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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-02-08 · 6 (8.2.1929) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
6 (8.2.1929)
Date
1929-02-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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M werde» kann, wird sein Hilfsbedürfnis die Abneigung gegen die Formel überwinden. Ueber eines aber muß sich der Zionist klar werden: Seine Mitarbeit am Aufbau Palästinas bedeute nicht die Aufgabe seiner Opposition gegen den Grundgedanken des Zionismus, daß die Juden eine Nation sind. Als amerikanischer, deutscher oder französischer Jude ist er bereit, den palästinensischen Juden zu helfen, in nationaler Beziehung aber bedeutet ihm Palästina nichts, kann ihm auch nichts bedeuten. Dies ist nicht bloß eine theoretische Erklärung, sondern es hat praktische Konsequenzen. Die ganze Lebmsführung eines Juden erhält ihre Farbe davon, ob er das Judentum als Nation ansieht oder nicht. Der Jude, der an jüdische Nationalität nicht glaubt, nimmt »ollen Anteil am Leben und der Kultur seiner Nation. Tie liberalen Juden in Deutschland haben einen Vorbehalt bezüglich ihres Eintritts in die Jewish Agency vorgeschlagen. Sie wünschen ein Staatement, welches ihre Haltung gegenüber dem Zionismus anerkennt. Es ist nur natürlich und richtig, daß klar gemacht wird, daß die Jewish Agency, wenn sie Nichtzionisten einschließt, dem jüdischen Nationalismus nicht ausgeliefert wird. Tie Jewish Agency ist weder zionistisch noch antizionistisch, sondern eine Organisation, die den Juden Palästinas wirtschaftliche Hilfe seitens amerikanischer, deutscher, englischer usw. Juden bringen soll. Tie Nichtzionisten mögen in aller Aufrichtigkeit um die Feststellung ersuchen, daß die Jewish Agency eine nationale Bedeutung nicht hat und die Zionisten mögen in gleicher Aufrichtigkeit zu einer solchen Feststellung bereit sein. * Aus den Gemeinden Berlin. (Die V e r j u ö u n g b c z Rundfunks und d i c i c u fi i f d) e i ccti nfl.) Bekanntlich hat bic deutjche Fraktion im Preußischen Landtag in einer Anfrage gefordert, daß das Ämtsche Wesen auch im Rundfunk zur (Geltung komme uud dazu be^ merkt, daß „allgemeine Erbitterung über die fortschreitende Verjudnng >er Vorträge herrsche". Ministerpräsident Braun hat nunmehr die folgende Antwort erteiu: „Die Programmgestaltung und der Abschluß der Verträge mit den im Rundfunk wirkenden Künstlern ist Sache der Sendegesellscharten." Berlin. (Ä o r o e r e i l u n g u :i |t n 1 t.) Die Vorvereüungsan sta>r für füdifcht' Lehrer und Lehrerinnen in Berlin eröffnet eine neue Schulklasse. Näheres nehe Inserat. Berlin. (K o n z e r i ü e r B e r e i n i g mi S y n a g o g e n chöre.) Die „Vereinigten Chöre der Berliner Gemein d e s h u a g o g e n" gaben am Dienstag, den 5. Februar, ihr zweites Konzerl. Im Gegensatz zum Bvrjabre hat der Abend in der Hauptsache Chorwerke gebracht. Das lebhafte Interesse, das den Leistungen des Chores aus allen Teilen der Gemeinde und besonders naturgemäß aus den Kreisen der Synngogeiivorständr entgegcngebracht wird, läßt die bei dein letzten Konzert ausgesprochene Hoffnung, daß sich aus der vorläufig nur sporadisch austretcnden Veranstaltung eine feste Vereinigung bilden möge, die eine im Rahmen des musikalischen .Lebens Berlins beachtliche Stellung eiunehmen kann, in greifbarere Nähe rücken. Ueber die Darbielungen selbst ist zu sagen, daß der Chor m i t seinen Ausgaben gewachsen ist. Sein Dirigent Alexander Weinbau m hat es sich angelegen sein lassen, den Chör vor Ausgaben zu stellen, an die