Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 49 (7.12.1928)
- Date
- 1928-12-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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&if%ücfaende 'JCintfee- /KsIdeC-Samäueen. weil sie in dem Bedürfnis vieler Gemeinoemilglreder ihre Grundlage findet. Ter „Berechtigungvfimurel", wie er weite Kreise trqriffcn Hai, wird vm übergehen, und dann wird man sich wieder aus Schuten btftimci:, wie sie das ^etcn brauch:. Fünfviertel Jachrc trennen uns noch von dem Zeitpunkte, der völlige Klarheit darüber schaffen wird, ob die Mittelschule von der für diesen Zweck eigens gegründeten Pollsschule das Schülermaterial erhält, um auf breiterer Basis weiter segensreich zu wirten. Warum hat es der Schul- und Talmud-Thora-Porstand so sehr eilig, daß er nicht einmal diese kurze Spanne Zeit warten will, wie es mehrere Anträge in der Sitzung vom 28. November forderten? Fürchtet er, das Resultat! ö n n t e so a u s - fallen, daß der Plan, unsere G e m e i n d e m i t e r n e r h ö y e r e n indischen Lehranstalt zu beglücken, dann von s e l b st in der B c r s e n t u n g v e r s ch w i n d e t? i) Die Mädchenvolksschnle lasse ich hier beiseite. weil der Leiter der Mädchenmittelschute abgelehnt hat, anstatt der Mädcheninittelschute eine höhere Schule zu errichten. * Aus den Gemeinden i: » Berlin. (F orderungen der jüdisch c n L e h r e r s ch a f l an den Preußischen L a n d e s v e r b a n d.) Der Verein jüdischer Lehrer und Kultusbeamten der Provinz Brandenburg hat aus seiner am 21. November in Berlin stattgefundenen Tagung einmütig dem Bestreben der Lehrerverbandsleitung zugestimmt, für die Zukunst die Heranbildung von Reiigionslehrcrn minderen Grades mit allen Kräften zu Hintertreiben. Energische Schritte sollen ferner unternommen werden, um den Preußischen Landesverband jüdischer Oicincxnbcii zur endlichen Verabschiedung des seit 2 Jahren nicht über Kommrssionsbcratung hinausgekommenen Entwurfs einer „Bcamtenordnung" zu veranlasseu. Es müssen endlich die Rechtsgrundlagen dafür geschaffen werden, daß der jüdische Beamte aus der noch nicht überall beseitigten rechtlich ungesicherten Stellung herauskomme, zciigemäß und unter sachgemäßer Bewertung seiner Tätigkeit besoldet werde und seine Bersorgung für die Zukunft unabhängig vom Mitleid wisse. Nur das allein kann einen mit Hingabe von Herz und Geist im Interesse des Judentums wirkenden Beamtenstand für die Zukunst sichern. Als mit der Standeswürde und den Bestimmungen der Reichs- Verfassung im Widerspruch stehend wurde es bezeichnet, den Beamten grundsätzlich das Wahlrecht in den Gemeinden zu versagen. Berlin. (Kundgebung.) Zur Unterstützung des großen jüdi schen Aufbauwerkes in der Sotvjet Union hat sich in Berlin eine neue „Gesellschaft zur Förderung des jüdischen Siedlungswerkes in der U.d.SSR." gebildet, die durch eine Kundgebung am Sonntag, den 2. Dezember, auch die breitere Oesfentlichkeit für ihre Bestrebungen zu iuteressiercn versuchte. Dr. B u d z i s l a >v s k y begrüßte die in großer Zahl Erschienenen, besonders die Vertreter des Auswärtigen Amtes und der Russischen Botschaft. Er sprach über den Zlvcck der Gesellschaft, deren Aufgabe es sei, der Produktivierung der Juden in der Sowjet-Union durch Unterstützung der zahlreichen neueutstehcudeu landivirtschaftlicheu Siedlungen zu diene». Er betonte ihre Neutral! tät. Es ist gleichgültig, welchen Motiven die Hilfe des Einzelnen entspringt, es kommt hauptsächlich nur aus die materielle Auswirkung der Hilfe an. Professor Dr. Batourinsky, Moskau, Mitglied der. Forschungsexpcdition nach dem fernen Osten, sprach dann über die Ergebnisse der Erforschung der sibirischen Siedlung Birobidjan am Amur. Zuerst habe er