Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 44 (2.11.1928)
- Date
- 1928-11-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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rechts, um die Anwendung fremden Rechts und um die besonders schwierige Anwendung jüdischen Rechts handeltleitete zu den Fragen der Fürsorge für ausländische und staatenlose Kinder in Deutschland, der Bekämpfung des Mädchenhandels und der Stellung der Agnnoth, der cheverlassenen Frauen sowie der Scheidung jüdischer Ehen über. Tie Erfahrungen, die man mit der BahnHofshilse gemacht hatte, wurde insbesondere von Frau Ollendorf dargelegt und stärkerer Ausbau verlangt. Sie betonte auch die Notwendigkeit für die schulentlassene Jugend durch Gemeindcheime zu sorgen, wo auch Gelegenheit gegeben werden könnte, die Freizeit der erwerbslosen Jugendlichen zweckmäßig auszugestalten. Tie wichtige Erörterung über die Fragender Agunoth verlegte man auf den Abend, weil besonderes Gewicht darauf gelegt wurdedie Stellungnahme der Rabbiner kennen zu lernen. Frau Ernestine Eschelbach er (Berlin) legte Ln sehr eindrucksvollen Darlegungen die Größe der Not dieser Frauen dar, einer Not, die auch früher schon vorhanden war, die aber in neuerer Zeit ein nichtgekanntes Ausmaß angenommen hat. Tie Versuche des „Vereins zur Verbesserung der gesetzlichen Stellung der Jüdinnen" (Sitz London/ haben zunächst dahin geführt, daß man die Schwierigkeiten Har erkannt hat und daß man an ihre Bekämpfung wenigstens so weit gegangen ist, als es sich um organisatorische Mängel handelt, die ohne Aenderung des Rechts beseitigt werden können. Zu diesen Aufgaben gehört z. B. das Hinwirten daraui, daß eine Registrierung der Eheschließungen vorgenommem wird, was jetzt vielfach von der ärmeren Bevölkerung unterlassen wird fftille Ehuppe) und was später wegen der fehlenden Möglichkeit, die Eheschließung ordnungsmäßig nachzuweifen, tatsächlich geschlossene Chen als Konkubinate erscheinen läßt. Vielfache läßt sich durch Zusammenwirken zwischen Hilfsstellen am Orte der Frau und Persönlichkeiten oder Organisationen an dem Ort, wohin der Mann sich begeben hat, erreichen, daß eine Alimentation der verlassenen Frau und Kinder oder wenigstens eine ordnungsmäßige Scheidung durch den Mann erfolgt. Tie Aussprache am Abend und die Mitteilungen in einem kleineren Kreis von Persönlichkeiten, die auf diesem Gebiet besondere praktische Erfahrung hatten, ergab, daß in einer Reche von einzelnen Fallen durch eine solche sich über alle Länder erstreckende Zusammenarbett gute Ergebnisse zu erzielen sind. Jedoch bleiben viele Fälle, die auf diese Weife nicht lösbar sind. Tie Frage, oh und wie eine gesetzliche Besserung erreicht werden könne, war der wesentliche Gegenstand der Aussprache am Abend selbst nach dem Referat. Während Herr Rabbiner Tr. Sänger aus dem Standpunkt stand, daß ein Beth Tin von 100 Rabbinern imstande sein würde, die Agnnoth frage zu erledigen und aus Stetten in den Traktaten hinwies, die davon reden, daß man in diesen Fragen sehr tolerant sein solle, stand Herr Rabbrner Tr. Srmonsohn auf dem Standpunkt, daß es sich um eine Grundfrage des jüdischen Rechts handle, die durch eine Zusammenkunft von 100 Rabbinern nicht gelöst, bezw. geändert werden könne. An prattischen Maßnahmen verlangte auch er, daß die stille Ehuppe, die Eheschließung ohne offizielle Registrierung, nicht