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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-10-19 · 42 (19.10.1928) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
42 (19.10.1928)
Date
1928-10-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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s. Zahrgaug Nummer 42 Britoae 1S.0«ob« 1928 Jüdische Frauenbundsarbeit Zur Eröfftwag der Breslauer Tagung. Vom 21. bis 23. Oktober findet in Breslau eine Tagung des Jüdischen Frauenbundes statt. Die Bundesleichung hat zu einer erweiterten Vorstandssitzung ««geladen, zu der zahlreiche Frauen aus allen Teilen Deutschlands ihr Erscheinen zugesagt haben. Auch aus Litauen, Lettland, Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei sind Teilnehmerinnen angemeldet. Im Anschluß an diese Sitzung findet die Hauptversammlung des Provinzialverbandes des Jüdischen Frauenbundes für Nieder- und Oberschlesien statt. Den besonderen Anlaß zur Veranstaltung dieser Tagung in Breslau bietet das zwanzigjährige Bestehen der Breslauer Ortsgruppe dB Jüdischen Frauenbundes. Dieses Jubiläum wird durch einen Festakt im großen Saale des Konzerthauses am Sonntag, dem 21. Oktober, abends feierlich begangen und bildet so den würdigen Austakt zu der gesamten Veranstaltung. Die Ortsgruppe hat in einer geschmackvoll ausgestatteten Festschrift einen Überblick über ihre vielseitige, segensreiche Tätigkeit in diesen zwei Jahrzehnten gegeben und gewährt jdamit einen Einblick in die Fülle der Aufgaben und Probleme sozialer jüdischer Frauenarbeit. Auf der Tagesordnung der Arbeitssitzungen stehen Fragen des Kinder-, Mädchen- und Frauenschutzes, der Berufsausbildung, der Verbesserung der Lage der ''eheverlassenvn und geschiedenen Frauen sowie die Fragen der überpartei-. lichen, innerjüdischen und der Beteiligung an interkonfessioneller und internattonaler Frauenarbeit. So ist von der Breslauer Tagung ein Fortschritt in der Lösung der großen mnb brennenden Probleme zu erhoffen. E.B. Jüdische Devölkerungsvorgänge Bon Herbert Philippsthal. Ein alter Erfahrungssatz lehrt, daß dem Steigen der Kultur ein Fallen der Geburtenziffer entspricht. Die Geschichte der Menschheit erbringt den Beweis. Diese Feststellung läßt sich auch bei der jüdischen Weltbevölkerung machen. So ist es bekannt, daß die östliche Judenheit fruchtbarer ist als die Westeuropas. Schon die Bevölkerungsvorgänge der Freien Stadt Danzig lehren, daß die Geburtlichkeit viel höher sein muß, als in den meisten Städten Deutschlands, weil in dieser Stadt ein stark ostjüdischer Einschlag vorherrscht. Nach dem Stande vom 1. 11. 1923 gab es in Danzig 2500 Staatsangehörige jüdischer Konfession, 4782 nichtdanziger Staatsangehörige, meistens ostjüdische Menschen. So wurden im Jahre 1927 109 jüdische Geburten, dagegen nur 78 Sterbesälle erfaßt, so daß also ein verhältnismäßig großer Geburtenüberschuß besteht; ganz anders als in den deutschen Städten, wo Überwiegend eine passive Bilanz festgestellt werden muß, es sei denn, daß man beispielsweise eine Stadt wie Leipzig zum Vergleich heranzieht, die gleichfalls eine ostjüdische Majorttät aufweist. Deshalb bildet auch Leipzig unter Deutschlands Städten eine Ausnahme inbezug auf Geburtenzahl, auf Nachkommenschaft. Wie es im Jahre 1927 in Deutschlands Städten aussah, soll folgende instrukttve Aufftellung zeigen: Stadt: Jüdische Geirrten: Jüdische Sterbefälle: Berlin 1371 2446 Frankfurt a. M 326 392 Hamburg 216 289 Köln 210 194 München 82 149 Leipzig (1926) 208 134 Es sterben also in allen deutschen Städten (Leipzig und einige wenige Städte aus oben dargelegten Gründen ausgenommen) bedeutend mehr Juden als geboren werden. Das Jahr 1927 bildet keine Ausnahme, sondern die fortlaufende gleichartige Kette der früheren Jahre. Im Laufe eines ganzen Jahrhunderts sinkt unaufhörlich die Zahl der Geburten auf je eine Ehe, insbesondere in den letzten 30 Jahren. Schon vor dem Kriege bestand bei den deutschen Juden das Zwei- und