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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-11-30 · 48 (30.11.1928) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
48 (30.11.1928)
Date
1928-11-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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es handelt sich um das Recht, das mit uns geboren ist. Ter Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, der die Schicksalsgemein schaft mit dem deutschen Volke zutiefst empfindet, hat im richtigen Gefühl diese Aufgabe übernommen. Ter Preußische Landesverband ist mit dem Reichsbund eins in diesem Ziele. Ter Flucht in die großen Städte muß entgegengetreten, das jüdische Leben in den kleinen Städten und auf dem flachen Lande soll gestärkt werden. Ter Redner schloß mit dem Zitat aus „Faust": „Solch ein Gewimmel möcht ich sehn: ein freies Volk auf freiem Grunde stehn". Oberlarrdesgerichtsrat Tr. A l f r e d N c u m e y e r, Präsident des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, überbrachte den Gruß aus dem deutschen Süden und erinnerte daran, daß der Bayerische Landesverband schon bei seiner Gründung die Landsiedlung in sein wirtschaftliches Pro gramm ausgenommen hat. Ter R.J.F. ist aber die kompetente Körperschaft zur Turchführung des Werkes auf breiter Grundlage. Tas Judentum aus deutscher Erde zu erhalten, ist seine Aufgabe. Im Namen des Bayerischen Landesverbandes sprach der Redner der Siedlungsidee des R.J.F. seine Sympathie aus. Unser Erbe und unsere Bestimmung, fuhr Tr. Neumeyer fort, ist Geistigkeit; den Gefahren einer Ueberintellektualisierung werden wir aber nur entgehen, wenn wir eine Synthese von Geist und Land schaffen. Im Namen des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin begrüßte Tr. K o l l e n s ch e r die neue Gründung, die eine geistige, körperliche und seelische Regenerierung erstrebt. Wir werden uns freuen über den Kranz jüdischer Siedlungen, der entstehen wird zur Ehre des jüdischen Namens und zum Segen für das Judentum. Justizrat Tr. Julius Brodnitz, Vorsitzender des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, beglückwünschte den R.J.F. zu den beiden Gründungen. Tie fortschreitende wirtschaftliche Not und die Herausdrängung der Juden aus der Wirtschaft, aus den Stellungen haben einen erdrückenden Zustand geschaffen. Tarum begrüße ich diese Bewegung, die einen Blick in die Weite eröffnet. Wir wollen nicht verzagen, wenn es auch anfangs etwas langsam geht; Kulturarbeit ist immer langsam. Aber einmal werden wir diese Stunde segnet:. Rechtsanwalt Tr. Alfred Klee sprach im Namen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß ein Zionist für Siedlungsarbeit ist. Ein solches Werk wirkt einigend, und einigende Momente sind uns notwendig. Wie die Palästinaarbeit, die ein Siedlungswerk kat exochen ist, sich einigend für das Gesamtjndentum auswirkt, ist das Werk des R.J.F. einigend für das deutsche Judentum. Tr. Klee wies auch auf das große Gelingen der „Jca"-Siedln::g hin und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Verbundenheit mit der Scholle eine Erneuerung und Stärkung jüdischer Religiosität herbeiführen wird. Er schloß: Auch von diesem neuen Werke erwarten wir neue Geistigkeit und eine Neubelebung des jüdischen Menschen. Zum Schluß gab der Ehren-Großpräsident des U.O. B.B., Geheimrat Timendorfer, namens der Großloge die Erklärung ab, daß diese ein großes Interesse an dem Siedlungswerk nimmt und in ihm eine der bedeutendsten Leistungen des heutigen Judentums sieht. Ter U.O.B.B. hat schon in sein Gründungsprogramm die Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft ausgenommen. Ter Redner appellierte an alle deutschen Logen und ihre Mitglieder, zu aller: anderen Opfern auch dieses Opfer mitzutragen, und schloß: Möge die Entwicklung in die Weite und in die Tiefe gehen! Am Sonntag vormittag 11 Uhr exöffnete der