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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-01-25 · 4 (25.1.1929) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
4 (25.1.1929)
Date
1929-01-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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»cn beiden hcrgegangen, und Thelen habe den Konsul von hinten geschlagen. Die acht Angeklagten wurden zu legenden Gesamtstrafen verurteilt: Thelen ein Jahr Gefängnis, Hesse fünf Monate Gefängnis, vchmädecker vier Monate Gefängnis, Masch sechs Monate, Eberlern *te Monate, Brandt vier Monate, Brüggcmann sechs Monate, Drew »ick drei Monate. Ebcrlein und Brüggemann wurde Bewährungsfrist bis zum 21. Januar 1932 bewilligt. Bezüglich Thelen hat das Gericht sofortige Verhaftung wegen Fluchtverdachts beschlossen. Die „Deutsche Zeitung" nennt dieses Urteil hart und behauptet, der mißhandelte brasilianische Konsul sei ein Jude. Cleve. (Schwere Ausschreit ungen von Hitler-Leulen.) Die Zeitung „Tempo" meldet aus Cleve: In einer nationalsozialistischen Versammlung, zu der die Clever Stadtverwaltung ihren Rat Haussaal gegeben hatte, unter der Bedingung, daß der Satz der Einladung: „Inden haben keinen Zutritt", verschwinden müsse, kam «s zu Ausschreitungen unter dem äußeren Kennzeichen eines Judenpogroms. Zwei Hitlertrupps untersuchten während des Vortrags «lle fchioarzhaarigen Anwesenden auf „Juden-Aehnlichkeit" unti setzten eine Reihe von Teilnehmern, Juden und Nichtjuden, vor die Tür, darunter angesehene Bürger der Stadt. Dabei kam es zu Miß Handlungen. Merkwürdigerweise schritt die Polizei nicht ein. Dresden. (Ter Sächsische israelitische Gemeinde verband soll eine Körperschaft öffentlichen Rechtes werden.) Dem Landtag ist ein Gesetzentwurf über die öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaften zugegangen. Danach sind Religionsgesellschaftcn mit den Rechten und Pflichten des öffentlichen Rechtes die Evangelische Landeskirche, die Römisch-katholische Kirche, die Evangelischreformierte Gemeinde, die Freireligiöse Gemeinschaft, die Evangelische Bruder-Unität, die Evangelischlutherische Freikirche, die Bischöflich Methodistenkirche, die Bereinigung der Baptisten, der Sächsisch israelitisch Gemeindeverband, endlich die Religionsgemeinschaften, derren das Gesamtministerium die Rechte der Körperschaften des öffentlichen Rechts verleiht. Die Religionsgesellschaften haben auf Verlangen dem Staat jederzeit Auskunft zu geben und Nachweise zu erbringen. Die Geistlichen und Beamten der Religionsgesellschaften müssen deutsche Reichsangehörige fein, doch können Ausnahmen bewilligt werden. Die Verfassungen der Religionsgesellschaften müssen über den Beginn der Mitgliedschaft Vorschriften enthalten, die jedoch die volle Glaubens- und Gewissensfreiheit nicht beeinträchtigen dürfen. Der Austritt steht jedem frei, der in Sachsen seinen Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt hat. Weitere Bestimmungen regeln das Steuerrecht der Religionsgesellschaften und die staatlichen Zwangsmittel, die gegebenenfalls angewendet wrrden können. Elberfeld. (Aus dem Parlament der Synagogen- Gemeinde.) Am 16. Januar tagte der Vorstand