Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-12-07 · 49 (7.12.1928) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
49 (7.12.1928)
Date
1928-12-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2613366-2613947-2613996--2959-2620491
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

"T SCHOKOLADE PRALINEN „.. sieben Brüder samt ihrer Mutter.." Von Clementine K r ä m e r. Wir lesen im zweiten Makkabäerbuck;: „Es wurden auch sieben Brüder samt ihrer Mutter gefangen". Und weiter: „Als sie hatte sechs ihrer Söhne Hinmartern sehen, ließ Antiochus die Mutter vor sich kommen und vermahnte sie, sie wollte doch den Sohn dahin bereden, daß er bey dem Leben erhalten würde." Ties war Antiochus, der Mörder, der Gotteslästerer, welcher frech geredet hatte: „Alsbald er gen Jerusalem käme, so wollte er aus der Stadt eine Totengrube machen." Danach aber in seiner schrecklichen Krankheit gelobte er auf einmal, er werde den heiligen Tempel mit allerlei Schmuck zieren, ja sogar selbst ein Jude werden und schrieb eine demütige Schrift: „Antiochus der König und Fürst entbeut den frorttmen Juden seinen Gruß". (Wer denkt dabei nicht daran, daß Zar Nikolaus sich ebenfalls seiner „lieben Juden" im Weltkrieg auf einmal erinnerte?) Auf das Ansinnen, daß die Mutter dem Sohn gut zurede, er solle „Schweinen Fleisch" essen und „ein Heyde" werden, bat jene ihn „auf ihre Sprache", daß er standhaft bleiben möge: „Tu mein liebes Kind, das ich neun Monden unter meinem Herzen getragen und bey drei Jahren gesäuget". Gerade bei ihrem letzten Kind erinnert sie sich! noch einmal, wie sie ihn, sowie alle seine Brüder in freudiger Erwartung neun Monate trug unter ihrem mütterlichen Herzen. Und so ist schließlich auch der Jüngste „fein dahin gestorben". Fein dahin gestorben! — Schließlich heißt es: „Zum letzten ward die Mutter auch hingerichtet". Am Ende hat sich Antiochus, der Roschoh gedacht, er habe ihr damit nun noch ein allerletztes Leid zugefügt. Aber ich bin gewiß, daß sie ganz zufrieden war, endlich ebenfalls sterben zu dürfen. Und wenn es heißt: „Ter Mensch erfährt, er sei auch wer er mag, ein letztes Glück und einen letzten Tag", so kann man wohl annehmen, daß bei dieser armen Mutter in Israel beides im gleichen Augenblick.erfolgt ist. Hätten wir nicht den Weltkrieg erlebt, so müßten wir bezweifeln, daß in unseren Zeilen solche Qual, wie sie dieser frommen Frau auferlegt ward, noch ertragen werden könnte. Tiefer frommen Frau, von der gesagt ist: „Sie faßte ein männlich Herz". Ein männlich Herz... Juda Makkabäus, der volkstümliche Held des Chanukafestes, bittet, daß Gott den Feinden „ein erschrocken und verzagt Herz" geben möge. Tenn gerade e r wußte, daß dies das Schlimmste ist, was man seinen Feinden wünschen kann. Gerade er, der Mutige, der Kühne, der indes demütig genug war, nach seinem ersten Sieg zu sprechen, daß dieser vom Himmel komme und „nicht durch die große Menge erlanget werde". (Man erinnert sich, daß Friedrich der Große dagegen behauptet hat, der liebe Gott stände auf der Seite der meisten Bataillone.) Wenn man im Zusammenhang mit Juda Makkabäus an Friedrich den Großen denken muß, so fallt einem angesichts der Prüfung dieser Mutter aus dem Jahre 164 vor der üblichen Zeitrechnung jene Sage ein aus einer noch viel dunkleren Vorzeit, darin das Multerleid ebenfalls beschrieben worden ist: jene Sage von der Griechenkönigin Niobe, welche ebenfalls sämtlicher Kinder beraubt ward, weil