Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 47 (23.11.1928)
- Date
- 1928-11-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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damit wir unimit Recht at* die Bekenner der Religion der Propheten rühmen dürfen (Norden). Claude G. Montefiore hat durch die Schaffung des Weltverbandes ein Stück solcher friedenfördernden Arbeit vollbracht. In treuer Gefolgschaft soll das liberale Judentum aus dem gleichen Wege vorwärts schreiten. Umschau 12 jüdische Nobelpreisträger. Mit der Verleihung des Nobelpreises an Professor Henri Bergson ist die Zahl der jüdischen Nobelpreis-Träger auf 12 gestiegen. Der erste Jude, der (19071 den Nobelpreis erhielt, war Professor Albert Abraham Mich elf on von der Universität Chikago, der berühmteste amerikanische Physiker; seine Experimente werden als der Ausgangspunkt von Einsteins Relativitätstheorie angesehen. 1908 erhielt der Physiker der Sorbonne, Professor Gabriel Lippmann (gestorben 1918), den Nobelpreis. Den Nobelpreis für Chemie im Jahre 1910 erhielt Professor Otto Wallach von der Universität Göttingen (gestorben 1920). Professor Richard Millstätter, heute die erste Autorität auf dern Gebiete der organischen Chemie, wurde 1915 mit dem Nobelpreis gekrönt. Er war Professor an der Universität München, die er vor einigen Jahren wegen des in Bayern herrschenden reaktionären Geistes verließ. 1918 erhielt den Nobelpreis für Chemie der Professor an der Universität Berlin Fritz Haber, einer der größten Chemiker der Gegenwart, für seine Arbeiten über die Synthese von Ammoniak. In dem gleichen Jahre wurde Professor Paul Ehrlich (gestorben 1915), einer der größten medizinischen Entdecker, mit dem Nobelpreis gekrönt. 1921 endlich erhielt Professor Albert Einstein, der geniale Schöpfer der Relativitäts-Theorie, den Nobelpreis' für Physik. 1911 wurde das Mitglied des holländischen Staatsrats Tobias Michael Carel Asfer (gest. 19131 mit dem Nobel-Friedenspreis gekrönt, den auch ein anderer Jude, Alfred 5). Fried (gestorben 1921) im Jahre 1911 erhielt. 1922 erhielt Prof. Tr. Otto Meyerhof, seit 1924 Mitglied des Kaifer Wilhelm-Jnstitutes für Biologie in Berlin für seine Forschungen über die Energieumwarrdlung im Muskel den Nobelpreis. 1926 erhielt den Nobelpreis für Physik der Professor der Universität Göttingen, James Franck, für seine Forschertätigkeit auf dem Gebiete der Atom-Theorie. — Jüdischen Ursprungs waren die Nobelpreis-Träger Elie Metschnikoff, Henri Moissan und der berühmte deutsche Elektro- Physiler Gustav Hertz. Tie Presse aller Länder hat ihre Zufriedenheit über die Verleihung des Nobelpreifes an den großen Denker Henri Bergson Ausdruck gegeben. Der Philosoph der Berliner Universität, Dr. D. Baumgardt, schreibt im „Berliner Tageblatt": „Henri Bergson ist unzweifelhaft noch heute der repräsentativ bedeutsamste Denker Frankreichs, ja vielleicht der europäischen Philosophie überhaupt". Bezeichnend ist, daß auch die berüchtigte rassenantisemitische „Deutsche Zeitung" ihrer großen Zufriedenheit über die Auszeichnung Bergsons mit folgenden Worten Ausdruck verleiht: „Diese Auswahl der Nobelpreise kann nur begrüßt werden. Ter französische Philosoph Henri Bergson hat auch für Deutschland eine wichtige geistige Rolle gespielt." Die Hilfe des Preußischen Landesverbandes. Am 14. November fand eine Sitzung des Sribventionsausschusses des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden unter dem Vorsitz des Herrn Rechtsanwalt Tr. Klee statt. Ettva 40 Gesuche konnten, soweit es die Mittel des Landesverbandes irgend zuließen, berücksichtigt werden. Nur einige wenige mußten zurückgestellt werden, da die Verhältnisse noch nicht genügend geklärt erschienen. Eine Reihe von Gemeinden erhielt Beihilfen oder Darlehen zur Durchführung dringendster Ausbesserungsarbeiten an Synagogen und Friedhöfen, einige Beamte und Beamtenwitwen laufende Ruhegehaltszuschüsse. Als sehr wesentlich ist die Durchführung der sogenannten Ostpreußenhilfe anzusehen, die in Gegenwart des Vorsitzenden des Verbandes der Synagogengemeinden der Provinz Versammlungskalender Berlin-Neukölln. