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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-02-01 · 5 (1.2.1929) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
5 (1.2.1929)
Date
1929-02-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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studiert hat und Leiter der Abteilung für soziale Dienste an der Universität ist. („Was die Kirche von dem Unternehmer erwartet." Es ist das Amt der Kirche, dem Geschäftsmann zu der Erkenntnis zu verhelfen, daß diese Erkenntnis (vom Reich Gottes) ihm gebietet, sein Geschäft in erster Linie zum Wohle des Verbrauchers, in zweiter zum Wohle des Erzeugers, in dritter zum Wohle des Geldgebers und erst in letzter Linie zum eigenen Vorteil zu führen." T. teilt eine Aufstellung sozialer Ideale mit, die der Nationalrat der Unabhängigen Kirchengemeinden. 1925 gefaßt hat. Diese Auf stellung umfaßt Erziehung, Industrie und Wirtschaft, Land Wirtschaft, Rassen, internationale Beziehungen. Tie Proklamation tritt ein für engste Zusammenarbeit zwischen den Kirchen, Abschaffung militärischer Rüstungen, Aechtung des Krieges, ständigen Bund der Nationen. Sie erklärt die Sätze: „Liebe deinen Gott" und „Liebe deinen Nächsten" als ideales Vorbild für eine christlich-soziale Ordnung.) Aber auch der deutsche .Herausgeber, Lüddeke, ist zu erwähnen. („Wann werden die Männer der Kirche aufhören, sich mit Kleinkämp sen in mittelalterlichen Gewändern abzugeben?" „Dadurch, daß Kirchen ersterbeir und sterben, braucht der religiöse Funke noch langst nicht zu ersterben." „Auch in einer Dampfturbine lebt Gottes Odem, ohne Zweifel."). Nun darf freilich nicht der Eindruck entstehen, als wenn der religiöse Sozialismus nur an dir sozialen Fragen im engeren Sinne denkt, als wenn er vergäße, daß auch sonst noch ungeheure Nöte ungestillt bleiben müssen Krankheit, Arbeitslosigkeit, Altersfragen, Erziehung und Betreuung von Kindern, Wohnfragen u. a. , weil auch hier nur Mangel Haftes Wohltun und mangelhafte Gesetze die .Hilfen sind. Daß aber nur dauernde, großzügigste Hingabe der Besitzenden und nur durchgreifende Maßnahmen der Behörden, nur das schärfste soziale Gewissen hier helfen können, wer möchte das bezweifeln.. Erst wen» jeder nicht bloß luxw riös, nein schon jeder in Behaglichkeit Lebende sich auf das Notwendigste zu diesem Behagen, das ihm genau so bleiben soll, wie es dem andern erst noch »verden müßte, eingeschränkt hätte, erst dann hätte man eine Uebersicht, wieviel Not und Elend ungestillt bleiben muß. Denken wir nur an die Wohnungsfrage. Wer soll glauben, daß sie in diesem Umfang bestehen, durch soviele Jahre schon dauern muß, wenn wahrscheinlich ebensoviele oder noch mehr im Raumübcrftuß leben, wie Menschen im Raumelend verkommen und sich zernerven.' Aber wo ist die Freiwilligkeit der Besitzenden, wo iß das Gesetz, das hier wirklich schnell hilft. Und das ist es, was der religiöse Sozialismus wie alles Entsprechende einfach riicht mehr ertragen ivill. Er will den Sozialismus der Seelen schassen, will von neuen, aufrütteln und Gewissen ausstürmen, will neue Erlaß und Jobeljahre, will wied-er den Sklaven zur Freiheit verhelfen und wieder den Familien zu ihrem Boden, zu ihrem Besitz, zu ihrer Scholle. Der Begüterte soll erschüttert stehen vor seinem Vorzug, den er vor Millionen anderen genießt, er soll fragen und fragen: weshalb grad du?, weshalb nicht der andere?, weshalb der andere, der