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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-11-30 · 48 (30.11.1928) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
48 (30.11.1928)
Date
1928-11-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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h\ Köln gedruckt. Anscheinend mit hochwissenschafttiicher Miene beginnt der Autor seine Untersuchungen und führt jre ebenso durch. Der aufmerksame Leser bemeM allerdings schon bald, daß das Büchlein in die Reihe der Schelmenbücher hineingchört, noch mehr als dies, daß der Autor vielleicht hauptsächlich dabei im Auge hatte, einigen nicht mit Namen genannten und durch Sternchen bezeichneten Herren, Mitgliedern von Stiche zu versetzen. Rur einmal ist sein Name Adam Rothkopf, tu Fettdruck angeführt, in allen übrigen Fällen mußten die sachikundigen Leser zu den Sternchen die Namen selbst ergänzen. Justizlommissionen, Profisforen und anderen, empfinolichg Selbst wenn man von diesem persönlichen Moment absieht, so sind die Ausführungen mitunter derartig witzig und interessant, daß es sich lohnt, einige davon wörtlich wiederzugeben. Tie Einleitung beginnt: „Da ich jetzt beweisen will, daß diejenigen, so Christum gekreuziget und Johannem den Täufer -enthauptet, Westphälinger gewesen, so setze ich folgende dreh Punkte zuvor: 1. Beyderseitige Executiones sind durch die Leibwachen des Pilati und Herodis geschehen. 2. Diese Leibwachen haben aus Deutschen bestanden. 3. Diese Deutschen sind eigentlich Westphälinger gewesen. Ad I. Tie Bibel sowohl als die Welthistorie bezeugen überflüssig, daß vor diesem gemeiniglich die zum Tode Verurteilten durch die Leibwachen hingerichtet wurden. Adonia, Joab und Simei wurden durch Benaja hingerichtet, welcher zu der Zeit über die Krethi und Plethi, d. i. Janitscharen Äqa des Salomonis war. Mich dünkt, daß ich den Charakter des Benaha besser hiermit ausgedrückt habe, als wenn andere Ausleger ihn einen Kommandeur des Garde du Korps nennen. Die Krethi und Plethi dienten zwar auch zur Leibeswache, allein sie waren auch zugleich ein starkes sormidables Korps der besten jüdischen Infanterie, und bestanden aus den Kindern der herumliegenden unter jüdischem Schutze stehenden Völker. Doch diese Kinder mußten sich vorher beschneiden Lassen und den jüdischen Gottesdienst annehmen, welches alles mit den heutigen Janitscharen übereinkommt. In den weiteren Ausführungen zu 1 und 2 merkt man es schon deutlicher, daß es sich um eine Satyre handelt, besonders in folgendem: „Wiewohl, ,was den Pilatun betrifft, so haben wir noch näheren Beweis, daß seine Garden eigentlich aus Deutschen bestanden haben. Pilatus selbst war ein Deutscher aus Forchheim im Bambergischen gebürtig; die alten Verse davon sind bekannt: Forcheimii natus est Pontius ille Pilatus Teutonicae gentis, Crucifixor omnipotentis. (Zu Forchheim wurde geboren jener Pontius Pilatus, von teutonischem Stamme, der Kreuziger des Allmächtigen.) — Ten vierten und letzten Beweis, daß die Leibwache Deutsche gewesen seien, nehme ich her — sagt der Verfasser - von dem Wüilelspiele über dem eingenähten Rock. Bet den Römern war alles Spielen mit den Würfeln verboten, und der Hauptmann bei der Exekution hätte dergleichen öffentlicher Uebertretung ihrer Kriegsartikel nimmermehr gelitten, wenn es Soldaten seiner Nation gewesen wären. Tie deutschen Kriegsknechte aber, so unter den Römern eben die Freiheit behielten als die Schweizerregimenter in der französischen Armee, hatten jederzeit die Würfel bei der Hand, sie trugen solche neben der Tabakspfeife beständig im Schubsacke; die