Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 3 (18.1.1929)
- Date
- 1929-01-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Hab« Hi K.E. die Gleichheit und die Achtung vor den Juden «us dem Grunde verlangt, weil nicht bestritten werden könne, daß das Judentum im Tiefsten eine sittlich« Gemeinschaft sei. Von gegnerischer Seite sei den Juden vorgeworfen worden, baß. sie durch ihre Abstammung und durch ihre Religion ininderwertrg seien. Tie junge jüdische Generation habe cs schwerer als die alte, weil chr die Verachtung von außen her in erhöhtem Maße entgegengebracht wird. Deutschland müsse es lernen, Rassen- und Klassengegensätze zu beseitigen und allen wertvollen Bürgern die sittliche Anerkennung zuteil werden zu lassen. Dr. Holländer gab zum Schluß noch seiner besonderen Freude Ausdruck, daß der K.E.-Tag in diesem Jahre in Ostpreußen tage. Man habe hierdurch dem ab «trennten Ostpreußen das Bekenntnis unlösbarer Verbundenheit mitteilen wollen. Namens des geschäftsführenden Ausschusses des K.E. überbrachte Rechtsanwalt Dr. Auerbach-Berlin der Königsbergec Verbindung „Friburgia", die gleichzeitig mit dem K.E.- Tagc ihl 17. Stiftungsfest beging, die herzlichsten Glückwünsche. Er ging aus die Gründungsgeschichte der „Friburgia" ein und wies darauf hin, daß diese in Königsberg einen besonders schweren Boden gehabt habe. Der Redner schloß mit einem „bivat, creseat, sloreat" aus die. „Friburgia". Namens sämtlicher Behörden sprach Regierungspräsident Dr. v. Bahrfeldt. Die Worte, die der Hauptredner über die deutsche Ostmart ausgesprochen habe, seien von echt vaterländischem Geist getragen gewesen. Tie K.E.er aus dem R.iche mögen daran denken und allen deutschen Brüdern mitteilen, daß in Ostpreußen eine Bevölkerung von 2 Millionen abgeschnürt vom übrigen Vaterlande lebt, die seit 700 Jahren mit deutscher Geschichte und deutscher Kultur verknüpft ist. Die Kundgebung des K.E. werde ein Markstein in der Geschichte des Betennertums zum deutschen Osten sein. Für den Rektor und Senat der Albertus-Universitat sprach Professor Dr. Eisenlohr. Er bat die Kommilitonen des K.E., die Universität in Königsberg dadurch zu unterstützen, daß möglichst viel Studenten aus dem Reich nach Königsberg kommen. Namens des verreisten Oberbürgermeisters sowie des Mafesjor Dr. Schack. Neben den Worten der tiefen Verbundenheit mit dem deutschen Heimatboden habe man leider auch Worte gehört, die aus den Parteihader und die Zerrissenheit im ulaoemischen Leben Hinweisen. Es scheine, als ob die Zerrissenheit im akademischen Leben ein Spiegelbild des deutschen Volksleberrs sei. Das deutsche Volk könne aber nur gedeihen, wenn diese Zerrissenheit beseitigt werde. Auch er trat für die Förderung des akademischen Lebens im Osten and für die Förderung der jungen Königsberger Handelshochschule ein. Namens des vereisten Oberbürgermeisters sowie des Magistrats von Königsberg überbrachte Stadtschulrat Dr. Roß die Grüß« des Magistrats Königsberg, der besonders erfreut sei, daß diese Tagung in seinen Mauern stattsinde. Geheimer Medizinalrat Professor Dr. F a l t« n h e i m überbrachte Glückwünsche und Grlüße der Königsbergs Synagogengemeind«, der es eine besondere Freude gewesen sei, einen besonderen Festgottesdienst für den K.E.