Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-02-22 · 8 (22.2.1929) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
8 (22.2.1929)
Date
1929-02-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2613366-2614000-2614008--3058-2620600
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

s. Zahrgakg Mmm« 8 Leitage 22. Februar 1929 wm Kants Stellung zu den Juden Bon Heinrich Kuhn, Charlortcnburg. Das Jahr 1929 ist ein Jahr des Gedenkens. Lesftrws and Mendelssohns Geburtstag und Kants Todestag er starib vor 125 Jahren am 12. Februar 18l>1 - regen» *if Gebildeten der Welt zu rückschauenden Betrachtungen an. Mr Juden sind an diesen Erinnerungstagen besonders interessiert; bedeuten doch Lessing und Mendelssohn einen Wendepunkt in der Geschichte der deutschen Juden. Und mit Mendelssohn verknüpft ift auch die Erinnerung an Kant, an den fruchtbaren Denker, dessen Streben nach reiner Erkenntnis sich weit von der Dogmatik und Unduldsamkeit seiner gelehrrn: Kollegen entfernte. So ist es kein Wunder, daß Kant mit gebildeten Juden seiner Zeit in Korrespondenz stand, von der nach den aus unv überkommenen Briefen der Briefwechsel mit Markus Herz wohl der ausgedehnteste war. Auch mit Mendelssohn und Salom. Maimon stand Kant in regem Briesvcrkehr, der nicht immer nur wissenschaftliche Angelegenheiten betraf, sondern auch von einem starken persönlichen Wohlwollen und Interesse zeugt. Kants reine Erkenntnis bedingte eine vorurteUssreie Einstellung zu allen Menschen, Dingen und Begebenheiten. Ohne Unterschied der Rasse und Konfession ist er um seine Schüler auch in Fragen ihres persönlichen Wohlergehens bemüht, wie ivir aus einem Schreiben vom | 7. Februar 1766 an Mendelssohn erfahren, in welchem der > Köuigsberger Philosoph über seine Verwendung für einen! ihm von Mendelssohn empfohlenen jüdischen Studenten be-! richtet. Im gleichen Briese übersendet er einige Exemplare seiner „Träumereiert eines Geistersehers" mit der Bitte um Weitergabe an verschiedene Gelehrte in Berlin. Er erwartet von Mendelssohn eine freimütige Kritik seiner Arbeit und verspricht sich viel vom Zusammenwirken zwischen „zwei Personen, deren Denkungsart durch die Aehnlichkeit der Verstmldesbeschäftiguug urrd Gleichheit der Grundsätze einstim mig ist". Am 8. April 1766 wiederholt er diese Bitte in der Erwartung, „daß ~ wenn es Ihnen gefiele, Ihre Bemühungen mit den meinigen zu vereinigen -- etwas Wichtiges zum Wachstum der Wissenschaft könnte erreicht werden". Ter jüdische Philosoph hat diese Anregung freudig ausgenommen und unbefangen seine Ansichten geäußert. Kant bewundert an ihm den klaren und eleganten Stil, über der: er zu seinem eigenen Leidwesen selbst nicht verfügt, und versteigt sich zu der enthusiastischen Bemerkung: „Es ist nur ein Mendelssohn". Im gleichen Schreiben vom 16. Aug. 1783 äußert er sich über Mendelssohns Mhandlung „Jerusalem": „Ich halte dieses Buch für die Verkündigung einer großen, obzwar langsam bevorstehenden und fortrückenden Reform, die nichts allein Ihre Nation, sondern auch andere treffen wird... sie haben Ihre Religion mit einem solchen Grade von Gewissensfreiheit zu vereinigen gewußt, die man ihr gar nicht zugetraut hätte, und dergleichen sich keine andere rühmen kann." In einem Antwortschreiben an Marcus Herz, der chm von einer geringen Kritik seiner eigenen Abhandlung über kritische Philosophie berichtet, tröstet ihn Kant mit den Worten: „Ein Brief von Mendelssohn