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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-11-23 · 47 (23.11.1928) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
47 (23.11.1928)
Date
1928-11-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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gewandt. Es genügt nicht, daß sich das Judesein in dem Bekenntnis zum Glauben erschöpft; und zumal zum jüdischen Führertum gehört mehr als allgemeine-politisches Verständnis und taktisches Geschick, gehört — eben „Jüdischkett": Das Bewußtsein der gemeinsamen mehrtausendjährigen Geschichte in gemeinsamen Leiden und gemeinsamen idealen Zielen; der Wille, Dienst am Judentum zu leisten, es zu erhalten und fortzupflanzen (Blau). Dazu tut Gemeinschaftsgefühl not. Denn nur mit ihm kann das Judentum seinen Weg gehen. Doch welcher Art muß die Gemeinschaft sein, wenn sie zur Einheit der Menschheit, dem letzten Ziele des Judentums, führen soll? Ist es „Weg oder Umweg", wenn die jüdisch-nationalen Gedankengänge die Wiederherstellung der einstigen jüdischen Nation als Voraussetzung für eine Erfüllung der jüdischen Bestimmung erachten? Wir sehen darin einen Umweg. Das Judentum muß mitten unter den Völkern seine Botschaft vollführen. Darum muß liberales Judentum als intensiviertes Judentum verstanden werden, das im Bewußtsein der Verbundenheit aller Juden Dienst am jüdischen Menschen verrichtet, aus Thora, aus Psalmen und Propheten immer neues lÄendiges Menschheitsgut zu geben weiß, unter warmer Pflege des Hebräischen im Gottesdienst die Verbundenheit der geeinten Gottesgemeinde bewußt erlebt und durch jüdisches Leben im Hause auch in die persönlichsten Beziehungen verankert (Stern). Es entspricht der freiheitlichen Grundlage des Liberalismus, daß er auch für die jüdische Gemeinschaftsform der Gemeinde und der Verbände jeden Zwang ausschließen möchte. Die Weimarer Verfassung hat mit ihrem Artikel 137 das Verhältnis zwischen „Gemeinden und Staat" nicht in völliger Klarheit gelöst. Der Versassungsentwurf des Preußischen Landesverbandes hat die Selbstbestimmung der Gemeinden in mannigfacher Hinsicht durch Einräumung von Rechten an den Staat eingeschränkt. Vom liberalen Standpunkt aus kann das nicht gutgeheißen werden; religionsbildende Kraft wohnt der Gemeinschaft nur inne, wenn sie aus eigener Kraft zusammengehalten wird (Lilienthal). Wehren muß sich aber der Liberalismus gegen den von orthodoxer Seite unternommenen Versuch, mit Hilfe des Staates die Einheit des Judentums zu sprengen, indem man die liberalen Juden als außerhalb des Judentums stehend bezeichnet. Hier ist „ein liberales Gutachten als historisches Dokument" zu verzeichnen, das neben anderen wichtigen Feststellungen aufgrund der Religionscodices nachweist: „Es gibt im Judentum keinerlei innerkirchliche Vorschriften, nach denen bei Vorliegen bestimmter Gründe ein Jude aus der Judenheit ausgeschlossen werden kann, so daß er aufhört, Angehöriger der Glaubensgemeinschaft zu sein." (Freudenthal.) Man mag zur Reformgemeinde in Berlin stehen, wie immer man wolle: man darf den zu ihr gehörigen Glaubensgenossen nie und nimmer die Zugehörigkeit zum Judentum streitig machen. Wenn sie das Aufgeben aller jüdisch-religiösen Lebensformen fordert, die den Juden, den Vertreter der Menschheitsreligion, zu einer Exklusivität zwingen, weil dadurch jede religiöse Wirksamkeit unter den anderen