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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-10-26 · 43 (26.10.1928) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
43 (26.10.1928)
Date
1928-10-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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klärungen gegenüber den Beschuldigungen der Juden, nunmehr die GeneralaufNärung über den Judenhaß treten läßt. König zeigt die Nachteile des bisherigen Systems: die Juden waren immer in der Rolle des Angeklagten, mußten zudem ihren Gegnern auf jedes von ihnen gewählte Gebiet (Religion, Politik, Wirtschaft, Kultur usw.) folgen, so daß das Material unübersehbar, der Kampf selbst ohne jede Aussicht auf ein Ende wurde. Nicht als ob König die Tätigkeit des „Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" und des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" unterschätze — aber er hält die Methode nicht für ausreichend; „die Eisenbahn ist die ungewollte Kritik an der Postkutsche" erklärt er ebenso humorvoll wie zutreffend und zeigt, daß der überragende Standort zur prinzipiellen und generellen Bekämpfung und Ueberwindung des Judenhasses erst auf der Höhe Brunnerscher Gedanken liegt, wo der Gegenstand dem einseitigen Interesse sowohl der Judenhasser als auch der Juden selber entzogen ist, wo denkende Juden und denkende Nichtjuden sich treffen können: auf einer Insel des Verständnisses mitten im Meere der gegeneinander wogenden Interessen und Leidenschaften undenkender Menschen. „Los vom Zionismus." Judenhaß, das von den Judengegnern den Juden und ihrer Emanzipation bereitete Hindernrs; Zionismus, das Hindernis, das die Juden selbst in ihrer Emanzipation entgegenstellen, der „Hereinfall der Juden aus 'dm rassentheoretischen Judenhaß", die „Narrheit der Juden zu ihrem Gehaßtwerden" und das „Hindernis ihrer Selbsterkenntnis" — so läßt sich von Brunner lernen, und die Verfasser der vorlik, genden Schrift«) haben seine Argumentationen in außerordentlich wirkungsvoller Weise zusammengestellt, ausgebaut und angewendet. Bor allem ist es P i n n e r, der die Zusammenhänge systematisch beleuchtet. Anfangs scheint es, als hörte man nicht wesentlich Neues: „Wir deutschen Juden gehören zur deutschen Nation", und: „Die Gewinnung von Palästina ist unmöglich". Nun: uns Antizionisten ist das nicht neu, aber die Zionisten führen gerade jetzt wieder einen leibhaftigen königlich englischen Colonel und Nichtjuden in Deutschland spazieren, der Vorträge über „Ein werdendes Volk" hält. So scheint den Zionisten also doch noch neu zu sein, was sich bei Pinner Nachlesen läßt: daß in Palästina ein jüdi^ sches Volk nie erstehen kann und wird; daß selbst die Hoffnung auf ein „binationales" Palästina eine Utopie ist — ganz abgesehen davon, daß dieses binationale Palästina eine Diaspora gleich jedem andern Land wäre, wo Juden wohnen, und sich> als „das Ende der zionistischen Hoffnung" erweist. Auch, die vorgebliche geistige Bedeutung des Zionismus für das Leben der Juden widerlegt Pinner treffend und begegnet sich darin mit Blankenfeld, bei dem wir lesen: „Die Sage vom Riesen Antäus, der bei der Berührung mit der Erde seine Kraft erneuert, ist nur ein Mythus, ein Symbol. Ter Zionismus jedoch erwartet aus der Verbindung von Volk und Land das reale Wunder der geistigen Wiedergeburt."