Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 47 (23.11.1928)
- Date
- 1928-11-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Problem ber religiösen Ehescheidung in London. Der Jewish Board os Deputies hat sich in der letzten Zeit viel mit dem Problem der Ehescheidung nach jüdischem Gesetz beschäftigt. Eine große Schwierigkeit bietet die Frage, wie zu verfahren sei, wenn das Zivilgericht die Auflösung der Ehe eines jüdischen Paares ausgesprochen hat, und der Mann sich dann weigert, in die Scheidung nach lüdischem Gesetz einzuwilügen. Nach! dem jüdisch-religiösen Gesetz besteht eine solche Ehe weiter, und keiner der beiden Teile darf eine Ehe mit einer anderen Person eingehen. Ter Rabbiner der Liberalen Synagoge, Rabbi Mattuck, griff in diese Diskussion ern, indem er in einem Schreiben an „Jewish Ehronicle" mitteilt, daß die Liberale Synagoge eine vom Zivilgericht ausgesprochene Ehetrennung als bindend ansieht und der geschiedenen Gattin eine Wiederverehelichung nach jüdischem Ritus gestatte^ auch wenn der Gatte sich einer religiösen Scheidung widersetzt. In jüdisch-orthodoxen Kreisen wird die Liberale Synagoge wegen dieser ihrer Haltung natürlich wieder sehr scharf angegriffen. Wir aber begrüßen diese klare Stellung unserer englischen Freunde. Noch immer Klagemauerstreit. Ter am Versöhnungstag dieses Jahres aufs neue entfachte Streit zwischen Arabern und Juden an der Klagemauer in Jerusalem hat in den letzten Wochen fortgesetzt neue Verschärfung erfahren. Während von de» Juden versucht wird, durch die Quantität von Protestresoluttonen die Frage zu lösen, versuchen die Araber durch Gewaltstreiche die Situation zu ihren Gunsten zu entscheiden. Nachdem die Moslemiten vor kurzem an der linken Seite der Mauer Bauarbeitcn durch geführt und auch über der Mauer ein kleines Gebäude errichtet hatten, haben sie nun begonnen, auch an der rechten Ecke der Mauer Gebäude zu errichten. Tas eine Gebäude soll ein geistliches Hospiz, das andere Gebäude ein Greifen-Asyl beherbergen. Fünf Mal am Tage erscheint jetzt der Muezzin (mohammedanischer Geistlicher, der in den Mineretts zum Gebet ruft) an der Spitze der Ktagemauer, gerade über der Stelle, wo der Oraun Kaudesch angebracht ist, und ruft die Moslemiten zum Gebet aus. Unter den Juden Jerusalems und ganz Palästinas haben diese neuen Gewaltstreiche der Araber, insbesondere die Verhöhnung der jüdischen Andacht durch die dazwischen tönenden Ruse des Muezzin, große Erregung und Empörung hervorgerufen. Sowohl in den neuen Bauausführungen, als auch in der an dieser Stelle noch nie in Erscheinung getretenen Ämtierung des Muezzin wird eine eklatante Verletzung des status quo an der Klagemauer erblickt. Tie Judenschast legte bei dem Tistrittskommistar von Jerusalem Protest ein: dieser versprach, die Angelegenheit eingehend zu prüfen. Taß es btt dem gespannten Verhältnis zwischen Arabern und Juden fortgesetzt zu neuen Reibungen um die Klagemauer kommt, ist nicht verwunderlich. Wir versagen es uns, hier jeden Einzelfall zu registrieren, zumal die genannte Institution der Klagemauer dem Denken des an westeuropäische Formen gewöhnten religiösen Juden nur schwer zugänglich ist. Erwünscht wäre ttne baldige Schlichtung des Streites von einer neutralen Instanz, die die Berechtigung der von beiden Sttten geltend gemachten Ansprüche objektiv abzuwägen imstande ist. Leider haben die maßgebenden neutralen Instanzen