiträgen zur Unterstützung jüdidischer Hochschulen und Lehrstätten zu unterstützen. Ich gewährte ihm meine Hilfe, hielt ihm aber zunächst eine kleine Rede, d je ich ihnen hier wiedergeben möchte. „Ja, mein werter Herr T., was sie mir da erzählen, ist wirklich traurig, wenn für mich auch keineswegs neu, zumal ich auf ihren Besuch vorbereitet worden bin. Also die beiden jüdischen Hochschulen, das jüdisch-theologische Seminar in Breslau und die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, beides Anstalten, die auch der Ausbildung unserer Rabbiner gewidmet sind, stehen vor dem finanziellen Zusammenbruch, eine Folge der Inflation, die ihr einstiges Stiftungsvermögen vernichtet hat. Ihre Dozenten können sie nicht mchr angemessen besolden, altgewordene nicht pensionieren, ihre bedürftigen Hörer nicht unterstützen. Man hat also unangebrachte Scham beiseitegefetzt, eine Notgemeinschaft gebildet und Sie in die deutschen Gemeinden entsandt, um durch Sammlungen bei Privaten die für die Fortführung der beiden gelehrten Anstalten unbedingt erforderlichen Mittel zusammenzubringen. Wie natürlich kommen Sie in dieser Stadt zu mir, damit ich, der ich ja selbst einstiger Zögling einer dieser Anstalten bin, wie dann wieder mein Sohn, Sie mit meinem Einftuß in der Gemeinde unterstütze. Gewiß, ich werde mich dieser Ehrenpflicht nicht entziehen. Ich werde Sie persönlich zu den — übrigens sehr wenigen — potenten Mitgliedern meiner Gemeinde begleiten und mit aller Wärme, die die Sache verdient, dafür sprechen Ich glaube Ihnen Vorhersagen zu können,, daß dieselben sich nach Verhältnis ihres Könnens mindestens ebenso nobel, wenn nicht nobler, als die Zeichner in anderen Gemeinden, die sie mir vorlegen, erweisen werden. Aber ich stelle eine Bedingung: daß Sie mir versprechen, die zuständigen Stellen auf einen Weg aufmerksam zu machen, auf dem cre erforderlichen Mittel mit Leichtigkeit aufzubringen sind. Ter Keren Hajessod hat im Jahre 1927 zirka 700000 Mark (siebenhunderttausend) aus Deutschland herausgeholt, noch mehr wahrscheinlich 1928, und wenn die mit dem Anfang des Jahres begonnene Agitation mit der gleichen Stärke fortgesetzt wird, dürfte für 1929 sicherlich noch mchr herauskommen. Ich bezweifle, daß die wissenschaftlichen und charitativen Anstalten der deutschen Juden insgesamt eine gleiche Summe (die sie s ämtlich aller Sorgen entheben würde) in einem Jahre durch Sammlungen erzielen. Nun befinden sich unter den Kuratoren und Führern der beiden Anstalten auch Männer, die gleichzeitig die e-srigsten oder einflußreichsten Befürworter des Keren Hajessod sind. Diese Herren, auch sehr angesehene Kollegen, mögen öffentlich erklären: daß sie sich außerstande sehen, ihren Namen für den Keren Hajessod herzugeben, solange nicht die ihnen am Herzen liegenden Lehranstalten durchaus gesichert sind. Denn sie werden gewiß darin einstimmen, daß es mindestens ebenso dringend ist, hier in unserem Vaterlande notleidende Anstalten wie Seminarien, Krankenhäuser, Kinderheime, Altersheime mmmmmmmmammmmmmmmßmmmnmmmmiammm Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands aufzubauen, als ländliche und städtische Siedlungen in Palästina zu gründen, was gut und schön sein mag, aber immer noch Zeit hat. Wenn man Ihnen sagen sollte: wer geben will, wird für beides geben, dann bitten Sie darum, daß man Ihnen die Sammellisten des Keren Hajessod aushändigen möge, damit Sie die gleichen Geber auch für Ihre Sammlung angehen können. Noch wirksamer wäre es, wenn die Sammler des Keren Hajessod zugleich Ihre Sammlung übernehmen würden, indem sic für ihre Sache keine Zeichnung annähmen, falls nicht der gleiche Betrag für die Erhaltung wissenschaftlicher und charitativer Anstalten