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V., Bezirksgruppe Neukölln. Montag, den 26. November 1928, 20.45 Uhr, spricht im Restaurant Kottbuser Klause» S. 59, Kottbuser Damm 90, Studienrat Dr. Gutmann (Repräsentant der Jüdischen Gemeinde zu Berlin) über: „Warum sind wir liberale Juden?" Aussprache. — Geselliges Beisammensein. Gäste herzlich willkommen. Breslau. Jli „Abraham Geiger". Vereinslokal: Großer Saal der „Sozialen Gruppe", Kaiser Wilhelmstraße 16. Mittwoch, den 28. November, 20.15 Uhr, spricht der Dozent am hiesigen jüdisch-theologische« Seminar, Herr Dr. Albert Lewkowitz, über: „Marlin Bubers Forderung nach Erneuerung des Judentums (Sinn und Bedeutung)". Wir erwarten bei der Bedeutung des Vortragenden recht zahlreichen Besuch unserer Mitglieder. — Freitag, den 30. November, 20.30 Uhr, veranstaltet die Synagogen-Gemeinde auf unsere Anregung einen Freitag-Abend-Eottesdienst in der Wochentags-Synagoge der Neuen Synagoge Am Anger für die reifere Jugend. Die Mitglieder des Jli erscheinen vollzählig. Gebetbücher stehen zur Verfügung. Liegnitz. Donnerstag, 29. November 1928, abends 20.30 (8.30) Uhr, im Saal der Braukommune, Versammlung aus Anlaß der bevorstehenden Repräsentantenwahlen; Referent: Rechtsanwalt Erich Spitz, Breslau. * Gottesdienste O-f tfiC »f DGchG Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Freitag, den 23. November 1928, 19.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Professor I. Friedländer. Sonnabend, den 24. November, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Berlrn-Westend. Verein Liberale Synagoge Westend, Kastanienallee 12-13 (Schulaula), am Reichskanzlerplatz. Jeden Freitagabend liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr pünktlich. Eröffnungs-Gottesdienst, Freitag, den 23. November, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonfki. Freitag, den 30. November, Predigt: Rabbiner Dr. Galliner. Vevlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Aula der Cäcilienschule, Nikolsburger Platz): Jeden Freitagabend liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr pünktlich. Freitag, den 23. November, Predigt: Rabbinatskandidat Dr. Pincus. Freitag, den 30. November, Predigt: Rabbinatskandidat Dr. Pincus. Ostpreußen, Herrn Arthur Cohn-Königsberg i. Pr. eingehend besprochen wurde. Bekanntlich hat der Landesverband einen Betrag von 15 000 Rm. in den Haushaltsplan eingesetzt, der dazu dienen soll, der überaus schweren Lage, in der sich die ostpreußischen Kleingemeinden und mit ihnen deren Beamte befinden, abzuhelfen. Vom Ostpreußischen Provinzialverband war ein ausführlicher Verteilungsplan ausgearbeitet worden, der den Beratungen zugrunde gelegt wurde. Ter Ausschuß billigte die Grundsätze, nach denen der Provinzialverband die Verteilung vornehmen will, und nahm den Vorschlag ohne Abänderung an. Tie bewilligten Mittel reichen leider nicht aus, um alle Wünsche restlos zu befriedigen. Dennoch kann angenommen werden, daß denen, die in den Genuß dieser Sonderbeihilfe kommen, ein gutes Stück weitergeholfen wird. Einen weiteren Gegenstand der Besprechung bildete die Krankenfürsorge der Kultusbeamten. Es konnte zwar mangels hinreichender Unterlagen noch nicht eingehend dazu Stellung STOLiWERCfrf billig, 1 