dein ganzen Projekt ablehnend gegenübcrgestanden, weil Sibirien durch die Verbannungen und durch unangenehmes Klima verrufen gewesen sei. Das Land aber, das er dort vorfand, hat fruchtbaren, erlragversprechenden Boden. Arthur Holitscher ergänzte die Ausführungen und sagte noch einige Worte über die guten klimatischen Verhältnisse des Bezirkes Biro bidjan. Rußland sei das geeignetste Sicdlungsland. Tie Widerstände, die er bei seiner Reise in Palästina beobachten konnte, ergeben sich hier nicht. In Palästina siedeln sich Juden verschiedener Nationalitäten in einem von Arabern, also ganz andersartigen Menschen, bewohnten Lande an, in Rußland hingegen jüdische Russen. In Palästina lvird die Kolonisationsarbeit bedroht und gefährdet durch die sich naturgemäß ergebenden Kümpfe mit den Arabern. Wohl gibt es auch m Rußland Antisemitismus, der noch immer nicht ganz ausgerottet werden konnte, aber den spürt man, wenigsten? in den Siedlungen, nicht. Birobidjan ist eine autonome jüdische Republik. Herr M i choels, Mitglied des Moskauer Jüdischen Akademischen Theaters, hielt darauf, auch im Namen des erkrankten Dir. Granowski, eine Ansprache in Jiddisch. Walter Mehring las aus einem unveröffentlichten Reise-Tagebuch einige eindrucksvolle und prägnant gestaltete sehr interessante Stellen über nordafrikanische Juden vor. Der in Amerika lebende, auf der Durchreise nach Rußland in Berlin weilende jiddische Dichter Abraham Reisen sprach eigene Gedichte. Mit Versen Arnold Zweigs, von Alexander Granach packend vorgetragen, schloß die Kundgebung. Berlin. (Trauerscicr für Regina F r i c d m a NN.) Tie Bezirksgruppe „Süden" des Liberalen Vereins und Synagogenverein Lindenstraße veranstalteten am Mittwoch, den 28. November, in der Synagoge Linvenstraße eine Trauerfeier für ihr heimgegangenes Vor standsmitglicd Frau Regina Friedmann. Harmoniumspiel, Chorgesang aus Psalm 1 Oü enausch k'chozir jomow und die Litanei „Alle Seelen ruh'n in Frieden", von Herrn Oberkantor Wilhelm Friedmann ergreifend vorgetragen, leiteten die Feier ein. Herr Rechtsanwalt Tr. Manfred Meyer als Vorsitzender der Bezirksgrnppe Süden wandte sich dann mit zu Herzen gehenden Worten an die Verklärte als einer uns Gegenwärtigen. Er erinnert,: an ihr rastloses und selbstloses Wirken, das stets nur der Sache diente, ohne die eigene Persönlichkeit in den Vordergrund zu stellen. Er sprach von ihrer Tätigkeit im Jli mit der Jugend und für die Jugend, von ihrer Arbeit im Liberalen Verein, dessen Bezirksgruppe Süd durch ihre Anregung und Initiative entstand. Als zweiter Redner würdigte alsdann Herr Rabbiner Tr. Blumenthal die Verstorbene als Lehrerin, die es verstand, der Jugend jüdischen Geist zu übermitteln und z. B. bei der Veranstaltung von Chanukah feiern Begeisterung zu entfachen. Er betonte besonders, daß die Schul kommission in Regina Friedmann eine Schriftführerin verlor, die nicht zu ersetzen ist. So »virkte sie immer wieder dafür, durch Person liche Fühlungnahme gleichgültige Eltern an ihre Pflicht zu ge mahne», ihre Kinder dem Religionsunterricht zuznführen. Herr Tr. Blumenthai pries ihre große Pflichttreue. Neben den Pflichten als Gallin. Mutter, Tochter und Schwester ividmete sie sich auch noch der Arbeit in der Frauenvereinigung und vor allem der Wohlsahrts pflege. Regina Friedman», schloß er, bleibt ein Vorbild und darum lebendig. Mit den Klängen de? Largo von Händtl, durch Cello und .Har motihim feierlich zu Gehör gebracht, schloß die Trauerfeier. Beriin. (A u S d e h n u n g der Os e - A r b e i t.) Am 26. ^November hat unter Vorsitz von Herrn Dr. Kart Blum die Mitgliederversammlung der Berliner Ortsgruppe der Ose (Gesellschaft für Gesundheirsschutz der Juden e. V.) stattgefnnden. Der Vorstand