zunächst versagt. Ueber die Beratungen in der Mandats-Kommission des Völkerbundes wird ern Bericht dem Völkerbundsrat erst während seiner Sitzung im März 1929 vorgelegt werden. Einstweilen weiß die Jüdische Telegraphen-Agentur nur zu melden, „daß die Mandatskommission über die den betenden Juden an ihrer heiligsten Stätte am Bersöhnungstage geschehene Unbill ihr lebhaftes Bedauern ausgedrückt und ferner die Hoffnung ausgesprochen hat, daß, es der britischen Regierung gelingen wird, eine gerechte und beide Teile befriedigende Lösung zu finden. Ter J.T.A.-Vertrtter erfahrt ferner, daß Mitglieder der Kommission den Vorschlag gemacht haben, angesichts der Wichtigkeit des Gegenstandes sofort ein Kommunique über den angenommenen Bericht zu veröffentlichen. Ter Vorschlag wurde von der Mehrheit der Mitglieder der Mandatskomrnission abgelchnt." Im englischen Unterhaus erklärte der Minister für die Kolonien, Amery, daß die Regierung zur Klärung der Status quo-Frage den Rat der höchsten jüdischen Autoritäten in Anspruch nehmen werde und dem Hause ein Weißbuch vorzulegen beabsichtige, in dem die Maßnahmen der englischen Organe in Palästina ausführlich dargelegt werden. Etwa eine Woche später richtete im britischen Unterhaus erneut Oberst Kenworthy an den Kolonienminister die Frage, ob die Regierung bereits den hohen juristischen Rat über das Vorgehen der Moslemiten in Jerusalem, die unter Nichtachtung des status quo Neubauten an und über der Kohel Maarawi (westliche Tempelmauer) aufführen, eingeholt habe und ob Order gegeben worden sei, daß Neubauten an dieser historischen Stätte verboten werden sollen. Ter Unterstaatssekretär für die Kolonien, Ormsby-Gore, erwiderte: Bevor noch der hohe juristische Rat über die Frage des status quo an der Ktagemauer zu Jerusalem eingeholt werden kann, sind verschiedene Tinge zu klären.! Tie Palästina-Regierung wurde auf telegraphischem Wege um präzise Information über gewisse besondere Punkte ersucht. Es muß vor allen: festgestellt werden, was unter dem status quo, dm wir auf Grund der gewissen Mandatsklausel aufrechterhalten müssen, zu verstehm ist. Kenworthy fragte weiter, wie es kommt, daß die bewegliche Wand, die die Juden am Fuße der Mauer aufstellen,. sofort durch die Poliztt entfernt wurde, während die Araber ungestört Stttnbauten von dauerndem Charakter auf der oberen Mauerschicht errichten dürfen. Ist es da nicht klar, daß wir die eine religiöse Konfession zum Schaden der anderen begünsttgen? Ormsby-Gore: Ties ist gewiß nicht der Fall. Wenn es etwas gibt, das die britische Regierung und die Palästina- Regierung nie zu tun entschlossen sind, so ist es dies: eine Konfession zum> Schaden einer anderen zu begünstigen. Kenworthy: Wird der Kolonienminister diese Antwort der Palästina-Regierung bekannt geben? Ormsby-Gore: Tiefer Standpunkt der Regierung ist immer wieder in Palästina bekannt gegeben worden; er stimmt mit dem Mandat überein. Es wäre unfair, anzudeuten, daß Lord Plumer oder seine Vorgänger je gegen den Geist oder den Buchstaben des Mandats gehandelt haben. Kalendarium f. die Zeit v. 24.11. d. 1.12. 