iDohlSchmeckeiui. nahrhaft. genommen werden, doch wurde von allen Mitgliedern der Erwartung Ausdruck gegeben, daß es unbedingte Pflicht der Gemeinden oder gegebenenfalls der Provinzialverbände sei, für die Aufnahme der Beamten in Krankenversicherungen Vorsorge zu treffen. Diejenigen Beamten, die nach den Vorschriften der Reichsversicherungsordnung oder des Angostelltenversicherungsgesetzes versicherungspflichtig sind, müssen unbedingt bei den zuständigen Versicherungen angemeldet werden. Mit Bedauern wurde davon Kenntnis genommen, dah eine Reihe alter verdienter Beamter in Krankheitsfällen ganz M.f sich selbst angewiesen sei, da sie keiner Krankenkasse angchörrn, und ihre Gemeinden vielfach zu leistungsschwach seien, i-.ci ihnen nennenswerte Unterstützungen zuteil werden zu lassen. Revisionisten für Wedgwoods Plan. Tie in Tel Aviv unter der Teilnahme Jabotinskys abgehaltene Konferenz der Zioniften-Revisionisten ganz Palästinas hat eine Resolution angenommen, in der der Plan des britischen Parlamentariers und Arbeiterführers Colonel Josiah C. Wedgwood, Palästina in ein britisches Dominion umzuwandeln (Wedgwood hat dieser: Plan in seinem Buch „The seventh Dominion" ausführlich dargelegt), begrüßt wird. In einer zweiten Resolution wird die Judenheit Palästinas aufgefordert, eine eigene politische Wirksamkeit zu entfalten und eine permanente Vertretung in London zu erhalten. Der gerettete Christus. Das gegen den Religionsphilosophen Werner Hegemann, den Verfasser des Werkes „Der gerettete Christus", wegen Gotteslästerung eingeleitete Verfahren ist nun eingestellt worden. Das Verfahren gegen Hegemann hat in der deutschen Öffentlichkeit viel Aufsehen erregt. Werner Hegemann, Pfarrersenkel und -bruder, hat ein Christusbuch geschrieben, in dem er das Faktum der Kreuzigung Christi bestreitet, dagegen leugnet er nicht seine Existenz. Nach seiner Darstellung verdankt die Gestalt des Barrabas einem Schreibfehler ihre Existenz. In den aramäischen Urschriften wurde das Wort „Barnasch" gleich Menschensohn, das sich im Talmud findet, fälschlich „Barwasch" gelesen, woraus dann „Barbas" und „Barrabas" geworden ist. In Wirllichkeit hätte das Volk von Pilatus die Befreiung von „Barnasch" (Menschensohn, wie sich Christus nannte) verlangt, nicht aber des Barrabas, der gar nicht existiert. Christus lehrte und lebte dann weiter, bis er eines natürlichen Todes starb. Hegemann geht es darum, nachzuweisen, daß das Heil der Menschheit nicht durch Blutopfer zu erkaufen sei. Objektiv geht aus seiner Darstellung hervor, daß das Volk von Jerusalem nicht die Kreuzigung Christi, sondern dessen Befreiung herbeigeführt hat. Theodore Reinachs Hinterlassenschaft. Ter berühmte französischfüdische Gelehrte Theodore Reinach hat in seinem Testament bestimmt, daß seine Villa bei Beaulieu-sur-Mer in ein Erholungsheim für Schriftsteller umgewandelt wird. Diese Villa bestcht aus etwa 70 herrliche eingerichteten Räumen. liner Hofbühne kam, ist also leicht zu verstehen. Eher kann die Aufführung unter Friedrich Wichelm IV. Verwunderung erregen. Indessen, der „Romantiker auf dem Throne" war unberechenbar, hatte freudige Hoffnungen und frecheitliche Erwartungen geweckt, und dem Generalintendanten von Küster erschien der Struenseestosf nicht mehr schlechthin als ein Blümlein Rührmichnichtan. Wenn er in München mch Dresden keine Verheerungen angerichtet hatte, weshalb sollte er in Berlin Gefahren heraufbeschwören? Also glaubte sich Heinrich Laube trotz der früheren Ablehnung des Beerschen Stückes zuversichtlich am Ziel seiner Wünsche. Aber es sollte anders kommen. In Berlin lebte zwar nicht mehr Michael Beer, dessen Trauerspiel „Der Paria" Goethes Beifall gefunden