Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 1 (4.1.1929)
- Date
- 1929-01-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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irmls war von einem in Bernan wohnendeir strolch namens Fromm eine vergoldete Monstranz gestohlen worden, und eine der darin enthaltenen geweihten Hostien sollte an einen Juden verkauft worden sein. Diese Beschuldigung genügte damals, um sämtlichen im Jüdenhof wohnhaften, also allen Berliner Juden, den Prozeß zu machen. 36 von ihnen wurden auf dem Neuen Markt auf einem einzigen Scheiterhaufen verbrannt, zwei, die sich halten taufen lassen, um dem Tode zu entgehen, wurden mit dem Schwert hingerichtet. In dem Geschichtsunterricht über das Haus Hohenzollern verlautet von solchen Dingen gewöhnlich nichts. Die Frauen und Kinder der Hingerichteten wurden zunächst nach Spandau gebracht und dann aus Brandenburg vertrieben. Schon damals dürfte der Jüdenhof wahrscheinlich wesentlich verkleinert worden sein. Die erste Vertreibung der Juden hatte 1348 im Zusammenhang mit der Damaligen Peftepidemie, «m der man ihnen die Schuld gab, stattgefunden. * Sprechsaal * Für diese Rubrik übernimmt die Schttstleitung lediglich dir pre^- gesetzliche Verantwortung. Lhanukahfilm Dem Charmkahfest wird von Jahr zu Jahr, speziell von unserer Jugend, immer größeres Interesse entgegengebracht, von der äußersten Rechten bis zur Reform-Gemeinde, ohne Unterschied. Meine Anregung geht nun dahin, Juden zu finden, die in der Filmbranche tätig sind und bereit wären, einen Chanukahfilm zu fertigen. Ich glaube, sie würden sich selbst damit einen großen pekuniären Erfolg verschaffen und gleichzeitig unserer Jugend einen großen Dienst erweisen, denn durch Vorführung eines solchen Geschichts-Films tutrb den Kindern besser und anschaulicher als durch alle Borträge vor Augen geführt, welche Bedeutung dieses Fest für uns Juden hat. Hochachtungsvoll ' Sigmund Saltnger. Ein Dort über die Schule der jüdischen Zugend Bon Dr. Ellen Liitmann. Ende Oktober 1928 wurde die „Schule der jüdischen Jugend" Eröffnet. Nicht, wie cs ursprünglich vorausgesehen war, mit einer größeren Propagandaversammlung, die ihre Ziele und Bestrebungen in der breiteren Ocffentlichkeit bekannt gemacht hätte, begann sie, sondern mit einigen hebräischen Kursen, die des Raummangels halber zum größten Teil in der Wohnung kdcs Kursleiters abgchalten wurden. Jetzt endlich ist di« Raumfragc geklärt; die Berliner jüdische Gemeinde hat uns in dankenswerter Weise die Räume der Rcligionsschule in der Lützowstraße (im Synagogengebäude) zur Verfügung gepellt. Die Arbeit der Schule kann nun im neuen „S'man" mit »ollen Kräften beginnen. So sei denn kurz auf das hingewiesen, was die Schute der jüdischen Jugend sein will. Die jüdische Jugendbewegung aller Lager und Richtungen will den jungen Menschen zum Juden erziehen. Dieses Ziel kann — sicht man einmal von dem Gemeinschaftsleben in den einzelnen Bünden ab — nur noch durch die jüdische Bildungsarbeit, durch wirklich ernsthafte Bemühung um Wissen von Juden und Judentum erreicht werden. Die intensive Bitdungsarbeit «der ist stark vom Führer abhängig. Und nicht immer trifft sich in den jungen jüdischen Führern das zusammen, daß sie wirkliche Führerpersönlichkeiten und Wissende