teiüveise auch das ‘ Einkindersystem. Die Folgen sind klar: Deutschlands jüdische Bevölkerung muß aussterben, wenn keine Einwanderung aus dem Osten einsetzt, oder eine andere Einstellung der jüdischen Menschen dem Kinde gegenüber Platz greift. Dies scheint mir nicht möglich zu sein. Ebensowenig kann an ein ins Gewicht fallendes Zuströmen ostjüdischer Glaubensgenossen gedacht werden, weil es Deutschbrnds wirtschaftliche Lage hindert. Wir stehen also vor einem Problem, das fast unlösbar scheint. Auch kleine jüdische Siedlungen weisen keine günstigen Geburtenrate auf. Münster in Westfalen zähll nur 580 jüdische Bewohner. 9 jüdische Kinder kamen 1927 zur Welt, dagegen wurden 15 Juden zu Grabe getragen. Die Geburten aus Mischehen sind in obigen Zahlen absichtlich unberücksichttgt geblieben, weil sie überwiegend dem Judentum verloren gehen. Die unehelichen GÄmrten von jüdischen Müttern akttvieren ebenfalls nicht die Bilanz. Die niedrige Geburtenzahl der Juden hängt unmittelbar mtt der niedrigen Eheschließungsziffer zusammen. Im Jahre 1925 trafen in Groß-Berlin auf 1000 Juden vier Neuvermählte, auf 1000 Einwohner überhaupt aber 8,7. Aehnlich liegen die Verhältnisse in Frankfurt, Köln usw. Die jüdischen Eheschließungszisfern werden erst instrukttv, wenn man gleichzeitig auch die Mischehen beachtet. Ich bin in der Lage, das 1927 bereits daraufhin zu untersuchen. Mischehen: Stadt: Jüdische Ehen: Mann jüdisch Frau jüdisch Frau nichtjüd. Mann nichtjüd. Berlin 910 439 249 Frankfurt a. M. 163 38 20 Hamburg 98 55 29 Köln 80 22 16 München 28 32 7 Königsberg 21 6 1 Leipzig 24 24 8 In Berlin wurden nach obiger Tabelle im Jahre 1927 im ganzen 688 Mischehen eingegangen, an denen 439 Juden und 249 Jüdinnen beteiligt waren. In Bezug auf die jüdische Gesamtbevölkerung Groß-Berlins könnte man diese Zahlen für nicht wesentlich ansehen, in Anbetracht der geringen Ehefrequenz ist sie außerordentlich hvch. Auffallend sind die Zahlen von München und Leipzig. Das Bild erfährt eine Aenderung, wenn man berücksichtigt, daß unter den ausländischen Juden dieser Städte viele Ehen nach jüdischem Ritus ohne Standesamt geschlossen werden, so daß sie zahlenmäßig nicht erfaßt werden. Die Kinder dieser Ehen gelten als unehelich. Die Araber verbauen die Klagemauer Wie aus Jerusalem gemeldet wird, haben die Araber begonnen, die Klagemauer zu verbauen, indem sie zunächst über dieselbe eine neue Schicht Steine legen. Die Erregung unter den Jerusalemer Juden über diesen Gewalt-, streich der Araber ist ungeheuer. Der Präsident der Jerusalemer Jüdischen Gemeinde, Herr Meyuchas, erschien beim Distriktskommissar von Jerusalem, Major Keith-Roach, und überreichte ihm einen geharnischten Protest der Gemeinde gegen die Verbauung der heiligsten religiösen Stätte der Juden. Der Distriktskommissar erwiderte, die Araber seien berechtigt, an der Klagemauer, die territorial ihnen zugehört, Bauarbeiten vorzunehmen. Der Leiter der Zionistischen Executive Palästinas, Oberst F. H .Kisch, erschien beim Stellvertretenden Oberkommissar, H. C. Luke, und überreichte ihm einen Protest der Executive gegen die Gewaltmaßnahme der Araber. Auch in nichtjüdischen Kreisen, die an der Erhabtung historisch denkwürdiger und religiös ehrwürdiger Stätten interessiert sind, macht sich, wie die Jüdische Telegraphen-, Agentur meldet, eine Protestbewegung gegen die Verschandv-, lung der Klagemauer bemerkbar; man erwartet, dast die gleichen Kreffe überall in der Welt sich dieser Protestbewegung anschließen werden. Neues zum Thema: Kaiser Friedrich und die Juden Von Professor Dr. Eugen Wölbe. Nur selten hat sich die Judenheit fürstlichen Wohlwollens zu erfreuen gehabt. Wenn die Herren Landesväter ihr gegenüber wenigstens vor krassem Rechtsbruch zurückschreckten, ward ihnen dies schon als „Toleranz" ausgelegt! Die Machthaber, deren Gerechtigkeitssinn auch in dem Juden in erster Linie den Menschen erblickten, sind an den Fingern herzuzählen: Alexander d. Gr., Cäsar, Karl d. Gr., Josef