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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-10-19 · 42 (19.10.1928) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
42 (19.10.1928)
Date
1928-10-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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D-rlmuvd. (Aus bem Bereinsleben.) Mit Beginn der Bortragssaison setzte innerhalb der Vereine unserer Gemeinde regstes Leben ein. Den Reigen eröfsnete die General-Versammlung der liberalen Bereinigung am 3. Oktober. (Bericht siehe unter „Aus der Bewegung".) Am 6. Oktober sprach in der Gesellschaft „Harmonia" der ehemalige badische Staatspräsident Pros. Dr. Hellpach über „Lebenskrise und Lebensalter". Am gleichen Abend feierte der „Verein selbständiger jüdischer Handwerker" sein Simchath-Thorahfest. — Im Jüdischen Frauenbund sprach am 9. Oktober Frau Ottilie Schönewald, Bochum, über: „Die Frau in der Gemeinde". Am 11. Oktober gab anläßlich der General-Versammlung des Frauen-Vereins Frau Elise Steinberg, die langjährige verdienstvolle Vorsitzende desselben, ein sehr anregendes Bild über die segensreiche Arbeit, die der Israelitische Frauenverein während seines 65 jährigen Bestehens zum Besten der Armen unserer Gemeinde geleistet hat. Der Jung-Jüdische Wanderbund veranstaltete am 15. Oktober einen Lichtbildervortrag des Herrn Hugo Rosenthal, Sportlehrer an der hebräischen Realschule in Haifa, über: JJ)tc Bedeutung der Leibesübungen für die Erziehung der jüdischen Jugend in Palästina". Der Frauenbund versendet sein gesamtes Winterprogramm. Demzufolge sprechen in ihm: Dr. Leo Deutschländer, Wien: Die Bedeutung der Bibel für Goethes Leben und Werke. Frau Life Leibholz, Berlin: Franz Werfels „Abituriententag und das Problem jüdischer Schüler". Frau Clara Heinemann, Dortmund: Vorsorge und Fürsorge. Frau Rosa Kaoblewicz, Dortmund: Die Zwiesprache zwischen Gott und Israel. — Eine Anregung des Vorstandes der liberalen Vereinigung zur Vereinfachung des Vortragswesens innerhalb der Vereine der hiesigen Gemeinde konnte nicht verwirklicht werden, da eine Reihe derselben ihr Winterprogramm bereits festgelegt hat. — Eine Kommission unter dem Vorsitz des Herrn Em. Goldschmidt wurde beauftragt, Vorarbeiten zwecks Verwirklichung des Gedankens für das nächste Vereinsjahr zu leisten, damit der Ueberfülle der Veranstaltungen und der Mißstände, die sich dadurch ergeben, vorgebeugt werde. Dresden. (Todesfall.) An den Folgen einer plötzlich auftretenden Herzschwäche nach einer Operation starb der Dresdner Gemeindeverordnete Paul Lehmann. Er hatte sich seit etwa fünf Jahren im Dresdner Israelitischen Gemeinderat nach Kräften für die Pflege und Beachtung der orthodoxen Religionsvorschriften, wie sie ihm seine Ueberzeugung und sein großes talmudisches Wissen eingaben, eingesetzt. Zur Beerdigung, die in Frankfurt stattfand, hatte die Dresdner Gemeindeverwaltung eine Gemeinderatsdeputation abgeordnet. Ferner war aus den Kreisen, denen Paul Lehmanns Wirksamkeit in Dresden unvergessen bleiben wird, eine größere Anzahl führender Persönlichkeiten erschienen. Frankfurt a. M. (Hilfswerke der Juden.) Am 10. Oktober fand eine gemeinschaftliche Veranstaltung des Hilfsvcreins der Deutschen Juden, des Hilfskomitees für die notleidenden osteuropäischen Juden und des Verbandes russischer Juden in Deutschland statt. Namens der drei Organisationen begrüßte der Vorsitzende des Lokalkomitees Frankfurt a. M. des Hilfsvereins, Herr Dr. Felix Kauffniann, die Erschienenen, insbesondere Herrn Justizrat Dr. Blau, den Vorsitzenden des Vorstandes der