Arme, warum nicht du? soll Ehrfurcht lernen und ehrfürchtig dastehen vor eigenen Gaben und eigenem Können, aber ehrfürchtig auch vor jeder Kraft, die seine Gedanken zur Tat werden läßt, vor jedem Arbeiter in seinem Betrieb. Er soll heraus aus dem Pfennig Handel, der doch immer wieder von neuem beginnt, bei jedem Streik, bei jedem Tarif, er soll keinen Raubbau mehr treiben dürfen mit der Zeit und Seelenkrast anderer Menschen, er soll für sich und andere wissen, daß Arbeit gewiß auch den Wert in sich selbst trägt, aber doch auch wieder nur Mittel ist, Mittel für den eigentlichen Zweck unseres Daseins: Mensch sein zu dürfen und Seele zu haben. Wajinnosasch heißt es von Gott selbst im W'schomru-Lied, er hat sich „auf seine Seele besonnen", nachdem er seine Schöpfung vollendet hatte, und so soll auch der Mensch seinen Sabbat feiern und feiern können. „Das ist erst die echte Religion der Arbeit, die für alle Arbeiter die Verheißung einschließt, daß sie Ruhe haben sotten von ihrer Arbeit." (Natorp, Sozialidealismus. 192?.) „Tie Zeit als Gelb oder als Freiheit betrachten, das sind die zwei Welten, vor denen der Genius der Menschheit sich zu entscheiden haben wird/' (Brod, Sozialismus im Zionismus. 1920.) Das ist die Predigt des religiösen Sozialismus. Seine Predigt aber auch das Ziel seiner Arbeit. Freudig begrüßt er daruin alte Helfer auf diesem Wege, auch wenn sie nicht direkt im Namen der Religion sprechen. Unablässig hält er Ausschau, ob irgendwo ein Schritt auf diesem Weg weiter erfolgt. Er weiß ja, daß gerade hier eine Arbeit geleistet wird, die den wesentlichen Unterbau für das W e l t f r i e d e n s z i e l darstellt. Und in diesem Sinne gilt es erst recht: „Der Sozialismus, wenn er ein richtiger ist, ist religiös." (Piechowsti, „Proletarischer Glaube".) Schluß folgt.) Palliere-Vorträge Atme Pallidres „Weg zum Judentum". Tufr.-,.- >üoische Voltshochschule. die in diesen Tagen ans ein zehnjähriges Bestehen Znrüttblitten kann, eröfsnete ihren neuen Lehrgang mit einem Vortrag des Franzosen Anne Palliere, de: einer strenggläubigen katholischen Familie entstammt und zum Judentum ndergcireteu ist. Sein Buch „Das unbemnnke Heiligtum" hat auch in Deutschland viel Beachtung gesunden, er schildert darin, wie auch in seinem Bortrag, den Weg, der ihn zum Judentum geführt hat. Er hat bei seiner Bekehrung nicht Gort gesucht, an den er immer geglaubt: „Israel hat it»m nicht (Mott, aber (sott ha: ihm Israel gegeben." Und so behandelte der Bortrag keine reli Kalendarium?. die Zeit v. 3.2. d. 9.2. 29 Januar 1929 Scherval 5639 Sonntag 3 23 Montag 4 24 Dienstag 25i Mittwoch 6 26 Donners ag 7 27 Freitag 8 28 Sonnabend 9 29 Neumond weihe Wochenabschnitt: Mischpotim Haftarah: Samuel I 20, 18—42 Sabbat-Ausgang: 5.49 Uhr Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands gibst», theologischen Fragen, sonder» versuchte, in das Rätsel der jüdischen Seele einzüdringen. Tie Erziehung der jüdischen Seele gehr weil über jede bloße Moral hinaus, es iß eine Erziehung, die (sott selbst als Grund und Zweck hat. Ethik, Religion-, tlniversali-'-mns, alles ist in der jüdischen Seele, die trotz des modernen Liberalismus die Treue znin jüdischen Ideal bcivahrt hat. Tenn man darf Inden und Judentum nicht verwechseln. Tie Bewegung des Liberalismus ist im ganzen eigentlich nur eine Bemüchiiig, zur Einheit znrückziisiiK-eii. Diese scheinbar bedrohte ne.u'o:ia! religiöse Einheit ist nicht verschwunden. Das