Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-11-16 · 46 (16.11.1928) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
46 (16.11.1928)
Date
1928-11-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2613366-2613947-2613993--2933-2620462
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

9 entity mentions

Gestorben ist er 1788. Verheiratet war er mit Frum et, Tochter des Elias Magdeburg aus Halle. Sie starb 1797. Das Hildesheimer Memorbuch sagt, daß sie einen guten Namen hinterlassen habe, und hebt besonders ihr? Wohltätigkeit hervor. Bon Benjamin Wolf Hertz und seiner Frau smd zwei farbige Wachsreliefs erhalten, die sie im Alter von etwa fünfzig Jahren darstellen. Man hat den Eindruck, daß die Targestellten vornehme Leute waren, nach Erscheinung und Kleidung, dann aber auch, weil die Reliefs von einem ausgezeichneten Künstler gefertigt sind.*) Ihr vierter Sohn David Wolfs Hertz wurde am 22. August 1757*) in Hildesheim geboren; er siedelte spätestens 1793 nach Hamburg über, wo er als Juwelier lebte*) und am 7. Dezember 1822 starb. Er war verheiratet mit einer entfernteil Verwandten aus dem anderen Zweige seiner Familie, der Schöne Hertz, der am 27. Dezember 1760*) in Hamburg geborenen Tochter des Samson Le ff mann Hertz und seiner Gattin Vogel, geb. Kuh. Schöne Hertz starb, 73 Jahre alt, am 18. Februar 1834. Sie und ihr Gatte ruhen nebeneinander auf dem Friedhof in Ottensen (3373/74). Aus der Ehe des David Wolfs Hertz und der Schöne, geb. Hertz, gingen, soweit bisher ermittelt, fünf Kinder hervor: Wolfs, Elias, L e f f m a n n, Hertz und Fanny. Von diesen gelangte der am 22. April 1790 geborene und am 5. Junr 1859 gestorbene Wolfs zu größerer Bedeutung in der Hamburger Gemeinde; er bekleidete von 1825 bis 1831 und von 1842 bis 1848 das Amt eines Gemeindevorstehers. Auf seine weitere Geschichte sowie die seiner Geschwister Elias, Leffmann und Fanny sei hier nicht emgegangen, weil sie in diesem Zusammenhang nicht interessieren. Uns interessiert hier vielmehr lediglich Hertz, der den Namen seiner Familie als Vornamen führte, der vierte unter den eben genannten Kindern des David Wolfs Hertz. Er wurde am 21. September 1797 in Hamburg geboren und war ein angesehener Kaufmann in englischen Manufakturwaren. Er heiratete am 12. August 1826 Betty Oppenheim, die 1804 geborene Tochter des bekannten Bankiers Salomon Oppenheim und der T h e r e s e, geb. Stein, in Köln, deren Nachkommen von Kaiser Wilhelm I. in den Freiherrnstand erhoben wurden. Dieser Hertz Hertz trat zum Christentum über*) und nahm den Namen Heinrich David Hertz an; er war von 1860 bis 1862 Mitglied der Hamburger Bürgerschaft und starb am 24. Oktober in Prag während eines vorübergehenden Aufenthaltes.') Ter älteste Sohn der beiden Vorgenannten war der am 2. August 1827 noch als Jude geborene David Gustav Hertz, der erste Träger seines Familiennamens, der zu hohen Ehren emporstieg, freilich unter Preisgabe seiner Glaubensgemeinschaft. Er nahm den Namen Gustav Ferdinand an, trat 1845 in das Hamburger Akademische Gymnasium ein, besuchte die Universität in Güttingen, an der er 1849 zum Doktor juris promoviert wurde, wurde 1859 Mitglied der Bürgerschaft, 1877 Obergerichtsrat und 1879 Oberlandesgerichtsrat. Am 14. Dezember 1887 wurde er in den Senat