Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 52 (29.12.1928)
- Date
- 1928-12-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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rettet durch seinen seine zahlreichen Verehrer vor ähnlicher Strafe? Nicht ohne Reiz ist os, daß Hegemann Christus sich und andere gegen dm Borwurf in Schutz nimmt, dm man ihm, dem Verfasser, macht, dm der Gotteslästerung. Er will aus diesem Grunde nicht behauptm, daß Christus — im Falle der Geisteraustreibung — von Aberglauben besessen gewesen sei, sondern annehmen, daß er sich einm Scherz gemacht habe. Bon Todesangst dagegm war Christus sicher befallen. Daher rann sein „Schweiß wie Blutstropfen in der Todesstunde. Mer nicht nur gegen Christus und das Christentum des Neuen Testaments wendet sich der Verfasser. Er findet auchj bittere Worte dafür, daß die Anhänger Christi die chiristliche Liebe so oft vergessen haben. Im Hinblick auf dm Krieg spricht er vom „evangelischen Trommelfeuer", von „protestantischm Giftgasen",. Aber auch das Wohnungselend berührt er. Schon 1912 wohnten in Berlin 600 000 Menschen in Wohnungen, in boten jedes Zimmer mit 5—13 Personen besetzt war. Und in New Pork gibt es Wohnviertel, die noch dichter belegt sind. Soweit gekommen, geht der Verfasser dazu über, die Frage des Blutopfers an dem Beispiel der Iphigenie zu erörtern, da es weniger peinlich sei, so verhüllt vom oder gegen das Opfer Christi zu sprechen. So erklärt sich der Untertitel. Diese Ausführungen, die den größeren Teil des Buches füllen, habm für uns hier weniger Bckeutuirg. Erwähnt sei, daß der Verfasser noch einmal von der „Barbarei" des Blutopfers spricht und von dem „toUen, unaussprechlichen christlichen Unwesen". Er schließt mit dem Hinweis auf den Weihnachtsbaum, der auch ursprüttglich nichts mit Christus zu tun gehabt hat und in Deutschland erst seit dem 19. Jahrhundert vorkommt. Mer der Weihnachtsbaum ist ein schöneres und viel christlicheres Sinnbild als das Kreuz. Im Zeichen des Tannenbaumes kann vielleicht Christus endlich doch noch siegen. Sehr schonetrd also geht der Verfasser mit den religiösen Gefühlen seiner christlichen Mitbürger nicht um. Was im Mittelpunkt christlicher Verehrung stcht, gerade das greift er an, leugnet es, macht es widerwärtig. Und dabei habett seine Beweise kaum mehr Ueberzeugungskraft als die einer blendendm Vermutung. Wenn Christus wirklich weitergelebt hätte, fottteu die Römer nichts von ihm gchört haben, gar nichts? Sollte Paulus ein gewaltiges System aus einem Märchen aufgebaut haben, das chm doch bekannt gewesen sein müßte, also einer Fälschung? Eher möchte man sich den Behauptungen anschließen, die Christus einen Helden sein lassen wie bisher, aber einen menschlichen, mit Schwächen und Fehlern. Gerade so wäre er der echte Jude, der uns immer nur als unvollkommen geschildert wird, auch in seinen größten Vertretern. Und gewiß ist es wahr, daß die christliche Liebe auch heute noch Aufgaben genug vor sich sieht, richtig auch, daß das Christentum, wenn man das Urteil als Jude ickgeben darf, durch, die Betonung des kraftvollen Christus, die Symbolisierung seines freudigen Eiferns ein auch äußerlich lebensfroheres Gesicht erhalten hätte, als es so der Fall ist. Aber Gotteslästerung? Jeder Kundige weiß, wieviel schon lange Bekanntes der Verfasser vorträgt, erkennt in ihm die rationalistische Schule. Doch vor allem: was der Verfasser auch entwickelt, welche Urteile er fällt, es geschieht ja nur in gloriam dei — zum Ruhme Gottes, zum Ruhme Christi, er will chn ja gerade behalten und lick behalten, und auch die anderen sollen das. Was also wäre hier weniger angebracht — wieder mit dem Vorbehalt, daß man nicht über christliche Gefühle urteilen will — als der Vorwurf der „Gotteslästerung". Vielleicht hat man daran gedacht, daß Hegemann kein