höchsten Augen waren Schiedsrichter über alles. Sie setzten Haus, Hof und ihre Freiheit bei den Würfeln auf das Spiel." Tie humoristische Beweisführung des dritten Satzes endlichdürste die westfälischen Landsleute besonders interessieren. Nach, einer längeren geographischen Begründung meint der Verfasser: „Schweigen nun die Römer von den anderen deutschen Völkern, und haben im Bösen und Guten nur immer mit den Anwohnern der Weser und des Rheins zu tun, so folget: daß, wie die deutschen Hilfsvölker überhaupt Westphälinger gewesen sind, also auch die darausgezogenen und zur Leibwache gebrauchten großen Kerls dieser pumpernick elf che Gegend zum Vaterland gehabt haben. Endlich sieht man es auch aus der westfälischen Kolonie, die sich derzeit in Judäa befand. Denn diejenigen von diesen deutschen Hilfsvölkern, die Invaliden wurden und nicht Lust hatten, den weiten Weg wieder nach Hause zu gehen, etablierten sich daselbst und hießen die Gergesöner, von ihrem ersten Kolonievorsteher, dem alten Gürgen, auf Westfälisch George, welchem zu Ehren sie sich G e o r g e n s s ö h n e, oder nach der syrischen Mundart Gergesöner nannten... Einige Auktores meinen zwar, daß wir diesen nach Judäa und anderen orientalischen Ländern hinmarschierten Westphälingern den Kaffee zu danken hätten, indem sie anfangs ihre Saubohnen mitgenommen, welche durch die Güte des dortigen Erdreichs sich ausgebessert, daß die jetzigen Kaffeebohnen daraus geworden... Es könne aber auch, wie der Verfasser zum Schlüsse meint, ein im Solde stehender deutscher Offizier aus Kuriosität Kaffeebohnen nach seinem Gute in Westfalen geschickt haben, um zu sehen, ob solche dort wachsen würden. Sie seien aber durch das rauhe Erdreich so ausgeartet, daß die jetzigen Saubohnen daraus wurden. Genug davon. Wüßten wir nicht, wann das Büchlein entstanden ist, so könnte man glauben, es sei eine Satyre aus der gegenwärtigen zahlreichen völkischen und Rassenlehren- Literatur. M. A. Grenzen des Schaffens Von Edith Falk, Frankfurt a. M. Es gibt ein ganz eigenartiges, schönes Glücksgefühl, das man empfindet, wenn man' etwas Tiefgründiges liest und es „versteht", d. h., wenn man etwas Gedachtes, Geformtes so aufnimmt, daß es wie selbstverständlich eingeht in die eigene Tenkenssphäre, so daß es gleichsam dort gewachsen zu sein scheint. Seien es abstrakte Spekulationen der Logik, deren Schluß sich im eigenen Denken ergibt, wenn man dem Schreiber bis zur Hälfte seiner Ausführungen und Philosophien gefolgt ist, und deren Folgerung man dann wie eine Bestätigung mit Kopfnicken und innerem Freudegefühl begleitet, seien cs zielweisende Lehren, Darlegungen richtungbestimmender Ideale, man empfindet voller Beglückung das „Nach-Denken", empfindet, daß da etwas Ausdruck gefunden hat, das man selbst wohl unbewußt schon in sich getragen haben muß, sonst wäre diese Ausdruckgebung nicht eben so befreiende „Lösung". Mer in dem Menschen, den es zu eigener Gestasltung drängt, der selbst schaffen und formen und lehren möchte, für den gibt es da noch ein anderes Gefühl: das eines grenzenlosen Schmerzes, zu spät gekommen zu sein, um eben dies — dem eigenen Empsinden doch so Gemäße — selbst erstmalig zum Leben zu formen, dies Gefühl des „Weh Dir, daß Du ein Enkel bist!" Man kann die als göttlich erkannten Ideale wohl neu durchgeistigen, kann sie mit seiner eigenen Blutlebendigkeit durchtränken, kann für sich selbst sie als in aller Ursprünglichkeit gewachsen fühlen, — aber man kann sie nicht mehr der „Menschheit", die man liebt und der man zur Erkenntnis des Guten helfen will, als erstmalig „künden". Dies „Kündenwollen" ist nicht Ruhmsucht, ist