Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 48 (30.11.1928)
- Date
- 1928-11-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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s. Jahrgang Nummer 48 MKchÄmileZeitmll Beilage 30. November 1S2S Umschau Eine religionskirndlichc Sammlung in Marburg. Unter dem Namen der „Marburger Sammlung" soll in Marburg, unter Leitung des Professors der Theologie und der vergleichenden Religionsgeschichte Rudolf Otto, eine zun. Ressort der preußischen Unterrichtsverwaltung gehörende religionskundliche Sammlung geschossen werden. Sie soll m umfassender Weise das anschauliche Material sammeln, in dem sich, die Religion und die religiöse Kultur im Verlause chrer Entwicklung ausgedrückt hat. Angesangen von den pnmrtiven Formen der Religion und von den religiösen Kulturen der kulturarmen Völker und Gruppen bis zu den Äultnrreligionen des Westen^ und Ostens hin sollen die Gegenstände" des"Ritus "und Kultus, des"religiösen Brauches und der Sitte, soweit sie in baulichen, bildlichen oder sonst anschaulich greifbaren Ausdrucksmitteln vorliegen, in echten Exeniplaren oder, wo solche nicht zu erreichen sind, in zureichenden Abbildungen gesammelt werden. Der Zweck der Sammlung ist nicht der unserer „ethnologischen Museen". Tenn nicht um die Darstellung der verschiedenen V o l l s tulturen handelt es sich bei chr, sondern um das besondere, in sich zusammenhängende Gebiet der religiösen Kultur, die einheitlich, nach ihren eigenen und besonderen Zusammenhängen und Gesichtspunkten vor Augen gestellt werden soll. Ebenso wenig steht die Sammlung unter den Gesichtspunkten des Künstlerischen. Auch will sie nicht in erster Linie historische Denkwürdigkeiten oder „Altertümer" sammeln. Sondern sie sammelt das Anschauungsmaterial der Religion, so wie es in vielen Fällen heute noch hergestellt und zu Gebrauchs und Verlauf angeboten wird. Tie Lehrhaftigkeit des Objektes, nrcht sein tünstlerischer oder historischer Wert ist bei seiner Auswahl der leitende Gesichtspunkt. Aus diesem Grunde wird die Herstellung der Sammlung uno ihre Fortführung mit viel geringeren Mitteln möglich sein, als etwa die Sammlung eines Museums für Kunstochekte oder für historische Denkwürdigkeiten. In allmählichem Ausbau hofft der vorbereitende Ausschuß^ eine Sammlung zu schaffen, die das ganze weite und bedeutsame Gebiet religionsgeschichtlicher Kulturentwicklung umfaßt. Eine solche Sammlung ist innerhalb Teutschlands bisher nicht vorhanden. Sie ist bei der immer wachsenden Bedeutung der allgemeinen Religionsgefchichte unentbehrlich. Sie wird nicht nur dazu dienen, den Vorlesungen über die Religionsgefchichte und über ihre mannigfaltigen Gebiete und Zweige das unentbehrliche Anschauungsmaterial zu gewähren, sondern sie wird auch den. allgemeinen Studium dieses großen und bedeutenden Gebietes die wesentlichsten Dienste leisten. Und die günstige zentrale Lage von Marburg wird es ermöglichen und erleichtern, daß die Sammlung keineswegs nur den Lchrbedürfnissen der Marburger Universität, sondern dem allgemeinen Interesse von Forschenden und Lernenden überhaupt zu Gute kommen wird. Tie Sammlung soll unterstehen der Obhut der an der Marburger Universität gegründeten „Gesellschaft der Wissenschaften". Dadurch soll ihr Bestand und ihre sachgemäße Ausgestaltung und Fortsetzung sicher gestellt werden und zugleich unabhängig