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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-12-14 · 50 (14.12.1928) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
50 (14.12.1928)
Date
1928-12-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sfösg* SCHOKOLADE Pralinen den u a se-n grundlegenden Werke „Shakespeare" (1900), „Glicbchte der englischen Literatur im Zeitalter der Königin B'ktor'a', „Geschrchte der nordamerikanischen Literatur" Professor Kellner, der eng nfit Theodor Herzl befreundet war, gaO nach dessen Tode d-.e „Zionistischen Schriften" Herzls heraus. 1920 veröffentlichte Kellner eine Biographie Herzls. Set Herzls Tode trat er in der Bewegung nicht mehr stark hervor. V-jtstrauertag 24. Februar 1929. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund hat an die Landesverbände jüdischer Gemeinden in Deutschland die folgenden Mitteilungen ergehen lassen: « . „Auch in diesem Jahre hat der Bolksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, in dem auch die jüdische Glaubensgemeinschaft vertreten ist, beschlossen, einen Bolkstrauertag zur Ehrung des Andenkens der im Weltkriege gefallenen Soldaten zu begehen. Dafür ist Sonntag, der 24. Februar 1929 bestimmt worden. An diesem Tage sollen religiöse und weltliche Gedenkfeiern veranstaltet und Vergnügungen und Lustbarkeiten eingeschränkt werden. Es ist dringend erwünscht, daß, wie es in früheren Jahren geschehen, die jüdischen Gemeinden an dem genannten Tage einen besonderen Gottesdienst veranstalten. Wo da s in kleinen Gemeinden nicht möglich sein sollte, wäre doch beim Sabbathgottesdienst am 23. Februar 1929 eine Gefallenen-Gevächtnisfeier einzuschieben und darauf hinzuweisen, daß am Sonntag, den 24. Februar, dem Ernst des Tages durch Beschränkung der öffentlichen Lustbarkeiten Rechnung getragen wird." Au» de« Gemeinden Chanulahseiern. Unserer Redaktion sind zahlreiche Berichte über Channkahseicrn :n Gemeinde , Wohltätigkeits-, Frauen und Iugeirdvereinen zugegangcn. Wir können, da ivir im Raum außerordentlich beschränkt sind, diese Berichte nicht in unserer Zeitung veröffentlichen. Wir berichten lediglich über die Chanukahsciern, die die Ortsgruppen der liberalen Bereinigung veranstalteten. Die Redaktion. Professor Dr. Leon Kellner gestorben. Am Mittwoch, den 5. Dezember, verstarb in Wien an .Herzschlag im 70. Lebensfchre der hervorragende Angl'st und Shakespeare Forscher Univers-.trtsprosesfvr Tr. Leon Kellner. Lcr n Kellner wurde im Jahre 1859 in Tarnow, Westgal z-en, als Kind einer frommen jüdischen Familie geboren. > Er stud'erte englische Sprachwissenschaft und Literatur an den Universitäten Wien und Breslau. In Breslau besuchte ec auch das Jüdische Theologische Seminar. 1900 habilit'erte er sich als Privatdozent für englische Sprache und L'teratur an der Wiener Universität, 1904 wurde er außerorbcntl'chcr, später ordentlicher Professor für englische Sprache und Literaturgeschichte an der Universität Czernowitz, wo er auch ein-ge Jahre hindurch das Bukowinaer Judentum im Landtag vertrat. Als dann die Bukowina an Rumänien fiel, kehrte er nach Czernowitz nicht mehr zurück, sondern setzte se-ne Forscher- und Schriftstellertätigkeit in Wien fort und war m den letzten Jahren der englische Sekretär des Bundespräffdenten Tr. Michael Hainisch, mit dem ihn von früher her Freundschaft verband. Leon Kellner verfaßte c-ne große Reihe Schriften zur englischen Sprachforschung, die ihm n.icht nur in Oesterreich, sondern auch :u den englisch-sprachlichen Ländern einen Namen machten. In der englffchen Gelehrtenwelt genoß er große Wertschätzung. In weiteren Leserkreisen bekannt wur- Berlin. (T 0 dessal l.) Wic wir nach