Frankfurter Israelitischen Gemeinde und des oben genannten Hilfskomitees, sowie den Staatsrat Dr. Jakob Teitel, Vorsitzenden des Verbandes russischer Juden in Deutschlaiü». Er übermittelte den Erschienenen einen Gruß von Dr. James Simon, dem Gründer und Vorsitzenden des Hilfsdereins der deutschen Juden, und wies darauf hin, daß die Arbeit des Verbandes der russischen Juden aus der Linie der dem Hilssverein zugewiesenen Aufgaben liege und daß der Hilfsverein deshalb mit besonderer Freude mit dem Verband der russischen Juden gemeinsam zu arbeiten bereit sei. Herr Justizrat Dr. Blau begrüßte die Vertreter des Hilfsvereins und des Verbandes im Namen der Israelitischen Gemeinde Frankfurt. Herr Dr. Felix Kauffmann entwarf hierauf ein Bild der Tätigkeit des Hilfsvereins vor dem Weltkriege. Die 1911 gegründete Organisation stellte sich zur Aufgabe, anstelle von improvisierten Komitees eine organisierte Hilfsarbeit für die Juden im Osten Europas und im Orient zu schassen. Herr Dr. Mark Wischnitzer, Generalsekretär des Hilfsvereins der deutschen Juden, machte einige ergänzende Mitteilungen über die Arbeit dieser Organisation in den letzten Jahren, sowie über die neuen. Aufgaben, die der Hilfsverein sich gestellt hat. Herr Staatsrat Teitel schilderte in bewegten Worten die katastrophale Not der russischen jüdischen Flüchtlinge in Deutschland, die sich von Jahr zu Jahr steigert, und von der in besonders schwerem Maße die geistig hochstehenden Schichten betroffen werden. Herr Rechtsanwalt Alexis Goldenweiser, Syndikus des Verbandes russischer Juden in Deutschland, gab ein Bild der Entwicklung und jetzigen Tätigkeit des Verbandes. Die Kundgebung machte einen tiefen Eindruck auf die zahlreichen Anwesenden; die Hilfsaktion geht erfolgreich vor sich. Hachenburg. (Persönliches.) Der Vorsteher der Kultusgemeinde, Herr Ferd. Rosenberg, beging kürzlich seinen 60. Geburtstag und wurde bei dieser Gelegenheit von den Ortseingesessenen aller Bekenntnisse durch Glückwünsche und Aufmerksamkeiten geehrt. Auch bei den Behörden erfreut sich das seit sechs Jahren vorbildlich wirkende Gemeindeoberhaupt hohen Ansehens. Hamburg. (7 0. Geburtstag.) Jakob Flörsheim, Senior^ chef des seit 1850 bestehenden Bankhauses R. Flörsheim, vollendete am Dienstag, 9. Oktober, sein 70. Lebensjahr. Der Jubilar ist seit längerer Zeit Vorsitzender der Jugendfürsorge der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Sein Wirken wurde vom Senat durch Verleihung der Plakette für Dienste am Wohle des Volkes gewürdigt. Hannover. (Neuorganisation des Religionsunterrichtes.) In einer kürzlich stattgefundenen vertraulichen Sitzung des Repräsentantenkollegiums stand die Neuorganisatton des Religionsunterrichtes und die dadurch erforderliche Neueinstellung von Lehrkräften im Mittelpunkt der Aussprache. An Stelle des auf eigenen Wunsch demnächst aus seinem Amt scheidenden Herrn Seminar- Leiter der Religionsschule ernannt. Im Einverständnis mit dem direktor a. D. Dr. Knoller wird Herr Rabbiner Dr. Schorsch zum Herrn Landrabbiner wird ihm gleichzeitig die Leitung des gesamten Religionsunterrichtes übertragen. Unter Berücksichttgung dessen, daß in Hannover über fünfhundert jüdische Schüler und Schülerinnen vorhanden sind, wurde beschlossen, noch einen Lehrer für den Religionsunterricht hauptamtlich anzustellcn. Ueberdies wird Herrn Lehrer Weinberg (Wunstorf), welcher nach Hannover übersiedelt, eine erhöhte Anzahl Unterrichtsstunden übertragen werden. — Eine Neuorganisation soll alsdann auch dadurch angestrebt werden, als in geeigneten Räumen in verschiedenen Stadtteilen der