Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 52 (29.12.1928)
- Date
- 1928-12-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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8. Jahrgang Nummer 52 ^MchGeraleZeihmq Beilage 29. Dezember 1928 Die „Zndisserenlen" Jede geistige Bewegung bedient sich einiger weniger Wortprägungen, denen sich ihr Gedankliches nach und nach innig «nlagert. Nmnt man das Wort, so tritt nahezu zwangsläufig auch> der Begriff ins Bewußtsein, der die Bewegung sprachlich umfaßt. So unentbehrlich derartige „Schlagwörter" in der Oekonomie des Denkens sein mögen, so gefährliche werden sie dann, wenn sie einer abgegriffenen Münze gleich leichthin weitergegeben werden, und wenn der Sachverhalt nicht mehr durch sie gedeckt wird, auf den sie ursprünglich hinzielten. Der stete Gebrauch, des Schlagwortes ist oft das Zeichen einer gewissen Bequemlichkeit des Denkens, das es nicht über sich bringt, da wetterhin vorsichtig zu wägen, wo ein Schema zu raschem Gebrauch zur Verfügung steht, und das daher auch, nicht den Willen in die erforderliche Richtung zu lenken imstande ist. Der religiöse Liberalismus operiert seit jeher gern mit dem Schlagwort „Jndifferentismus". Unter seinen Zielen figuriert nicht an letzter Stelle die Wiedergewinnung der Indifferenten für die religiöse Praxis der Gemeinschaft. Es ist nützliche in diesen Zeiten, da es dem Liberalismus schwer gemacht wird, sich durchzusetzen, einmal zu untersuchen, wie denn eigentlich die sogenannten Indifferenten beschaffen sind, ob in jedem FaNe der Vorwurf der Indolenz berechtigt ist und wo man zu beginnen hätte, um an ihre Stelle Hingabe zu setzen. Vom Standort des religiösen Liberalismus aus gesehen, gibt es eine lleine Schicht Menschen, die sich stark angezogen fühlen vom religiösen Gemeinschaftsleben, die in ihm innere Ruhe findm und denen die Frage, ob sie auch „rechtgläubig" seien, nicht in dm Sinn kommt. Da in ihrem Gemüt das religiöse Gut seinen rechten Platz hat, sind sie nicht Objekt der Werbung, wohl aber der Betreuung und Förderung. Sie erschrecken nicht, wmn irgend ein neuer Gedanke austaucht, der ihr geistiges Besitztum in Bewegung bringt; sie werdm nicht unruhig, unwirsch, wenn Unerprobtes, aber möglicherweise Befruchtendes in ihre Mitte tritt, und mtt der Aufgeschlossenheit des auf solidem Grund Stehenden empfangen und verarbeitm sie die mannigfachen Anregungen, die das Leben immerfort darbietet. In diese Schlicht eingestreut findm wir eine erhebliche Anzahl Juden — vielleicht sind es gar die meisten der religiös gebundenen —, die sich, nicht zu llarer Entscheidung ausraffen können. Gedanklich und in der Lebenshaltung längst von der Orthodoxie losgelöst, wohl auch, den Sinn des Liberalismus zaechaft bejahmd, wagen sie doch, nicht den muttgm Schritt ins Neuland, werdm sie der Hemmungen nicht Herr, die dm Weg des Fortschritts sperren und tragen sie, bar der notwmdigen Energie, das ihr Gemüt nicht mehr erwärmende, also für sie wertlos gewordme kulttsche Zeremoniell in Fragmmten mit sich! durchs Dasein. Jrgenwie fühlen sie sich durch die vage austretende Empfindung genötigt, es müsse „der Masse die Religion erhalten bleiben", ihr dürfe man doch! nicht „dm letzten Halt rauben". Sie selbst sühlm sich stark gmug, ohne diesen Halt auszukommen, und also heißm von außen kommmde Erwägungen sie an der Stelle ausharren, auf der sie sich findm. Ihnen fährt wohl der Schreck in die Glieder bei jedem Anhauch aus einer andem Welt; es fällt sie Angst an und Aufgeregtheit, wenn man ihnen