Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-10-26 · 43 (26.10.1928) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
43 (26.10.1928)
Date
1928-10-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2613366-2613947-2613990--2909-2620435
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

Entwicklung: „Ihr seid mir zu wenig." Gott hat anders gedacht und gehandelt: „Nicht weil ihr so viel wart, habe ich euch erwählt, sondern weil ich euch lieble." Gott liebt die — Wenigen, der Mensch sollte die Bitten — unbedingt nötig haben? „Schauet auf Abraham, denn als einen berief ich ihn, daß ich ihn segne und vermehre." „Durch d i ch (Abraham) sollen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden." Tenn selbstverständlich meinen auch wir nicht, daß es hei den Wenigen bleiben soll, ja darf. Das gäbe wirklich eine Mönchsreligion. Es muß und es soll zur Gesellschaft kommen, zur Verwirklichung. Zunächst innerhalb der Judenheit. Aber welche Heradschung, welche Verkennung, welche Lähmung der Tatkraft vor allem, die sich doch gerade jetzt wieder regt, nur und nur in einer einzigen Form der Gemeinschaft, der volklichen, die religiöse Rettung erblicken zu wollen. Umsonst «Synagoge, umsonst Vereine, umsonst Soziales, umsonst alle Logen, umsonst alle Jugend und ihr Bestreben, umsonst alle Volksbildung, jede Schule der Jugend, die für die Kinder, die für Erwachsene, umsonst Landesverband, umsonst Reichsverband, Rabbinettagungen, Weltkongresse — alles umsonst, wenn es uns nicht die Einsicht verschafft, — daß es umsonst ist und wir verkümmern müssen in der Zerstreuung! Ja sicher, es ist schon alles umsonst, wenn wir mit solcher Ansicht dorthin gehen, so in ihr wirken, sv sie bezweifeln, -spötteln, belächeln. Sicher umsonst, wenn wir, die wir den Blick dafür haben sollten, gar nichts von den Funken bemerken wollen, die alle für die Zerstreuung positiv Eingestellten begeistert unter der Masse in Mengen verstreuen, nicht Funken, die sofort wieder verglimmen, sondern hei allen Ernsten und allen Erweckten immer wieder und wieder zu Gluten anschwellen, wenn auch gewiß nicht zu den Gluten der Führer. Aber w o hätte man derartiges schon erlebt? Es ist eben möglich. Und wenn trotzdem — und das ist immer wieder derselbe Jrttum — auf Lücken und Mängel — mit vollem Recht hmgewiesen werden konnte UNd kann, so liegt das eben nicht an der Verkehrtheit des Zieles, es liegt an der Verkehrtheit oder dochan der MangZhMgkert des Weges, liegt an den Methoden, liegt an bet Einseitigkeit und Engherzigkeit, die man trotzdem immer „liberal" genannt hat, liegt an der Erhabenheit nicht wn Niger „Führer", die Stimme der „Laien" nicht hören zu wollen, liegt an der Unentschlossenheit, kämpfen zu wollen, liegt an dem ewigen Kompromissen, liegt an dem ewigen Mcksichtnchmen, liegt an den Reförmchen, diewirklich manchmal Wieners Urteil als „Kinkerlitzchen" verdienen, liegt an der Langsamkeit nicht zuletzt, mit der der Liberalismus den Liberalen nachhinkt. Wer was ist denn nun ebenso bei all den Religiösen, die mit Wiener für ihre Gemeinschaft kämpfen, was ist denn so grundlegend Neues geschehen, ja selbst nur gffagt, ja selbst nur gewagt, um von da aus und -etwaigen Mißerfolgen sich das Recht zu nehmen, den bisherigen und allen gegenwärtigen Bemühungen ganz einfach 'das Todesurteil zu sprechen? Was hat man dmn grundlegend NeuB von Gott gesagt, grundlegend Neues von religiösem Erleben, grundlegend