-Tag zu veranstalten. Das Judentum habe höhe Ideale in sich, deren sich niemand zu schämen brauch«. Der Gedanke von Deutschtum und Judentum sei kein Gegensatz, sondern geeinte Zwienatur. Für den Eentralvcrein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sprach der Landesverbandsvorsitzende Sanitätsrat Dr. P o l l n o w. Der K.H.. habe zuerst den Kamps gegen den Antisemitismus auf den deutschen Hochschulen ausgenommen. Der E.V. halte fest an der Pflege deutscher Gesinnung und sei besonders dantbar, daß der K.E. ihm wertvolle Führer geschenkt habe. Die jüdischen Deutschen in der Ostmark halten «inen doppelten Kampf zu führen, einmal den Kamps aller Deutschen um chr Deutschtum, zum andern Mal den Kanrpf um ihr Judentum. Mit dem Tank des Präsident Tr. med. Sachs- Königsberg an alle Redner schloß dieser mit dem Wahlspruch der Verbindung „Friburgia": „Durch Nacht zum Licht". Damit nahm die eindrucksvolle Veranstaltung ihren Abschluß Der 26. K.C.-Tag selbst fand im Landeshaus in Königsberg statt. Den Geschäftsbericht erstattete der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses, Dr. Ludwig Holländer, Berlin. Aus diesem geht hervor, daß in den einzelnen Verbindungen ein reges studentisches Leben herrscht. Sodann besprach Gerichtsassessor L e n n h o f f, Berlin, Fragen der Hoch sch ulpolitik. Er schilderete die durch das neue Studentenrecht in Preußen entstandene Lage in der Studentenschaft. Er bedauerte insbesondere, daß die unheilvolle Zersplitterung vor allem in den Beziehungen zu der ausländischen Studentenschaft außerordentlich ungünstig wirke. Ferner berichtete er über die in Biroille bei Paris stattgehabte Tagung, die vom Wettstudentenwerk in Genf einberusin worden war und die die Besprechung des jüdischen Problems an den deutschen Hochschulen zur Aufgabe hatte. An dieser Tagung hätten jüdische und nichtjüdische Vertreter fast aller europäischen Länder und der Bereinigten Staaten von Amerika teilgenommen. Man sei sich in allen Lagern darüber einig gewesen, daß die jüdische Frage ein Problem sei, welches nicht durch irgendwelche Hetze oder durch Schlagworte einer Lösung zugeführt werden könne. Man wolle eine neue internationale Konferenz voröereiten. die hoffentlich zu positiveren Ergebnissen führen wird. Danach sprach Rechtsanwalt Dr. Franz L. E. Fuchs, Berlin, über die Strömungen innerhalb des K.C. Zum Vorsitzenden des 'Geschäftsführenden Ausschusses wurde Direktor Tr. Ludwig Holländer, Berlin wiedergewählt. Am Abend fand als Abschluß des K.E.-Tages im Messehauptrestaurant ein Festessen mit anschließendem Ball üatt. Die Veranstaltungen des K.E.-Tages fanden in der ganzen Tages-Presse der verschiedensten Richtungen sehr starken Widerhall.. Die bedeutendsten ostpreußscheu Blätter wie beispielsweise die „Könrgsberger Hartungsche Zeitung" brachten über dre Veranstaltung recht eingehende Berichte. S - y. Aus den Gemeinden ] Borkum. (Entlassung des Badedirektors.) Im Herbst vergangenen Jahres wurde im Gemeindeausschuß von Borkum über den Antrag adgestimmt, das Spielen des antisemi.ichen Borkum-Liedes von der Saison 1929 ab zu untersagen. Der Antrag wurde mit 9 gegen 6 Stimmen abgelehnt, worauf die sechs Gemeindevorsteher, die für den Antrag eingetreten waren, ihre Aemter niederlegten. Die Annahme des Antrages war von der Badedirektion im Interesse des Seebades dringend empfohlen worden. Nun ist dem * * i Versammlungskalender * Augsburg. Dienstag, 22. Januar 1929, abends 20.15 (8.15) Uhr, im Traufaal der Synagoge: Ordentliche Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Rechenschaftsbericht. 