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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-02-15 · 7 (15.2.1929) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
7 (15.2.1929)
Date
1929-02-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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wisse Berechtigung, wenn das offizielle Judentum nur ein gesetzestreues Judentum kannte. Der Tätigkeit Breslauers und seiner Fremrde ist es in erster Linie zu danken, daß die heute an führender Stelle stehenden Liberalen wissen, warum und wozu sie liberale Juden sind, daß ihre Weltanschauung wissenschaftlich gegründet und positiv ausbauend ist. Wenn selbst von gegnerischer Seite anerkannt wird, daß das liberale Judentum der letzten Jahre, und grade in der Jugend, erheblich geme-nschaftsbewußter, erheblich positiver geworden ist, so hat Breslauers Lebensarbeit das Wichtigste dazu beigetragen und man hat heute gelernt, daß ein gewisser Radikalismus der Form gar nichts zu tun hat mit der mehr oder minder großen Verinnerlichung und dem mehr oder minder starken Gcmeinschastsbewußtsein. Es war daher nur folgerichtig und entsprach feinem Streben nach Gerechtigkeit im Leben unserer Gemeinschaft, wenn Breslauer unermüdlich bis zu seinem Lebensende für die wahre Gleichberechtigung des liberalen Judentums in der Gemeinde kämpfte. Er hat sich wiederholt dagegen geivendet, daß in vielen Gemeinden eine kleine konservative Minderheit den liberaler Mehrheiten ihren Stempel aufdrückt. Wie er immer für die konservativen Bedürfnisse eingetreten ist, hat er gegen die Ueberspannung derselben sich gewandt. Aus diesem Grunde erklärt sich sein Verlangen, daß in den Großgemeinden oder in überwiegend liberalen Gemeittden neben den im Sinne der gesetzestreuen Juden geführten Anstalten (Krankenhäuser, Altersversorgungen) auch solche gehauen würden, in denen die liberale Lebensauffassung zum Durchbruch kommt. Man hat ihm dieses Verlangen auch in liberalen Kreisen sehr verübelt, meines Erachtens ganz mit Unrecht. Es war nur eine logische Folge seiner ganzen Einstellung zu unserer Weltanschauung. Wenn von anderen Seüen daraus hingewiesen wurde, daß es zwar dem konservativen Juden nicht zugemutet werden könne, unter Verletzung der rituelle Vorschriften zu leben, daß es aber keine Zumutung für den Liberalen sei, in ritueller Umgebung als Aller oder Kranker, als Mitglied eines Waisenhauses, zu existieren, so entsprach eine derartige Meinung keineswegs der Auffassung unseres Bernhard Breslauer. Breslauer schätzte den Wert der rituellen Vorschriften für wahrhafte Konservative viel zu hoch ein, als daß sie ihm etwas sein konnten, womit sich ein anderer als nebensächlich absinden könnte. . ' er waren die rituellen Vorschriften religiöses Gewiss« dann brauchte und sollte sie nur der halten, dem si« «i.' ■ c Gewissenspflicht waren, oder aber sie waren nur ei ' ches Erbstück, dann konnte sic der abstreifen, denn si besagten. Die Frage der Gleichberechtigung eltanschauungen im Gemeindelcben hat mit dem fr Radikalismus gar nichts zu tun. Man kann in .,'tlichen und Unterrichtsfragen durchaus auf einem .. tion näheren Standpunkt stehen mid doch auch die B ' ze Meinung vertreten, daß, was dem einzelnen in Hause recht ist, der liberalen Gemeinde für ihr H sein müsse. Es if md für den Standpunkt unserer Gegner, daß sie ge ‘ v ' immerhin streitigen Anschauungen Breslauers al ine Person charakteristisch hervorgehoben haben un geheuren positiven Werte seiner Lebensarbeit dar , issentlich zurückstellten. Uns aber gebührt es, heute sinzuweisen, daß gerade sein Lebenswerk, die ttfcm >' ügung, dazu bestimmt ist, tausende von indisferew ■ t aus den Boden eines schaffensfrohen und Überzeugung i Judentums zurückzuführen. Breslauers Lideralisr;e keine geringen Anforderungen an die Liberalen . wohl entsinne ich mich der ersten Unterrckung, ' -c ' miteinander hatten, als ich als Generalsekretär d äste der Vereinigung übernahm. Damals prüfte er - ■ gsam meine jüdischen Kenntnisse, geschichtliche, bib - u .!