gemacht werden von Zufälligkeiten. Es wird dafür Sorge getragen werden, daß die Leitung des Unternehmens in den Händen Sachkundiger liegt, und daß die etwa leer werdenden Stellen von Direktoren und Mitarbeitern regelmäßig wieder mit Sachkundigen besetzt werden. Um dem Unternehmen die Allseiligkeit zu fidlem, werden Sach- und Fachkundige anderer Universitäten und Forschungsinstitute sowie Privatgelchrte der einzelnen Gebiete zur Mitarbeit aufgefordert werden. Auch Tirektorenstellen der Sammlung können in besonderen Fällen hervorragenden Fachmännern der einzelnen Gebiete übertragen werden, auch wenn sie nicht uT Marburg ansässig sind. In einem Aufruf wendet sich der vorbereitende Ausschuß u. a. auch an die Religions- und Kirchengemeinschaften mit der Bitte, ihm durch. Spendung ihrer kultischen und rituellen Gegenstände zu unterstützen, mit der besonderen Betonung, daß die Sammlung nicht dem Interesse einer einzelnen Religion oder Konfession dient, sondern allein der objektiven Tarstellurig aller Religionen, in ihren eigenen Erzeugnissen, Symbolen und Ausdrucks Mitteln. Millionenerbfchaft abgelchnt! Im Jahre 1921 verstarb in Wilkes-Barre in Pennsylvanien eine Frau Lena Cohen, eine geborene Brombergerin. Als junges Mädchen war sie nach Amerika ausgewandert und dort nach ihrer Heirat zu ziemlichem Reichtum gelangt. Als sie 1921 starb, hinterließ sie ein Testament, in dem sie ihr gesamtes Vermögen, das weit über 100000 Dollar beträgt, der Stadt Bromberg vermachte, mit der Bestimmung, daß die Zinsen armen alten Juden der Stadt Bromberg zugute kommen sollten. Als Entschädigung für die Verwaltung des Vermögens vermachte sie außerdem der Stadt ihre Gemäldegalerie, deren Wert ebenfaW Hunderttausende beträgt. Das Testament wurde 1922 dem Magistrat Bromberg von der amerikanischen Botschaft in Warschau zugänglich gemacht. Der Magistrat von Bromberg, der sich größtenteils aus der polnischen Rechten zusammensetzt, verweigerte aber die Annahme der Erbschaft mit der Begründung, es gebe in Bromberg keine armen alten Juden (!). Tatsache ist, daß in Bromberg ein jüdisches Allersheim besteht, das oft mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat und eine größere Zahl von minderbemittelten, arbeitsunfähigen alten Juden beherbergt. Tie Oeffentlichkeit ist seinerzeit über die Erbschaft überhaupt nicht informiert worden. Immerhin hatten auch die anderen Parteien der Stadt Bromberg davon Kenntnis bekommen, und sie bemühten sich bei der Woiwodschaft, beim Ministerium des Aeußeren und Inneren in Warschau, beim polnischen Botschafter in New?)orf und bei den Testamentsvollstreckern noch, einmal um die Erbschaft und baten, daß dieselbe dem Magistrat noch einmal angeboten werde. Sie hofften, inzwischen die notwendigen Schritte einleiten zu können, die zur Annahme der Erbschaft führen. Tie polnische Presse hat, größtenteils aus antisemitischen Gründen, darüber geschwiegen. Nur einige kleinere Zeitungen beschäftigten sich mit der Angelegenheit, wie die „Deutsche Rundschau" in Bromberg, das Zentralblatt der Deutschen in Polen, das die Angelegenheit aufgriff und Untersuchungen anstellte. Dieses Blatt berichtet jetzt, daß seine Untersuchungen ergeben haben, daß, so unglaubliche es klingt, die ganze Ge^- schichte Wort für Wort der Wahrheit entspricht. Ter Magistrat der Stadt Bromberg hat auch diesmal der Stadtverordnetenversammlung über das