2. Bericht des Ersten Vorsitzende« Herrn Kommerzienrat Albert Dann öder die Tagung des Weltverdaudes des religiös-liberalen Judentums in Berlin (18.-21. August 1928). Berlin. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B. Montag, 28. Januar 1929, spricht im großen Saal des Logenhauses Joachimsthaler Str. 13 Julius Bad über das Thema: „Die Dichter und die Gerechtigkeit" unter besonderer Berücksichtigung der neuen Romanwerke von Wassermann und Arnold Zweig. Naher« Angaben erfolgen in der nächsten Nummer. Wir rechnen ans starke« Besuch unserer Mitglieder und Freunde und bitten bereits schon jetzt, sich für diesen Abend frei zu halten. Breska«. Jli „Abraham Geiger". Mittwoch, den 23. Januar, im Bereinslokal „Soziale Gruppe", Kaiser Wilhelmstraße 16, Arbeitsgemeinschaften. Leitung: Herr Rcligionsiehrer Daoidsvhn. 20.15 bis 21.00 Uhr Hebräisch. 21.00-22.00 Uhr „Die Propheten" (Jesaja). — Sonntag, den 27. Januar, bereits pünktlich 9.30 Uhr vormittags, Führung durch das israelitische Krankenhaus und feine Einrichtungen von Herrn Direktor Levenbach und Herrn Primärarzt Dr. Fried. Teilnahme »on Gästen erwünscht. Meldungen bis zum 25. Januar erbeten. Düsseldorf. Dienstag, 22. Januar 1929, abends 20.45 (8.45) Uhr, in den oberen Räumen der Düsseldorf-Loge, Grafendergallee 78; Bortrag George Goetz (Berlin), Generalsekretär der Vereinigung für das liberale Judentum E. v.: „Die Bedeutung des religiösen Liberalismus im Judentum." Frankfurt a. M. Der freisinnige Bereiu für jüdisches Gemeindeleben E. B.; Dienstag, den 22. Januar 1929, abends 8.30 Uhr, im Empfangssaal der Westendsynagoge, Freiherr vom Steinstraße; Fortsetzung der Generalversammlung mit anschließendem Referat non Studiendirektor Dr. Driesen: „Die Zukunft des Philantrvpins". Frankfurt a. M. Jüdisch-liberale Jugendgemeinschaft. 22. Januar: Jli-Jugendgruppe, 20 Uhr: Lesezirkel. 22. Januar: «Ili-Heimabend» 20.45 Uhr: Zyklus „Unsere Umwelt und wir". Willi Obländer: Protestantismus. Sitzungszimmer Freiherr v. Steinstraße. 26. Januar: Jli- Jugendgruppe, 17 Mn: Religiöse Fragen. Rabbiner Dr. Eottschalk. 28. Januar, 20.30 Uhr: Heimabend. Mar Eundersheim, Berlin: Jüdisch-liberales Leben in Berlin. Sitzungszimmer Freiherr v. Strinstraße. Gottesdienste Berkin-Rorde«. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Freitag, den 18. Januar 1929, 19.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Kleia-Hermsdorf. Sonnabend, den 19. Januar, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Berkin-Weftend. Verein Liberale Synagoge Westend, Leistikowstrabe 7-8 (Schulaula), nahe Reichskanzlerplatz. Jeden Freitagabend liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr pünktlich. Freitag, den 18. Januar, Predigt: Rabbiner Dr. Salliuer. Freitag, den 25. Januar, Predigt: Rabbiner Dr. Salvmvnfki. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Aula der Cacilienfchnle, Nikolsburger Platz): Jeden Freitagabend liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr pünktlich. Freitag, den 18. Januar 1929, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Freitag, den 25. Januar, Predigt: Rabbiner Dr. Galliuer. Borkumer Badedirektor in der letzten Gemeindeausschußsitzung seine Stellung zum 1. April 1929 gekündigt worden. Der gekündigte Badedirektor hat die Entscheidung des zuständigen Landratcs angerusen. Breslau. (Bestrafter R i t u a l m o r d h e tz e r.) Der verantwortliche Redakteur Hans Kurth von der „Schlesischen Volksstimme", einer völkischen Wochenschrift, der bereits wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz verurteilt ist, hatte sich jetzt wegen öffentlicher Beleidigung des Judentums vor dem Schöffengericht zu verantworten. In einem Artikel hatte Kurth behauptet, daß die meisten Kindermorde vor dem Peßach Fest stattsänden und daß diese auf das Konto der Juden kämen, die Christenblut benötigten. Als der Staatsanwalt drei Monate Gefängnis beantragte, wurde er von dem Angeklagten der Unverfrorenheit bezichtigt. Das Urteil lautete auf zwei Monate Gefängnis wegen Beleidigung und 15 Mark Geldstrafe wegen Ungebühr vor Gericht oder fünf Tage Haft. Breslau. (7 0. Geburtstag von Justizrat Goldf e l d.)" Am Sonntag, den 20. Januar, begeht unsere Synagogengemeinde einen Festtag in angemessener Weise. Geh. Justizrat, Landgerichtsdirektor i. R. Leo Goldfeld, der Vorsitzende des Vorstandes, feiert in geistiger und körperlicher Frische seinen 70. Geburtstag. Man darf wohl sagen, dag der Jubilar die wahrhafte Zusammenfassung eines guten Deutschen und eines guten Juden verkörpert. Die sprichwörtliche Pstichlstrenge des preußischen Beamten und das Pflichtgefühl der jüdischen Gemeinschaft gegenüber sind in ihm immer lebendig gewesen und bis zum heutigen Tage lebendig geblieben. Dem Vorstand der Spnagogengemeinde gehört er seit ungefähr 15 Jahren an; den Vorsitz in dieser Körperschaft hat er seit dem vor einigen Jahren erfolgten Aoleben von Eduard Sachs inne. Außerdem ist er liberales Ratsmilglied des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. In seiner früheren richterlichen Tätigkeit und in seinen Ehrenämtern ist er stets mit strengster, aufopfernder Pflichterfüllung tätig gewesen. Nicht vergessen soll aber auch die hingebende Arbeit sein, die er seit langem in charitativen Anstalten (Jüdisches Schwesternheim usw.) und sonstigen Vereinigungen geleistet hat und immer noch leistet. Seiner religiösen Richtung nach darf man ihn wohl dem entschiedenen Liberalismus zuzählcn, aber niemals läßt der „Geheimrat" (wie er kurzweg genannt wird) seine eigene religiöse Auffassung bei der Entscheidung etwaiger gemeindeparteilicher Streitfragen mitsprcchen; auch hier hält er streng den überparteilichen Standpunkt des Ehrenbeamten einer aus verschiedenen Parteien zusammengesetzten Gemeinschaft inne. Man könnte sagen, daß er in dieser Beziehung dem „bescheidenen" Richter der Ringerzählung aus „Nathan dem Weisen" gleicht. Auch wie dieser „bescheidet" er sich, billigt jeder der auch in der hiesigen Gemeinde vertretenen drei Richtungen die Ueberzeugung zu, daß sie den echten Ring des Judentums besitze und ermuntert dadurch jede von ihnen, ihren Eifer für diese, ihre Ueberzeugung zu betätigen. Den Beamten der Qbf metnbe ist er ein gütiger und menschlich empfindender Vorgesetzter — Wir wünschen auch von dieser Stelle aus dem Altersjubilar noch Jahrzehnte erfolgreicher