Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 47 (23.11.1928)
- Date
- 1928-11-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2613366-2613947-2613994--2942-2620472- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
8. Jahrgang Nummer 47 Au» de« Gemeinden jj* Berlin. (5 0. Geburtstag.) Am 25. November feiert Herr Dr. Benno Walter, der Vizepräsident der Großloge^U.O.B.B., seinen 50. Geburtstag. Er wurde in Czarnikau als Lohn eines Bollsschullchrcrs geboren und erhielt im elterlichen Haus zusammen mit seinem älteren Bruder, dem derzeitigen Landrabbincr Dr. G. Walter in Kassel, eine sehr sorgfältige religiöse Erziehung. Nach dem Abiturium widmete er sich dem Studium der Rechtswissenschaft und ist seit 1906 in Berlin als Rechtsanwalt tätig. Lein besonderes Interesse gehörte der jüdischen Jugendbewegung, die er auch währerrü seiner Logentätigkeil in der Berthold Auerbach- Loge der Bne Briß, deren Präsident er zeitweilig war, eifrig unterstützte. Seit 1922 arbeitet Herr Dr. Walter im geschästsführenden Ausschuß der Großloge U.O.B.B. und ist noch heute Vizepräsident der Großloge. Auch in anderen jüdischen Wohlsahrtsorganisationcn ist Herr Dr. Walter tätig. Er gehört zum Vorstand des Erziehungsheims Beelitz, zum geschästssührmden Ausschuß des Hilfsvercins der deutschen Juden und zum Vorstand des Vereins für jüdische Ferienkolonien. Berlin. (Jüdischer Krcditverein für Handel und Gewerbe.) Uns wird mitgeteilt: Der Aussichtsrat des Indischen Kredilvcreins für Handel und Gewerbe e. G. m. b. H. (Berlin C. 2, Neue Promenade 3) hat sich in seiner kürzlich stattgehabten Sitzung sehr befriedigt über die Entwicklung der Genossenschaft ausgesprochen. Die vorgetragencn Zahlen zeigen deutlich, welch großes Bedürfnis eine solche Gründung gewesen ist. Der Jüdische Kreditvcrein hat in den wenigen Monaten seines Bestehens für über Mk. 340 000,— Wechsel diskontiert und über Mk. 130 000, — Kredite in anderer Form gewährt und seinen Genossen hierdurch außerordentliche Hilfe geleistet. Die Zahl der Genossenschaftsanteile beträgt rund 400. | Ermöglicht ist dem Jüdischen Kreditvcrein diese Hilfstätigkcit im wesentlichen durch die Unterstützung der Dresdner Bank, deren Gcnossenschastsabteilung er angeschlossen ist, und auch durch die Spar¬ und Depositen-Einlagcn seiner Kunden. Es ist im Interesse einer weiteren Ausdehnung der Tätigkeit des Jüdischen Kreditvcrcins zum Nutzen der jüdischen Handwerker und des gesamten jüdischen Mittelstandes dringend erwünscht, daß die jüdischen Kreise sich für ihren Geldverkchr, für die Anlage ihrer Spar- und Depositengelder des jüdischen Instituts bedienen. Während für die Inanspruchnahme von Kredit die Mitgliedschaft bei dem Jüdischen Kreditverein e. G. m. b. H. notwendig ist, ist eine solche nur für einen Spar- und Scheckverkehr nicht erforderlich. Berlin. (Brandstiftung?) Im 3. Stockwerk des Hauses Eisenacher Straße 7, in dem die Witwe des Rabbiners Petuchowski wohnt, brach am Donnerstag nachmittag ein verheerender Brand aus. Passanten bemerkten, daß Flammengarben aus den Fenstern schossen und benachrichtigten die Feuerwehr, die mit sechs Löschzügen unter Leitung des Oberbranddirektors Gempp und des Branddirektors Runge »n der Brandstelle erschienen. Gleichzeittg wurden Rettungswagen angesordert, da befürchtet wurde, daß die Wohnungsinhaberin sich in den brennenden Räumen aufhielt. Glücklicherweise ttaf diese Befürchtung nicht zu. Bier Räume der Wohnung, darunter die wertvolle Bibliothek des