Unbekannter, sondern der Verfasser des „Fridericus" ist, der Verfasser vieler Bücher über Städtckau. Vielleicht auch beachtet, daß die Dialogform, die er verwendet, die Darstellung ungemein reizvoll macht und die Ergcknisse wissenschaftlicher Forschung in leicht faßlicher Darstellung — in ausgesuchten Zttaten - gibt. Aber diese „Gefahren" dürfen doch nicht zu einem Angriff auf die religiösen Qualitäten des Verfassers führen. Hätte man den Prozeß gegen den Verfasser durchgesührt, es wäre eine Wickerholung des Prozesses gegen Chnstus — im kleinen — gewesen. Eine wiruiche Gotteslästerung ist etwas Häßliches. Aber eine Verfolgung religiöser Ansichten ist noch tausendmal mehr, ist — Gotteslästerung. Rabbiner Dr. Gott sch alt, Frankfurt a. M. Hoch einmal die Agency Zu den Antworten auf «Me Palästtmworfchläge. Von Landgerichtsrat Dr. Arthur L i l i e n t h a l, Berlin. I. Der Widerhall, den meine Erörterung der Frage, unter welchen Voraussetzungen wir mit den Zionisten für Palästina Zusammenarbeiten können, bei der Redaktion des Hauptorgans der deutschen Zionisten, der „Jüdischen Rundschau", gefunden hat, ist in der vorigen Nummer dieser Zeitung von Woyda nach Gebühr gewürdigt worden. Erfreulicherweise ist die erste Auslassung der Rundschau nicht die einzige Antwort geblieben; die nächste Nummer der Rundschau enthält eine Antwort aus der Feder Dr. Kollenschers, die sich von der redaktionellen Aeußerung durch ihre Sachlichkeit sehr angenehm unterscheidet. Sachlich steht in dem Artikel Kollenschers im Mittelpunkt der Satz: „Wer in die Jewish Agency eintritt, hat an der Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina mitzuarbeiten." Er begründet das damit, daß die Errichtung einer solchen nationalen Heimstätte für das jüdische Volk durch das Palästina-Mandat des Völkerbundes an England vorgeschrieben sei. Diese Zweckbestimmung des Palästinawerks sei damit „Teil eines völkerrechtlichen Akts und damit selbst Völkerrecht geworden". Diese juristische Feststellung ist sicherlich richtig. Ich glaube aber nicht, daß sie etwas Wesentliches für unsere Erörterung bckeutet. Es handelt sich nicht darum, welche Zweckbestimmung nichtjüdische Instanzen dem Paläsiinawert gegeben haben, sondern darum, was uns Juden beim Palästinawerk gemeinsam ist. Wenn wir uns einig find über das, was wir als gemeinsam feststellen können, so wird es die Möglichkeit gebet:, die Rechtslage dem anzupassen. Mit vollem Recht stellt die Rundschau fest: „Es handelt sich eben um eine praktische Aufgabe, nicht um Fragen der Gesinnung. Die politischen Anschauungsunterschiede bleiben natürlich uttberührt." Das entspricht vollkommen meinem Standpunkt. Die unbckingte logische Konsequenz daraus ist aber, daß nur die gemeinsame praktische Aufgabe als Zweckbestimmung zugrunde g elegt werden kann, nicht dagegen das, was der Gesinnung nur eines Teils der Mitarbeitenden entspricht. Die Schaffung „eines nationalen Heims für das jüdische Volk" aber ist eine Zweckbestimmung, die rein zionistischer Einstellung entspringt. Zwar wie sich Palästina entwickelt, ist von der lebendigen Entwicklung der Dinge abhängig, an der jcker nach, seinen Kräften Mitarbeiten wird. Ob die Sicklung in Palästina sich zu einer nationalen autonometr Gemeinschaft entwickelt, das liegt in erster Linie in der Hand derer, die dort sitrd und die Siedlung aufbauen. Diese Möglichkeit würde mich an der Zusammenarbeit nicht hindern. Ganz fern liegt uns Nichtzionisten aber, eine nationale Heimstätte für das gesamte Judentum zu schaffen. Wir können daher weder ausdrücklich noch durch Akzeptierung ber jetzigen Fassung des Mandats stillschweigend erklären, daß wir das wollen. Wenn das Wort von der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk überhaupt einen Sinn haben soll, so kann es gar nichts anderes bedeuten als das, was der Präsident der zionistischen Weltorganisation, Professor Weizmann, in der soeben stattgefundenen Sitzung des zionistischen Aktiv»lskomitees als zionistisches Ziel ausgesprochen hat: „Der Aufbau des Jüdischen Nationalheims und das Wachstum der jüdischen Kräfte in Palästina werden ja auch der nationalen Erziehung im Golus einen starken Impuls geben" (Bericht der Jta vom 23. 