man bisher bei der Aufführung geistlicher Werke durch jüdische Chöre nicht gelvohnt war und man kann die Feststellung machen, daß sich der Chor mit dieser Höhersctzung seiner Zwecke ausgezeichnet abgefunden hat. Schwierige Chorwerke, wie das „Un'ssane taukes" von Milncr und der „90. Psalm" von De l a Motte F o u q u 0. gelaugten in einer musikalisch durchgeistigten abgerundeten Form zur Aufführung. Besonders dei dem letzteren Werk zeigte sich ganz eklatant die Frucht der mit allseitiger Hingebung vorgenommenen Vorbereitung durch die Selbstoerstündlichleit, mit der der Chor dem schlvicrigen Werk gerecht wurde. Die Komposition selbst, in manchen Teilen von einer ein ichmeichetnden Süße und Innigkeit, erhebt sich zum Abschluß zu einer nicht oft gehörten Größe des Ausdrucks. Es iväre zu wünschen, dem beachtlichen Werk auch sonst in Konzertsälcn zu begegnen. Von den übrigen Kompositionen des hebräischen Teils begegnete die znm ersten Mal aufgeführlc Komposition des „Mrsmaur schir l'jaum haschaboß" oon Arno Nadel starkem Interesse. Herr Nadel, der seine Motive aus der alten synagogalen Tradition holt, zeigt sich auch hier wieder, ivie wir ihre des öfteren in Konzerten kenncn-gclcrnt haben, als ein mit den Mitteln der modernen Musik vertranter Komponist. Dies merkt man auch seiner zu den Stücken von W c i n t r a u b und Sülze v geschriebenen obligaten Orgelbcgleitung an, in der er den Sinn der Kompositionen noch besonders herausarbeitct und unterstreicht. Für den Vortrag dieser Stücke war Herr Obcrkantor Gol l a n i u gewonnen worden, der in gewohnter Einfühlung in den Stimmungsgehalt des Chasonus reichen Beifall erntete. Im Solo ouariett des 103. Psalms von Lewandowsli fanden sich die T-amen Paula Liachowsky, Hilda Lind und die Herren Tr. Willy Rose nt hat uud Kammersänger Alfred Glast aufs beste :nü ihrer Ausgabe ab. Den Schluß des Konzerns bildere ein frohoewegrcs Arioso unv Chor aus dem l-Oratvrium „Esther" von Händel. Der Organist Herr Zepke harte durch seine feinfühlige Begleitung der Solisten und des Chores und besonders durch die bewährte, farbenreiche Schattierung der Ocgelregister viel zum Gelingen ses Abends beigetragen. Berlin. (Werbe ardert für den Hilssvcrcin der deutschen Juden.) Im Betsaal der Synagoge Kottbuser User fand auf Einladung der Vorsitzenden der Bezirkswohlsahrisämtcr sowie der Synagogengemeinden Lindenstraße, Neukölln und Süden, ferner der Rabbiner dieser Bezirke eine Versammlung zur Werbung für das Werk des .HilsSvereinS der deutschen Juden statt, die zahlreich besucht tvar und sehr eindrucksvoll verlies. Herr Hermann Müller, Vorsitzender des BezirkSwohlfahrtSamtcs Neukölln, kvics auf die Wichtigkeit der Veranstaltung hin, die der Erörterung der Ziele und Aus gaben einer der größten jüdischen Wvhlfahrtsorganisatiouen gelte. Herr Rechtsanwalt Dc. BiteSki, Mitglied des Gefchäftsführenden Ausschusses des HilsSvereinS der deutschen Juden, schilderte die Rolle, sie der Hilfsverein in dem jüdischen Hilfswerl vor und nach dem Kriege gespielt' habe und erörterte die großen positiven Hilss- und Aufvauausgaben des Hilfsvercins. Hierauf hielt .Herr Dr. M. W i schul tz e r, 0-cueralsekrclär deS HilsSvereinS der deutschen Jrrdcn, einen Bortrag über die zahlreichen Arbeitsgebiete des Hilfsvereins in der Bor und Nachkriegszeit. Herr Rabbiner Dr. Bleich rode führte aus, die Arbeit des HilsSvereinS habe stets daraus hmgezielt, den kfseist des Judentums zu erhalten und zu fördern. Im Hrlfsvercin haben stets Männer aller religiösen Schattierungen einträchtig zusammengearbeitet. .Herr Rabbiner Dr. Kantorowsky wies