-.! auch hebräische, und wies darauf hin, daß gerade t. »r. der für das liberale Judentum werben und stre e, in unserem Schrifttum, in unserer Geschichte, . em Gebetbuch mehr als jeder andere bewandert •< je. So ' .l j nichts mehr gefreut als die Gründung der liberalen z - vereine mit dem Endziel der geistigen Durchdringung , dischen Jugend auf religiöser Grundlage. Ich sche noch vor mir, wie sein Angesicht leuchtete, als ich ihm von dem Zusammenschluß der liberalen Jugendvereine in seiner Heimatstadt Posen berichtete, an der ich teilgenommen hatte, nick wie er immer wieder darauf himvies, daß man von dort aus aufbauen müsse, da mancher der Aelteren leider schon für den Liberalismus nicht mehr zu retten sei. Breslauers Auftastung vom religiösen Judentum schloß es in sich, daß er der nationalen Auffassung vom Judentum entgegentrat. Er war nicht aus Zweckmäßigkeitsgründen, nicht aus Angst vor dem Antisemitismus Gegner des nationalen Judentums, sondern aus seinem eigenen Glauben an die religiöse Bedeutung der jüdischen Gemeinschaft. Dennoch hat er auch hier in seiner Gegnerschaft gegen den Zionismus in allererster Linie diejenigen Zionisten bekämpft, die nach seiner Ansicht einen Bruch in ihrer eigenen Weltanschauung in sich tragen. Vor ehrlichem nationalen Judentum, das auch äußerlich die Folgerungen zog, hatte er ungeheuchelten Respekt. Sein Kampf richtete sich in erster Linie gegen die Nationalisierung des deutschen Judentums, noch mehr aber gegen diejenigen, die in Deutschland den Zionismus aus gemeindepolitischen Gründen abschwächen wollten, um die nichtorien tierte Umwelt glauben zu machen, daß wirkliche nationale Bestr^ungen garnicht gemeint seien. Gegen diese Verwässerung der zionistischen Ideen hat er sehr beherzigenswerte Worte gesunden und es ist interessant, daß er schon vor 10 und 15 Jahren Dinge gesagt und geschrieben hat, die heute eine zionistische Richtung der anderen vorwirst. Dennoch hat Breslauer auch diesen Kamps nur mit geistigen Waffen geführt. Die heute beliebte Art des Kampfes, die sich aufs persönlichste zuspitzte, war diesem ritterlichen Menschen vollkommen fremd. Er wußte die Sache von der Person zu scheiben. Mit dem langjährigen Vorsitzenden der zionistischen Vereinigung für Deutschland, einem der führenden Männer des Zionismus, verbanden ihn engste berufliche und verwandtschaftliche Bande. Wir alle erinnern uns noch der letzten Berliner Hauptversammlung der liberalen Vereinigung, in der er erst das Wort nahm, als die Debatte persönlich zu werden drohte, als die sachlichen Gegensätze in erner^ Form ausgetragen wurden, die seiner vornchmen Art M kämpfen widerstand. Damals erhob er sich und rief den beiden Parteien die Worte „Seid freundlich miteinander' zu. Gerade aus dem Munde dieses alten Streckers für Recht und Wahrheit klang die Mahnung zur ritterlichen Kampfesweise besonders eindringlich. Sollen wir noch von dem Menschen sprechen? Ich glaube, aus seinem Werk spricht der Mensch zu uns. Das,?