12.). U:rd daß die amerikanischen Nichtzionisten eine Klarstellung in dieser Richtung nicht verlangt haben, hat chnen ja auch die Rundschchau bereits dahin ausgelegt, sie könnten sich nicht der „Tatsache verschließen, daß in Palästina unter internationaler Garantie der einzige legittme Versuch der Lösung der Judenfrage unternommemwird." Vom zionistischen Standpunkt aus ist das alles unbedingt folgerichtig: Palästina als Kern, vielleicht überhaupt als Voraussetzung eines n a t i o n a l e n jüdischen Lebens in allen Ländern. Das ist die selbstverständliche zionistische Einstellung und das selbstverstättdliche zionistische Ziel. Uttd es ist selbstverständlich, daß die Zionisten für sich das aussprecheu Mer es bedarf wohl, ebensowenig einer Erörterung, daß das unsere Einstellung und unser Ziel nicht ist. Es wäre eine Unehrlichkeit, wenn wir das Gegenteil aussprechen würden, indem wir erklären, an der Schaffung eines „nationalen Heims für das jüdische Volk" zu arbeiten. Es ist einfach ein Gebot geistiger Ehrlichkeit und Reinlichkeit, daß wir diese Zweckbestimmung als Grundlage gemeinsamer Arbeit nicht akzeptieren. Das müßte eigentlich auch von zionisttscher Seite, wo man doch auch ehrlich zu seiner Ansicht steht, verstanden werden. Es können bei einer gemeinsamen praktischen Arbeit nicht die politischen Anschauungen des Zionismus zugrunde gelegt wecken. Ich wiederhole: Es handelt sich zunächst darum, das klarzustelien. Der praktische Weg wick sich bei beiderseitigem Wollen finden. Ich will nur darauf Hinweisen, daß die Zionisten da, wo sie wollen, den Weg zur Auslegung oder Modifikation des Mandats zu finden wissen. Denn zwischen den Verttetern der zionistischen Weltorganisation und der: Verttetern der amerikanischen Nichtzionisten ist eine Vereinbarung dahitt getroffen worden: es „sollen geeignete Maßnahmet: getroffen werden zur Erlangung der Zustimmung der Mattdatarmacht oder einer anderen etwa zuständigen Instanz zu dem Plan der Erweiterung der Jewish Agency in Verbindung mit einer Klausel, wonach im Falle einer zukünftigen Wiederauflösung der erweiterten Jewish Agency alle Rechte und Privilegien, die jetzt der zionistischen Organisation in Uebereinstimmung mit Art. 4 des Mandats zustehen, an sie uneittgeschränkt zurückfallen sollen". (Jüdische Rundschau vom 21. 12. 28.) Es handelt sich also zunächst darum, was wir Juden der gemeinsamen Palästinaarbeit als gemeinsam zugrurrde legen wollen. II. Was ich sonst als Voraussetzung für eine Zusammenarbeit erörtert habe, wick von zionistischer Seite zum Teil für selbstverständlich erklärt. Soweit das den Grundsatz des Gleichgewichts zwischen Einwanderung und wirtschaftlichen Fähigfeiten Palästinas betrifft, wird man allerdings kaum leugnen können, daß, wie in meinem ersten Artikel erörtert, noch in der Augustresolutton des zionistischen Aktionskomitees offensichtlich Kräfte zum Ausdruck gekommen sind, die diesen Grundsatz jedenfalls in der Praxis nicht voll anerkennen. Ich stelle aber gerne fest, daß eine Festlegung dieses Grundsatzes keine Schwierigkeiten bereitet. Unbefriedigender ist schon, wetm auch die Forderung, die Sicklung müsse im Geist friedlichen Zusammenlebens mit den Arabern erfolgen, einfach als selbstverständlich abgetan wird. Denn selbstverständlich mag das für Dr. Kollenscher und die Rckakteure der Rundschau sein, aber keineswegs für alle Zionisten. Wenn gesagt wird, daß den Wunsch der „Herstellung eines vernünfttgen Verhältnisses zu den Arabern alle Zionisten teilen", so muß ich offen sagen: das kann wirklich nur mit der Einschränkung richtig sein, daß sich eben fragt, was man unter einem vernünftigen Verhältnis Jettchen Gebert Uraufführung Berlin, Theater am Rollendorfplatz. 