Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 3 (18.1.1929)
- Date
- 1929-01-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2613366-2614000-2614003--3012-2620549- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sprachen, die „schönen Wissenschaften" unü Philosophie, letztere wenn auch nicht allzu tief studiert, und war so für den Umgang mit Lessing immerhin genügend vorbereitet, im allgemeinen und bis zu einem gewissen Zeitpunkt auch von Lessing etwas überschätzt. Sie finden sich bald in menschlich-herzlicher Freundschaft wie in wissenschaftlichem Streben; Lessing ist natürlich der GAende, führt den Freund in die moderne Poesie und Philosophie ein, versaßt sogar mit ihm gemeinsam die polemische Schrift „Poche ein Metaphysiker". Bon 1755 ab setzen sie in Briefen ihren ästhetisch- und philosophischkritischen Gedankenaustausch fort, der später etwas nachlassend bis zu Lessings Tode dauerte. „An Lesfing", sagt Erich Schmidt in seiner Lessingbiograph'.e, „hing der treue Mann mit ganzem Herzen. Er nennt ihn seinen besten Freund und Ratgeber und beteuert, jedes Mal neuen Antrieb für Gemüt und Verstand empfangen zu haben." Wie hoch er ihn verehrte, w>ie tief er ihn betrauerte, geht aus seinem Briefe nach Lessings Tode an Lessings Bruder hervor. „Nicht ein Wort", schreibt er, „von unserm Verlust, von der großen Niederlage, die unser Herz erlitten. Das Andenken des Mannes, den wir verloren, ist mir jetzt zu heilig, um es durch Klagen zu entweihen. Es erscheint mir nunmehr in einem Lichte, das Ruhe und erquickende Heiterkeit aus die Gegenstände verbreitet. Nein, ich rechne nicht mehr, was ich durch seinen Eintritt verloren. Mit gerührtem Herzen danke ich der Vorsehung für die Wohltat, daß sie mich so früh, in der Blüte meiner Jugend, einen Mann hat kennen lassen, der meine Seele gebildet hat, den ich ber jeder Handlung, die ich vorhatte, bei jeder Zeile, die ich hinschreiben sollte, mir als Freund und Richter vorstellte, und den ich mir zu allen Zeiten noch als Freund und Richter vorstellen werde, so oft ich einen Schritt von Wichtigkeit zu tun habe." Einer der letzten Briese Lessings war an Mendelssohn gerichtet, und er empfahl ihm darin einen andern, wenn auch nicht ganz unschuldigen, so dock) unglücklichen" jüdischen Freund. * * » Lessings Stellung zum Judentum als historischer und gegenwärtiger Religion ist bestimmt durch die Entwicklung seiner wissenschaftlichen und religiös-sittlichen Weltanschauung. Lessing als der Sprosse einer altsächsischen Psarrersamilie geht aus von der Orthodoxie. Die nächste Stufe ist der Versuch, Wissen und Glauben, Buchstaben und Geist, historische Ueberlieserung und Idee in einer zulänglichen Synthese zu vereinigen. Von da an geht der Weg durch äußere und innere Konflikte, Kämpfe, Angriffe, Gemeinheiten von allen Seilen zu immer größerer Freiheit, bis zuletzt die Befreiung von allem Außenwerk von Dogma und Ueberlieserung vollzogen ist. Denn der Buchstabe ist nicht der Geist, und die Bibel ist nicht die Religion. Nicht die Religion, die ihm vorschwebte, die reine Religion des Geistes, der Gesinnung, der Tat, die keiner Bezeugung von außen bedarf, da sie sich durch sich selbst beweist. Dogmen Glaubenslehren, Ueberlieferungen haben Geltung nur noch in ihrem Gleichniswert, als Symbole. Sie sind wie unreines