Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-02-08 · 6 (8.2.1929) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
6 (8.2.1929)
Date
1929-02-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2613366-2614000-2614006--3039-2620579
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

diese Genossenschaften auch in den Stabilisierungsjahren im j Interesse des Mittelstandes geleistet wurde, erwies mit Deut- , lrchkeit die Zweckmäßigkeit genossenschaftlichen Zusammenschlusses für die Erhaltung einer Wirtschaftsgruppe. Für diejenigen, die sich schon seit Jahrzehnten mit der deutschen Genossenschaftsbewegung befassen und ihre Segnungen kennen, mußte daher der Gedanke, durch Gründung einer igienossenschaftlichen Wirtschaftsorganisation dem notleidenden jüdischen Mittelstand zu helfen, nahe liegen. Tabei mußte die wichtigste Aufgabe sein, durch eine solche Genossenschaft dm Mitgliedern Kredite zur Aufrechterhaltung ihrer Betriebe zuzuführen. So kam die Gründung des Jüdischen Kreditverein für Handel und Gewerbe e. G. m. b. H., Berlin C2, Neue Promenade 3, zustande. Gegen diese Gründung ist geltend gemacht worden, daß sie auf einer einseitigen konfessionellen Basis aufgebaut und überflüssig sei, da genügend gewerbliche Kreditgenossenschaften, die mit allen Bolkskreism arbeiten, vorhanden seien. Es kann zugegeben werden, daß die bereits besteheirden städtischen Genossenschaften, genossenschaftlichen Volksbanken, ihre Ticnste allen Berussangehörigen des geiverblichen Mittelstandes zur Verfügung stellen. Diese Genossmschaften muß ten jedoch in den Wieücraufbaujahren vor altern denjmigen Mitgliedern Kredite gewähren, welche schon in der Vorkriegszeit in ihnen ihre gegebene Bankverbindung erblickt hatten, und die schon in der Vorkriegszeit mit Krediten durch sie versorgt worden waren. Gegenüber neu beitretenden kreditsuchenden Mitgliedern mußten' Liese Genossenschaften mit: Rücksicht aus die bescheidenen Mittel eine gewisse Zurückhaltung über:. Ta der jüdische Mittelstand in der Vorkriegszeit dank eigener Kapitalkrast nicht so sehr wie der sonstige deutsche Mittelstand auf Bankkredite angewiesen war, entstand für die jetzt kreditbedürstig gewordenen jüdischen Mittelständler, vor allen Dingen in Berlin mit seinem recht großen gewerblichen jüdischen Mittelstand, eine Lücke, die in irgend einer Form ausgesüllt werden mußte. Ties konnte, ' wie die Entwicklungsziffern des Jüdischen Kreditvereins zeigen, mit Erfolg geschehen. Tie Zahl der Mitglieder des Jüdischen Kreditvereins stieg binnen 6 Monaten auf rund 30t) mit rund 400 Geschäftsanteilen, die voll der Genossenschaft gewährten Kredite stiegen auf über 130 000 Rm., die Summe der diskontierten Wechsel gus über 33 0 00 0 Rm.; das eigene Vermögen betrug am 31. Oktober 1928 rund 100000 Rm., wovon mehr als die Hälfte bereits einqe zahlt ist. Tiefe Erfolge zeigen, daß die Gründung einer« Bedürfnis entsprach und die Turchsührnng ans -.'irrer gefunden kaufmännischen Grundlage erfolgen konnte. Ter Ei uw and, daß die einseitige Zujairrmeriichung der Mitglieder reine genügende Risikomischung bedeute, trifft auf' den Indischen Kreditverein nicht zu, weil sie in Betracht kommenden jüdischen Mittelstandskreise den verschiedensten Wirtschaftsgrrchpcn und Bernsen, vor altern bcn verschiedensten Branchen des Kleinhandels sowie Erweerbsgrnppen des Harrdwerks ange höreri. Da aber das erfolgreiche Arbeiten einer so.cherr Kcedrt genosjenschast eine solche Berussnrischnng notwendigerweise vvr-- ausfetzt, kann auch der Gründung einer Genossenschaft nur dort das Wort geredet werden, iro, wie in Berlin, durch eine Musst er ang jüdischer Mittelstandsangehöriger die Bor ansfetzung für die Risikomischung vorliegt. Selbstverständlich,, war die Genossenschaft bisher rrrcht in der Lage) die .Geschäfte ohne Verbindung mit einem starken Geldgeber durchzusührcn. Tie Genossenschaft hat daher Anlehnung an die Genosjenschaftsabteilung der Dresdner Bank, das Zcntraltreditinstitut