Religionsunterricht auch an diejenigen schulpflichtigen Kinder erteilt wird, die ihn bis jetzt nicht besuchten. Der Sonntagsunterricht der Religionsschule wird von jetzt ab in Fortfall kommen. Herrn Rabbiner Dr. Schorsch ist es ganz besonders anheimgestellt worden, durch häufige Abhaltung von Lehrerkonferenzen eine angemessene Gliederung der Unterrichtsstoffe und eine ' Vereinheitlichung des Lehrplanes überhaupt nach seinen fachlichen Anschauungen herbeizüführen. Hannover. (Versammlung des Gemeindevereins.) Der Verein zur Pflege der Interessen der Synagogengemeinde Hannover hielt am Sonnabend, den 13. Oktober, im überfüllten Saal von Mußmanns Hotel eine außerordentliche Generalversammlung mit der Tagesordnung: „Allgemeine Aussprache über Gemeindeangelegenheiten" ab. Der Vorsitzende, Herr Julius Wechsler, eröfsnete die Versammlung und gab zunächst einige einführende Worte über den Stand des in der Gemeinde neueinzuführenden Wahlrechts. Herr Dr. Schleisner, der im Aufträge der Gemeinde die Vorige bearbeitet, ergänzte die Ausführungen. Es werde ein Proportionalrecht eingeführt, wie es bereits feit einigen Jahren in der Frankfurter Gemeinde bestehe. Herr R.-A. Block bittet um beschleunigte Erledigung und um Veröffentlichung des Vorschlags vor der endgültigen Beschlußfassung, damtt die Gemeindemitglieder sich dazu äußern können. Herr Stein, Vorsitzender des Jugendvereins, bittet, jede Karrenzzett fallen zu lassen, da sonst die Jugend, die sich teilweise nur wenige Monate in einer Gemeinde aufhält, nicht zu ihrem Recht komme. Man müsse die Jugend prakttsch mehr mtt der Gemeinde beschäftigen, sonst gingen dem Judentum noch mehr Kräfte verloren. Herr Land- Versammlungskalender * Berlin-Halensee-Grimrwald. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zn Berlin E. L., Bezirksgruppe Halenfee-Ernnewald. Am 24. Oktober 1928, abends 8.30 Uhr, findet im Spiegelfaal der Johann-Georg- Säle, Johann-Seorg-Straße 19, eine Versammlung statt. Herr Oberkantor Leo Eollanin wird Gesangsvorträge bringen. Am Flügel Fra» Jda Eollanin. Es spricht dann Herr George Goetz über: „Aufgabe« des liberalen Judentums". Freie Aussprache. Säfte herzlich miN« kommen. Breslau. Jli „Abraham Geiger". Mittwoch, den 24. Oktober, 29.15 Uhr, km vereinslokal, großer Saal, der „Sozialen Gruppe für erwerbstätige jüdische Frauen und Mädchen", Kaiser Wilhelmstraße 16, Arbeitsgemeinschaft „Die Propheten". Leitung: Religionslehrer Davidsohn. Zur Behandlung gelaugt die Zeitgeschichte des Propheten Amos. Die Teilnehmer werden gebeten, eia Eremplar der Bibel mitzudtingen. Boranzeige: Sonntag, den 28. Oktober, Ausflug ins Zobtener Bergland. Treffpunkt 8.39 Uhr vor dem Rordhotel. Abfahrt 9 Uhr vom Bahnsteig 5 des Hauptbahnhofs. Sonnlagsfahrkarle 3. Klaffe (Mk. 2,19) bis Sträbel selbst losen. Rückkehr nach Breslau gegen 19 Uhr. Führung: Georg Jvnas-Ohlau. Danzig. Sonnabend, 29. Oktober 1928, abends 29 (8) Uhr, im Pfeilerfaal des „Friedrich-Wilhelm-Schützenhaufes", Lorirag RechtsanwaU Heinrich Stern (Berlin), Vorsitzender der Bereinigung für dar liberale Judentum e. L.: „Die Aufgaben des liberalen Judentums in Gegenwart und Zukunft". Frankfurt a. M. Jüdisch-liberale Jugendgemeinfchaft. 23. Ottober, 29.45 Uhr: Heimabend. „Was erwarten wir von einem altiven Liberalismus". (Kurze Referate.) Sitzungszimmer Freih. v. Stein-Straße. 