verstorbenen Gelehrten, sind ein Raub der Flammen geworden. Die Kriminalpolizei hat eine eingehende Untersuchung nach der Brandursache cingeleitet. Es wird mit der Möglichkeit gerechnet, daß Einbrecher das Feuer gelegt haben. Berlin. (7 5. Geburtstag.) Am 27. November feiert unser langjähriges Mitglied, Herr Karl Loeser, seinen 75. Geburtstag. Herr Loeser ist eine der verdienstvollen Stützen des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V. Speziell bei den letzten Wahlkämpfen hat er seine so oft bewährte Organisationskraft in den Dienst unserer Sache gestellt und seine zahlreichen Beziehungen stets zu Gunsten der liberalen Partei nutzbar gemacht. Der Berliner Jüdischen Gemeinde hat er lange Jahre hindurch in der Friedhofskommission wertvolle Dienste geleistet. Im Berliner politischen Leben ist Herr Loeser eine der führenden Persönlichkeiten. Enge Bande der Freundschaft verknüpften ihn während seiner langjährigen Stadtverordnetentätigkeit mit Oscar Cassel. Wir wünschen dem jugendlichen Fünfundsiebenziger, daß er noch recht lange seiner Familie, der Stadt Berlin und der Berliner jüdischen Gemeinde erhalten bleiben soll. Berlin. (Todesfall.) Am 15. November verschied plötzlich Herr Robert Keiler. Der Verstorbene gehörte seit dem Jahre 1915 dem Vorstand des Krankenhauses der jüdischen Gemeinde zu Berlin an. Bis in die letzten Stunden seines Lebens hat der Verewigte dem Krankcnhausc seine Kräfte, sein Wissen und seine Liebe gewidmet. Den Kranken war er ein sorgender, herzcnsgütiger Vater, den Schwestern, Acrzren und Angestellten ein verständnisvoller, warm empfindender Freund, der Berlvaitung ein erfahrener, unermüdlicher, schafscnssrohcr Berater. An seiner Bahre widmete ihm Herr Direktor Dr. Koburger im Namen des Krankenhauses und seiner Freunde herzlichste Worte des Gedenkens. .Herr Keiler war seit langen Jahren treues und eitriges Mitglied des Berliner Liberalen Vereins. Berlin. (Die nächsten Ausgaben des Jugendpflege- Ausschusses der jüdischen Gemeinde.) Der Jugendpflege Ausschuß der jüdischen Gemeinde, Berlin, Roscnstraßc 2 - 4, Zimmer 21, ist die Zentralstelle für alle Bestrebungen, die sich auf die Förderung der gesunden Jugend, und zwar insbesondere der Jugend über 14 Jahren beziehen. Die Arbeit, die einsttveilen, bis zur Verabschiedung der Satzungen durch das Gcmcindeparlament, noch immer von einem vorläufigen Ausschuß geleistet wird, gliedert sich in 3 Gruppen: in die Sorge für das körperliche Wohl der Jugend durch Turnen und Sport (Sport-Dezernat), in die Sorge für die geistige Jugendpflege und für die Jugendbewegung (Dezernat für geistige Jugendpflege) und in die Sorge für diejenigen Jugendlichen, die in den eigenen Jugendgruppen der Gemeinde zusammcngesaß: sind (Jugendpflegegruppen-Dezcrnat). Alle 3 Gruppen stehen vor der Inangriffnahme wichtiger Arbeiten aus ihrem Arbeitsgebiete: das Sport-Dezernat steht vor dem Abschluß aussichtsreicher Verhandlungen, die der sportbeflisscnen Jugend Berlins einen eigenen großen Sportplatz für längere Zeit sichern. Das Dezernat!