für die genosscnschaftlichcu Volksbanken, gesucht und gefunden. Selbstverständlich war die Genossenschaft bisher nrchc in der Lage, die Geschäfte ohne Verbindung mit einein starten Geldgeber durchzusühren. Tie Genossenschaft hat daher Anlehnung an die Genossenschastsabteilung der Dresdner Bank, das Zenlralkreditinstitut für die genossenschaftlichen Volts banken, gesucht und gesunden. Das Ziel des Jüdischen Kreditvereins wird fein ferne Kreditgeschäfte allmählich aus eigenen Mitteln (eigene:« Vermögen, anvertranten Depositen) durchzusühren. Es ist dies crne Grnndsorderung, die au alle Genossenschaften ge stellt wird, die aber nur dann erfüllbar ist, irenn sich eine genügende Zahl von Personen als Mitglieder anschließ,t. Schon vor 00 Jahren, bei den ersten Gründungen vor: Genossenschaften, war es Ziel der Bewegung, nicht nur die jcnigen Personen als Mitglieder an sich zu ziehen, welche mit Kreditwünschen an die Genossenschaften herantraten, son der« arrck) solche Personen, die, den Wirtschaftskreisen der Kreditsuchenden nahestehend, aus Solidaritätsgründen sich der Genossenschaft als Mitglieder anschlossen. Ter genossen-schast liche Grundsatz: „Alle für einen, einer für alle", fordert den Anschluß gerade derjenigen, die nicht zugleich mit ihrem Beitritt die Mittel der Genossenschaft für sich in Anspruch nehnicn wollen. Auch der Jüdische Kreditverein für Handel und Gewerbe e. G. m. b. H. muß daraus halten, seine Mitglieder nicht nur aus den Kreisen der Kreditsuchenden zu ergänzen, sondern auch aus den Schichten derjenigen Personen, die sich in einer wirtschaftlich glücklichen Lage befinden und einen Kredit nicht benötigen. Mit Recht hat sich daher auch der Jüdische Kreditverein an alle diejenigen Wirtschaftskraft gewandt, denen die Erhaltung eines gesunden jüdischen Mittelstandes am Herzeti liegt, uiid die iyil durch Unterstützung seiner Selbsthilseorganisation auf eine kaufmännisch wirtschastliche Weise 5« fördern suchen. Tie ideellen Ziele, die durch die Genossenschaft neben den wirtschaftlichen Erfolgen erreicht werden können, rechtfertigen einen Appell an die kapitalkräftigen Angehörigen aller jüdischen Kreise, und diese Ausfühl ungen sollen den Zweck haben, möglichst viele Glaubensgeiiosfcn zu veranlassen, dem jüdischen Kreditverein für Handel uiid Gewerbe e. G. m. b. H., Berlin C 2, Neue Promenade 3, als Mitglied beizutreten zur Stützung des jüdischen gewerblichen Mittelstandes. Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Postämter« Deutschlaad» m 3m Agency-Mufsioll Wir veröffentlichen nachstehend zwei besonders bc ' achtliche Neuerungen zur ^rage der Erweiterung der Jewish Agency und behalten uns eine eigene Stellung' nähme für später vor. Li« Leitartikel der frankfurter Zeitung Aus der Abendausgabe vom 29. Januar 1929. Der Zionismus hat sich in den letzten Jahren aus Mangel an finanziellen Mitteln in einer so kritischen Lage befunden, daß zeitweise schon von einer Katastrophe gesprochen wurde. Es war aber anzunehnien, daß es dabei nicht feiil Bewenden haben werde. Tie Zionisten haben eine sehr lebhafte Agitation geführt, deren wichtigstes Ergebnis darin liegt, daß die Jewish Agency numnchr auf eine breitere Basis gestellt werden wird, wovon sie sich nicht ohne Grund eine Vermehrung ihrer Mittel erwarten. Eine Hilfe kommt ihnen aber auch indirekt von England, das allerdings nicht daran beult, sich in Unkosten für die zionistische Idee zu stürzen. Es gibt vielleicht sentimentale Engländer, aber England ist sehr realistisch und auf sich bedacht. Es weiß natürlich ganz genau, warum es die Angelegenheit so arrangiert hat, daß ihm das Mandat über Palästina gegeben wurde. Tiefes Land ist für das Britische Reich ein außerordentlich lvichtiger Stützpunkt, politisch und strategisch iin Hinblick aus das Mittelmeer, aus Aegypten, ben Vorderen Orient und Indien. Aber oaß es dieser Stützpunkt sei, setzt auch die Ausführung einiger großen Projekte voraus. Sie sotten nun tatsächlich in Angriff