hatte; er war schon jung, im Jahr 1833, gestorben; aber seine greise Mutter lebte, und ihr Erstgeborener lebte nicht nur, sondern .war berühmt und vom kunstsinnigen König umworben. Amalie, die Tochter des „Berliner Krösus" Liebmann Meyer Wulf, die der Bankier Jakob Herz Beer geheiratet hatte, war die gute Fee der gastlichen Tiergartenvilla gewesen, in der Gelehrte, Künstler und Menschenfreunde sich ein Stelldichein gaben. Heinrich Heine hat ihre aus seltener Herzensgüte und tief religiöser Ueberzeugung entsprungene werktätige Liebe bezeugt: „Kein Tag", so schrieb er, „vergeht, ohne daß sie einem Armen geholfen hat; ja, er scheint, als könne sie nicht ruhig zu Bette gchen, bevor sie nicht eine edle Tat vollbracht. Dabei spendet sie ihre Gaben an Bekenner aller Religionsgenossenschaften, an Juden, Christen, Türken, sogar an Ungläubige der schlechtesten Sorte. Sie ist unermüdet im Wohltun und scheint dies als ihren höchsten Lebensberuf anzusehen." Sie war stolz auf ihre Söhne und durste es sein. Michaels Werke bewahrte sie als ein heiliges Vermächtnis; Jacobs Laufbahn — er hatte von dem Großvater Meyer ein Riesenvermögen geerbt gegen die Verpflichtung, sich fortan Meyerbeer zu nennen — verfolgte sie mit erregter Anteilnahme. Vor der Uraufführung seines „Robert der Teufel" in Paris wurde chm ein Brief überreicht mit der Aufschrift: „Erst nach der Aufführung zu öffnen." Es war der Segensspruch von der Hand der Mutter: „Der Herr segne Dich, der Ewige behüte Dich, er lasse sein Antlitz Dir leuchten und gäe Dir seinen Segen." Meyerbeer hat das Blatt als Talisman auf dem Herzen getragen bis zu seinem Tode. Aber die Liebe der Mutter galt wie dem lebenden, so, dem toten Sohne, und als es hieß, Laubes „Struensee" sei von der Jntendenz angenommen worden, wandte sich die Greisin am 31. März 1846 mit einem Bittgesuch an den König, worin sie als Gnade erbat, Michaels einst abgelehntes Stück, zu dem Meyerbeer inzwischen die packende Musik geschrieben hatte, zur Aufführung zuzulassen. Bald darauf I hatte Meyerbeer, der Generalmusikdirektor und Ritter des Ordens pour le merite, Anlaß, an Friedrich Wilhelm IV. ein Dankschreiben zu richten: „Ein Beweis ber Huld hat mich nach dem andern beglückt, und noch neulich haben Euer Majestät in allerhöchst Dero unerschöpflichem Wohlwollen eine der tiefsten Saiten meines Herzens auf das innigste berührt. Die Liebe zu meiner von mir hochverehrten achtzigjährigen Mutter, zu meinem verklärten Bruder hat bei Euer Majestät die huldvollste Pflege gefunden: denn nur allerhöchst Dero unmittelbaren Vermittlung und Befehl habe ich es zu danken, daß meines Bruders Trauerspiel „Struensee" auf die hiesige Bühne verpflanzt werden durfte. Euer Majestät Huld hat die Tränen meiner hochbejahrten Mutter um den zu früh verlorenen Sohn mit denen der Freude über den Triumph gepaartz den der erhabene Monarch dem Andenken des dahingeschiedenen Dichters bereitete." So groß die Freude und Dankbarkeit des Bruders und der Mutter war, so leidenschaftlich der Zorn und Neid des dichterischen Wettbewerbers, der sich ungerecht zurückgesetzt fühlte. Laube gibt in der Einleitung zur Buchausgabe seines „Struensee" dieser Sttmmung ungehemmten Ausdruck. Er stellt die Vorgeschichte der Berliner Aufführung folgendermaßen dar. Vor etwa zwanzig Jahren habe Michel Beer — er glaubt den Vornamen Michael in „Michel" verwandeln zu müssen — den Struenseestosf behandelt. Meyerbeer habe diesen Stoff offenbar als „eine Art Familienmajorat" verwerten zu müssen geglaubt und Belagerungslaufgräben gegen Laubes Stück gezogen. Es sei „Konkurrenz im alltäglichsten Sinne des Wotts" gewesen. „Mein Stück wurde von der Intendanz angenommen, die Staatsbehörde