ür geistige Jugendpflege hat die Arbeiten zur Schaffung der „Schule der jüdischen Jugend" soweit gefördert, daß die ersten Kurse schon seit einigen Wochen laufen. In der Schule der Jugend wird zum "?alc bin großzügiger Versuch der Bildung und Weiterbildung auf jüdischen Gebiete gemacht, der dadurch besonders interessant ist, daß die Auswahl _ des Stoffes, die Methode der Stofsbehandlung von der Jugend selbst bestimmt sind und daß ein Teil der Dozenten der Jugendbewegung entweder noch angehören oder ihr entstammt. Dabe: wende:^sich die Schute durchaus nicht nur an die in den Jugend- und Sportverbänden organisierten Jugendlichen, sondern auch an alle diejenigen, die Jugendorganisationen nicht angehören. Das dritte große Projekt des Jugendpflegeausschusses ist die Schaffung des für Berlin schon lange erstrebten Jugend- und Gemeindehauses, dessen Verwirklichung nunmehr auch in naheste Sicht gerückt ist. Fügt man endlich noch hinzu, daß man eine jüdische Erfassung aller von den Schulen abgehenden Jugend dadurch versuchen will, daß man an sie eine Uebersicht der für sie in Frage kommenden Jugendcinrichtungen gelangen läßt, so erkennt man deutlich, welche Fortschritte aus dem Gebiete der Jugendpflcgearbeit gerade in letzter Zeit zu verzeichnen sind. Berlin-Köpenick. (Friedhossschändung.) Schon wieder wird eine Friedhofsschändung gemeldet. Der Schauplatz dieser neuen Ausschreitungen ist der jüdische Friedhof in der Mahlsdorfcr Straße in Köpenick. Als am Donnerstag der Friedhofsdiener einen Kontrollgang unternahm, mußte er an mehreren Grabstätten, vornehmlich WOchÄmileZeil«« aber an Kindergräbern, die schwersten Verwüstungen scststellcn. Tic Hügel ivarcn aufgewühlt und der Efeu abgerissen. Bor vier Grabsteinen waren die Erinnerungstasctn abgerissen und völlig zertrümmert. Ein anderer Grabstein lag umgestürzt da; die Tafel war vernichtet worden; das Postament ^wies schwere Beschädigungen aus. Neben den verwüsteten Grabstätten lagen große, Feldsteine umher, mit denen die Vandalen ihr schändliches Werk ausgeführt hatten. Tic Tat muß in der Nacht vom Dienstag zum Mittivoch ausgeführt worden sein. Der Friedhos liegt etwas abseits und wird ringsherum von unbebautem Terrain begrenzt. So ist es auch erklärlich, daß die Ucbeltäter ungestört ihr verbrecherisches Vorhaben zur Ausführung bringen konnten. Wie die Ermittlungen ergeben haben, sind am Dienstagabend in der Nähe des Friedhofes mehrere Burschen beobachtet rvorden, die längere Zeit dort hcrumftanden. Die Nachforschungen der Kriminalpolizei sind im Gange, haben aber bisher zu keinem Ergebnis geführt. Borgentreich. (F r i c d h o s s s ch ä n d u n g.) Wie der Padcrbo» ncr Anzeiger meldet, sind auf dem jüdischen Friedhof zu Borgcntreich in Westfalen, wo eine jüdische Gemeinde nicht mehr existiert, 5 Grabsteine umgcworscn und zum Teil arg beschädigt worden. Bon den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur. ES kommen jedoch einige Personen in Frage, deren Ruf den Verdacht rechtfertigt. Die Kriminalpolizei ist eifrig im Fahnden.' Danzig. (Iüdi s ch e V o t k s b a n k. Internationales F l ü ch t l i n g s he i m.) In einer vor kurzem stattgesundenen Versammlung jüdischer Kausleute wurde die Gründung einer jüdischen Volksbank auf genossenschaftlicher Grundlage nach dem Muster der Berliner Volksbank „Jivria" und des jüdischen Kreditvereins für Handel und Gclvcrbc beschlossen. Auf Anregung des Präsidiums des Zemralwohlsahrtsanttes der Juden im Freistaat Danzig fanden Besprechungen zwischen den verschiedenen Institutionen für soziale Fürsorge des Freistaates wegen der Begründung eines internaliortalen Heims für Flüchtlinge in Danzig statt. Die Besprechungen endeten positiv; cs wird erwartet, daß schon in kurzer Zeit ein solches .Heim eröffnet werden wird. Dresden. (G e m e i n d e r a t s s i tz u n g.) Die Mitte November abgehaltene Gemeindcratssitzung, zu deren Beginn Vorsteher Rechtsanwalt Salinger in ehrenden