Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 47 (23.11.1928)
- Date
- 1928-11-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Walt Wilczek die Stellvertretung übernommen hat. — Die neuhergerichtete Synagoge konnte nunmehr, nachdem der Gottesdienst wochenlang in beengtem Raum hatte stattsinden müssen, wieder ihrem Zweck zugesührt werden. Landsberg (Warthe). (Tagung der jüdischen Jugendvercinc der Provinz Brandenburg und Grenzmark.) Am Sonntag, den 11. November, fand hier eine Tagung der jüdischen Jugendvercine der Provinz Brandenburg und Grenzmark statt, zu der u. a. erschienen waren: Rabbiner Professor Dr. Rosenzweig aus Schneidcmühl, der Geschäftsführer der jüdischen Jugcndvereine Deutschlands, Schwarz s ch i ld - Düsseldorf, sowie zahlreiche Vertreter jüdischer Jugendvercine Berlins unter Führung von Waldemar Strauß und Albert G o l d s ch m i d t. Geleitet tvurde die Tagung von dem Vorsitzenden des hiesigen jüdischen Jugendbundes,, Rechtsanwalt Tr. Mannheim. Erschienen war auch der Vorstand und die Repräsentanten der hiesigen jüdischen (Gemeinde. Nach gemcinsamer Mittagstafel hielten S ch lv a r z s ch i l d und Professor Dr. Rosen zweig Referate über die Stellung der jüdischen Jugend in und zur Gemeinde, der sich eine sehr lebhafte Aussprache anschloß. Die jüdische Jugend strebt danach, Fühlung mit der Gemeinde zu erhalten und sich in der Verwaltung und sozial zu betätigen. — Abends fand ein geselliges Zusammensein mit Tanz und Verlosung statt. Tie ganze Tagung nahm einen sehr anregenden Verlauf, so daß alle Teilnehmer eine angenehme Erinnerung mit nach Hause nahmen. Liegnitz. (R e p r ä s e n t a n t e n >v a h l e 11.) Hier finden am 2. Dezember die Neuwahlen zur Repräsentantenversammlung statt. Nach den bisher vorliegenden Nachrichten wird der .stampf um z'.vei Listen gehen: die Liste der liberalen Partei und die Liste der Wahl Vereinigung jüdisch-konservative Mittelstands- und Volkspartei. Es zeigt sich also, daß, wie nahezu überall im Deutschen Reich, die zionn stische Volkspartei mit den Konservativen zusammcnstimmt: mit der von interessierter Seite so oft behaupteten „durchaus liberalen Gesinnung" der Zionisten ist cs also tvieder einmal nichts. Die Kandidatenliste der Liberalen Partei führt folgende Namen an: l) Rechtsantvalt Pick, 2) Kaufmann Wilhelm Krieg, 3) Rechtsanwalt Dr. Schcyer, 4) Kaufmann Max Toclor, 5) Kaufmann Max Reich, 6) Fabrikbesitzer Leopold Berliner, 7) Kaufmann Georg Bach, ,8) Direktor Otto Bacherach, 9) Dr. med. et med. denk. Max Meyer, 10) Dr. Phil. Robert Naumann, 11) Kaufmann Siegismund Israel. Neu zu besetzen sind 7 Repräsentanten und 4 .Nepräsentantcnstcllvertreter. Es verbleiben in der Versammlung 8 Repräsentanten, darunter 5 liberale. Ter Wahlkampf ist entstanden, weil die vereinigten Konservativen und Volksparteilcr ein Kompromiß nur unter der Bedingung schließen wollten, daß ihnen die Mehrheit im Gemeindevorstand eingeräumt tvordcn wäre. Die Liberalen sahen sich außerstande, auf diese Forderung einzugehcn. Lübben. (I u b i l ä u in.) Der Vorsteher Wilhelm Wolfs begeht in Lübben am 2. Dezember ein dreifaches 50 jähriges Amtsjubiläum. Er ist 50 Jahre Vorsteher, 50 Jahre Rendant und 50 Jahre Schriftführer der jüdischen Gemeinde. Mannheim. (H o h e s A l t e r.) In diesen Tagen begeht der im Ruhestand lebende Kantor R. Hirsch in bewundernswerter Rüstigkeit seinen 85. Geburtstag. Fast fünf Jahrzehnte hat der wohl älteste Vertreter der deutschen Kantoren, der heule noch seine Stimmittel als Mitglied des Synagogenchors in den Dienst des Gottesdienstes stellt, seine Zuhörer durch bedeutende gesangliche Leistungen