Neues von Beten und Hören, -was ist denn grundlegend Neues geschaffen, um die so „verkümmerte"" Gemeinschaft neu zu beleben? Das ist wahrhaftig denn doch zu bequem, das bisherige nur einfach zu Kursieren und es zugunsten einer noch im Werden begriffenen, völlig unfettigen und unerprobten Gemeinschaft auf Grund bloßer Theorie und bloßen Glaubens ganz einfach preiszugeben. Und beruft man sich wieder — meiner Meinung nach durchaus zu Unrecht auf die Zeit des alten jüdischen Volkslebens — so berufe ich mich mit mindestens 'demselben Recht, und vielleicht viel größerem, denn es handelt .sich um eine viel größere Spanne — auf die Zeit der Zerstreuung, also nach 70, die doch das Gemeinschaftsleben, von 'dem Wiener spricht, ganz entschittren — trotz Ghetto — nicht gchabt hat. Ja mehr, gerade die bedeutendsten Kopfe aus dieser Zeit, von denen wir uns heute noch religiös nähren, haben mindestens soviel Umweltgeist wie Ghettogeist in sich ausgenommen. Aber die Gemeinschaft soll ja auch für innere Entfaltung dieser Ideen, liberal-religiöser, notwendig sein. Sie "können sich nicht vollenden, sie brauchen ein „Dasein, das aus sich heraus immer andere Probleme und Lösungen gebiert, die besonderen Formen und ebenso die besonderen Gedanken der Religion stets aufs neue bestimmen und umschmttzen muß". Zugegeben. Wenn wir aber für die Möglichkeit einer solchen Umschmelzung nur die jüdische Gesellschaft für geeignet halten und von jeder anderen entweder gar keine Befruchtung oder aber eine Trübung erwarten, dann zeugt bald wohl nicht bloß von einer Schwäche der Position, sondern von mehr. „Um 26 Generationen geht die natürliche Ethik der Thora voran", ist schon altjüdische Weisheit, und auch der Strenggläubige nimmt - nach Guttmann in seinem Buch von der „Umwelt" — keinen Anstoß an einer Uroffenbarung. Es stört ihn gar nicht, wenn Kittel schon bei den Chinesen religiöse Nächstenliebe findet. Und in der Tat, wir wollen doch wohl nicht in dem Sinne zur „Auserwähltheit" zurückkehren, daß wir die grundlegenden Sätze jüdischer Ethik heute nur noch bei uns finden wollen? Wir wollen doch nicht den Segensspruch vergessen, den schon alte jüdische Weisheit über die Weisen aller Völker als Weisheit des jüdischen Gottes sprechen läßt. Jüdisch mag es sein, wenn wir manche Erkenntnisse zuerst und reiner hatten, jüdisch, wenn wir Ethik und Religion nie getrennt haben, jüdisch selbstverständlich, wenn diese Ethik in der alten jüdischen Gesellschaft verwirklicht werden sollte, jüdisch die Form, in der diese Ethik zu uns gelangte. Aber daß auch andere mindestens ähnliche ethische Erkenntnisse hatten, welcher Kundige kann das denn leugnen. Und heute — ja wozu pochen wir denn immer darauf, daß die „andern" doch nur unsere Ethik haben? Schon so gesehen, ist es nicht verständlich, daß sich jüdische Ethik nur unter Juden verwirklichen und entwickeln kann. Entwickeln wir nur die Ethik der „anderen", und wir entwickeln uns. Aber selbst wenn wir jüdische Gemeinschaft brauchten, muß man nicht wieder darauf Hinweisen, wie gerade heute bei der Zusammendrängung der Juden in großen Städten Gelegenheit wahrhaftig genug da ist? Kommt es da irgendwie auf die Zahlen an? 200000 in einer Stadt, 30000 in einer anderen Stadt, ach wieviel jüdisch-ethische Menschen könnte man da nicht heranbilden? Wieviel Ethik ließe sich da nicht entwickeln. Als wenn übrigens selbst in der Gesellschaft Palästinas es sich dereinst