Leben des Geistes hat atze Hindernisse überwunden. Da-S Bollsbeiviißlieia und die Treue zu dem Bund, den Gon mit dem Bolt Israel geschlossen hat, leben durch die unerivartete Renaissanee der jüdischen Jugend wieder aus. Tie Pioniere des Ertvachens haben wieder zu den Propheten, in das „Land der Bibel" zurückgefunden. Das Judentum hat zu seiner weiteren Ennvittlnag seine nationale Einheit, seine Heimen nötig. Gott bat das jüdische Volk zu „providenliellen I,wetten" ausersehen, und die jüdische Seele, die nicht nur den Glauben an Gott, sondern auch den Glauben an Israel und die Znlunst in sich tragen muß, wird und muß zu leben sortsahreii. (Berliner Tageblatt v. 28. Januar 1029.) » Als ich im Anschluß au einen sehr verdienstvolle Aufsatz Tr. Hugo Spicglers in der Jüdisch-liberalen Zeitung Nr. 21 vom (5. Juli 1928 auf die antiliberale und zionistische Tendenz des bis dahin in Deutschland nur durch sein Buch „Das unbekannte Heiligtunr" bekannten Herrn Paltiere hinwies, fand ich, abgesehen von vereinzelter herzlicher 'Zustimmung, im allgemeinen Widerspruch und Anfeindung. Tie vorstehende Wiedergabe der Patliereschen Gedankengänge durch das gewiß objektive „Berliner Tageblatt" dürfte jeden Einsichtigen von der Berechtigung meiner damaligen Warnung überzeugen. Ich wiederhole also mein Bedauern darüber, daß die Liberale Synagoge Paris diesen antiliberalen Nichtjuden als Prediger beschäftigt. In Deutschland kämpft man um die L a i e n predigt; aber daß ein Nichtjude auf einer jüdischen Kanzel, und gar noch ein nichtjüdischcr Vertreter zionistisch orthodoxer Gedanken auf einer jüdisch liberalen Kanzel steht, ist wohl absurd. Ich wiederhole ferner mein Bedauern darüber, daß Herr Rabbiner Tr. B a e ck durch sein dem Patliere-Buch geschriebenes Vorwort Herrn Paktiere zu einer ihm nicht zukommcnden und der Sache des liberalen Judentums abträglichen Berühmtheit in Deutschland verholscn tat. Daß der 2 Y u a -- flogen Verein Freiherr von Steiustraße ( rü her Königsteinerstraßc) tu F r ankf u r t a. M. .Herrn Paktiere zu einem Vortrage bestellt hatte, obwohl die maßgebntöcu dortigen Stetten aus die Tendenz seiner Borträge aufmerksam geinacht worden waren, muß ebenfalls bedauert werden. Ter „Israelit", das Frankfurter Blatt der Trennuugsorthodoxie jubelt, es hofft, daß die Ermahnungen des Proselyten Palliere zu orthodoxer Lebensführung bei den liberalen Zuhörern in der Freiherr-von-Steinstraße eher gehört werden als die direkt aus orthodoxem Lager kommenden Lehren. Es berichtet ferner mit Genugtuung, daß die Ausführungen Palliere-? „bei allen verbindlichen Worten für die liberalen Einberufer, nicht immer schmeichelhaft und erbau! ck für die Ideologie des jüdischen Liberalismus" waren. Palliere habe gesagt: „Ter moderne Jude leidet schwer unter dem Dualismus von Jude und Weltbürger. Die Führer des Liberalismus (er nennt sie von Geiger bis Baeck fast alte beim Namen) haben bei bestem Willen, hier nicht helfen können, hab.n durch die Sucht nach Anpassung das Uebel nur vergrößert und erweitert." Es wirkte peinlich, daß Palliere in seinem Berliner Vortrag für nötig fand, sich gerade auf das ihm vom „Jsraclit" ausgestellte gute Zeugnis zu berufen. Von der im jüdischen Leben so oft beklagten Versammlungsmüdig-- keit merkte man im übrigen nichts: einen leibhastigen früheren Ehristen über das Judentum reden zu hören, dazu waren unsere modernen Ghettoflüchtlinge alle erschienen. Sie wurden