auf irgend einem jüdischen Gebiete sind. So ist die Bildungsarbeit, die bisher in den einzelnen Bünden geleistet wurde, immer mehr oder lveniger vom Zufall abhängig gewesen, oft auch nur zu einem ganz geringen Teile durchgeführt worden. Nun hat sich ein großer Teil der jüdischen Jugendbünde Berlins in der Schule der jüdischen Jugend zu dem Versuch zusammengeschlosfen, diese Arbeit gemeinsam zu leisten. Nicht nur die gemeinsame Tat soll mit diesem Versuch dokumentiert werden. Auch für die Arbeit selbst, für die innere Einstellung zu ihr erhoffen wir von dieser Gemeinsamkeit neue Antriebe. Wohl zum ersten Mal soll hier der Persuch gemacht werden, das gesamte jüdische Geistcsgut in seiner ganzen Breite und Tiefe, in all seinen Berzlveigungen, als eine Aufgabe vor die Jugend zu stellen. Losgelöst von jeder polemischen Partei tendenz soll hier die jüdische Jugend die Möglichkeit haben, den Kosmos jüdischen Denkens und jüdischen Seins in sich aufznnehmen. Noch ein Wichtiges kommt hinzu, das die praktische Durchführbarkeit dieses Zieles wesentlich erleichtert: die Lehrenden werden von der Jugend selber gewählt, sie werden gewählt unter dem Gesichtspunkt des Wissens und dem des Verhältnisses zur Jugend. So ergibt sich, daß ein großer Teil der Lehrenden aus den einzelnen Bünden selbst kommt oder der Jugendbewegung m irgend einem Sinne nahcsteht. Das schafft von vornherein eine ganz andere Atmosphäre und bildet zusammen mit der Freiwilligkeit der Lernenden einen nicht zu unterschätzenden Faktor. Was hat die Schule der Jugend bisher geleistet? In den elf hebräischen Kursen, die bisher abgchalten wurden, sind selbstverständlich noch keine absoluten Höchstleistungen erzielt worden, zumal der größere Teil von ihnen Anfängerkurse waren. Aber ich glaube, das eine ist sicher erreicht worden: die jungen Menschen, di« zu uns kamen, haben Freud« am Hebräischen bekommen; sie haben gesehen, daß die Schwierigkeiten nicht unüberwindbar sind, und daß es wohl gar nicht so sehr langer Zeit bedarf, um über das rein Sprachliche hinaus zum inneren Sachverständnis zu gelangen. Denn das ist das Ziel, das uns allen borschwebt: Hebräisch lernen nicht aus philologischem Interesse, sondern um das vorwiegend in hebräischer Sprache geschriebene jüdische Geistesgut voll in uns aufnehmen zu können. So sind auch schon im vergangenen Semester 2 Kurse abgehalten »oordcn, die in die Welt des Midrasch und der M'fornhtm cingeführt haben; aus den „Sprachkursen" sind bereits „Sachkursc" geworden. Vielleicht darf als Erfolg der hebräischen Kurse auch das gebucht werden, daß sämtliche Kurse auf Wunsch der Hörer im nächsten „S'man" weitcrgeführt werden sollen. Ueber hundert Hörer haben an diesen Kursen im ganzen teilgenommen. Das scheint zunächst keine sehr große Zahl zu sein. Bedenkt man aber, ■ daß wir diese Hörer völlig ohne jede Propaganda, also mühelos gewonnen haben, und bedenkt man ferner, daß einige Bünde bereits eigene hebräische Kurse hatten, die sie nicht auflösen konnten und wollten, so dürfen wir wohl mit einiger Berechtigung hoffen, daß die Mitte Januar stattfindcndc öffentliche Kundgebung und eine auf Grund des schon vorhandenen Interesses einsetzende Propaganda eine Vervielfachung unserer Teilnehmerzahl bringen wird. Sendet den fälligen Beitrag für das 