mit irgendwelchen „Reformm" kommt, und es entfährt ihnen der Notschrei, daß Gefahr im Verzüge sei. Jedem Kenner der Verhältnisse find die hier gemeinten „Konservativen" und „Mittelparteiler" zur Genüge bekannt. Leider aber fehlt manchem unter uns die Einsicht, daß auch die überwiegende Mehrheit der sogenanntm liberalm Juden in diese Kategorie der Unmtschiedenen hineingehört, und daß es keiner besonders gründlichm logischm Schulung bedarf, die Begriffe „konservativ", „mittelparteilich" und „liberal" aus den vorliegenden Sachverhalten heraus als identisch zu eruieren. Unser Auge muß sich in der Tat feinster optischer Hilfsmittel bedienen, um den Unterschied zwischen den Richtungm wahrzunehmen. Er stellt sich bei schärfster Sicht als ein Grenzwert, ja als ein pures Nichts dar. Es ist Zeit, sich dieser Zusammenhänge bewußt zu werdm, wenn anders der Liberalismus nicht zu ewiger Stagnation verutteilt bleiben soll. Wmn mitunter auf „liberale" Judm das Wort Indifferenz zutrifft, so auf diejenigen, die wir hier als die Halben, Unentschlossenm, Bequemen und Aengstlichen zu charakterisieren versuchten. Sie müßten die eigentlichen Objekte der Werbung und Befeuerung sein, weil ihr Berharrm in der Ruhe und das krampfhafte Ablehnnm alles Neuen jeden Fortschritt der liberalm Gesamtheit unmöglich, macht. Der entschiedme Liberalismus ist aus Gründen der Selbsterhaltung und Selbstachtung verpflichtet, endlich llare Bahnm zu schaffm. Er darf es fürderhin nicht duldm, daß die Furcht, aus der Ruhe aufgeschreckt zu werdm, zum Hemmschuh werde jeder gesunden Weiterentwicklung. Er muß ohne ängstlich« Rücksicht auf die Laum energisch ans Werk gehm, will er nicht ein unftuchtbares Parteigebilde bleibm. Kein Zweifel ist darüber erlaubt, daß es viele dem Liberalismus zugetane Männer und Frauen gibt, die nur wegen dieser Unfruchtbarkeit außerhalb unseres Lagers verharren. Auf der einen Seite fühlen sie sich, abgestoßen von den Formm des üblichm Gottesdienstes, auf der ändern Seite sehm sie nicht den Willen zu einer vernünftigen Umgestaltung wirksam werden, und sie bleiben daher untätig. Selbst in Zeitm, da die Wellen der Gemeindepolitik hochgehm, halten sie sich fern. Nun sind es gerade diese Elemente, die wir als indifferent zu bezeichnen pflegen, ohne uns sonderlich zu bemühen, ihre ablehnende Haltung zu verstehen. Tätm wir es, so käme uns die Einsicht, daß es sich gerade bei ihnm um wertvolle religiöse Kräfte handelt, die nur deshalb brachliegm, weil die Impulse fehlm, die sie in Aktion zu versetzen vermöchtm. Man wird sich innerhalb der liberalen Partei ernsthaft zu überlegen haben, welche Konsequmzm die Ablehnung der Mitarbeit möglicherweise zeittgm könne, und man wird vor allen Dingm selber sehr bald ein Maß Akttvität bei der Berttefung der geistigen Grundlagen des Liberalismus und bei der entsprechenden Gestattung des Gottesdimstes an dm Tag legen müssen, das auch die Außenstehendm zur eifrigm Mitarbeit anzulocken imstande ist. Bliebe noch, Ärig, über die Judm zu sprechm, die das religiöse Erlebnis wohl habm, aber nicht in konfessioneller Gebundenheit, die also aus wettanschaulichm Gründen über das Bekenntnismäßige hinausgekommm sind. Und endlich wärm die Kreise noch, zu betrachtm, die überhaupt völlig areligiös sind oder es wenigstens zu sein vermeinen. Auch diese Judm könnm eigmllich nicht indifferent genannt werdm, weil sie eine bestimmte, wenn auch negative Stellung zu der in Frage stehendm Angelegenhett ernnehmen. Es soll hier nicht entschiedm werdm, ob es einen Sinn hat, auch