sie sich überheblich und vermessen ihrer großen Nachkommenschaft rühmte. Jene biblische Mutter dagegen sprach demütig: „Ich bin ja Eure Mutter und habe Euch geboren, aber den Odem und das Leben habe ich Euch nicht gegeben, noch Eure Gliedmaßen also gemacht". * Was aber das Chanukafeft betrifft, so glaube ich nie und nimmer, daß es ursprünglich, wie man jetzt gerne sagt, „das Fest der Kinder" war. Man hat es gedankenlos so geheißen in Angleichung au jenes Fest, das ungefähr in dieselbe Zeit fällt. Tenn es paßt wirklich nicht, dies Fest ein Fest der Kinder zu nennen, wenn man bedenkt: „sieben Brüder samt ihrer Mutter"! Umschau Errichtung von Bezirksrabbinaten in Preußen. Am 21. November d. Js. tagte der Ausschuß für Bildung von Bezirksrabbinaten des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden unter dem Vorsitz des Herrn Tr. Freund. Nach Ueberwindung vieler Schwierigkeiten ist es endlich gelungen, die Vorbereitungen zur Schaffung verschiedener Bezirksrabbinate soweit zu fördern, daß nunmehr der Ausschuß endgültig die (Änrichtung beschließen konnte. In erster Reihe handelte es sich um das Bezirksrabbinat Oberschlesien. Um dieses hatten sich sowohl der Verband der Synagogengemeinden der Provinz Oberschlesien wie der Oberschlesische Rabbinerverband seit langem bemüht. Als Sitz des Bezirksrabbiners kommt Groß-Strehlitz in Frage. Eine Persönlichkeit für die Uebernahme dieses Amts ist gleichfalls bereits in Aussicht genommen. Zu den Obliegenheiten des Bezirksrabbiners wird gehören: Ueberwachung des hebräischen und Religionsunterrichts, Erteilung des Religionsunterrichts an den höheren Lehranstalten, abwechselnd in jeder Gemeinde des Bezirks Abhaltung des Säbbatgottesdienstes mit Predigt, ferner Lehrvorträge in Gemeindeversammlungen, schließlich Ueberwachung der Schechitah in den Bezirksgemeürden. In der gleichen Weise soll ein Bezirksrabbinat mit dem Sitz in Dinslaken geschaffen werden. Einem seit langem gehegten Wunsche des Provinzialverbandes der Synagogengemeinden der Provinz Niederschlesien, für die rabbinerlosen Gemeinden dieser Provinz einen Bezirksrabbiner anzustellen, wurde gleichfalls Rechnung getragen. Tie Frage, welches der Sitz dieses Rabbinats wird, ist nockoffen geblieben. Aus jeden Fall soll es eine größere Provinzgemeinde sein, in der bis jetzt noch kein Rabbiner vorhanden ist. In allen drei Fällen wird der Landesverband den Zuschuß leisten, der erforderlich ist, um das Gehalt nach Gruppe 2 b der Preußischen Besoldungsordnung zu gewährleisten. Während es sich hier um Einrichtungen neuer Rabbinate handelte, beschloß der Ausschuß auch den Ausbau eines bestehenden Stadträbbinats zu einem Bezirksrabbinat, und zwar handelt es sich um M ü n st e r. Es steht zu hoffen, daß etwa zwölf westfälische Kleingemeinden dem Bezirke sich anfchließen werden. Der Landesverband wird durch einen Zuschuß die Kosten für die Erweiterung des Stadtrabbinats Übernehmen. Zum Schluß wurde noch die Errichtung eines Bezirksrabbinats, dessen Sitz voraussichtlich in Borken sein wird, besprochen. Hier soll durch Verhandlungen mit den Gemeindevorstcnchen an Ort und Stelle die Angelegenheit weiter gefördert werden. Amerika und das Hilfswerk für die Ostjudeicheit. Durch die 500 000 Dollar-Spende von John D. Rockefetter junior zugunsten des russischen Kolonisationswerkes des amerikanischen Agro-Joint wurden die Gesamtfonds dieser Institution auf acht Millionen Dollar gebracht. Aus diesem Anlaß erläßt