Wasser, das ausgeschüttet werden kann, wenn das reine da ist, wie Stützen, die fallen können, wenn das Gebäude fertig ist. Eine solche reine Religion überwindet d-e „Religionen". In verschiedenen Schriften, den „Freimaurergesprächen", der „Erziehung des Menschengeschlechtes" werden diese Ideen selbst noch mehr oder minder symbolisch-verhüllt vorgetragen. Die Offenbarung ist hier als Erziehung gefaßt, Gott als der Erzieher, der je nach dem Stande der sittlich-religiösen Kulturstufe eines Volkes diesem seine Offenbarung zukommen läßt, wie man ein Kind je nach seiner Entwicklung erzieht. Von diesem Gesichtspunkte aus, insofern eben das noch „rohe und im Denken ungeübte israelitische Volk" zur Aufnahme späterer Offenbarung noch nicht röis war, stellt Lessing zunächst die jüdische hinter die christliche Religion. An seiner Gottesvorstellung vornehmlich, die anfänglich an einem Nationalgott haftend, dann hauptsächlich durch die Berührung mit der persischen reineren Lehre immer größer und reiner wird, exemplifiziert Lessing die Höherentwicklung des jüdischen Volkes und damit seiner Religion, deren letzte Stufe in jene reine und höchstgeläuterte einmündet. Gibt es nun aber von dem Standpunkt jener höchstgeläuterten Religion aus einen Wertmesser für den Vorrang einer Religion als Lehre und Dogma, läßt sich die im theoretischen Sinne beste Religion theoretisch bestimmen? Lessings Antwort auf diese Frage und damit letzte Erkenntnis lautet nein! Und „Nathan der Weise" ist die dichterische Fassung dieser Antwort. Nathan der Weise, Lessings Epilog, nach dessen künstlerischer Qualität zu fragen uns die Ergriffenheit vor dem Gehalt verwehrt, ist der dichterische Abschluß jener weltanschaulich-religiösen Entwicklung und zugleich die höchfle Kundgebung von Lessings Menschentum, der Ort, wo Bekenntnis, Gesinnung und Persönlichkeit in einer erhabenen Synthese zusammensließen. Das Stück spielt, wie wir wissen, in Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge, wo sich die drei Religionen Judentum, Christentum, Mohammedanismus auf einem gar heißen Boden von Fanatismus, Glaubenshochmut und Intoleranz zusammenfinden. Nathan, der Weise genannt, hat, nachdem ihm fanatische Christen sein Weib und sieben Söhne gemordet, ein Christenmädchen als sein eigenes Kind aufgezogen. Er hat sie in jene über aller Konfession stehende reine und erhabene Religion eingeführt, die wir oben gekennzeichnet haben. Als die Sache an den Tag kommt, soll sie ihm genommen und Nathan von dem Fanatismus des christlichen Patriarchen gerichtet werden. Mag seine Tat noch so edel und uneigen-' nützig gewesen sein, tut nichts, „der Jude wird verbrannt". Die Sache löst sich zum Schluß zum Guten. Nathans! Recha ist die Schwester eines Tempelherrn, der sie aus dem Feuer gerettet und sie beide Nichte und Neffe des Sultans; Nathan wird Vater der beiden und der Freund des Sultans. Wir fragen, wie gesagt, nicht nach dem Dichterischen. Die Handlung ist erfunden um des Gehaltes und der Charaktere willen. Sie sind mit Ausnahme des fanatischen Patriarchen, dem als wirkungsvoller Gegensatz der einfache im wahren Sinne christliche Klosterbruder gegenüb ersteht, in den verschiedensten Schattierungen hochgemutete vornehme Menschen. Der edelste, weiseste, größte und am meisten jene höhe Religion der Liebe