verbot aber die Aufführung aus Rücksicht für Dänemark. Umsonst suchte ich gellend zu machen, daß ja alles, was für die dänische Königsfamilie verfänglich sein könne, auf das Vorsichtigste behandelt oder umgangen worden sei. Das Stück blieb vevboten, trotzdem es sich mehr als das Michelbeersche von allen grellen Verhältnissen und Motiven der wirklichen Geschichte entfernt gehalten." Nach zweijährigen Bemühungen habe im Frühjahr 1846 eine Kabinettsordre die Aufführung gewährt. Me Intendanz setzte die Aufführung zum Herbst an. Aber Herr Meyerbeer sei kein gewöhnlicher Geschäftsmann. „Unplötzlich erscheint ein Ministerialbefehl: Da Struensee durch Käbinettsordre erlaubt sei, so solle der »von Michel Beer vor dem von Laube aufgführt werden." Und daun glaubt Heinrich Laube seinem arisch-germanischen Herzen gründlich Lust machen zu müssen, wie folgt: „Ein fremdes Element dringt neuerer Zeit überall in unsere Bahnen, auch in die der Literatur. Dies ist das jüdische Element. Ich nenne es mit Betonung ein fremdes; denn die Juden sind eine von uns total verschied encorientalischeNation heute noch, wie sie es vor zweitausend Jahren waren. Ich gehöre keines- »vegs zu den Gegnern der Judenemanzipation, im Gegenteil, ich dringe auf eine möglichst radikale; ich finde es tief fehlerhaft, der Emanzipation nicht alle ersinnlichen Wege zu öffnen. Denn als Mitmenschen haben die Juden alle Ansprüche auf menschliche, will sagen bürgerliche Rechte, und was uns an ihnen stört, das ist eben das Fremde, welches nur durch gründliche Einheimsung der Juden unter uns verwandelt werden kann. Das Nichtemanzipieren beläßt sie fortwährend in einem Zustand der Belagerung, und der Belagerte bleibt Feind und verteidigt sich instinktmäßig mit allen möglichen Waffen, also auch in diesem Falle besonders mit den von ihm natürlichsten einer uns wild fr em den Nationalität. So erhalten wir gerade das lebendig in den Juden, was uns gründlich zuwider ift; alle die innerlichsten Lebensmaximen, die uns hundertfach und schreiend widerstreben, werden durch unsere halbe Abwehr aufrecht erhalten im Charakter der Juden. Entweder wir müssen Barbaren sein und die Juden bis auf den letzte» Mann austreiben, oder wir müssen sie uns einverleiben. Letzteres geschieht unausbleiblich, und somit ist cs unsere heilige Pflicht, wiederholt und schonungslos aufzudecken, was in ihre» innerlichsten Lebensmaximen zu uns nicht paßt, und was wir, was sie nach Kräften mildern müssen, da doch niemand sich völlig ändern kann. Ein solches Etwas des fremden Judentums liegt hier vor und schiebt sich zudringlich in die deutsche literarische Welt, wie denn jeder Schriftsteller in seinem Bereiche jetzt schon mit Leichtigkeit solch ein Eindringen jüdischer Maxime» Nachweisen könnte und meines Erachtens jetzt Nachweisen sollte, da der Ueberdrang des jüdischen Moments bedenklich wird für unsere nationalen Eigenschaften. Dies Etwas ist hier eine bereits tief verzweigte Maxime des Berliner Judentums." Es folgen Betrachtungen über Berlin, dessen Hauptstadtcharakter viel mehr ein gemachter als ein innerlich aus Lage und Landschaft entsprungener sei, und über das Judentum in der Literatur, das „fremde Element in deutscher Literaturwelt". Wobei Bert hold Auerbach als Ausnahme gnädiglich anerkannt wird. „Er ist ein redendes Zeugnis, daß sich der hingebende Jude unter uns gründlich deutsch nationalisieren kann. Freilich wird dies nicht leicht im oberflächlichen Betreibe des großstädtischen Lebens geschehen können. Auerbach hat auch die Lösung der schweren Ausgabe nicht in der Lungerei des Kaffeehaus- und Börsentreibens, sondern in der keuschen Einsamkeit des Landlebens gefunden." (Schluß folgt.)