nur um Juden handeln wird. Und das ist natürlich durchaus kein Mangel. Ich denke im Gegenteil. Gerade in der Reibung mit der Ethik der anderen wird die jMsche sich am besten entwickeln, vielleicht soge.r oft erst den Anstoß bekommen, sich überhaupt zu entwickele Und wenn oder wo das nicht nötig sein sollte, da zeige sich doch die Kraft der Ethik, da wirke sie doch zum Besten der Juden, da wirke sie doch zum Besten der anderen, so sehr, daß ihre Grundsätze tatsächlich siegen. Nicht möglich, sagt Wiener. Soll man ihn wirklich an den Svjialümus erinnern? Mag sein, daß soweit seine Führer Misch waren und sind, sie es nicht im ausdrücklichen Namen des Judentums waren. Aber wollen wir heute gerade daran zweifeln, im Zeitalter der Psychoanalyse, daß letzten und daß tiefsten Endes das Judentum aus ihnen gesprochen hat? Und »nenn sogar nicht — was hindett uns dann, es heute zu tun, ganz bewußt und durchaus als Juden und mit lautem Bekenntnis unserer Religion? Und wie für Sozialismus, für alles andere? Was hindert uns? Weil wir keine vollliche Gemeinschaft sind, sondern „allenfalls" eine religiöse, „allenfalls" eine tthifche? Ja genügt das wirklich nicht, um uns anzutreiben, und in die vorderste Reihe zu stellen, allem Antisemitismus zum Trotz, immer wieder m die vorderste Reihe? Tun wir es doch als Einzeln«) soweit wir Führermut in uns spüren, tun toirs als Masse, soweit wir Führermut in uns spüren, tun witts als Masse, und die Wirkung wird so sein, wie sie noch immer beim Judentum war, noch immer bei allem Jdettlen gewesen — wir werden sieben! „Wogegen wir uns mit allen Kräften auflehnen, das ist aus der Not ein« Tugend zu machen." Dm Satz geben wir Wimer zurück. Er mag feine Ueberzeugung haben und sie offm und frei verkünden. Aber er darf und sollte.sie nicht als die allein maßgebende hinstellm und jeder anderen Richtung den T^> ansagen. Er sollte uns nicht und erst recht nicht unsere Jugend für ein „jüdisches Gesamtleben" begeistern, in dem „allein" die „volle Kraft der jüdischm Religion" sich bewährt. Einmal, weil er nichts, aber auch nichts dafür anführen kann, was im neuen Palästina schon dafür spräche, ja derartiges auch nur ahnen ließe, sodann aber — dmn gewiß, dott ist noch alles im Werden, well er als religiöser Kämpfer Veranlassung hat, ein anderes zu predigen: „Meine Gttmnken sind nicht mre Gedanken". Wir werden nie sagm, daß sich in volkücher Gemeinschaft nicht auch Religion entwickeln kann — wir watten ab. Aber was wir sagm, das ist allerdings, daß uns diese evmtuelle Religion nicht als Gipfel der Religiosität erscheint, was wir sagen und was wir vetteidigm, das ist: das Lebensrecht liberaler Religiosität auch in der „Zerstrmung", das ist der Glaube an rmmer nmen Aufschwung, der Glaube an dm Sinn unserer religiösen Arbeit, unserer eigenen und unserer Jugend zugleich Und dagegen lehnm wir uns mit allen Kräften auf, daß man diesen Glauben zerstören will. In diesem „Glauben" sind wir nicht assimiliert, in diesem Glauben steht die Vergangenheit uns bei, in der sich ja das Judmtum immerhin trotz aller Mängel seiner Bekenner erhalten hat „bis zu dieser Zeit", der Zeit, in der gerade w i r es erleben und Wimer also mit, wie Tau-, sende von Marannen aus nichtjüdischer Umgebung, nur erhalten durch die religiös-jüdische Kraft, zurückkehren wollen ins Judentum! Und liest man den Anfang dieser neuen Bewegung, dann behält Beer-Hofmamr, der sich. eben wieder meldtt, recht: „Herr, rufe, rufe, und aus meinem Blute wird immer wieder einer dann erstehen, anfachen das, was Herr, von dir entzündet, heilige Glut, noch unter Trümmern schwelt und ihnen sagm, sagm, sagen — wozu sie Gott in alle Zeit erwählt." > Die wahren Schöpfer öes Bolschewismus — Moses Mendelssohn und Leopold Zunz Jeder, der das zweifelhafte Vergnügen gehabt?at, die verschiedenen Warten des Antisemitismus zu analysieren) weitzdaß es bestimmte Formen von Antisemitismus gibt, denen gegenüber jede Polemik vollkommen zwecklos ist. Es sind das diejenigen Warten des Antisemitismus, in benot entweder der Judenhaß einen derattigen Grad von Jntmsität erreicht hat, daß deren Träger bewußt jede Richtigstellung ihrer Ansichten ablehnen, oder antisemitische Strömungen, bei denm ein geradezu pathologischer Leichtsinn jede gegen die Judm gerichtete Behauptung kritiklos aufnehmm läßt. Oft fallen diese beiden Richtungen zusammm. Versucht man gegen derartige Strömungen im Antisemitismus mit logischm und aus Tatsachen begründeten Argumenten zu kämpfen, so bleibt die kritische Widerlegung der antisemitischm Gedankengänge entweder ganz unbeachtet oder es werden nme Behauptungen aufgetischt, denen gegenüber man ebmso fassungslos dasteht, wie vor der undankbaren Arbeit der vollbrachten kritischen Widerlegung. Es bleibt also diesen Strömungen gegenüber nichts anderes übrig, als sie nur als documents humains" zu registrieren, dem auf diesem Gebiet so massenhaft ausgehäuften konfusen und bizarren 'Zeug hinzuzufügen, etwa so, wie ein Naturforscher krankhafte Vorgänge bei natürlichen Prozessen beobachtet. Ein typischer Fall einer derartig pathologischen Wart des Antisemitismus ist die Darlegung der Entstehung der Zweiten und der aus ihr hervorgegangenen Tritten Internationale, welche ein unter dem Pseudonym „Salluste" schreibender französischer Schriftsteller m einer Reihe von Heften der „Revue de Paris" (Lieferungen vom 1. und 15. Juni, 1. und 15. Juli und 15. August 1028) gibt. Dieser Schriftsteller, der sich hinter dem Namen des altrömischen Historikers versteckt, hat schon im vorigen Jahr in derselben Zeitschrift eine sehr sensationelle Entdeckung gemacht. Auf Grund einer ganz außergewöhnlich konfusen Mischung von nicht verstandenen Tatsachen aus der Geschichte oer revolutionären Bewegung in Rußland und vollständig falschen Behauptungen gelangte damals Salluste zum Erg^nis, daß Lemn, der Begründer des Sowjetstaates, in der Wirklichkeit ein Agent der Ochrana (Geheimpolizei) des Zarenregimes war. Obwohl russische Emigranten ganz verschiedener Parteittchtuugen, — sämtlich entschiedene Gegner des Bolschewismus und Lenins —, denen der Attitel von Salluste in die Hände fiel, oiese Entdeckung als das b^eichnet haben, was sie ist, nämlich als vollstüiidigen Unsinn, ließ sich Salluste nicht beirren, fuhr weiter fort zu behaupten, daß er rechv habe, und fetzte feine Untersuchungen über den Ursprung des Bolschewismus und des Marxismus, aus welchem der Bolschewismus sich entwickelt hat, fort. Seine Bemühungen waren von Erfolg gekrönt, der Ursprung des Sozialismus und Kommunismus ist von Salluste jetzt aufgefunden. Als dieser Ursprung stellte sich nämlich der „Verein für Kultur und Wissenschaft der Juden" heraus, der im November 1819 in Berlin von Leopold Zunz, Eduard Gans u. a. gegründet wurde, und bekanntlich nach einigen Jahren, schon 1824, eingegangen ist. In vier langen Artikeln unter dem