Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 45 (9.11.1928)
- Date
- 1928-11-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Diaspora-Frömmigkeit und Bibel Von'George Goetz. Diejenigen, die — wie auf der Weltkonferenz und auch kürzlich in diesem Blatt - die Frage aufzuwerfen pflegen, ob in der europäischen und amerikanischen Menschheit die Religion überhaupt eine Zukunft hat, die haben — als europäische Menschen gerade des von ihnen gemeinten Schlages -- selber eine verkehrte und keiner Zukunft fähige Auffassung von der Religion. Diese Verkennung des Wesens der Religion besteht zum nicht geringen Teile in der Meinung, eine Religion, in unserm Falle also das Judentum, könne nur innerhalb eines geschlossenen Volkstums entstehen und sich erhalten; in der Diaspora sei sie zum Untergang verurteilt. - Diese Meinung ist oft widerlegt worden, zuletzt von Gott^ schalk in dir. 43 dieses Blattes vom 26. Oktober, und Gothschalk nennt als ersten Vertreter der Diaspora-Frömmigkeit keinen andern als Abraham. Gottschalks Betrachtung mag an Hand des Thora-Abschnittes dieser Woche weitergeführt werden. Wir sind gewohnt, wenn wir die Brautwerbung Eliesers um Rebekka hören, dem biblischen Erzähler folgend unser Augenmerk hauptsächlich auf Abrahams Vatersorge, auf Eliesers Treue und Gottvertrauen, auf Rebekkas Lieblichkeit und Tugend zu richten, — an zwei andere .Hauptbeteiligte denken wir kaum: an Laban und Bethuel. Gerade sie aber müßten wir genau betrachten, denn sie sind, trotz aller zeitlichen und äußert lichcn Unterschiede, Menschen aus unserm Fleisch und Blut, führten ein bürgerliches Leben gleich uns und lebten auch in der Diaspora gleich uns, in einer religiös und kulturell total unjüdischen Umwelt. Ihr Verhalten kann uns also vorbildlich sein, da wir unter gleichen Bedingungen leben wie sie. Bethuel, Abrahams Bruder, war in Charan geboren, wo schon sein und Abrahams Vater ansässig gewesen war; vielleicht hatte er, wie wir das heute nennen, das väterliche Geschäft übernommen. In Charan ausgewachsen, hatte er dort geheiratet; seine Frau hatte ihm Laban und Rebekka geboren, die nun ebenfalls heranwuchsen und im Schoß der Familie lebten. Das ganze Milieu atmet Regelmäßigkeit, Ruhe, Sicherheit. Ohne viel Phantasie können wir uns Bethuel und die Seinen als Bürger einer deutschen Stadt denken. Jahrzehntelang, fünfzig Jahre und länger, bleibt jeder Gegenstand im Hause, jeder Tisch, jeder Stuhl, jedes Bild an der Wand unverändert an seinem Platz. Bürgersleute gehen ihrem Erwerb nach, und wenn auch das Leben manchmal Schweres bringt, so kennt es doch, nie Unregelmäßigkeit Plötzlichkeit und Abenteuerlichkeit. Selbst das Schwerste, der Tod, ist in solchem Kreis etwas durchaus Dazugehöriges und Erwartetes. Eines Abends nun, wie jeden Abend, geht Rebekka aus dem Haus, Wasser zu schöpfen am Brunnen. Und da sie wieder hereintritt, kommt mit ihr das Fremde und Abenteuerliche: der Freiwerber aus unbekanntem Land. Isaaks, des umherziehenden Hirtenfürsten Weib soll Rebekka werden, und am nächsten Tage schon soll sie ziehen. Ihr Platz im Haus wird leer sein, und die Fahrt ist weit, der Abschied vielleicht auf immer. Aber, um ihre Einwilligung befragt, erwidern Laban und Bethuel dem Elieser wie aus einem Munde: „Vom Ewigen kam dies; — wir können nicht Böses noch Gutes gegen dich reden." Das ist ein Wort religiöser Erkenntnis und Kraft, wie sie selbst in der Bibel nur an den Höhepunkten sich finden. Der in * Versammlungskalender * Berlin-Schönederg. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V., Vezirksgruppe SchSneberg. Am Montag, den 12. November 1928, abends 3 Uhr, findet im Ratskeller Schöneberg» Eingang Rudolph Wilde-Platz (Ecke Badensche Straße), eine Versammlung statt. Es sprechen: Rechtsanwalt Dr. Mar Mayer über: „Das unbekannte Heiligtum", Landgerichtsrat Dr. A. Lilienthal, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, über: „Gemeindeausgaben des Liberalismus". Freie Aussprache. Gäste herzlich willkommen. i Breslau. Jli „Abraham Geiger". Mittwoch, den 15. November, 20.15< Uhr, spricht im Verrinsiolal, großer Saal, der „Sozialen Gruppe", Kaiser Wilhelmstraße 16, Herr Gemeinderabbiner Dr. Frlir Eoldmanu-Leipzig über: „Politik und Religion im Liberalismus". Wir erwarten zahlreichen Besuch. Frankfurt a. M. Samstag, den 10. November 1923, Gesellschastsabend im Frankfurter Hof, veranstaltet vom Freisinnigen Verein für jüdisches Gemeindeleben E. V. Durch Erstaufführung einer reizenden Revue unter Mitwirkung von 40 Damen und Herren der Gesellschaft, sowie 3 Tanzkapellen. Büfetts, Bar, Cafv ufw., wird den Besuchern Gelegenheit gegeben, einen in jeder Beziehung wohl vorbereiteten Abend/ angenehm zu verbringen. Gottesdienste MM« : 0 I Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Freitag, den 9. November 1928, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Sonnabend, den 10. November, vormittags 10 Uhr, Neumondweihe. Predigt: Hermann Falkenberg. Freitag, den 16. November, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Aula der Cäcilienfchule, Nikolsburger Platz): Jeden Freitagabend liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr pünktlich. Freitag, den 9. November, Predigt: George Eoetz. Abrahams nächster Umgebung lebende Elieser war nicht so hoch gestiegen in der Erkenntnis: er hatte auf der Reise Gott seine Wünsche vorgetragen; Gott wollte ihm, und durch ihn auch dem Abraham, Gutes tun. Hier aber, die Bürgersleute in ihrem Galuth, sie waren Voll-Juden, hatten die höchste Erkenntnis und letzte Festigkeit. Aus ihrem Wort spricht echtestes Judentum: Nichts ist böse, nichts i st gut; alles i st v o n Gott. Diese Bürger können uns Bürgern, diese Diaspora-Bewohner können uns Diaspora-Bewohnern Vorbilder sein. Auch wir leben unsere Tage und Jahre in mehr oder minder ge-, sicherter Regelmäßigkeit dahin. Aber eines Tages tritt vor uns ein Bote aus fremdem Land, fordert von uns, nimmt uns und gibt uns auch (denn alles Nehmen ist zugleich. Erfüllung, und auch Elieser brachte genug, als er Rebekka nahm). So wars im August 1914, so im November 4918'- — SjOUiWERCI^ f ‘billig. > iDohtfchmcckcnd. nahrhaft. wie viele feiern in diesen Tagen die zehnjährige Wieder-, kehr des damals von ihnen zutiefst beweinten Ereignisses, auch damals war also das Verlieren zugleich Erfüllung — so wird es immer wieder sein. Wenn uns bei solchen Ereignissen innerliche Freiheit und Festigkeit zur Seite stehen, sind wir „Juden", die Erkenntnis muß zur Tat, das Wort muß zum Leben werden, wie es bei Laban und Bethuel der Fall war, die das lebten, was sie sprachen. Die Bibel hat uns da zwei wunderbare Beispiele großartigster Diaspora- Frömmigkeit gezeigt: zwei Menschen, die unerschüttert sind gegenüber dem Leid, unerschüttert gegenüber der Freuds, unerschüttert auch gegenüber einem Ereignis, das gleicherweise Freude und Leid enthält. Gewiß, solcherart richtig religiös, ganz jüdisch ^u sein, ist schwer. Wer es aber kann, der kann's überall, und soll nur niemand behaupten, Verwurzetz lung in Volkstum oder Territorium seien nötig für das, wofür in Wahrheit nötig ist allein: Verwurzelung in Gott. Lin christlicher Apologet des Judentums (Wilhelm Traugvtt Krug.) Hundert Jahre sind nunmehr verflossen, seitdem