auf die nach wie vor bestehende Notwendigkeil hin, für die wegen ihres Glaubens bedrängten und verfolgten Juden im Osten und im Orient einzutrctcn. Herr Julius Le >vy, Vorstandsmitglied der Synagogengemeinde Kottbuser Ufer, gab zum Schluß seiner Befriedigung über den guten Besuch der Versammlung Ausdruck. Er betrachtete cs als heilige Pflicht, den Hilfsverein der deutschen Juden tatkräftig zu unterstützen. ' Auf Vorschlag des Vorsitzenden, Herrn Müller, wurde ein Komitee des Hilfsvereins gebildet, in das als Vertreter der Bezirke Lindenstraße, Neukölln und Süden die folgenden Herren gewählt wurden: Rabbiner Dr. I. Bleichrode, Henry Feilchenfeld, Theodor Herzog, Rabbiner Dr. G. Kantorowsky, Julius Lewy, Hermann Müller, Heinrich Roß, Rabbiner Dr. M. Warschauer, Adolf Wittkowski. - Das Komitee hielt bereits seine erste Sitzung ab. Es wurde beschlossen, die Werbearbeit für den Hilfsverein in den drei Bezirken sofort aufzunehmen. — Zum Vorsitzenden des Komitees wurde Herr Rabbiner Dr. Kantorowsky gewählt. * Versammlungskalender * Aachen. Sonntag, den 17. Februar 1929, abends 8.30 Uhr (Saal wird noch belaual gegeben): Hauptversammlung mtt folgender Tagesordnung: a) Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden, b) Wahl de« Vorstande», c) Vortrag des Herr» Dr. Wallerstein, Aachen: „Lrziehnngsfragen". Breslau. Jüdisch-liberaler Jugeadverei« „Abraham Geiger". Mittwoch, de« 13. Februar, 29.15 Uhr, im vereinslokal „Soziale Gruppe" Kaiser Wilhelmstraße 16, Vortrag des Herr« «emeinderabbiner Dr. Bogelstein: Jüdische Apostel. Frankfurt a. M. GeseUschastsabend des „Jli"-Frankfurt a. M. unter Mitwirkung namhafter Künstler Sonntag, den 3. Mär; 1929, in den Räume« der Franlfurt-Loge. Frankfurt a. M. Am Donnerstag, den 21. Februar 1929, abends 8.30 Uhr, spricht aus Veranlassung des Freisinnigen Vereins für jüdisches Gemeindrleben E. B. Frankfurt a. Main im großen Saal des Frankfurter Hofs der bekannte Berliner Schriftsteller Georg Hermann über dar Thema: ,^>ie Juden als Autoren in der modernen deutschen Literatur". Vorverkauf bei Lina Schott und Firnberg. G Gottesdienste LerNu-Rorven- L»berate Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Freitag, den 8. Februar 1929, 19.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Hermann Fallenberg. Sonnabend, den'9. Februar, vormittags 19 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonfti. Freitag, den 15. Februar, 19.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Klein-Hermsdorf. Sonnabend, den 16. Februar, vormittags 19 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonfti. Berlin-Westend. verein Liberale Synagoge Westend, Leistikowstraße 7-8 iSchul- Mita), nahe Reichskanzlerplatz. Jeden Freitagabend liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr pünktlich. Freitag, den 3. Februar 1929, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonfti. Freitag, den 15. Februar, Predigt: Rabbiner Dr. Kalliner. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Aula der Cacilienfchule, Nikolsbnrger Platz): Irden Freitagabend liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr pünttlich. Freitag, den 8. Februar, Predigt: Rabbiner Dr. Klein-Hermsdorf. Freitag, den 15. Februar, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonfti. Bochum. (B v in st ä d l i s ch c n j ü d i s ch cn Kindcrho rt.) Im Juli 1926 wurde der Kinderhort des Jüdischen Frauenbundes. flcßvüubcl. Die Leitung des Kinderhortes, der in der israelitischen Volksschule untergebracyt ist, geschah zuerst ehrenamtlich durch Mitglieder des Frauenbundes. Etwa -1 Iahe später wurde der