verschlägt mehr, den Verfasser auf die Prüfung seiner Lehren zurück- -Aführen, als zehn solche Beurteilungen mit leichter Feder". Seinem ehemaligen Schüler Herz, dem Gatten der berühmten Henriette Herz, berichtet er die Pläne seiner wissenschaftlichen Arbeiten und skizziert deren wichtigste Punkte. Im Jahre 1763 hat die Königlich Preußische Akademie der Wissenschaften eine Preisaufgabe gestellt: Ob die meta» physischen Wahrheiten einer solchen Evidenz fähig sind wie die mathematischen. Mendelssohn und Kant bewerben sich um den Preis, den der Erstere vor dem Weisen von Königsberg erringt. Im Reiche des Geistes „tolerierte" man dm Gegner, während im Reiche des Königs von Preußen unter der Herrschaft der Aufklärung und Toleranz die letztere mehr theoretischer Natur war. Tenn als im Februar 1771 die Akademie dem großen Preußenkönig die Wahl Mendelssohns zum Mitglied vorschlägt, verjagt er die Bestätigung. Wie anders Kant! 1777 weilte Mendelssohn in Königsberg. Kant berichtete darüber an Herz: „Mendelssohn tat mir gestern oie Ehre an, zweien meiner Vorlesungen beizuwohnen, n la sortime du pot, wie man sagen könnte, indem oer Tisch auf so einen ansehnlichen Gast nicht gerichtet war." Bist höchster Achtung spricht Kant auch da von dein Mischen Weisen, wo seine Anschauungen von ihm abweichen, z. Ä. in der Kritik der reinen Vernunft. Gegen den Phädon bringt er eine „Widerlegung des Mendelssoynschcn Beweises der Beharrlichkeit der Seele" und beginnt mit den Wortm: „Tiefer scharfsinnige Philosoph. . Es würde hier zu weit führen, den Mnfluß zu untersuchen, den Mendelssohn besonders durch seine ästhetiscben Abhandlungen auf Kant gehabt hat. Auch mit Salom. Maimon, der besonders zu Kants „Ding an sich" kritisch Stellung nahm, stand der große Philosoph in vornehmster Weise in Briefwechsel und, obwohl er den Marmonschen Standpunkt ablehnte, äußerste er sich über die wissenschaftliche Arbeit desselben voller Achtung in einem Bnese an Herz. Diese Beispiele ließen sich noch vermehren. Bei dem umfangreichen Briefwechsel Kants und seinem persönlichen Verkehr mit zahlreichen Denkern könnte man sic aber als Einzelsälle auffasfen, wenn seine vorurteilsfreie Haltung zu den Juden nicht eine prinzipielle gewesen wäre. Ties war in seiner Auffassung von Wissenschaft und Religion begründet. Letztere ist ihm ern notwendiges Postulat für die sittliche Vervollkommnung der Menschen. Aber Kant meint .Fieligion an sich", nicht den starren Dogmatismus einer bestimmten, der darauf begründet ist, im menschlichen Denken über die Grenzen möglicher Erfahrung hinaus zu spekulieren. So muß .er logischerweife jede religiöse Unduldsamkeit ver- Annahme von Bestellungen auf die Züdisch-liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands werfen. Dasselbe geschieht mit der Geringschätzung der Rassen. In einer kurzen Abhandlung „Von den verschiedenen Raffen der Menschen" (Ankündigung zur Vorlesung über physische Geographie 1775) präzisiert er seinen Standpunkt. Tie Rassenmerkmalbildung führt er in der Hauptsache auf geographische und klimatische Einflüsse zurück. Rasseunterschiedc sind nicht identisch mit Artuntnychiärcn. „Aus diese Weise sind Neger und Weiße zwar nicht verschiedene Arten, aber doch verschiedene Rassen." Vor einer solchen Erkenntnis kann keine Theorie von der grundsätzlichen Minderwertigkeit einer Rasfe bestehen. Wenn die Gebildeten Deutschlands die Erinnerung an ihre Großen feiern, die die