vorgenommen werden solle. Eine Aenderung der rechtlichen Grundlagen könne jedoch nicht anders als durch ein großes Synhedrion in Jerusalem erfolgen. Herr Rabbiner Tr. Vogelstern kam in seinen 'Ausführungen zu dem Ergebnis, daß es sich nicht darum handle, die alten Bestimmungen zu beseitigen, sondern darum, Auswege zu finden, um den Bedürfnissen des Lebens gerecht zu werden. Nicht die Religion sei schuld an dem jetzigen unbefriedigenden Zustand, sondern daß man der dem gewaltsamen Uebergang aus dem Mittelalter zur Neuzeit vergessen und verabsäumt habe, ähnliche Schritte zu tun, wie sie unsere alten Weisen getan haben, die die Lehre und das Leben in Einklang brachten. Er hielt es für möglich, daß die Rabbiner der verschiedensten Länder und Richtungen zusammentreten, um etwas zu finden, damit nrcht d:e Grundlage, das jüdische Haus und dre jüdische Familie, mehr und mehr erschüttert werden und das Gegenteil dessen erreicht wird, was die Gesetze wollen. Tic Versammlung selbst nahm in diesem Streit der Meinungen kerne einheitliche Stellung. Von den ausländischen Gästen wurde die Notwendigkeit praktischer Arbeit im e:nzelnen Fall als besonders wünschenswert hervorgehoben. Darüber hinaus aber wäre nicht nur vom liberalen Standpunkt aus dringend zu wünschen, daß eine Lösung gefunden würde, die auch die Gewissensbedenken der orthodoxen Juden beseitigt. Der Nachmittag war den Fragen der überparteilichen, interkonfessionellen und internationalen jüdischen Frauenarbeit gewidmet. Eine besonders lebhafte Aussprache knüpfte srch an die Frage der interkonfessionellen Arbeit durch jüdische Frauen. Wenn auch die Auffassungen im einzelner: stark von einander abwichen, so war doch allen die Ueberzeuguug gemeinsam, daß die jüdische Frau je fester sie in ihrer religiösen Tradition wurzelt und je mehr starke Persönlichkeit sic sei an Wert auch für die interkonfessionelle Arbeit gewinne. Tie Vorbereitungen zu einer internationalen jüdischen Arbeit wurden besprochen. Trotz allen Widerstreits der Meinungen in einzelnen Fragen war der Grundton und das Ergebnis der Tagung doch ein starkes Erleben der Gemeinsamkeit und des gleichgerichteten Strebens, an einer großen Aufgabe mitzuwirken. | Theodore Reinach | In Paris verstarb der berühmte französische Historiker und Archäologe Theodore Reinach im Alter von 68 Jahren. Theodore Reinach war ein Bruder des verstorbenen hervorragenden französischen jüdischen Politikers und Schriftstellers Joseph Reinach und des noch lebenden hervorragend den Philologen u:ü> Archäologen Salomon Reinach. Die drei berühmten Brüder Reinach entstammen einer aus Frankfurt a. M. gebürtigen jüdischen Familie. Joseph Reinach wurde Kabinettschef Gambettas, als dieser 1881 Premierminister wurde. Salomon Reinach verfaßte zahlreiche vielbeachtete Schriften über Philologie, Archäologie und Philosophie und übersetzte einen großen Teil der Schriften Schopenhauers ins Französische. Der verstorbene Theodore Reinach war nicht nur ein hervorragender französischer Historiker und Archäologe, sondern auch der repräsentative Geschichtsschreiber des Judentums in Frankreich. Theodore Reinach hatte den Bestrebungen des lweralen Judentums stets das wärmste Interesse entgegengebracht und hat in der Jüdisch-äiberalen Zeitung oft zu den Problemen des religiös-liberalen Judentums Stellung genommen. Wir veröffentlichen