Worten des verstorbenen Gcmeindcratsmitgliedes Paul Lehmann gedachte und an seiner Stelle den Kaufmann A. Löwenthal als Gemeindevcrordncten verpflichtete, befaßte sich zunächst mit einer die städtische Zentralsriedhofssrage betreffenden Eingabe der Jüdischen BolkSpartei Dresden. Diese 'brachte mit Unterstützung eines vom Berliner Rabbinerseminar abgegebenen Gutachtens zum Ausdruck, daß eine gemeinsame Benutzung der aus dem neuen städtischen Friedhof zu errichtenden Halle mit anderen Konfessionen vom jüdischen Standpunkt, entgegen dem vom Gemeinderat seinerzeit gefaßten Beschluß, nicht möglich sei. Vorsteher Dr. John Lcvy erklärte, zum gegebenen Zeitpunkt sich für Berücksichtigung des von der Jüdischen Volkspartei eingenommenen Standpunktes einsetzen zu wollen. Für die im Dezember sättigen Wahlen wurde ein Wahlausschuß gebildet, dem die Festsetzung des Wahltcrmins überlassen wird. Anschließend kam ein zlveiter Antrag der Jüdischen Bolkspartei Dresden zur Verhandlung, in dem beantragt wurde, die Zahl der Gemeindevertreterglieder von 20 aus 24 zu erhöhen, das aktive Wahlrecht von der Stcuerleistung und das passive von der Staatszugehörigkeit unabhängig zu machen, sowie gleichzeitig das Frauenwahlrecht einzusühren. Zur Begründung dieser Anträge lag eine von Dr. M. Schornstein verfaßte Broschüre „Das Wahlrecht in den jüdischen Gemeinden Sachsens" vor, deren Forderungen von Dr. John L e v y vertreten wurden. Rechtsanwalt Salinger führte aus, daß in dieser Frage nicht theoretische Diskussionen entscheidend sein können, ob das jetzige Wahlrecht jüdisch oder uniüdisch oder vom ideellen Standpunkt verbesserungsbedürftig sei, sondern lediglich, ob es Schaden oder Nutzen bringe. Es müsse mit dem Austritt von in Dresden als Steuerzahler maßgebenden Kreisen aus dem Judentum, also mit einer Gefährdung des Bestandes der Dresdner jüdischen Gemeinde gerechnet werden, wenn den ausländischen Gemeindemitgliedern das Wahlrecht im Sinne der von der Jüdischen Bolkspartei erhobenen Forderungen zuerkannt werde. Die von Dr. Levy beantragte namentliche Abstimmung brachte die Ablehnung der Wahlrechtsändcrung mit den Stimmen der Liberalen und des parteilosen Gemeindeverordneten Direktor Zucker. Das Resultat dürste in der zweiten und dritten Lesung, die notwendig sind, weil es sich um einen verfassungsändcrnden Antrag handelt, kein anderes sein. Angenommen wurde hingegen der Antrag, die Wahlen in Zukunft auf fünf Jahre vornehmen zu lassen, so daß das Ausscheiden eines Drittels des Gemeinderats nach zwei Jahren in Wegfall kommt. Zwecks Durchführung dieses Beschlusses löst sich der Gemeinderat Ende 1928 auf, um in der zweiten Hälfte Januar 1929 auf Grund von Neuwahlen wieder zusammenzutreten. Elberfeld-Barmen. (G c m e i n d c b l a t t.) Ein bemerkenswertes Ereignis in der Geschichte der Synagogen-Gcmeindc Elberfeld bildet das erstmalige Erscheinen des neuen Gemcindeblattes, das vorerst nur als amtliches Blatt der Gemeinde Elberfeld gilt, da Barmen einen Zuschuß zu den Unkosten vorläufig abgclehnt hat. Das „Jüdische Gemeindeblatt für das Belgische Land" wird bis auf tveitercs allen Mitgliedern der Gemeinden Elberfeld und Barmen alle 14 Tage kostenlos zugcschickt. Es soll — wie die Leitartikel des 1. Vorsitzenden der Elberfelder Gemeinde, Herrn Tr. Loeb. und des Rabbiner Dr. Norden besonders hervorheben — nicht irgend eine parteiliche oder neutrale jüdische Zeitung verdrängen, sonvern ausschließlich dazu dienen, einen besseren Kontakt mit allen