unmöglich gemacht würde: auch diese Auffassung geht von einer aufrichtigen und innigen Liebe zur Religion der Propheten zurück. „Der dritte Jesaja", wie ihn die Bibelkritik wegen seiner Stellung im Buche Jesaja nennt, erhebt die Forderung, daß Israel als „Missionar der Gottesiüee" sein Bethaus zu einem Bethaus für alle Völker erweitere und „als einzigen wahren Gottesdienst... den Gottesdienst des Herzens, den Gottesdienst des Lebens" halte. (Lehmann.) Hier spielen die Betrachtungen hinüber zu den Fragen praktischer Lebensgestaltung im Sinne des liberalen Judentums. Es war an anderer Stelle auf die Aufgabe hingewiesen, das messianische Zeitalter herbeizuführen, die uns als eine der bedeutsamsten des Judentums erscheint. Sie ßeht im Zusammenhänge mit dem Probleme des Leids, das nach unserer Auffassung zu einem gewichtigen Teile Problem des Menschenlebens ist, nicht Problem der Gottesauffassung. So wird uns „Soziale Arbeit" eine jüdisch-religiöse Pslicht, denn sie ist dazu bestimmt, den Menschen zu Helsen, menschenwürdiger zu sein, menschenwürdiger zu lttren. Die überlieferte Form vom Geben aus dem „guten jüdischen Herzen" muß unter neuen Verhältnissen gewandelt werden, denn sie hat viele Menschen in ihrer Unwürdigkeit bestärkt, 'tatt sie zu heben: soziale Arbeit führt die Menschen zusammen, während die „Wohltätigkeit" sie trennt. Besondere soziale Arbeit soll an der Jugend geleistet werden, der in Jugendheimen Bodenständigkeit in der jüdischen Gemeinschaft vermittelt werden muß (Paula Ollendorff). Lebhafte Aufmerksamkeit muß unablässig dem Gottesdienste gewidmet werden: er soll in gleicher Weise Ausdruckssorm für die persönliche Frömmigkeit wie für das Bewußtsein der Zugehörigkeit zur Gemeinschaft bedeuten. Wenn vom liberalen Standpunkt Reformierung gefordert und durchgeführt wurde, so stützt sich auch dieses Recht auf weit zurückliegende Vorbilder: Eine Untersuchung über „M a h a r i l s Stellung zur Gebetfassung" zeigt, daß auch dieser Lehrer (gest. 1427 in Worms), den niemals jemand als Umstürzler bezeichnet hat, sich manche Eigengestaltung der Gebetsordnung aus persönlicher Ueberzeugung gestattet hat; dabei überwiegen Streichungen und Kürzungen die Zufügungen. Seine Stellungnahme zur Fortentwicklung des Gebets zwecks Förderung des persönlichen Empfindens der Beter, zur Beteiligung der Beter am Gottesdienste, besonders zur religiösen Beteiligung der Kinder, kann auch heute noch manche Anregung für eine lebendige Gestaltung des Gebetes geben. (Levi.) Welche Schwierigkeiten solcher Verlebendigung des Gottesdienstes in den Anfängen des Liberalismus entgegentraten, das lehren u. a. „die Anfänge der deutschen Gebetsübersetzungen". Schon die Tatsache der Uebersetzung, die noch weit entfernt davon war, die Einführung deutscher Gebete anzustreben, rief heftigen Kampf hervor. Nur die unentwegte Beharrlichkeit, mit der die Uebersetzungen wieder urrd wieder gedruckt wurden, führte dazu, daß immer lauter die Forderung nach Verständnis für die Gebete des jüdischen Gottesdienstes erhoben wurde und sich durchsetzte, indem auch rein deutsche Gebete eingeführt wurden (Gottschalk). Jene anfänglichen Widerstände sind mehr und mehr überwunden worden; reichliche Versuche, dem Gottesdienste neue Impulse zu geben, konnten erprobt werden. „Die" Form des Gottesdienstes, wie sie dem Andachtsbedürsnis des modernen Menschen Genüge tut, oder gar geeignet wäre, solches