mit den Repräsentanten zum ersten Mal im neuen Jahre. Anstelle des bisherigen ersten Vorsitzenden des Vorstandes, Dr. med. Julius Loeb, übernahm der mit Wirkung vom 1. Januar d. I. gewählte neue erste Vorsitzende, Rechtsanwalt Gustav Brück, beschlußmäßig die Geschäfte des Vorstandes. Die Sitzung stand demgemäß erstmalig unter seinem Zeichen. Das interimistische Repräsentanten-Präsidium von Hermann Herz fand damit automatisch sein Ende, und Rechts- »ntvalt Dr. Siegfried Aaron übernahm diese Geschäfte endgültig wieder. Die turnusmäßige Wahl der Kommissionen erfolgte aus Antrag Brück in der Weise, daß die bisherige Zusammen^ setzung derselben per Akklamation aufs neue bestätigt wurde. Neugewählt wurde Julius Mendels in die Finanzkommission und Rabbiner Dr. Alfred Philipp in die Kultus und in die Schul-Kommission. Dem Vorschlag des Vorstandes gemäß wurde die Aenderung von tz 46 des Gemcindestatuts dahingehend beschlossen, daß Sitz und Stimme im Gemeindevorstand jeweils der dienstältcste Rabbiner hat. Es wu'-pe ferner beschlossen, daß bei der Beerdigung von Kindern unter einem Jahr auf Wunsch der Leidtragenden der fungierende Rabbiner bezw. sein Vertreter zu amtieren habe. > Sodann wurde der Zusammenschluß der drei jüdischen Zwerg-- gemeinden konservativer Richtung mit dem Ziel einer Interessengemeinschaft an den Aufgaben der großen E i n h e i t s - gemeinde offiziell bekanntgegeben. Zur Frag« der Erwerbung eines für diesen Zweck notwendigen, größeren und ausreichenden Bethauses wurde beschlossen, einen dahingehenden Antrag Woltschonock zu »erlagen, bis ein fertiger Plan mit der Aufstellung des Gcsamtetats der genannten Vereinigung vorliegt. Frankfurt a. 9R. (Sitzungdes G e mc i n d epa r l a rn e n t s.) Die gut besuchte Sitzung der Gemeindevertretung befaßte sich unter Vorsitz von Rechtsanwalt Dr. Merzbach (Lib.) mit sehr wichtigen Gemeindebeschlüssen. Es handelte sich um die Verwendung des kürzlich von der Gemeinde erworbenen Anwesens an der Eschershcimerlandstraße. Der Gemeindevorstand hatte die Errichtung eines Betsaals beantragt und forderte die für diesen Zweck notwendigen Mittel in Höhe von ungefähr RM. 5000,— einmaliger und RM. 8000,— jährlicher Ausgaben. Rechtsanwalt Simon (Boltspartei) und Dr. Geiger (liberal) wandten sich entschieden gegen diesen Plan. Dr. Geiger wies darauf hin, daß die Errichtung einer neuen konservativen Synagoge längst beschlossen sei, so daß jedenfalls für die Errichtung eines Betsaals in derselben Gegend keine Veranlassung sei. Hierfür liege umsoweniger ein Bedürfnis vor, als für die Wochentags- und Sabbatgottesdienste die in der Nähe liegende konservative Unterlindau-Synagoge vollkommen ausreiche. Wesentlich sei aber, daß die Absicht offenbar dahin gehe, diesen Betsaal deshalb einzurichten, um, falls er ausreichenden Besuch «ufweise, auf diesem Grundstück schließlich doch eine Synagoge zu errichten. Man sei sich in der Gemeindevertretung doch vollkommen klar darüber gewesen, daß dieses Grundstück an der nicht sehr breiten »nd außerordentlich verkehrsreichen Eschershcimerlandstraße gelegen, für den Bau einer großen Synagoge vollkommen ungeeignet sei. Die Errichtung eines Betsaals an dieser