* * * 7 8) So ist der Zionismus, als geistiges Ideal ein Aberglaube, als politische Bewegung eine Utopie, die Not der Juden nur vermehrend. Was also kann die Not, die geistige wie die materielle, lindern? „Wer in Deutschland friert, kann deshalb nicht an den Aequator ziehen, er muß an Ort und Stelle heizm" (Blankenfeld). Die Parole lautet also: Emanzipation. Ihre Durchführung wird nicht nur für Amerika und Westeuropa, sondern mit chenso großem Nachdruck für die Länder des Ostens gefordert und in sichere Aussicht gestellt. Diese Ausführungen und die ebenso sachkundige wie neuartige Beleuchtung der Ostjuden-Situation sind es ganz besonders, die die Broschüre zn einem hochaktuellen politischen Buch stempeln, sodaß Paul Rieger es kürzlich als „eine der bedeutsamsten Erscheinungen der Gegenwart" bezeichnen konnte?) Das hier entworfene Bild wäre nicht vollständig, wenn es nicht auch noch einiges über die Verfasser der beiden Schriften enthielte; erst dann ergibt sich eine Urteilsmöglichkeit über die eminente Wirkungskraft der Brunnerschen Gedanken. Die Autoren sind Anhänger und Verehrer von Conftantin Brunner, — kein Wunder, wird mancher glauben, daß sie sich für Brunners Ideen einsetzen. Aber gerade dies ist ein Wunder: Walther König ist nur einer unter vielen Nichtjuden, die — nach Herkunft und Umgebung für den „Antisemitismus" geradezu prädestiniert — durch die Berührung mit Brunners Gedankenwerk zu glühenden Anti-Antisemiten wurden; ebenso sind Blankenfeld, Kimchi, Pinner durch Brunners Werk bekehrte ehemalige Zionisten — ebenfalls nicht die einzigen —, und noch dazu solche, die in ihrer Partei bisher als bewußte Mitkämpfer gegolten haben, die ferner z. T. Osteuropa und Palästina aus eigener Anschauung kennen! Bedenkt man, wie zäh Judenhasser und Zionisten sonst an ihrem jeweiligen „Ideal" zu hängen pflegen, liest man, wie schwer selbst unfern Autoren die Abkehr vom Zionismus geworden, so muß man erkennen: in Conftantin Brunner ist denjenigen Organisationen, die gegen Antisemitismus und Zionismus, für die Emanzipati on kämpfen, ein genialer Mitstreiter von unmeßbarer Kraft und Leistung erstanden, dessen Werk fruchtbar zu machen ihnen eine hohe Aufgabe im wohlverstandenen eigenen Intern esse sein müßte. Fassen wir noch ins Auge, was dieses Männer ihrem Lehrer Brunner verdanken und wie sie a l l e i n durch sein Werk die persönliche Verbindung mit ihm fanden: „Diesem Manne Conftantin Brunner verdanke ich daß ich die Angst vor der Assimilation ebenso verlernt habe, wiedieAngst vordempersönlichenTode", schreibt Kimchi und zeigt mit diesem persönlichen Bekenntnis, wre tref die Wirkung ist, die von Brunners Gedanken auf ferne Leser ausgeht. Was nun das hier behandelte besondere Thema anbelangt, so hat Brunner uns Juden neue Waffen für unsere alten Kämpfe geschmiedet, — Waffen, betett Schärfe und Brauchbarkeit durch die vorliegenden Veröffentlichungen bereits erwiesen ist. Möchte Vielen, Judengegnern und auch Zionisten, Gelegenheit gegeben werden, zu erproben, ob sie nicht durch Brunners Gedanken lernen können, von falschen Idealen zu lassen und ihren alsdann keineswegs herrenlos werdenden, schönen Idealismus in den Dienst eines echten Ideals und des wirklich Nützlichen zu stellen! «) „Los vom Zronismus", Aufsätze von Fritz Blankenfeld, Knnchi, Ernst Ludwig Pinner; I. Kauffmann Verlag, Frankfurt «. M., 1928. 7) Aehnliche Gedanken äußerte kürzlich Heinrich Stern in seinem Beitrag zur Montesiove-Festschrift. 