Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 51 (21.12.1928)
- Date
- 1928-12-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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8. Jahrgang Rümmer 51 fWSlhÄmikZMmi Beilage 21. Dezember 1926 Ratstagung des Preußischen Landesverbandes Am 16. ds. Mts. fand eine Sitzung des Rates des Preußische Landesverbandes jüdischer Gemeinden statt. Sie hatte sich hauptsächlich mit der Festsetzung des Etats M das Jahr 1929/30 zu beschäftigen und stand deshalb vor der schwierigen Aufgabe, trotz der verhältnismäßig geringfügigen zur Verfügung stehenden Mittel den immer wachsenden Ansprüchen gerecht zu werden, die an den Landesverband herantreten. Was die Einnahmen anlagt, so setzen sich diese bekanntlich im wesentlichen aus. den Beihilfen des Staates und den Beiträgen der Gemeinden zusammen. Aus die Erhöhung der ersterm wird zwar gehofft; sie können aber als sichere Grundlage nur mit dem bisherigen Betrage in den Etat eingestellt werden. So erwünscht es gewesen wäre, zur Stärkung der Leistungsfähigkeit des Verbandes die Gemeinden in größerem Umfange als früher heranzuziehen, so wenig ließ sich die Rücksicht auf' die schwierige Finanzlage der Gemeinden beiseite setzen und verkennen, daß gerade die Großgemeinden, welche die Hauptträger der Lasten sind, immer mit der Steuerflucht besonders ihrer zahlungskräftigsten Mitglieder rechnen und sich deshalb selbst bei der Erhebung von Steuern die größte Beschränkung aufertegen nrüssen. Ter Rat des Landesverbandes beschloß deshalb, von einer Erhöhung der Umlagen abzusehen und es bei den im kaufenden Jahre erhobenen acht Zehntel Prozent des Reichseinkommensteuersolls zu belassen. Dementsprechend mußte bei den Ausgaben des Landesverbandes größtmögliche Sparsamkeit beobachtet werden. Es ist dem Schatzmeister des Verbandes, Herrn Direktor Kareski, der den Etat aufgestellt und dessen Vorschlägen sich der Rat im allgemeinen angeschlossen hat, gelungen, trotzdem Mittel in einem Umsang zur Verfügung zu stellen, daß die Hauptaufgaben des Landesverbandes innerhalb vernünftiger Grenzen erfüllt werden können. Von solchen kommt bekanntlich in erster Reihe die Erhaltung der kleinen Gemeinden und des jüdischen Lebens in ihnen in Betracht, ferner aber die Sicherung der Ausbildung von Rabbinern und Lehrern, und endliche das Wirken aus sozialem Gebiete und dem der Wohlfahrtspflege. Was die Ausbildung der Rabbiner und Lehrer anlangt, so wurde in erster Linie beschlossen, für die Bildung von Bezirksrabbinaten, deren Schaffung sich bisher immer wieder sachliche und persönliche Schwierigkeiten in den Weg gestellt haben, von denen aber jetzt in kürzester Zeit mehrere gegründet werden können, und von Bezirkslehrerstellen erforderliche Beträge in den Etat einznstellen. Es wurde auch der frühere Beschluß, nach dem die tn Köln bestehende Lehrerbildungs anstalt erhalten und weiter ausgestaltet werden soll, bestättgt. Ferner wurde für die in immer größerer Zähl an den Landesverband gelangenden Gesuche um Baubeihilfenund Darlehen für die leistungsschwachen Gemeinden vorgesorgt besonders der Provinz Ostpreußen, deren Schwierigkeiten durch die für das laufende Jahr bewilligten 15000. - Rin. noch nicht völlig behoben worden sind, ein weiterer Betrag von 6000 Rm. für das künftige Etatsjahr ausgesetzt. Für Kultusbeamte und ihre Hinterbliebenen sowie für Flüchtlings¬ und Ruhestandsrabbiner und deren Witwen konnten höhere Beträge als bisher ausgeworfen werden, ferner wurde eine Rücklage geschaffen zur Erfüllung neuer Ruhegehaltsverpflichtungeu. Dies erwies sich als nötig, weil die Anstellung von Lehrern zuweilen daran scheiterte, daß eine