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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-12-14 · 50 (14.12.1928) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
50 (14.12.1928)
Date
1928-12-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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WMWWW m der Schild ermiß der Wirkung des zweiten Vortrages von Delitzsch an emen köstlichen Ausspruch Popes erinnert: bei oem mir noch ein anderer drastischer Ausspruch des Briten einfiel: „He was like a bull in a China fyop", die „Terminologiepagoden"-Scherben klirrten nur so auf allen Seiten zu Boden! — Nun möchte ich aber doch in aller Ehrfurcht vor dem Schreiber der „Grundlagen" ihn bitten, einen Augenblick mir für die armen vielgeschmähten Babylonier Gehör zu schenken. Gewiß ist darüber kein Zweifel, daß unsere Religion nicht von ihnen stammt. Ebensowenig stammt daher der „Monotheismus" Israels — von dem unsere Religion doch, immerhin zum Teil kommt. Allein Abraham war kein Jude, auch kein Israelit, aber immerhin ein monotheistischer Semit, und in seiner „Sippe" hat er denselbigen monotheistischen Gedanken festgehalten. Aus dieser Sippe sind im Lauf der Jahrhunderte die semitischen Stämme entstanden, welche Israel ausmachten. Nun haben unsere und andere Ausgrabungen doch sehr interessante Fakta eluzidiert. Abraham war — als mächtiger Scheich eines waffenfähigen großen Nomadenftammes ein Untertan und Freund König Hammurabis. Diesem König half er, in mehreren Schlachten und Feldzügen tapfer kämpfend, sein großes Babylonisches Reich zusammenschmieden. Nachdem das Reich konsolidiert war, zog erst Abraham „dem Rat Gottes Jahves folgend" in das neue Land fort. Von dem „Contemporain" und Gönner Abrahams, dem großen König Hammurabi, ist nun von den Franzosen in Susa kürzlich ein großer Monolith aus gegraben worden, auf dem 280 Paragraphen des Gesetzbuches des Königs für sein Volk eingemeißelt sind. Er stand früher in Babylon und ward von den Persern nach der Erstürmung und Zerstörung nach! Susa überführt. Man ist jetzt dabei, die Gesetze zu übersetzen und zu drucken. Sie stammen aus dem Jahre 2530 v. Chr. Außer dem „Römischen Recht" jetzt die einzige und älteste Kodifikation oder Gesetzessammlung, die uns bekannt ist. Nach den wenigen Proben, welche mir bisher vorgekommen sind, ist der Sinn ein hoher und die Gerechtigkeit eine strenge, welche darinnen zum Vorschein kommen, z. B. über die Verleumdung heißt es: „Wenn jemand wider seinen Nächsten Böses nachsagt, und er kann keine Beweise dafür anbringen und die Verleumdungen gehen dem Nächsten ans Leben (Fall Krupp), dann soll der Verleumder des Todes sterben!" Hätte ich nur so einen Paragraphen zur Verfügung gehabt, dann hätte ich dem „Vorwärts" anders begegnen können! — Moses sagt in den Zehn Geboten: „Tu sollst kein falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten"; also wesentlich! abgeschwächt, und ohne Todesstrafe. Nach Ansicht der Uebersetzer redet der Kodex des Hammurabi das Zeugnis, daß damals schon eine hochentwickelte Kultur in Mesopotamien herrschte. Prof. Hilprecht (Jena), der für die Vereinigten Staaten von Amerika in Nippar ausgräbt, hat auf Grund seiner Forschungen unter den Inschriften der so vielgeschmähten Tontafeln konstatiert, daß der Inhalt Aufschluß gibt über eiu hochentwickeltes, fast modernes Staatsleben, welchles mit seiner hochgestellten, feinen Kultur bis ins 7. Jahrtausend v. Ehr. zurückreicht, also 4450 Jahre vor Hammurabi! Durch! diese assyriologischen Forschungen sind