und Duldung Repräsentierende, ist Nathan. Nicht daß Lessing damit sagen wollte, der Jude als Jude sei stets der Beste von allen, das wollte er nicht. Aber seine vornehme Gesinnung' sein Gerechtigkeitsgefühl und seine Menschenliebe ließen ihn gerade den Juden als den Angehöriger) der unterdrückten und verfolgten Religion nehmen, um den anderen zu sagen, daß dieser von ihnen Unterdrückte und Verfolgte ebenso gut sei, ja besser sein könne als sie. Ebensowenig wollte Lessing, wie schon irrtümlich angenommen wurde, hier das Judentum als solches dem Christentum vorziehen, sondern es ist, in der Parabel von den drei Ringen vornehmlich symbolisiert, gerade ein Hohelied jener reinen, von keinem Buchstaben, keiner Ueberlieserung, keinem Dogma getrübten Religion des Herzens, die über jedem konfessionellen Bekenntnis steht, der die Duldung selbstverständlich ist, und deren Wahrheitsgehalt theoretisch nicht bewiesen werden kann, den festzustellen es nur ein Mittel gibt: das ist die Gesinnung und die Handlungsweise ihrer Bekenner. Ja, wenn man das Bild der Parabel fortführen, wenn man in dem Vater der drei Söhne, der selbst die Ringe nicht mehr unterscheiden kann, ein Symbol Gottes sehen darf, so könnte selbst Gott den Wert der drei Religionen nur mehr noch an jenem Persönlichkeitswert ihrer Bekenner erkennen.... Es ist ergreifet zu denken, daß bereits der junge, der zwanzigjährige Lessing in dieser hohen Gesinnng lebte. Ist doch schon in einem seiner frühesten Weite, in dem 1749 erschienenen Lustspiel „Die Juden" in entsprechend weniger hoch gestimmter Form für die Duldung und Gerechtigkeit gegen die Juden eine Lanze gebrochen. Wir wissen, daß kein Geringerer als Goethe den Nathan von dieser Seite her so hoch schätzte: „Möge doch", sagte er, „die bekannte Erzählung, glücklich dargestellt, das deutsche Publikum aus ewige Zeiten erinnern, daß es nicht nur berufen wird, um. zu schauen, sondern auch um zu hören und zu vernehmen. Möge zugleich das darin ausgesprochene göttliche Duldung» und Schonungsgefühl der Nation heilig und wert bleiben." Es führt eine Linie gerade da von Lessing zu Goethe, von dem Ort, wo es im Gegensatz zu manchen andern Seiten nicht seines Wesens, wohl aber seines Schaffens - keine Grenzen gibt bei Lessing, von der Gesinnung, von dem Menschentum her. „Nathan der Weise" ist das erste der drei großen Humanitätsdramen des 18. Jahrhunderts, die dessen Ruhm und Ehre ausmachen. Das zweite ist Goethes „I p h igeni", das Hohelied reiner Menschlichkeit in anderer Art, das dritte Schillers „Don Carlos", wiederum ein Sang, eine Bision ferner Zukunft von Menschenwürde und Menschenglück, von bürgerlicher und religiöser Freiheit. Aber es war Lessing, der als erster diese hohe Idee am jüdischen Menschen und zugunsten des Judentums dichterisch verherrlichte. Ter 22. Januar sollte dem deutschen Juden ein Festtag sein! Lessings Lustspiel «Die Zuden" Bon S. Meisels. Die älteste Lesfing-Biographie, die wir besitzen, stammr von Karl Gotthels Lessing, einem jüngeren Bruder d.s Dich lers. Die Biographie ist unter dem Titel „Gotthold Ephraim Lessings Leben" in Berlin 1793 erschienen (von neuem mit Anmerlungen herausgegeben und eingeleitet von Otto F. Lachmann, bei Reclam). Mit diesem Werte hat sich Karl Gotthels um die Leffing-Forschung ungemein verdient