Hort durch die Initiative des Frauenbundes von d e r S t a d t übernommen. Während der Herbstferien 1928 wurde zum ersten Maie eine Ferienfürsorge eingerichtet, wozu die Stadr die Mittel stellte. Tie Kinder konnten vormittags im Hort spielen und sich betätigen, während an den Nachmittagen kleinere und größere Ausflüge stätifänden.' Durch Spenden von Damen des Frauenbundes >var es möglich, auch einige Kinderfeste zu veranstalten, so daß auch die in den Ferien zu Hause gebliebenen fröhliche uud srettdige Tage erlebten. Braunschwtig. (Anschläge gegen die Synagoge.) In der Nacht voni 6. aus den 7. Dezember v. I. und auch schon vor diesem Zeitpunkte sind von den vor den Portalen der Synagoge befindlichen Gickertüren 4 Eiscnverzierungsspitzen mutwillig herausgebrochen und vor die Türen aus die Straße gelegt worden. Der gleiche Vorgang wiederholte sich in den Nächten vom 19. aus den 20. Dezember und vom 22. ans den 23. Dezember v. I. Im ganzen sind 13 Bcrzierungsstäbe herausgebrochen worden; ein vierzehnter wurde stark umgebogen, ließ sich aber nicht adbrechen. Da Eiscnspitzen nicht mitgenommen wurden, handelt es sich offenbar um einen demonstrativen Akt von besonderer Roheit. Am Abend des 18. November v. I. wurde das Eisengitter überstiegen und an einer der Eingangstüren zur Synagoge ein kleines Holzwollscuer angelegt welches aber nur unter der Tür hindurchgeschwelt und einen kleinen dunklen Fleck auf den Fliesen der Borhalle unmittelbar hinter der Tür hinterlassen hat, ohne weiteren Schaden anzurichten. Der Central- Berein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, die Jüdische Gemeinde und die Behörden haben eine Belohnung für die Entdeckung der Täler ausgeseht. Bisher ist die Ermittlung der Täter jedoch noch nicht gelungen. Brestall. (Falsche r R a b b i II e r.) Der angebliche Rabbiner und akademische Religionslehrcr Dr. Phil. Oskar Papo wurde vom Fahndungskommando in dem Augenblicke sestgenommen, als er im Begriffe stand, zahlreiche Werke der hiesigen Staatsbibliothekaus denen er die Eigentumsmerkmale entfernt hatte, zu verkaufen. Die Durchsuchung seiner Wohnung und Beschlagnahme zweier bei einem hiesigen Spediteur lagernden Kisten führte zu der Feststellung, daß der Festgenommcne der von zahlreichen Behörden steckbrieflich gesuchte Friedrich Notelen, geboren am 18. September 1900 in Nikolsburg (Tschechoslowakei) ist. Notelen führte zahlreiche gefälschte Rabbiner-Tiplome der Rabbiner-Schule in Amsterdam in seinem Gepäck. Er hatte zuletzt als Prediger der jüdischen Geiueinde in Rosenberg (Oberschlesien) amtiert und führte auch den Polizeiausweis der Polizeiverwaltung in Rosenberg als Prediger Oskar Papo, preußischen Staatsangehöriger. Breslau. (A u s st e l l u u g d c s Vereins „Jüdisches Museum".) Der Verein jüdisches Museum zu Breslau wuchs vor allem durch die unermüdliche Arbeit seines Vorsitzenden Max Silberberg in wenigen Monaten zu außerordentlichen Leistungen empor und fand in dem Breslauer Museumsdirettor Professor Dr. Erwin Hintze einen verständnisvollen Kenner und musealen Berater. Drei Monate wurden dazu verwandt, um das Material zu sichten und sinnvoll aufzubauen. Die feierliche Eröffnung, die in Gegenwart der höchsten Behörden Breslaus am Sonntag, den 3. Februar 1929, stattfand, wurde nach begrüßenden Worten durch eine tiefangelegtc Rede des Dozenten am jüdisch-theologischen Seminar Dr. Heinemann eingeleitet. Sodann nahm Professor Hintze das Wort, um in die Ausstellung im Einzelnen einzuführen. Wir stehen vor dem Bilde der Salvatorkirche in Oels. In der jüdisch-theologischen Gruppe sehen wir Bilder