Bedürfen wachzurufen und zu erhalten, ist noch nicht gefunden. Allen, denen das Judentum Herzenssache ist, ist das Problem „der kranke Gottesdien ft und seine Heilung" eine ernste Sorge. Mit billigem Spott und dem Hinweise auf den überlieferten Gottesdienst ist die Sorge nicht zu bannen. Jede Anregung, die zur Behebung des Uebels zur Diskussion gestellt wird, darf beanspruchen, daß sie ernsthaft geprüft wird. Das gilt vor allem für den Gedanken, Sabbath und Festtage zu stärken, indem jedem sein besonderer Inhalt gegcken wird; besonders wichtig ist dies für die zweiten Festtage; denn das gerade ist ja ein so wichtiges im Liberalismus, daß stetes Packen und Fesseln der durch Gleichförmigkeit entstehenden Ermüdung begegnet. Ob es gut sein wird, am Wortlaut der Gebete durch Ausschaltung aller Anthropomorphismen neue Aenderungen vorzunehmen, welches die Gedanken sind, mit denen die Feste erfüllt sein sollen, darüber muß nachgedacht werden (Salomonski). Wenn von praktischer Lebensgeftaltung im liberalen Geiste gesprochen wird, kann nicht eiirdringlich genug auf die „H ä u sliche Andacht" hingewiesen werden. Gerade weil die wirtschaftlichen Verhältnisse so vielen den Sabbath und die Feste geraubt haben, ja auch die Teilnahme am Gottesdienste so sehr erschweren, sollte an diesen Tagen durch häusliche Andachtsübungen die Neigung zum Gebet gesteigert, die religiöse und geistige Einigkeit der Familie gefördert und das jüdische Bewußtsein gepflegt werden. Für die Sederfeier ist durch Seligmanns Hagadah eine auch ihr drohende Gefahr abgewandt, zumindest stark gemildert worden. Familiengottesdienft sollte dazu führen, daß der Sabbath als heiliger Tag wiedererobert wird (Galliner). Dem Sinn für die Weihe uiü> Heiligkeit unserer besonderen Tage steht allerdings der Alltag mit seiner zermürbenden und alles an sich reißenden Haft entgegen. Wie kann der so beanspruchte Mensch die rechte Stimmung für einen Feiertag gewinnen, wenn er unmittelbar aus der Arbeit in die Weihestunde hinüberfchreiten muß. Ta sollte eine neue Einrichtung Abhilfe schaffen: „E r e w", oder die Stunde des Bereitmachens. Sie knüpft an Altes an: man rüstete sich in den Stunde:: 22r Sabbath und Festtagen, um diese würdig zu empfangen. sind besondere Veranstaltungen gedacht, in denen die Gedanken auf das Nahen weihevoller Zeiten gelenkt werden sollen (Falkenberg). Durch die Verschiebung in den Wohnverhältnissen der ^uden mi letzten halben Jahrhundert von der Kleinstadt m die Großstadt ist für die jüdische Kleinstadtbevölkerung dre Gottesdienstsrage zu einer besonderen Schwierigkeit geworden. Wo kein Prediger, kein Lehrer in der Gemeinde wirkt, besteht keine Möglichkeit zu einer durch erbauende und belebende Predigt weihevollen Ausgestaltung des Gottesdienstes. Rabbiner benachbarter größerer Städte kommen wohl an Wochentagen zu ihnen: an Sabbathen und Feiertagen Predigtgottesdienste zu veranstalten, hindert sie jedoch „das Fahrverbot am Sabbath und an Festtagen", das selbst in liberalen Gemeinden noch im Volksbewußtsein eingeprägt rst, und dem sie deshalb Rechnung tragen müssen. Es läßt sich zeigen, daß solches „Volksbewußtsein" keineswegs konsequent ist; andererseits ist die religiöse Not dieser Kleingemeürden so dringend, daß die Frage auftaucht, ob nicht die liberalen Rabbiner einen Weg suchen sollten, auf die Meinung der Menge einzuwirken, um der Gefahr zu steuern, daß das