nicht der ehrgeizige Wunsch, als Stifter bewundert zu werden; es ist nur der Ueberschwang der bewußt gewordenen Schaffenskraft, das Gefühl, tausende unverbrauchter Energien zu besitzen, die zur persönlichen, positiven — nicht nur interpretierenden — Leistung drängen, und die man brachliegen lassen muß, weil andere vor einem gedacht und erkannt und gekündet haben. Und noch etwas ist schlimm, schlimmer noch, mitanzusehen: Man glaubt, — voller Ursprünglichkeit in der eigenen Brust geboren, — eine Erkenntnis gefunden zu haben, die eine noch weglose, aber willige und empsangsbereite Gemeinde schon erwartet, um die Richtung gewiesen zu bekommen, heraus aus ihrem Jndifferentismus. Man glaubt, daß es nur des eindringlichen, schwingenden und beschwingten Wortes bedarf — ihnen etwa zu zeigen, daß sie eine menschliche und eine jüdische Pflicht haben, ihr Leben sinnvoll für ihre Gemeinschaft zu gestalten, die Probleme ihrer Zeit als die ihren zu betrachten, sie in jüdischem Sinne zu lösen, — um sie zu glühenden Mitkämpfern zu befeuern, und muß dann sehen, daß nicht nur dieses beschwingte Wort schon gesagt ist, in hundert Formen, von hundert Durchdrungenen, — sondern daß es verhallt ist, gelesen wurde wie etwas Tagtägliches, höchstens mit gönnerisch-erhabenem Wohlwollen, und daß der Jndifferentismus der gleiche geblieben ist, die innere Unbeteiligtheit der vielen, vielen, die man hoffte anregen und entzünden zu können und zu dürfen. In einer Antikriegskundgebung sind keine Kriegsfreunde; nur die suchen Bestätigung, die von sich aus schon Kriegsgegner sind. Eine jüdische, kämpferische Zeitung lesen nur die, die selbst um die Klarheit ihres Judentums und ihrer jüdischen Pflichten ringen. Und keiner von denen, die in ihr Selbst eingesponnen der menschlichen, der jüdischen Gemeinschaft unfruchtbar sind, wartet darauf, daß man das erst« Wort zu ihnen spricht und sie entflammt! Jahrgang 1902 Von E r n st Gl a c s e r Die deutsche Jugend dieses Jahrhunderts muss vielleicht wirklich nach dem ,. Jahrgang“ gewertet werden. Di, gewaltigen Geschehnisse der letzten fünfzehn Jahre: Kriege Zusammenbruch, Revolution, Erfindungen und Weltverfiechtung mussten im Kindesalter mit den Augen der Jugend verschieden gesehen und deshalb verschieden erlebt werden. Der ..Jahrgang 190S“, den Ernst Glaeser in dem im Verlag Gustav Kiepenheuer, Potsdam, erschienenen Buch schildert, hat das Geschehen fast nur passiv an sich vorüberziehen sehen. Gerade deshalb aber ist sein Blick unbefangen, seine Schilderung ein besonders wertvolles Dokument der ..grossen“ Zeit. In dem Auge der Jugend, die während des Krieges vom Kind zum Jüngling reifte, spiegelt sich hier das Schicksal der deutschen Welt. Das Kapitel, das wir aus dem lesenswerten Buch von Ernst Glaeser nachstehend wiedergehen, handelt im Anfang 1914 vor dem Weltbeben. Leo Silberstein, der einzige Jude der Quarta, ist für den Klassenführer und Turnlehrer Dr. Brosius nur Objekt zur Befriedigung seiner Gier des Spöttelns und Quälens. In einer Turnstunde verordnet er: „Fünfundzwanzig Kniebeugen für Silber stein, iceil er das drittemal beim Abzählen geschlafen hat.“ Leo bricht am Ende der Strafübung zusammen. Ferd. v. K, der Sohn eines freiheitlich denkenden und darum nicht eben in der Stadt angesehenen Majors a. D., ist zunächst der einzige Mitschüler, den die Art des Dr. Brosius empört; die anderen lachen und witzeln mit. Auf dem Nachhauseweg von der Schule beschliesst er und der Mitschüler, der das Buch „erzählt“, Leo zu schützen. Der Beschluss wird dem kranken Leo mitgeteilt. Die Redaktion. Leo Silberstein Copyright 1928 by Gustav Kiepenheuer Verlag A.