von Salomo Abraham Tiktin und Abraham Geiger friedlich nebeneinander, die einstmals rn Breslau schwere geistige Kämpfe miteinander ausfochten, die die ganze Judenhert in Erregung setzten. Der Silberschatz der heute nicht mehr bestehenden Zülzer Gemeinde, Mokaum Zaistnk genannt, Ort der Gerechten, well diese Stadt nie diese Inden vertrieb, erzählt von einer einst blühenden heiligen Gemeinschaft. Der Almemor ist hier wieder so aufgebaut, wie er einstmals in Zülz gestanden hat. Prachtvolle Kidduschbccher, herrliche Rimynim berichten von der Innigkeit unseres Gottesdienstes und von der Liebe, die man der Ausstattung der Dinge widmete, die man zum Kult gebrauchte. Das Eigenartig« im Aufbau der Ausstellung tritt hier besonders hervor. Jeder Festtag zeigt sich dem Beschauer als ein geschlossenes Ganzes. Und wer diese Räum« durchwandert, läuft durch das ganz« jüdische Jahr. Srol!:WERCl-( iDoh Ifch meckc nd i nahrhaft. Dinslaken. (G o t b c u c Hochzeit.) Unter allgemeiner Teilnahme beging das ehemalige Mitglied des Repräsentanten-Kollegiums L. Elkan mit seiner Gattin das Fest der goldenen Hochzeit. In der Synagoge wurde in festlicher Andacht des Ereignisses gedacht. Das Jubelpaar war außerdem Gegenstand vieler Ehrungen. Als ehemaligem Veteran von 1870 wurden dem Jubel-Bräutigam durch tu» Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, den Kricgervereiu und den Ktzffhäuscrbuud Aufmerksamkeiten erwiesen. Tie Stadtverwaltung ließ dem früheren Stadtverordneten Glückwünsche und eine Blumenspende übermitteln. Der Reichspräsident hatte ebenfalls ein Glückwunschschreiben gesandt. Gilserberg. (Persönliche s.) Im 91. Lebensjahr verstarb der frühere Gemeindeälteste M. Stahl. Vier Jahrzehnte hat er die religiösen Interessen der kleinen (Gemeinde mit Umsicht und Energie vertreten. 'Im Jahre 1918 konnte er mit seiner Gattin, die ihm vor zwei Jahren in die Ewigkeit vorausging, das Fest der goldenen Hochzeit stiern. Trotz seines hohen Alters war der Greis bis kurz vor seinem Tode noch verhältnismäßig gesund und geistig rege. D«S große Traucrgefolgc, das seiner Bahre folgte, bezeugte allgemeine Beliebtheit und Achtung, deren er sich in weiten Kreisen erfreute. Gladbeck. (Aufklärung der F r i e d h o fs sch ä n du n g.) Der Gladbecker Kriminalpolizei ist es gelungen, die Fried ho fsschäüdung, die in der Nacht vom t9. zum 20. Januar auf dem Gladbeckev israelitischen Friedhof begangen wurde, aufzuklären und die Täter in Hast zunehmen. Es handelt sich um zlvei 17 jährige Burschen, V0« denen der eine der Gladbecker Ortsgruppe der Nationalsozialistischen. Arbeiterpartei bis zwei Tage vor der Tat angehörte, dann aber seinen Austritt erklärte, weil Die Partei nicht aktiv genug sei. Auch der andere hatte an den Veranstaltungen der Partei keitgeirommen. Kassel. (7 0. Geburtstag.) Frau Clara Mosbacher, geb. Gotthelft, Witwe' des 1927 verstorbenen Fabrikanten B, Mosbacher, beging dieser Tage in körperlicher und geistiger Gesundheit ihren 70. Geburtstag. Als Vorstandsmitglied des Schlvesternbundes hat .sie viele Jahre die gemeinnützigen Interessen des Vereins mit Eifer s vertreten und auch das von der Organisation begründete Mädchcnheim tatkräftig gefördert. Künstlerischen Bestrebungen brachte die Greisin stets erhöhtes Interesse entgegen; auch der Musik, die sie früher mft Vorliebe pflegte, gehörte ihre besondere Aufmerksamkeit. Kölligsberg Pr. (I u st i z r a t B o g u s ch gestorben.) Hi^c verstarb Jnstizrat Paul Bogusch, ein hochangesehener .Vertreter des Antvaltsstandes, der sich auch im jüdischen Leben unserer Stadt hervorragend betätigt