auf dem Gebiete der traditionellen Synagogal-Melodien erfreut und erbaut. Die allgemeinen Sympathien, deren er sich in allen Kreisen der Gemeinde erfreut, werden auch an seinem Wiegenfeste sichtbar zum Ausdruck kommen. München. (Immunitäts-Aufhebung.) Der Geschäftsordnungsausschuß des Bayerischen Landtags beschäftigte sich am Mittlvoch mit der Frage der Genehmigung von Strafverfolgungen gegen Abgeordnete. Der erste Fall betraf den Abg. Streicher (N.S.). In dem Organ Streichers „Der Stürmer" war vor einiger Zeit ein Artikel erschienen unter der Ueberschrift „Der Jude und die deutsche Frau", in dem behauptet war, daß in einer Zionistenversammlung in Breslau zwei Rabbiner unflätige Aeußerungen über die nichtjüdischen Frauen gemacht hätten. Wegen dieses Artikels stellten die Breslauer Zionistische Vereinigung und die Zionistische Bereinigung für Deutschland Strafantrag wegen Beleidigung, Aufreizung zum Alassenhaß und Religionsvergehens. Der Ausschuß schloß sich mit allen gegen die Stimmen der Nationalsozialisten und Kommunisten der Auffassungen der Berichterstatter Rieß (B.Vp.) und Dewäld (Soz.) tan, daß dem Abg. Streicher Gelegenheit gegeben werden solle, den Wahrheitsbeweis für die aufgestellten Behauptungen zu erbringen und genehmigte in diesem Fall die Strafverfolgung. Ramslau. (Jubiläum.) Am heutigen Sabbat, den 21. November, kann Lehrer und Kantor M. Fleischhacker sein 50 jähriges Lehrerjubiläum und gleichzeitig in erfreulicher Gesundheit seinen 70. Geburtstag feiern. Dem heute noch amtierenden beliebten Jngenderzieher und geistigen Oberhaupt wird es an seinem doppelten Ehrentage an Kundgebungen der Wertschätzung und Verehrung nicht fehlen. Potsdam. (Goldene .Hochzeit.) Am 27. November kann das älteste Mitglied der Potsdamer Gemeinde, Herr Benjamin Cohn, mit seiner Gattin Minna, gcb. Goldschmidt, das seltene Fest der goldenen .Hochzeit begehen. Herr Cohn war lange Jahre Mitglied der Repräsentanten-Versammlung, bis vor einigen Jahren Besitzer einer großen Spritsabrik. Seine jüngere Tochter ist die Witwe unseres unvergeßlichen Rabbiner Dr. Kaelter, während die ältere mit dem Fabrikbesitzer Ruß verheiratet ist. Der Vorstand und die Repräsentanten werden es sich nicht nehmen lassen, ihrem Senior ihre Glückwünsche persönlich darzubringen. Schneidcmühl. (T a g u n g e n.) Am Sonntag, den 18. November 1928, fanden hier zlvei große Tagungen stakt. Der Provinzialverband für jüdische Wohlfahrtspflege der Grenzmark Posen Wcstprcußcn hielt seine Generalversammlung in großem Rahmen ab. Im Mittelpunkt per Versammlung stand das Referat von Frl. Frieda Weinreich über: „Neue Formen wirtschaftlicher Fürsorge". Am selben Tage hielt der Bezirksverband der jüdischen Gemeinden der Grenzmark seine Telcgicrtcntagung ab, welche u. a. ein Referat des Bczirksrabbiners Dr. Rosen.zwcig über das aktuelle Thema: „Welche Aussichten bestehen in Zukunft für die Besetzung von Beamten stellen in jüdischen Gemeinden?" brachte. Der Tagung wohnte u. a. als Vertreter des Preußischen Landesverbandes Herr Tr. Charig bei. Breslau. (Politik u n d R e l i g i o n im Liberalismus.) Am 14. November behandelte im Jüdisch liberalen Jugendvcrein „Abraham Geiger" Herr Gcmcinderabbiner Dr. Felix Goldmana, Leipzig, das Thema: „Politik und Religion im Liberalismus". Auf Veranlassung des Liberalen Hauptvcreius war auch eine große Zahl Erwachsener erschienen, so daß bei der ohnehin außergewöhnlich starken Beteiligung von Jugendlichen der große Saal der „Sozialen Gruppe" die Anwesenden kaum fassen konnte. Herr Religionslehrer Davidsohn verband mit der Begrüßung den Wunsch, daß sich noch recht viele Jugendliche