Mitgliedern der Gemeinde hcrzustcllen und die lokalen Interessen zu fördern. Eschweiler. (Aus dem Gemcindelebe n.) Am 19. November vollendet Herr Marx Stieb, der Senior der hiesigen jüdischen Gemeinde, in körperlicher und geistiger Frische sein 85. Lebensjahr. Herr Stieb bekleidete lange Jahre den Posten des stellvertretenden Vorstandsvorsitzcnden der Synagogen-Gcmcinde und ist heute noch 2. Vorsitzender der Chewrah Kaddischa. In der Angelegenheit der vor etiva vier Wochen nächtlichcrweise vorgekommenen Synagogenbcsudelung durch Hakenkreuze hatte, wie bekannt, der Vorstand der Synagogengemeinde eine Belohnung von 100 Mark für die Auffindung der oder des Täters ausgeschrieben. Diese 100 Mark scheinen Anziehungskraft zu besitzen; denn ein Gesinnungsgenosse hat den anderen verraten. Es war, wie richtig vermutet, ein Hakenkreuzler, und zwar einer der lautesten Rufer im Streite. Die Angelegenheit liegt jetzt in Händen der Polizei. Der Täter sieht seiner Bestrafung entgegen. Frankfurt a. M. (Zentralisierung der jüdischen Wohlfahrtspflege.) Die Bestrebungen zur Zentralisierung der offenen jüdischen Wohlfahrtspflege in Frankfurt gehen ihrer Verwirklichung entgegen. Die im Hause Langcstraße 30 arbeitenden Organisationen der offenen Wohlfahrtspflege, Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege, Almosenkasten der israelitischen Gemeinde, Israelitischer Hilfsverein, Weibliche Fürsorge haben sich zu einer Stelle, der „Jüdischen Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M." zusammengeschlossen, um fortan die offene Wohlfahrtspflege einheitlich durchzuführen. Auch die Tätigkeit der Wirtschaftsbcihilfe wird auf die neue Organisation übergehen, nachdem die Wirtschaftsbeihilfe den Beschluß gefaßt hat, ihre Arbeit einzustellen. Den Ehrenvorsitz der neuen Organisation hat Rabbiner Dr. I. Horovitz übernommen, während der Vorsitz Herrn Julius Bloch übertragen worden ist. Der Vorstand besteht außerdem aus den Herren: Wolfg. Auerbach, San.-Rat Dr. A. Ettlinger, Heinr. Gerlich, Dir. I. Meyer, Rechtsanw. Jul. Simon, David Weill, Jul. Werner und den Damen: Johanna Baer, Lulu Bloch-Neustadt, Stefanie Forchheimer, Therese Freimann, Paula Frenkel und Paula Nassauer. veiiage 23. November 1928 Fürth (Bayern-. ^9 0. Geburtstag.) Am 18. November konnte Frau Fridcrikc Behrens, die im Hause ihres Sohnes, des Distrikts-Rabbiners Tr. Behrens, lebt, in bemerkenswerter Rüstigkeit ihren 90. Geburtstag unter herzlicher Anteilnahme weitester Kreise aus Stadt und Land inmitten ihrer Familie festlich begehen. Hannover. (R e p r ä s c n t a n t e n s i tz u n g.) In der Sitzung vom 14. November beschloß das Kollegium einstimmig die Festsetzung des Hnndertsatzes für die endgültige Veranlagung zu den Synagogen- Abgabcn pro 1928 29. Es wurden 13 o/o (im Vorjahr 12 o/o) sestgejctzt. Im vergangenen Jahr war eine Staffelung angewandt, dergestalt, daß die Hoch- und Höchstbcsteuertcn einige Prozente weniger zu zahlen hatten. Diese Staffelung fällt jetzt weg. Den Gemeindemitglicdern werden die bisherigen Vorauszahlungen auf die endgültig zu leistende Summe angerechnet. Von der Restzahlung befreit ist, wessen staatliche Einkommensteuer 100,— Mark nicht übersteigt. In der voraufgehenden Debatte wird von seiten der Repräsentanten gewünscht, daß in Zukunft endgültig festgelegt wird, ob Einheitssatz oder Staffelung angewandt wird. Von Vorstandsseite wird darauf hingewiesen, daß, selbst wenn die in Aussicht gestellten Beträge eingehen, beim nächsten Etat