Grundlage zur deutschen Geisteskuktnr gelegt haben, dann wäre zu wünschen, daß dieses Gedenken nicht nur in Gefühlen und Worten, sondern auch in folge richtigen Handlungen seinen Ausdruck finden möge. Umschau Vom Liberalen Kultusausschuß des Preußischen Landesverbandes. Am 5. Februar tagte zu Berlin im Anschluß an den Verbandstag des Preußischen Landesverbandes jüdischer Genieinden dessen Liberaler Kultusausschuß unter Vorsitz von Herrn Rabbiner Dr. Selig mann- F r a n k f u r t / M a i n. Es wurde von allen Teilnehmern an der Sitzung aufs wärmste befürwortet, durch Radioübertragung des Gottesdienstes einer größeren Synagoge den Zwerggeineinden und vor allem auch den einzelnen Familien aus dein Lande die Möglichkeit zu geben, an einem jüdischen Gottesdienste teilzrchaben. — Es wurde gefordert, daß die Absolventen der deutscheir Rabbinerseminare ein VikariatSjahr in mittleren Gemeinden ablegen sollen, damit sie von älteren und erfahrenen Kollegen in die praktischen Erfordernisse ihres künftigen Berufes eingeführt werden. - Der Vorsitzende legte den soeben sertiggestellten 2. Band des liberalen Einheitsgebetbnches vor unb erläuterte ba$ Werk in seinen Einzelheiten. Von Seiten der Teilnehmer an der Sitzung wurde ihm für seine aufopfernde und vorbildliche Tätigkeit aufs wärmste gedankt. Die Frage der musikalischen Ausgestaltung dieses Einheitsgebetbuches bildete den Gegenstand eingehender Beratungen. Herr Oberkantor Zivi-Elberfeld wurde mit der Ausarbeitung eines Planes für die Arbeiten der musikalischen Kommission beauftragt. Tie Satzungen der Liga „The feoenth Dominion". Die vor kurzem in einer im Unterhaus stattgefundenen Versammlung begründete „Seventh Dominion League", die die Umwandlung Palästinas in ein englisches (siebentes Dominion erstrebt, veröffentlicht soeben ihre Satzungen, die, wie wir der Jüd. Telegraphen-Agentur entnehmen, lauten: 1. Tie Liga fördert die Entwicklung Palästinas als , Nationalheim für das jüdische Volk und erstrebt die Sichej rung der Mitarbeit des englischen Volkes und der englischen j Administration bei der Verwirklichung dieses Zieles. 2. Diese Mitarbeit soll sich darin ausdrücken, daß in Palästina diejenigen Bedingungen geschaffen werden, die den Einwohnern Palästinas die Möglichkeit geben, nach Beendigung der Mandatsperiode das System eines autonomen Dominions im Rahmen des British Empire einzuführen. 3. Die Liga erstrebt eine Befestigung der Freundschaft zwischen dem englischen und dem jüdischen Volke; diese Freundschaft soll auf Gerechtigkeit, gemeinsamen Interessen und gemeinsamen Idealen basieren. Tie Funktionen der Liga: Tie Liga wird ihre Ziele zu verwirklichen suchen durch Pressepropagandr, auf parlamentarischem Wege durch Sicherung der gesetzlichen und administrativen Verhältnisse wie a) Entwicklung der jetzigen Siedlung und Vermehrung der jüdischen Bevölkerung bis zu jenen Grenzen, die zur Verwirklichung der erwähnten Ziele nötig sind; b) Durchführung einer planmäßigen Kolonisation der Juden in Palästina in Zusammenarbeit mit der Jewish Agency; c) Wahrnehmung der Interessen der Araberin der Richtung, daß ihnen die im Lande vordringerrde westliche Zivilisation immer mehr zugänglich gemacht wird; d) allmähliche Heranziehung einer immer größeren Zahl Juden in die zivile Administration und Vervollkommnung dieser Administration; e) Gleichstellung Palästinas mit den anderen Tominions in allen Angelegenheiten wie