der Präsident des Agro-Joint, Herr James N. Rosenberg, einen Appell 'an die Juden Amerikas, ohne Säumen die zu dem 10 Millionen-Tollar-Fouds noch fehlenden zwei Millionen Dollar aufzubringen. Bekanntlich! hat Herr Julius Rosenwald aus Chikago für das russisch-jüdische Kolonisationswerk fünf Millionen Dollar gespendet, aber daran die Bedingung geknüpft, daß bis zu einer gewissen Zeit von anderen Personen für den gleichen Zweck fünf Millionen Dollar gegeben werden. Herr Rosenberg teilt ferner mit, daß in kurzem ein Siedlungsvertrag mit der russischen Regierung geschlossen werden wird. Wir müssen uns beeilen, schließt er seinen Appell, wir müssen das Wettrennen gegen die Not der jüdischen Massen gewinnen. Judentum und Zionismus in Italien. Tie Zeitung „Popolo di Roma", das führende fascistische Organ, befaßt sich rn einem längeren Aufsatz mit dem vor kurzem in Mailand stattgesundcnen Kongreß der italienischen Zionisten und entwickelt in diesem Zujammenhange ihre Ansichten über Judentum und Zionismus. Ter Korrespondent des Londoner „Tail yTelegraph" referiert ausführlich über diesen Aufsatz und behauptet, daß er vom italienischen Regierungschef Signor Mussolim stammt. In diesem Aufsatz, schreibt der „Daily Telcgraph"-Korrespondent, tadelt der Duce die national-jüdische Einstellung der italienischen Zionisten und richtet an sie die Frage, ob sie sich als eine Religion oder als eine Nation betrachten. Tie Juden Italiens seien zum größten Teil glücklicherweise mit der allgemeinen Bevölkerung verschmolzen, in Italien bestehe kein Antisemitismus, wie dies in vielen anderen Ländern der Fall ist; in der letzten Epoche Italiens haben drei Premiers jüdischer Rasse das Land regiert, ohne daß von irgendeiner Seite dagegen etwas eingewendet worden sei. Nun aber ist Man überrascht zu hören, daß die Zionisten die Juden nicht als Italiener betrachten. Das italienische Volk lebte bisher in der Einbildung, daß die italienischen Juden der Nationalität nach Italiener, der Religion nach jüdisch sind. Hat sich dies geändert? Wir sind überrascht, zu hören, daß die italienischen Zionisten von eurer jüdischen Rasse und einer jüdischen Nation sprechen und über die Religion schweigen. Tie italienischen Zionisten mögen sich nun deutlich ausdrücken: sind sie eine Religion oder eine Nation? Diese Frage bezweckt nicht etwa, Antisemitismus zu wecken, sondern nur zu klären, wie die Tinge liegen, damit die entsprechende Schlußfolgerung hieraus gezogen werden könnte. Tic Behauptung des „Daily Telegraph"-Korrespondenten, daß der Aufsatz im „Popolo di Roma" direkt von Musso>- tini stammt, hat wenig Wahrscheinlichkeit für sich. Vermutlich wrrd von offizieller italienischer Seite diese Annahme auch in Kürze dementiert werden. An der Tatsache des Artikels selbst wird dadurch natürlich nichts geändert. Wo man sich austoben darf. In Rumänien ist eine eigenartige Bestimmung getroffen worden, die hoffentlich! nicht ohne Erfolg bleiben wird. Unterrichtsminister Professor N. Costachescu sandte an alle Universitäten des Landes ein Rundschreiben folgenden Inhaltes: „Zwecks Aufrechterhaltung der Ordnung in den Universitäten ersuche ich Sie, außer den schon bisher getroffenen Maßnahmen noch folgende Verfügung durchzuführen: Während der Vorlesungen mögen drei bis vier Studenten bestimmt werden, damit sie aufpassen, welche Studenten Unruhen Hervorrufen wollen. Im Einvernehmen mit dem Kriegsministerium verfüge ich^ daß diejenigen