28 November 1928 | Kislew 5689 Sonnabend 24 ' 11 Wochenabschnitt: Waijeze Hastarah: Hosea 12, 13—15, _ 13, 1—15, 14, 1—10 Sabbat-Ausgang: 4.50 Uhr Sonntag 25 12 Montag 26 13 Dienstag 27 14 Mittwoch Donnerstag 28 29 15 16 Freitag HO 17 Dezember 1923 Sonnabend 1 18 Wochenabschniu: Wajischiack Hastarah: Obadsa 1, 1—21 Labbat Ausgang: 4.46 Uhr Werbt neue Mitglieder! Liberale Synagoge Wesiend Ab Freitag, d. 23. November 1928 Regelmässiger Freitagabend- Gottesdienst mit Chor und Predigt Eroiiflungs-Goiiesdienst Freitag, den 23. November 1928 in der Aula Westend, Kastanienallee 12*13 Predigt: Rabbiner Dr. SalOmORSki Liturgie: (Iberkantor Willi. Friedmann Schriftenreihe i Vereinigung l d. li!i. Judentum E. V. Heft Nr. i Die Grundsätze des Jüdisch« religiösen Liberalismus Von Rabbiner Dr. Levvkowitz-Berlin Preis 0.50 Mk. 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Ober die,,' und Eurcpüisierung der Juden oder üudaisierung der christiidien meii“ sagte» i Nein Daher lesen Sie die Sondernummer der ,,Wahrheit" vorn 1. Oktober Vormerkungen nimmt die Administration der „Wahrheit" Prag I Revolucni 3 entgegen. Preis einer Nummer. 0.60 Mark Israelitischer Gottesdienst in Arankfurl/7N. Liberaler Ritus: Hauptsynagoge. Freilag, d. 23. 11., abds. 4.30, Lehrvortrag des Herrn Rabb. Dr. Seligmann. Sonnabend, d. 24. 11., morg. 9, nachm. 4, Ausgang 5.25. Wochengottcsdienst: morg. 7.30, nachm. 4. Sy«agoge Freiherr vom Stein-Straße. Freitag, d. 23. 11., abds. 6, Jugcndgottesdicnst Rabb. Dr. Lazarus. Sonnabend, d. 24. 11., morg. 9.30, Ausgang 5.25. Wochengottesdienst: morg. 7.30, abds. 7. Liberale Blätter Frankfurter Organ für jüdisch-liberale Interessen Aus dem Inhalt der letzt* n Nummer: Dr. E. Gold Schmidt. Eine Aufgabe für das liberale Judentum. Bruno Woyda. Neue Wege. Dr. Philipp Rothbarth. Ist die Kenntnis des Hebräischen notwendig? Herausgeber: „Jli“, Frankfurt am Alain. Zu beziehen kostenlos durch d.Schriftleitg. Frankfurt a. M. Untermainanlage 7 111 T fieöi uns Familien- A me Erste uieiiKonierenz liberaler Junen Reden, Diskussion, Beschlüsse Gründungsversammlung der World Union for Progressive Judaism London, 10.-12. Juli 1926 Preis im Buchhandel 1.80M. Für Mitglieder der Vereinigung, die direkt bei uns bestellen I M. uerslnigyng lür das liberale JlldentUm Berlin bW 4L Wilhelmstr. 147 osamam SutH-UdkmiuthiA unseres neuzeitlichen Systems zur Förderung des Personals suchen wir einige Damen, die geeignel sind, nach etwa halbjähriger Ausbildung den Posten einer n* in einer unserer westdeuischen Filialen zu bekleiden. Die Inslruktorin leitet die in jeder Filiale eingerichtete „Abteilung zur Förderung des Personals", deren Aufgabe es ist, unser Personal für die Anforderungen des modernen Kundendienstes heranzubilden. 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Sonnabend, d. 24. 11., morg. 8.15, Nachmittags- und Abendgottesdienst 4.45. Anwärterinnen über gutes Allgemeinwissen} evil. akademische Vorbildung verfügen, praktisch in großen Einzclhandeisbctrieben tätig waren oder sonst kaufmännisch praktisch durdigebildet sind, mindestens aber Verständafc für die Praxis des Einzelhandels und die Fähigkeit haben, sich einer großen Arbeitsgemeinschaft einzugliedern und auf Gruppen erwachsener Menschen erzieherisch einzuwirken. I eweibungen mit handgeschriebenem Lebenslauf, neuerem Limibild, Zeugnisabschriften und Angabe des jetzigen Einkommens erbeten an Leonhard Tietz Aktien-GeseJIsdiaft / Köln a. Rh. Zentral-Verkaufsleitung. e. 18., Berlin SW. 48. — Verantwortlicher Redakteur: Dipl.-Jng. Bruno Woyda, Berlin NW. 23. — Druck: Hermann Wegner & To., Berlin-Mariendorf. 3606 ^9999999999999999999399999999999999999 99999999999999999999999999999999999995 7744799