erstattete einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit der Ortsgruppe in den Jahren 1927 -1928. Die Anstalten der Gesellschaft, sowohl die ärztliche Beratungsstelle im Norden Berlins (Gorrnanstraße 27), wie auch die Sommer Tageskolonie für erholungsbedürftige Kinder im Grunewald, konnten ihre Tätigkeit bedeutend ausdehnen. In der Beratungsstelle lvurden iin Jahre 1927 4347 Besuche (einschließlich der untersuchten Kinder), ferner 215 Hausbesuche registriert: in der Grnnewald-Tageskolonie fanden 1927 -1928 226 bezw. 245 Kinder Ausnahme. Besondere Aufmerksamkeit wurde der sanitär hygienischen Aufklärungsarbeit gewidmet. Außer der individuellen Belehrung der Besucher der Beratungsstelle wurde eine Reihe Lichtbilder-Porträge über verschiedene sanitär hygienische Themata veranstaltet, die gut besucht waren. Ter Etat der Gesellschaft betrug im Jahre 1927 rund 17 500 Mark. Tie Versammlung bestätigte den Bericht des Vorstandes und sprach dem Vorstande ihren ivarmen Dank für seine Tätigkeit aus. Für die nächste Amtsperiode wurde der bis!>erige Vorstand einstimmig ivicdergewähtt. Berlin. (W o h l s a h r t s b r i e f m a r k e u 19 2 8.) Seil 15. November 1928 werden von der Deutsche» Noihilfe ivieder Wohl fahrtsbrieimarkeu ausgegeben, deren Erträge zur Linderung materieller Notstände im ganzen Reichsgebiet dienen, insbesondere zur ergänzenden Fürsorge für Kinder, alle Leute und Erwerbsunfähige. Es ivcrden ausgegeben: 5 Pfg. Marke zum Verkaufspreis von 10 Psg., Wappen von Hamburg: 8 Psg. Marke zum Verkaufspreis von 15 Pfg.. Wappen von Mecklenburg-Schwerin: 15 Pfg.-Marke zum Verkaufs preis von 30 Pfg., Wappen von Oldenburg: 25 Pig.-Marke zum Verkaufspreis von 50 Pfg., Wappen von Braunschlveig: 50 Pfg. Marke züin Verkaufspreis von 1,— RM., Wappen von Anhalt. Ferner ivird von der Reichspost eine amtliche Bildpostkartc mit eingedruckter 8 Psg.-Marke zum Verkaufspreis von 15 Psg. zur Ausgabe gebracht. Endlich werden Markenheftchen zum Preise von 1,50 RM., enthaltend vier 8 Psg. Marken und drei 15 Psg.-Marken, au-Sgegeben. Tie Wohlfahrtsbriefmarken sind vollivertige amtliche Postwertzeichen, gültig zur Frankatur aller Postsendungen nach dem In und Ausland. Der Postvcrkauf dauert bis zum 31. Januar 1929. Die postalische Gültigkeit der Marken zur Frankatur erlischt am 30. April 1929. Die Zcntralwohlfahrtsstellc macht alle jüdischen Organisationen und Vereine darauf aufmerksam, daß in diesem Jahr statt 60«'i> 80 "o des Reinerlöses der vertreibenden Organisation für ihre eigenen Wohlfahrtszwecke verbleiben. Sie richtet die dringende Bitte an die jüdischen Wohlfahrtsstellen, sich nach Kräften an dem Verkauf der Briefmarken zu beteiligen, um dadurch einmal die Anteilnahme der Juden an den allgemeinen großen Wohlsahrtsaktioncn erneut zum Ausdruck zu bringen, zum anderen aber auch, »veil der jüdischen Wohlfahrtspflege dadurch eine beachtenswerte Einnahmequelle erschlossen wird. Die Briefmarken sind durch die Landes und Pro vinzialvcrbände für jüdische Wohlfahrtspflege sowie durch die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, die zu allen Auskünsten bereit ist, zu beziehen. Bielefeld. (Sozialer Aus s ch u ß f ü r j ü d i s ch e W o h i sahrlspfl e g e.) Ter soziale Ausschuß für jüdische Wohlfahrtspflege in Westfalen hielt kürzlich unter dem Vorsitz sed Herrn Rabbiner Dr. Kronhcim, Bielefeld, in den Räumen des „Linden-- Hofes" in Bielefeld eine aus allen Teilen Westfalens gutbesuchle Versammlung ab. Nachdem Herr Dr. Katzenstein die Erschienenen, namens der Synagogengemeinde Bielefeld begrüßt hatte, erstattete der Vorsitzende des sozialen Ausschusses, Herr Rabbiner Dr. Krön heim, den Bericht über die Tätigkeit oes sozialen Ausschusses, der eine Zusammenfassung der gesamten jüdischen Wohlfahrtspflege Westfalens darstellt. Die Organisation des sozialen Ausschusses hat sich im Lause der letzten Zeit erheblich gefestigt und erweitert. Ter Ausschuß arbeitet in ständiger Verbindung sowohl mit den Provinzialverbändeir. wie auch mit der.Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden in Berlin. Der Vorsitzende berichiete über neue Arbeilsgebiete, die in Angriff genommen iverden sollen, insbesondere ivirv ein Merkblatt vorbereilei, das den Gemeinden die Wohlfahrtsarbett erleichtern sott. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Vortrag von Fräulein Weinreich, Berlin, von der Zentralwohlfahrtsstelle der beutjdu'it Juden, über das Thema: „Neue Formen wirtschaftlicher Fürsorge". Mit der Fürsorgepflichtverordnung von 1924, so führte die Rednerin aus, ging eine völlige Umwandlung der -Wvhlsahrtsfürsorge vor sich. An die Stelle schematischer Hilfe trat individualisierende soziale Arbeit: Fürsorge für Mutter und Kind, Berufsberatung und -Ausbildung, Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenunterstützung, Begründung von Darlchnskassen sind wichtige Gebiete dieser Wohlsahrts pflege. Es steht in Kürze die Errichtung einer jüdischen Arbeiter kolonie bevor, die den Wanderarmen und Strafentlassenen Aufnahme gewähren soll. Die moderne Wohlfahrtspflege mach: einen Unter schied zwischen einfacher und gehobener Fürsorge und arbeitet nach dem Grundsatz: Nicht mehr nach der Würdigkeit des Notleidenden, zu fragen. Bor der Errichtung neuer Anstalten, besonders von Erholungsheimen, ist zu warnen, dag-egen die Errichtung von fliegenden Ferienkolonien zu empfehlen. Tie Zentralwohlfahrtsstelle, in der die Landes- und Provinzialverbände zuiammcngeschlossen sind, ivird demnächst auch Pommern als letztes Glied dieser Kette auf nehme n. Auf diesen Bortrag, der mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde, folgten die Berichte des Allersheims in Unna, des Waisenhauses in Paderborn und des Kindererholungsheimes in Sassendorf. Alle 3 Anstalten leiden noch unter den Nachwirkungen der Inflation, werden aber trotz dieser Schwierigkeiten ausgezeichnet geleitet, was die Versammlung dankbar anerkannte. In einer recht regen Aussprache wurden die in dem Bortrag gegebenen Gedanken nach mancher Richtung hin vertieft und neue Probleme aufgeworfen. Besonders begrüßt wurde es, daß in Kürze ein Wegweiser durch die Wohlsahrtsbestimmungen von der Zentralwohlfahrtsstelle herausgegeben iverden soll. Mit einem Dank an die Synagogengemeinde Bielefeld für die gastliche Aufnahme der Teilnehmer schloß Qm Rabbiner Dr. Kr anheim die Versammlung. Bochum. (Um das F r a u >e n w a h l r e ch t.) Nachdem schon vor 2 Jahren auf eine Eingabe des Frauenbundes die Gemeindevertretung die Frage des Frauenwahlrechts bis zur endgültigen Regelung durch den Landesverband zurückgestellt hatte, trat jetzt der Frauenbund mit einer Versammlung erneut an die Oesfentlichkeit. Die Vorsitzende, Frau Ottilie Schönewald, Mitglied des Landesverbandes, sprach in überzeugender Weise in ihrem sehr sachlichen (Vortrag über das Thema: „Das Wahlrecht der Frau in der jüdischen Gemeinde". In der lebhaften Diskussion meldete sich kein Gegner des Frauenwahlrechts zum Wort, sondern alle Diskussionsredner setzten sichln warmen Worten für dessen Einführung ein. Auf Grund der einstimmig angenommenen Resolution wird sich der Frauenbund erneut an die Gemeindevertretung wenden, um die Einführung des Franenwahlrechts zu erreichen. Breslau. (C h a n u k a h - F e st g o t t e s d i e n st.) Dank der Be - mühungen des hiesigen Liberalen Vereins veranstaltet die Gemeinde in der Neuen Synagoge am Sonntag nachmittag einen Chanukah- Festgoltesdicnst. (Siehe