dem Jli anschließen mögen. Dr. Goldmann betonte zunächst, daß er vom Standpunkt der Jüngeren zu seinem Thema Stellung nehmen »volle. Er zeigte dann, wie in Deutschland im Zeitalter der Aufklärung überall äußere Gründe bestiinmenden Einfluß auf das Judentum ausübten. Man glaubte die Lucke im jüdischen Bewußtsein durch äußere Anpassung an die Umwelt ansfüllen zu müssen und begab sich dabei aus politisches Gebiet. Auch Mendelssohn habe diese Bewußtseinsspaltung empfunden, aber nicht lösen können. Redner behandelt dann einige ungelöste Probleme, vor allem den Religionsunterricht. Hier muß Trennung von Kirche tutb Staat herbeigesührt werden; Religion ist etwas anderes als Politik (Staat). Poetische Gründe zwingen uns für etwas zn kämpfen, was mit Religion nichts zu tun hat. Religion gehört nicht in die Schule. Diese muß zum Sraatsbürger erziehen, nicht zur Konfession. Durch die erwähnten Umstände ist das Moment der Politik hereingetragen. Hier schließt Redner ein großzügiges Bild der Entwicklung in Amerika und England an und kommt zu dem Ergebnis, daß Religion dort im Staate keine Rolle spielt, dafür aber unter den Bürgern des Staates umso mehr. Die religiöse Entwicklung ist vollkommen frei. Durch diese Freiwilligkeit umso größere Blüte der Gemeinden (England: Sekten). Sie sind abhängig vom religiösen Geist der Anhänger, nicht von der Laune der Zwangssleuerzahker. Redner kommt zur Auswirkung dessen im Liberalismus. Das religiöse Bedürfnis konnte und kann mit seinen Forderungen in Deutschland nicht in Erfüllung gehen, weil immer gleich über die Forderungen ausgedehnt diskutiert wird. In Amerika spricht nur das religiöse Bedürfnis, nicht gemeindepolitisches mit. Tort ist auch der Zionismus nichts politisches: in Deutschland besteht er in nationaler Gestalt, der das Religiöse damit abspricht und ßum politischen Kampfe heraussordert. Es würde zu weit führen, noch die tiefgehenden Ausführungen über die Rolle des Antisemitismus und die Einlvirkung des religiösen Liberalismus ans die Jugend zu zeigen, die immer die elvige Wahrheit aus innerstem religiösen Sehnen, ganz gleich auf welchem Wege, sucht. — Nach dem mit größtem Beifall aus genommenen Ausführungen verließen die Erwachsenen den Saat, um der Jugend (über 70 Jugendliche) eine unbefangene Diskussion zu ermöglichen. Gegen 15 Jugendliche beschäftigten sich in äußerst interessanter Weise mit den praktischen Seiten des Vortrages. Fragen des Religionsunterrichts, der Stellung der Erzieher zur Jugend, religiöser Feiern und Andachten, sowie ähnliches rvurden eingehend erörtert und viele praktisch wertvolle Gedanken geäußert. In seinem Schtußivort faßte Tr. Goldmann das Wesentliche der Diskussion zusammen und nahm noch zu verschiedenen Punkten kurz Stellung. - Ein großer Erfolg des Jngcndvereins! Nürnberg. (Bericht über W c! l k o n f c r e n z und Monte f i s r e F e st f cf) r i f l.) In einer gut besuchten Versammlung des liberalen Gemeindcvereins am 8. November gab der Vorsitzende, Herr Rechtsantvalt Richard Jung, nach herzlichen Begrüßungsrvorten einen „Bericht über die Eindrücke von der religiös-liberalen Wettkonfcrenz". Keine tiefgründige lvissenschaftliche Betrachtung, auch keinen treuen historischen Ueberbtick über den Verlauf der Konferenz ivollle der Redner, wie er eingangs bemerkte, bieten, vielmehr seine persönlichen Eindrücke übermitteln, die er in das Gesamturteil kleidete: Ter Verlauf der Konferenz war ein Erlebnis, das von dem ernsten Ringen des Liberalismus stärkstes Zeugnis ablegte. Ter Verlauf der Weltkonfcrenz ist den Lesern dieses Blattes bekannt, so daß auf eine Inhaltsangabe hier verzichtet