Bundesvorsitzende, Hauptmann d. R. a. T. Tr. Löwenstein die Bundeshauptversammlung im Logenhaus, Kleiststraße 10, uub gab einen Jahresbericht über die Tätigkeit des Bundes, woran sich die internen geschäftlichen Verhandlungen schlossen. Behandelt wurden Probleme, die sich mit der sozialer: Arbeit des Bundes, der Abwehr und der: weiteren Aufgaben des Bundes beschäftigen, der Airfang nächsten Jahres die Feier seines 10jährigen Bestehens begeher: wird. jüdische Themen it Von Rabb. Tr. Gottj Tic Tislussion über Freuuds „Zutunft eine: Illusion" hat die anderen Theoretiler de: Psychoanalyse, dre sich mit der Religion auseinandergesctzt haben, ctwas in der: Hintergrund treten lassen. Hrer ist besonders Th. Reick zu ncnncri, der irr seinen Büchern („Ter eigene und der frembe Gott^, „Togma und Zwangsidee", „Das Ritual") eine Fülle von Stofs verarbeitet. Während wir aber in den erstgenannten Büchern nur aus einzelne Bemertunger: über Jüdisches stoßen, („In der Ehe Hoseas hat man gleichzeitig Abwendung von der Frau und zunehmende Abneigung gegen die Multergöttur zu erblickerr" — „der Jude, ein Charalterlyp, der zu keinem Opfer, zu keiner Aufschiebung von Lust bereit, sich den urrangenehmen Notwendigkeiten des Lebens nicht beugen will" -- „ergibt Versöhnungstagjuden, wie es KarfeeitagSchristcn gibt. Sie handeln aus Gewissensangst, sind sonst areligiös, stehen aber unter einem Zwarrg" — „die Beschneidung, die bc: den Wilden mannbar macht, ist bei den Juden gleichzertig Erotik und Schuldbewußtsein") verbreitet sich Reik im „Ritual" ausführlicher über zwei allbekannte Themen: Kolnidre und Schosar. Nachdem er die verschiedenen Teutungsversuche des Koln:dre als unbefriedigend abgelehnt hat, gibt er seine Ansicht dahtn kund, daß man Kolnidre nur verstehen könne, wenn man uralte Vorgänge und Gefühle darin wiedererkenne. Im Kolnidre habe man den Niederschlag uralter Gewalttendenzcn zu erkennen, die zur Ermordung des Urvaters geführt haben. Tie Entsagung, die in dem Gebet geübt werde, ist die Entsagung urältester Triebbesriedigung. Kolnidre enthält den deutlichen Vorsatz, Eide zu brechen, bildet also der: Gegensatz zur sonstigen Wertschätzung des Eides bei den Juden, t)t Reaktion auf die Uebervorsicht. Dieser Tatsache ist man sich bewußt, deshalb folgt gleich hinterher die Bitte um „Verzeihung", deshalb auch der Tank, daß wir „leben blieben", da man ja auch Unheil erwartet hatte. So erst erklärt sich die Melodie, so erklärt sich die Tatsache, daß das Gebet am Anfang steht: als Schutzmaßregel gegen das Unheil unbewußter Triebstörungen am Fest, so erklärt es sich, daß die Sünden für „Irrtum" erklärt werden, als unbewußte Wurzel der Versuchung zur Verbotübertretung. Und wo anstelle des Kolnidre der Psalm 130 getreten ist, folgt ,nan nur oer Urstimmung des Kolnidre. Heißt es doch in chm: „Wenn die Schuld du aufbewahrest, Herr," und ist doch diese Schuld nur das Bekenntnis verpönter Wünsche. Reik ist seiner Sache so sicher, daß er gerade dieses Stück mit dem Bekenntnis scbließt: an der Psychoanalyse werde sich noch der Satz erfüllen: „Ter Stein, den die Bauleute verwarfen, ist zum Eckstein geworden." Ausführlicher noch handelt Reik vom Schosar. „Das Studium der fachwissenschaftlichen Literatur führt zu e:nem betrübenden Resultat: einer Ueberfülle von Material steht eine erschreckende Unklarheit über den Ursprung und die Motive der Verwendung des Schofars gegenüber." Reik knüpft an die Vorgänge bei der Offenbarung an. Tas Horn, das dort ertönt, ist als Gottes Stimme aufzusassen. „Es bedurfte nur der psychoanalytischen Methode, um das zu erkennen." Gott und Widder waren ursprünglich gleich, das Schosar und die Hörner des Altars sind der Rest davon. Sollen doch dre Juden — nach Kirchner, „Jüdische Zeremonien" nach dem Gottesdienst am Neujahr einen Widderkopf aufsetze::. Wenn das Volk beim Blasen des Hornes erschrickt, so :st das