* Versammlungskalender Aachen. Soantag, den 17. Februar 1929, abends 8.39 Uhr, Jugendheim, Promenadenstraße: Hauptversammlung mit folgender Tagesordnung: a) Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden, bj Wahl des Vorstaudes. cs Vortrag des Herrn Dr. Wallerstein, Aachen: „Erziehnvgsfragen". DresltM. Jli „Abraham Geiger". Mittwoch, den 20. Februar, 20.15 Uhr, im Bereinslolal „Soziale Gruppe", Kaiser Wilhelmstraß« 16, Ardeitsgrmeinschast: „Die Propheten". Leitung: Herr Rrligionslehrer Davidsohn. Auf unsere Anregung findet Freitag, den 22. Februar, 19.45 Uhr, iu der Wochentags-Synagoge der Neuen Synagoge wirdervm eia Freitag-Adend-SpSt-Gvttesdienst statt. Nach dem Gottesdienst veranstalten wir im Restaurant Echaal ein gemeinsames Freitag- Abend-Essen. Wir laden hierzu in erster Reihe alle die ein, die kein« Gelegenheit haben, eine Sabbatfeier im Familienkreise zu begehen. Von ordentlichen Mitgliedern wird ein Unkostenzuschuß von 75 Pfg. pro Gedeck erhoben, andere Teilnehmer zahlen pro Gedeck 2,— Mk. Meldungen bis spätestens Dienstag, den 19. Februar, bei unserem Vorsitzenden, Herrn Religivnslehrer Davidsohn, Palmstr. 22, Fernsprecher 27 582. Breslau. Dienstag, den 19. Februar 1929, nachmittags 16.30 (4.30) Uhr, im großen Saal des Hotels Bier Jahreszeiten, Vortrag Frau Bertha Falkenberg (Berlins: „Das jüdische Jahr im jüdischen Hause und die Pflichten der liberalen Frau". Frankfurt a. M. GeseNschastsabend des „Jli" Frankfurt a. M. unter Mitwirkung namhafter Künstler Sonntag, den 3. März 1929, in den Räumen der Frankfurt-Loge. Dienstag, 19. Februar, 20.45 Uhr, Heimabend. Georg Stierle: Sozialismus. Sitzungszimmer der Westend-Synagoge. Hatte a. d. Saale. Bereinigung für das liberale Judentum. General-Berfammlung am 19. Februar 1929, abends 20.30 Uhr, im Gemeindehause, 1. Etage. 1. Bericht über das vergangene Bereinsjahr. 2. Kassenbericht und Revision. 3. Wahl des Borstandes. 4. Referat: „Warum können nicht alle Liberalen als Mitglieder bei uns ausgenommen werden." (Herr Dr. Mar Hirsch.s 5. Referat: „In welcher Weise erfüllt die Gemeinde ihre Pflichten gegen Gemeindearme und -Kranke." (Herr Mar Sternfeld.s Zu beiden Referaten Aussprache. Plauen. Dienstag, de» 19. Februar 1929, abends ,20 (8) Uhr, im Bereinszimmer der „Sternwarte", Karlstraße 27, Vortrag George Koetz (Berlins, Generalsekretär der Vereinigung für das liberale Judentum e. B.: „Die Bedeutung des religiösen Liberalismus im Judentum". *'V*-**- ♦0"# >»$♦♦♦»♦»» »»+»>»+»■ vertt«»Rarhe«. Liberale Synagoge Norde«, Schönhauser Allee 162. FrrUag, den 15. Februar, 19.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Klein- Hermsdorf. Sonnabend, de« 16. Februar, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomoufki. Freitag, den 22. Februar, anISßlich des Boltstrauertages Gottesdienst mit Gedenk- und Seelenfeier. BerNu-Westend. Verein Liberale Syuagoge Westeud, Leiftikowstraße 7-8 (Schalaulas, nahe Reichskavzlerplatz. Jeden Freitagabend liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr püaktttch. Freitag, den 15. Februar, Predigt: Rabbiner Dr. Ealliner. Freitag, den 22. Februar, anläßlich des Boltstrauertages Gottesdienst mit Gedeuk- und Seeleufeier. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (iu der Aula der Cäcilienschnlr, Nikolsborger Platzs: Jede« Freitagabend liberaler Gottesdienst «U Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr püaktttch. Freitag, de« 15. Februar, Predigt: Rabbiner Dr. Salomoufki. Freitag, dev 22. Februar, anläßlich des Bolkstrauerlages Gottesdienst mit Gedeukuud Seelenfeier. was die Nächsten an ihn gehabt haben, insbesondere sein Sohn nick sein Haus, das sind zu heilige Tinge, um hiev in der Oeffentlichkeit erörtert zu werden. Wir alle haben ihn hier vor uns gesehen als Führer des Berliner liberalen! Vereins, als Vorstandsmitglied unserer Gemeinde, als Führer des deutschen liberalen Judentums, als Organisator der deutschen