an sie werbend heranzutreten. Das mag später einmal in anderem Zusammenhang geschehm. Uns kam es hmte darauf an, zu zeigen, wie notwendig eine Korrektur der Blickrichtung ifi, wenn der Liberalismus die wirklich Indifferenten sehen und sie als tätige, innerlich beteiligteGesinnungsgenossengewinnen will > Mögen unsere Führer wachsam sein und zu Entschlüssen kommen, die unsere Bewegung in der wünschenswertm Rrchegfri« tung vorwärts treiben. Dr. Siegfried Braun. Der Zarismus und die Zudenfrage Erinnerungen an Paul Nathan Paul Nathans Wirken in Rußland. — Besuche bei Witte und Stolypin. — Humanität, das beste politische Medikament. Ernst Feder, der bekannte und angesehene Publizist, schreibt in einem kleinen, reich illustrierten Buche die interessante Lebensgeschichte des großen Menschenfreundes und einflußreichen Politikers Paul Nathan, dem er bis zu dessen Tode im Jahre 1927 in Freundschaft nahe gestanden hat. Wir bringen mit fteundlicher Genehmigung des Verlages, der Deutschen DerlagSgejellschaft für Politik und Geschichte m. b. H. in Berlin, aus dem gerade in diesen Tagen erscheinenden Buche einige hochinteressante Abschnitte zum Abdruck. DBG. Das Studium der lleinasiatischm Verhältnisse, der Anatottschen Bahn, des wachsenden wirtschaftlichen und politischm Einsiusses, dm Deutschland in der Türkei und in Kleinasien gelvann, hattm in Paul Nathan den Gedankm wachgerufen, neben die Pariser jüdische Alllance und ihr französisches Schulwerk eine dmtsche Alliance mit deutschem Schulwerk zu stellen. Im Jahre 1899 fragte er bei dem Auswärllgen Amt an, ob das Reich einer solchen Alliance Schutz gewährm würde. Ohne diesen Schutz war die Arbeit im Ausland unmöglich. Das Amt gab zunächst eine ausweichende Antwort. Nathan erfuhr nur gelegentlich, daß man die Botschaft in Konstantinopel und die Konsulate in Kleinasien um Gutachten ersucht hatte. Er selbst tat, wie das seinem Charakter mtsprach, von sich aus keinm weiterm Schritt. Da tritt im Herbst 1900 das Auswärtige Amt an ihn heran: auf Grund der vorgmommmen Prüfung erscheine es zweckmäßig, daß eine dmtsche Alliance mit den dargelegtm Zielen ins Lebm trete; das Auswärtige Amt sei bereit, ein solches Unternehmm zu fördern. Er erkmnt natürlich sofort, daß für die Regierung Erwägungen nicht der Humanität, sondern der politischm Nützlichkeit dm Ausschlag geben. Aber er bemerkt dazu: „Wenn die Nützlichkeit mit humanitärm Bestrebungm zusammmfällt, umso besser und umso nutzbringender." Er entwirft dm Aufruf und die Satzung der nmm Organisallon. Der 20. Mai 1901 wird der Geburtstag des Hilfsvereins der dmtschen Juden, der in einem Umsang, wie kaum. eine humanitäre Organisation vor dem Krieg, Mmschmhilfe geleistet und den Paul Nathan fast ein Menschenalter geleitet hat, zusammen mit seinem Freunde, dem Berliner Großkaufmann James Simon, einem Philanthropm und Kunstkenner, der in der Selbstlosigkeit seines Charakters und der Schlichtheit seines Wesens manche ihm verwandte Züge hat. Als die russische Revolution von 1905 ausbrach, war nach allen bisherigen Erfahrungen anzunehmm, daß man dm Versuch machen würde, sie im Blut der russischm Juden zu erstickm. Deshalb entschloß sich Nathan, persönlich nach Rußland zu gehen, um mit den maßgebenden Ministem Auge in Auge zu verhandeln. Vorher hatte er in London eine Unterredung mit Lord Rothschild, Sir Claude Montesiore und Sir Samuel Montagu, mtt denen er seine Pläne besprach. In Rußlarw blieb er drei Wochm und besuchte Petersburg, Moskau, Kiew und Odessa. Die erste Konferenz mit Witte fand am 