1830. Verklungene Zeit. Da es noch einen Kreis Menschen in Berlin gab, von dem der Chronist Georg Hermann sagen konnte: „Sie waren so beleidigend zufrieden alle." Da an der Ecke des Hohensteinwegs noch der alte Onkel Eli stand, einen „Zylinder auf seiner wttß gepuderten, starren, kurzgeschorenen Perücke, der oben bald doppelt so breit war wie unten, einen braunen, rauhen Filz, mit geschweifter Krentpe, itrie man sie Anno dazumal hatte, als der Franzose im Land war. Auch trug er noch hohe gelbe Stulpensttefeil und einm langen, ganz langm braunen Frack mit goldenen Knöpfen." Um ihn spielten „ein paar tteine Mädchen mit schottischen Röckchen, mit langen weißen gestärkten Spitzchen an den Hosmbeinen." Und mit Onkel Eli wanderte durchs Leben Tante Minchen. „Tante Minchen war vermurkelt wie eine Backbime, und ihr alter zitternder Mund, der ein bihchm verquer im Gesicht saß, machte den Eindruck eines ausgerissmen Knopfloches. Dabei war sie mit ihren fünfundsiebzig Jahren noch schr gut beieinander, und ihr verqueres Mundwerk arbeitete im Essen und Reden mit Schnelligkeit und Sicherheit." Sie wandern durchs Leben in trauter Harmonie, obwohl Onkel Eli erzählt, „se is sowieso neuerdings so komisch. Se rck't sich doch schon immer allerhand über mich ein, und ich bin trotzdem bei Gott wirklich ä solider Mann!"; obwohl Tante Minchen nur ein einziges, freilich auch heut noch modernes Thema zu behandeln weiß: „Ich sage, de Wärmflasche soll sie für Eli bringen. Se bringt nicht. — Ich rufe, sie bringt nicht. Geh ich selbst 'raus, stcht da das Stück von ä Mädchen doch halb nackt tn meine Küche und wascht sich." Onkel Eli sorgt, auch wenn er noch immer nicht zu den 2 Prozent der treuen Männer gchört, um sie: „Minchm, nimm nicht das Kantentuch ab, du mögest dich verkühlen." Verklungene Zeit. Da dieses Seniorenpaar die Familie Gebert führte. Da Onkel Salomon und Tante Rickchen nach dem täglichen Familienstreit aus dem Sofa saßen, „entrückt dem ickischen Gezanke und Getriebe." Da Onkel Ferdinand kraft seines onkelhaften Rechtes „Jettchen küßte, wo er ihrer ansichtig wucke, zum guten Tag und zum Abschick, beim Mahlzertsagen unb zwischenhindurch." Und Onkel Jason seine Scherze trieb, „der jüngste, ein Hagestolz, ein bißchen enfant terrible der Familie, derb, Durchgänger, aber von Takt und Bildung." Zwischen ihnen allen Jettchen Gebert. „Sie ging ganz steif und gerade, ohne nach rechts und links zu sehen, wie alle Gcketts. Sie hatte etwas wundervoll Stolzes in Gang und in Bewegung. Sie rauschte daher in chrem silbergrauen Taffettleid, wie ein Fünfmaster mit vollen Segeln. Sie wußte, daß die Leute stchen blicken und chr nachsahen. „ . aber es gchörte zu ihr. An ihr war alles von einer stolzen Schönheit: die große Figur, dieses lange und doch volle Antlitz mit der Höhen und weißen Stirn und den schweren Lider::, und der feste, geschlossene Mu:d, mit lenem leichten Anflug von Flaum darüber wie ein Schatten. In ie bret Puffen, sorgsam gedreht, blank und schwarz, legte sich das Haar in der großen Schute rechts und links an die Schläfen und die Wangen, — wie ein Palisanderrahmen um einm englischen Farbensttch sich schließt. Kraft, Lebensstärke und ein Hauch von Schwermut teilten sich in das brünette Gesicht. Das waren wieder die dunklen Gebertschen Augen, mandelförmig vom bläulichen Weiß, die vom Großvater an alle Männer zu Schwerenötern und Mädchenjägern gemacht hatte::. Sie verrieten Eigenschaften, diese dunklen Augen, über die wir grübeln wie über Rätsel, und die wir nie ergründen, weil sich die Schönheit, der sie dienen, rhrer