gemacht. Gewiß, man hat an diesem Werke vieles auszu setzen: vor allem wimmelt es darin von groben Jrrtümern und falschen Daten, und dann enthält es zahlreiche eingeschobene langatmige Betrachtungen, die die Schilderung von Lessings Leben unnützerweist und vielfach störend unterbre chen. Dennoch besitzt diese Lessing Biographie ihren unbestreitbaren literaturgeschichtlichen Wert: für den Literaturfreund und Lessing-Verehrer ist sie heute noch eine überaus fesselnde Lektüre. Hat man erst einmal die Jrrtümer sowohl wie die weitschweifigen Reflexionen ausgemerzt und die ungenauen Angaben richtiggestellt was in der Lachmannschen Ausgabe auch geschehen ist so bleibt die Lebensgeschichte des Nathandichters übrig, geschrieben von einem Manne, der schon in verwandtschaftlicher Beziehung Lessing am nächsten stand und dem die näheren Lebensumstände seines Bruders sozusagen von der Wiege bis zum Grabe vertraut waren. Und das allein schon will nicht wenig bedeuten. Vor allem andern interessant ist im Buche Karl Lessings das Anfangslapitei, das von Lessings Abstammung handelt. In der weisen Erkenntnis, daß Schicksal und Charatter eines Menschen gar oft mit seiner Herkunft und Abstammung eng verknüpft sind, schickt Karl Lessing der Lebensgeschichte des Dichters einige Nachrichten über Lessings Vorfahren voraus. Demnach ist der erste Lessing, dessen in einer Urkunde gedacht wird, der Pfarrer Clemens Lcssigk, der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Kursachsen gewirkt hat (nach neueren Forschungen ist der Stamm der Lessings seit 1409 nachweisbar). Dieser Clenrens Lessing war einer von denen, die 1580 die Konlordiensormel Unterzeichneten. Ein Enkel von ihm, Theophilus, der Großvater des Dichters, schrieb 1070 eine Dissertation: De religionum tolerantia („Von der Duldung der Religionen"). Mit einigem '«lolz vermerkt Karl Lessing, daß sein Großvater diese Dissertation schrieb vierundzwanzig Jahre vor der Geburt des weltlichen Toleranzpredigees Voltaire. Weit wichtiger wäre vielleicht der Hinweis gewesen, daß der Gloßvater seine Dissertation hundert Jahre vor der Geburt des „Nathan" geschrieben yalte. jenes klassischen Versdramas, das sein Enkel Gotthold Ephraim gedichtet hat und das ebenfalls de religionum tolerantia handelt. Die Schrift von Lessings Großvater hat sich nicht erhalten, und wir können daher nicht festsrellen. ob und inwieweit er im Geiste der Toleranz der Vorläufer seines berühmten Enkels gewesen ist. Jedenfalls aber war der Toleranzgedanle gewissermaßen geistiges Erbgut in der Familie Lcsfing. In der Tat läßt sich bei Lessing dieses geistige Erbgut darin Nachweisen, daß er das Ende seines Lebenswerks an dessen Anfang knüpft. Lessings dichterisches Lebenswerk beginnt mit dem Lustspiel „Die Juden" und endigt mit dem dramatischen Gedicht „Nathan der Weise". So sehr das dürftige Jugendwerk des Dichters von der gewaltigen Dichtung fernes reifen Alters verschieden ist, — r'n dem Grundgedanken und in der Grundstimmung berühren sich beide Werke eng miteinander. Schon im Lustspiel „Tie Juden" kündet sich der kämpferische Geist an, der Lessing beseelte, der Geist des Kampfes für Wahrheit, Duldung und Menschenwürde. Der „Reifende" im Lustspiel ist ein schwächlicher Nathan, der „Nathan" — ein hundertfach potenzierter „Reisender". Nathan der Weise