22. November 1905 statt. Hochgewachsen, fast unbeholfen in seinem Gliederbau, abgearbeitet, trat der russische Ministerpräsident zunächst sehr kühl diesem deutschen Privatmann gegmüber, der in innerrussische Verhältnisse hineinreden wollte. Er erwärmte sich raschals er erkannte, wie llug und klar sein Gegenüber die Fragen der Humanität und der Gerechtigkeit mit dm wirklichen politischm Jnteressm Rußlands zu verbind m verstand. Witte erklärte: „Wir sind mittm in der Revolution. Wir könnm die Judmftage nur stückweise lösm, sonst gibt es ein Blutbad." Nathan: „Die Zivilisation kostet Blut. Rechts und links wird auf die Judm losgeschlagm. Rußland steht wieder vor Pogromen." Witte gab das zu. Die bisherige Regierung sei eselhast gewesm, daß sie es so weit kommm ließ. Mer jetzt sei es soweit. Zu einem prakllschm Resultat führte die Unterredung nicht. An der Tür hielt der Ministerpräsident seinm Besucher noch einmal zurück. Ob nicht die Gründung „gutgesinnter" Zeitungen möglich! sei. „Unmöglich." Nathan erwähnte, daß man sich in Rußland von der Sozialdemokratie eine ganz falsche Vorstellung mache. Auch BÄel sei keineswegs so extrem. Witte: „Lassen Sie ihn doch zu mir kommen." „Man würde sagm: Bebel ist ein Verrückter oder ein Verräter." Am selbm Wmd noch, ist er bei dem Innenminister Fürsten Obolmski. Obolenski, llug, stark religiös, sagt: er tue, was er im Innern für recht halte. Ohne jede Provokation. In der Judmfrage sei das ganze Ministerium einig. Aber die praktische Lösung sei schwierig. Unmittelbar nach den Pogromm hätte man die volle Gleichberechtigung geben sollen. Jetzt sei das erschwert. Vielfach ständm die Judm im Vordergrund der revolutionärm Bewegung. *) Ernst Feber, Politik und Humanität. Paul Nathan. Ein Lebensbild. 1928. Deutsche Verlagsgescllsckaft für Politik und Geschichte m. b. H., Berlin W. 6. Nathan machte den Minister aus dm fehlerhaften Zirkel dieses Gedankmganges aufmerksam: weil man die Juden malträtiert, sind sie revolutionär; wenn man warten will, bis sie ruhig sind, kommm sie nie zur Beruhigung. Ueberall gewann er den Eindruck: guter Wille, aber Unentschlofsmheit und schwächliches ZurÜckveichm vor der Ausführung, gleichzeitig das Bestreben, die Verantwortung abuwälzen. Witte wagte keinm entscheidenden Schritt, weil er ich dm höfischen Intrigen nicht gewachsm fühlte. Im folgenden Jahre gcht Paul Nathan wieder auf zwei Monate nach Rußland. Die revolullonäre Bewegung hält an. Der Parteitag der Kadetten wird verboten. Witte ist B, die Duma gefährdet. Das offizielle Organ des neum rpräsidenten Stolypin hetzt gegen die Juden. Im Juli 1906 kommt es zu Pogromm in Odessa, die von dm Matrosen niedergeschlagen werden. Am 20. August 1906 hat Nathan eine Unterredung mit Stolypin, und zwar aus der Apothekerinsel bei Petersburg, auf der die Datsche des Ministerpräsidenten liegt. Nathan betont, er hlcke als Ausländer kein Recht, namens der russischen Juden zu sprechen. Er könne nur die Auffassung des Auslandes wiedergebm. Stolypin sagt geradeheraus, die früherm Regierungen hätten in der Bchandlung der Judenfrage unglaubliche Torheiten gemacht. Es sei ganz selbstverständlich, daß eine volle Emanzipation erfolgen müsse. Das könne aber nur langsam geschehen. Mt Hilfe der Duma. Nathan: „Aber sonst geschehm doch einschneidende Maßregeln ohne die Duma. Es handelt sich hier um drängende Forderungen der Gerechllgkeit." Stolypin: „Ich verfahre durchaus nach Recht und Gerechtigkeit." Nathan weist demgegenüber auf die Pogrome hin. Stolypin: „Das ist kein Beweis, daß