8) „Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" Nr. 14 vom 16. Oktober 1928. Versammlungskalender Berlin.Wilmersdorf. Der Liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdische« Gfc* meinde zu Berlin E. V., Bezirksgruppe Wilmersdorf, veranstaltet gemeinsam mit der Liberalen Synagoge Wilmersdorf am Dienstag, den 30. Oktober, abends 8.30 Uhr, im Logenhaus, Kleiststraße 10-11, einen Gemeindeabend. Das Programm sieht außer einem Vortrag von Herrn Rabbiner Dr. Salomonski über „Die Kümmernisse des jüdischen Menschen" musikalische Darbietungen des Herr« Oberkantvr Leo Gollanin und Herrn Kantor John sowie des Chors der Liberales Synagoge Wilmersdorf vor. — Rach den Vorträgen geselliges Beisammensein. Unkosten irgendwelcher Art entstehe» nicht. Gäste herzlich willkommen. Breslau. Montag, 29. Oktober, 20.30 (8.30) Uhr abends, in der „Lessing. Loge", Vortrag Rechtsanwalt Heinrich Stern (Berlin), Vorsitzender der Bereinigung für das liberale Judentum e. B.: „Die Weltkouferenz des liberalen Judentums — ein Rückblick und Ausblick". Breslau. Jli „Abraham Geiger". Sonntag, den 28. Oktober: Ausflug ins Zobtener Bergland. Treffpunkt 8.30 Uhr vor dem Nordhotel. Abfahrt 9 Ahr vom Bahnsteig 5 des Hauptbahnhofes. Sonntagsfahrlarte 3. Klaffe (2,10 Ml.) bis StrSbel selbst läsen. Rückkehr nchch Breslau 19.20 Uhr. Führung: Georg Jonas-Ohlau. Mittwoch, den 31. Oktober, 20.15 Uhr, im Bereinslolal, großer Saal, der Sozialen Gruppe, Kaiser Wilhelmstraße 16. Herr Religionslehrer Davidsoh« spricht über: „Gedanken des Liberalismus". Ab 1. November erfolgt Einziehung aller rückständigen Beiträge durch Postnqchnahme. Frankfurt a. M. Jüdisch-liberale Jugendgemeinschaft. 27. Oktober, 4.15 Uhr: Hebräisch, Rabbiner Dr. Gottschalk, Riedenau 3711. 5.15 Ahr: Kunstgeschichte, Dr. Hoffman«, Riedenau 3711. 3. November, 4.15 Uhr: Religiöse Fragen, Rabbiner Dr. Gottschalk, Sitzungszimmer Freiherr v. Steinstraße. 5.15 Uhr: Referat, Sitzungszimmer Freiherr v. Steinstraße. 6. November,, 8.45 Uhr: Ausspracheabend, „Zionismus", Dr. MiUner, Sitzungszimmer Freiherr o. Steinstraße. Wiesbaden. Ortsgruppe der Bereinigung für das liberale Judentum. Am Donnerstag, den 1. November 1928, abends 8.30 Uhr, im Saale des Synagogengesangvereins, spricht Frau Paula Ollendors-Breslau über: „Die Botschaft des liberalen Judentums au die jüdische Frau". Gäste sind herzlich willkommen. Der Vorstand. » Gottesdienste * Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Freitag, den 26. Oktober, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Sonnabend, den 27. Oktober, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Freitag, den 2. November, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonfti. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Aula der Cacilienjchule, Rikolsburger Platz): Jeden Freitagabend liberaler Gottesdienst Mit Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr pünktlich. Freitag, den 26. Oktober, Predigt: Rabbiner Dr. Galliner. * Au» den Gemeinden Berlin. (Neuwahlen der Synagogenvorstände.) Die Jüdische Gemeinde zu Berlin schreibt die Neuwahl zu den Synagogenvorständen zum 25. November d. I. aus. Die Wahl findet in den Synagogengebäuden in der Zeit von 10—2 Uhr statt. Von den 9 Vorstandsmitgliedern jeder Synagoge hasten die Wahlberechtigten, d. h. die männlichen und weiblichen Inhaber von Platzkarten, 5 Vorstandsmitglieder durch das Verhältniswahlsystem zu wählen. Die Wahlvorschläge müssen 14 Tage vor dem Wahltag mit mindestens 25 Unterschriften in Händen des Gemeindevorstandes (Wahlkommissar R.