Redaktionsschluß erfahren, ist Frau Tr. Rosenthal, die Gattin des erst kürzlich ver storbenen konservativen Rabbiners und Gelehrten Dr. Rofenthal, am Mittwoch, den 12. Dezember, gestorben. Frau Dr. Rosenthal Halle noch die Chanulahbescherung des Jüdischen Frauenvereins Berlin, dessen langjährige erste Borsitzende sie war. organisiert, und starb am Abend der Bescherung unter den Mensche», denen sie wieder einmal Freude bereiten half, durch Herzschlag. Breslau. (Ein v e r d i e n st v o l l e r Schritt der Syna-- gogen-Gemcinde.) Am Sonntag, den 9. Dezember, fand in der großen Synagoge ein Chanukah Gottesdienst statt. Die Emporen waren geschlossen, im Männerraum nahm alles ohne Trennung der Geschlechter Platz. Der Raum war fast völlig mit Besuchern gefüllt. Da ungefähr 900 Sitzplätze vorhanden, läßt sich die Besucherzahl leicht errechnen. Nach dem Eingangschor „Wie schön sind Deine Zelte" fand das Lichterzünden durch O b e r k a n t o r B o r i n statt, der auch die in etlvas geänderter Form zusammengestellte Liturgie sang. Nach dem Achtzehngebet wurde ein kleiner Teil des Hallet gesungen. Dann sprach Gemeinderabbiner Dr. Vogel st ein den Kaddisch für die Verstorbenen. Als Schlußgesang hatte man Lewaiidowskis deutsche Keduschoh „Aus jeglichem Munde..." gewählt. Die Predigt lvar gleich nach dem Lichterzünden; vor ihrem Beginn und nach ihrer. Beendigung wurden zwei Verse des Chanukahliedes gesungen. Dr. B o g e l st e i n bezeichnte in seiner Rede den Makkabäerkrieg als den ersten Kampf für Gewissensfreiheit, dem dann in der Weltgeschichte weitere folgten. Die Makkabäer hätten damals wohl geglaubt, nur für die Gewissensfreiheit ihrer Zeit und ihres Volkes zu ftreiteu,, kn Wirklichkeit hätten sie aber den Kamps auf Jahrtausende hinaus geführt. Das Krüglein geweihten Oeles, das nach der frommen Legende anstatt nur für einen, für acht Tage gereicht, gebe auch heute noch den Stoff zur Entzündung heiligen religiösen Feuers. Damit kam dann Dr. B. zu den Problemen der Menschheit und des Judentums von heute und behandelte dies in seiner Predigt. - Man darf sagen, daß diese gottesdienstliche Veranstaltung ein voller Erfolg des hiesigen Liberalismus war. Die Wochentagssynagoge, in der sonst der Abendgottesdkenst auch am Chanukah stattfindet, hätte ungefähr den achten Teil der Erschienenen aufnehmen können. Man sah viel Menschen, die am Sonnabend kaum jemals die Synagoge besuchen; man sah auch sehr viel Mitglieder der orthodoxen Gemeinde. Auch aus diesen Kreisen konnte man volle Befriedigung über diesen Gottesdienst hören. — In dein hiesigen orthodox-zionistischen Organ, das schon vor Wochen von der Beabsichtigung dieser Beranstaltung gehört hatte, war in einem Warnruf dieser Gottesdienst als Dorbote von Sonntagsgottesdiensten bezeichnet worden. — Der Erfolg dieses Ehanukah-Sonntagsgottesdienstes zeigte, daß die Beranstaltung von Sonntagsgottcsdrensten den hiesigen Gemeindemitgliedern nicht so ganz unerwünscht ist Dresden. (G e m e i n d e r a t s s i tz u n g.) Der Vorsitzende Rechtsanwalt Salinger, der die Ende November abgehalten« Sitzung leitete, teilt mit, daß der Gemeindevorstand, dem die Wahl des Vorsitzenden der Sozialen Stiftung zusteht, Konsul Dr. Heinrich Arnhold als Vorsitzenden des Stiftuntzsvorstandes für die Zeit von 1929 bis 1933 wiedergewählt habe. Das Kollegium beschließt, für die gleiche Zeit Rabbiner Prof. Dr. W i n t e r und Herrn Oscar Lesser als Mitglieder des Stiftungsvorstandes wiederzuwählen. Vorsteher Max L e v i berichtet, daß der Synagogen-Ausschuß auf Antrag des Jüdischen Jugend Vereins und der Deutsch-Jüdischen Jugendgemeinschaft beschlossen habe, die im vergangenen Jahr für die