ist ebenso weise als klug, ebenso klug als gut. „Man sollte ihn doch auch Nathan den. Guten nennen»" meinte einmal Adolf Sonnrnchal, der hervorragendste Nathan-Darsteller. Der „Reisende" besitzt nicht Nathans Weisheit, auch nicht dessen Klugheit, aber er besitzt dessen Güte; ev ist in Wirklichleit ein Nathan der Gute. Vielleicht heißß er auch so, wir wissen es bloß nicht, weil er seinen Name» verschweigt. Und im Grunde ist ja auch Nathan ern Reisender, der zeitweise von Jerusalem nach Babylon den Weg bald rechts, bald links zu nehmen genötigt ist. Es ist nicht unwichtig, daran zu erinnern, daß die Abfassung des Lustspiels „Die Juden" in Lessings „vormendelssöhnsche" Zeit fällt, das heißt, daß Lessing feinen Einatter zu einer Zelt geschrieben, als er mit Moses Mendelssohn, dem edelste« und bedeutendsten Juden jener Tage, noch nicht bekannt ge* worden war. Und dpch hat Lesfing schon im Reisenden;, gleichwie später im Nathan, den Juden als edlen Menschen, ia als den Edelsten unter den Edlen, dargestellt. In künstlerischer Hinsicht ist Lessings Jugendwerk nicht von allzugroßem Wert. Die Fabel ist dürftig, die Charatterzeichnung recht mangelhaft, und die Ausführung des Ganzen zeigt das Merkmal des Unvollendeten auf, das fast jedem Jugendwerk anhaftet. Ein Baron wird von Räubern überfallen und ein zufällig des Weges däherkommender Reisender reitet ihn: das Leben. Der Baron hält seinen Lebensretter, der feinen Namen nicht nennt, für einen Edelmlaun, die' Räuber aber glaubt er unter den allgemein verrufenen Jude« suchen zu müssen. Es stellt sich jedoch heraus, daß als Juden vermummten Räuber Leute von den Gütern des Barons sind, der Reisende aber entpuppt sich als Jude. Das Stück ist, wie gesagt, künstlerisch nicht sehr bedeutend. Nur in der Tendenz, in der Gesinnung, die es bekundet, ist es ein echter Lessing; denn auch aus diesem Werke weht un? der Geist der Toleranz und der Humanität des Nathandichters entgegen. Ueber die Tendenz seines JugendwerkeS hat sich Lessing selbst in der Vorrede zum dritten und vierten Teil seiner Schriften (Berlin 1754) mit aller Klarheit ausgesprochen. „Das Lustspiel Die Juden", schreibt Lessing, „war das Resultat einer sehr ernsthaften Betrachtung über die schimpfliche Unterdrückung, in welcher ein Volk seufzen muß, das ein Christ, sollte ich meinen, nicht ohne eine Art von Ehrerbietung betrachten kann. Ans ihm, dachte ich, sind ehedem so viel Helden und Propheten aufgestanden, und jetzo zweifelt man, ob ein ehrlicher Mann unter ihm anzutreffen fei? Meine Lust zum Theater war damals so groß, daß ich alles, was mir in den Kops kam, iu eine Komödie verwandelte. Ich bekanr also gar bald den Einfall, zu versuchen, was es für eine Wirkung auf der Bühne haben werde, wenn man dem Volke die Tugend da zeigte, wo es sie ganz und gar nicht vermutet." So ist jenes Stück entstanden, das, ein Vorläufer des „Nathan", ebenso wie dieser für den Toleranzapostet und Humanitätsverkünder Lessing allezeit Zeugnis geben wird. Lessing bekennt einnral: „Tie Gesinnung des „9kat h a n" ist von jeher meine eigene gewesen«" Ein Bekenntniswort Lessings bedarf wahrlich nicht eines Wahrheitsbeweises. Wir aber besitzen diesen Beweis, nur besitzen ihn schwarz auf weiß, nämlich in dem Lustspiel „Me Inden", das der Zwanzigjährige geschrieben hat. Nicht nur Lessings letztes Wort, der „Nathan", sein Vermächtnis au die Menschheit, nein, auch schon fein erstes Wort, sein Jugendwerk „Tie Juden", atmet jenen echt Leffingschen Geist, der der Menschheit die Botschaft de religionum tolerantia verkündet. Der 26. N.C.