Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 4 (25.1.1929)
- Date
- 1929-01-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau Palästtna-Wmidermig m den letten drei Jahren. Aus der Tagung des Rates der allgemeinen jüdischen Arbeiterfödcration Palästinas (Histadruch) wurde mitgeteilt: 1926 kamen 14 646 jüdische Änwanderer nach Palästina; in dem gleichen Jahre wunderten 7 364 Juden aus. 1927 zählte man 3450 Einwanderer und 5070 Auswanderer; 1928 (Dezember nicht eingerechnet) zählte man 1991 Ein- und 2069 Auswanderer. In Palästina gibt es heute im ganzen 1200 Arbeitslose. Ein Kommentar zu diesen Ziffern ist wohl überflüssig. Kampf um das Legat der Lena Cohen im Bromderger Stadtrat. Das 100 000-Dollar-Legal der in Amerika verstorbenen Frau Lena Cohen zugunsten armer jüdischer Greise in Bromberg, das seinerzeit vom Bromberger Magistrat unter der wahrheitswidrigen Begründung, daß es in Bromberg keine armen jüdischen Greise gäbe (in Wirklichkeit existiert in Bromberg ein um seine materielle Existenz schwer kämpfendes jüdisches Greisenasyl), zurückgewiesen wurde, hat den Stadtrat von Bromberg in seiner letzten Sitzung abermals sehr lebhaft beschäftigt. Stadtrat Kolnik schilderte als Referent alle Phasen der Angelegenheit. Im Januar 1923 wies der Magistrat das Legat ungeachtet der Intervention der jüdischen Gemeinde zurück. Ter Wojwode in Posen und der Innenminister in Warschau bestätigten den Magistratsbeschluß. In Amerika machte die Zurückweisung des Legats, das inzwischen auf 160 000 Dollar angewachsen war, nnen sehr schlechten Eindruck. Der polnische Generalkonsul in Washington informierte hierüber das Außenministerium und empfahl die Revidierung des Bromberger Beschlusses. Der Außenminister Graf Zalesky schilderte in einem Schreiben an den Bromberger Magistrat die wirtschaftlichen und politischen Komplikationen, die für Polen im Hinblick auf die in Amerika entstehende Mißstimmung sich ergeben könnten. Auch der Wojwode befürwortete eine Revision des ersten Beschlusses. Der Referent begründete die Forderung nach einer Revision auch vom rein rechtlichen Standpunkt. In der darauffolgenden Debatte drückten die Nationaldemokraten ihre Verwunderung darüber aus, daß die jetzige Negierung den Standpunkt der Regierung von 1924, die den Bromberger Beschluß sanktionierte, nicht respektiert, und beantragten die UÄerweisung der Angelegenheit an die städtische Rechtskommifsion. Dieser Antrag wurde gegen die Stimmen der deutschen Fraktion zum Beschluß erhoben, so daß eine weitere Verschleppung der Angelegenheit zuungunsten der Bromber fler jüdischen Armen eingetreten ist. Man hofft aber, daß inzwischen die übergeordnete Behörde Remedur schaffen wird. Das Ergebnis von Bierville. Ueber das Ergebnis der vom 28. Dezember bis 3. Januar in Bierville bei Paris stattgefundenen Konferenz der Internationalen Studentenhilfe über den Antisemitismus schreibt einer der jüdischen Teilnehmer, cand. jur. Ernst Halitzii, im „Berliner Tage- ■Mott": „In einer großen Reihe von Ländern, so in allen Staaten Westeuropas und --- wie der Vorsitzende der Deutschen Studentenschaft, Schmadel, ftststellte - auch in Deutschland gibt es ein jüdisches Problem weder im allgemeinen noch speziell