erwerbstätige Jugend eingerichtete Freitagabend-Andacht unter Leitung des Rabbiners Dr. Wolf ab 7. Dezember erneut abzuhalten. Anschließend wird in zweiter Lesung der Antrag der Fraktion der Jüdischen Volkspartei aus Aenderung der Gemeindesatzung vom 1. November 1922 behandelt. Die Abstimmung über den von Dr. John L e v y gezeichneten Antrag hat folgendes Ergebnis: Die Aenderung zu 8 4, die Zahl der Gemeindeverordneten von 15 auf 19 zu erhöhen, >vird abgelehnt. Die Aenderung zu 8 15, Absatz 1, gemäß der die Mitglieder des Gemeinderates ab 1929 von den stimmberechtigten Gemeindemitgliedern statt aus zwei, auf fünf Jahre gewählt werden, wird angenommen, ebenso die Aenderung zu § 16, der künftig lautet: Die Wahlen sind möglichst lm November oder Dezember vorzunehmen: die Ausscheidenden sind wieder tvählbar, sie haben jedenfalls ihr Amt bis zur Neuwahl zu versehen. Die Forderungen des Antrags der Jüdischen Volkspartei zu 8 19, Absatz 1, allen seit einem Jahre im Gemeiudebezirk wohnenden, mindestens 21 Jahre alten Gemeindemitgliedern die Stimmberechtigung zuzuerkennen, >vird abgelehnt, ebenso die Forde rung zu 8 20, daß in den Gemeinderat alle stimmberechtigten Gemeinde- Mitglieder, die das 28. Lebensjahr erfüllt haben und seit einem Jahre im Gemeindebezirl ivohnen, gewählt iverdcn können. Dem Antrag Dr. Levy Salinger, den Äemeinderat am 31. Dezember 1928 zwecks Vornahme von Neuwahlen auszulösen, stimmt das Kollegium zu. Fischach. (F r i e d h o s s s ch ä n d u u g.) Bereits vor längerer Zeit waren ans dem Friedhof der Jüdischen Gemeinde in Fischach acht große Grabsteine umgeworfen aufgcfunden worden. Zum Teil waren sie mit dem Sockel umgestürzl, zum Teil zur .Halite zerbrochen. Da der Friedhof hoch und frei liegt, lvar man anfänglich der Ansicht, daß die Steine durch einen Sturm umgestürzt wären, zumal sie keine weitere Beschädigung cmswiesen. Ende Oktober wurde nun aber iviederum festgestellt, daß Grabsteine umgeworfen waren. In diesem Falle konnte jedoch einwandfrei sestgestellt werden, daß die Tat von Menschenhand verübt tvorden sein mußte. Anfangs bestand der Verdacht, daß Kinder die Tat begangen hätten, jedoch konnte ein Nachweis hierfür nicht geführt werden. Fritzlar. (Hohes Alter.) Hier beging Ww. I- Löwenstein in bemerkenswerter körperlicher Gesundheit ihren 90. Geburtstag, an dem die ganze Gemeinde und andersgläubige Freunde regsten Anteil nahmen. Goldbach. (G e s a l l e n e n - E h r u n g.. In der hiesigen Sy nagoge wurde für die Gefallenen der Gemeinde und der Nachbargemeinde Hüsbach eine Ehrentafel errichtet. Der Vorsitzende Löb hielt eine Begrüßungsansprache, während Dr. Breuer die Gedenkrede hielt. Dr. Salomon widmete als Vertreter des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten den Gefallenen ehrende Worte. Auch die Bürgermeister beider Orte und ein Regierungsvertreter hielten Ansprachen. Die schlichte, aber eindrucksvolle Feier war von liturgischen Borträgen des Kantors Schtvarz und Chorgesang umrahmt. Hamburg. (Vortragsabend.) Der I s r a e l i t i s ch e T e IIIpelverband-Hamburg veranstaltet in diesem Winter einen Cyklus von Vorträgen, der sich mit der Stellung des Judentums zum Kulturproblem der Gegenwart befaßt. Es sollen in populär-wissenschaftlicher Form Zeitsragen behandelt werden, die den modernen Men. schen besonders bewegen. Wie sehr diese Beranstaltung dem religiösen Suchen des Juden unserer Tage entgegenkommt, zeigte der starke Besuch des ersten Vortrages, der am 21. November d. I. (Bußtag) Me Pest Ein Drama van Ans-ki, vollendet und für die deutsche Bühne bearbeitet von Arno Nadel. Uraufführung in Mannheim. I. Vor Allem, bevor etwas über Problem und Darstellung