genommen werden. Es handelt sich zunächst um die Pipe-Linie von Mossul her. Die Franzosen haben gewünscht, daß sie nach Alexandrette gelegt werde, die Engländer verlangten als Endpunkt Haifa. Nachdem die Schiebungen in der Verteilung des Ensslusfts aus die Turkish-Petrol-Company zu einem Abschlüsse gelangt sind, hat diese Gesellschaft für Haifa entschieden. Außerdem soll iiun auch die Bahn Haifa Bagdad in Angriff genommen werden. Das sind zw-ei große Unternehmungen, die nicht nur dein palästinensischen Hasen von Haifa Bedeutung geben, sondern auch, sowohl durch ben Bau selber wie nachher, zur wirtschaftlichen Belebung des Landes erheblich beitragen können. Indem England seine eigeueu Pläne ausfüyrt, leistet es also doch auch den zionistischen Bestrebungen eine indirekte Beihilfe. Hinzu kommt die Neugestaltung der Jewish Agency. Tie Balfour-Tettaratioii hat der gesamten Judenheit ein Anrecht au; Palästiita zugesprochen, und sie hat vorgesehen, daß eine Vertretung aller Juden als Jewish Agency über das zu errichtende „Nationalheim" mitbestimmen solle. Ta aber nur eme Gruppe, die zionistische, die Deklaration gewünscht hatte, hat das Palästina-Mandat die zionistische Organijation als die Agency anerkannt. Das war crn provisorischer Zustand nicht nur deshalb, weil er der Deklaration nicht entspricht, sondern noch mehr aus dem Grunde, weil die Zionisten allein nicht imstande wären, Palästina umzubauen. Tic Zionisten sind eine kleine Gruppe, sie machen nur einen ganz geringen Prozenlsatz aller Juden aus, und auch die Mittel, die sie schon in Palästina investiert haben, slavimeii zum großen Teile von Nicytzionisten. Die überaus kritische Lage ihres Unternehmens in den letzte:: Jahren hat ihnen einen neuen Ansporn gegeben, Gruppen nichtzionistischcr Inden zu interessieren. Das ist ihnen zunächst mit den Amerikanern gelungen. Tic Marshall-Gruppe wird in die Jewish Agency eintreten, nachdem sich das zionistische Aktions komitee mit den Abmachungen einverstanden erklärt hat. In der Debatte des Aktionskomitees hat die Neuerung, deren wichtigster Punkt die Sipe der Agency zu gleichen Teilen den Zionisten und den Nichtzionisten zuspricht, heftigen Widerstand bei den sogenannten Revisionistei: (der Gruppe Jabotinski) gesunden. Sie sehen in der neuen Agency die Zerstörung der zionistischen Organisation und hatten sie für einen Unsinn. Auch der Vizepräsident des Aktionskomitees, der Ante rilaner Wise, sieht in dem Uebereinkommen einen Verzicht aus den. Zionismus. Aber die große Mehrheit des Komitees hat die Abmachungen gebilligt, und es wird gar kein Hehl daraus gemacht, daß man hofft, nunmehr Geld zu bekommen. Die nächste Frage, abgesehen von den organisatorischen, ist die, ob es den Zionisten gelingen wird, attch die Juden anderer Länder, insbesondere die deutschen Nichtzionisten, für die nnte Jewish Agency zn gewinnen. Eine Diskussion darüber l>at schon begonnen. Einige Deutsche, die das Wort ergriffen haben, weisen auf das .Hemmnis der Balfour-Teklaration hin und fordern, daß sie abgeänderi werde. Es ist nicht zu erwarten, daß man diese Forderung erfüllen werde, aber es läßt sich allerdings mchi bestreiten,'daß die großen Schwierigkeiten, die der Zionismus den andersgesinnten Juden bereitet, hauptsächlich von der Bad four-Teklaration, nämlich von der Bestimmung herrühren, daß rn Palästina das „Nationalheim für das jüdische Volk" errichtet werden soll. Wenn diese Bestimmung nicht existierte, wäre dte Sache, soweit es sich um das Grundsätzliche handelt, verhältnismäßig einfach. Niemand brauchte etwas dagegen zu haben, daß tn Palästina Juden angesiedelt werden, im Gegenteil, Kolonisation und Ausbau würden einhellige Beurteilung finden, und wir wüßten auch nicht, was gegen den Versuch, in Palästina eine neue jüdische Kultur ins Leben zu rufen, cinzuwendeil wäre, außer etwa vas eine, daß man ihn skeptisch betrachten kann. Man hat ja auch überall anerkannt, daß, die Zionisten, obgleich sie viele Fehler begingen, in