werden kann. Nur soll erwähnt werden, daß der Redner, bei völliger Anerkennung der Referate, die Diskussion allzu stark vom „genius loci" beeinflußt fand, indem die Gegensätzlichkeit zwischen Theologen wie Pros. Etbogen und der Rcformgemeinde zu stark in den Vordergrund trat. Der Redner fand noch anerkennende Worte für die äußerst rege Teilnahme der Berliner Gemeinde an der Konferenz sowie für die Gastfreundschaft, die die Bcrlvattung der Gemeinde und Einzelmitglieder in großzügiger Weise gewährten; auch seiner unbeirrten Zuversicht in die Zukunft des Liberalismus gab er auf Grund des Erlebten beredten Ausdruck. Die lebendigen und interessanten, aus einen anregenden Plauderton gestimmten Ausführungen des Redners ernteten starken Beifall der Zuhörer. Das im Anschluß hieran gegebene Referat von Herrn Rabbiner Dr. Freudenthal handelte von der Festschrift, die dem Ehrenpräsidenten Claude Montefiore gewidmet wurde. In der ihm eigenen klaren wissenschaftlichen Art gab der Redner uns ein Bild über die Entstehungsgeschichte und den Inhalt des Werkes. Er ordnete die Aufsätze der Schrift nach vier Gesichtspunkten an: 1. Das Jüdisch Grundsätzliche, 2. das Dogmatische, 3. das theologisch Liberale und 4. das praktisch Liberale. Zum Schlüsse streifte der Redner noch die hiesigen Verhältnisse mit der Feststellung, daß manches im Gotteshaus und Gottesdienst änderungsbedürftig sei, daß aber im Hinblick auf die hiesigen Verhältnisse, die doch etwas anders gelagert seien, als in der ca. 250 000 Mitglieder zählenden jüdischen Gemeinde Berlins, die Reformen im Tempo und Ausmaß der verschiedenartigen Schichtung Rechnung tragen müßten. Mit herzlichen Worten dankte der Vorsitzende dem Redner für seine gleichfalls mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Darlegungen und richtete einen warmen Appell zur Mitarbeit an der liberalen Sache an die Anwesenden. Wiesbaden. (Die Botschaft des liberalen Judentums an die jüdische Fra u.) In der hiesigen Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum sprach am 1. November Frau Paula Ollendorf aus Breslau in überfülltem Saale, überfüllt hauptsächlich von Frauen, über das Thema: „Die Botschaft des liberalen Judentums an die jüdische Frau". Rednerin, noch ganz im Banne der liberalen Weltkonfcrenz in Berlin stehend, schildert die gewaltigen Eindrücke, die bei dieser Konferenz die einzelnen Redner und Rednerinnen, wie Claude Montesiore, Leo Paeck und Lilly Montagn, hinterlajsen haben. Ucber die Ausführungen der Genannten wurde uns bereits am 10. Oktober von Stadt- und Bezirksrabbiner Dr. Lazarus berichtet. Frau Ollendorf, die 3 Monate in Amerika gelebt und sich dort nur mit jüdischen Dingen beschäftigt hat, gibt Kunde von ihren Erlebnissen und den Eindrücken, die sie dort gewonnen hat. Die treibenden Kräfte sind dort durchweg die jüdischen Frauen. Sie gründen, fördern und lverben. Ihr Verdienst ist es, daß die Gotteshäuser an Sabbat- und Festtagen gefüllt sind. Sie treten auch der Strömung entgegen, die Religionsersatz bieten soll, der „ethischen Kultur". Auch in Deutschland ist die jüdische Frau dazu berufen, das Bewußtsein der Gewißheit Gottes — das ist nämlich Religion — in der Familie zu erwecken uni) zu fördern. Also ergeht die Mahnung an unsere Frauen: Werbet für das Judentum! Schließlich lveist Rednerin auf das Denkmal hin, das man in Washington Oskar Strauß und seiner Gattin errichtet, einem Ehepaar, das bis in den Tod höchstes Menschentum im Dienste Gottes geübt hat. Sprechsaal * Für diese Nubrik übernimmt die Schriftlcitung lediglich die preßgesetzliche Verantwortung. Zm Lichte der Religion Schafft die Einheitsfront