dieses Dramas gesagt werden bavf, must das Außergewöhnliche daran hervorgehoben werden: Eitl deutsches Provinztheater mit alter Tradition, aus dem einst Schillers „Räuber" uraufgeführt wurden, das vom Geiste Dalbergs und Jfslands umweht ist, früher konservatives Hoftheater, führt als erste deutsche Bühne ein Stück ausgesprochen jüdischen Charakters auf. Und nicht etwa ein Stück, das von einer jüdischen oder hebräischen Bühne abgeschaut uub nachproduziert werden kann, sondern ein nachgelassenes Werk eines wieder ausgesprochen jüdischen Dichters. Das ist die Großstadt des Nationaltheaters in Mannheim, das am 8. Dezember das Drama „Die Pest" von Ans-ki uraufgeführt hat. Und das bedeutet weiter, ganz besonders von uns anerkannt, wie ein Regisseur mit etwa vierzig Schauspielern, Andersdenkende, Andersgläubige, dem jüdischen Wesen gänzlich fremde Menschen, sich ernstlich abmühen, in das Wesen einer uralten jüdischen Kulturphase einzudringen, um sie mit ihrem künstlerischen Gestalten neu zu prägen. Der Dichter Ans-ki (Pseudonym sür Salomon Rappapori) ist durch seine dramatische Legende „Ter Tybm" populär geworden, die von dem hebräischen Theater „Habimo" in vielen Städten der alten und neuen Welt in überaus charaktervoller Weise zur Darstellung kam. In spärlichen Fragmenten hinterließ Ans-ki, der 1920 in Warschau ver storbeu war, ein Torso, das er „Zwischen Tag und Nacht" betitelt hatte. Nach der Uebersetzung von Rosa Nossig wurde das unter der Hand des Berliner Dichter, Musiker und Malers Arno Nadel zu dem Drama „Die Pest" umgestaltet. Darum ist es wohl schwer sestzustellen, lvo der ursprüngliche Gedanke Ans-kis aushört, und die dramatische Vollendung Nadels beainnt. Aber wenn man sich Nabels dramatischer Werke entsinnt, müßte auch in seinein Schaffen die „Pest" als ein Höhepunkt gewertet werden. In dem Drama „Die Pest" sind drei Motive verwebt: Zuerst ein biblisches Motiv: wegen der Sünde eines Großen in Israel wird die Stadt von einer Seuche heimgesucht (Davids Verschuldung durch Bathseba), ein beliebtes Motiv Arno Nadels. Das zweite ist der Mystik der Kabbala entnommen: die Spaltung der Seelen in reale Geistergesralten höheren und niederen Grades. (Das Motiv ist bei Perez in der Novelle „Der Wasserträger" ebenso zu finden.' Und drittens wird gar ein modernes Problem aus der Psychoanalyse aufgeworfen: die bisher im Unterbewußtsein eines Menschen geschlummerte Erbmasse beginnt zu revolutionieren. Daß diese Revolution so stark sein könnte, um ein ganzes, in heiligen Dingen verbrachtes Leben, mit einem einzigen Erkennen aus den Fugen zu werfen, das will mir nicht in den Kopf gehen. Ich halte darum diese Konzession an das christliche Publikum für einen Schönheitsfehler des ganzen Werkes. II. Tie Handlung: In einer kleinen Stadt weit im Osten ist eine Seuche ausgebrochen. Alte und Junge rafft sie hin, Kinder sterben wie die Fliegen. Wer wird dem Sterben Einhalt gebieten, wenn nicht der im Orte wohnende berühmte Kabbalist Rabbi Ton? Der aber tut Buße. Man weiß nicht warum, aber er hört und sieht schon seit Wochen nichts mehr von setzrer Umgebung. Da kommen die Stadtältesten zu ihm, zuerst bittend, dann flehend und zuletzt befehlend: nur ein Wunder kann die Stadt retten. Man weiß ja ganz genau, wo das Unhestl sitzt, in der Mühle des Frömmsten haben die bösen Geister sich einqenistet. -- Der Rabbi verspricht das Wunder. Seinen Diener Chananja schickt er, mit dem heiligen Gottesnamen bewaffnet, um Mitternacht dorthin. Aber was sieht Chananja da? Seine ganze Welt hat sich auf den Kopf gestellt: sich selbst sieht er mitten in einem traumhaft wilden Treiben von Juden und Jüdinnen. Religiöse Gesänge werden von