gewählt, dem er bis zum 28. November 1904 angehörte. Seine hauptsächlichsten Senatsämter waren die Leitung der Justizverwaltung und des Gefängniswesens. Sein Sohn war der berühmte Physiker Heinrich H e r tz. Er wurde am 22. April 1857 von einer christlichen Mutter geboren; sie hieß Elisabeth, geb. Pfefferkorn und war in Frankfurt a. M. geboren als Tochter einer Frankfurter evangelischen Pastorenfamilie. Heinrich Hertz starb als Professor der Physik in Bonn, noch nicht 37 Jahre alt, am 1. Januar 1894. —n. *) Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Familiensorschung, Heft 15, S. 63/64. -) Die Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Familienforschung verwechseln die hier genannten Brüder David und Hertz « Aus den Gemeinden * Berlin. (R a b b i n c r w a h l.) Die Berliner Jüdische Gemeinde hat beschlossen, die Zahl ihrer Gemeinderabbiner wesentlich zu vermehren. Im Anschluß an die letzte öffentliche Repräsentantcnvcrsammlung, über die wir an anderer Stelle dieses Blattes berichten, tvurden die ersten Beschlüsse für die Wahlen gefaßt. Als liberale Gemeinderabbincr lvurden Dr. Levi-Mainz und Dr. Salomonski-Berlin gewählt. Dr. Levi Mainz lvar, bevor er nach Mainz berufen wurde, zweiter Rabbiner an der Neuen Synagoge in Breslau. Er hat im Kriege als Feldrabbiner in Wilna sich des besonderen Vertrauens der ostjüdischen Bevölkerung erfreut. Dr. Martin Salomonski war früher als Rabbiner in Frankfurt a. O. tätig und ist jetzt akademischer Religionslehrer der Berliner Jüdischen Gemeinde gelvesen. Er hat sich besondere Verdienste um die Ausgestaltung der liberalen Gottesdienste in Berlin-Norden und Berlin-Wilmersdorf erworben. Ferner wurde beschlossen, Rabbiner Dr. Emil Cohn, der seit einigen Jahren an der Grunewald-Synagoge im Berliner Westen amtiert und insbesondere auch als_ Dramatiker unter dem Namen Emii Bernhard bekannt geworden ist, zum Gemeinderabbiner zu wählen. Dr. Freyer, der bereits als Prediger an der Gemeinde tätig ist, wurde gleichfalls zum Gemeinderabbiner gewählt, fernncr Dr. Carlebach aus Altona. Mit diesen Wahlen dürfte die Ergänzung des Berliner Rabbinats noch nicht abgeschlossen sein. Berlin. (Professor B e r t h o l e t s 60. Geburtstag.) Professor Alfred Bertholet, Ordinarius der alttestamentarischen Wissenschaft an der Universität Berlin, vollendete am 9. November sein 60. Lebensjahr. Bertholet, der Basler von Geburt ist und dort seine akademische Laufbahn begann, übernahm 1913 ein Ordinariat in Tübingen. Er kam dann über Göttingen in diesem Jahre nach Berlin. Bertholet hat über viele Themen der allgemeinen Religionsgeschichte wichtige Untersuchungen veröffentlicht, besonders aber dem alten Testament seine kritische Forschung zugewandt. Seine bekanntesten Werke behandeln die Eigenart der alttestamentlichen Religion, die religionsgeschichtlichcn Probleme des Spätjudentums, das Ende des jüdischen Staatswesens und eine Kulturgeschichte Israels. Kritische Kommentare hat er zu mehreren alttestamentlichen Schriften veröffentlicht. Ueber den Bereich der alttestamentlichen Literatur hinaus greift er in seinen Werken über die Gefilde der Seligen und über Seelenwanderung. Auch über die Bedeutung des Buddhismus für das abendländische Geistesleben hat Bertholet geschrieben. Berlin. (Todesfall.) Am 