Abraham und seine Zeitgenossen Gestalten, von fester geschichtlich klarer Kontur Umrissen, geworden, während zu meiner Kinderzeit er ein Nebelbild war, von dem es immerhin nicht ganz sicher war, ob er gelebt und wann. Also hier hatte die Assyriologie und die Tontafeln Babels direkt dem Alten Testament einen Dienst erwiesen, sie haben aus der Sagengestall einen forschen Mann aus Fleisch! und Bein schaffen helfen, der in hellstem Lichte seines Wirkens als Reichsgründer vor uns steht, als ein Mensch, an dem sich auch „historisch" Gott offenbart hat. Versammlungskalender Breslau. Jli „Abraham Geiger". Mittwoch, den 19. Dezember, 20.15 Uhr, im vereinslokal, „Soziale Grvppe", Kaiser Wilhelmstraße 16: Arbeitsgemeinschaft „Die Propheten", Leitung: Religionslehrer Davidsohn. Frankfurt a. M. Jüdisch-liberale Jugendgemeinschaft. Am 18. Dezember, 20.45 Uhr: Heimabend. Aktuelle Tagesfragen. Sitzungszimmer Freiherr v. Stein-Stratze. »»»♦» Gottesdienste Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Freitag, den 14. Dezember 1928, 19.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Direktor I. Plaut. Sonnabend, den 15. Dezember, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Freitag, den 21. Dezember 1928, Predigt: Hermann Falkenberg. Berlin-Westend. verein Liberale Synagoge Westend, Leistikowstratze 7-6 (Schulaulas, nahe Reichskanzlerplatz. Jeden Freitagabend liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr pünktlich. Freitag, den 14. Dezember, Predigt: Rabbiner Dr. Seligmann-Frankfurt a.M. Freitag, den 21. Dezember, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Aula der Cäcilienschule. Nikolsburger Platz): Jeden Freitagabend liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr pünktlich. Freitag, den 14. Dezember, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Freitag, den 21. Dezember, Predigt: George Goetz. Tie Babylonier waren unzweifelhaft ein so fabelhaft hochentwickeltes Volk und mit so vollkommen modernen Staatseinrichtungen und Anschauungen auf dem Gebiete der Politik, Kriegsführung usw., wie wir es uns gar nicht haben träumen lassen; das tritt alle Tage klarer hervor. Sie waren die Franzosen der damaligen Zeit, denn ihre Sprache war die Verkehrssprache aller damaligen zivilisierten Völker, die zu der Zeit das Mittelmeer befuhren. In Aegypten wurden sogar Staatsverträge mit dem Ausland auf Babylonisch ab gefaßt, wie neuerdings Inschriften beweisen. In diese hochentwickelte Kultur, welche durch viele Jahrtausende gefestigt und allen syrischen Völkern als heilig galt, wurde nun das kleine Israel hineingezwängt, durchs die Eroberung Kanaans. Aus einem langen Wüsten- und Nomadenleben heraus kam es in diese Welt hinein. Und wenn es noch ein so kristallinisches Gebilde war und abstoßend und abschließend sich verhielt, so konnte es sich! ganz doch nicht der „Atmosphäre" Babylons entziehen. Beziehungen wurden hergestellt; die Leviten haben mit den Weisen Babylons verkehrt; seine Astronomie ward vorbildlich!; seine Kunst einfach übernommen, seine Literatur (Genesiskopiert oder adoptiert; seine Zeitrechnung bis auf die Jetztzeit übertragen und noch maßgebend! Das ist es, was aus den „dummen Tontafeln" hervorgeht, und wo der Einfluß Babylons auf das Alte Testament ein unleugbarer ist. Und das ist interessant und wichtig zugleich für die Beurteilung desselben und seiner Schrewer. Ich wage daher mit Hans Sachs auszurufen: „Verachte mir die (Meister) Babylonier nicht!" STOliWERCI-( f~ ‘Billig. xdohlSchmeckcnd nahrhaft. Als Anlage bitte ich Sie ein paar