Anzeige im Inseratenteil.) Eppingen (Baden).' (F r i e d h o f s s ch ä n d u n g.) Am 28. November wurde der jüdische Friedhof in Eppingen in Baden geschändet. Die Gendarmerie hat von den Fußspuren Gipsabgüsse genommen. Tie Täter sind bisher noch nicht ermittelt. Essen. (Ans dem B e r e i n sl e b e n.) Mit gewohnter Pünktlichkeit hat die Vortragstätigkeit der hiesigen Vereine gleich nach den hohen Feiertagen wieder eingesetzt. Der Jüdische Jugendvere r'n veranstalret einen großangelegten Vortragszyklus: „Probleme der Zeit — im Roman der Zeit". Es sprachen bisher der Obcrbibliothekar Dr. Sulz über: „Das soziale Problem", Herr Sludienrat Rohlfing über: „Das Eheproblem", Herr Rabbiner Dr. Hahn über: „Jugendvrobleme im zeitgenössischen Roman". Im Jüdischen Frauenbund sprachen: Frau Schönewald, Bochum, Frau Dr. Rcichmann, Heidelberg, über: „Psychoanalyse und Pädagogik" und Frau Leeser, Wanne, über: „Der Verfall der modernen Ehe". — Bei der Jubiläumsfeier, die der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens anläßlich seines 25 jährigen Bestehens veranstaltete, sprachen Herr Professor Dr. Goldstcin, Darinstadt, und Herr Direktor Dr. Holländer, Berlin. — Im Literaturverein war Herr Dr. Elias Auerbach aus Haifa zu Gast, der über: „Die Ausgrabungen in Palästina und die Bibel" referierte. Weitere Veranstaltungen der einzelnen Vereine folgen. Frankfurt a. M. (A u s s p r a ch e jüdischer F raue n ü der E r z i e h u n g s f r a g e ».) Ter Vorstand des .Heims des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg bei Frankfurt a. M. veranstaliet gemeinsam mit dem Jüdischen Frauenbund am l., 2. und 3. Januar 1929 in Frankfurt a. M. eine „Aussprache jüdischer Frauen über Erziehungsfragen". Tie Anssprache ist für solche Frauen gedacht, die durch Anstaltsarbeit, Arbeit in der Jugendfürsorge und Pflege oder als Mütter starkes und aktives Interesse für Erziehungsfrageu haben. Die Teilnahme jüngerer Erziehungskräfte und Wohlsahrts Pflegerinnen ist besonders erwünscht. Zur Behandlung kommen Fragen der Anstalts und Familienerziehung. Wer an den Besprechungen leiizunehmen ivünschr, wird gebeten, sich umgehend an die Geschäfts stelle des Indischen Frauenbünde?, Berlin N. 24, Monbijouplatz!<>, zu wenden. Gurhagen. (G o l d e n e H o ch z e i l.) In voriger Woche begingen die Eheleute M. Katz in körperlicher und geistiger Frische unter Anteilnahme der gesamten Gemeinde und der Ortsbevölkerung ihre goldene Hochzeit. In der Synagoge hielt 'Zehrer Kanthal eine herzliche Ansprache. Bürgermeister Döring übcrbrachte namens der politischen Gemeinde Glückwünsche, und die Regierung ließ ein Geldgeschenk überreichen. Der Israelitische Franenverein, dem die Jubi larin als Vorsitzende seit vielen Jahren vorsteht, hatte eine Ehrengabe überreichen lassen, und auch namens des Israelitischen Männervereins übermittelte Herr Kratzenberg einen silbernen Pokal. Hamburg. (T i lz u n g des R e p r ä s e n ta n t e n k o l l t g i - u m s.) Die am 3. Dezember 1928 stattgehabte Sitzung des Repra sentantenkollegiums stand unter dem Zeichen der Bewilligung erheblicher Beträge, die vom Vorstand ein-geworben wurden. Zunächst wurden RM. 40 000, für die Erweiterung des Kran tenhauses «bewilligt. Das Krankenhaus führt zwar den Namen eines Krankenhauses der deutsch israelitischen Gemeinde, ist aber eine private Stiftung von Salomon .Heine, dem Onkel des Dichters Heinrich .Heine, und dient satzungsgemäß der Ausnahme von Kranken aller Konfessionen. Es hat sich die Notwendigkeit einer Vergrößerung dieses Krankenhauses cherausgestellt. Die Kosten des Erweiterungsbaues sind auf RM. 1 500 000, veranschlagt. Es ist zu erwarten, daß der Hamburger Staat 1 Million als Darlehen, verzinslich mit 