Judentum in den kleinen Gemeinden ganz verlösche (Kahlbergst Liberalismus bedeutet ein stetes Ringen um die Religiosität. Während der Weltkonferenz ist wiederholt das Wort gesprochen worden, daß das liberale Judentum es keineswegs leichter habe als das orthodoxe: der Orthodoxe hat einen vorgezeichneten Weg, der Liberale sucht unablässig, will Frömmigkeit nicht als eine einmal geformte Lebensgestaltung nachleben, sondern nur als selbstgeschaffene und immer wieder sich verjüngende Lebenskraft finden. Gerade in der Nebeneinanderstellung der außerordentlichen Fülle ernster Probleme offe:chart sich das stark flutende Leben in der liberalen Bewegung. Es trifft zu, daß man Sinn und Inhalt des liberalen Judentums nicht auf eine kurze Formel bringen kann, daß selbst unter seinen Vertretern recht abweichende Auffassungen geltend gemacht werden. Doch das ist kein Tadel, sondern Vorzug: denn da, wo man ringt, ist Leben. Und schließlich atmen alle diese Gedanken einen Geist, den heiligen Willen nach Verwirklichung jüdischer Frömmigkeit. Er schafft Einheit und bindet auch die Widerstreitenden. Und solche Einheit will das liberale Judentum auch mit dem Gesamtjudentum: Denn weichen auch unsere Gedanken über die Wege jüdischer Frömmigkeit von denen der anderen Richtungen ab: eins wissen wir uns mit ihnen allen in der Verbundenheit der Gesamtgemeinschaft. Wie sollte es denn anders sein, da das liberale Judentum als Letztes jüdischer Frömmigkeit die Verwirklichung der einigen Gesamtmenschheit erhofft und erstrebt. So muß es als eine mit Bedacht an das Ende dieser Zeichnung des liberalen Judentums gestellte Anregung zur Befruchtung unserer Frömmigkeit bezeichnet werden, daß auf die Beziehungen zwischen I u d e n t u m u n d V ö l k e r f r i e - den stärkeres Gewicht gelegt werden muß als bisher. Die Bibel vertritt als Lehre die Forderung, daß der Krieg aushöre, daß die Völker in friedlichem Nebeneinander wirken. Wenn der Krieg an manchen Stellen der Bibel verherrlicht wird, so nur, wo über Vorgänge menschlichen Lebens berichtet wird, nie aber als religiöse Lehre. Unser religiöses Denken sollte mit dem Ziele der Völkerverbrüderung aufs innigste vertraut werden, und unser Handeln sollte sich wirksam da, wo für den Frieden gekämpft wird, betätigen, Michael Beer, Heinrich Laube und die Fremdsiämmigen Von Dr. jur. I. L e v y - Berlin. Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu, die Geschichte vom fremden Blut und Stamm. Und wem sie just passieret, dem bricht manchmal das Herz entzwei, manchmal auch wird ihm Hand und Kopf abgeschlagen. Zum Beispiel erging am 25. April 1772 gegen den Grafen Struensee das Urteil, daß sein gräfliches Wappen vom Scharfrichter zerbrochen, sodann „I. F. Struensees rechte Hand und darauf sein Kopf ihm lebendig abgehauen, sein Körper gevierteilt und aufs Rad gelegt, der Kops mit der Hand aber aus einen Pfahl gesteckt werden" solle. Was auch am 28. April geschah, und das Volk jubelte, und die Flaggen gingen hoch; denn männiglich hatte längst als unwürdig und „untragbar" empfunden, daß ein Deutscher, ein Fremdstämmiger die dänische Nation regierte. Ueber das Schicksal dieses Staatsmannes haben Historiker und Politiker eine ganze Literatur zusammengeschrieben. Noch im Jahr 1925 hat ihm Josef Magnus Wehner eine umfassende Monographie gewidmet. Auch eine Reihe Dichter hat den fesselnden Stoff in dramatischer wie in erzählender