ein. christlicher Professor der Philosophie ein Werk zur Ehre des Judentums veröffentlicht hat, das der Vergangenheit entrissen zu werden verdient. Ihm wollen wir einige Worte dankbarer Erinnerung weihen. Der Verfasser war Nachfolger in Königsberg auf Kants Lehrstuhl, später lehrte er in Leipzig bis an sein Lebensende. Er starb im Alter von 72 Jahren am 12. Januar 1842. Im Jahre 1828 erhob er zum ersten Male seine Stimme für die bürgerliche Gleichstellung der Juden in dem aus der „Minerva" besonders abgedruckten Schriftchen „lieber das Verhältnis verschiedener Religionsparteien zum Staate uud über die Emanzipation der Juden". „Ich glaübe", so schließt Krug, „alles hinlänglich widerlegt zu haben, was man etwa gegen die Emanzipation der Juden in christlichen Staaten sagen könnte. Wird man nun aber darum die Juden gleich emanzipieren? Gewiß nicht. Denn Gewohnheiten und Vorurteil sind gar zu mächtige Hemmketten in der menschlichen Gesellschaft; so gibt es auch sowohl in katholischen wie auch in protestantischen Ländern eine Anzahl von Menschen, welche gegen die Emanzipation der Juden eifern, weit sie darin den Dem Fall Simsons ist nicht sie es, sondern eine andere Frau aus dem Leben Simsons, die sich seiner annehmen will. Er lehnt aber auch hier ab. Von Reue ist nichts zu spüren, vielmehr erscheint er uns vor dem Ende noch furchtbar: er schleudert einen Opferaltar gegen das Kind, das nach der Mutter Wort dereinst den Stamm Simsons vernichten soll. Und doch ist dieses Kind sein eigenes. Man weiß jetzt, daß Altalena Jabotinsky ist und versteht manches in dem Buch besser: versteht, wenn er mit den „Philistern" wohl trinken, aber nicht aufbauen will, versteht, wenn er das Schwert über alles stellt, versteht, wenn er seinem Volk sagen läßt, daß es Eisen, vor allem Eisen sammeln soll und einen König einsetzen. Um so schöner und beachtenswerter, wenn auch Jabotinsky-Altalena der Satz entschlüpft: nicht das Blut, sondern die Seele macht das Wesen der Menschen aus. Ein Philister spricht es — aber es soll doch wohl auch für Simson gelten? Und vielleicht bietet die Bibel auch hierzu einen, wenig beachteten, Anhalt: als die Eltern ihm die Frau nicht geben wollen, die er sich wünscht, heißt es ausdrücklich: „sie wußten nicht, daß solches von G o i*t war, er sollte eine Gelegenheit suchen, mit den Philistern zusammenzutreffen, denn sie herrschten damals über Israel". Diese Bemerkung eröffnet eine weite Fernsicht: dann wäre Simson bei all seinen Kämpfen doch der Geweihte Gottes, sein Bote und Beauftragter, und er wäre diesem Auftrag dann nicht dadurch untreu geworden, daß ihn das Ewig-Weibliche hinabzog, sondern er wäre dann einfach zweimal das Opfer seines Vertrauens und schnöden Verrats und mangelnden Menschenkenntnis geworden. Er ginge also als tragischer .Held zugrunde und würde unser volles Mitleid verdienen. Auf einen solchen Ton nun ist die letzte Variation des Themas abgestimmt: die von Felix Salten („Simson", Verlag Zsolnay, Berlin, Wien, Leipzig. 223 S.). Salten gibt seinem „Simson" den Untertitel: Das Schicksal eines Erwählten, und er schickt feiner Darstellung das Motto voraus: „Wenn ihr die Bibel lest und haltet euch an die Blich staben, so werdet ihr in die Irre geraten. Jyr müsset euch an die Menschen halten und an den Schimmer, den ibre Seelen verbreiten." Und ein zweites Motto: „Ein Verrat wie dieser ist undenkbar und darf auch nicht gedacht werden." llnd er wird wirklich bei Salten nicht gedacht. Tie Schwester Delilas ist die Verräterin; sie selbst, Delila, entlockt ihm wohl das Geheimnis, aber nur um ihrer selbst willen, als Beweis seiner