selbst nicht bewußt ist, ja, sie vielleicht nicht einmal besitzt. Diese Erscheinung und dieses Gesicht halten eine gewisse Tragik in sich. Sie machten neugierig auf den Menschen und mußten dann Enttäuschung bttngen, weil eine solche Charme eine solche Anmut und Gesundheit, eine solche Pfirsichweiche der Seele nur denen zu eigen ist, die wir nachts in unseren Träumen küssen. » So steht das alles bei Georg Henna:::: in Jettchen Geberts Geschichte. Willi Wolff und Martin Zickel haben nun nach Georg Hermanns Roman ein Alt-Berliner Singspiel in 12 Bildern versaßt, zu den: Walter Kollo eine recht charmante Musik schuf. Ucber solche „Bearbeitungen" ist ja schon viel geschrieben worden. Da die Herren Wolfgang von Goethe oder Franz Schubert etwaige Einsprüche nur im Jenseits geltend machen können, mag es Pflicht irdischer Kritiker sein, ihre Internen hier notfalls wahrzunechmen. Da Georg Hermann, der zu seinem und unserm Glück noch recht lange unter uns weilen möge, aber vermutlich ja mit dieser „Bearbeitung" einverstanden ist, soll der Kritiker nicht päpstlicher sein als der zuständige Papst Hermann. Kurz und gut: mir ift sein Roman lieber. Bei Georg Hermann schwebt über dem Werk ein Hauch von: Wissen um die Welt, ein Hauch wehmütigen Lächelns. Dr. Kößling lernt Jettchen Gebert kennen. Nach einem Gespräch mit Onkel Jason wendet sie sich wieder ihm zu. „Der fuhr auf. Denn er hatte eben Jettchen Gebert ganz versunken und verloren angestarrt, ungefähr so, wie man ein schönes Bild betrachtet und sich ganz dann vergißt. Er hatte das Haar gestreichelt mit den Blicken^ die weiche Haut an den Schläfen berührt mit den Blicken, ganz leise, er hatte das wie eine physische Berührung empfunden, wie einen Nervenreiz, den man in den Fingerspitzen fühlt." Hier in dem Singspiel lernt Kößling Jettchen kennen und schon singt er mit ihr: Kauf Deiner Frau in jedem Frühling neue Kleider, Kam Deiner Braut am Sonntag einen neuen Hut, Dann wird Dein Lcken sonnig, froh, vergnügt und heiter, Dann gcht's Dir gut, dann geht's dir gut. Kauf seid'ne Strümpfe Deiner alten Tante Röschen, Und Schwiegermutter, die Dich quält bis aus das Blut, Der kauf Parfüm und feine Spitzenhöschm, Dann gcht's Dir gut, dann geht's Dir gut, Gib nur spendabel Deinem Portemonnaie ein Stößchen, Dann gcht's Dir gut, dann geht's Dir gut! * Wenn trotzdem die Aufführung starken Beifall fand, so ist das neben dem von Georg Hermann übernommenen Humor, der gefälligen Musik von Walter Kollo und einigen wenigen Gesangstexten von Willi Wolff (Die schönste Stadt der Welt ist Benschen, Das llingt, als wenn's ein Märchen war, Einmal kommt zu Dir das Glück, Monbffou bleib mir treu) in erster Reihe dm Schauspielern zu danken. Gesegnetes Berlin. Dieser Onkel Eli (Max Ehrlich) und dieses Minchen (Frieda Richard) sind vortreffliche Eharatterdarstellungen. Das Jettchen (Hilde Wörner) gewinnt durch ihre Anmut schnell das Mitsühlen des Publikums, und ' Onkel Jason (Eugen Burg) dürfte bald der Schwarm der wetblichen Zuhörerschaft werden. Seine Forderung „Totschlägen" macht Julius Jacoby (Willi Stettner) begreiflich. Fehlbesetzt warett die Rollm von Riekchen und Dr. Kößling. Man sollte wegen Max Ehrlich und Frieda Richard dieses Singspiel sehen. Walter Loewenstein. Drei Mal Hochzeit Ein New Yorker Schwank von Anne Ntchols. Deutsche Uraufführung: Berliner Theater, Berlin. „Lachm entsteht durch Ausatmung in mehreren schnell hinlereinanderfolgmdcn Stößen unter mehr oder weniger starkem Schall." So steht es in der neuesten Ausgabe von Meyers Lexikon, Siebenter Band, Korrettor bis Marunke. Und daraus ist zu sehm, wie ernst man das Lachen nehmen kann. Wer diese Tätigkeit des Lachens einmal zwei Stunden lang ausüben will, der gehe zu „Drei Mal Hochzeit", sehe die Werbezirksehe Hans Moser und genieße diesen köstlicher Schwank von Anne Nichols.