Form bearbeitet, neuerdings Kurt Martens in dem Roman „Jan Friedrich". Am bekanntesten sind die beider: Trauerspiele von Michael Beer u:ü> Heinrich Laube geworden, das eine zuerst am 27. März 1828 in München aufgeführt, woran kürzlich Dr. Leopold Hirschberg erinnert hat, während das andere seine Uraufführung am 9. Februar 1845 in Dresden erlebte, mit Emil Devrient in der Titelrolle. Der einflußreiche Schauspieler hatte hier durchgesetzt, daß Laubes Stück vor dem älteren Beers gegeben wurde u:ü> dieses erst am 10. März 1847 zur Darstellung gelangte. In Berlin war die Reihenfolge umgekehrt. Am Schauspielhaus ging Michael Beers „Struensee", mit der Musik von Meyerbver, am 19. September 1846 in Szene, während Laubes Stück erst am 29. Januar 1848 folgte. Dieser Wettstrett hat den Anlaß zu einer Kampfansage gegen das Judentum in der Literatur gegeben, einer Fehde, die von demselben Geist erfüllt ist wie Richard Wagners „Judentum in der Musik". Heinrich Laube hat der Buchausgabe seines Stückes, das in der von H. H. Houben besorgten Sammlung seiner dramatischen Werke (1909) im zweiten Bande steht, eine lange Brreode gewidmet, in der er erstens seiner Arbeit literarisch den Vorzug vor der Michael Beers gibt, zweitens lebhafte Angriffe gegen Meyerbeer und die Juden erhebt. Ueber das Werturteil braucht man nicht lange zu streiten, zumal da Laube sich rühmt, im Gegensatz zu Beer sich streng an die drei Einheiten des Aristoteles gehalten zu haben, auch der Hinweis aus Heinrich Heines Kritik genügt. Die Besprechung Heines nach der Münchener Aufführung erschien anfangs April 1828 und sagt von Beers „Struensee" unter anderem: „Seine Sprache fließet rein und klar dahin u:ü> könnte als ein Muster guter Diktion gelten... Hier müssen wir die Segel des Lobes mit vollem Atem anschwellen... Es war uns unendlich erquickend, in jener dürren Sandwüste, die wir Deutsches Theater nennen, wieder einen reinen, frischen Labequell hervorspringen zu sehen... Wie man leicht erraten mag, der Stoff des Stückes besteht einesteils in dem Kampf eines bürgerlichen Ministers mit einer hochmütigen Aristokratie, andernteils in Struensees Liebe zur Königin Karoline Mathilde von Dänemark." In beiden Richtungen befleißigt sich Michael Beer einer freimütigeren Darstellung als später Laube, der weitgehende Rücksicht auf höfische Empfindungen nimmt. Es ist daher nicht zu verwundern, daß Beers Drama, als es im Jahr 1830 der Berliner Jnte:wanz eingereicht wurde, aus politischen Gründen zurückgewiesen wurde. Die Demagogenriecherei stand in voller Blüte. Stieß doch noch Laubes zahmeres Werk weit später vielfach auf Widersta:ü>, so in Wien, wo das Ministerium gegen die Aufführung, für die der Direttor Holbein schon die Dekorationen hatte anfer-' tigen lassen, sein Veto einlegte, weil König Christian „auf anstößige Vergleiche führen könne". Christian war blödsinnig und wurde auch nicht lange nach Struensees Enthaltung entmündigt, zierte aber noch lange Jahre den Thron — es ist derselbe Christian VII., auf den die Hymne „Heil dir im Siegerkranz" gedichtet wurde. „Fühl in des Thrones Glanz — Die hohe Wonne ganz, — Vater des Volks zu sein! — Heil, Christian dir!" So sang chn der deutschdänische Dichter Heinrich Harnes 1790 an. „Sei noch, o Christian, hier — Lange des Thrones Zier..." Was der Lübecker Dottor Gerhard Schumacher auf den preußischen Friedrich Wilhelm II. umdichtete, anno 