Anleihe, Kolonisation, Handelvunternehmungen usw.; s) Entwicklung sich selbst verwaltender lokaler Institutionen bei gleichzeitiger Beibe-! Haltung der Kontrolle über die palästinensische Administraj tion durch das britische Parlament bis zu einer Zeit, wo eine Majorität aus Juden und Arabern eine parlamentarische Regierung fordern wird: g> alle Rechte und Pri- , vilegicn englischer Bürger sollen den Paläst'na-Vürgern zu-! erkannt werden. j Ter Beitritt zur Liga steht allen Freunden der zionistischen Bewegung ohne Unterschied von Rasse und Re ligion offen. In allen Teilen des British Empire sowie in Palästina werden Mteilungen der Liga geschaffen. T-e Liga widmet sich insbesondere: at der Propagierung ihrer Ziele unter dem englischen Volke und unter den Juden in allen Ländern; b) der Verbreitung von Informationen über die Liga in Palästina: c> der Ausarbeitung entsprechender Vorschläge über Administration und Gesetzgebung in Palästina, die zu gegebener Zeit der britischen Regierung vorgelegt werden sollen. Voll der Union amerikamsch-jüdsicher Kongregationen. In San Franzisko wurde soeben die 31. Zweijahrcskon vention der im Jahre 1873 begründeten Union amerikanischjüdischer Kongregationen abgehalten, der etwa 600 Delegierte aus allen Teilen der Vereinigten Staaten, unter ihnen die Führer der jüdischen Reformbewegung in Amerika, wie der bekannte Besitzer der „New Dort Times", Adolf S. Ochs, Professor Julian Morgenstern und der Vorsitzende des Exekutivkomitees der Union amerikanisch-jüdischer Kongregationen, Herr Ludwig Vogelstein, beiwohnten. Professor Julian Morgenstern, der Präsident des Hebrew Union College, hielt einen Vortrag über „Das Judentum und die moderne Welt" und erklärte, das Judentum, das heute keinen fanatischen Verfolgungen ausgesetzt und keinen Ghetto- Schranken unterworfen ist, habe — insofern es die Kraft des Aufsichselbstbesinnens noch nicht verloren hat die j glänzende Möglichkeit, die Welt in religiöser Offenbarung s und Neugestaltung weiter zu bringen. Das Judentum soll * diese goldene Gelegenheit nutzen. (Jta.) Aus den Gemeinden Berlin. (R e p r ä s e n t a n t e n s i tz u n g.) In der Repräsentantenversammlung am Montag, den 18. Februar 1929 (vgl. auch den Artikel „Erfüllung einer liberalen Forderung" in dieser Nummer. Tie Red.) gedachte eingangs der Bvrsipende des verstorbenen ehemaligen liberalen Repräsentanten Dr. I. L r ö n , der neun Jahre lang der Versammlung angehört har. Er schilderte ihn als würdigen Vertreter des Deutschtums und Judentums, der im politischen und im religiösen Leben sich stets für die Forderungen des entschiedenen Liberalismus eingesetzt habe. Von den Mitteilungen des Vorstandes finden besondere Beachtung die Ablehnung der Einführung von Laienpredigten, sowie die Ablehnung einer Sondernummer des Gcmemdcblattes, die für eine stärkere Teilnahme am Shnagogcnbesuch werben soll. Unter den zur Verlesung gelangenden Eingängen befindet sich folgendes Schreiben des Vereins jüdische Presse in Deutschland: „In letzter Zeit ist es zu wiederholten Malen vorgekommen, das; Mitglieder der Repräsentanten- Versammlung gegen Mitglieder unseres Vereins in öffentlichen Sitzungen persönlich tränkende Angriffe gerichtet haben. So fern es uns liegt, sachliche Kritik auch gegen die jüdische Presse in irgend einem Grade einschränken zu ivollen, bitten wir doch, dafür zu sorgen, daß derartige persönliche Verunglimpfungen in Zukunft nicht ungerügt erhoben