Palästina etwas geleistet haben, und man hat allen Respekt vor der Energie und der Opferbereitschaft der jungen Proniere. Aber die Deklaration ist nun einmal da, sie wird auch voraussichtlich nicht abgeändert werden, und hier liegt die entscheidende Schwierigkeit. Manche deutschen Juden, die keine Zionisten sind, glauben, sic durch eine private Gegcndeklaration umgehen zu können. Sic sagen etwa, die Erklärung der Balfour-Teklaration, daß die rechtliche Stellung der Juden in ihren Heimatländern unverändert bleiben solle, genüge nicht: sie würden mit der ausgesprochenen und von den Zionisten anzuerkennenden Gesinnung in die Agency gehen, daß sie nicht nur rechtlich, sondern auch volklich Mitglieder ihrer Heimatländer blieben und sich nicht als Glieder eines jüdischen Volkes betrachteten, dessen Nationalheim Palästina wäre. Tiefe deutschen Juden wollen also betonen, daß ihre Mitarbeit rm Rahmen der Agency keine Anerkennung der Phraseologie der Balfour-Deklaration außerhalb Palästinas bedeute. Ihr Standpunkt ist dieser: Palästina ein Nationalheim für diejenigen, die dort national leben wotten, im übrigen nationale, geistige, religiöse und rechtliche Unabhängigkeit in der Diaspora. Die Zionisten würden sich mit dieser Stettungnahme sicherlich abftnden. Es fragt sich, ob die nichtzionistischen deutschen Juden selber erwarte» dckchlen, mit einer solchen Grenzlinie genug getan zn haben. Wir haben nicht die Absicht, heute aus alle die Argnmen» zurückzukommen, die gegen den Zionismus sprechen. Ab«r da» eine muß hcroorgehoben werden, daß die Zionisten nicht damit rechnen können, dauernd auch in manchen Krelfe«, die persönlich mit Zion nichts zu tun haben, auf eine ihnen entgegenkommende Stimmung zu stoßen. Zeiten ändern sich, inzwischen werden sich die Zionisten in eine Minderheite». Position hineinmanövnert haben, was selten angenebm i» und in der Regel seine Konsequenzen hat. Wenn sie krotzde« aus Ueberzeugung daber bleiben, daß sie nicht zur deutschen Nation gehören, so ist dann weiter nichts darüber zu jage». Es handelt sich hier auch nicht um sie, sondern um die anderen. T:e deutschen Juden befinden sich nicht in derselbe Situation wie die englischen. Es gibt britische Untertanen^ die Araber sind, es gibt Ebenso Inder und noch so manche, warum sollten nicht auch britische Untertanen ihr Nattonalheim in Palästina sehen, das sich ebenfalls in britische» Händen befindet? Sie können es um so leichter tun, als verschiedene Anzeichen vorliegen, daß Palästina in absehbarer Zeit ein englisches Dominion sein wird. Unter den Zionisten selber wächst die Neigung zu dieser völkerrechtlichen Umgestaltung, und wir begreifen das. Wenn Palästina ein Teil des britischen Reiches wird, dann kann England es schon aus Prestigegründen nicht mehr preisgeben, wenn es nicht durch weltgeschichtliche Vorgänge dazu gezwungen wird. Solange das nicht der Fall ist, werden die Juden in Palästina wenigstens einigernlaßen gesichert sein. Sie würden wahrscheinlich einem sehr bedauerlichen Schicksal entgegensehen, wenn England Palästina verließe, und das könnte es, das würde es als bloße Mandatsmacht ganz gewiß mit kalter Rücksichtslosigkeit tun, wenn irgendwelche Umstände, die man heute freilich nickt vorherfehen kann, es ihm angezeigt erscheinen ließen. ES ist also auch noch damit zu rechnen, daß Palästina aus einem englischen Mandat ein Dominion werde, eine wettere Erleichterung für englische Juden, eme weitere Erschwerung für deutsch: und andere. Ein Dominion ist zwar eine Selbstverwaltung, aber es gehört zum britischen Reich. Welche Schwicrigleiten sich daraus für deutsche Juden ergeben könneu, kann sich jeder selber sagen. Aber das ist noch nicht alles. Tie Zionisten werden das ganz natürliche Bestrebe» haben, die Nichtzionisten und chre Organisationen möglichst weit zu sich herüberzuziehen, und es müßte mit sonderbare« Dingen zugehen, wenn ihnen das nicht bis zu einem gewissen Grade gelänge, zumal bei ihrer Intensität. Korporative