Studenten, welche bei der Ruhestörung betroffen werden, sofort der Studieuaufschub entzogen werde und daß sie als Strafe sofort zum Militär emgezogen werden. Das Haas Rothschild in der Zeit seiner Blüte Von Toris W i 1 t n e r. Der zweite umfängliche Band der Rothschildschen Familiengeschichte von Egon Caesar Conte Corti,*) der die Periode von 1830 bis.1871 umschließt uiü) Ausblicke bis in unsere eigene Zeit gewährt, liegt nunmehr der Oeffentlichkeit vor. Es ist selbstverständlich, daß, während der erste Band dieses Monumentalwerkes bisweilen einem Märchen, einer schier unglaubhaften Fabel ähnelte, der zweite Band, der die Dynastie Rothschild bereits auf der Höhe ihrer Macht darstellt, weniger romanhaft oder romantifch wirkt, stattdessen aber ein historisches, national-ökonomisches und soziologisches Standardgemälde der von chm umfaßten Zeitepoche bietet. Daß im Jahre 1744 in der Frankfurter Judengasse ein Mann geboren wurde, namens Meyer Amschel Rothschild, der trotz der damaligen völligen Knechtung und Entrechtung seines Stammes, im Jahre 1812 seinen fünf Söhnen schon hunderte und aber hunderte von Millionen Geldes, außerdem Titel, Orden, Auszeichnungen und Würden, sowie intime Beziehungen zu fast allen regierenden Häusern Europas hinterlassen konnte, ganz zu geschweigen von den nicht minder ansehnlichen Vermächtnissen an seine treue Ehegefährtin, Frau Gudula, sowie an seine fünf Töchter, uiib nebst alledem noch ein blühendes, den ganzen Kontinent bcherrschendes Handelshaus seinen Erben zu übergeben vermochte, mutet allerdings wie ein Wunder aus der orientalischen Zauberpracht der Tausend und Ein Nächte an. Weniger erstaunlich schon dünkt der Umstand, daß die fünf Söhne Meyer Amschels, die das ihnen überkommene Erbe getreulich in dem Geiste des Vaters verwaltet hatten, im Jahre 1830 selbst eine Weltmacht repräsentierten, die inkommsensurabel und unvergleichbar schlechthin erscheint. Jeder der fünf Brüder, gleichviel, ob Freiherr, Baron oder Lord, trug Krieg und FriÄen Europas, sowie das Schicksal aller noch so hoffärtig sich gebärdenden Dynastien der Alten Welt in seiner Hand. Es gab auf der europäischen Erde kaum einen *) Jnsilverlag, Leipzig. noch, so dünkelhaften Monarchen, geschweige denn einen Staatsmann oder verantwortlichen Diplomaten, der schwerwiegende Entschlüsse gewagt hätte, ohne sich znvor mit einem der „Fünf Frankfurter" eingehend zu beraten. Bisweilen wurde ein Staat von einem berechtigten Ressentiment des Hauses Rothschild bis hart an den Rand des Staatsbankrottes getrieben. Aber selbst der vermeintliche Statthalter Petri auf Erden, der Papst zu Rom, mußte gelegentlich, wenn die Rothschildschen Interessen es erforderten, klein beigeben und demütigende Kompromisse mit dem übermächtigen Hause schließen. Als im Jahre 1836 der nennundfünfzigjährige, in London ansässige Nathan Rothschild, ebenfalls treulich im Sinne des alten Meyer Amschel, der einst „zu besserem finanziellem und familiärem Zusammenhalt möglichst wenig fremde Familien in den engeren Kreis des Hauses aufzunehmen" empfahl, seinen ältesten Sohn Lionel mit dessen Kusine Charlotte, der Tochter des Freiherrn Karl von Rothschild in Neapel, zu vermählen beschloß, wurde diese Hochzeit in der allen Rothschilds gemeinsamen Vaterstadt Frankfurt am Main in glänzender Weise unter einer nie gesehenen Prachtentfaltung gefeiert. Bald nach diesem Fest aber gefiel es dem Ewigen, diesen klügsten und genialsten Finanzmann