12. November starb nach langem Leiden das Vorstandsmitglied des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B., Frau Regina Friedmann, geb. Schönberger. Aus streng religiösem Hause hervorgegangen, bekannte sie sich stets in Unniger, wahrer Liebe zum Judentum. Schon in ihrer Jugend nahm sie in der „Jli"-Bewegung eine führende Rolle ein und hat ihren aufrichtigen und tief empfundenen Liberalismus stets in den Dienst »des Judentums gestellt. Als Lehrerin verstand sie es meisterhaft, ihre Schüler für das liberale Judentum zu begeistern. Als Mutter und Gattin war sie stets die vorbildliche jüdische Frau. Im Liberalen Verein hat sie sich in aufopfernder Weise betätigt und dürfte sich die Lücke, die uns dieser Tod gerissen hat, nicht so schnell wieder schließen. Ihr Andenken wird stets vom Liberalen Verein in hohen Ehren gehalten werden. Berlin. (7 0. Geburtstag.) Am Sonnabend, 17. ds. Mts., feiert Herr S. Hornung, langjähriges Mitglied unserer liberalen Bereinigung, seinen 70. Geburtstag. Herr Hornung gehört seit 40 Jahren der Jüdischen Religionsgemeinde Charlottenburg, Schulstraße 7, an, war mehrere Jahre Vorsitzender des Repräsentanten-Kollegiums und ist heute noch Repräsentant dieser Versammlung. Gesundheitliche Motive veranlaßten ihn, den Vorsitz niederzulegen. Er verstand es. die Schicksale dieser Gemeinde durch die Fährnisse und Wirren in vergangenen Jahren sicher zu führen. Aus echt jüdischem Haus« stammend, ist all sein Tun und Lassen von echt jüdischem Geist und jüdischem Sinn erfüllt. Möge der Jubilar noch ungezählte Jahre glücklich und zufrieden in körperlicher und geistiger Frische ein segensreiches Leben führen. Dortmund. (Jubiläum des Gemeinde-Vorsitzcnd e n.) Am Sonntag, den 19. ds. Mts., feiert Herr David Leeser sein 25 jähriges Dienstjubiläum als Vorsitzender des Vorstandes der Syna« gogen-Gcmeinde Dortmund sowie gleichzeitig seinen 75. Geburtstag. Herr Leeser hat sich um das Wohl unserer Gemeinde außerordentlich verdient gemacht und hat seine ganze Arbeitskraft in den Dienst der Gemeinde gestellt. Was Herr Leeser der Gemeinde geleistet hat, wird am besten durch die Tatsache dokumentiert, daß er bis vor zwei Jahren die umfangreichen Geschäfte unserer großen Gemeinde, welche ca. 4000 Seelen zählt, ganz allein bewältigt hat, wodurch der Gemeinde alljährlich erhebliche Kosten erspart wurden. Herr Leeser, welcher geistig und körperlich noch außerordentlich frisch ist, ist trotz seines hohen Alters ununterbrochen in seltener Pflichterfüllung für unsere Gemeinde tätig. Wie groß das Ansehen ist, dessen sich Herr Leeser in seiner Gemeinde erfreut, ergibt sich u. a. daraus, daß er von hier aus als Abgeordneter in den Verbandstag des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden entsandt wurde. Herr Leeser gehört im Landesverband der Liberalen Fraktion an, an deren Beratungen er stets mit außerordentlichem Interesse teilnimmt. Auch an dieser Stelle danken wir dem verehrten Jubilar für die in jahrzehntelanger Arbeit geleistete Förderung liberaler und gesamtjüdischer Interessen und wünschen ihm noch viele Jahre segensreicher Tätigkeit. Dortmund. (I u g e n d t a,g u n g.) Am 4. November fand in der Westfalenhalte zu Dortmund die von 250 Mitgliedern besuchte Delegiertentagung des Rheinisch-Westfälischen Bezirksverbandes im Verbände der jüdischen Jugendvereine Deutschlands statt. Die Vormittagskundgebung wurde von Darbietungen des Sprechchors des Essener Jugendvereins umrahmt. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Dr. Jul. Herzfeld, Essen, sprach Dr. Prinz, Berlin, über: „Die Not der jüdischen Jugend". Der Redner verstand es, die Not der Jugend unserer Zeit und die besonderen Nöte der jüdischen Jugend in fesselnder Weise aufzuzeigen. Das zweite Referat hielt der Verbandsvorsitzende Dr. Hahn, Essen. Er nahm Stellung zu den Berichten, die die jüdische Presse über die Dresdener Tagung gebracht hat, und führte aus, welche besonderen Aufgaben dem Verband in der gegenwärtigen Situation gestellt sind. Die am Nachmittag stattsindende Delcgicrtentagung brachte eine lebhafte Aussprache über die von den Rednern angeschnittenen Fragen. Zum Vorsitzenden des Bezirksverbandes ivurde Dr. Jul. Herzfeld einstimmig wiedergewählt. Der Abend vereinte all« Teilnehmer bei Tanz und lustigen Vorträgen. Die Tagung nahm einen außerordentlich erfolgreichen Verlauf. Essen. (Jubiläum.) Der Landesverband Rheinland-Westfalen des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V. feiert in diesen Tagen sein 25 jähriges Bestehen. Zahlreiche Ortsgruppen werden dieses Jubiläum dem Ernst der Zeit entsprechend in würdiger Weise begehen. — Den Auftakt bildete eine akademische Feier in den festlichen Räumen der Börse zu Essen. Neben zahlreichen treuen Freunden des Vereins, die den 'großen Raum bis ins Letzte füllten, sah man zahlreiche Vertreter der Stadt, des Staates, der Presse und sonstiger christlicher wie jüdischer Körperschaften. Rechtsanwalt Dr. Ernst Herzfeld-Essen, der Vorsitzende des Landesverbandes, konnte in seiner Begrüßungsansprache u. a. Oberbürgermeister Bracht-Essen, Landrat Mertens-Essen, Landgerichtspräsident Dr. Vollmer-Essen, Oberregicrungsrat Müller als Vertreter des Essener Polizeipräsidenten, Oberstaatsanwalt Lingemann-Essen und Generaldirektor Tengelmann, Präsidenten der Handelskammer Essen, willkommen heißen. Herzfeld gab einen kurzen Ueberblick über die Entstehungsgeschichte des Central-Vereins und wies darauf hin, daß man während und auch bei Ende des Weltkrieges in den führenden Kreisen des deutschen Judentums geglaubt hatte, den Central-Verein auflösen zu können. Die Geschehnisse, nach dem Kriege, die noch in aller Erinnerung sind, härten jedoch gezeigt, welche unendliche Arbeit noch geleistet werden muß, um die Gleichberechtigung der deutschen Juden innerhalb des deutschen Volkes nicht nur theoretisch, sondern auch ideell zu erkämpfen. — Den Festvortrag „Deutsche Volks-Idee oder deutsch-völkische Idee" hielt Professor Dr. Julius Goldstein-Darmstadt. Mit überzeugender Klarheit zeigte der Redner den Unterschied zwischen der subjektiven deutschen Volks-Idee, die über die Zugehörigkeit zum deutschen Volke Gesinnung und sittlichen Willen entscheiden läßt, und der objektiven deutsch-völkischen Idee, die nur den dem deutschen Volke zuzählt, der seiner Rasse und Abstammung, also biologischen Merkmalen nach, Deutscher ist. Er wies auf die Gefahren hin, die bei Verbreitung dieser Idee dem deutschen Volkstum im Ausland erwachsen und er schilderte mit eindringlichen Worten, welche Gefahren auch nach innen dem