1. Quartal 1929 ln Höhe von Mk. 2.50 auf das Postscheckkonto der Bereinigung für dar liberale Judentum Berlin Nr. 137 089 ein. zum Heiligtum der alten Quellen in gefälliger Weise erschließt, die ganze Anlage seines Werkes ausgiebig begründet. Es verlohnt sich wirklich der Mühe, an der Hand seiner Leitsätze dein Forscher zu folgen. Wer tiefer de* Quellen nachgeht, wird die Erkenntnis gewinnen, daß die Tosephtasammlung den Wert einer gewissen Selbständigkeit in sich trägt, ein abgeschlossenes Ganzes darstellt. Guttmann hat mit seiner Untersuchung der Wissenschaft eine wertvolle Gabe beschert, die weiteste Verbreitung verdient. RabbinerDr. Arthur Rosenthal, Berlin-Lichtenberg. Bezirksrabbiner Or. Salomon Stein, Schweinfurt: „Die Zehngebote“. , Vom gleichen Verfasser: „Die Psalmen“. J. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M. Die beiden kleinen Schriften, jede nur 22 Seiten umfassend, sind Niederschriften von zwei Vorträgen, in dene« der Verfasser den Versuch unternimmt, Inhalt und Bedeutung seiner Betrachtungsgegenstände — die Zehngebote und die Psalmen — in populärer Weise darzustellen. Die Vorträge haben z. T. auch apologetischen Charakter; sie sind aus dem Geiste des orthodoxen Judentums heraus verfaßt. Leopold Nathansohn. C.-V.-Kalender 1929. Herausgegeben vom Landesverband Groß-Berlin des „Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V.“, Berlin, S.W. 68, Lindenstraße 13; daselbst zu beziehen zum Preise von M. 0,49 exclsv. Porto. Die neue Ausgabe dieses allgemein beliebten Kalenders erscheint soeben. Aeußerlich handlich und ansprechend, enthält sie neben dem bürgerlichen und jüdischen Kalendarium wertvolle Angaben und Uebersichten zum Gebrauch des deutsch-jüdischen Publikums. In der „Liste der im Jahre 1928 verstorbenen C.-V.-MitgHeder“ vermissen wir den Namen Bernhard Breslauer. Gtz. Bor allem aber hoffen wir auch auf die Mitarbeit der Nichtorganisierten jüdischen Jugend, denen die Schule Sammelpunkt werden soll. Kurz vor Chanukah ist dann noch der langersehnte Musikkurs begonnen worden. Im neuen „S'man" kommt zu den hebräischen Kursen einer für Anfänger und einer für die ganz Fortgeschrittenen hinzu. Außerdem soll nun die Arbeit aus allen andern Gebieten beginnen; der Arbeitsplan enthält noch Kurse aus folgenden Gebieten: Geschichte, Philosophie, Bibel und rabbinisches Schrifttum, Soziologie, Palästinakunde (historisch und aktuell). Literatur soll in Sonderveranstaltungen geboten werden. Doch all das, was bisher geleistet wurde und was in den nächsten Monaten geleistet werden soll, wäre ohne die Hilfe des Jugendpflege ausschusses der Berliner Gemeinde unmöglich gewesen, denn er erst hat uns die Mittel bereitgestellt, um unsere Pläne in die Wirklichkeit umzusetzen. Es sei ihm auch an dieser Stelle der Dank der jüdischen Jugend ausgesprochen. (Das genaue Programm für die Frühjahrskursc der Berliner Schule der jüdischen Jugend ist durch Dr. M. Spitzer, Berlin-Charlottenburg, Trendelenburgstraße 1, erhältlich.) * BUCHERSCHAU Das redaktionelle und sachliche Verhältnis zwischen Misna und Tosephta. Von Dr. Alexander Guttmann. Verlag M. u. H. Marcus, Breslau 1928; brosch. 