der Urschrecken über die alte Untat des Vatermords. Wenn das Schosar schlerlos sein muß, so deshalb, weil oas Totemtier, das Opfer fehlerlos sein mußte. Wenn schon im ganzen Monat Elul Schosar geblasen wird, so kommt das daher, weil der Impuls zum Vatermord so stark ist; wenn das Schosarblasen vom Morgen auf den Vormittag verlegt wurde, so sollen damit der Zersetzungsarbeit des Bewußtseins Hemmungen bereitet werden. Ter Schosarton aber am der Psychoanalyse halt, Frantfurt a. M. Schluß des Jaumkippur ist nichts als der noch einmal auflebende Trotz. Nicht zufällig und nicht aus Uebersetzungsmißverstäuduis tst der Moses des Michelangelo gehörnt. Reik zitieri Karl Schesfler: „Ein Mensch wie ein wütender Auerochs fcht da, dessen bloßer Anblick erzittern macht." Ter Moses der Sage ist zum Stier geworden, da er sich mit Gott identifiziert. Das goldene Kalb, das Mose tötet, ist der alte Tvtemgott, ist aber weiterhin er selbst. Wohl war ursprünglich auch ein Sticrgott darüber er ist unterdrückt worden, es sollte Leine Vater- und Sohncsreligion geben. Tas ist das Bejondere des Judentums, daß der Vater den Sieg erringt. Aber es gab noch archere ursprüngliche Götter: die zwei Tafeln, die Mose zertrümmert, sind der Steingott, der zerbrochen wird, eine Parallele zum goldenen Kalb. Mose vernichtet sich selbst in den Tafeln. Man sollte ja auch kein Schwert über dem Steinaltar schwingen, denn der Stein ist tabu. Und andererseits heißt es: „Schauet zum Stein, aus dem ihr gehauen." „Ter Brith zwischen Jave und den Juden ist auf dem Grunde der Bewältigung stärkster, unbewußter Affekte entstanden. Ohne Kenntnis dieser entscheidenden Faktoren wird im Verständnis der Probleme des Judentums nicht zu erlangen sein." Hier freilich setzt unser Widerspruch ein, der sich aber gleichzeitig gegen die ganze Art der Verknüpfung der Religion und Psychoanalyse richtet. Wir stehen;a heute nicht mehr allein mit diesem Widerspruch, und d:e 'Kritik ,etzte nicht erst ein, als Freuds Buch erschien. Nicht darum geht es, daß die Psychoanalye nicht uralte, letzte Gründe religiöser Anschauungen soll aufdecken können, auch nicht darum, daß wir uns gegen die Erkenntnis wehren, in der Religion habe das Angst- und Zwanggefühl von jeher eine Rolle gespielt und spiele es heute noch. Hier steckt schon eine richtige Beobachtung. Aber was so übertrieben und einseitig ist, was von so blindem Glauben an die eigene Lehre zeugt, das ist die Behauptung, daß mit Bloßlegung der Erkenntnisse, w:'e die Psychoanalyse sie bietet, auch die Religion zu ende sei. Und wenn heute noch nicht, dann allmählich zu Ende gehe:: müsse. Reit spricht das in „Dogma und Zwangsidee" besonders deutlich aus: „An Stelle des Glaubens wird die Erforschung des Glaubens getreten sein. Ter Zusammenbruch der Glaubensvorstellungen wird das Resultat der starken psychoanalytischen Mächte sein müssen." Und: „Tie Religion kann sich nur aufrecht erhalten, wenn sie der Vernunft Kunzessionen macht. Aber diese Konzessionen werden immer größer sein müssen — was einen Abhang hinabrollt, läßt sich nicht mehr festhalten." „Es gibt keine Religion in den Grenzen der Vernunft." Es ist beachtenswert, daß gerade Reit neuerdrngs Freud in dem Ansturm auf die „Zutunft einer Illusion" beispringt, freilich mit einer gewissen Wehmut, aus der heraus er von der Illusion einer Zukunft spricht. (Im ,.Almanach" 1020.) Gegen die „gedankliche Indolenz und die innere Unaufrichtigkeit, welche unausrottbar unsere Gesellschaft regieren," se: doch nicht aufzukommen. Tie religiöse Illusion werde schwinden, aber die Menschen werden weiter beten: „Herr gib uns unsere tägliche Illusion." Aber ist denn die Erstarkung des „lieber-Jchs" überhaupt so unbedingt vielversprechend'? Auch dieses Ueber-Jch hat Morde aus dem Gewissen. „Das Glück der Dummheit" gchört jedenfalls zu den „unveräußerlichen, geheiligsten" Menschenrechten." Tie