Gemeinschaftstätigkeit und ebensolche glücklichen Lebens im Kreise seiner Familie. Hannover. (R e p r ä s e n t a n t e n s i tz u n g.) Zn Beginn werden die wiedergewählten Mitglieder des Kollegs, Herr Kommerzienrat Berliner (Vorsteher) und die Herren Moritz Ällomon, Salli Levi und Dr. Paul Goldschmidt (Repräsentanten) wieder in ihr Amt eingeführt. — Es folgen Kommissionswahlen. An der Zusammensetzung der einzelnen Kommissionen wird deswegen wenig geändert, weil i» absehbarer Zeit (nach Einführung der neuen Wahlordnung) sowieso Neuwahlen erforderlich sein tverden. Die Mitglieder folgender Gremien »verden gewählt: Synagogenvorsteher, Schulvorstand, Wohlfahrtsausschuß, Chorkommission, Bibliothekskommission, Baukommissio«, Fricdhosskommission, Friedhofsbaukommission, Finanzkommission, Aufnahmekommission, Kultuskommission, Kommission betr. Aenderung des Wahlverfahrens und Schulkommission. Der Jugendausschuß wird aufgelöst, da man glaubt, daß seine Tätigkeit durch das Wirken d«S JugendführerS überflüssig geworden ist. — Unter Mitteilungen gibt der 1. Vorsteher bekannt, daß die neue Predigthalle auf dem Friedhdf in Bothfeld in Benutzung genommen ist und daß sich alle getroffenen Neueinrichtungen gut zu bewähren scheinen. Da aber noch verschiedene bauliche Arbeiten notwendig sind, kann die Einweihung erst in einiger Zeit erfolgen. — Der «inständigen öffentlichen Sitzung folgt eine vertrauliche, in der u. a. Bericht über Steuereingänge erstattet wird, in der über Bewilligungen und Aufnahme neuer Mitglieder beschlossen wird. Krefeld. (Todesfall.) In unserer bald mit Krefeld vereinigten Nachbarstadt Uerdingen verstarb am 1. Januar im Alter von 63 Jahren — am Verlobungstag einer Tochter — der vieljährige Vorsteher der israelitischen Gemeinde, Herr Salomon Herz. Dtr' Entschlafene brachte allen jüdischen Erscheinungen und Bestrebungen reg^S Interesse entgegen und wußte es auch auf seine vielen Kinder zu Übevtragen. Der von ihm geleiteten Gemeinde wahrte er ihr kostbarstes und notlvendigstes Gut — den Frieden. — An der Beerdigung des in allen Schichten der Stadt und über ihre Grenze hinaus angesehenen Bürgers nahmen auch Bürgermeister Dr. Marsch und sämtlich« Beigeordneten der Stadt Uerdingen teil. Oelde i. W. (Jubiläum.) Am 12. Januar konnte der hiesige Jüdische Frauenvcrein sein 50 jähriges Bestehen festlich begehen. Die religiöse Feier, die in Abhaltung eines Festgottesdienstes unter Beteiligung aller Gemeindemitglieder bestand, wurde yon Prediger Ullmann, Castrop, geleitet. Am Abend fand «ine gesellige Feier fsir alle Festteilnehmer statt; in mehreren Ansprachen wurde der Begründer des Vereins, treuer Mitglieder wie des gegenwärtigen Vorstandes ehrend gedacht. Papenburg. (Persönliches.) Wegen ihres vorgerückten Alters waren die Herren A. und I. Hes, die 33 bezw. 37 Jahre an verantwortungsvoller Stelle die Geschicke der Gemeinde geleitet haben, von ihren Aemtern zurückgetreten. Zu ihrer Ehrung versammelten sich die Gemeindemitglieder am vorletzten Sabbat zu einem Festgott-esdienst, der gleichzeitig der Einführung des. neuen Vorständegalt. Rheine i. W. (Todesfall.) In Köln starb im 82. Lebensjahre der ehemalige Lehrer und Prediger unserer Gemeinde, Hexr Ludwig Baum. Fast ein halbes Jahrhundert hat der Entschlafene, wie es vom Gemcindevorstand in