der Rothschildschen Hausmacht, zu sich u berufen. Tod, Testament und Beisetzung Nathan Rothchilds waren geeignet, viele Monate hindurch allen führenden Salons Europas ausgiebigen Gesprächsstoff zu liefern. Obwohl ein guter Sohn des „Alten Bundes", war Nathan Rothschild in der Londoner City doch weltlich genug geworden, um in seiner letzten Stunde von den üblichen religiösen Ceremonien heiteren Mutes Abstand zu nehmen. Ohne Frivolität lehnte er darum ab, was dm Bezwinger des Schicksals nur noch leere Form dünkm mochte. „Ich habe nicht nötig, so viel zu beten; und glaubt mir, nach meiner Ueberzmgung habe ich nicht gesündigt." Zu seiner Tochter Betsie aber äußerte er in echt britischer Manier: „Good night for ever." So schied eine Herrschernatur von epikuräischem Temperament aus diesem Lebm. Wie bei Meyer Amschels Tode blieb auch nuH Nathans Hinscheidm das gesamte Handlungsvermögen ausschließlich dm nunmehr überlÄendm vier Brüdern überlassm, mit der Maßgabe, „daß keiner von dm Handlungskapitalien irgend etwas herausziehen dürfe". Säum Kindern hatte Nathan Rothschild schon bei Lebzeiten je 800000 Pfund Sterling gegeben. Diese abgerechnet, hinterließ er ihnen aber noch ein so außerordentliches Vermögen, daß jeder einzelne Sohn extra für sich 150 bis 200000 Pfund Sterling erbte, abgesehen von den Anteilen, die sie im Handelshaus selbst stecken haben mochten. Auf dem Totenbette hatte er seinem ältesten Sohne und durch dessm Mund den übrigen nicht anwesenden Söhnen auferlegt, alles stets auszubieten, um dieses Vermögen beisammen zu erhalten und sich in keine riskanten Unternehmungm einzulassen. Des weiteren empfahl er ihm, alte böse Gesellschaft zu meiden und immer wahre Tugend, Religion und Rechtschaffenheit im Her-, zen und im Sinne hoch zu halten. Er warnte ihn auch, daß die gesamte Welt jetzt an dem Hause Rothschild zu verdienen trachten würde, daß es daher an ihm rnrd seinen Brüdern sein müsse, immer größere Vorsicht zu üben, wobei er noch hinzufügte, daß es ihm gleichgültig sei, ob einer seiner Söhne fünfzigtausend Pfund Sterling mehr oder weniger besäße; die Hauptsache hieße nur Einig keil und familiärer Zusammenhalt. Die Leiche Nathans wurde von Frankfurt, wo er erkrankt und gestorben, nach London überführt und in seinem Hause aufgebahrt. Tausende zogen an seinem Sarg vorüber. Sein Leichenbegängnis am 8. August 1836 war ein äußeres Zeichen der gewaltigen Stellung, die er sich im Britenreich geschaffen. Alle Gesandten der Großmächte, der Lord-Mayor, die Sheriffs und viele Aldermen der City von London folgten seinem Sarge, dem eine Prozession weißgekleideter jüdischer Waisenkinder voranschritt. Ganz London war gekommen, um den Leichenzug zu scheu. Es herrschte ein riesiges Gedränge und nur mit Mühe konnte die Ordnung aufrecht erhalten werden. So wurde ein Mann zu Grabe getragen, der kaum vierzig Jahre vorher als ein kleiner jüdische r Händler ohne Namen und Ansehen aus Frankfurt in Englarck» eingewandert war. Entsprechende Nachrufe in der gesamten Oeffentlichkeit Europas haben diese Beisetzung gebührend gewürdigt. Und es konnte nicht ausbleiben, daß ein Ses Ereignis erhellende Lichter auf die überlebenden Miter der Rothschildschen Geld- und Weltmacht warf. Ein Beispiel dafür liefert ein Ausschnitt aus dem Tagebuch der Gemahlin Metternichs. Er gibt einen Begriff von dem Eindruck, den der Rothschildsche Reichtum allüberall machte:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.