letzte Weisheit lautet: „Cultivans notre jardin." Arbeiten wir und warten wir ab. — Diese Stimmung Reiks muß sich, einstellen, wenn man wohl eine Psychoanalyse, aber nicht, wie es jetzt heißt, eine Psychosynthese kennt. Wenn man glaubt, daß alles verstehen, alles beherrschen heißt. Wenn man übersieht, daß dem religiösen Menschen von heute die Symbole uitd Lehren der Religion doch längst so veredelt und erhöht und entwickelt dargeboten werden, daß ihm jene ganz rohen Michael Beer. Heinrich Laube und die Aremdstämmigen Von Tr. jnr. I. L e v y - Berlin. (Schluß.) Laube ist herablassend genug, auch Gabriel Rießer, den er als Abgeordneter in der Paulskirche kemren gelernt hatte, gelten zu lassen, ohne Männer wie Johann Jacoby, Heinrich Simon, Moritz Hartmann, ungetanster Juden, die im Parlament gesessen hatten, oder des Präsidenten Eduard Simson zu erwähnen, der, wenn auch getauft, doch der von den Deutschen „total verschiedenen orientalischen Nation" angehörte; denn „Wasser tuts freilich nicht". Die Einleitung zu „Struensee" ist nicht das Erzeugnis jenes Heinrich Laube, der Heinrich Heines Streitgenosse im „jungen Deutschland" war, sondern des Renegaten, der in seinem Pamphlet gegen Hecker, Robert Blum, die Wiener Studentenliga eine Gesinnung an den Tag legte, daß Varnhagen mit chm brach, Robert Prutz von ihm abrückte u:ü> die österreichische Regierung ihn — am 26. Dezember 1849 — zum Direktor des Wiener Burgtheaters machte. Die Wähler hatten chm längst den Absagebrief geschickt, u:ü> eine Spottdrossel hatte über ihn als Volksvertreter gepfiffen: Ter mit Sporen an den Beinen Einst gestampft der Freiheit Dreher, Seht ihn sittsam nun erscheinen, Völlig zahmen Europäer. Der mit hohlen Freiheitsphrasen Beim Parterre ein kokettierte. Seht ihn nun die Backen blasen. Wenn ihn Vincke regardierte. Wie er lächelt, wie er wedelt, Wie er tänzelt aus den Zehen, Wie sein Antlitz sich veredelt, Hat ihn Radowitz gesehen? Ja, wahrhaftig, ihr Poeten, Kräftiger als Heinrich Laube Konnte keiner euch vertreten: Gänzlich liegt ihr hier im Staube.... Welche Erfahrungen, die chn zu dem Urteil über die Juden berechtigten, hatte Laube gemacht? Er hatte, als er sich zur theologischen Prüfung vorbereitete, Unterricht im Hebräischen von dem ausgezeichneten Orientalisten Julius Fürst dankbar genossen. Er hatte sich für Moritz Veits Buch über St. Simon und dm Simonismus begeistert. Er hatte Neustadls „Bm David", die Dramatisierung des Spindlerschen Juden, warmherzig gebilligt. Es sei ein Spiegel des unchristliche:: Treibens der Christen gegen die Juden. Er pflichtete dem Ausspruch bei: „Die Inden kreuzigten Christum, die Christen krmzigen dafür 1800 Jahre die Menschheit in einem Volk, den Judm." „Darum empfehl' ich Stücke wie Ben David aufs dringmdste, obwohl ich kein Jude, sondern ein schlechter Christ bin." Heinrich Heines neue Schriften feierte er enthusiastisch und nannte dessen „Französische Zustände" das schönste Geschichtswerk der Gegenwart. Er bat Heine um Beiträge für die von ihm herausgegebene „Elegante Welt", und um Bild und Selbstbiographie für das Taschenbuch zum geselligen Vergnügen. „Von diesem Jahr (1837)", sagt Houben, „gründete sich die Freundschaft, die bis zu Heines Tode zwischen beiden Männern waltete und alle Meinungskonflikte überdauerte." Er erfuhr die mannigfachsten Gefälligkeiten von dem „Starosten" seiner Reisenovelle, einem Kaufmann Axenfeld, der einst von Brody nach Leipzig gekommen war in langem Kaftan, mit langen Stirnlocken, sich hier immatrikulieren ließ und ein freigiebiger Mäcen wurde, Laubes Genosse bei vielen Fahrten. Währmd Laube den „dürren Protestantismus und die phantasielose Intoleranz" verurteilte, freundete er sich mit Eduard Gans an, und sein erster Gang, nachdem er die Hausvoigtei verlassen hatte, war zu Adolf Glasbrenner. Er verlegte gesammelte Aufsätze bei Karl Loewenthal in Mannheim. Veröffentlichte, ein schwärmerischer Verehrer Rahels, eine Charakteristik der Frau von Arnstein ans der Feder Varnhagens. Erfreute sich in Paris der Führung Heines und — Meyerbeers, die chm die ersten Salons öffneten und die Bekanntschaft mit den Koryphäen der französischen Literatur vermittelten. Das alles und ähnliches spielte vor dem Struensee-Krach. Laube hatte von Juden nichts als Freundlichkeiten und Wohltaten erfahren. 