gemeinsamen Titel: „Heinrich Heine und Karl Marx" beweist nun Salluste ausführlich, wieso dieser Verein, der sich offiziell nach seinen Statuten dre Aufgabe stellte, Schulen, Seminarien usw. für die Juden zu gründen, unter ihnen Getverbe, Künste, Ackerbau und »viffenschaftliche Leistungen zu fördern etc., in Wirklichkeit ganz was anderes, eben den marxistischen Sozialismus und den Bolschewismus, hervorgebracht hat. „Ebenso" schreibt Salluste, „tvie es jetzt bewiesen ist, >aß die Freimauerei die französische Revolution vorbereitet hat, stehen geheime Kräfte an der Quelle aller neuesten großen Umwälzungen in Europa sowie im Orient." Als die geheime Kraft, aus welcher „Karl Marx feine Gedanken und matettelle Hilfe bezog, »velche ihm jgestatteten, das Programm des Kommunismus zu formulieren und es in dev ganzen Welt zu verbreiten" ist eben der Berliner Verein für Kultur und Wissenschaft der Juden anzusehen. Dessen wirkliches Programm bestand nämliche dann, „die Politik Israels gegenüber den christlichen Nationen zu ändern, urdem in dre aus dem Christentum hervorgegangene Zivilisation spezifisch jüdische Gedanken hereingÄracht »verden sollten, die die Zerstörung dieser Zivilisation zu verursachen hatten". Ti« Letter des Vereins nämlich ließen sich vom Gedanken eiten, es sei falsch, einen persönlichen Messias zu erwatten, )te Juden hotten bis dahin die „alten rabbinischen Texte" alsch verstanden. Anstelle des persönlichen Messias sollte nämlich in Wirklichkeit ,chas jüdische Volk selbst) und nicht dte,er oder jener unter seinen Söhnen, die Welt besiegen und unter das Joch der erwählten Rasse bringen"". Diesen „Neo- Mesiianismus"" zu verwirklichen, war die Aufgabe des Vereins für Kultur und Wissenschaft der Juden, was einwandfrei durcy ern Zitat aus dem Brief eines gänzlich unbekannten Baruch Levy an Katt Marx bekräftigt wird, in welchem es )ttßt: „Das jüdisch« Volk wird als Gesamtheit setn Messias «in. Seine Beherrschung der Welt wird durch di« Vereinigung der andern menschlichen Rassen, die Abschaffung der Grenzen und Monarchien und die Herstellung einer Wtttrepublrk, »velche überall den Juden Bürgerrechte geben »vird, erreicht »verden. Tie Regierungen der Völker, aus denen die Weltrepublik bestehen wird, werden ohne Anstrengungen durch den Sieg des Proletariats in jüdische Hände gelangen."" Auf welche Weise ccker erwies sich nun der 1818 geborene Kar» Marx als Wettzeug des 1819 gegründeten uno 1824 eingegangenen Vereins für Kultur und Wiffenschast der Juden? Als Bindeglied wirkte dabei Heinrich Heine. Des ijcn und Breiten werden nun die Biographien von Heine und Marx dargelegt, wobei einzelne richtige Tatsachen mit einem Wust von vollkommen sinnlosem Zeug überschwemmt sind. Da es Salluste damit noch nicht genug ist, daß Marx und Heine jüdischer Wstammung waren, so »vird auch »er Urgermane Friedrich Engels zu einem Abkommen einer „alten rabbinischen Familie von Barmen"". Heine, ,chas erste Haupt des Kommunismus"" nach Salluste, flüchtete am 1. Mai 1831 nach Frankreich, das »vurde die Ursache dessen, daß später eine dankbaren Schüler, die Führer oes Sozialismus und Kommunismus, den 1. Mai zum Feiertag des Wtttproletariats gemacht haben. In Paris war Heine der Korrespondent des Vereins für Kultur und Wiffenschast der Juden und eben dorthin wurde zu ihm von denselben geheimen Kräften Karl Marx geschickt. Später kam dorthin und »vurde mit Marx auch bekannt, der russische