aber enttäuscht, denn die Rede war volltommcu ein-- druckslos und enthielt weder Wesentliches noch Neues. Palliere trägt in der Hauptsache misrachistischc Gedankengänge als Lehren für die Juden vor, bewegt sich dabei aber aus einem an den Bibelforscher-Standpuirtt erinnernden Niveau, nur natürlich, daß er im Gegensatz zu den Bibelforschern die Autorität des Neuen Testamentes leugnet, aber die Wortaläubigkeit ist die Gleiche; z. B. bestreitet er die Vollmacht der christlichen Kirche lediglich deswegen, weit Gott ja seinen Bund mit dem Volke Israel geschlossen hat! Daß der „„Noachide" Palliere besser tüte, seine Wertschätzung des Judentums den Nicht;üben zu predigen, die Ausgestaltung unseres jüdischen Lebens aber getrost uns Juden selbst zu überlassen, wurde hier schon früher ausgesührt. Tie Richtigkeit dieser Auffassung wird unter dem Eindruck der Palliereschen Vortragsreise durch Deutschland neuerdings in weitesten Kreisen eingesehen. Es wäre aber an der Zeit, daß die deutsche Judenhcit sich, ansteile des jetzigen unerträglichen Personenluit?, zu Sachlichkeit und kritischem Urteil erzieht. George G o c tz. Zur!0. Wiederkehr des Gründuugstages der Berliner Freien Jüdischen Volkshochschule Bon Direktor Dr. Joseph Gutmann. Als Preußen den Krieg gegen Napoleon I. verloren hatte, erklärte Friedrich Wilhelm III.: „Zwar haben wir an Flächenraum verloren, zwar ist der Staat an äußerer Macht und äußerem Ansehen, gesunken, aber wir wollen und müssen sorgen, daß wir an innerer Macht und innerem Glanz gewinnen." Und Stein urid Fichte, W. v. Humboldt, Arndt und Schleiermacher sprachen es aus, daß das Rettungsmittet des Volkes in einer Hebung der Volksbildung bestehe. Ähnliche Erwägungen führten dazu, daß nach dem verlorenen Weltkriege die' Idee der Volkshochschule, deren Bedeutung in Dänemark, Schweden und Norwegen längst erkannt war, auch in Deutschland propagiert wurde und allerorten zur Gründung von Instituten führte, die, allen zugänglich, Wissen und Bildung verbreiten sollten. Es wäre verwunderlich gewesen, wenn diese Idee nicht auch in unserer Gemeinschaft frendrg aufgegriffen worden wäre und zu ähnlichen Einrichtungen geführt hätte. Seit den Tagen Esras weiß man in Israel, welche Bedeutung dem Wissen zulommt. Stätten, an denen gelehrt und gelernt wird, hat es bei uns zu jeder Zeit und in der kleinsten Gemeinde gegeben, und auch der Erwachsene hat immer Gelegenheit gehabt, sein Wissen zu befestigen und zu erweitern.' Erst in der neuesten Zeit sind diese Lehrstätten an den meisten Orten eingegangen. Das Beth Hamidrasch aber in moderner Form wieder ausieben zu lassen, ist seit langem der Wunsch derjenigen gewesen, denen daran lag, den Zusammenhang der Menge mit unserer Religion zu erhalten und zu befestigen. So kamen Ende 1018 eim.ie Teilnehmer hatten den Kriegs rock noch nicht ausgezogen die Vertreter der verschiedensten Organisationen Berlins zu Häuschen Besprechungen zusammen, in ocncn über die Gründung einer Freien Jüdischen Volkshochschule beraten wurde. Frei sollte sie sein, weil keinem Dozenten eine Bindung bezüglich ver von ihm vorgetragenen Anschauungen nuserlegt wervrn sollte, und eine Volkshochschule sollte sie sein, weit die Vorträge in der Form populär sein, aber im Inhalt streng wissenschaftlichen Forderungen genügen sollten. Es ivar nicht gerade leicht, die Vertreter der verschiedensten Richtungen unter einen Hut zu bringen. Doch einigten sich schließlich der