1847, also schon nach der Entdeckung des entsetzlichen Einflusses des Judentums auf die deutsche Literatur, ist Laube wiederum be: Heine und in der Matratzengruft, wie Houben, des Germanen wohlwollender Biograph, hinzuzufügen nicht umhin kann, „bei Ordnung, leider auch Vernichtung" der Papiere des völlig gelähmten Dichters behilflich. Laube verherrlicht chn noch im Büchlein „Paris 1847" urü> erlangt von ihm „Atta Troll" für die „Elegante Welt". Zieht Moritz Hartmann als Mitarbeiter heran, auch Alexander Weill; verkehrt in Leipzig intim wieder mit dem „Starosten", auch mit „Rabbi Kuranida"; ist entzückt, als ihm in seinem Hause von Glasbrenner dessen Reinecke Fuchs vorgelesen wird. Und als er in de:: Dienst der Wiener Regierung hinnberwechselt, ist der erste große Bühnenkünstler, den er für das Burgtheater sucht und gewinnt, Bogumil Dawison, wie später Adolf Sonnenthal, unverfälschter Sprosse des „grundverschiedenen" orientalische:: Stammes. Und weiter, immer weiter — als er 1867 in Wien abgeh alstert wurde, schrieb er alsbald die Geschichte des Burgtheaters — in der „Neuen Freien Presse", deren Herausgeber der Jude Friedlä:ü>er war. Und als er Direktor des Leipziger Theaters war, ließ er sich gegen Rudolf Gottschalks Angriffe von Tr. Adolf Silberstein verteidigen. Und wer war Laubes unentbehrlicher und unersetzlicher „Vortragsmeister"? Alexander Strakosch, der „grundverschiedene". Wogegen sich eine Kluft auftat zwischen Laube und dem ihm so wahlverwandten Stammesgenossen Richard Wagner. Jener nämlich veröffentlichte in der „Neuen Freien Presse" eine absprechende Kritik der „Meistersinger", worauf dieser mit bissigen Sonetten antwortete und ihm — am 6. Mai 1869 — schrieb, er möge seinen Einfluß dahin verwenden, daß Wagners Opern am Leipziger Stadttheater „ganz und gar nicht mehr gegeben werden". Laubes Leipziger Direktion war von kurzer Dauer. Max Friedländer, der Jude, bereitete ihm eine neue Stätte der Wirksamkeit an der schönen blauen Donau. Glanzvoll wurde am 15. September 1872 Laubes Leitung des Wiener Stadttheaters eröffnet. Doch die Götter waren ihm weniger günstig als der „fremdstämmige" Zeitungsmann. Es kam der große Wiener Börsenkrach. Laube ging nach zwei Jahren. Er kehrte noch zweimal wieder, bis er endgültig schied und schließlich Nachträge zu seinen Schriften veröffentlichte — in der „Neuen Freien Presse", dem „Judenblatt". Am 1. August 1884 schloß er seine Augen für immer. Er hatte den verhaßten Maestro Meyerbeer um zwei Jahrzehnte überlebt, hatte sehen müssen, wie bei der Trauerfeier ein Prinz des Königshauses, Abgesandte des Hofes und der Ministerien, die Gesandten Frankreichs und Italiens der Gedächtnisrede des Rabbiners Tr. Joel lauschten, wie im Zug, zum Friedhof vor dem Schönhauser Tor, die Kapelle:: aller Berliner Kavallerieregimenter, 120 Bläser, führten, sechsspännige Galawagen der Hohenzollern folgten, auf dem Opernhaus eine mächtige Trauerslagge wehte, wie die deutsche Nation über den harten Verlust klagte. Und auch den Sieg Richard Wagners hatte Heinrich Laube, obwohl mit gemischten Gefühlen, noch erlebt, den Triumph seines Gesinnungsgenossen und Widersachers. Und es ist vergnüglich, zu fthen, wie es dem Verfasser des „Judentums in der Musik" mit den Juden nicht anders gegangen war als dem Entdecker des Judentums in der Literatur. Ja, er chatte gerade von Meyerbeer die wirksamste Förderung erfahren. Schon als

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