Liebe will sie es, von der Schwester dazu getrieben. Sie weiß nicht und ahnt nicht, daß die Schwester eine Beauftragte der Fürstin und des Fürsten ist. Und so kommt es, das; Delila den Simson — ähnlich wie bei Händel — nach siinem Untergang nicht verläßt, sondern bis zum schrecklichen Ende bei ihm ausharrt. Und als Dritter gesellt sich ein Hund zu ihnen, der auf Salten, als Verfasser von „Bambi" luiir, weist. „Ich verzeih dir — das verzeihe ich dir, wenn es wirklich nur deine Liebe gewesen ist," sagt Simson zu Delila, die er erst fortstoßen wollte, in der von Salten breit und in ganzer Innigkeit ausgesponnenen Schlußepisode. Sie ist nicht das Einzige, was Salten hinzuersindet. (Tie jüngere Schwester hat einen Anhalt in der Bibel, allerdings als Schwester der ersten Frau.) Wir hören von einem Feind Simsons, der seine Rache an ihm dafür kühlt, daß er ihn einst in die Tretmühle schickte. Er ist es, der Simson blendet: wir hören von einer Fürstin, die Voraussicht, daß Simson nur durch Frauenlist fallen wird; wir hören vor allem aber ausführlich von den Eltern Simsons. Rührend ist die Mutter, die ihren „wilden Jungen" immer wieder durch Bibelsprüche sanft stimmen will und ihn gegen den Vater in Schutz nimmt. Erschütternd wirkt sie, wenn sie nach der Blendung — wie einst Hiobs Frau — in wilde Verzweiflung ausbricht und Gott lästert. Manoah aber — wie Hiob im Anfang — sucht nun sie fromm umzustimmen — wie der Manoah Handels. Aber erst angesichts des zusammengestürzten Tagontempels spricht sie: „Du Gott — ich preise dich wieder." Das könnte wie fürchterliche Rachegesinnung erscheinen. Aber man darf auch nicht vergessen, daß unter den Trümmern zugleich ihr Sohn liegt. Das Opfer des Sdhnes ist ihr der neugewonnene Glaube an die Gerechtigkeit Gottes wert — eine unnatürlich-übernatürliche Haltung. Und da das Buch damit schließt, so führt uns Salten nach vieler Weichheit und Rührung, — auch von Si.msons Gesang, von dem schon bei Saint-Sens gesprochen wird, ist viel die Rede — die nur durch die Roheitsausbrüche des Feindes unterbrochen wird, zu dem Bibelstandpunkt zurück: Simson ist unschuldig „schuldig "geworden. Er war ein Geweihter Gottes, er fühlte sich als solcher, aber das Ewigweibliche zog ihn hinab, nicht durchs seine Schuld, sondern durch fern Schicksal. S o gesehen, wird man kaum einen Einwaird gegen Saltens Darstellung erheben können. Vielleicht hat er wirklich recht, vielleicht war Delila eine Ruth. Beide stammen ja aus heidnischem Land, beide sollen ja zur Richterzeit gelebt haben. Und beide wären dann für uns Vorbilder der Gegenwart. Ter Gegenwart — ist das Ewig-Weibliche denn nicht gerade das Thema jetzt, die sexuale Frage, das, Problem? Ist die Simsontragödie nicht ganz „modern", ist sie nicht das Problem der Jugend? Und die Ueberwindung dieser Not? Wenn mau. verstehen und milde urteilen will, wie jener amerikanische Richter, dann wird man und soll man sich allen Fehltritten gegenüber das schöne Wort Simsons bei Salten zueigen machen: „Das verzeihe ich dir, wenn es wirklich nur deine Liebe gewesen ist." Aber alle guten Geister, vor allem der gute Geist jüdischer Religiosität, sie mögen uns und unsere Jugend davon bewahren, in das Geschrei vom unbedingten Reckst und von her unbedingten Notwendigkeit sinnlichen Auslebens einzustimmen. Nicht nur, daß uns Arztweisheit hier zur Seite strht. die leine Gefahr in der sinnlichen Beschränkung erblicke. sondern vor allem ist es natürlich der Ausblick auf die furchtbare Entwürdigung des Typus Mensch, grauenvolle Entwürdigung der Begriffe von Reinheit und Heiligkeit, der Begriffe von Seele und Geist