außerordentliche Beschränkungen unerläßlich sein werden. Es wird geltend gemacht, daß bei der letzten Etatsberatung vom Vorstand gestrichene Zuschüsse für die verschiedenen Vereine in Höhe von ca. 2000,— Mark auf Wunsch der Repräsentanten bewilligt worben seien. Leider habe auch der Magistrat, trotzdem sich unter den Juden Hannovers gewiß große Steuerzahler befinden, die Erhöhung des Zuschusses zum Unterricht an Volksschulen abgelehnt. Auch hierdurch entstände der Gemeinde ein bedeutender Einnahmen- Ausfall. — Tie nachträglich der Gemeinde auferlegte Herrichtung der Zulvegung und der Einsriedungsmauer zum neuen Friedhof machen eine Erhöhung der Anleihe notwendig. Das Kolleg beauftragt den Vorstand, bei der Sparkasse eine Erhöhung des Darlehns um 30 000 Mark nachzusuchen. Falls bis dahin Bauten und Anlagen fertig sind, soll die Einweihung am 13. Januar stattsinden. — Die Errichtung einer jüdischen Volksschule hat bcr Magistrat abgclehnt, u. a. mit der Begründung, daß dann auch die Reformierten eine eigene Volksschule beantragen würden. Wegen des ablehnenden Bescheids aus Erhöhung des Zuschusses zum Unterricht an den Volksschulen wird wahrscheinlich die Entscheidung des Ministers angerufen werden. — Ter Vorstand hofft die richtige Persönlichkeit für die neu zu besetzende Lehrcrstelle gefunden zu haben. Durch dies neue Engagement und das gleichzeitige Wirken der beiden anderen seit kurzem in der Gemeinde tätigen bewährten Jugcndbildner Rabbiner Dr. Schorsch und Lehrer TSeinberg hofft der Vorstand, in hervorragendem Maße für die Heranwachsende Jugend sorgen zu können und manches nachzuholenj, was in früheren Jahren, in denen man diesen Gesichtspunkt nicht so scharf beachtete, versäumt worden sei. Neuwahlen zum Vorstand und Repräsentantcnkollegium sind aus den 9. Dezember festgesetzt. Der Entwurf zur Abänderung des Wahlstatuts wird von dem Bearbeiter, Herrn Dr. Schleisner, dem Kolleg in aller Kürze vvrgclegt werden und Gegenstand einer eigens hierzu einzuberufenden Sitzung bilden. Der Punkt 4 der Tagesordnung „Kultus- und Gottesdienstangelegenheiten" muß abgesetzt werden, da der Referent, Herr Halberstadt, am Erscheinen verhindert ist. Es wird beschlossen, in Bälde eine Repräsentantensitzung abzuhalten, die sich ausschließlich mit diesen Fragen beschäftigt. Der Jsop (Köln) werden 100,— Mark bewilligt. Kassel. (Synagogen-Jubiläum.) Die im hiesigen Bezirk gelegene Gemeinde L e i s e f ö r t h, die zurzeit nur noch fünf Familien zählt, früher aber eine eigene jüdische Volksschule besaß, beging am vorletzten Sonntag unter Beteiligung vieler auswärtiger Gäste das 75 jährige Bestehen ihrer Synagoge. Gebefreudige Herzen hatten die Restaurierung des Innern des Gotteshauses ermöglicht, in dem am Festtage ein feierlicher Gottesdienst abgchalten wurde. Dabei sprach Landrabbiner Dr. Walter aus Kassel über die Jakobsworte: „Wie ehrfurchtsvoll ist dieser Ort..während bei der dem offiziellen Festakt folgenden geselligen Feier die als Gäste anwesenden Lehrer Katz und Werthcim Ansprachen hielten. Der zuständige Landrat Dr. Schuster aus Melsungen wohnte dem Synagogen-Jubiläum bei. Kassel. (Hohes Alter.) Letzten Mittwoch konnte das älteste Mitglied der hiesigen Gemeinde, Frau Betti Grünbaum, in beachtenswerter körperlicher und geistiger Gesundheit ihren 95. Geburtstag im Kreise bcr Familie und unter reger Anteilnahme vieler Bekannter begehen. Die Greisin nimmt an allen Tagesereignissen noch den lebhaftesten Anteil. Kassel. (Aus der