-A. Wolfs) sein. Die Wählerlisten liegen nur im Verwaltungsgebäude Oranienburger Straße 29 (Plätzevermietungsbüro) vom 5.—l8. November in der Zeit von 9—3 Uhr zur Einsicht aus. Nur in die Listen Ausgenommen« sind zur Wahl berechtigt. Reklamationen über falsche oder nicht vorhandene Eintragungen in die Wählerlisten müssen während der Auslegezeit schriftlich unter Darlegung der Gründe an den Vorstand der Jüdischen Gemeinde, z. H. des Wahlkommissars gerichtet werden. Bei den letzten Wahlen zu den Synagogenvorständen vor 4 Jahren ist in Berlin in allen Synagogen eine Einigung erzielt worden,. Es wurde eine Einheitsliste ausgestellt, so daß eine Wahl unnötig wurde. Auf jeden Fall jedoch bitten wir unsere Mitglieder, die Wählerlisten einzusehen, um im Falle eines Wahlkampfes ihre Stimme in die Wageschale legen zu können. Der Liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V., Berlin S.W. 48, Wilhelmstraße 147, ist bereit, die Wählerlisten für seine Mitglieder einzusehen. Es ist bemerkenswert, daß in diesem Jahre zum ersten Mal die Frauen aktives und passives Wahlrecht haben. Allerdings haben die in den Vorstand der Synagogen gewählten Frauen kein Recht, die Borstandssunktionen während des Gottesdienstes auszuüben, jedoch haben sie bei den Beratungen des Vorstandes Sitz und Stimme. Es erscheint uns eigenartig, daß der Vorstand der Jüdischen Gemeinde wiederum die Wählerlisten nur im Verwaltungsgebäude Oranienburger Straße zur Einsicht auslegt. Es wäre wünschenswert, den Wählern das Leben so bequem wie möglich zu machen und die Wählerlisten in den Synagogen auszulegen. Unkosten wären dadurch doch sicherlich nicht entstanden. Wir wissen nicht, was mit dem von dem Vorstand eingeschlagenen Weg beabsichtigt ist. Außerordentlich bedauerlich ist es, daß die Bekanntmachung der Wahlen nur durch Aushang in den Synagogen bisher erfolgt ist. Gemäß den Satzungen ist die Gemeinde allerdings nur verpflichtet, die bevorstehenden Wahlen, durch Aushang in den Synagogen bekannt zu machen. Es wäre naheliegend gewesen, die vom 1. Oktober datierte Bekanntmachung bereits in der Oktobernummer des Gemeindeblattes zu veröffentlichen. Die Novembernummer gelangt erfahrungsgemäß erst im ersten Drittel des Monats in die Hände der Gemeindemitglieder. Da die Frist zur Einreichung der Wahlvorschläge bereits am 11. November abläuft, dürfte es sich empfehlen, dafür zu sorgen, daß das Gemeindeblatt für November bereits am 1. November erscheint. Berlin. (Antisemitische Ausschreitungen.) In der Lothringer Straße kam es vor einigen Tagen zu schweren Ausschreitungen. Drei junge Männer warfen die Schaufensterscheibe eines Geschäfts ein und mißhandelten jüdische Passanten. Sie schlugen mehrere Personen zu Boden und setzten ihrer Festnahme durch die Polizei heftigen Widerstand entgegen. Sie wurden jedoch überwältigt und gefesselt zum nächsten Polizeirevier gebracht. Bingen. (Ein Doppel-Jubilar.) Am 26. Oktober d. I. feiert der Kultusbeamte der Israelitischen Religions-Gemeinde, Herr Marx Wolf, sein dreißigjähriges Jubiläum im Dienste der Ge¬ STOfcWERQ^ iDohlSchm^ckc mi =. nähr huft. meinde. Gleichzeitig ist es Herrn Wolf vergönnt, an diesem Tage seinen 65. Geburtstag zu begehen. Treue zu seinem Amte, jederzeitig», Hilfsbereitschaft und unbegrenzter Eifer für die von. ihm vertretend Sache zeichnen ihn aus und halfen ihm, sich das Vertrauen der ganzen Gemeinde und der Angehörigen anderer Konfessionen, überhaupt der ganzen Stadt, zu erwerben. Leider war es ihm nicht vergönnt, sein 25 jähriges Jubiläum