Stelle als Vorbereitung einer großen Synagoge sei deshalb auch aus diesem Grund ausgeschlossen. Auf der anderen Seite sei die Gemeindeverwaltung ftch darüber einig, daß das jetzig« Gemeindehaus in keiner Weise mehr aus reiche, daß ein dringendes Bedürfnis vorliege, für die gesamte Vers waltung, Sitzungen, Bibliothek und Museum usw., endlich geeignete Räumlichkeiten zu schaffen, für die das neu erworbene Haus an der Eschershcimerlandstraße eine ausgezeichnete Gelegenheit biete. Auch werde es möglich sein, sei cs in diesem neuen Haus oder in den frei werdenden alten Räumen in der Fahrgasse, den Jugendorganisationen «ine Unterkunft zu bieten. Er beantragte unter Ablehnung der Vovstandsvorlage, den Gemeindevorstand zur Einbringung einer Vorlage aufzufordern, durch die die neu erworbene Liegenschaft den Zwecken eines Gemeindehauses zugeführt werde und eine entsprechende Vorsorge sür die Unterbringung der Jugendorganisationen zu treffen, evtl, die Vorlage an die Finanzkommission zu verweisen. Rechtsanwalt Simon (Bolkspartei) vertrat im wesentlichen den gleichen Standpunkt. Rechtsanwalt Dr. Hofsmann (Lib.) beantragte, den Jugendorganisationen, die übrigens dieserhalb an die Gemeindeverwaltung direkt yerangetreten sind, sofort Räume in dem neuen Hause oder frei ^lokale im alten Gemeindehaus« Fahrgassc unter bestimmten Bedingungen zu überlassen. Ein Vertagungsantrag Goitein (Bolksparter) brs zum Abschluß der Vergemeindungsverhandlungen mit der Synagoge Ünterlindau wurde abgek Angelegenheit wurde nach einer Erklärung des Gemetndesyndikus Dr. Mayer gemäß dem Geigerschen Antrag der Fmanzkommission überwiesen. Einstimmig wurde das alte Büro der Gemeindevertretung wiedergewählt, ebenso die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Bonwit und Dr. Warmbrunn. Ein Beschluß des Vorstands, der die weitere Bewilligung von Mitteln für die Wohlfahrtspflege im gegenwartiaen Zeitpunkt able'nt, wurde der Finanzkommission überwiesen, die Wahlen zu den Gemeindekommissionen wurden bis nach Prüfung der Kandidatenliste aus- -esetzt. Die Religionsschule hat der Uebernahm« der Schule und Synagoge durch die Gemeinde zuqestimmt und eine VerhanblunaskommWon gewählt. Es folgt« ein« nichtöffentliche Sitzung. Die Gemeindevertretung hat den bisherigen stellvertretenden Beerb»» gungskommissar S. Grünebaum zum planmäßigen Kommissar ernannt. Verfammluugskaleuder Aach««. Freitag, den 1. Februar 1929, abends 8 Uhr, i« Gartenfaal des Kurhauses, Cvuvenstratze: Sabbatfrier. Aufführung des Märchen» „Jvmi mit de« Sack-, von Emil Cohn, seitens der Junggruppe des Jugeudvereins uud souftige Darbietungen. Der Preis für Kaffee und Ritdpn beträgt Mk. 1,20 inklusive Bedieuuug. Brrldi. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. v. Montag, 28. Januar 1929, abends 8.30 Uhr, spricht im großen Saal des Logenhauses Joachimsthaler Straße 13 Julius vab über das Thema: „Die Dichter und die Gerechtigkeit" unter besonderer Berücksichtigung der neuen Romanoxrke von Wassermann und Arnold Zweig. Eintrittspreis Mk. 1,—. Karten sind erhältlich im Boroerkauf an de« Theaterkassen der Firmen Hermann Aetz, Leipziger Straße, und Kaufhaus des Westens, im Büro des Liberale« Vereins, Wilhelmftraße 147, sowie an der Abendkasse. Breslav. Jli „Abraham Seiger". Sonntag, den 27. Januar, vormittags pünktlich 9.30 Uhr» Führung durch das israelitische Kraulenhans und feine Einrichtungen von Herrn Direktor Levenbach und Herrn Prtmärarzt Dr. Fried. — Mittwoch, den > 30. Januar, im vereinslolal „Soziale Gruppe", Kaiser Wilhelmstratz« 16, Ardeitsgemeinschafle«. Leitung: Herr Religionslehrer Davidfohu. 