-G., Potsdam. Das Haus, in dem Leo Silberstein wohnt, liegt am Markt. Es ist ein großes Haus mit breiter, heller Front, gelb beworfen und mit Klappläden, die grün gestrichen sind. Zwischen Parterre und erstem Stock läuft ein großes, weißes Schild, auf das in feinen Schnörkeln „David Silberstein & Co., Tuche en gros u. en detail" gemalt ist. Die Buchstaben sind rot. jüdische Sittengesetze in anderem Idiom, mit fremden Symbolen verquickt, kündete und in unvergeßlicher Weise praktisch lebte. Wer dieses wurde weltberühmt, jenes blieb der Allgemeinheit unbekannt und ward fast vergessen. In unserem mechanisierten Zeitalter,' in dem nur noch Sport und Technik Trumpf sind, sindet religiöse Verinnerlichung und dichterischer Hinweis auf das Göttliche nicht das Allgemeininteresse, das ihm gebührt. Dabei llingt „amor dei", wie erwähnt, doch bei allen jüdischen Lyrikern unserer Tage sehr vernehmlich auf! Wie Goldkörner in taubem Gestein eingesprengt, findet man einige tiefempfundene religiöse Gedichte bei Else Lasker-Schüler; — Ernst Lissauer, Arthur Silbergleit sind in erster Linie religiöse Dichter, und die wenigen Verse, die Richard Beer-Hofmann schrieb, sind gerade wegen ihres Erfülltseins mit spezifisch-jüdischer Frömmigkeit so einzigartig und wundervoll. In letzter Zeit gesellt sich zu den modernen jüdischen Lyrikern, die Nachfahren so stolzer und hoher Tradition sind, der junge Davin Schönberger. Er hat sein Poetentalent wohl von seinem Vater geerbt, der in Nordhausen Rabbiner war und ebenfalls manches llangschöne Gedicht verfaßte. Auch Davin Schönberger ist Rabbiner; er amtiert in Aachen, und ich glaube, daß sein Wirken und Predigen erfüllt sind von jener echten Glut wahrhaften Gottkündertums, das heute so selten und so — nötig geworden ist! — Noch ist sein lyrisches Werk nicht umfangreich, noch sind seine Hymnen und Verse nicht Neuland in dem Sinne, daß sie literaturgeschichtlich - notwendige Bereicherung unseres Schrifttums bedeuten. Aber sie sind — und das ist das Entscheidende! — echt, und sie sind gut! Und sie haben bereits ein ganz eigenes Gesicht und einen eigenen Ton! — Und es handelt sich immerhin um wirkliche Kunst. Das tiefe Gefühl, die innige Religiosität und mancherlei schöne Gedanken, die in seinen Versen zutage treten, machen sie so ungemein sympathisch. Bisher liegen drei Gedichtbücher von Schönberger vor, „Feierstunde am Wege", „Sinaiklänge" und „Berufung". Sie zeigen deutlich den aufwärtsführenden Weg, den der Künstler bisher gegangen ist. In dem ersten Buch ist noch ein Verweilen, ein Sichüesinnen, ein Reflektieren über manche Älltäglichen Angelegenheiten: „Weil ich trotz allem nur Pflanze bin, Blume, die am Wege blüht und mit leuchtenden Farben lockt und schwer an ihren Früchten trägt und schwer an chrem Welken. — Ich kann nicht weiter, denn ich wurzle am Wege! Aber den Weg sehe ich weit sich winden und träume von seinen unbekannten Zielen und wurzle und stehe und träume, daß ich gehe weiter, weiter und dabei Lieder singe und lebe von der Sonne irgend einer Sonne entgegenbebe." Manch schlichter liedhafter Ton läßt aufhorchen, wie z. B. in dem Gedicht „Musik". Zwischen traumhaft-ernsten Naturstimmungen (..Sonnenuntergang am Meer", „Meeresschlummerlied", „Klänge des Mondes") traten schon bohrende Fragen auf: „Wir wandern Wege, die wir niemals kennen, wir denken Dinge, die wir nicht erfassen, wir heben Fragen, die wie Wunden brennen und Menschen müssen sich im Staub begegnen, sich ohne Willen fluchen und sich segnen. Ist Sinn im Raume, dem unendlich weiten? Gefühl nicht Narrheit, das uns tief erregt, Bedeutung in der