nachstehend die Antwort Professor Reinachs astf eine Umfrage, die wir 1926 anläßlich des Versöhnungs¬ \ tages an führende Männer der Wissenschaft, der Kunst und der Wirtschaft richteten: „Man macht sich immer ein wenig lächerlich, wenn man sich selbst zittert, aber die Umstände erfordern es manchmal. So z. B. ist es mir nicht möglich, auf die Aufforderung der „Jüdisch-liberalen Zeitung" mit klareren Worten zu antworten, als indem ich einige Zeilen des Büchleins wiüwrgebe, das ich im Jahre 1884 (also vor 42 Jahren) unter dem ein wenig gesuchten Titel: „Geschichte der Israeliten" veröffentlichte (grande mortalis aevi spatmm) und das Glück hatte, vier Auflagen zu benöttgen. Auf Seite 386 desselben, nachdem ich die Ansicht widerlegt hatte, daß die zerstreut lebenden Juden kein pattiotischeS Gefühl besäßen, sagte ich folgendes: „Der jüdische Patriotismus hat, trotzdem er noch neu ist, so beredtes Zeugnis abgelegt, daß kein Zweifel an seiner Aufrichtigkeit bestehen kann. Gewiß, er beruht nicht ans einem blinden, ererbten Instinkt, er hat seinen Ursprung in vernnnftmäßiger Inspiration und Ueberlegung, er rührt von der Begeisterung eines dankbaren Herzens her. Ist er deshalb weniger rein, weniger wert? Man könnte wohl behaupten, er ist deshalb vielleicht reiner und edler. Denn schon sein Ursprung besagt, daß er natürlicherweise frei ist von all den sogenannten „nationalen" Vorurteilen, und frei von allem mit der Muttermilch eingesogenem Haß. Diese verderben gar zu oft den Patriotismus und verwandeln ihn in der Seele des redlichsten Menschen in einen albernen, hochmütigen Chauvinismus. Gerade weil so viele Juden Freunde, Verwandte, Familienerinnerungen in mehr als einem Teile der Welt haben, ist mit ihrer Anhänglichkeit an den Heimatsboden weniger Ungerechtigkeit» weniger Absprochendes verbunden. Wie jene Heldin des antiken Theaters kann der Jude sagen: Mein Herz lebt, um zu lieben, nicht um zu hassen. Er würdigt, er liebt sein Vaterland, ohne aus Borurtett die anderen zu verleumden. Besonders lehnt er es nicht ab, sich über sie zu unterrichten« Wenn er sie selbst kennt, unternimmt er es zuweilen, sein« Mitbürger über sie zu belehren. Er dient alsdann als... Bindeglied, als Dolmetscher unter den Zivilisattonen, die sich oft hassen, weil sie einander nicht kennen. In einem Zeitalter, wo so viel Elemente dazu beitragen, die Völker zu teilen, ist es da s.o schlecht, wenn unter ihnen einige sind, die Annäherung, wenn nicht Verbindung wollen?" Ich habe an diesem Abschnitt nicht ein Wort zu ändern. Ec hat mir natürlich einen Hagel von Schimpfreden seitens der Trumont und Unter-Drumont aller Art eingebracht. Mer einige Jahre später war ich glücklich, die hauptsächlichsten Gedanken meines Buches in einem Buche des genialen Israel Zangwill, des erst jetzt Bewunderten, wiederzufinden — einfaches Zusammentreffen.* „Ter Jude", so schrieb er irgendwo, „hat mit allen Völkern gelebt, und er hat durch seine Fähigkeit, am Leben aller teilzunehmen, indirekt bewiesen, daß es tief dafür fühlt. Tas internationale Recht, die einzige starke Grundlage des internationalen Friedens, ist nur ein Sonderrecht, oder, wenn man so sage^will, eine Rechtserweiterung. Das Recht in den BeziehWtzen der Bürger desselben Landes untereinander ist auch eines der beliebten Themen des Judentums; man kann sagen, daß es nicht allein das Grunds- Prinzip