20.15 bis 21.00 Uhr Hebräisch. 21.00-22.00 Uhr „Die Propheten" (Jesaja). Frankfurt a. M. Jüdisch-liberale Jugeudgemeinschast. Montag, den 28. Januar, 20.30 Uhr: Heimabeud. Mar Eundersheim, Berlin, spricht über: „Jüdisch-liberales Leben in Berlin." Sitzungszimmer Freiherr v. Stein-Straße. Känigsderg i. Pr. Montag, 28. Zannar, abends 20 (8) Uhr, in der Aula des LSbenichtfchen Realgymnasiums, Müuchenhof, Bortrag von Frau Paula Olleudorff, Breslau: „Die Bedeutung der liberalen Weltkonfereuz für das gesamte Judentum." SchneibemÄhl. Mittwoch, 30. Januar 1929, abends 20.30 (6.30) Uhr, Vortrag Fra« Paula Ollendorff (Breslau): „Die Stellung der moderneu Frau im Judentum." Stritt». Donnerstag, 31. Januar 1929, abends 20.30 (8.30) Uhr, tu der Aula des Gefenius Wegener-Lyceums, Friedrich Carlstraße 42, Vortrag: Fra« Panla Ollendorff (Breslau): „Die Bedentoug der liberalen Wellkonferenz für die Inden." :i * Gottesdienste Berliu-R-rhe». Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Sö Schiro-Gottesdieuste: Freitag, den 25. Januar 1929, 19.1 Predigt: Hermann Falkenberg. Souuabeiü, de« 26. Januar vormittags 10 llhr, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. < den 1. Februar, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. habbvs- 5 Uhr. 1929, Freitag, Berlin-West md. Beretu Liberal« Synagoge Westend, Lristttowstraß« 7-8 (Schulaula), nahe Reichskanzlerplatz. Jede« Freitagabend liberaler Gottesbienst mtt Chor «nd Predigt. Beginn 19.15 llhr pünttlich. Freitag, den 25. Januar, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Freitag, den 1. Februar, Predigt: Rabbiaer Dr. Seligwann-Frankfnrt a. R. Berlin-Wilmersdors. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Aula der Cäcilk,«schule, Rikvlsdurger Platz): Jede« Freitagabend liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr pünktlich. Freitag, de« 25. Januar, Predigt: Rabbiner Dr. Klein-Hermsdorf. Freitag, de« 1. Februar, Predigt: Rabbiner Dr. Vogelstein-Vreslau. Gießen. (7 0. Geburtstag.) Das Vorstands- und Ehrenmitglied der Chewra Kadischa, Herr Adolf Baer, beging in seltener Körper- und Geistesfrische seinen 70. Geburtstag. Dem Vorstand der Religionsgemeinde gehört Herr Baer seit zehn Jahren an, und kürzlich wurde er auf weitere fünf Jahre für dieses Amt gewählt, der beste Beweis für die Wertschätzung seiner sozialen Arbeit. Gladbeck. (Zerstörung eines neuerrichteten Friedhofs.) In der Nacht von Sonnabend auf Sonntag wurden die fünf Grabdenkmäler, die bisher auf dem Friedhof der jungen Gladbecker Synagogengemeinde errichtet waren, sämtlich umgestürzt. Außerdem waren die Grabeinfassungen und die Umfriedungen aus der Erde gerissen. Bei dieser Tat haben offensichtlich mehrere Täter zusammengewirkt. Die Aufklärungsarbeit der Gladbeckcr Kriminalpolizei