jüdischer Friedensfreunde! Tie Panzerkreuzer-Tragödie zuende? Nein, nein, nein, ihr Herren Kompromißler und dreimalweisen Politiker. Diese Tragödie darf nicht zucnde sein, sie muß weiterwirken und Früchte tragen. Wer von euch hat denn vom Frieden geredet, die ihr s o n st so schön davon« sprächet? Ihr von der Partei der Gleichheit, ihr von der Partei der Religion! Nein, schlimmer, ihr spracht davon: ihr liebt ihn, er soll nicht wiederkommen und darum — habt ihr dafür gestimmt! „Tie .Koalition steht ans dem Spie! — ein Kavinettsbcschluß liegt vor" Worte —■ Worte — Worte! Es gibt Größeres als Koalition und Kabinett — ja mehr, lvo bleibt ihr denn, wo Kabinett, lvo Koalition, lvo Republik, wenn nicht der Friede gesichert ist! Als wenn 1, ja selbst 4 eurer Schisse ivirklich dazu imstande wären! Als wenn die Zeit gar nichts Neues Ivill, die Menschen nicht zum Frieden erziehen lviil, als »venu ihr die andern nicht deshalb ankiagt, das; sie immer nur alte Methoden kennen! Als wenn man Krieg und Frieden gleichzeitig propagieren kann! Nein, die Tragödie muß wach erhalten bleiben und wird den Kampf gegen diese Kompromißmcthoden, den Kampf gegen diese Schcin-Staatswcishcit, den Kamps für rücksichtslose Fricdensarbcit ganz ungeheuer, so hoffen wir, stärken. Und damit auch den Mut de-: Religiösen. Wo hat man sie jetzt bei der Entscheidung gehört? Die Parrei der Religion, sic hat überraschend versagt. Wie schön lvärc es gewesen, wenn >v i r jetzt die Stimme erhoben hätten. Aber da kommt ja auch bei uns wieder der Ein wand: „das ist politisch — wir sind selber nicht einig — wir sind so wenig — das gibt dem Antisemitismus Nahrung — ja unsere Religion spricht selber vom Krieg!" Nun wer das Ziel seiner Religion noch nicht kennt, wen politische E religiös schwächt, wem Antisemitismus noch die W wer noch nicht die Macht der Wenigen kennt, der lange noch ab und aus, bis er sich stark genug fühlt \ Die andern aber sollten sich nun endlich aus allen Parteien, allen Vereinen, die Männer und Franc senen und die Jugend zu einem Bunde zus Wir brauchen die Einheitsfront der j ü d i de ns freunde, zuerst in Deutschland, dann in de brauchen sie um des Judentums willen, wir brauch Friedens willen! Die Arbeit ist so groß, daß keine er nenne sich religiös oder heute noch ethisch, die Arb« daß Zurückstehen Sünde, die Arbeit so dringlich, daß « Mag die „Liberale Vereinigung" den A d. h. die in ihr, die entschlossen für diese Idee einst« den Aufruf an alle ergehen lassen. Es wird nie teste sein, was ^'ie tut. Rabbiner Tr. G o t t s ch a l k, Frc BÜCHERSCHA Die Vernichtung der Unwahrheiten über die Herausgeber und Verlag: Verein deutsche Leipzig, 1928. Diese etwa 70 Seiten starke Broschüre maßen ein freimaurerischer „Anti-Anti“, gibt ai über angebliche Beweise für die Gefährlichk maurerei ebenso viele aufklärende Antworten, essieren hier hauptsächlich die das Judentum Teile des Buches. Als Ludendorff s. Zt. in freimaurerbuch Juden und Freimaurer identitiz; schien von der Großen National-Mutterloge , Weltkugeln“ — einer der auf „christlichem Pri den altpreußischen Großlogen — eine Abwe selber an antisemitischer Gesinnung nichts zu w ließ, so daß wir sie in Nr. 6 unseres Blattes voi ds. Js. zum Gegenstand einer eingehenden Bespr ten. — Von jener Broschüre sticht nun die des scher Freimaurer, dem Freimaurer des „chri: des „humanitären“ Prinzips angehören, also z. mau rer jüdischen Glaubens, erfreulich ab. Im zufrieden sind wir auch hier nicht. Gleich in d< wo Parallelerscheinungen mit den Verleumdunj maurer angegeben werden, hat man zwar die Ve der Katholiken durch Protestanten und umgek das große