einem warmherzig gehaltenen Nächruf anerkannt wird, „neben seinem Lehrcramt in wahrhaft aufopfernder Weise eine segensreiche seelsorgcrische Tätigkeit zum Wohle der ganzen Gemeinde ausgeübt". In Liebe und Hochachtung wird man dieses edlen Menschenfreundes stets gedenken. Rofenlhal. (Todesfall.) Unter großer. Beteiligung wurde der im 75. Jahre verstorbene M. Rosenberg zu Grabe getragen. Mn Vierteljahrhundert stand er an der Spitze der Gemeinde und genöß überall Achtung und Ansehen. An seiner Bahre sprachen u. a. Dp. Rosenberg-Berlin, Spier-Gemündcn, Gedcnkworte. Schnridemühl. (7 5 j äh r ig e s Jubiläum des „Israelitischen F r a uen ve r ei n s".) Unter Beteiligung der ganzen jüdische» Gemeinde feierte der hiesige „Israelitische Frauenverein." am Sonnabend, den 12. Januar, sein 75 jähriges Bestehen. Am Vormittag fand ein Festgottesdicnst statt; Rabbiner Dr. Rosenzweig hielt die Festrede, in welcher er den Wohltätigkeitssinn der jüdischen Frau im allgemeinen und den der jüdischen Frauenvereine im besonderen hervorhob. Die Feier wurde durch Gesänge, vom Synagogenchor vörgetragen, eingerahmt. Frau Erna Fränkel, die sehr rührige Vorsitzende des Vereins, begrüßte bei einer abendlichen Feier mit herzlichen Worten die Erschienenen und gab einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung des Vereins. Rabbiner Dr. Rosenzwcig sprach über die sozialen Aufgaben der jüdischen Frauenvereine. Stadtrat Schneider überbrachke die Grüße und Glückwünsche der jüdischen Gemeinde und Kaufmann Goetze die der Chcwra Kadischa. Das Fest wurde durch musikalische Vorträge und durch Aufführung eines Theaterstücks verschönt. Der Israelitische Frauenvcrein ist von Rabbiner Dr. Salomo .Braun mit 80 Mitgliedern gegründet worden, heute hat er 135 Mitglieder;j » j Sprechsaal :i*i: Für diese Rubrik übernimmt die Schriftlettung lediglich di« pr«tz» gesetzliche Verantwortung. Schafft simultane pädagogische Akademien! Sehr geehrte Redaktion! Die schulpolilischen Verhältnisse in Bayern und im Reich verlangen gebieterisch eine Lösung. In der Rcichsversassung Artikel 109; 136; 142 sind die Rechte der deutschen Reichsangehörizen im allgemeinen und in schulpoll ischer Hinsicht bestimmt. In Bayern war es bisher nicht möglich, daß konfessionslose Menschen Lehrer an S i m u l ta n-B o l ks s ch u l en. werden konnten. Desgleichen waren sie prinzipiell dazu nicht befähigt, an einer Lehrerbildungsanstalt zu unterrichten. Die neuen pädagogischen Akademien in Bayern, sollen konfessionell gebunden werden. Selbst wenn man von den Schwierigkeiten absieht, die sich in diesem Falle bei Berufungen ergebest müssen, kommen andere Gründe in Frage, die eine Ablehnung der allerengsten Konfessionaltsierung wünschenswert machen. Selbst wenn wir in Deutschland eine weltliche pädagogische Akademie bekommen, ist die strenge Konsessionalisierung der andere» Anstalten abzulehnen. Man denke sich Akademien, an denen nur konfessionslose oder nur katholische oder nur evangelische oder nstr jüdische Lehrer unterrichten. Bisher waren alle Hochschulen in Deutschland prinzipiell simultan, oder in anderen Worten, sie waren prinzipiell für Lehrer unb Lernende aller Konfessionen bestimmt. Eine Ausnahme machen selbstverständlich die thecKogischen Fakultäten und die theologischen Hoch» schulen überhaupt.