wird dadurch erschwert, daß in der Nacht Regen niedergegangen ist. Die Synagogengemeinde hat für die Namhaftmachung der Täter eine Belohnung von 300 Mark ausgesetzt. Kassel. (Aus der Gemeinde.) Der bisherige staatliche Kommissar beim Kasseler Vorsteheramt der Israeliten, Regierungsrat v. Liebcrmann, ist wegen Ueberlastung mit anderen Amtsgeschäften von seiner Tätigkeit als Sachberater für die judenschaftlichen Angelegenheiten bei der Regierung zurückgetreten: an seiner Stelle wurde Regierungsrat Dr. Heinrichs mit der Vertretung beauftragt. — Die diesjährigen Gemeindeabgaben sind von 9 auf 91/2 Prozent der staatlichen Einkommensteuer erhöht worden, dagegen hat das Bor-, steheramt der Israeliten die Provinzialsteuer von 3 auf 2% Prozent ermäßigt, so daß die Gesamtbesteuerung der Gemeindemitglieder wie im Vorjahre 12 Prozent beträgt. Köln. (Amerika-TourneevonOberkantorFleischmann.) -Der Kölner Oberkantor Hermann Fleischmann hat soeben eine Konzert-Tournee, die ihn durch eine Reihe von Städten Nord-Amerikas führte, mit großem, künstlerischem Erfolge beendet. Er sang im Konzertsaal, in mehreren B'nei b'rith-Logen, und an verschiedenen Radio-Stattonen unter begeisterter Anerkennung vonseiten der amerikanischen Kritik, so daß ihm von seinem Manager ein 3 jähriger Vertrag zur Absolvierung von je 3 monatlichen Konzertreisen durch Nord- und Südamerika angeboten wurde. Königsberg. (Neuer Vizepräsident der Großloge des Ordens Bne Brith.) Herr Arthur Cohn, Großkauftnann in Königsberg, ist vor kurzem zum Bize-Groß-Präsidenten der Großloge Deutschland des Unabhängigen Ordens Bn« >S:ilh gewählt worden. Arthur Cohn ist einer der Führer des Judentums in der deutschen Ostmark. Bon 1923 bis 1925 war er Prüft rent der Kanblog« des U.O.B.B. 1924 wurde er in den Vorstand der Jüdischen Gemeind« gewählt, deren stellvertretender Vorsitzender er heute ist. Er ist Mitschöpfer des Jüdischen Ferienheims Neuhäuser und Gründer der Jüdischen Darlehnskassc G. m. b. H. auf genossenschaftlicher Grundlage. Auch im nichtjüdischen Leben der Ostmark ist er führend tätig. Er ist Vorsitzender des Verbandes Ostdeutscher Lederhändler und Vorsitzender der Häute- und Lederbörs« Königsberg. Die Königsberger Deutsche Ostmess« wurde unter seiner Anteilnahme geschaffen. Wegen seiner Verdienste beim Bau des Neuen Schauspielhauses wurde ihm durch die Stadt Königsberg die Kantplaquette verliehen. Aus» sichtsrat und Intendanz richteten ihm zu Ehren eine Stiftung ein, die den Namen Arthur Cohn-Stiftung trägt. Der Namenspatron der Stiftung bestimmte, daß diese zugunsten hilfsbedürftiger Künstler Bertvendung finden soll. Lanbsbrrg (Warthe). (F e i e r i m A l t e r s h c i m.) Eine schlichte Feier anläßlich der Wiederkehr des Eröffnungstages am 15. Januar 1928 fand am Montag im jüdischen Altersheim statt. Vom Kuratorium waren anwesend Dr. Salomonski-Berlin und Kaufmann Louis Liebert. Direktor Stahl war verhindert und ließ sich durch seine Gattin vertreten. Erschienen waren ferner Rabbiner Dr. Elsaß nebst Frau und Syndikus des Altersheims Rechtsanwalt Dr. Szamotulski. — Kaufmann Louis Liebert stiftet« für das Altersheim eine Marmortafel mit Bronzebuchstaben. Die Inschrift