deutschen Volke drohen, »venn mau ihm solche Untersuchungen anstellt, da das deutsche Volk aus den verschiedensten Rassen zusammengesetzt ist. Er schloß mit den Worten Dehmels: „Gleich tvoher die Samenzucht, deutsches Land trägt deutsche Frucht." — Zu der von diesen Ausführungen tief ergriffenen Versammlung sprach darauf Justizrat Dr. Julius Brodnitz- Berlin, der Vorsitzende des Central-Vereins. Auch er beschwor die Zeiten vor 25 Jahren herauf, in denen er zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Isaak Hirschland die Ortsgruppe Essen gegründet hatte. In den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte er jene Rede, die Ludtvig Bamberger, einer der größten Patrioten deutscher Zunge, als Verbannter unter Verbannten am Grabe eines Verbannten sprach, an dem Tag, an dem er zu seiner sterbenden Mutter nach Mainz eilen wollt«, und an dem er diesem Wunsch nicht folgen konnte, weil er nur unter Bedingungen in die Heimat hätte fahren können, die eines Patrioten nicht würdig sind. Bamberger ermahnte seine Brüder, durch alle bitteren Erfahrungen die Liebe zum Vaterland sich nicht nehmen zu lassen, damit, wenn der Ruf an sie ergehe, sie ohne Verbitterung in ihrem Vaterlande wieder ihre Pflicht erfüllen könnten. Wenn Einigkeit und Recht und Freiheit in Deutschland wieder cinzögen, dann tverde das wahre 'deutsche Volkstum zum Segen von Deutschtum und Judentum erstanden sein. — Symbolischen Ausdruck fanden diese Ansprachen in den musikalischen Vorträgen, die von dem Trio Max Fiedler, Alexander Kosman und Fritz Bühling voll tiefem Gefühl für die Schönheit der Werke vorgetragen wurden. Zu Beginn der Feier stand ein Satz aus Felix Mendelssohns Trio opus 49. Jenes Felix Mendelssohns, dessen großer Vater Moses Mendelssohn mit als erster für die Emanzipation der Juden in Deutschland eintrat und der zusammen mit Lessing aufrief zur Befreiung der deutschen Sprache von Fremdwörtern. Es folgte das Adagio contabile aus dem Trio opus 1 von Beethoven. Den Beschluß bildete ein Rondo aus Franz Schuberts opus 99, jenes Schubert, der in der Gedrungenheit seiner Gestalt gewiß nicht den Typus des Germanen vertrat und dessen 100. Todestag das gesamte kulturelle Deutschland und die ganze Welt feiert in Erinnerung an einen Mann, der dem deutschen Lied und der deutschen Musik unendliches gegeben hat. Frankfurt a. M. (Kollektiv-Ausstellung Arno Nabels.) Die erste Kollektivausstellung der Pastelle von Arno Nadel in der Kunsthandlung Ludwig Schames in Frankfurt a. M. ist am 4. November eröffnet worden. Ausgestellt sind 40 Blätter, darunter Pastelle nach dem „Dybuk" der Habimah, Benjamin III. in der Ausführung des Granowsky-Theaters und der „Artisten" in der Aufführung durch Max Reinhardt. Frankfurt a. M. (Auszeichnung von Sanitätsrat D r. Albert E t t l i n g e r.) Dem Mitglied des Vorstandes der Stou=wero-( f billig, iDohlSchnuxJtcnd, nahrhaft. Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M. und 1. Vorsitzenden der Frankfurter Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Jul«ntum, Herrn Sanitätsrat Dr. Albert Ettlinger, der sich als Vorsitzender der Rettungsgcsellschaft vom Roten Kreuz und auch im Krieg als Oberstabsarzt große Verdienste um das Sanitätswesen erworben hat, wurde mit Zustimmung des Reichspräsidenten das Ehrenzeichen des deutschen Roten Kreuzes am Band verliehen. Frielendorf. (Neuer Vorsteher.) Das Israelitische Vorstehcramt in Marburg hat den Bruder des verstorbenen Gemeindeältesten, Herrn I. Moses, zum Vorsteher der hiesigen Gemeinde ernannt. Die Verpflichtung des Genannten durch den Landrat hat bereits stattgcsunden. Fritzlar. (Hohes Alter.) Als ältestes Mitglied der Gemeinde und des Ortes begeht Frau Amalie Lötvenstein in Kürze ihren 90. Geburtstag. Die Greisin erfreut sich trotz ihres hohen Alters körperlicher und geistiger Frische. Hannover. (Tagung des Nordwestdeutschen Rabbi n e r ve r b a n d e s.) Am 4. November 1928 trat der Nordwestdeutsche Rabbinerverband zu einer Tagung in Hannover zusammen. Der Vorsitzende Rabbiner Dr. B a m b e r g e r - Wandsbek eröffnet« die Tagung mit Worten des Glückwunsches anläßlich des 60. Geburtstages von Landrabbiner Dr. Freund- Hannover. In seinen Begrüßungswortcn richtete der Vorsitzende der Gemeinde Hannover, Herr Kommerzienrat Berliner, an die anwesenden Rabbiner den Appell, auf die Mitglieder ihrer Gemeinden einzuwirkcn, der angestammten Gemeinde die Treue zu halten und keinen Gebrauch von den Möglichkeiten des Gesetzes vom 30. November 1920 zu machen, das der Gemeindesteuerpslicht durch Austritt aus der Gemeinde unter gleichzeitigem Verbleiben im Judentum den Weg ebne. Es sei eine der wichtigsten Aufgaben des Preußischen Landesverbandes, auf die Aufhebung dieses unheilvollen Gesetzes hinzuwirken. Sodann hielt Herr Rabbiner Dr. de Haas-Oldenburg einen Bortrag über eine literarkritische Untersuchung der ersten Kapitel des 4. Buches des Pentateuchs. Im Anschluß an die ersten neun Kapitel von Bamidbar legte er dar, daß die pentateuchischen Berichte in der Regel chronologisch geordnet seien, daß jedoch die chronologische Ordnung aufgegeben werde, wenn sachliche Gesichtspunkte es erforderlich machten. Das zweite Referat erstattete Herr Rabbiner Dr. Freund über das Thema: „Recht und Ethik im Talmud". In der Bibel Überdrücke das Gottesbewußtsein den Gegensatz zwischen Recht und Liebe Im praktischen Leben sei für die Gesamtheit die Hebung des Rechtes Gebot der Selbsterhaltung. Nachdem nach der Mittagspause die sozialen Einrichtungen der Synagogengemeinde Hannover, insbesondere das Gertrudenhaus mit seinem vorbildlichen Kindergarten, das Waisenhaus und das Krankenhaus sowie die Mikwa, unter freundlicher Führung von Herrn Kommerzienrat Berliner und Herrn Fürst besichtigt worden waren, fand die Tagung ihren Abschluß mit einem Referate von Herrn Rabbiner Dr. Schorsch über das Thema: „Der Rabbiner als Jugendpfleger", in dem ausgeführt wurde, daß neben der Jugendbewegung und Jugendfürsorge der Rabbiner sich der Aufgabe der Jugcndnachfolge widmen müsse, d. h. bestrebt sein müsse, durch Lehre und Beispiel die Erhaltung des jüdischen Kulturgutes in der kommenden Generation sicher zu stellen Hannover. (Aus dem Gemeind «lebe n.) Am 7. November fand die Eröffnung des neugegründeten „Jüdischen Lehrhauses" statt. Zunächst sind drei Kurse vorgesehen: 1. Geschichte der Juden nach der Vertreibung aus Spanien; 2. Talmud, Berachoth, hebräisch und deutsch; 3. Einführung ins Hebräische. Der Kursbeitrag für das ganze Semester beträgt für Erwachsene 5,—, für Jugendliche 3, Mk. In besonderen Fällen sind