Judenheit, stets scharf und entschieden in seinen Forderungen, aber immer wahr, vornehm und ritterlich. Wo er stand, kämpfte er für Recht und Wahrheit. Zedek Zedek Tirdauf. Dem Recht der Gerechtigkeit strebte er nach, so lange er lebte. So lange die Wahrheit und die Gerechtigkeit lebt, wird Bernhard Breslauer im deutschen Judentum fortleben, so lange ein deutsches liberales Judentum seine Pflicht kennt, für religiöse Wahrheit und Freiheit zu kämpfen, wird er unsichtbar als Führer an unserer Spitze stehen. Wie wir glauben, daß Wahrheit und Gerechtigkeit schließlich doch im Leben des einzelnen und im Leben der Gesamtheit zum Siege führen, so wissen wir in dieser Stunde mit beglückender Klarheit, daß Bernhard Breslauers Werk nicht gefällt werden kann, sondern andauern und zum Segen sein wird für das Judentum und die Menschheit. Umschau Zu den religiösen Vorträgen in der Münchener Synagoge. Wir haben vor einiger Zeck Berichte über die Einrichtung von religiösen Botträgen in der Münchener Synagoge gebracht. In der Bayerischen Jsraelittschen Gemeindezeitung vom 1. Februar veröffentlicht nunmehr das Rabbinat der Jsrae lckischen Kultusgemeinde München, gez. Dr. Baerwald, die folgende Erklärung: „Religiöse Belehrung ist im Judentum von jeher in mannigfachen, den Bedürfnissen der Zeck angepaßten Formen dargeboten worden. Der Schriftverlesung und -erklärung alter Zeck hocken sich Deroschoh-Predigten und Borträge hinzugesellt; in neuester Zeit wählt man vielfach die Form der Lehrturse, um der Pflicht des Lernens und Lehrens zu genügen. Iu einigen Gemeinden sind seck Jahren Borträge m der Synagoge eingeführt; ein zweifellos glücklicher Ge¬ SfOltWERO^ iDoh ti'ch m e cke tut nahrhaft. danke, nicht nur deswegen, weil dem Gotteshaus sein Charakter als Lehrhaus wenigstens in bescheidenem Umfange wiedergegeben wird, sondern auch, weck die Weche des Ortes den feierlicher Ernst mancher religiösen Themen in wirkungsvoller Weise unterstreicht. Im Vorstand der Kultusgemeinde ist daher von den Vertretern aller Richtungen die Anregung begrüßt worden, den Versuch mit solchen religiösen Vorträgen auch in der hiesigen Haupftynagoge zu machen. Der Erfolg hat der Vermutung Recht gegeben, daß hiermck einem Bedürfnis Rechnung getragen werde; eine über Erwarten große Zahl von Besuchern, darunter bemevkenswerterwcise nicht wenige unserer nichtjüdischen Mitbürger, hat von der hier gebotenen Möglichkeit Gebrauch gemacht, sich über jüdische Religion unterrichten zu lassen. Für die dem Orte angepaßten Themen es hairdelt sich zunächst um solche, die Einleitungen in biblische Bücher darstelleu wurde zur Einführung in die Stimmung musikalische Umrahmung gewählt; beim Thema über die Psalmen war die Ergänzung durch den Bortrag einiger Psalmen geradezu notwendig. Als Zeck der Veranstaltung wurde ein unter den bestehenden Verhältnissen als geeignet erscheinender Tag gewählt. Daß im Winter der Sonntag Nachmittag sich ocks passend darbietet, bedarf keiner Begründung, wobei natürlich die Wahl von Wochentagen im gegebenen Fall nicht ausgeschlossen ist. Eingeständnis eigener Unsicherheit wäre es, wollte man bei der Wahl des Tages gerade auf den Sonntag verzichten. Die Vorträge haben den Anspruch, für das genommen zu werden, als was sie angekündigt waren: „Religiöse Vorträge". Die Veranstalter sind nicht verantwortlich für Bezeichnungen, die vielleicht von anderer Seite gebraucht worden sind. Sie sind keine „Sonntagsfeiern", noch viel weniger „Sonntagsgottesdienste". Wer Augen hat, zu sehen, und Ohren, zu hören, konnte sich überzeugen, daß davon nicht im enfterntesten die Rede war. Ein der Neigung zunr Sonntagsgottesdienst