lautet: „Dieses Altersheim errichteten in Hochherzigkeit Heinrich und Jenny Stahl, Jacob Goldschmidt und Dr. Salomonski aus Berlin am 15. Januar 1928." — Fräulein I a c 0 b y, die Hausdichterin, sprach ein sinniges, selbst verfaßtes Gedicht. Bei der gemeinsamen Tafel widmete Dr. Salomonski den Kuratoren herzliche Worte der Anerkennung, ebenso Direktor Stahl und Frau und der Verwalterin des Altersheims, Frau Krakauer. Rabbiner Dr. Elsaß sprach Dr. Salomonski, der die vorbereitenden Arbeiten für den Bau des Altersheims geleitet hat, warme Worte des Dankes aus. Landsderg (Warthe). (Todesfall.) Ein arbeitgesegnetes Leben ist hier mit dem Tode des Mitbegründers der Firma Louis Toh» 8c Co., Schnitt-, Kurz-, Weiß- und Wollwaren-Großhandlung, Fabrikation von Schürzen, Wäsche, Kleidern usw., Siegmund Cohn» zu Ende gegangen, der das hohe Alter von 85 Jahren erreicht hat. Er entstammt einer der ältesten Landsberger Familien, die bis auf das Jahr 1675 zurückgeführt werden kann. Mit vorbildlicher Pflichttreue übte er die vielen AeMter aus, die er in der Gemeinde bekleidete. So war er lange Jahre im Vorstand der Synagogengameinde, die ihn für sein unermüdliches Wirken zum Ehrenmitglied ernannte, aber auch in Wohltätigkeitsvereinen, in denen er zu» Teil auch dem Vorstand angehörte, hat er mustergültig sich betätigt und reichen Segen gestiftet. Kürzlich konnte er das 65. Sfcf» rufsjubiläum in der Firma begehen. Bon ihm kann man sagen, daß sein Leben reich an Arbeit und Mühe gewesen ist. Er ließ eS sich nicht nehmen, bis kurz vor seinem Tode in der Firma, die er seinen beiden Söhnen Erich und Artur übergeben hat, zu wirken. Er erfreute sich aber nicht nur bei den Mitgliedern der Synagogewgemeinde des größten Ansehens, sondern war auch in weitesten Kreisen der Bürgerschaft hoch geachtet und beliebt. Liegnttz. (Persönliches.) Kantor und Religionslehrer M. Sommerfeld beging seinen 60. Geburtstag und erhielt als Anerkennung für seine erfolgreiche Arbeit im Dienst der religiösen Jntevessen ein Ehrendiplom, das ihm mit anerkennenden Worte» vom Gemeindevorstand überreicht wurde. Gleichzeftig wurde er zum Oberkantor ernannt. — Auch Herr M. Schwarz, der ehrenamtliche Dezernent des Armen Wesens der Gemeinde, beging unter mancherlei Ehrungen seinen 60. Geburtstag. Norden. (Persönliches.) Nach 60bezw. 40 jähriger Tätigkeit als Vorsteher der Gemeinde sind die Herren H. v. d. Wall und S. Wolfs aus ihrem Amte geschieden: an ihre Stelle sind die Herren M. Aschendorf und Karl Wolfs getreten. Landrabbiner Dr. Blum, Emden, erkannte in seiner Festpredigt die Verdienste der Scheidenden an und führte gleichzeitig die Neugewählten in ihre Aemter ein. Schönlanke. (Amtsantritt des neuen Rabbiners.) Der verwaiste Rabbinatssitz ist durch Rabbiner Elieser B e r l i n g « r aus Trier neu besetzt worden. Dem neuen Rabbiner, der in Heidelberg, Köln und Berlin studierte, geht ein guter Ruf als Prediger und Jugenderzieher voraus. Als solcher hat er sich bei der Berliner Gemeind« und an den Berliner höheren Unterrichtsanstalten erfolgreich betätigt. Die Einführung des neuen Seelsorgers fand in der festlich geschmückte» Synagoge unter Anteilnahme der ganzen Gemeind« statt. Namender