5>'„, geben ivird, so daß RM. 500 000, aus anderem Wege noch beizubringen sind. Herr Felix Warburg, New Port, hat einen sehr erheblichen Teil dieser Summe unter der Voraussetzung gespendet, daß in Hamburg aus privaten Kreisen ebenfalls Zuwendungen aufgebracht iverden. Für bauliche Zwecke lvurden insgesamt RM. 30 000, - cingcworben und bewilligt. Der Betrag von RM. 20 000, - dient zur Ausgestaltung eines erst vor kurzem von der Gemeinde erworbenen Grundstücks, das bedeutsamen sozialen Zwecken zu dienen bestimmt ist. Es handelt sich um ein Grundstück, welches 20 Zimmer enthält. In ihm sollen ein Knabenhort, ein Mädchenhort untergcbrach! und ferner Räume für die Jugend bereit gestellt iverden, sowie Bersammttings und Tipungs räume geschasien iverden. Ter Erwerb dieses Grundstücks und die Bereilstellung desselben für die genannten Zwecke dient im wesentlichen dem Interesse der jüdischen Jugend- Von wesentlicher Bedeutung ist ferner die Schaffung einer Bibliolhekarstekle, für die ein namhafter «belehrter in Aussicht genommen ist. Die jüdische Bibliothek befindet sich in ihren Anfängen und es sind Mittel bereits im Etat vorgesehen, um sie wesentlich auszugestalteil. Das Kollegium hat sich damit einverstanden erklärt, daß ein Gelehrter an die Spitze dieser Einrichtung mit einem entsprechenden Gehalt gestellt werde. Ter Tendenz oer Gemeindebehörden, der Hebung des geistig-kulturellen jüdischen Lebens mehr Aufmerksamkeit zu widmen, entsprach ein Antrag des Vorstandes betressend Bewilligung von RM. 1000, zwecks Veranstaltung von Vorträgen in Geineinschafr mit den jüdischen Logen. Ferner wurde noch folgenden Anträgen des Vorstandes zugestimmt: der Zahlung eines Betrages von RM. 5000, an den Besehen kungsausschuß der .Henry Jones-Loge, der Zahlung eines Betrages von RM. 500, für die demnächst stattfindeiidc Tagung der Misrachi-Jugendgruvpe, der Zahlung eines Betrages von RM. 1000, für das Piychovaihenheim in Marburg, soivie der Zahlung eines Betrages von RM. 900, für die Erlangung des statistischen Materials betr. die Hamburger Juden vom statistischen Landcsamt in .Hamburg. Hannover. (Aus dem Ge m e i n d c le b e n.) Mit dem 1. Dezember ist auf eigenen Wunsch Herr Dr. Knoller in den Ruhestand getreten. 35 Jahre stand er im Dienst der hannoverschen Gemeinde. Als langjähriger Direktor der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer hat er bis zur Auslösung des Seminars zahlreiche jüdische junge Menschen zu Lehrern ausgcbildet. Die dankbare Gemeinde nahm diesen Tag zum Anlaß, um in einem Festgottesdienst die Verdienste dieses bedeutenden Mannes zu feiern. Feiertagsgesänge und ein eigens für diese Gelegenheit von Oberkantor Alter verfaßter und vorgetragener Mischberach versetzten die zahlreich erschienenen Gemeindemitglieder in Weihestimmung. Herr Landrabbiner Dr. Freund legte seiner herzlichen Würdigung die Worte des Wochenabschnitts „Wajowau Jaakauf scholem" zu Grunde. Nach Beendigung des Gottesdienstes versammelten sich Vorsteher und Repräsentanten ruf der Estrade der Synagoge. Herr Kommerzienrat Berliner würdigte in .herzlichen Worten die vielseitigen Verdienste des Gefeierten. Die Dankesworte Dr. Knollers zeugten von seiner unlöslichen Verbundenheit mit der Gemeinde. — Aus Anlaß seines zwanzigjährigen Bestehens veranstaltet der Jüdische Jugendvercin Hannover vom 9.—-15. Dezembm: eine Jubiläums Fest- und Werbewvche. Den Austakt bildet eine Eröffnungsfeier am 9. Dezember. Am 12. Dezember lvird der Vorsitzende des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands^ Herr Rabbiner Dr. Hahn-Essen, über: „Die Not der jüdischen Jugend" sprechen. Den Abschluß bildet ein Festball am 15. Dezember. — Um allen in Hannover lebenden Juden Gelegenheit zu geben»