gewiß nicht verdächtiger Mann wie Rabbiner Dr. Nobel s. A. hat keinen Anstand genommen, Vorträge am Sonntag Nachmittag in seiner Synagoge zu Hallen." Wir möchten wiederholt dem Wunsche Ausdruck geben, daß der in der Münchener Gemeinde beschnittene Weg baldmöglichst in allen Großgemeinden gegangen wird. Religionsvergchen int neuen Strafrechtentwurf. Der Rechtsausschuß des Reichstags beriet kürzlich die Bestimmungen über Religionsvergehen, darunter die strafrechtliche Ahwdung der „Störung des religiösen Friedens mid der Totewruhe". Der Vorsitzende, Abg. Dr. Kahl (Deutsche Volkspartei), betonte, daß nach dem österreichischen Entwurf nur einer gesetzlich anerkannten Religionsgesellschaft ein strafrechtlicher Schutz zugebilligt werde. Die vorliegercken Paragraphen böten keinen Anlaß zu einer sachlichen Kritik. Sie seien der Zeit entsprechend ausgestaltet. Wesentlich sei, daß im Gegensatz zum bisher geltenden Recht, nach welchem nur der Gottesdienst in Kirchen unter einen besonderen gesetzlichen Schutz gestellt sei, jetzt jeder Gottesdienst darunter gestellt werde. Ein Fottschritt bestehe in der Bestimmung, daß auch jede Bestattungsfeier geschützt werde. Die grundsätzliche Frage sei, ob der religiöse Friede überhaupt durch strafrechtliche Bestimmungen geschützt werden müsse. Bei der Beantwortung dieser Frage sei es unzweifelhaft, daß ein Staatsinteveffe vorliege, das nicht etwa nur stillschweigend anerkannt sei, sondern ausdrücklich bestehe. Das Kirchenrecht sei ein Bestandteil des öffentlichen Rechts. Der Staat identiftziere sich nicht mehr mit einer bestimmten Religionsgemeinschaft oder Kirche, wohl aber stelle er die Religion als solche als ein für dm Staat und für die Gesellschaft wertvolles immaterielles Rechtsgut dar und gewähre ihr infolgedessen auch einen besonderm straftechtlichm Schutz. (Jta.) Die Seventh Dominion League in London gebildet. Unter dem Vorsitz des Unterhausmitglieds Colonel Josiah Wedgwood Kurde im Sitzungssaal! des Unterhauses eine Beratung abgehalten, in der beschlossm wurde, eine mergische Aktion zur Bereinigung der britischen und jüdischen Interessen rn Palästina einzuleiten. (Sitte Liga wurde gebildet, die für die Umwandlung Palästinas in ein (siebmtes) englisches Dominion tätig sein soll. Hauptziel der Liga ist es, dre Entwicklung Palästinas als das Nationalheim des jüdischen Volkes zu fördern und sich zu diesem Zwecke der Mitarbeit des jüdischen Volkes wie der britischen Administration zu versichern. Diese Arbeit ist in einer Weise zu führen, daß bei Ablaus des britischen Mandates für Palästina Bedingungen im Lande bestehen, die es der Bevölkerung gestatten, den Status eines sich selbst regierendm Dominions innerhalb des britischen Staatenbundes (Brittsh Commonwealth 07 Nations) zu wählen. Tic Liga vereinigt Personen, die in dem Ausbau Palästinas das gemeinsame britische und jüdische Interesse im Auge haben. Die erste öffentliche Kundgebung der Liga findet am 26. Februar in ver Caxton Hall statt. Anstoß zur Bewegung jür die Umwandlung Palästinas in ein britisches Dominion gab Wedgwoods Buch „The Seventh Dominion", das eine große Verbreitung gefunden hat. Volkstravertag. Auch in diesem Jahre hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, in dan die jüdische Glaubensgemeinschaft vertretm ist, beschlossen, einm Bolkstrauertag zur Ehrung des Andenkens der im Weltkriege gefallenen Soldaten zu begehen. Dafür ist Sountag, der 24. Februar, bestimmt worden. An dibftm Tage sollen religiöse und weltliche Gedenkfeiern veranstaltet und Vergnügungen und Lustbarkeiten eingeschränkt werden.

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