Gemeindeverwaltung begrüßte Herr Rechtsanwalt Ascher de» Herrn Rabbiner und wünschte, daß dieser nach dem Vorbilde der verstorbenen Rabbiner Blaschke, Wäldler und Bambcrger zum Gedeihen der Gemeinde wirken möchte. In seiner warmherzigen Antrittspredigt gelobte Rabbiner Berlinger, besonders die Jugend heranzichen zu wollen, um diese mit Wissen und Glauben zu erfüllen. Witten. (8 0. Geburtstag.) Am 30. Januar vollendet der Ehrenvorsitzende des Vorstands der Gemeind«, Herr Georg Blank, sein 80. Lebensjahr. Mehr als 40 Jahre gehörte der Jubilar der Verwaltung der Synagogengemeinde an, und 20 Jahre stand er an der Spitze des jüdischen Gemeinwesens, dessen Interessen er mit Tatkraft und Geschick vertrat. Auch die Wohlfahrtseinrichtungen der Provinz besaßen in Herrn Blank einen warmherzigen Förderer ihrer Bestrebungen. Die Ernennung zum Ehrenvorsitzenden der Gemeinde war der sichtbare Ausdruck des Dankes für die vorbildlich geleistete Arbeit. I'1 *l,,**n• i*t•*•*•*# 1 mmt*«M«•*»••*••••»*; f * | Aus der Bewegung n * : ..7..t..J Berlin. (Erziehung zur Ehe.) Am 16. Januar fand eine Versammlung der Bezirksgruppe Halensce-Grunewald des Liberale» Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin statt. Leider war der Vortragsabend durch die Ungunst d^r Witterung und die herrschende Grippe nicht so stark besucht, wre es im Interesse der Vortragenden gelegen hätte. Die Opernsängerin Frau Frieda Wolf erfreute die Anwesenden durch 3 Gesänge, die mit stärkstem Beifall ausgenommen wurden. Die Rednerin des Abends, Frau Ilse Elkisch, sprach über das Thema: „Erziehung zur Ehe". Frau Elkisch ging aus von dem jüdischen Leben im Ghetto und schilderte kurz das damalige jüdische Familienleben und ging über zur Erziehung des Menschen zur Ehe in der heutigen Zeit und für di« Zukunft. Erziehen bedeutet, einen Menschen, sei es Mann oder Frau, so aufwachsen zu lassen, daß er aus eigener Kraft schafft, was das Lebe» erfordert. Die Vorbereitung zu allen Aufgaben des Lebens ist Erziehung. Und eine Spczialaufgabe im Leben und für das Leben ist die Erziehung zur Ehe. Die Rechtlosigkeit der Frau sei dem Gesetze nach ausgehoben; es müsse jedoch die Rechtfähigkeit der Frau genau wie beim Mann durchgehends Geltung erhalten. Die Gleichberechtigung und -Stellung beider Geschlechter müsse gefordert werden. Schon bei den Kindern müsse man damit anfangen und nicht de» Knaben dem Mädchen dorziehen. Knaben und Mädchen müssen zur Selbstverantwortung erzogen werden. Die Eltern müssen den Kindern in allem das lebende Beispiel sein. Dazu gehöre aber die gegenseitige Anpassungsfähigkeit und Rücksichtnahme der Eltern und notwendig sei, eine sachliche Haltung in allem den Kindern gegenüber einzunehmen. Das Gute, das Positive muß in den Kindern gestützt werden; die gütig«, innere Haltung sei das Wichtig«. Der Bortrag fand überaus lebhaften Beifall. In der anschließenden Diskussion machten Herr Falkenberg und Herr Goetz äußerst interessante Ausführungen. (Wettere Berichte liege» aus Augsburg, Berlin, Duisburg nutz Mannheim vor. «ns technische« Gründe» ttnnen sie erst in der nächste» Rnmmer erscheine«. Die Red.)

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