Verpflichtung zur Zahlung von Ruhegchalt von den betreffenden Gemeinden nicht übernommen werden konnte. Für derartige Zwecke soll mit der Zeit ein ausreichender Fonds beim Landesverband angesammelt werden. Im übrigen wurden wieder für die allgemeinen Zwecke der Wohlfahrt hohe Beträge eingesetzt. Auch! die Siedln ngsbe st rebungen, deren Träger zum Zwecke der Rückführung der Juden zur Scholle insbesondere der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten ist, sowie ferner die Jugendpflege und Sportbewequng sollen wiederum unterstützt werden. Es gelang. schließlich, für alle diese Zwecke und manche andere die genügenden Mittel zur Verfügung zu stellen und den Etat dennoch in Einnahme und Ausgabe zu balanzieren. Außerhalb des Etats wurde beschlossen, daß der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden sich bei der neu zu gründenden Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland beteilige; für deren Herausgeber sind die Herren Prof. Freimaun-Frankfurt a. M., Rabbiner >Dr. Freuden thal-Nürnberg und Prof. Elbogen-Berlin in Aussicht genommen. Ferner wurde ein bei dem Landesverband bereits bestehender Ausschuß beauftragt, die Vorbereitungen für eine Konferenz zu treffen, bei der unter Zuziehung anderer großer Organisationen über die durch das Ueberhandnehmender M i sch eh en der Erhaltung des Judentums drohenden Gefahren beraten werden soll. In der Sitzung des Großen Rates vorangehenden Besprechung der Mitglieder des Engeren Rates wurde die Tagesordnung für den Verbandstag festgesetzt, der am 3. Februar 1929 wiederum in dem früheren Herrenhaufe zn Berlin zusammentreten soll. Er wird sich neben dem Etat hauptsächlich mit dem Verfassungsentwurf für den zu begründenden Reichsverband der deutschen Juden zn beschäftigen haben. Der Streit um die Berliner Friedhofserweiterung Die jüdischen Einwohner von Weißensee gegen den Plan der Berliner Jüdischen Gemeinde. Seit einigen Jahren schwebt zwischen der Berliner Jüdischen Gemeinde und verschiedenen städtischen Behörden ein erbitterter Streit wegen der Erweiterung des jüdischen Friedhofs Weißensee. Die Gemeinde hat vor Jahren ein großes, unmittelbar an den Friedhof anstoßendes Gelände angekauft, nachdem ihr von einer Polizeistelle bescheinigt worden war, daß der Erweiterung des Friedhofs „keine Bedenken" entgegenstehen. Sehr bald sind aber Bedenken aufgetaucht, Bedenken kommunalpolitischer, sanitärer, sozialer, verkehrstechnischer und vor allem auch rechtlicher Art. In der zuständigen Bezirksverordnetenversammlung haben im Lause der letzten Jahre Vertreter aller Fraktionen, also der Rechts- und Linksparteien, sich gegen den Erweiterungsplan gewandt, und auch die Presse aller Richtungen, „Deutsche Tageszeitung", „Vorwärts" und „Rote Fahne" haben gegen die Pläne der Jüdischen Gemeinde protestiett. Die Gründe können hier nicht im einzelnen dargelegt werden; das Hauptargument rst aber das, daß auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen die christlichen und kommunalen Friedhöfe bereits seit Jahrzehnten nur noch außerhalb von Groß-Berlin angelegt werden dürfen (Stahnsdorf), und daß für den jüdischen Friedhof umso weniger eine Ausnahme gemacht werden darf, als die christlichen und kommunalen Friedhöfe nach 30 Jahren eingeebnet werden können, während bekanntlich die jüdischen Friedhöfe für alle Dauer bestehen bleiben und nicht einmal neu belegt werden dürfen. Ml diesen Bedenken gegenüber hat der Vorstand der Jüdischen Gemeinde bisher einseitig auf dem Standpunkt verharrt, daß ihm die Erweiterung des Friedhofs vor vielen Jahren, wie oben bereits bemerkt, von einer Polizeistelle als unbedenklich bezeichnet worden sei. Abgesehen