Photographien von dem von mir für Rom bestimmten Goethe-Denkmal anzunehmen. Tie Gruppe rechts ist Iphigenie, links Mignon. Dazu lege ich eine noch unbekannte Radierung Menzels vom Großen König, welche eben herauskommt. Mit besten Grüßen Ihr treu dankbarer Bewunderer Wilhelm I. R. Berliner Repräsentanten - Versammlung Schütz der Friedhöfe. — Krankenhaussragen. — Die Kunst» fammlung. — Kurse Kr jüdische Mütter. — Palästina-Erde. Freitagabend-SpStgottesdienst. Tie Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde trat am 6. Dezember zu erneuter Beratung zusammen. Zu Beginn der Sitzung kam eine dringliche Anfrage der Liberalen Fraktion zur Besprechung, in der der Gvmkindevorstand um Auskunft gebeten wird, welche Vorkehrungen zum Schutz der Berliner jüdischen Friedhöfe vor Verwüstungen er getroffen hat. Dr. Fletsch er machte zahlreiche Vorschläge, um zu verhindern, daß sich Taten, wie sie erst jüngst in Berlin-Köpenick sich ereigneten, nun auch in Berlin erergnen könnten. Er vertvies in diesem Zufammenyang auf die Stimmen aus nichtjüdischen Kreisen, die immer zahlreicher und entschiedener sich gegen diese Verwilderung des Kampfes erheben. Ein stärkerer Schutz ■ der jüdischen Friedhöfe bedeute nicht nur Dienst am Judentum, sondern auch Dienst am deutschen Volke. Die Besprechung der Anfrage wurde in die geheime Sitzung verlegt. Zu längerer Aussprache führten einige Anfragen der Jüdischen Volkspartei, die das Jüdische Krankenhaus betreffen. Prof. Seligmann betonte für den Gemeinde- Vorstand, daß im jüdischen Krankenhaus ein systematisches Reformprogramm durchgeführt werden soll, das mit den finanziellen Verhältnissen der Gemeinde natürlich im Einklang stehen müsse. Insbesondere wird eine Vergrößerung der gynäkologischen Station und eine Erneuerung der Röntgenanlagen geplant. Um den noch immer vom Bezirksamt für seine Verwaltungszwecke verwandten Jnsektionspavillon des Krankenhauses wieder für die Gemeinde frei zu machen, sollen weitere energische Schritte unternommen werden. Wie Herr Professor Seligmann bemerkte, ist damit zu rechnen, daß nach der Fertigstellung des bereits im Bau befindlichen Verwaltungsgebäudes für den Bezirk Wedding, spätestens also 1931, eine Aenderung eintritt. Mit Entschiedenheit wandte sich Prof. Seligmann gegen einen Antrag der Jüdischen Staatsmänner, sondern auch der damals vierunddreißigjährige Prinz Eduard von Wales verkehrte mit den Rothschilds in freundschaftlichster Weise. Die Königin war geradezu chockiert von der intimen Freundschaft, die ihr Sohn mit den jüdischen Finanzmännern Lionel, Anthony und Meyer und später mit der jüngeren Generation, Nathaniel, Ferdinand und Leopold, pflog. Ter Prinz war ein häufiger Gast auf deren herrlichen Schlössern. Der Biograph Eduards VII., Sidney Lee, schreibt darüber: „Des Prinzen Geschäftssinn ließ ihn den finanziellen Scharfsinn des Rothschildschen Stammes würdigen, doch wurde er zu deren Gliedern mehr durch ihr ausgedehntes W o h l t u n, ihre politischen Informationen, ihre Gastfreuudschuft, ihr S p o r t m ä z e n a t e n t u m und ihren Eifer im Sammeln von K u n st w e r k e n h i n g e z o g e n." Der Prinz nahm sogar an der Hochzeit Leopold Rothschilds mit Marie Perugia im Jahre 1881 als Gast teil, wobei er ganz unter dem Eindruck der ihm bis dahin unbekannten jüdischen Hochzeitszeremonien stand. Auch bei den Rothschildschen Bällen erschien er wiederholt. Während die Söhne bei der häuslichen Vorschrift blieben, nur Mädchen jüdischen Stammes zu heiraten, vermählten sich, wie in Frankreich, Töchter des