und Geheimnis, der Ausblick auf den heidnischen und nicht etwa antik-schönen Triumph des Körpers und all dessen, was im Gefolge steht, die uns zum Kampf und zur Hilfe auf den Plan rufen müssen: freilich nicht nur gegen und für die Jugend, sondern auch gegen und für die Erwachsenen. Tenn „die Revolution der Jugend" ist nicht zuletzt eine Folge der „Revolution der Erwachsenen". Wir sind mit diesen Zitaten schon bei L i n d s e y. Aber es scheint fast, als sollte er das Schicksal von Nietzsche erleiden. Wie dieser in völligem Mißverstehen als Freibrief für sexuelles Ausleben benutzt wird, so fast auch Mer. Und doch ruft ja Lindseh nur zur Milde nach der Tat auf, aber doch nicht zu dieser Tat selbst. Er verlangt ja durchaus als Gegengewicht gegen sinnliche Gelüste die Innerlichkeit, auch des „neuen Menschen". Er wendet sich nicht philisterhaft, gegen neue Freiheit der Jugend, * aber „in der Revolution unserer Jugend liegt eine angeborene Fähigkeit, die eigene Seele zu finden und in Harmonie mit Gott zu leben, und dieser unaussprechliche Ansporn wird mib der Zeit sieghaft sein." So sielst es Lindsey. Auch feiüe Nachbeter? Und wollen wir Juden gerade nicht uns und der Jugend das Wort dieses Lebensweisen ganz fest einprägen: „Die positiven Tugenden, die die Rühe der Ewigkeit an sich haben und ein Teil des göttlichen Seins sind, haben eine vollkommen unwiderstehliche Kraft, wenn sic einmal in Bewegung gesetzt werden. Und sie sind es, die dem Menschen'jene natürlichen Beschränkungen in der Lebensführung geben und ihn die Wahrheit des Bibel- Wortes (aus Micha) lehren: „Es ist dir gejagt, o Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott." ©.o. sicht ein Revolutionärer von heute aus! Mit Micha im Bunde kündet er Milde, Verstehen und — Liebe. Tenn das ist das Schlußwort in der Betrachtung: üm der Liebe willen dürfen wir nicht aushören, wie Laz crr ps sagte,, „Liebe zur Liebe" zu fühlen, und dasi heißt ja — zu. Gott. Wir können weitgehende Nachsicht gewähren, den Verkehr der Geschlechter so ungezwungen wie möglich gestalten, aber um Gottes, d. h. um der Liebe willen müssen wir uns" dem Strom der Zügellosen und der Zügellosigkeit machtvollst entgegenwerfen, nicht mit Schelten bloß und nicht nur mit. Predigen, sondern mit immer neuer Erfindung und immer neuem. Spürsinn, um die Jugend und die Erwachsenen für das Reich der Seele zurückzugewinnen und das Reich ve retze lt er Sinnlichkeit. Alle „Aufklärung" ist ja üb erflüssig, wenn wir von der frühesten Kindheit an dem Kinde das Sinnliche nicht verhüllt, aber, immer und gleichzeitig geheiligt darbieten. Alle Eheprobleme hören auf, Probleme zu sein, wenn wir auch hier wieder Lindsey, den Verfasser der „Kameradschastsche" ganz tief verstehen. Nicht das Kindproblem ist ihm die Hauptsache, nicht die Frage tot Dhelduiig steht obenan, sondern die Ausreifung der (Persönlichkeit., Ehe. ist ihm „eine schöpferische Künst", und das Wort „treu" hat in der Ehe eine weit „in das: Reich sech lischer Dynamik hineingreifende Bedeutung". Ist das alles aber.etwas anderes, als wenn Lily Montagu auf der Tagung aüsrief: „Können wir unseren jungen Leuten Acht /lgtlwKchkü,-aßk 'die Ehe eine Eruiedrigüng erfährt, we.nn'sie nicht durch Liebe und religiöse: Beranitung geweiht wird?" Geweiht — sind wir damit nichts beim Ausgangspunkt der Betrachtung, bei Simson? Seid, ihr Eltern, Geweihte Gottes vor der Kind es-Geburt, und' euer Kind wird, wosern ihr nicht Unglück habt, ein Geweihter Gottes sein Lebelang sein. Das Ewig-Weibliche zieht auch ihn dann hinan und nicht hinab, ihn -r. und durch ihn die Jungfrau und durch ihn sein Weib.