Erbschaftsangebot keine Mitteilung gemacht und beabsichtigte, in geheimer Sitzung die Angelegenheit zu behandeln und den Beschluß vom Jahre 1922 noch einmal zu bekräftigen. Dadurch, daß sich nun die Oeffentlichkeit damit beschäftigt, ist diese aus antisemitischen Gründen diktierte Ablehnung insofern verhindert, als sich nun auch die Stadtverordnetenversammlung mit der Frage zu beschäftigen hat. Wie wertvoll die Erbschaft für die Stadt Bromberg werden kann, geht schon daraus hervor, daß die angesammelten Zinsen von 1921 bis 1927 mehr als 200000 Zloty betragen. Diese Zinsen hat der Testamentvollstrecker aus eigenem Antrieb für die Armen der jüdischen Gemeinde in Bromberg sichergestellt. Tie jüdischen Parteien und der Deutsche Klub im polnischen Sejm wollen die Angelegenheiten auch im Sejm zur Sprache bringen, um eventuell von der Regierung einen Truck aus die Stadtverwaltung Bromberg zu erreichen, die diese zur Annahme der Erbschaft veranlassen soll. Neue Formen der jüdischen Arbeit in Polen. In einer großer: Reihe von Wirtschaftszweigen in Polen hat sich die Position der Juden in der letzten Zeit bedeutend verschärft: Ties bezieht sich sowohl auf Juden, die ihre bisherigen Positionen in Handel und Gewerbe aufgeben mußten und ruf der Suche nach neuen Erwerbsquellen sind, als auch auf die im Handwerk und im Kleinhandel noch heute Beschäftigten. Einerseits sind in .Hunderten von Groß- und Kleinstädten viele Tausende junge Leute und ältere Personen ohne jede Beschäftigung oder Beschäftigungsmöglichkeit, andererseits hat der mit Riesenschritten sich entwickelnde Prozeß der Mechanisierung der Kleinindustrie Tausende jüdischer Handwerker und Arbeiter, die sich den neuen technischen Arbeitsbedingungen nicht anzupassen vermochten, in die Gefahr gebracht, in das Heer der Arbeitslosen abgestoßen zu werden. Um neue Maßnahmen zur Hintanhaltung einer weiteren Verarmung der jüdischen Bevölkerung zu besprechen, qat die Gesellschaft „Ort" die Vertreter der Presse zu einer Kowserenz geladen, in der der Vorsitzende von „Ort" in Polen, Tr. Silbersarb, die Pressevertreter über die Bilanz der bisherigen Arbeit und über die Pläne der nächsten Zuiunft irrformierte. In erster Reihe — so führte er aus — gilt cs den jüdischen Arbeiter für die höhere Produktionsform zu qualifizieren und ihm dann den Weg zur Fabrik zu ebnen. Für die jüdischen kleinen Handwerker und Arbeiter in den größeren Industriezentren wie z. B. in -Lodz, Bialystot usw. ist diese Frage von lebenswichtiger Bedeutung. Bis jetzt hat „Ort" zu diesem Zwecke in Lodz eine Reihe Lehr-Fabriken in den Textil-, Trikotagen-, Strumpf- Wirkerei- und Handschuh-Branchen eröffnet, in denen in großer Zatl srübere Handarbeiter und Händler für die Arbeit in den großen Fabriken herangebildet werden. Demnächst sollen in dem zweiten Industrie-Zentrum, Bialystok, sowie in anderen Städten solche Lehrwerkstätten und Fabriken, mit moderner Maschinerie ausgestattet, eingerichtet werden. Ferner wird in Polen eine mechanische Bäckerer aus kooperativer Grundlage eingerichtet werden. Der Land rat der jüdischen Berussvereine in Polen hat der Gesellschaft „Ort" ein reiches Material über die Lage im Schustereifach zur Verfügung gestellt, aus welchen, man ein sehr trauriges Vild gewinnt. Tie Maschinenarbeit hat in einem erstaunlich raschen Tempo den jüdischen Handarbeiter abgedrängt. Man muß die jüdischen