-Tag in Königsberg Der Gedanke von Deutschtum und Judentum in der Ostmark erhielt eine erhebliche Stärkung dadurch, daß der Karlell-Convent jüdischer Verbindungen seinen 26. K.C.-Tag diesmal in Königsberg abhielt. Vor der Eröffnung der Tagung fand ein feierlicher Festgottesdienst statt, bei dem Gemeinderabbiner Dr. Lewin in; seiner Festpredrgt aus die Entstehungsgeschichte des K.C. einging. Tie ersten jüdischen Verbindungsstudenten habe der Geist beseelt, das Judentum zu verteidigen und für ferne Gleichberechtigung im deutschen Vaterlande zu kämpfen. Von jüdisch-bürgerlicher Seite habe man damals diese Selbst wehr für überflüssig, ja für schädlich gehalten. Später yabe dann die Idee auch aus das bürgerliche Leben übergegriffen. Der K.C.-Tag dürfe nicht nur dem geschichtlichen Gedenken gewidmet sein, sondern ermahne seine Mitglieder, fortzusahren im Kampfe für die Gleichberechtigung des Judentums. Feierlich umrahmt wurde der Gottesdienst durch die kantoralen Gesänge m ersten Kantor Dr. Pik, von Orgelsprel und Gesang des Synagogenchors. Am Sonnabend Abend fand eine größte Ostmartentundgebung mit anschließendem Festkömmers im Messehauptrestaurant statt, zu der sämtliche Staats- und Kommunalbehörden Vertreter entsandt hatten. Unter den Erschienenen Ehrengästen bemerkte man den Landeshauptmann der Provinz, Ostpreußen Tr. Blunck, den Regierungspräsidenten Dc. von Bahrfel dt, der zugleich für den Oberpräsidenten erschrcnerr war, den Vertreter von Rektor und Senat der Albertus-Universität Professor Dr. Eisenloy r, den Vertreter des Rektors der Handelshochschule Professor Dr. Schack, den Polizeipräsidenten T itze, Stadtschulrat Dr. Roß, der für den Oberbürgermeister und den Magistrat erschienen war, sowie den Vorsitzenden der Königsberger Synagogengemeinde Geheimrat Professor Dr. Falken Herrn neben einer Reihe von anderen Persönlichkeiten der jüdischen Prominenz. Die Ostmarlenansprache hielt Universitätsprosessor Tr. Theodor Cohn-Königsberg. Er führte aus, daß alle Versammelten dem Gefühl der Liebe und Sorge für die deutsche Ostmark verleihen wollten. Ter K.C.-Tag habe zum ersten Male in dieser Zeit der deutschen Not sein Banner in der Ostmark ausgepslanzt. Da erscheine es als selbstverständliche Pflicht, öffentlich auf diesem gefährdeten Boden das Treuebekenntnis zum deutschen Vaterlande abzulegen. Ostpreußen sei durch den polnischen Korridor vom Mutterlande abgeschlossen, eine deutsche Insel inmitten flavischer Brandung. In den Herzen der K.C.er sei neben der Treue am jüdischen Glauben die Liebe und Treue zur Heimat und zum deutschen Vaterlande verankert. Das Deutschtum in Ostpreußen dürfe nie angetastet werden. Die jüdischen Deutschen Ostpreußens fühlten sich einig mit allen deutschen Brüdern, mit denen sie durch Geschichte, Kultur und Rechtsgemeinschaft unlösbar verbunden seien. Als zweiter Hauptredner sprach der Vorsitzende des Geschäftsührenden Ausschusses des K.C. Dr. Holländer- Berlin. Er ging zunächst auf die Geschichte des K.C. ern und schilderte die Vechältnisse vor dem Kriege. Schon damals