hat. So gehörte Bogusch zu den Gründern der Königsberger Ortsgruppe des Centrnlvercins, in der er eineinhqlb Jahrzehnte das Amt eines Schriftführers verwaltete. Auch der Repräsentantenversammlung hat er lange Jahre hindurch angehört unjb an den Geschicken der, Tynagogengcmeinde regen Anteil genommen. Weiterhin gehörte er den Kuratorien der Koschschen Waiscn-Erziehungsanstalt und des Jüdischen Altersheims an. In beruflicher Beziehung nahm der Verewigte, der Syndikus der Darmstädter- und Nationalbank war, ebenfalls eine, hochgeachtete Stellung ein. Die Trauerfcier, bei der Oöcmeinderabbiner Tr. Lew in die Verdienste des Entschlafenen würdigte, zeugte von der starken Wertschätzung, die der Verewigte in den weitesten jüdischen und nichtjüdischen Kreisen genossen fyu. - Magdeburg. (R c p r ä s e n t a n t e n w a h l.) Am 23. Januar fand hier die Rcpräscntantcnwahl statt. - Wie bereits berichtet, ist es zu -einem Kompromiß zivischen der Volkspartei und den Liberalen gekommen. Die Liberalen erhielten 6 Sitze, während die Volks- Partei 2 Sitze bekam. Getvählt wurden von den Liberalen: RechtKanwalt Dr. Merzbach, Prakt. Arzt Dr. Winter, Kaufmann Wilhelm Kronheim, Kaufmann Gustav Gottschatk, Prakt. Arzt Dr. Wiesenthal, Kaufmann Benno Kallmann. Unter Berücksichtigung der im vergangenen Jahre stattgehabten Rcpräscntantenivahl, bei welcher ebenfalls ein Kompromiß zustande kanr, das beinahe durch das Auftreten einer neuen Gruppe zerstört »vurde, entfalten für die nächste Wahlperiode für die Liberaler 10 Sitze und für die Bolkspartei 5 Sitz« in der Repräsentanz. München. (T o z e n t u r für b i e Wissenschaft des Judentums an der Universität.) An der Münchener Universität ist auf Veranlassung des Ordinarius für semitische Phllologst^ Professor Dr. G. Bergstrasser, eine Dozentur für die Wissenschaft vom Judentunr errichtet worden. Zum Dozenten wurde Dr. Prys eruanyt. Die Wissenschaft vom Judentum erhält damit an der Münchener Universität erstmals eine offizielle Vertretung. Stettin. (S y n a g o g c n k o n z e r t.) Im Januar feierte das Israelitische Waisenhaus sein 75 jähriges Bestehen. AuS Anlaß des Jubiläums fand am Sonntag, den 27. Januar, ein Festkonzert m der Synagoge statt. Es wurde vom Chor der Berliner Synagüge Fasanenstraße unter Leitung seines Chordirigenten Schoenberger ansgeführt. Herrlich erklang die Orgel, die meisterhaft vom Organisten, Herrn Richard Altmann, gespielt wurde, anfangs in der Bachschen g moil-Fantasie, dann in einer Fantasie über Motive unserer Festgcsänge. Psalmen und Motetten, vom gut geschulten Chor gesungen, wechselten ab mit Sologesängen, die von Lotte Stein und Eugen Transky dargeboten wurden und von denen besonders die Arie a»S Haydns „Schöpfung^ und „Die Allmacht" und „Dem Unendlichen" von Schubert erwähnt seien. Auch hier wurden die Sänger höchst geschmackvoll vom Organisten begleitet, der die Register des wundervolk klingenden Instrumentes meisterhaft handhabte. — Mit diesem Konzert hat die Leitung des Waisenhauses allen Zuhörern etwas unvergeßlich Schönes geboten, das überall dankbar anerkannt wurde. : Kalendarium f. die Zeit v. 9.2. b. 16. 2. 29 Jnnuar 1929 Schrämt 5689 Sonnabend 9! 29 Neumondtveihe Wochenabschnitt: Mtschpottm Hastarah: Samuel I 30, 18—42 Sabbat-Ausgang: 5.49 Uhr Sonntag 10 30 1. Tag Rösch Chodesch Adar I 5689 Montag 11 l 2. Tag Rosch Chodesch Dienstag 12 i 2 Mittwoch 13; 3 Donnerstag 14 i 4 Freilag 15! 5 Sonnabend 16 6 Wochcnabschnitt: Terumoh Hastarah: König« I Kap. 5, 36 bis 5, 33, 6, 1—6, 13 Sabbat-Ausgang: 6.08 Uhr

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