Gemeinsamkeit hat allemal auch psychologische Veränderungen zur Folge, denen man sich kaum entziehen kann. Es bleibt attch zu bedenken, welche Wirkung diese Kooperation allmählich auf die breiten Schichten des Volkes ausübcn würde, in dem die Juden leben. Ebenso wie der Satz der Balfour-Teklaration, der die Stellung der Juden in den .Heimatländern sicher» will, unter Umstünden nur aus dem Papier stünde, würde vielleicht auch eine Gegendeklaration, die das Nationalheü» für das jüdifche- Volk ablehnt, nicht ausreichen, um nichtzionistische Juden vor unerwünschten Folgen zu bewahren. Wer sich ln eme neue Situation begibt, die immerhin, trotz alle:: Vorbehalten, auch einen politischen Charakter hat, muß aucy mit der politischen Psychologie rechnen, die geneigt,i& Tinge und Personen zusammenzuwerfen, die zwar nicht zufammen gehören oder gehören wotten, aber doch den Anschein erwecken, als sei es der Fall. Wir verkennen freilich nicht, daß sich manche deutsche Juden, die keine Zionisten sind, vor einer Entscheidung befinden, die nicht leicht ist. Es ist uns bekannt, daß in diesen Kreisen die Stimmung oder die Auffassung herrscht, die Juden könrüen das Palästinawerk, nachdem es nun einmal begonnen ist, nicht lm Stiche lassen, ohne daß dies auf die Juden, selbst, gleichviel welcher Richtung sie angehören, einen Make: würfe. Hierüber zu streiten, erscheint uns zwecklos, denn es handelt sich da insbesondere um Gefühlssragen, und darüber kann man nicht diskutieren. Wir betrachten es auch nicht als unsere Ausgabe, den nichtzionistischen Juden einen Rat zu geben. Wir haben die heutige Situation' s» dargelegt, wie wir sie sehen. Die Beteiligten müssen selbst wissen,"was sie tun follen. Jedenfalls aber stehen sie vor einer Beschlußfassung. die manches Spätere mitentscheidet. Die liberalen Juden Englands zur Agency „Jewish Religions Union Bulletin", das Organ deS liberalen Judentums in Eiigland, nimmt in seiner letzte» Nummer in folgender Weise Stellung zu der Frage der Teilnahme liberaler Juden an der Erweiterten Jewish Agency: Das Aktions-Comitee der Z. O. hat den von Dr. Wetzmann und Louis Marshall entworfenen Plan ftkr Erwessorung der Jewish Agency gebilligt. Einige Mitglieder des A. C. hielten zwar an der Opposition bis zum Ende fest, aber diese Opposition ermangelte schon deshalb des Nachdrucks. weil ihr einziges Argument das der Furcht war; Furcht davor, daß die Mitarbeit der Nichtzionisten am Aufbau Palästinas zu einer Zerstörung des Zionismus führe» könnte. Furcht ist immer ein schlechter Berater gewesen. Tie Opposition jvird ferner durch die bestehende Not paralysiert. Tie Arbeit in Palästina droht wegen Geldmangel zusammcnzubrechen; die Nichtzionisten müssen einspringen. Ter einzige Weg, von dieser Seite Mttel zu bekommen, ist der, den Geldgebern gewisse Rechte einzuräumen, über die Verwendung der Mittel mitzubestimmen. Die furchtsamen Zionisten stehen vor dem Dilemma: Soll Palästina untergehen, aber der Zionismus leben, oder soll Palästina leben, auch wenn der Zionismus untergeht? Ter Nichtzionist hat nicht mit solchen Schwierigkeiten zu kämpfe«. Tatsachen und Umstände lassen das zionistische Endziel als unerreichbar erscheinen. Tie Formel vom jüdischen Nationalheim in Palästina bleibt bestehen, aber nur als eine Formel. Eine halbe oder sogar eine volle Million i» Palästina angesiedelter Juden reicht nicht hin, ein Jüdisches Nationalhcim zu bilden. Palästina könnte zwar ein Nationalheim für eine halbe Million Juden werden, nicht aber ein Nationalheim des Judentums. Tie britische Jnterpretatton des Mandates, die Haftung der Araber und natürliche Schwierigkeiteit lassen dies ausgeschlossen erscheinen. ObwM der Nichtzionist die Formel „Jüdisches Nationalheim" nicht billigt, gelüstet es ihn nicht, über ein Schattengebilde z» stressen. Und wenn ihm ernste Grunde die Schlußfolgern»« aufzwingen, daß in Palästina hilfebedürftigen Juden gehst-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.