davon nun, daß der Standpunkt der Gemeinde in jeder Beziehung unhaltbar ist, würde die Durchführung der Pläne auch in hohem Maße geeignet sein, den Antisemitismus — noch dazu in Kreisen, die ihm bisher fernstehen — großzuziehen und unter den etwa 1000 Kleingärtnern, die jetzt auf dem Gelände ihre Laube haben, für Generationen wachzuhalten. Aus diesem Grunde hat sich der „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" dieser Sache angenommen und am 12. Dezember eine Versammlung abgehalten, zu der alle jüdischen Glaubensgenossen in Weißensee, Mitglieder und Nichtmitglieder des „Centralvereins", Liberale, Konservative und Zionisten eingeladen waren. Der Bezirksvorsitzende Herr Joseph Kaufftnann referiette über die Angelegenheit; umfangreiches Material, insbesondere auch die Ärmel der verschiedenen politischen Zeitungen, lagen der Versammlung vor. Einmütig wurde das Verhalten des Gemeindevorstandes zurückgewiesen, welcher sein Partikularinteresse dem Allgemeininteresse voranstelle. Die Erweiterung des Friedhofs wurde als eine Katastrophe für die wirtschaftlich« Entwicklung von Weißensee bezeichnet; und als ein einziger Redner meinte, man müsse auch an die Grabmal-Industrie denken, welche durch Verlegung des Friedhofs tödlich getroffen werden würde, erhob sich der Grabsteinfabrikant Herr Simon und erklätte unter allgemeinem Beifall der Versammlung für sich und seine Kollegen, daß diese selbstverständlich ihre Sonderwünsche zugunsten der allgemeinen Interessen zurückstellen »nd der inzwischen eingebrachüen Resolutton (s. u.) rückhaltlos beitreten. Es wurde sestgestellt, daß die Jüdische Gemeinde in Buckow ein für Friedhofsanlagen geeignetes Gelände besitzt und daß sie im übrigen auch das strittige Terrain in Weißensee gegen ein anderes außerhalb von Groß-Berlin lauschen könne. Widerspruchslos erfolgte die Annahme folgender Resolutton: „Die heute hier versammelten Mitglieder des Centralvereins und andere anwesende jüdische Einwohner des Bezirks 18 haben mit großem Erstaunen von der beabsichtigten Erweiterung des hiesigen jüdischen Friedhofes Kenntnis genommen. Sie betrachten diese Erweiterung als eine schwere Schädigung des gesamten Bezirkes Weißensee und lehnen daher jede diesbezügliche Absicht, die zudem noch geeignet ist, dem Antisemitismus Vorschub zu leisten, entschieden ab." Es ist anzunehmen, daß der Centtalverein nunmehr offiziell bei der Gemeinde vorstellig werden wird. Wir selber haben uns der Angelegenheit ja auch bereits früher angenommen und können nur wiederholen, was wir in unserer Ausgabe vom 10. Dezember 1926 im Anschluß an den damals von uns zitierten sehr ausführlichen Bericht des „Vorwärts" hier schrieben: „Die Jüdische Gemeinde sollte von der Verfolgung eines Planes Abstand nehmen, der in weitesten Kreisen der Berliner Bevölkerung und auch in judenfeindlichen schärfste Mißbilligung findet." 99* In der Werkstatt und auf Scholle Eröffnung der ,^Ört"-AussteNung in Berlin. Am Dienstag, den 18. Dezember, 12 Uhr mittags, wurde die Ausstellung des Verbandes der Gesellschaften zur Förderung von Handwerk und Landwirtschaft unter den Juden, „Ort", in den Räutnen der Berliner Sezession feierlich eröffnet. Die Ausstellung trägt das Motto „In der Werkstatt und auf der Scholle" und zeigt Schülerarbeiten der fachschulen und landwirtschaftliche Erzeugnisse der jüdischen olonien im Tätigkeitsgebiet des Verbandes „Ort". Zu dem Eröffnungsakt hatten sich Vertreter der Staats¬ und Stadtbehörden, d er Wirtschaftskammern und aller großen jüdischen Organisationen Deutschlands sowie zahlreiche Gäste und Vertreter der jüdischen und der allgemeinen Presse eingesunden. Der Vorsitzende des