Gassenhauern übertönt, heilige Zeremonien mit unheiligen Gebärden aus den Kopf gestellt, die Stadtältesten, sonst würdige Männer, enthüllen sich als Lüstlinge, der Rabbr selbst und Mirjam, seine Nichte, die in diesem grotesken Tanz austauchen, sind andere Menschen. Mirjam, das schöne, verträumte Kind, bereiftet sich mit Schminke und Puder vor, ihren Onkel bräutlich zu empfangen, der Rabbi selbst wirft das Allerheiligste, die Thora, zu Bodeu und vermählt sich feintet Nichte Mirjam auf dem Altar, der ihnen zum Brautbett wird. Des Menschen zweite Natur, sein Unterbewußtsech, wird Gestalt und Bewegung. Allerlei Spukgestalten, vorbechuschend, erinnern an die Welt der bösen Geister. - Chananja berichtet am nächsten Morgett alles dem Rabbi. Er wird für wahnsinnig erklärt. Da stirbt die alte Mutter des Rabbi. In der letzten Minute offenbart sie ihrem Sohne ihr furchtbares Geheimnis. Als chr Mann bei einem Pogrom umgekommen war, haben sie bte Mörder geschändet. Ein Bastard ist Rabbi Don. Die Nkutter stirbt, er aber weist jetzt woher die böse Luft in seinem Innern stammt, uttd in der Frage der Kabbala „ist die Weisheit nicht der Erstgeborene Gottes?" erkennt er die Fremdheit seines Denkens. Nun weiß er auch plötzlich das Mittel gegen die Seuche. Mit dem Ausruf an die Gemeinde: „es gibt keinen Gott, es gibt keine Gerechtigkeit", schättdet er die Thora, indem er sie zu Boden wirft, ihre Umhüllung abreißt, und sich damit erdrosselt. III. Tie Darstellung: Das Erfreulichste daran war die Einfühlung in das fremde, hier sogar noch unzugängliche Milien. Und dafür gebührt das größte Lob dem Regisseur K e n t e r. Im Ekstatisch-Schauerlichen des zweiten Aktes hob Kenter das Werk zum Höhepunkt. Der Bacchanal der Geister schwoll zum grausigen Entsetzen. Was moderne Technik an Regie, an Bild — und Leuchtkunst hergeben kann, war aus diese Erscheinungen eickgestellt. Aus anderen Szenen kroch die Schwüle der Stimmungen, verinnerlicht und erhoben durch die Bühnenbilder Dr. E. Löfflers. Die tragische Gestalt des Rabbi Don war bei dem Schauspieler Raoul A l st e r wohl in den besten Hättden. Wer diesen Küttftler aus anderen Gestatten her kennt, hätte bei ihm diese Tragik gar nicht erwartet, umsomehr ist anzuerkennen, wie er diese Rolle zum siegenden Ausdruck brachte. Tie Rolle der Mutter Deborah war von Jda Ehre vorzüglich dargesteltt. Auch das verträumte Kind Mirjam hatte in Marga Dietrich eine ebenso sanfte wie kluge Darstellerin gefunden. Der Diener Chananja (Hans Sims häuf er) ist wohl, äußerlich gesehen, die schwierigste Partie des Dramas. Die Teilung seines Jchs vor den Augen des Beschauers verlangt ein intensives Eingehen in die' Rolle. Im dritten Akt hatte der Künstler das merklich vernachlässigt. Auch die Nebenrollen waren gut besetzt: Karl Marx (Sedalja) und Ernst Langheinz (Mendel) sollen genannt werden. Ueber die begleitende Musik muß noch gesprochen werden. Man kennt gerade Arno Nadel als Fachmann aus dem Gebiete der ostjüdischen Musik, und durfte darum erstaunt sein, den Wiener Musiker Wilhelm Grosz statt seiner zu finden. Uub doch deuteten die Motive an Nadels Sammlungen ostjüdischer Lieder. Das kleine Orchester war recht geschickt zusammengestellt und gab dem Ganzen, besonders im Bor- und Nachspiel, ein würdiges Relief. IV. Die Aufnahme: Welche Stimmungen das Stück beim Publikum lvachgenffen hat, läßt sich zur Zeit, da ich dieses hier schreibe, noch nicht endgültig sagen. Aus Garderobe- Gesprächen war allerdings zu entnehmen, daß man weder den kabbalistischett Jdeenkreis noch eine menschliche Symbolik oder eine Tragik darin verstanden hatte. Trotzdem war

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