Revolutionär Alexander Herzen, den Salluste zu einem Juden macht, indem er seine Mütter für eine deutsche Jüdin erklätte (die Behauptung, daß bi« Mutter Herzens eine deutsche Jüdin war, bleibt m Wirklichkeit eine vollständig unbewiesene Hypothese). Es wird mrn werter ausführlich dargelegt, wie der „Jude"" Herzen, als er rn den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts aus Rußland ins Ausland emigttette, zuerst nach Bettln kam und dort ,>vor alleni in Verbindung mit Leopold Zunz trat, dem Korrespondenten und Freund Heines und Inspirator von Katt Marx. Tie Unterhaltungen mit Zunz machten auf Herzen einen unverwischbaren Eindruck. Er war bis dahin Sozialist. Sain't-Simon'scher Richtung, jetzt aber »vurde er ebenfalls „Neo-Messiamst, d. h. ein Kommunist"". Immerhin stritt er sich aber mit Katt Marx, weil Herzen dem Kommumsmus ein „demokratisches Regime vorgezogen hätte) welches den Menschen und Gedanken Israels unterworfen wäre"". Es sei hier nur bemerkt, daß in Wirklichkeit auch nicht die Spur eines Beweises dafür vorhanden ist, daß Herzen mit Zunz je zusammengekommen wäre. Hat man eine Llhnung von Herzen und seinem Bekanntenkreis in Westeuropa, so erscheint es ganz unwahrscheinlich, daß er überhaupt etwas von der Existenz von Zunz gewußt haben sollte. Wir müssen uns hier natürlich versagen, all die merkwürdigen historischen Entdeckungen von Salluste aufzuzählen. Von Interesse wäre noch vielleicht der Hinweis daraus, daß während in Deutschland die Gesinnungsgenossen von Salluste in der jüdischen Verschwörung zur Erlangung der Weltherrschaft vor allem eine gegen Deutschland gerichtete Aktion sehen, für Salluste dagegen Marx nicht nur der Schöpfer des Kommunismus ist, sondern auch ein Feino Frankreichs, der den Sieg Deutschlands über Frankreich im Kriege 1870/71 herbeisehnt. Marx und seine Gesinnungsgenossen suchen mit allen Mitteln zu verhindern, daß sich die französischen Arbeiter während dieses Ktteges zur Verteidigung ihres Vaterlandes erheben. „Tie Franzosen müssen gezüchtigt werden"" schreibt Marx in einem Brief an Engels, während Engels ihm während der Belagerung von Patts schreibt, es müßte verhindert werden, daß, die französischen Arbeiter sich, vor dem Fnedensschlnß mit Preußen-Deutschland erheben. „Damit Marx sich Frankreichs bemächtigen, aus ihm den Sklaven der Internationale und das Wettzeug seiner Wsichten machen könnte, mußte Frankreich vocher besiegt werden."" Und Salluste zjtiett mit Wonne die Wotte ttnes Tttlnehmers der Pariser Kcpnmune, der erklärt: „Der Marxismus ist ein bezahlter Agent Deutschlands. Sein wahres Banner ist der preußische Schwarze Adler, welcher dreimal in 65 Jahren das Herz Frankreichs zerrissen hatte. Im Namen des französischen. Vaterlands, im Namen der sozialen Republik, dürfen sich französische Arbeiter nicht in das Lager von Angestellten der deutschen Reichskanzlei verirren."" * In diesem „Licht" wird die Wstammung der Arbeiter- Internationale geschildert: Zunz beeinflußt Heine, schickt ihn nach Paris. Heine wird dort zum Leiter der revolutionären Bewegung, Marx wird der Gehilfe von Heine, 1864 wich die erste Arbeiter-Internationale gegründet, später.die zweit« «nd schließlich die dritte, kommunistische, Internationale. Und das alles hat der Berliner Verein für Kultur und Wissenschastder Juden vollbracht, der in sttnen besten Zeiten keine iQO Mitglieder hatte!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.