Schulbeispiel der Geschichte aber, dungshetze gegen die Juden, vergessen. In den „Freimaurerei und Judentum“ wird lediglich i eine offizielle Einflußnahme des Judentums ( tums, — als ob dieses eine Instanz, eine Körp< nicht statthaben kann. Auch kränkt uns an die Bemerkung, daß das Judentum eine Vorst stentums sei, während in Wirklichkeit alle mc Religionen in der wahren Freimaurerei völlig sind — abgesehen von der sachlichen Verke Behauptung. Schamhaft verschwiegen wird in < über Kirchenaustritt, daß die „christlichen“ Log« aufnehmen, sofern diese aus einer christlicher getreten sind, Dissidenten aus der Synagoge c wodurch die „christliche“ Gesinnung dieser stark rasseantisemitischen Beigeschmack erhäli Abschnitt über die Rassenfrage erkennen w Haltung der Verfasser daran, daß nur von Far Andersrassigen gesprochen wird; die Judenfra Rassenfrage garnicht einrubriziert, womit wir und zufrieden sind. — Einmal (S. 52) ist von Beschneidung des Christentums im Gegensat; liehen des Judentums die Rede; das jüdisch „Beschneide unsre Herzen!“ war den Verfass« unbekannt. — In manchen Fragen, z. B. Stell maurerei zum Pazifismus, zum Kommunismus, i tum“ u. a. scheinen die von den Verfassei Ansichten widerspruchsvoll und unzulänglich, < intern freimaurerische Dinge, deren Erörterung führen würde. — Die Verfasser sind dadurch sl daß sie neutral zwischen dem „christlichen“ i manitären“ Prinzip stehen wollen, mit dem He sogar auf Seiten der „Christlichen“ sind. Eine die nicht „humanitär“, d. h. interkonfes hat aufgehört, Freimaurerei zu sein. — Niehl und alles in allem: gegenüber der „Aufklärun Gr.-L. „Zu den drei Weltkugeln“ konstatier erfreulichen Fortschritt. Das neue Buch ist, t Mängel, eine wirkliche Aufklärungsschrift unc auch indirekt, auch der Aufklärung über den mus“, entspricht doch seine Grundtendenz dem gleich auf der ersten Seite zitierten Ausspruch Gerlaehs: „Manche Leute sehen überall überall Freimaurer, noch andere überall weiße Edmund Mugler: Gottesdienst und Menschenad manns Verlag. Stuttgart 1927. In einer Reihe von in sich abgeschlossenen der Verfasser eine Geschichte der sittlichen Id diese Idee „im Kampf um ihre Seibstbehaupt der israelitisch-jüdischen und christlichen Religh darstellen. Uns liegt das erste Buch vor, das „d Volksreligion und die Propheten“ zum Gegensl werden belehrt, daß Kultfrömmigkeit und Et entgegengesetzt sind, daß die Tempelfrörnmigk« auf ausgeht, die reine Sittlichkeit zu verdrä „verkuiten“ und daß aus diesem Streben das! hervorwächst, das die verderblichste Feindin < j Diese Gedanken sind nicht neu, aber ihre FJerai klar und scharf. Nur wird die Kultfrömmigke! beurteilt, wie sie in solchem Gegensatz in de! wohl nie Vorkommen. Man muß stets daran Prinzipien in der Theorie feindlich, im Bewu erlebenden Personen aber niemals rein vorkon in einer Mischung oft friedlich neben einand Mugler zur sogenannten Kultfrömmigkeit der VolksrcÜgion kein Verhältnis gewinnen kann, sattsam bekannten Geschichtskonstruktion Weil! ungeprüft als letzte Wahrheit übernimmt, an der jüngsten protestantischen Bibelwissenschaft gerüttelt wird. Wir fürchten, daß der Vcrfas geschichtlichen Schablone dem Judentum des zw als der „Gesetzesreligion“ nicht gerecht wen Pharisäismus vom Standpunkt des Neuen T< nicht die volle historische Würdigung zuteil ward. Rabb. Dr. Löwenstam Vereinsnachrichten Verein Hauptsynagoge Frankfurt a. M. Am 7. D tagabcndseier. Am 9. Dezember, 4 Uhr, Volksbildung 1 St. Chanukahseicr. Für Erwachsene und Kinder. Freie Jüdische Volkshochschule. Julius Kalis jüdische Pflicht und Leistung", Mittwoch, den 28. N Uhr, Synagoge Fasanenstraße.