Hauses Rothschild mit Angehörigen der höchsten englischen A r i st o k r a t i e. So die Tochter Constanze des zweiten Bruders Lionels, Anthony, die 1877 den Lord Battersea heiratete, und Anna, die sich 1873 mit dem Hon. Elliot Aorke, aus dem Hause der Earls of Hardwicks, vermählte. Eine Tochter des vierten Bruders Lionels, Meyer Nathan, ehelichte 1873 Archiv ald Philip Primrose Earl of Roseberry, der 1881 unter Gladstone Unter st aatssekretär im Ministerium des Innern, dann wiederholt Minister des Auswärtigen und 1894 als Nachfolger Gladstones Premierminister wurde. Bei solchen Verbindungen war es begreiflich, daß die Rothschilds dem Gange der großen Politik niemals fern blieben. Tie Mutter einer Dynastie, die nicht nur ihren beherrschenden Einfluß auf allen Finanzmärkten der Erde betätigte, sondern die auch entscheidend in das Leben der Staaten und Völker einzugreifen berufen war, die ihr höchstes Ideal aber stets in der sich immer weiter erstreckenden Befreiung und Würdigung ihres eigenen Stammes erblickte, hat den Glanz und die Blüte der Ihrigen bis zu dem seltenen Alter von 96 Jahren in ungebrochener geistiger und körperlicher Frische miterlebt. Und obwohl Frau Grckmla, Meyer Amschels treuer Ebeliebsten, der Mutter und Großmutter so viel gesegneter Kinder und Kindeskinder, längst schon Schlösser und Paläste zu freier Verfügung standen, hat sie das kleine Häuschen in dem* Frankfurter Judenviertel bis zu ihrer letzten Stunde nicht verlassen. Sie mochte fürchten, daß mit chr auch das große Glück, das in diesen Mauern geboren worden, dem kleinen Haus, das heut als eine der Sehenswürdigkeiten der alten Welt gilt, untreu werden würde. Treue aber war der Wesenskern dieser Familie, deren Aufstieg kaum eine Parallele kennt. Der zweite Band der Geschichte des Hauses Rothschild mag den Historiker wie den Nationalökonomen oder den Soziologen gleichermaßen interessieren und belehren. Der Dichter aber, der gleich allen Künstlern und Musenfreunden der Dynastie Rothschild ebenfalls zu hohem Dank verpflichtet ist, wird nicht anders können, als das Wort zu unterschreiben, das „Auch Einer" ihrer Zunft — nämlich der alte Björnson — in tiefer Erkenntnis der Dinge und Menschen gesprochen hat: „Eine Familie, die zusammenhält, ist unüberwindlich." Und der Biologe wird sich fürbaß erfreuen an der Vitalität einer Familie, deren Stammesmutter mit 96 Jahren dem Arzte, der ihr auf ihre Beschwerden erwiderte, er könne sie ja leider nicht jünger machen, mit schlagfertiger Zunge antwortete: „Ich will ja garnicht, daß Sie mich jünger machen. Sie sollen mich ja nur älter mache n." Im Sinne von Frau Gudula sind die heutigen Rothschilds älter und jünger zugleich geworden. Der Segen Meyer Amschels mrd seiner „Gutte" aber hat ihnen allerorten ihre Häuser — Schlösser und Paläste von fürstlichem Rang — erbaut. Festabend der jüdischen Allershilfe bei Kroll Der Gründungstag der jüdischen Altershilse Groß-Berlin wurde am letzten Sonntag mit einem gar ungewöhnlichen und wohlgelungenen Fest gefeiert. Zum Feiern war diesmal aber auch Grund vorhanden, denn in den zwei Jahren ihres , Bestehens hat die Jüdische Altershilfe schon ungemein segensreich gewirkt. Sie hat bereits mehr als 1500 Menschen ihre Fürsorge angedeihen lassen, sie hat in der kurzen Zeit ihre Organisation ausgebaut und vertieft; sie ist dabei, eine Heimstätte zu errichten, in der manche der bedauernswerten alten Leute, die durch unverschuldetes Geschick um die Früchte ihrer jahrzehntelangen Mühen gebracht worden sind, einen ruhigen Lebensabend