Schuster für die Arbeit aus neue Maschinen vorbereiten, und chnen solche Maschinen im .Kreditwege beschaffen. Tie von „Ort" gegründete Gesellschaft „Handwerker-Technik" widmet sich dieser Aufgabe. Tie Entwicklung der Bauindustrie veranlatzte „Ort" zur Eröffnung von zwei Schulen für Bauwesen sin Tubno und Lublin), wo im Winter die theoretische Ausbildung und tnt Sommer die praktische Arbeit vor sich gehen wird. Nicht weniger wichtig ist die Arbeit aus dem Gebiete der Landwirtschaft. Von den 160000 jüdischen Seelen, die in Polen von der Landwirtschaft leben, sind 87 000 aktiv (von 14 Jahren auswärts). Wegen Mangels an finanziellen Mitteln kann „Ort" in Polen nicht mehr als 1000 jüdische Torfwirtschasten stützen. Eine besonders richtige Aufgabe ist die Ausbildung der Arbeiterjugend. Infolge des Inkrafttretens des sogenannten Zech!engesetzes ist das Los der jüdischen Lehrlinge kritisch geworden. In die Staats- und Stadtschulen werden jüdische Lehrlinge in nur geringer Zahl ausgenommen; tu Warschau z. B. wurden in die technischen Fortbildungsschulen unter 11000 Schülern nur 167 Juden ausgenommen, — Tie Ausführungen Tr. Silbersarbs hinterließen einen tiefen Eindruck. Sämtliche jüdische Zeitungen veröffentlichen ausführliche Berichte und Besprechungen der in dieser Konferenz aufgeworfenen, für das polnische Judentum lebenswichtigen Fragen und appellieren an alle Juden, diese wichtige Arbeit von „Ort" moralisch und materiell zu stützen. Zahlenmäßiger und wirtschaftlicher Niedergang der Juden von Saloniki. Tie Resultate der am 15. Mai d. Js. in Griechenland stattgefundenen allgemeinen Volkszählung liegen nun vor. Danach leben in Saloniki 47 996 jüdische Seelen unter einer allgemeinen Bevölkerung von 236 524 Seelen. Die Juden bilden also heute 20 Prozent der Bevölkerung von Saloniki, während sie vor noch 15 Jahren — sie zählten damals rund 150 000 Seelen — die Hälfte der Gesamtbevölkerung dieser Stadt ausmachten. In ganz Griechenland leben heute etwas weniger als 75000 Juden unter einer Gesamtbevölkerung von 6 204000. Während sich die allgemeine Bevölkerung Griechenlands seil 1920 um 1200Ö00 vermehrte, hat sich die jüdische Bevölkerung in dieser Zeit um fast 20000 Seelen vermindert. Die Wirtschaftslage der Juden in Saloniki hat in der letzten Zeit eine weitere Verschlechterung erfahren. Laut der letzten offiziellen Statistik leben in Konstantinopel 46 628 Juden. Aus den Gemeinden Berlin. (6 0. Geburtstag von Generaldirektor N a ch e r.) Am 25. November beging der Generaldirektor der Engelhardt-Brauerei, Ignaz Nacher, seinen 60. Geburtstag. Wirtschasts- und insbesondere Fachkreise nahmen diesen Tag zum Anlaß, dem bewährten Wirtschaftler, der die Engelhardt-Brauerei, deren Leitung er im Jahre 1901 übernahm, zu einem führenden Unternehmen der deutschen Brauerei-Industrie gestaltet hat, ihre Anerkennung und Glückwünsche auszusprechcn. Ignaz Nacher hat in seinem Leben nie vergessen, daß er als religiöser Jude der jüdischen Gemeinschaft in besonderem Maße verpflichtet ist. Er hat in der Gemeinde Gleiwitz ein Altersheim errichtet, dessen Unterhaltung er sich auch jetzt noch ständig angelegen sein läßt. In der Berliner Jüdischen Gcmeinbe widmet er seine Tätigkeit in großem Umfange dem Pankowcr Waisenhaus, dessen Kuratorium er seit einer langen Reihe von Jahren angchört. Stets hat er, wenn der Ruf um Rat oder tätige Hilfe an ihn