II., Herzog Franz von Anhalt-Dessau, Großherzog Friedrich von Baden, Kaiser Friedrich. Der Verlag K. F. Koehler in Leipzig bereitet eine Ausgabe der im Brandenburgisch-Preußischen Hausarchiv ruhenden Tagebücher Kaiser Friedrichs aus den Jahren 1848—1866 vor. Sie werfen manches Schlaglicht auf das Charatterbild des zweiten deuffchen Kaisers, wenn auch die hier niedergelegten täglichen Selbstbekenntnisse nur den längst bekannten liberalen Grundzug seiner politischen Ueberzeugung bestätigen. Bei aller Volksfreundlichkeit war sich der Kronprinz jeden Augenblick seiner fürstlichen Würde bewußt. „Liberal" war für ihn keineswegs gleichbedeutend mit „demokrattsch". Demokraten waren ihm zuwider, vielleicht in Erinnerung an die Berliner Märzereignisie von 1848, die sich unter den Augen des damals kaum Siebzehnjährigen abspielten. Anscheinend hat die Umgebung des Prinzen neben französischen und polnischen Agenten auch die Juden für die Revolution verantwortlich gemacht. Als er nämlich die Gräfin Hake die Freilassung der vom Militär gefangenen Bürger („alle die Schufte und Aufrührer") bedauern hört, wird er auf „einige Judengesichter aufmerffam" gemacht, „welche von der Menge auf die Schultern gehoben waren und eifrig redeten". Daß Fritz den Abzug des Militärs und die Bildung einer Bürgerwehr entschieden verurteilt — „nun sollten wir also gänzlich von unMen lieben, braven Sonaten getrennt und der König den Händen einer treulosen, mit dem Waffengebrauch gänzlich unbekannten Bürgerschaft anvertraut werden!" — ist selbstverständlich. Die Menge läuft der mit der Besetzung des Stadffchlosses betrauten Bürgergarde jubelnd entgegen; der Prinz aber sieht statt des üblichen Garde-du- Corps vor den königlichen Zimmern „einen Bürger, echt jüdischen Aussehens, eine Pudelmütze auf dem Kopfe imb ein neues Gewehr auf der Schulter" seinen Nachtdienst leisten. („Welch ein Anblick!") Zwölf Jahre lang ist von Juden keine Rede mehr in den Tagebüchern. Friedrich Wilhelm ist inzwischen in den Freimaurerorden ausgenommen worden: Humanttät und Toleranz werden ihm zur Pflicht gemacht. Die Verschwägerung mit dem englischen Hofe öffnet sein Herz für liberale Ideen. Juden kreuzen kaum seinen Lebensweg. Wenn er sich in den Tagebüchern über sie ausspricht, so bedeuten seine Aeußvrungen lediglich Beobachtungen, keineswegs Kundgebungen judengegnerischen Vorurteils. Parvenütum ist diesem gutbürgerlich gerichteten Fürstensohn verhaßt; trifft er's in Berliner jüdischen Kreisen, so fällt wohl auch gelegentlich ein scharfes Wort. Ein italienisches Opern-Ensemble wird im Opernhause etwas stürmisch gefeiert: „Publikum ganz un- Versandabtellung: Berlin SW 19, Leipziger Strasse Schrift [.Bestellungen werden prompt erledigt. Bei Aufträgen nach auswärts vergüten wir für je 20 M. SO Pf., die nur für Porto l)2w. Verpackung in An- , . rechnnng gebracht werden m _ _ _. . 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Fontane, Unwiederbringlich. 348 Seiten. Freimark, Katharina I. 230 Seiten. Grabein, Fimenrausch. — Die vom rauhen Grund. Helberg, Apotheker Heinrich. 338 Seiten. KOSel, Michelangelo. Roman eines Titanen. 888 Seiten. Kraft, Maria Theresia. 338 Seiten. Landsberger, Roda-Roda, Lu, die Kokotte. 850 Seiten. Schnaps, der Rauchtabak' und die Der versuchte Liebe. 818 Seiten. Speckmann, Die Heldklause. 208 Seiten. StTatZ, Die türiohto Jungfrau. — Madien e. — Die ewige Burg. — Die letzte Wähl. 290 bis 850 Seiten. Vletor, Die letzte Königin von NeapaL 332 Selten. V. ZObeltItZ, Drei Mädchen am Spinnrad. 856 Seiten. Fürs Herz und GemUt, Band i und 2. Je 33 beliebte Lieder mit Singstimme, ca. 60 Seiten stark, brosch. Bandl (tief): Hohn, Was i hab — Göpner, Hab Sonne — Meyer-Helmund, Ballgeflüster u. a. Band 2 (hoch oder tief): B 0 hn, Zuschaun, Still wie die Nacht—H e i s e r, Zieht im Herbst — Petrie. Seemannslos Ries, Am Rhein beim Wein. Jeder Aff Band ftther 3,50..jetzt «F«Pf. 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