tverden." Bei der Wahl des Präsidiums für die diesjährige Sipungsperiode schlägt Professor Türk zum Vorsitzenden Rechtsanwalt Heinrich Stern vor. Er betont, das; die Liberalen als stärkste Fraktion der Versammlung einen parlameniarischen Anspruch auf die Zubilligung dieses Platzes haben und'verweist daraus, das; selbst die Jüdisch« Rundschau vor kurzem in einem Artikel den Anspruch der Berliner Libe-ulen als gerechtfertigt anerkannt hat. Dr. Klee schlägt trotzdem die Wiederwahl des bisherigen, der Mittelpartei ungehörigen Vorsitzenden, Gebeimrat Julius Stern, vor. Bei der Stimmauszühlung ergibt sich, daß jeder der beiden Vorgeschlagenen l0 Stimmen erhalten har, und daß ein Repräsentant sich der Stimme enthielt. Das Los, das somit entscheiden mußte, ergab die Wahl von Herrn Geheimrat Dr. Julius Stern. Für die Liberale Fraktion erklärte Professor Türk hieraus, daß diese sich mic in den Vorjahren nicht an der Bildung des Büros beteiligen werde, da mau ihr die Stelle des Präsidenten -nicht eingeräumt habe. Daraufhin wurde R.A. Dr. Klee mit 11 Stimmen bei 10 Stimmenthaltungen zum L. stellvertretenden Voriitzeirden gewählt. Bei der Wahl des 2. stellvertretenden Vorsitzenden lvurdc merkwürdigerweise nicht wie bisher der konservative Repräsentant M. A. Loeb iu Vorschlag gebracht, sondern Dr. O-skar Cohn. Aus diesen entfielen 8 Stimmen. Da er sich zur Annahme der Wahl nicht bereit erklärte, wurde die Besetzung des 2. Stellvertreterpostens rti:f die nächste Sitzung vertagt. Voir liberaler Seite wurde gerügt, daß der Etat für 1929 wiederum erst im Lause des Haushaltsjahres der Repräsentantenversammlung zugeht intb daß die Synagogen Baukommission entgegen den bestehenden Bestimmungen 'wegen der Ausschreibung eines Wettbewerbs für den Bau der Synagoge Klopstockstraße nicht gehört worden ist. Auf eine Anfrage wegen der Anlage eines Sportplatzes lourde vom Vorstandstisch durch Herrn Caspary die Auskunft erteilt, daß nach den zum Abschluß gebrachten Verhandlungen mit dem Berliner Magistrat demnächst ein großes Sporlgelände in der Nähe des Funkturms den jüdischen Sportverbänden als Sportplatz der Berliner jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellt tverden tvürdc. Für die durch die besonders kalte Witterung entstandene Notlage der jüdischen Bevölkerung wurden 10 000 Mk. bewilligt und die Ermächtigung zur eventuellen Ausgabe für tveitere 19 WO Mk. ausgesprochen. Angenommen wurde ferner eine Resolution, den 22. August, an dem ein allgemeiner, von dem Reichsminister Severing angeordneter „Tag des Buches" stattsinden soll, auch für das jüdische Buch nutzbar zu machen. Aus der Reihe der erfolgten Bewilligungen seien erwähnt: Mk. 2500 für die jüdischen Falaschas, die in Deutschland ihre Ausbildung erfahren, Mk. 1000 an die Jüdische Schulorganisation Polens in Warschau, Ml. 5000 zur Versorgung der jüdischen Bevölkerung Rußlands mit Mazzoths zum diesjährigen Pessachfest, Mk. 10W für das Lchrgut des deutschen Misrachi in Rodges, sowie eine Erhöhung der Subvention für die liberalen Freitagsabendgottcsdicnste in der Cäcilienschule. Ferner ivurde noch beschlossen, die vom Jüdischen Schulverein begründete Volksschule in der Rykestraße auf den Gcmeindcetat zu übernehmen und dem Schulvorstand der Gemeinde zu unterstellen. Professor Türk betonte hierbei, daß die Bolkspartci sich verpflichtet habe, bis zum Ablauf der jetzigen Legislaturperiode tveitere Forderungen aus dem Gebiete der jüdischen