Verbandes „Ort", Abteilung Dmtschland, Herr Wilhelm Graetz, begrüßte die Erschienenen im Namen der .Abteilung Deutschland, die 26 lokale Organisationen, in der alle Schichten des deutschen Indern tums vertteten sind, umfaßt und führte aus, die Ausstellung, die von amerikanischen Freunden von „Ort" angeregt worden war, gebe nur einen kleinen Ausschnitt aus dem überaus großen Arbeitsgebiet und veranschauliche das Wachsen einer neuen Kultur. Herr Graetz begrüßte den Vertreter des Auswärtigen Amtes, Dr. Oskar Wolfsberg, sowie die Bertteter anderer behördlicher Stellen und jüdischer Organisationen, darunter den Vorsitzenden der Bereinigung für das liberale Judentum, Rechtsanwalt Heinrich Stern; er verlas sodann Begrüßungsschreiben des Reichsarbeitsministeriums, der Stadt Berlin und zahlreicher auswärtiger jüdischer Organisationen. Hierauf ergriff Herr Dr. Singalowsky das Wort, um Inhalt und Ziel der Ausstellung zu erläutern. Diese Objette, sagte er, sind stumme aber glaubwürdige Zeugen der Aufbauarbeit des Verbandes „Ort" und sie verdolmetschen das Leitmotiv des Verbandes: Bon dem wurzellosen Bermittlertum zur Wertstatt und der Scholle. Dieses Motto ist nicht ein dottrinärer Mahnruf, sondern es ist richtunggebend für eine Bewegung, die in der Masse selbst entstanden ist und von der Masse getragen wird. Sie will das Unrecht korrigieren, das dem Judentum im Verlauf der Jahrhunderte durch allerlei Verfolgung und Rechtseinschränkung und durch Abdrängung von der Natur zugefügt wordm ist. Die ausgestellten Schülerarbeiten und Produkte der jüdischen Kolonisten sind nur ein schwacher Ausdruck jener Wandlung, die im Osten vor sich! geht und die das soziale und kulturelle Leben der jüdischen Massen umgestaltet. Der Redner gab einen historischen Ueberblick über den wirtschaftlichen Emanzipationskamps des Judentums im Osten und die sozialen Krisen, die es oft erschütterten. Die Fragen des Auf- und UmbaueS! im Judentum Osteuropas sind ein Teil der großen Frage der Befriedung Europas. Der einzig gangbare Weg ist der zur Werkstätte, zur Fabrik, zur Scholle. Der Redner gab einen Ueberblick über die Leistungen von „Ort" in den lebten Jahren und wies insbesondere daraus hin, daß das American Joint Distributton Committee dem Verbände „Ort" stets beigestanden und seine Arbeit durch! große Finanzierungen vorwärts bringen half. Dr. Singalowsky wies auf die Erfolge der Cooperattve Tool Supply Company, der von „Ort" begründeten Einkaufsgesellschast, und der neuen Aktion der Verwandtenhilfe hin und schloß: Die Ausstellung spricht die Sprache des neuen Judentums. Möge sie ein Ausdruck des Dankes sein an diejenigen, die das Werk bisher unterstützten und eine Mahnung an die anderen, diesem Werk ihr Interesse zuzuwenden. Es folgten Begrüßungen der vertretenen Organisationen. Namens der Handelskammer wünschte Herr Knoller denr Ziele von „Ort", das der Mühe der Edelsten wert ist, einen vollen Erfolg. Kammergerichtsrat Wolfs begrüßte die Ausstellung im Namen des Preußischen Landesverbandes Jüdisch er Gemeinden; namens des Vorstandes der Berliner I ü d i s ch e n Gemeinde sagte Herr Direttor W. Kleemann, die Gemeinde werde der „Ort"-Bewegung das ihr schon seit Jahren bewiesene Interesse auch/ in Zukunft bewahren. Dr. Gold schm idt überbrachte die Wünsche des UnabhängigenOrdens Bnei B r i t h, Dr. Bernhard Kahn, der europäisch« Direktor des American Joint Distribution Committee, sagte, er begrüße namens des Joint ein Werk, das nach Entfernung des Wohn-Ghettos nun auch! das Berufs-Ghetto aufzuheben bestrebt ist. Namens der B e r l i n e r Magistrats sagte Herr Hayn, die Arbeit von „Ort" sei auch für Deutschland und die Reichshauptstadt