Ermäßigungen vorgesehen. Der 1. Abend war von über 150 Hörern besucht. — Zum Besten des Norderneyer Kinder-Erholungsheimes der Zionloge fand am 11. November im Städtischen Schauspielhaus eine Wohltätigkeitsvorstellung statt. Zur Ausführung gelangte „Goldzauber" von Otto Soyka. — Kürzlich fand hier die Tagung des Landesverbandes „Niederfachfen" des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten statt. Vertreten waren die Ortsgruppen: Barsinghausen, Braunschweig, Detmold, Hannover, Herford» Holzminden und Rinteln. Kamerad Landsbcrg-Berlin, der in Vertretung der Bundesleitung erschienen war, berichtete über die Arbeiten der Bundesleitung. Kamerad Benda-Berlin, der Vertreter des Bundesvorstandes, sprach über „Kameradschaft im Bunde", Kamerad Meyerhosf-Braunschweig über „R. j. F. und Jugend". Kamerad Fuerst- Hannover, der zum Vorsitzenden des Landesverbandes wicdergewählt wurde, zeigte die Wege zur Wiederbelebung des Landesverbandes auf. Harburg-Wilhelmsburg. (Wieder Friedhofsfchändung.) In der Nacht vom 8. zum 9. November haben anscheinend nationalsozialistische „Kultur"apostel auf dem Friedhof der Shnagogen-Gemcinde Harburg in geradezu bestialischer Weise gehaust. 8 Grabsteine, die zum Teil zertrümmert sind, wurden von Barbarenhänden umgeworfen. Dabei liegt der Friedhof fast im Zentrum der Stadt, innerhalb der städtischen Anlagen. Daß hierbei nicht ungeübte Hände am Werke waren, beweist, daß die Täter anscheinend mit Handschuhen arbeiteten, um jede Spur zu verwischen. Hoffentlich gelingt cs diesmal, das Gesindel dingfest zu machen. Die Synagogen-Gemeinde Harburg hat zur Ermittlung .derselben eine Belohnung von Mk. 250,— ausgesetzt. Königsberg, Pr. (Besondere Ehrung Artur Cohns.) Der Aufsichtsrat und Vorstand des Königsbcrger Neuen Schauspielhauses veranstaltete kürzlich gelegentlich der Enthüllung des Bildes des Begründers des Schauspielhauses eine kleine Feier, bei der namens des Aussichtsrates des Schauspielhauses Stadtrat Dr. Lohmann in einer Ansprache die besonderen Verdienste Artur Cohns um das Neue Schauspielhaus würdigte und erklärte, daß der Aufsichtsrat beschlossen habe, eine Stiftung für hilfsbedürftige Schauspieler nach Artur Cohn zu benennen. Bekanntlich war Artur Cohn anläßlich der Einweihung des neuen Gebäudes des Schauspielhauses zusammen mit dem jüdischen Architekten Professor Oskar Kaufmann durch die Kantplakette der Stadt Königsberg ausgezeichnet worden. Artur Cohn ist seit kurzem Verbandsvorsteher des Verbandes ostpreußischer Synagogengemeinden und stellvertretender Vorsitzender der Königsbergec Synagogengemeinde. Leipzig. (Ueberparteiliche Aufklärungsarbeit.^ Im Rahmen seiner diesjährigen Winterkurse veranstaltet das Leipziger „Sozialpädagogische Frauenseminar" eine Vortragsreihe „Weltanschauungsfragen", in der Vertreter der einzelnen Weltanschauungen zu Worte kommen werden. Als Vertreter des Judentums wird Gemeinderabbiner Gustav Cohn am 28. November über „Die Beziehungen des Judentums zu den gegenwärtigen Kulturaufgaben der Frau" sprechen, nachdem die entsprechenden Vorträge von seiten des evangelischen und des katholischen Christentums durch den Konsistorialrat Superintendent D. theol. W. Zenker bezw. den katholischen Hochschulseel>

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.