Schule nicht zu erheben. Schließlich gelangte noch eine Vorlage zur Annahme, in den Etat für 1929 einen Betrag von Mk. 16 000 zur Errichtung eines Lehrstuhls an der hebräischen Universität in Jerusalem einzustellen. Die Beschlußfassung über dcir Lehrauftrag und den Dozenten blieb Vorbehalten. Zur Verhandlung mit dem Kuratorium der Universität in Jerusalem wurde ein Komitee eingesetzt, bestehend aus den Herren Professor Elbogen, Dr. Baeck, Professor Türk, Dr. Klee und Dr. Kollcnscher. Berliu. (Vom Soziale» A tl s s ch II s; des Rabbiner- Verbandes.) Die anläßlich der Tagung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden in Berlin anwesenden Mitglieder des Sozialen Ausschusses des Allgemeinen deutschen Rabbincrverbandes traten am 4. Februar unter Vorsitz von Herrn Rabbiner Dr. I. Horo vitz, Frankfurt a. M., gemeinsam mit Vertretern der Zentralwohlsahrts stelle der deutschen Juden, des Jüdischen Frauenbundes und der Arbeitsgemeinschaft für jüdische Gefährdctcnsürsorge zu einer Besprechung über laufende Arbeiten zusammen. Es wurden insbesondere Fragen der Sozialen Gerichtshilse und der Gesaugcncnsürsorge besprochen, u. a. der vorliegende Enllvurf einer Dienstanweisung für jüdische Gefängnisseelsorger. Angeregt wurde u. a. die Schaffung einer jüdischen Zentralstelle, an die Mitteilung über jeden jüdischen Gefangenen zu gehen hat, der in einer Anstatt untergebracht ist, in der sich niemand um die jüdischen Gefangcneic insbesondere kümmert. Erstrebt wird, daß die jüdischen Gefangenen ans dem ganzen Reich auf einige Anstalten konzentriert werden, in denen sie in religiöser Hinsicht entsprechend betreut werden rönnen. Eine Liste geeigneter Bücher jüdischen Inhalts für Gefangenenbibliotheken soll angelegt und Jahr für Jahr nach Bedarf modifiziert lvcrden. Aus Grund der außerordentlich fruchtbaren Aussprache ivurde das nächste Arbeitsprogramm des Sozialen Ausschusses ausgestellt. Berlin. (L c v y - D o r n - F e i e r im V i r ch o tv - K r antenhaus.) Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur mitteilt, ist Professor Levy-Dorn nach Erreichung der Altersgrenze von der Leitung des Röntgen Instituts des Birchow-Krankenhanscs ausgeschieden. Zu seinen Ehren fand am Sonnabend im Institut eine Feier statt, bei der eine von seinen Schülern gestiftete und von dem Bildhauer Isenstein gefertigte Büste enthüllt ivurde. Levy Toru ist einer der ältesten und hervorragendsten Vertreter des Röntgcnsachcs. Schon ivenige Monate nach der Entdeckung der Strahlen erschien seine erste Arbeit über deren Nutzbarmachung für die Heilkunde. Er ivurde später Leiter des Röntgeninstitutes am Birchow-Kranicuhaus und erwarb sich den Ruhm eines der größten Röntgenologen der Well. Er hat auch das Leid der Pioniere seines Faches zu tragen: seine Hände erkrankten und er verlor mehrere Finger. Er ertrug die heftigsten Schmerzen, und trotz seiner verstümmelten Hönde ist er auch jetzt noch im Ruhestande einer der besten Berater der Kranken. Die hohe Verehrung, die er genießt, kam in den Reden bei der Feier zum Ausdruck. Zuerst sprach sein letzter Assistent Oberarzt Dr. Burgheim. Professor Hochmcmn überbrachte den Dank der Stadt Berlin. Sodann sprach der Direktor der Inneren Abteilung des Krankenhauses, Professor Küttncr, Abschicdswortc im Namen sämtlicher dirigierender Aerzre. Proi. Friedrich, der Vertreter des Röntgensaches bei der Per-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.