erging, sich in großzügiger Weise zur Verfügung gestellt. Ignaz Nacher hat sich bei seiner Betätigung im jüdischen Leben wiederholt zu den Grundsätzen des liberalen Judentums bekannt, dessen Organisation er als treues Mitglied unterstützt und berät. Berlin-Köpenick. (Zwei Friedhofsschänder ermittelt.) Zwei jugendliche Burschen, die sich an der Zerstörung der Grabmälcr auf dem jüdischen Friedhof in Köpenick beteiligt haben,, sind von der Kriminalpolizei ermittelt und vorübergehend festgenommen worden. Die Burschen geben an, keine Friedhofsschändung beabsichtigt zu haben. Sie wollen nur aus Uebermut gehandelt haben. Bitburg. (Synagogen-Jubiläum.) Die hiesige Gemeinde rüstet sich, das 50 jährige Bestehen ihrer Synagoge festlich zu begehen. Das Gotteshaus wurde durch Renovierung in würdigeren Zustand versetzt, und auch die innere Ausstattung hat durch freiwillige Gaben eine Erneuerung erfahren. Der Festakt, bei dem Oberrabbiner Dr. Altmann aus Trier die Predigt halten wird, ist für den 15. Dezember vorgesehen. Abends soll eine Gemeindcseier mit Ball stattfinden. Danzig. (Einführung des F r a u e n w a h l r e ch t s.) In einer Sitzung vom 30. Oktober hat die Repräsentantcnversammlung u. a. über den Antrag Dr. Landau (Volkspartei) bctr. Einführung des Frauen-Wahlrcchts verhandelt. Dieser Antrag fand unter nachstehender Zusatzerklärung der „Liberalen" ebenfalls Annahme: Nachdem die Gründe, die die „Liberal-orthodoxe Bereinigung" in der letzten Repräsentanten-Versammlung veranlaßt hatten, eine Vertagung der Beratung des Antrages Landau bezügl. des Frauen- Wahlrcchts zu beantragen, fortgcfallen sind, stimmen die Liberalen dem Anträge zu, und zwar um so bereitwilliger, als in den meisten religiösen Gemeinschaften den Frauen das Wahlrecht im Laufe der Jahre gewährt ist, namentlich aber auch im Hinblick darauf, daß gerade in unserer Gemeinde sich Frauen aller Richtungen auf sozialem Gebiet so außerordentlich erfolgreich betätigt haben. Entsprechend unserer liberalen Weltanschauung bitten wir jedoch den Vorstand, bei den von ihm zu unternehmenden Schritten auch die religiösen Bedenken zu würdigen, die seitens der Orthodoxen sowie der Misrachim aus religiösen Motiven gemacht werden. Danzig. (Todesfall.) Hier starb am 11. November das Ehrenmitglied der Synagogengemeinde, Herr Kaufmann Hermann Riese. Derselbe ist während der Dauer von 30 Jahren Mitglied des Vorstandes gewesen und hat aus die Gemeinde einen erheblichen Einfluß ausgeübt. Vorstand und Repräsentanz widmeten ihm in Danziger Blättern einen ehrenvollen Nachruf. Dortmund. (7 5. Geburtstag von Herrn David Leese r.) Am 19. dieses Monats beging Herr David Leeser die Feier seines 75. Geburtstages und gleichzeitig die des 25 jährigen Jubiläums als erster Vorsitzender der Synagogengemeinde Dortmund. — Aus Anlaß dieses überaus seltenen Ereignisses veranstaltete am Sabbat, den 17. November, zu Ehren des Jubilars die Gemeinde einen sehr würdig verlaufenen Festgottesdienst. Vor dem Aushcben fand unter feierlichem Orgelspiel durch Mitglieder des Vorstandes die Einholung zum festlich geschmückten Ehrenplatz statt. In seiner Fcftpredigt übermittelte Rabbiner Dr. Jakob den Ausdruck der freudigen Teilnahme der Gemeinde an diesem frohen Tage und ihre Glückwünsche. Er hob die Treue und Gewissenhaftigkeit des Jubilars hervor, sein Streben, die Einheitlichkeit der Gemeinde zu wahren, seinen