in der Heimat gegeben wird. Jene sind dafür auch viel besser ausgerüstet, sie arbeiten mit einem ungeheuren Apparat, mit effektvollen Filmen, öffentlichen Empfängen und Festessen oder intimen Tees, der Aussicht auf interessante Gesellschaftsreisen nach dem Lande der Väter usw., während Sie armer Teufel nichts als Ihr Notizbuch haben. Also, Sie versprechen mir das? — Tann kommen Sie, das Auto steht schon vor der Tür." Rabbiner Dr. B. Jacob (Dortmund). Aus den Gemeinden * : Aachen. (Besetzung des K a n t o r a t s.) Durch einstimmigen Beschluß des Vorstandes und der Repräsentanz ist Herr Oberkantor Bernhard Alt aus Danzig zum 1. Kantor der Synagogengemeinde Aachen geivählt worden. — Herr Alt ist durch seine Beiträge auf jüdisch-musikalischem, religiösem und literarischem Gebiet den Lesern unseres Blattes bestens bekannt. Berlin. (Grundsteinlegung für das neue Altersh eim der Berliner Jüdi schen Gemeinde.) Unter zahlreicher Beteiligung weitester Kreise der Berliner Jüdischen Gemeind« fand am Sonntag, den 3. März, die Grundsteinlegung zu der neuen großen Altersversorgungsanstalt der Gemeinde statt. Das Terrain liegt im Grunewald in einer besonders schönen Gegend. Die Weihered« hielt Herr Rabbiner Dr. Emil Cohn; nach ihm sprach der Vorsitzende des Gemeindcvorstandes, Georg Kareski, der darauf hinwies, daß nach einer durch Krieg und Inflation gebotenen Stagnation nunmehr wieder «ine Epoche des Aufbaus folge, und daß die Gemeinde zunächst ihr Versprechen einzulöseu habe, an den Aufbau der sozialen Institutionen heranzugehen. Baumeister Becr verlas die in hebräischer und in deutscher Sprache abgefaßte Grundstein-Urkunde, die von den Vorstehern Georg Kareski, Gerson Simon und Leo Wolfs und von den Repräsentanten Julius Stern und Alfred Klee unterzeichnet war. Im Namen des Kuratoriums der Altersversorgungsanstalt sprach der Vorsteher Goldschmidt, es folgten dann die üblichen Hammerschläge. — Der Grundsteinlegung folgte ein vom Gemeindcvorstand gegebenes Frühstück, bei dem Direktor Kareski die Gäste begrüßt« und auf das Verbindende der sozialen Arbeit, die keinen Parteistand- Punkt kenne, hinivies. Der Vorsitzende des Wohlfahrtsamtes der Jüdischen Gemeinde, Eugen Caspary, gab in einem außerordentlich instruktiven Bortrage einen Ueberblick über die Gesamt-Wohlfahrtspflege der Berliner Jüdischen Gemeinde. Bon den Gästen dankte der frühere liberale Repräsentant Dr. Ginsberg, der besonders seine Freude darüber aussprach, daß man bei der Neuentwicklung der Gemeinde die alten Arbeiter vergangener Zeiten nicht vergessen habe. Dr. Ginsberg gab der Hoffnung Ausdruck, daß in die gesamte Tätigkeit der Gemeinde wieder der friedliche Geist einziehen möge, der Tolerierung der Anschauungen und das Ringen jeder Richtung für ihr Ideal im Gefolge habe. Rechtsanwalt Dr. Klee ging aus von der ncugeschaffenen Institution der Sozial-Rabbiner und begrüßte bei dieser Gelegenheit mit warmen Worten die vier Herren, die in das Berliner Rabbinat neu eingetreten sind: Dr. Emil Cohn- Bernhard, Dr. Salomonski, Dr. Freimann und Dr. Freier, von denen sich die beiden ersten vornehmlich mit sozialer Arbeit befassen werden. Dr. Freimaun dankte herzlich. Im Anschluß an die Grundsteinlegung zeigte sich der altbewährte Wohltätigkeitssinn der Berliner Bevölkerung; für das neue Altersheim sind bereits eine Reihe von Zimmerstistungen angesagt; weitere Stiftungen stehen bevor. er unserer _ neuen , Frühjahrs -Modelle Prüfen u. vergleichen Sie die Schönheit, Güte u. die Preise unsrer neuen Frühjahrsmodelle! Dann verstehen Sie, warum Sß/sei» das führende Sdiuhhaus Berlinsist,warum unsereUmsätze so hoch und infolge dieser unsere Preise so niedrig sein können! Da* grösste Schuh'Spezialhaus Berlin»