Gemeinde.) Zur Bestreitung der Kosten für die Herrichtung eines neuen Friedhofs will die hiesige Gemeinde eine Anleihe von 100 000 RM. ausnehmen. In einer Gemeinde- Versammlung, die letzten Donnerstag von dem Vorstand in das Hotel Meier «unberufen worden war, wurde diese Frage erörtert. Königsberg, Pr. (Vortrag über die Judenfrage in einer A n g e st e l l t e n o r g a n i s at i o n.) Auf Einladung der Fachgruppe der Genossenschastsangcstellten im Zentralverband der Angestellten hielt in einer gutbesuchtcn Versammlung im Gewerkschafts- Hause in Königsberg Syndikus S a b a tz k y einen Vortrag über das Thema: „Ter Kampf der Juden um ihre Gleichberechtigung". Der Referent schilderte zunächst die Entwicklung des deutschen Judentums, ging auf die ersten jüdischen Niederlassungen am Rhein und die berufliche Tätigkeit der Juden ein, um dann die ersten Judenverfolgungen während der Kreuzzüge zu erwähnen. Sodann ging er speziell auf die preußischen Verhältnisse ein. Der Große Kurfürst habe Juden direkt in die Provinz Ostpreußen geholt, um sich ihrer wirtschaftlichen Kräfte zu bedienen. Er schilderte dann die Judengcsetzgebung zur Zeit Friedrichs des Großen, ihre moralische und wirtschaftliche Bedrückung durch Geleitzoll, Silbcrakzise, Porzellanexportationsstcuer und ähnliche Abgaben. Sodann behandelte er die Emanzipationskämpse, an denen auch die Königsberger Jüdische Gemeinde in vorbildlicher Weise teilgcnommen habe. Nach der Schilderung der Entwicklung im 18. Jahrhundert gab der Redner noch einen kurzen Ueberblick aus die Vorkriegszeit, ging dann auf den Antisemitismus unserer Tage ein und wies besonders die Vorwürfe auf wirtschaftlichem Gebiet zurück, daß die Juden die Träger des Kapitalismus und Bolschewismus seien und daß sie Politik und Presse beherrschten. Mit bem Wunsche nach einer Versöhnung der einzelnen Bevölkerungsklassen schloß der Vortragende seine Ausführungen. Krefeld. (Todesfall.) Unsere Gemeinde hat wiederum eine wertvolle Persönlichkeit verloren: den bisherigen Vorsitzenden des Gemeindevorstandes, Herrn Gustav Cohn. Wohl ein Vierteljahrhundert gehörte er Gemeindevertretung und Vorstand an. Seit Jahren war er als ihr erster Vorsteher erfolgreich bemüht, allen Parteiungen vorzubeugen und die Gemeindeeinrichtungen mustergültig zu gestalten. Seit der Schaffung des Preußenverbandes gehörte er ihm als Abgeordneter an. Erst kürzlich legte er diese Ehrenämter nieder. Geschäftliches Mißgeschick, durch die Kriegssolgen verursacht, zermürbte den hochbefähigten Mann und vordem so erfolgreichen Kaufherrn. — Hohes Verdienst hatte er sich auch um die Nicderrhein-Log e erworben, deren Präsident er in den notvollen Kriegsjahren gewesen und deren Beteiligung an der Linderung der Bolksnot er nach Kräften gefördert hatte. — In patriarchalischer Weise sorgte er für seine Angestellten, die ihm in ungewöhnlicher Weise zugetan waren und die ihn in, einer Weise betrauern, wie dies einem Arbeitgeber nicht allzuhäufig widerfahren mag. — 62 Jahre zählte Gustav Cohn, als er von Familie und Gemeinde schied. Nach dem Wunsch der Angehörigen sollte die Beisetzung in aller Stille erfolgen. Trotzdem hatte sich eine ungewöhnlich zahlreiche Trauergemeinde zusammengefunden, die dem verblichenen Führer der Gemeinde letzten Dank und letzte Ehrerbietung eriveisen wollte. Krefeld. (Aus dem Gemeindclebcn.) Der Vorstand unserer Gemeinde hat dadurch eine Aenderung erfahren, daß der stellvertretende Vorsitzende, Herr Jakob Gompertz, den Vorsitz, Rechtsan-