unermüdlichen Fleiß und seine Arbeitskraft, die sich am besten darin dokumentiert, daß Herr Leeser bis vor 2 Jahren die Gesamtverwaltung der inzwischen zur Großgemeinde von 4000 Seelen angewachsenen Gemeinde allein versah, jeden Brief, handschriftlich geschrieben, selbst erledigte. — Am Schlüsse seiner Ansprache verlieh er dem Jubilar als äußeres Zeichen der Dankbarkeit und Verehrung, in Würdigung der der Gemeinde geleisteten Dienste, den Chowertitel, die höchste Ehre, die einem gemeindlichen Führer seitens einer jüdischen Gemeinschaft verliehen werden kann. Am Montag, den 19. November, dem Geburtstag des Jubilars, versammelten sich die Mitglieder des Rabbinats, des Vorstandes, der Repräsentanz, Abgeordnete von Nachbargemeinden, Vereinen und Korporationen im Hause des Jubilars, um ihre Glückwünsche zu Überbringern — Es sprach im Namen des Rabbinats Rabbiner Dr. Jakob, für den Vorstand der Gemeinde Justizrat Dr. Kempenich, der hervorhob, daß der Name David Leeser in dankbarer Würdigung der Verdienste des Jubilars durch Errichtung einer „David Lceser-Stistung" ewig der Gemeinde erhalten bleiben sollte. Die nähere Bestimmung derselben soll den Anordnungen des Jubilars überlassen bleiben. — Der Vorsitzende der Repräsentanz, Leo Jonas, überreichte eine künstlerisch ansgeführte, wertvolle Adresse. Es übermittelten ferner Glückwünsche: Hähnlcin-Bochum in Vertretung des verhinderten Rabbiner Tr. David für die Gemeinde Bochum, den Zentralarmcnvcrband und Verband der Westfälischen Synagogengemeinden wie für das Altersheim in Unna. Herz-Essen für die Gemeinde Essen, Lehrer Siegmund Nußbaum in Vertretung des durch die Großlogentagung verhinderten Rechtsanwalt Dr. Katzenstein, Bielefeld, namens des Ausschusses der Vereinigung für das liberale Judentum in der Provinz Westfalen. Glückwunsch und Dank für die treuen Dienste, die Herr Leeser als liberaler Abgeordneter im Landesverband preußischer Synagogengemeinden im Interesse der Allgemeinheit geleistet hat. Artur Rosenberg für die Ortsgruppe Dortmund der Vereinigung für das liberale Judentum, Josef Eppinghausen namens der Chewra, Konsul Jaeobi für den Zentralverein, Konrektor a. D. Em. Goldschmidt für die Beamten der Gemeinde, Rabbiner Dr. Jacob für die Chewra Kadischah und den Verein „Secher owaus", Josef Silberbcrg unter Ueberrcichung eines blumengeschmückten Mögen David für den Verein jüdischer Handwerker, I. Schön für den Frontbund, Rektor Ad. Heymann für die Stgdt. Jsr. Schule und der Präsident der Märk. Loge Dr. Walter Steinberg für die Loge. — Unter den zahlreichen Gratulationen siet eine künstlerische Adresse des Magistrats der Stadt Dortmund besonders auf. — Ein Festessen am Abend vereinte den Jubilar und die gratulierenden Körperschaften und gab der gesamten Jubelfeier einen würdigen Abschluß. Elberfeld. (Konzert in der Synagoge.) Zugunsten der örtlichen Erholungssürsorge veranstaltete die Elberfelder Synagogen-- Gemeinde ein gut besuchtes Wohltätigkeitskonzcrt. Ewald Flockenhans, der bewährte Organist, umrankte die Bortragsfolge des Abends mit fein registrierten Orgelstücken (Händel, d-moll-Konzert; Bach, Präludium d-dur). Vom Kammermusikquartett (K. Wegener, F. Erb, Helene Erb, W. Finger) hörte man ua. Mozarts Klarinettenquintett. Unter der sicheren Führung der ersten Geige und der Klarinette (W. Knobloch) entfalteten die Spieler den einzigartigen thematischen Reich-