1793. Nach Stuensees Sturz war Christian nur ein Spielball in der Hand seiner Sttefmutter Juliane, aber er vegetierte noch bis 1808. An der Ablehnung des Beerschen Stückes unter Friedrich Wilhelm in. hat neben den Ideen der heiligen Allianz vielleicht auch der Respekt vor Friedrich dem Großen Anteil. Friedrich war der Schwaiger der Königin-Witwe Juliane, und des demokratischen Staatsmannes abgesagter Widersacher. In seiner Altersgeschichte, Band 5 der Jubiläumsausgabe seiner Schriften, Sette 39, berichtet er, Christian, von den Höflingen in seinem Hang zu Wollust und Ausschweifung bestärkt, habe sich von seiner Reise nach Paris und London eine geheime Krankheit mitgebracht. „Die Königin, seine Gemahlin, erlangte unter dem Vorwände, für die Wiederherstellung seiner Gesundheit zu sorgen, Macht über ihn und schlug chm eine:: Arzt, namens Struensee, vor, der ihn gewiß wieder heilen würde. Durch den Zutritt bei Hofe, den dieser Mann hatte, gewann er allmählich mehr Einfluß auf die Königin, als sich dies für einen Mann von niederer Herkunft schickte. Das Verhältnis, das sich täglich vertraulicher gestaltete, nötigte die Königin zur äußersten Vorsicht, damit der König die Schande, die sie ihm antat, nicht merkte.... Um bei ihren anstößigen Zusammenkünften nicht überrascht zu werden, kamen die Königin und der Arzt, wie behauptet wurde, auf den Einfall, dem König statt Medizin Opium einzugeben, während dessen Wirkung er außer Stande war, sie zu stören. Der allzu häufige Brauch des Schlafmittels griff den Geist des junge:: Königs stark an. Er litt an häufigen und so anhaltenden Geistesstörungen, daß die Königin und ihr Arzt sich der Zügel der Regierung bemächtigten. Struensee wurde zum Premierminister ernannt und war einige Monate wirklich König von Dänemark. Der dem Thron angetane Schimpf empörte die Dänen. Schließlich entdeckte man, daß die Königin und ihr Minister den Plan verfolgten, den König für regierungsunfähig erklären zu lassen und sich unter diesem triftigen Vorwände der Regentschaft zu bemächtigen. Das empörte die Gemüter vollends. Man fand, daß man sich mit Schande bedeckte, wenn man das Königreich der Gefahr aussetzte, unter die Herrschaft eines Bastardgeschlechtes zu fallen, dessen Stammvater ein deutscher Arzt sei. Marinetruppen, die entlassen werden sollten, weil die Hofkabale ihnen mißtraute, waren die erste::, die den Anstoß zur Revolution gaben ...." „Die Königin wurde in eine Festung eingesperrt und der Arzt nebst seinen Anhängern vor ein Gericht gestellt. Aus Furcht vor der Folter gestanden sie alle Verbrechen, deren man sie beschuldigte.... Königin Juliane, des Königs Sttefmutter, übernahm die Leitung der Staatsgeschäfte", die eigentlich nur eine Vormundschaft für den geistesgestörten König gewesen sei. An dieser Darstellung Friedrichs ist mancherlei unrichtig, charakteristisch aber die Parteinahme gegen die arme zwanzigjährige Königin Karoline Mathilde und ihren Geliebten, deren Ehebruch allerdings nicht ohne Folgen blieb. Die Frucht war eine Tochter, die später den Herzog Frittrrich Christian von Schleswig-Holstein-Augustenburg heiratete und damtt Ahnfrau der Kaiserin Viktotta Auguste, der ersten Gemahlin Wilhelms II., wurde. Daß in der Zeit der Kamptz und Schmalz, vollends wenn sie die Schriften des Philosophen von Sanssoutt kannten, Beers Struensee nicht aus die Beo-

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