von Wert, indem sie zur Befriedigung der Massen und Klaffen beiträgt. Wilhelm Markus, der Vorsitzende des Zentral-Verbandes der jüdischen Handwerker Deutschlands, sprach von der inneren Verbundenheit zwischen „Ort" und dem jüdischen Handwerkertum. Professor Batourinsky vom „O z e t" in Moskau sprach von der wahrhaft bedeutenden Arbeit des „Ort", die große Kulturperspektiven eröffnet. Namens des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten gab Dr. Löwen stein der Freude Ausdruck, daß Männer vom „Ort" dem Siedlungswerte des R.j.F. in Deutschland ihre Unterstützung leihen. Es schloß sich eine Führung durch die folgenden Abteilungen der Äsusstellung an: A. Allgemeine Abteilung, die mit Hilfe von Diagrammen und Photomontagen einen summarischen Ueberblick über die während der letzten Jahre erzielten Ergebnisse auf allen GÄieten der „Ort"-Tätigkeit bietet. B. Abteilung für fachliche Ausbildung, die Exponate von 18 Handwerterschulen enthält. C. Landwirtschaftliche Abteilung, in der Erzeugnisse aus jüdischen Siedlungen in Polen, Rumänien und Weißrußland ausgestellt sind. Konstituierung des Vereins Jüdische Presse In der vor einigen Tagen abgehaltenen Mitgliedep- Bersammlung hat sich der Verein Jüdische Presse nunmehr endgültig konstituiert. Zum Vorsitzenden wurde Leo Kreindler, zum stellvertretenden Vorsitzenden Redakteur Arthur Schweriner gewählt. Weiter wurden in den Vorstand gewählt: Michael Wurmbrand als Schatzmeister, George Goetz als Schriftführer und Hermann Swet als stellvertretender Schrift? führer. Um auch den auswärtigen Mitgliedern einen Einfluß auf die Führung der Geschäfte zu sichern, sind zwei Mitglieder aus dem Reiche als Beirat in den Vorstand berufen worden. Im Laufe der Erörterungen wurde beschlossen, die Ausstellung von Berechtigungskarten in Aussicht zu nehmen, ferner ist für den Monat Januar ein repräsentativer Empfang geplant, bei dem die jüdischen Persönlichkeiten aus allen Richtungen Gelegenheit haben werden, sich auf neutralem Boden zu begegnen. Besprochen wurde auch die Abhaltung monatlicher Diskussionsabende, bei denen die im Vordergründe des Interesses stehenden Streitfragen aus dem jüdischen öffentlichen Leben durch berufene Sachkenner erörtert werden sollen. Der Zugang an neuen Mitgliedern läßt eine erfreuliche Entwicklung des Vereins erhoffen. Tie Rr. 52 nuferer Zeitung erscheint wegen der Weth- «achlsseiertage eine« Tag spät«. Schrtstleitnug der Mdffch-Meralen Zeitung. Die hessischen Landesverbände Abbruch der Verhandlungen zwischen Elnheilsgrmtindrn und Orthodotte. Aehnlich wie Preußen hat auch der Freistaat Hessen zur Zeit zwei jüdische Landesverbände, von denen der eine, der „Landesverband der israelitischen Religionsgemeinden Hessens" (Sitz Mainz) ein Verband sogenannter Einheitsgemeinden ist, also ein Verband von Gemeinden aller religiösen Richtungen, während der andere, dve „Hessische Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden" (Sitz Darmstadt), wie der Name sagt, nur streng orthodox« Gemeinde» umfaßt. Die Not in den hessischen Gemeinden ist zum Teil sehr groß, und die Hoffnung, dieser Not „mit einheitlicher Kraft steuern" zu können, war wohl der Hauptgrund, weshalb vor etwa zehn Monate» seitens des Darmstädter Verbandes ein Zusammengehen mit de» Mainzer Verband angeregt wurde. Dem Mainzer Verband gehöre» zum TeU recht leistungsfähige Gemeinden an, deren wirtschaftliche Mithilfe der Darmstädter Verband sich sichern wollte. Der Mainzer Verband ging hieraus selbstverständlich mit Freuden ein, denn da er als Einheitsverband ohnehin all« religiösen Richtungen umfaßt, entspricht «S durchaus seinem Programm, sich auch der gesetzestreuen