1% 8. Wenn man das Werk des noch jugendlichen gelehrten Verfassers einer eingehenden Lektüre unterzieht, kann man es im Hinblick aut die Akribie und die fein durchdachte Anlage der Ideen, die Guttmann uns entwickelt, verstehen, daß die Arbeit eine preisgekrönte Lösung der Frage ist, die das jüdisch-theologische Seminar in Breslau im Jahre 1926 unter obigem Titel stellte. Als Quellenschrift reiht sich die Arbeit den gelehrten Misrah- und Tosephtaf.-uscliungen von!>. Hoflmann, L. A. Rosenthal, Schwarz und Zuckermandel würdig an. Tosephta heißt soviel wie „Hinzufügung“. Und zwar ist das in dem Sinne gemeint, daß die Misnah durch die Tosephtasätze einen bedeutenden Zuwachs von Gedanken erfährt. Guttmann hat ganz richtig erkannt, daß eine Untersuchung der Verwandschaft zwischen Misnah und Tosephta den <jesaftitstoff der talmudisehen Geisteswelt klar durclileucriet. Der Verfasser hat in einer fesselnden Einleitung, die njc.ues Erachtens selbst dem weniger geschulten Laien die Pforten Dereinsnachrichten Spottgruppe im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Hallentraining, Turnen, Gymnastik: jeden Montag, Dienstag und Donnerstag für Damen, Mädchen, Männer, Jugend, Schüler in allen Stadtteilen. Hallentraining und Waldlauf: jeden Donnerstag und Sonntag. Heimabende: jeden Mittwoch. Auskunft erteilt die Geschäftsstelle C. 2, Burgstraße 26. Telephon: Norden 8903. Israelitischer Gottesdienst in Arankfurl/Ar. Liberaler Ritus: Hauptfynaqoge. Freilag, d. 4. 1., abds. 4.30, Freitagabendseier, Jugendgottesdienst Rabb. Dr. Lazarus. Sonnabend, d. 6. 1., morg. 9, Predigt Rabb. Dr. Gottschalk, nachm. 4, ^Ausgang 5.30. Wochengottesdienst: morg. 7.30, nachm. 4. Synagoge Freiherr vom Stein-Straße. Freitag, d. 4. 1., abds. 6, Jugendgottesdienst Rabb. Dr. Seligmann. Sonnabend, d. 5. 1., morg. 9.30, Ausgang 5.30. Wochengottesdienst: morg. 7.30, abds. 7. Konservativer Ritus: Synagoge am Börneplatz Freilag, d. 4. l., abds. 4.15, Vortrag Dr. Köhler. Sonnabend., d. 5. 1., Frühgollesdimst 7.15, morg. 8.15, nachm. 4 Bortrag Rabb. Dr. Hoffmann für junge Leute: „Die Grundlehren des Judentums im Anschluß an Maimonides", Ausgang 5.30. Wochengottesdienst: morg. 7, nachm. 4.15. Hflnngun1’ Buckenheim. Freitag, d. 4. 1., abds. 4.15, Vortrag Rabb. Dr. Horovitz. Sonnabend, d. 5. 1., morg. 8.45, nachm. 4, Ausgang 5.30. Wochengottesdienst: morg. 7.10. Israel. ftrauffttbang Onaijrrnjir, 3H. Freitag, £>. 4. 1., abds. 4.15. Sonnabend, d. 5. 1., morg. 8,15, Nachi.'iuiags und Abendgottesdienst 4.50. iDiierameitea jeder Art Renovierung von Wohnungen, eeschäftslOKalen. Fassaden etc. Robert Gutheim W50.Kuimbacherstr.7 Fernsprecher: lbizoui 6260 HORienansciilBge gratis : / Vor kurzem erschien: Los vom Zionismus Ybfl'Fritz Blankenfeld, Kimchi, Ernst Ludwig Pinner Preis Mk.2.- „Diese Bekenntnisse dürfen nicht nur als doenments Immains gewertet werden. Sie sind vielmehr die Widerlegung d$s zionistischen Dogmas durch Spruchbefugte und Sprpchberechtigte“. (C. V. Zeitung) „ . . . neue Waffen für unsere alten Kämpfe“ . . . (Jüdisch-liberale Zeitung) Zu beziehen d. alle Buchhandlungen oder direkt vom J. Kauffmann Verlag Frankfurt a./M, Schillerstr. 19 Verein für FVuerl»e»latluiig Sn Berlin von 1*74, e. V. venu, hontenlose Feuerbestattung Andahmr W 45, cutzow-trabe 44. lei phon: Lötjow %<M>) und Charlottenburc, Kantstj. IM« Rckf PaMnenntratfe. 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