an den Hochschulen. Das Problem konzentriert sich vornehmlich auf Rumänien, Polen und Ungarn. Die Motive des Hochschulantisemitismus in diesen Staaten, der meistens der Ausdruck einer allgemeinen antisemitischen Strömung ist, sind politischer, kultureller und sozialer Natur. Hier ergeben sich weite Möglichkeiten für das Weststudentenwerk, gemeinsam mit allen Gutwilligen ausgleichend zu wirken und eine Beseitigung der Ursachen des Hochschulantisemitismus und seiner Folgen herbeizuführen.... Es wurde vom Generalsekretariat des Weltstüdentenwerks ein Komitee eingesetzt dem drei Nichtjuden und drei Juden angchören, bisher aus Deutsch land von mchtjüdischer Seite Herr Schmadel, von jüdischer Seite der Verfasser dieses Berichts, ferner ein Pole und ein Oesterreicher. Die Benennung der beiden letzten Mitglieder — wahrscheinlich Angehörige der angelsächsischen Länder — wird in den nächsten Tagen erfolgen. Dieses Komitee wird mit Kommissionen, die in den einzelnen Ländern eingesetzt werden, zusammenarbeiten und das Ergebnis seiner Feststellungen in einem zusammenfassenden Werk veröffentlichend Um über eine rein tatsächliche Darstellung hinauszugelangen, wird es Persönlichkeiten aus allen Ländern, die den Problemen nahestchen, um Beiträge zu den wesentlichen Fragen bitten. Es ist zu hoffen, daß die Teilnehmer an dem nächsten Kongreß, der sich mit dem Hochschulantisemitismus zu befassen haben wird, und dessen Abhaltung für den Beginn des nächsten Jahres geplant ist, ein geschlossenes Bild von dem schwierigen. Problem gewonnen haben werden, und dann endgültig die Möglichkeit für ein Eingreifen der Internationalen Studentenhilfe gegeben ist." Palliere-Vorlräge In verschiedenen deutschen. Städten hielt in der vergangenen Woche Aime Pallicre Vorträge über seine Stellung zum Juden tum, in denen er im wesentlichen die bereits in seinem Buch „Das! unbekannte Heiligtum" niedergelegten Gedankengänge wiederholte und seine Wandlung vom Katholizismus zum Noachidismus schilderte. Ausführliche Berichte über seine Vorträge liegen uns insbesondere aus Frankfurt und Würzdurg vor. Wir haben uns mit dem Pallicre schen Buch bereits früher hier in einer längeren Diskussion besaßt, so daß sich zunächst eine kritische Stellungnahme zu dem Inhalt seiner fetzigen Vorträge erübrigt. Wir behalten uns aber vor, im Anschluß an die Berliner Vorträge nochmals aus diese merkwürdige und einzigartige Persönlichkeit im Judentum der Gegenwart zurückzukommen. Vereinsnachrichten Konzert der Bereinigten Synagogen-Ctzöre der jüdischen Gemeinde. Die Vereinigten Synagogen. Chöre der jüdischen Gemeinde veranstalten unter der Leitung des Herrn Chordirigenten Alexander Weinbaum am Dienstag, den 5. Februar b. I., in der Philharmonie ein Konzert, in welchem hebräische, deutsche, liturgische und geistliche Solo und Chorgesänge zum Vortrag gelangen werden. Mitwirkcnde: Oberkantor Gollanin, das Soloquartett der Damen Fräulein Liachowsky, Hilda Lind und der Herren Dr. Willy Rosenthal und Kammersänger Albert Glas;. Der Ueberschnß wird der Hilsskasse der Chorvereinigung überwiesen. Karlen bei BoK fr Bock, Tietz, Wertheim und den Kastellanen der Synagogen. Geschäftliches. Die Buchhandlung „Kedem", Berlin-Charlvttcnburg. Dahlmannstraße 