Folge schneller Zeiten und ruft die Seele durstig nicht nach Gott selbst,wenn sie sich zerreißt in Qual und Spott? Bald aber löst sich schon in dem ersten Gedichtbande alles Suchen in jene Glaubensgewißhcit auf, die gerade bei diesem Dichter etwas so Ueberzeugendes und Suggestives an sich hat. Tie Andacht Schönbergers schenkt uns dann die schönen Rhythmen des „L i ch t g e b e t s", zu denen ich mir als Illustration das bekannte Gemälde von Fidus denke; sie gibt uns die tröstende Sicherheit des Geborgenseins in „Todessehnen". Ter Autor hat den Weltkrieg miterlebt und sicherlich manches Schwere durchlitten. Gedichte wie „Predigt" und einige andere Stücke mögen aus großer Friedenssehnsucht heraus entstanden sein. Im letzten Teil des Buches ist „Harmonie mit dem Unendlichen" erreicht. — „Gottesträume" und „Ich rufe Gott" zeigen das Ziel eines mit unbeirrbarer Sicherheit geschrittenen Weges. In den „Feierstunden" finden sich noch allerlei Reflexe weltlich,en Erlebens. In den „Sinaiklängen" sind sie vermieden. Hier atmen alle Strophen tiefe Ergriffenheit von der Gotterfülltheit der Welt. Manche der Bibel entlehnte Visionen und poetische Gleichnisse sind sprachlich überraschend neu und bildhaft gestaltet. Auf das bange Sinnen des Menschen, als „ein Leichenwagen durch die Stadt fährt", ist ernste Antwort gegeben. Alle Straßen führen zuletzt wieder zum Schöpfer zurück, der das Kosmos in seinen Händen hält. Tie Sprache dieses Bandes ist noch knapper und plastischer als die des Erstlingswerkes. Alle Gedichte sind aus das sorgfältigste gefeilt und geschliffen; nirgends stört irgendein falscher oder schiefer Ausdruck. Am reichsten und am meisten künstlerisch hochstehend ist das dritte Werk Schönbergers „B e r u f u n g". — „Gottesschatten", „Propheten" usw. atmen wieder die erlebte Frömmigkeit des Dichters. Es ist so viel Schönes in diesem schmalen Bändchen, daß man das meiste davon zitieren möchte und in Verlegenheit gerät, wenn man bloß aut die gelungensten Teile aufmerksam machen soll. „Horch in Dich hinein", „Warnungsruf", „Hymne", „Knie nieder", „Gottes Ruf im All" sind wieder bezwingende Emanationen religiöser Inbrunst, die auch sprachkünstlerisch glücklich auf eine lyrische Formel gebracht erscheinen. Tie scientia intuitiva der Mystiker und Spinozas ist hier wiederum zur trostreichen Sicherheit des Gläubigen, fest auf Gott Vertrauenden geworden. In dieser stlig-verklärten Welt ist der Dichter, das Gotteskind, völlig geborgen, und auch dem mitfühlenden Leser wird der Weg zu diesem Orplid friedlichen Findenkönnens gewiesen. In Schönbergers Werk begrüßen wir einen neuen religiösen Lyriker, dessen „Weltinnigkeit" in unserer an Mißklängen so überreichen Zeit etwas ungemein Liebens- und Nacheiferungswertes hat. — Biel Wertvolles und Schönes hat der Dichter uns bereits gegeben, obwohl er doch erst noch am Anfang seines Schaffens steht. Sicherlich wird er uns noch Bedeutendes schenken! Einige jüdische Organisationen tragen sich bekanntlich zur Zeit mit dem Plan, ein neues, modernes Einheitsgebetbuch für alle jüdischen Gemeinden anstelle des jetzt schon längst veralteten und sprachlich antiquierten zu schaffen. Ter religiöse Lyriker Schönberger wäre sicher die geeignete Persönlichkeit, um an diesem wichtigen Reformwerk grundlegend und in entscheidender Stellung mitzuwirken. Bon nicht wenigen Gedichten seiner drei Bücher geht religiös« Erbauung im tiefsten Sinne des Wortes aus. Dr. Ludwig D a v i d s o h n, Berlin. Anmerkung: Davin Schönbergers Gedichtwerke sind inr Axel Juncker-Verlag, Berlin, erschienen.

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