Central Verein d. St. j. Gl., her D. I. G. B.» die Zionistische Vereinigung, der K. E. und das K. I. P,, die Jüdische Gemeinde und die Resormgemeinde nsw., und am 19. I. 1919 wurde das Gründungsprotokoll von den Vertrclccn aller an der Beratung beteiligten Vereine unterzeichnet. Im Januar 1919 wurde sie mit einer Ansprache des Herrn Rabbiner Tr. Bergmann und einer Vorlesung des Herrn Pros. Dr. Heinrich Loewe in einem Saale des Logenhanses der N. O. B. B. feierlich eröffnet. Seil diesen Tagen hat die Freie Jüdische Volkshochschule das Ziel, das ihr bei ihrer Gründung gestellt wurde, mit ungeminderier Kraft verfolgt. Am 27. Januar beginnt sie ihr 24. Trimester, und immer wieder haben ihr unsere besten Köpfe, Rabbiner, Hochschul dozenlen, Journalisten, Privatgelehrte und andere Männer und Frauen, die auf einem Gebiete etwas Besonderes zu sagen haben, ihre Kräfte zur Verfügung gestellt. Auch kritische Zeiten sind nicht ausgeblieben, der tvirtschaftliche Niedergang war nicht ohne Einfluß auf die Zahl der Besucher, aber aus die Zeiten de-S Niedergangs folgten wieder solche des Ausstiegs, und die Männer, die an der Spitze standen, verloren den Mut nicht und dürfen jetzt mit Befriedigung auf ihr Werk blicken. IÜ810 Hörer sammelten sich in 23 Trimestern um ihre Dozenten, so daß auf jedes Trimester 687 .Hörer kommen. In 3 Trimestern stieg ihre Zahl über 1000, sie betrug 1732, 15)60 und J289. Einmal im Frühjahr 1921 — sank sie aus 100 herab. In folgendem soll ein Ueberblitt über die Leistungen der Freien Jüdischen Volkshochschule gegeben werden, doch ist es nicht möglich, alle Dozenten und Vorlesungen hier zu nennen. Es gibt tein Gebiet der jüdischen Wissenschaft, das in der Freien Jüdischen Volkshochschule nicht eifrig gepflegt wird. An erster Stelle steht natürlich die Bibel. Probleme der Bibelwissenschaft behandelte Dr. Torrzyner, Dr. Warschauer hielt mehrfach Vorlesungen, die die Einführung in die Bibel zum ('Gegenstand halten, einzelne Probleme besprachen Tr. Baeck (Was ist Offenbarung?) und Tr. Eobienz (Das Schicksalsproblem in der Bibel): in einzelne Bücher der Bibel führten unter anderen ein Tr. Elans, Dr. Max Weyl, Dr. Emil Levy, Tr. Lehmann, Tr. Spanier, Prof. Josna Friedländer, Tr. Warschauer, Tr. Simon Bernseld. Die Zusammenhänge des Israel der Bibel mit der Kultur der umgebenden Wett suchten der ver storbene Tr. Kellermann, Tr. Jampel und Robert .Hirschfeld darzulegen. Auch die nachbibtische religiöse Literatur fand ausgiebige und eindringende Behandlung. Tie Mischna, der Tatmud, der Schulchan Aruch, unsere Religionsphilosophen wurden den Hörern durch Tr. Löwenthat, Nobel, Goldmann, Tr. Kellermann, Dr. Obermann, Tr Lewkowitz, Dr. Wiener und Dr. Leo Rosenzweig nahegebracht. Doch lag der Freien Jüdischen .Hochschule auch daran, ihre Hörer zu befähigen, selbständig in unser Schrifttum einzudringen. Kurse, die in die Sprache der Bibel, der Mischna und des Talmud einsühren sollten, wurden von Michael Abraham, Tr. Bleichrode, Dr. Arthur Rosenthal und anderen geleitet. Hier sei crlvähnt, daß Studienrat Hammerstein mehrfach Unter-- richli im Neuhebrüischen erteilt hat. Einen weniger breiten Raum nehmen die Vorlesungen über die jüdische Religion ein. Einen Ueberblick über das Ganze bot Baeck in einer Vorlesung über Grundgedanken des Judentums. Die Ethik des Jndentnins und das jüdische Religionsgesetz behandelte Dr. Emil Levy: andere Teilgebiete waren (Gegenstand von Vorlesungen