8, kündigt in unserer heutigen Nummer den Talmud in neuer Uebertragung von L. Goldschmidt an. Es ist sehr erfreulich, daß infolge des billigen Preises die Anschaffung dieses wichtigen Werkes jedem Interessierten zugänglich gemacht worden lst. Wir empfehlen das Inserat größter Beachtung. Kalendarium s. die Zeit v. 26.1. d. 2.2.29 Januar 1929 | Schewal 5689 Sonnabend 26 15 Sabbat Schira Sonntag 27 Wochenabschnüt: Beschallach Hastarah: Richter 4, 4—24; 5, 1—31 Sabbat-Ausgang: 5.25 Uhr 16 Montag 28 17 Dienstag 29 18 Mittwoch 30 19 Donnerstag 31 Februar 1929 20 Freitag 1 21 Sonnabend 2 22 Wochenabschnüt: Jissrau Hastarah: Jesaja 6, 1—13; 7, 1—6: 9, 5 6 Sabbat-Ausgang: 5.38 Uhr Israelitischer Gottesdienst in Frankfurt/M. Liberaler Ritus: Hanptsynagoge. Freitag, d. 25. 1., abds. 5, Lchrvortrag Rabb. Dr. Salzberger. Sonnabend, d. 26. 1., morg. 9, nachm. 4. Ausgang 6. Wochengottesdienst: morg. 7.30, nachm. 4. Synagoge Freiherr vom Stein-Straße. Freitag, d. 25. 1., abds. 7, Predigt Rabb. Dr. Seligmaun Sonnabend, d. 26. 1., morg. 9.30, Ausgang 6. Wocheir gottesdinlft: morg. 7.30, abds. 7. Konservativer Ritus: Synagoge am Börneplatz Freitag,, d. 25. l., abbs. 4.45, Vortrag Rabb. Donath. Sonn abend, d. 26. 1., Frühgottesdienst 7, morg. 8.15, nachm. Ausgang 6. Wochengottesdienst: morg. 6.5.5, nachm. 4.45. Synagoge Bockenheim. Freitag, o. 25. 1., abds. 4.45, Vortrag Dr. Köhler. Sonnabend, d. 26. 1., morg. 8.45, nachm. 4, Ausgang 6. Wochen gottesdienst: morg. 7.40. Israel. Krankenhaus Gagernstr. 36. Freitag, d. 25. 1., abds. 4.45. Sonnabend, d. 26. l.. morg. 8.15», Nachmittags- und Abendgottesdienst 5.20. vyt«r Ti, lf * » Uhr Ein Qrnhxs trampst über die Brettrr: Werbern* ... Dem Schwank ist in dieser Fassung nicht 4 m widerstehen. Die heute brüllen den ganzen Abend* Alfred Kon (Bari. TagaMeti) ❖. 3* (Abie’s Irish Rose) V* Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V. Berlin SW 48, Wilhelmstrasse 147 fr VORTRAGSABEND Montag, den 28. Januar 1929, pünktlich 20 /2 Uhr, im Festsaale des Logenhauses Joachimsthaler Strasse 13 Julius Bab Je Dieter und die Gerecitigleit“ (Unter besonderer Berücksichtigung der neuen Romanwerke von Wassermann und Arnold Zweig.) Eintrittspreis Mk.’l.— Karten sind erhäitlich im Vorverkauf an den Theaterkassen der Firmen Hermann Tietr, Leipziger Str. und Kaufhaus des Westens, im Büro des Liberalen Vereins, Wilhelmstraße 147, sowie an der Abendkasse. Verein für i>uerb«Ntaituuj( in Berlin von 1874, e. V. Inserieren venn. feowtenloae Feuerbestattung Annahme W 35, Lützow>traBe 44, Tel.phon: Lfltzow 060-61 und Charkmenburg, Kantttr. «54 a Rcke Pasanenstraße. Telephon- Sieini la«» 1835 Gewinnt ■ Theater des Westens » Heute sowie täglich 8'/« Uhr: Wiederauftrete« Rttvair- Tauber Ftte-ertte Fra«» Lehar dirigiert chtiche Idoeich <mm» Richard Tauber «mm Für die Abendstunde sucht gehild. Dame mit eigener Schreibmaschine, flott in Stenographie, gute fremdsprach. Kenntnisse, Nebenbeschäftigung. Anfrag. Postamt Charlottenbnrg 4, Postlagerkarte 24 Literale Blauer Frankfurter Organ für jüdisch-liberale Interessen Aus dem Inhalt der letzten Nummer: Rabb. Dr. Gottschalk, Frankfurt a. Miflöoi. 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