verbringen werden. Es war eine sehr glückliche Idee des Vorstandes, als Auftakt für den Festbatt bei Kroll eine Vorstellung in der Staatsoper am Königplatz zu veranstalten, resp. in eigene Regie zu übernehmen. Man gab Mozarts „Don Juan", dieses strahlende, zeitlose Kunstwerk, bei dem Heine einst das hübsche Bonmot prägte: „Seitdem Mozart gelebt hat, gibt cs mchr Glück in der Wett." — Mozart! — Seine letzte Ruhestätte kann niemand besuchen, denn man weiß nicht, wo er beerdigt ist; wie ein Bettler ist dieses einzigartige Genie dereinst in einem unbezeichneten' Massengrabe auf dem Armenfriedhof verscharrt worden, weil er in Elend starb, weil es damals noch keine Altershilse, überhaupt keine soziale Fürsorge gab. Die Festvorstellung, von Otto Klemperer dirigiert, mit auserlesenen „Prominenten" besetzt. war wie aus einem Guß, glanzvoll und ausgeglichen, bis in die feinsten Einzelheiten ausgearbeitet und durchdacht. Krenn als Giovanni, Gabriella Ritter-Ciampi von der Grande Opera in Paris als Elvira, Schütz,enovrf als Lcperello holten sich, ebenso wie die andern, für ihre prächtigen Leistungen immer wieder Applaus bei offener Szene. Wundervoll klang auch der weiche, beseelte Tenor Fidesfers, der den Oktavio sang. Sv war man schon während der Oper, bevor der Ball begann, in eine seltene Hoch- und Feststimmung versetzt. Sämtliche Säle von Kroll, hübsche Denkmäler für ihren Erbauer, Oskar Kaufmann, waren dann zur Verfügung gestellt. Ein Meer von Licht flutete aus den seltsamen, .schiffsähnlichen!, Milchglasbeleuchtungslörpern. Marek Weber's Jazzband und die Sid Kay's Fellows - nach Mozart Jazz: o wch! — spielten zum Tanz. Mehr als dreitausend Gäste waren erschienen. Eine recht illustre Gesellschaft! Ein glänzendes gesellschaftliches Bild! Kostbare Toiletten und schöne Erscheinungen! Viele, deren Namen Klang und Geltung haben, waren da.' Man sah ü. a. Professor Einstein, Dr. Hugo Eckener, Alfred Töblin, Martin Beradt, Professor Marcusq, Professor Jeßner, Georg Bernhard, Professor Fchr, Poilizeivizepräsident Tr. Weiß, viele Herren vom Kultusministerium und anderen Regierungsstellen, führende Köpfe der Berliner Hochfinanz und Großindustrie, von Berliner Persönlichkeiten waren erschienen u. a. der Maler Klee, Käthe Kollwitz, Charlotte Berend, Alice Salomon, Frau Mosse, Irma Reuß usw. Eine mit ungewöhnlich, vielen, wert- und geschmackvollen Gewinnen ausgestaltete Tombola hatte einen erheblichen Anteil an der sich immer mehr ausbreitenden Festfreude. Verlost wurden u a. ein 8/38 Mercedes-Automobil, Frei-Reifen nach dem Süden und nach! dem Norden, kostbare Pelzmäntel, französische Modellkleider, erlesene Zimmereinrichtungen, Radierungen von Liebermann usw. Bis zum ersten Morgengrauen wurde getanzt. Seit vielen I ähren pflege ich! jeden Winter hin und wieder die größten Berliner Feste und Bälle auf kurze Zeit zu besuchen; nicht wegen des „Amüsements", sondern aus rein soziologischem Interesse und um zu beobachten Ich muß gestehen, daß ich ein so wohlgelungen'es und geschmackvolles Fest wie diese Veranstaltung kaum je sah. Dies Zustandekommen ist neben dem Vorstand und dem Arbeitsausschuß der jüdischen Mtershilse, derem Geschäftsführer Max Bacher zu danken. Sehr erfreulich! ist, daß der finanzielle Erfolg des Ganzen recht befriedigend war. Hoffentlich schreitet die jüdische Altershilfe nach! jeder Richtung hin weiter von Erfolg zu Erfolg, zum Wohle der Allgemeinheit, der das Wirke»'dieser Organisation ja gilt. Dr. Ludwig Davidsohn, Bermß.

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