die Regierung den Judm nicht Gerechtigkeit widerfahren läßt." Nathan: „Die öffentliche Meinung der zivilisierten Welt ist davon überzeugt, daß die Judm keine Gerechtigkeit finden." Stolypin: „Wo mir ein Fall mitgeteilt wird, schaff« ich Remedur." Der russische Mnisterpräsident skizziert dann die einzelnen Maßnahmen, die Nathan mit dem Finanzminister Kokowzew besprechen soll. Es handelt sich um fünf Puntte: 1. Erlaubnis zum Aufmthalt auf dem Lande, 2. Zulassung zu Direktorstellm, 3. Aushebung der Beschränkungen für die privllegierten Kaufleute, 4. Zulassung zum Branntweinausschank, . 5. Genehmigung eigener Schulen. Stolypin bittet seinm Besucher um eine schriftliche Aufzeichnung, ein Wunsch, den dieser überhört, um sich nicht zu binden. Zwei Tage darauf hat er die Unterredung mit dem Finanzminifter, Kokowzew, ein kühler Bürokrat, der die Unterhaltung in einem ausgezeichneten Deutsche führt, ist sehr verstimmt, als Nathan präzise Anllagen erhebt, die die Mitschuld der Regierung beweisen, und auf die er nichts erwidern kann. Die abschließende Unterredung mit dem Ministerpräsidmten findet nachi zwei weiteren Tagen statt. Stolypin, abgespannt und schwer bedrückt, gibt zu, daß die Regierung mit einer Verschärfung der revolutionärm Unruhen rechne. Witte werde man aber nicht zurückrufm, er sei bei Hof unbeliebt. Stolypin fragt schließlich nach der Aufzeichnung. Als Nathan erllärt, er habe keine mitgebracht, nimmt das Interesse an der Besprechung sichtlich ab. Stolypin hatte offenbar selbst die Empfindung, daß der Boden, auf dem sie sich, bewegten, unterminiert sei. Sein Gefühl war berechtigt — in jedem Sinne. Das Landhaus, in dem sie das Gespräch hattm, flog zwölf Stunden später in die Luft. Stolypin selbst war nicht anwesend, seine Kinder und zahlreiche andere Personen wurden schwer verletzt. Paul Nathan bmtteilte die politische Situation viel zu nüchtern, als daß er sich der Illusion hingeyeben hätte, mtt politischm und humanitärm Argumenten allein Reformen im russischm Staatswesm durchsetzm zu könnm. Er versprach sich, einm größerm Erfolg von einer Stärkung der Duma, von dem Druck der öffentlichen Meinung in Rußland und der im Ausland. In allen drei Richtungm hat er gewirtt. Von dem Ergümis seiner Unterhaltungen verständigte er die Führer der Kcckettm und der Wetter links stehendm Parteien. Die russische Presse und die deutsche, die französische und die der angelsächsischen Länder hat er mit Jnformationm versehen. Dm Reformwillen der russischen Staatsmänner hat er gestärkt. Aus seinem Munde hatte die Meinung der zivilisierten Welt Über die Vorgänge in Rußland zu ihnm gesprochen, so rückhaltlos in der Sache, so vornehm im Ausdruck, wie sie sie noch, niemals vernommen hatten. Das Verträum des Ministerpräsidenten Witte hatte der dmtsche Besucher in solchem Maße gewonnen, daß der russische Staatsmann jedesmal, wenn er nach Deutschland kam, eine Begegnung mit ihm suchte. Er sprach ihn noch im Herbst des Jahres 1906. Seine eigene Untätigkeit als Ministerpräsident entschuldigte er damit, daß ihm die Hände gebunden waren. Dm größten Wert legte er auf seine Schöpfung, die Duma. Mtt Behagen formulierte er mehrmals dm Satz: „Diesen Angelhakm hat man im Rachm, und man kann ihn nicht wieder herausziehm" Er machte aus Nathan dm Eindruck eines llugm und rücksichtslosen Emporkömmlings, dm eine ttefe Verachtung gegen das impotente Gottesgnowentum des Zarismus erfüllt und der unverhohlen seinen leidenschaftlichen Haß gegen die zum Ausdruck bringt, die ihn aus dem Amte gedrängt haben.