und seinen 60. Geburtstag im Kreise der Familie zu feiern, da daß unerbittliche Schicksal der Ans-, Weisung im Jahre 1923 auch ihn betroffen hatte irrst» er ferne dev Heimat, die er liebte mit allen Fasern seines Herzens, weilen mußte, nachdem er durch die damaligen politischen Machthaber länger« Zeit in Gefängnishaft gehalten worden war. In jugendlicher Frischp waltet Herr Marx Wolf wieder seines gewohnten Amtes. Möge es ihm vergönnt sein, noch lang« Jahre der Gemeinde dienen zu können. Breslau. (Sitzung der Gemeindevertretung.) Nach fast viermonatiger Sommerpause trat die Gemeindevertretung am, 18. Oktober wieder zu einer Sitzung zusammen, deren Tagesordnung dementsprechend ziemlich umfangreich war. Einleitend widmete der Vorsteher Justizrat Peiser dem im August d. I. verstorbenen langjährigen konservativen Gemeindevertreter Martin Frankel Worte anerkennenden Gedenkens. An seiner Stelle ist in die Gemeindevertretung' Kaufmann HeimaNn Daniel einberusen worden, wurde zum 2. Stellvertreter des Vorstehers und zum Mitglied der Gehaltskommission Dr. Joseph Schlesinger, zum Mitglied der Ritualkommission Dr. Gluskinos gewählt. Neben der Annahme und Ausschlagung einer Anzahl von Legaten wurde der Titel „Prämien der Chorknaben Alte Synagoge" um Mk. 1500,— erhöht, dem jüdischen Schwesternheim in Breslau eine einmalige Beihilfe von Mk. 5000,— zur Deckung des Fehlbetrages vom Rechnungsjahre 1927 bewilligt, dem Verein „Synagoge zum Tempel" die Subvention erhöht und dem Grab^ stellentarif für das Erweiterungsfeld auf Friedhof Lvhestraße zugestimmt. Bei der Bewilligung einmaliger Beihilfen für das jüdische Lehrerseminar in Köln und das Büro für Schächtrngclegenheiten in Berlin wurde hervorgehoben, daß die Unterhaltung dieser Institutionen eigentlich zum Pflichtenkreise des Landesverbandes gehöre. Die Kosten für Errichtung einer Waschküche und eines Sargmagazins ans Friedhof Cosel wurden genehmigt. Eine längere Aussprache knüpfte sich an die Mitteilung des Vorstandes, daß er das Wohnungsgeld der ledigen Beamten und Beamtinnen verschieden bemessen habe. Der Anstellung des Lehrers Albert Wesel an der Religionsunterrichtsanstalt II vorläufig auf Privatdienstvertrag wurde zugestimmt. Auf die Anfrage des Gemeindevertreters Gins, wieweit die Vorarbeiten für die Errichtung eines Jugendheimes und eines Altersheimes gekommen wären, wurde vom Vorstandstische geantwortet, daß man durch Zusammenlegung der beiden Waisenhäuser der Gemeinde ein Gebäude für das Jugendheim frei zu bekommen hoffe upü dast.prau,,sür ein Altersheim Grundstücksangebote cingcfordert habe. Es gelangte schließlich ein Schriftwechsel mit dem Vorstande der J.K.V.A. zur Verlesung, aus dem insbesondere hervorging, daß in Zukunft für die vom jüdischen Wohlfahrtsamt an das Röntgeninstitut überwiesenen Patienten keine Gebühren berechnet werden sollen. — Die geheime Sitzung bewilligte für den ein Jubiläum feiernden jüdischen Frauenbund eine Ehrengabe von Mk. 1000,— und erledigte einige Personal-Angelegenheiten. Breslau. (6 0. Geburtstag.) Kurz vor Rcdaküonsschluß erfahren wir, daß am Sonnabend, den 27. Oktober, unser verehrter' Mitarbeiter Herr Julius Wolfsohn-Breslau seinen 60. Geburtstag feiert. Der Jubilar hat stets zielbewußt und klar die Interessen des liberalen Judentums vertreten. Herr W. gehört dem Vorstand des liberalen Vereins der Synagogen-Gemeinde Breslau als führendes Mitglied an. An allen Fragen, die unsere Bewegung angehen, nimmt der Jubilar regsten