der Moral, sondern auch des Prophetenglaubens ist. Diese Hallen die Gerechtigkeit für das hauptsächliche Gottesattribut, für die Hauptaufgabe des Gläubigen, die höher einzuschätzen und wichttger ist als das Gebet und,das Opfer. Und dieses Rocht — (ich habe es an anderer Stelle gesagt: „Das prophetische Judentum und was die Menschen von heute erhoffe::.") ist nicht ein trockenes, strenges Gesetz, das gemeiniglich mit dem Namen Pharisäertum bezeichnet wird, sondern ein Recht, das ganz von Erbarmen durchtränkt ist, das an erster Stelle die Verteidigung der Arn:en und Liebe zu den Hilflosen setzt. Das Judentum ist während seiner langen Geschichte nicht allein der Apostel, sondern der Märtyrer eines solchen Rechts gewesen. Man kann verstehen, daß es tief darüber fühlt. Obige Worte sollen zu verstehen geben, daß, wenn das Judentum sich selbst treu bleibt und auf dem von den Propheten und besonders von dem größten von allen, dem „Zweiten Jesaja", geöffneten Wege fortschreitet, es nicht verfehlen kann, wirksam an den beiden höchsten Zielen der wahren Zivilisation zu arbeiten: dem sozialen uitb dem internationalen Recht, mit anderen Worten an der Versöhnung der Klassen und der Versöhnung der Nationen. Bolksversöhnung und Völkerversöhnung!" Umschau Eine merkwürdige Grundsteinlegung. Am vergangenen Sonntag, den 28. Ottober, wurde in Anwesenheit eines zahlreichen Publikums die Grundsteinlegung für die neue Berliner Synagoge in der Prinzregentenstraße feierlich vorgenommen und die Bauurkunde versenkt. Merkwürdigerweise hatte man es, trotzdem es sich um eine liberale Synagoge handelt, noch nicht einmal für erforderlich erachtet, die liberalen Mitglieder der Reprüsentantenfraktion oder die Redaktion der Jüdisch-liberalen Zeitung einzuladen. Die liberale Fraktion der Repräsentantenversammlung hat wegen dieses merkwürdigen Verhallens beschlossen, eine Interpellation an den Gemeindevorsta:ü> zu richten. Bei der Feier hielt die Festansprache das zionistische Mitglied des Gemeindevorstandes Georg Kareski, der aussührte, es sei ein Zeichen für die Gesundung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Berliner Jüdischen Gemeinde, daß es ihr nunmehr möglich sei, nach der langen Pause der Kriegs- und Nachkriegsjahre wieder an die Befriedigung der dringenden religiösen Bedürfnisse der Berliner Judenheit zu schreiten. Die Urkunde, die zur Versenkung gelangte, verlas der Baumeister der Gemeinde, Regierungsbaumeister Beer. Vorar^sichtlich wird der Bau zu den hohen Feiettagen des kommenden Jahres fertiggestellt sein. Gründung des Vereins ..Gemeinnützige jüdische Eheanbahnungsstelle. Am 28. Ottober fand in Frankfurt a. M. die Konstituierung des Vereins „Gemeinnützige jüdische Eheanbahnungsstelle" statt. Die vorgelegten Statuten wurden einstimmig angenommen. Danach bezweckt der Verein, der seinen S:tz in Frankfurt am Main hat und ins Vereinsregister eingetragen werden soll, die Errichtung und Unk terhaltung einer gemeinnützigen Eheanbahnungsstelle, ferner die Unterstützung aller Bestrebungen, welche die Förderung der Eheschließung unter den Inden, zumal der Frühehe und die Bekämpfung der Mischehen sich zur Aufgabe machen. Der Verein betreibt nur gemeinnützige und fürsorgliche Arbett, letztere auch in der Richtung, etwa erzielte Ueberschüsse, insbesondere aus Schenkungen und Stiftungen zur Ausstattung von armen Bräuten zu verwenden. Die Geschäftsstelle der jüdischen Eheanbahnungsstelle bzw. des Vereins soll in Fra:rkfnrt a. M. geführt werden. In größeren Städten und Bezirken des Deutschen Reiches werden ehrenamtlich tätige Vertrauenspersonen sowie erforderlichenfalls lokale Bezirksstelle« zur Unterstützung von armen Bräuten bestellt. Sowohl Einzelpersonen wie KörpttWtsten können Mttglieder werde«. Der Mitgliedsbeitrag für das einzelne Mitglied beträgt mindestens 5.