der Herren Tr. Lelvkotoitz (Gegenwartsfragen indischer Weltanschauung), Tr. Jtetsvn (Optimismus und Pessimismus), Tr. Heinemann (Eros und Ethos in jüdischer Weltanschauung) und anderen. Besondere religiöse Strömungen innerhalb des Judentums, wie Kabbala und Chassidismus, ivurden von Dr. Emil Levy und Lipschntz besprochen. Es ist bekannt, wie sehr sich jüdische Philosophen des Mittelalter-s und der neuesten Zeit um eine philosophische Begründung des Judentums bemühten, lvie sie bestrebt waren, Judentum und herrschende Weltanschauung miteinander in Einklang zu bringen, und welchen Einfluß ihre Schriften auf die innere Gestaltung unserer Religion hatten und gegenwärtig noch haben. Mit ihnen bekannt zu machen, ist deshalb eine wichtige Aufgabe der Volkshochschule, der sich in den vergangenen 10 Jahren namentlich Tr. .Kellermann. Tr. Wiener, Dr. Lewkowitz, Dr. Obermann und Leo Rosenzweig in Vorlesungen über jüdische Religionsphilosophie unterzogen. Aus der Erkenntnis, daß jüdische Religionsphilosophie nicht für sich allein bestehen kann, sondern in einem Zusammenhang mit allgemeiner Philosophie stehen muß, wurden auch Vorlesungen über diese veranstaltet. So lasen Tr. Wolfsberg und Dr. Jtclson über Religionsphilosophie. Dieser behandelte im besonderen einige wichtige' Probleme, ivie das der Willensfreiheit und der Unsterblichkeil. Tie Religion des Judentums wurde mehrfach in die allgemeine Rengionsgeschichte hincingesteltt. So wenn Dr. Kellermann und Tr. Obermann über vergleichende Religionswissenschaft lasen, Baeck das Judentum mit dem Christentum, Bergmann das Judentum mit dem Griechentum verglich, Tr. Lewkowitz von den Grundformen^der Religion sprach und Tr. .Heinemann und Dr. Jielson die Weltreligionen behandelten. Nächst der Bibel erfuhr die Geschichte der Inden d:e ausgiebigste Behandlung. Tr. Warschauer und Robert Hirschfeld führten ihre .Hörer durch die ganze jüdische Geschichte; Dr. Bergmann, Pros. Dr. Elbogen, Tr. Pitt, Tr. Meist, Dr. Max Wiener, Tr. Baer n. a. behandelten bio Geschichte der Juden in den verschiedenen Ländern und zu verschiedenen Zeiten, zum Teil auch vom tnlturhistortzchen und vom religionsgeschichtlichen Standpunkt. Fragen der Gegenwart, wie die sozialen Ausgaben, die Probleme der Erziehung, de: Zionismus wurden namentlich von Frau Wronsky, Tr. Ollendorff, Tr. .Hochseld, Tr. Loewenthal, Tr. Theilhabcr. Mar Strauß, Kantorowiez, Lachmann, Hantte und anderen besprochen. Dem Antisemitismus, seiner Geschichte, seiner Psychologie und seiner Bekämpfung waren Vorlesungen der Herren >Dr. Freund und Dr. Curt Alexander gewidmet. Ueber die jüdische Rasse, Sonderthpen des jüdischen Volkes und jüdische Stammestunde sprach Dr. Feist, über jüdische Volkskunde und jüdische Namen Pros. H. Loewe. Wie ‘ sehr die Leiter der Volkshochschule sich von dem Gedanken leiten ließen, daß ihr nichts Indisches fremd bleiben dürfe, zeigen die Vorlesungen über die Beziehungen der Juden zur bildenden und dramatischen Kunst, zu denen namentlich Dr. Cohn-Wiener, Dr. Karl Schnorr rz, Toeplitz und Julius Bab herangezogen wurden. So ha: sich die Freie Jüdische Volkshochschule :n den 10 Jahren ihres Bestehens mit feinem Verständnis für ihre Ausgaben und die Bedürfnisse ihrer Hörer bemüht, Wissen vom Judentum, seiner Religion, seiner Literatur und seiner (beschichte Zn verbreiten. Möge sie weüer wachsen, blühen ujtb gedeihen!

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