Anteil. Sein kluger Rat wird gern gehört. Den Lesern unserer Zeitung ist Herr W. durch sein« feinsinnigen Artikel bekannt. Auch dem Jli-Breslau, dessen Beirat der Jubilar angehört, zeigt er stets sein aufrichtiges Interesse. Wir wünschen Herrn Wolfsohn an der Seite seiner verehrten Gattin von Herzen noch viele Jahre frohen Schaffens und Wirkens. Breslau. (Handbuch der Synagogengemeinde.) In schlichter Ausführung ist das „Handbuch der Verwaltung und der Wohlfahrtspflege der Synagogengemeinde Breslau 1928/1930" erschienen. Manchen dünkt die Ausführung etwas zu schlicht für eine Gemeinde von der Bedeutung Breslaus. Außerdem wird vielfach als störend für die Uebersicht empfunden, daß immer eine Seite Text mit einer Seite Inserate abwechselt. Wir können uns aber dieser Bemängelung nicht anschließen. Dagegen darf auch von uns nicht unbemängelt bleiben, daß von den beiden Liberalen Vereinen unserer Gemeinde nur der „Jli", nicht auch der 'Liberale Hauptvcrein in diesem Jahrbuch zu finden ist. Dies soll jedoch auf der Schuld eines Mitgliedes des Bereinsvorstandes beruhen, das die Ausfüllung eines Fragebogens verabsäumt hat. Immerhin ist es bezeichnend, daß ein« solche^ Unterlassungssünde unter einem liberalen Regime geschehen konnte. Einen breiten Raum nehmen die zahlreichen W«chltätigkeitsvereine ein. Sie beweisen, daß der Sinn für diese echtjüdische Pflicht in unserer Gemeinde noch lebt. Noch mehr beweist das der kürzlich erstattete Bericht des hiesigen Gemeinde-Wohlfahrtsamtes. Die Summe der Ausgaben und mehr noch die Zahl der bearbeiteten Einzelsälle zeigt, wie intensiv diese Gemeindebehörde bei uns arbeitet. Hierbei darf nicht vergessen werden, daß Breslau durch Flüchtlingszuflucht usw. viel stärker wie vor dem Kriege belastet ist, während auf der anderen Seite die ivirtschaftliche Lage der Gemeindemitglieder durch den Verlust des Posenschen und Ostoberschlesischen Hinterlandes besonders stark gelitten hat. Dortmund. (Sukkoh auf einer Ausstellung.) Der Hausfrauenbund der Stadt Dortmund veranstaltete in den Tagen vom 16.—18. Oktober eine stark besuchte Ausstellung „Der gedeckte Tisch". — Der Tisch als Mittelpunkt der Familie bei allen Gelegenheiten des Jahres und des Lebens, eine Ausstellung, die ungemein Reizvolles bot. — Besondere Aufmerksamkeit erregte ein jüdischer festtägig gedeckter Tisch in der Sukkoh. — „Laubhütte für das jüdische Erntedankfest", so klärte eine Tafel am Eingang der Sukkoh ^die zahlreichen nichtjüdischen Besichtigenden auf. — Schon von außen bot sie mit ihren gelb-rot-grünen Weinranken auf hellem Spannstoff das freundlichste Bild herbstlicher Stimmung. Entzückend das Innere. Eine weitgespannte Laubkrone, von der Decke hängend, trug im Mittelpunkt die gewaltige, holzgeschnitzte, siebenarmige Sabbatlampe. Ausgewählt schöne Früchte, teils vergoldet und versilbert, leuchteten aus dem Dunkelgrün des Laubdaches. — An der Wand ein künstlerisch, aus Trauben, Bananen, Annanas und anderem Obst gefügtes Obstarrangement. Wertvolle Radierungen boten Momente aus dem jüdischen Leben. Der Tisch feiertägig gedeckt, bereit, die vom Gottesdienst Heimkehrenden zum Kiddusch zu empfangen. — Es war ein glücklicher Gedanke, gerade in dieser Jahreszeit den „gedeckten Tisch" in der Sukkoh auf dieser Ausstellung zu zeigen, die auch sonst religiöse Momente z. B. im Advents- und Weihnachtstisch, bot. Wie stark diese Laubhütte die Aufmerksamkeit aller nicht-

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