— Rm. jährlich. Die Geschäfte des Vereins werden aus einem ans 15 MttgKchÄn bestehenden BerwaltungsanSschuß geführt, von denen 7 ihren Wohnsitz in Frankfurt a. M. wer nächster Umgebung haben müssen. Daneben ist ein Beirat von 21 Mitgliedern bestellt, der bei wichtigen Entschließungen hinzugezogen werdest kann. Es wurden Entschließungen ans der Mitgliederversammlung angenommen, wonach der Vorstand ersucht wird, dem Verein einen kurzen, prägnanten Namen zu geben, Nicht-, Linien für die ptattische Tätigkeit auszuarbeiten, und den Ehebewerbern ein Merkblatt über die gesundheitlichen Anforderungen bei der Eheschließung zu übergeben. Men denen, welche zum Zustandekommen des Vereins beigetragen hatten, wurde Dank ausgesprochen: Der Großloge des unabhängigen Ürdens B. B. und den jüdischen Gemeinden, welche bereits! ist größerer Zahl namhafte Zuwendungen gemacht haben, det Mischen Presse aller Richtungen für ihre Unterstützung und zahlreichen Einzelpersonen, die in Stadt und Land werbend für die Sache eingetreten waren. In den Verwaltung Saus schuß wurden gewählt: Wolfgang Auerbach, Frankfurt a. M., Benno Basch, Magdeburg, Johanna Bär, Vertreterin des Schwesternverbandes des U.O.B.B., Frankfurt a. M., Julius Bloch, Frankfurt a. M., Rabbiner Dr. Dienemann, Offenbach a. M., Arzt Dr. Ehrenreich, Köln, Sanitätsrat Dr. Goldschmidt, Bettin, Vertreter der Großloge der U.O.B.B. Professor Dr. Hanauer, Frankfurt a. M., Frau Hauptlchrer Kauffmann, Gelsenkirchen, M. Markreich, Bremen, Frau E. Rosenzweig, Frankfurt a. M„ Rabbiner Dr Unna, Mannheim, Professor Dr. Wölbe, Berlin. In den Beirat wurden gewählt: Landrabbiner Dr. Blum, Emden, S. Carlebach, Lübeck, E. Felsenthal, Düsseldorf, Justizrat Franken, Archen, E. Heller, Regensburg, Gemeinderabbiner Dr. Hdrovitz, Frankfurt a. M., Rabbiner. Dr. Krakauer, Osnabrück, A. Levy-Mohr, Frankfurt a. M., Wilhelm Marcus, Bettin, Dr. Julius Moses, Mannheim, Synd. Dr. Nathan, Hamburg, Oberlandes-Gerichtsrat Dr. Neumayer, München, Rudolf Oestreicher, Aschaffenburg, Frl. Berta Pappenheim, Frankfurt a. M., Sanitätsrat Dr. Ries, Stuttgart, Lehrer Steinhardt, Magdeburg, Arzt Dr. Würzburger, Heilbronn, Frl. Else Zedner, Frankfurt a. M. Um die Staatsländereien in Palästina. Die Erwiderung der britischen Regierung auf das der letzten Sitzung der ständigen Mandatskommission des Völkerbundes (im Juni d. Js.) vorgelegene Memorandum der Zionistischen Organisation bezüglich der Pflicht, der britischen Regierung, Staats¬ und Brachländereien für eine zusammenhängende jüdische Siedlung in Palästina zur. Verfügung zu stellen, ist soeben beim Völkerbund deponiert worden. Zu der Frage der Ansiedlung von Juden auf Staatsboden gemäß Artikel 6 des Palästtna-Mandates äußert sich die britische Regierung dahin, daß die Palästina-Regierung sich der Pflicht, die ihr Artikel 6 des Mandates auserlegt, wohl bewußt ist, und daß sie, wie es auch das Memorandum der Zionistischen Organisation anerkennt, bestrebt ist, in der Angelegenheit der Beisan-Wöden zu einem befriedigenden Arrangement zu kommen. Aus der Petition der Araber von Caesarea, die im» vorigen Jahre überreicht worden war, kann die Mandatskommission ersehen, wie sehr die Vorkriegseinwohner jeden Akt der Palästina-Regierung, der sich auf die Position von Staatsböden bezieht, mißtrauisch beobachten. Pflicht der Regierung ist es deshally die Obliegenheiten, die ihr aus Artikel 6 des Mandates erwachsen, mit jener Vorsicht zu erfüllen, die wesentlich ist für die Erhaltung des Friedens und der Ordnung,! ohne welche das jüdische Nationalheim nicht auf sicheren Fundamenten errichtet werden könne. Bezüglich der Peisan-Köden stellt die Regierung fest, daß eine Sonderkommission die Ansprüche, die sich auf diese Böden beziehen, prüft Md,-hierin bereits beträchtliche Fortschritte erzielt hat. Es wird, erwogen, Einzelpersonen uiw Körperschaften, die sich.mit der Entwicklung der Landwirtschaft befassen, in die Lage zu versetzen, von denjenigen, die auf Grund des Beisan-Abkommens den Boden innehaben, diesen Boden zu erwerben, und zwar unter den gleichen Bedingungen, unter denen ihn jene an sich gebracht haben. Tie Regierung hofft, daß ein. befriedigendes Ergebnis erzielt werden wird, muß aber bemerken, daß Vorsicht geboten sei. und daß die bodenarrne^ Elemente unter der jetzigen Inhabern von Beisan-Böden nicht ganz ihres Bodens verlustig gehen sollen. Bezüglich Absatz 3 des Memorandums der Zionistischen Organisation, in welchem betont wird, daß der Mangel an Kapital des Einwanderers für diesen kein Hindernis, ins Land zu kommen, sein, so:ü>ern daß die persönliche Befähigung des Siedlers den Ausschlag geben solle, erklärt die Regierung, daß der leitende Jmmigrationsbeamte nach Direttiven des Oberkommissars handelt und keinerlei eigenherrliche Befugnisse betreffend Einwanderer mit eigenen Mitteln besitzt. Was Absatz 31 des Memorandums betrifft, wonach eine stärkere Beteiligung der Regierung an den Ausgaben für öffentliches Gesundheitswesen verlangt wird, so wird die Ausmerffamkeit auf die Tcttsach'e gelenkt, daß im Regierungsbudget 3800 Pfund für die Vollendung des Tel Aviver Hospitals, 2000 Pfund für dessen innere Einrichtung vorgesehen sind, daß 3000 Pfunß im Vettauf von drei Jahren vom Tel Aviver Stadtrat der ihm von der Regierung zur Verfügung gestellten Anleche beizutragen sind. Erwogen wird ferner die Schaffung einer Unterbringungsgelegenheit für Geisteskranke. Die Juden in der Tschechoslowakei. Die Judenheit der Tschechoslowakei begeht die Feier des 10jährigen Bestandes der Republik durchs verschiedene Festakte und Kundgebungen. Der Oberste Rat des Verbandes der Jüdischen Kultusgemeinden Böhmens, Mährens und Schlesiens hat das folgende Manifest heraus gegeben: \ „Der Oberste Rat der Jüdischen Kultusgemeinden in Böhmen, Mähren und Schlesien hat in der im Festsaale des Jüdischen Rathauses zu Prag abgehallenen Festsitzung den 10jährigen Bestand der Tschechoslowakischen Republik zum Anlaß genommen, die Anhänglichkeit der durch ihn vertrotenen Judenheit an die. Republik und an die Person ihres ersten Präsidenten T. G. Müsaryk zum Ausdruck zu bringen. Der Oberste Rat benutzt gerne die Gelegenheit, um auf die gerechte Haltung der Republik und ihrer Regierung der Judenschaft gegenüber httrzuweisen und daran die Hoff»