6. November, 29.45 Uhr: Ausspracheabend. „Zionismus". Herr Dr. Millner. Sitzungszimmer Freih. o. Stein-Straße. — Jugendgruppe: 29. Oktober, 16 Uhr: „Religiöse Fragen". Rabbiner Dr. Gottschalk. Sitzungszimmer Freih. o. Stein-Straße. — 29. Oktober, 17 Uhr: „Jüdisch-liberale Institutionen in London". Wolfg. Edinger. Sitzungszimmer Freih. v. Stein-Straße. * Gottesdienste * Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Alle« 162. Freitag, den 19. Oktober, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt Herr Falkeuberg Sonnabend früh 19 Uhr. Freitag, den 26. Oktober, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonsti. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Aula der Cäcilienfchule, Nikolsburger Platz): Jeden Freitagabend liberaler Gottesdienst mtt Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr pünktlich. Freitag, den 19. Ottober, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonfki. rabbiner Dr. Freund betont, daß er nichts gegen das aktive Wahlrecht der Frauen einzuwenden, habe. Herr Dr. Goldschmidt und Herr Dr. Schleisner treten auch für das passive Wahlrecht der Frauen ein, das man ihnen selbst in der katholischen Kirche heute .nicht mehr versage. Herr R.-A. Goldstein spricht die Erwartung aus, daß bis zum 1. April 1929 das Wahlrecht zum Abschluß gebracht wird. — Ueber die Neubauten usw. auf dem neuen Friedhof macht Herr Komm.- Rat Berliner Mitteilungen. Die Halle sei soweit fertig, daß der Bauzaun bereits gefallen sei. Roch sei eine Zuwegung von 80 Metern herzustellen. Die bisher in Aussicht genommenen Mittel reichen nicht. Bei der Fertigstellung der Inneneinrichtung hoffe er auf Stiftungen von seiten der Gemeindemitglieder. Er bitte, daß man rechtzeitig und freudig seine Steuern bezahle. — Zur Frage der Landrabbinate meldete sich ttotz Aufforderung niemand zum Wort. — Die Aussprache über Gottesdienst dürfte nach den aufklärenden Darlegungen und dem warmen Appell des Herrn Landrabbiners Dr. Freund dazu führen, daß in Zukunft beim Priestersegen wieder eine regere Beteiligung von seiten der Kohanim erfolgt. Um den Chor zu verbessern^ wird der Jugendvereinsvorstand aufgefordert, seine Mitglieder für dies schöne Werk zu interessieren. — Sodann folgt eine eingehende Aussprache über die Schulfrage. Herr Rabbiner Dr. Schorsch glaubt, daß unsere Zeit der religiösen Strömung günstiger sei als die vergangene. Bei allen Bemühungen von Lehrern und Schule sei der Erfolg doch abhängig von der Resonanz, die die Arbeit in der Gemeinde und im Elternhaus findet. Die Kinder müßten zu Hause Nacharbeiten, den Unterricht regelmäßig besuchen, auch über das 14. Lebensjahr hinaus. Die Religionsstunden müßten vermehrt werden. Herr Lehrer Levisohn wünscht, daß die Kinder vom 7., nicht erst vom 10. Lebensjahr an zum Unterricht geschickt werden. Herr Schneeweiß beklagt, daß die Talmud- Thora-Schule zu wenig von der Gemeinde gefördert werde. Herr Dr. Schleisner bittet, sich deswegen wieder -mit dem Gemeindevorstand in Verbindung zu setzen. — Damit wird um Mitternacht die dreiundeinhalbstündige Versammlung geschlossen. Kasstl. (Vom jüdischen Museum.) Bei der kürzlich beendeten Ausstellung für religiöse Kunst in Marburg ist das hiesig« jüdische Museum durch eine Spezial-Ausstellung, die allgemeine Beachtung und Anerkennung fand, beteiligt gewesen. Zur Förderung des Interesses für unsere heimischen Kultsammlungen, die durch mancherlei Neuerwerbungen erweitert wurden, hat auch eine krittsche Würdigung des Museums durch den bei dessen Einrichtung hervorragend beteiligter» Dr. Rudolf Hallo wesentlich beigetragen. Als Sonderabdruck der im „Morgen" bereits veröfseutlichten Spezial-Abhandlung über das Kasseler jüdische Museum hat Herr Dr. Hallo eine kleine Schrift erscheinen lassen, die durch Form und Jn^rlt größten Beifall finden dürfte. Die knckppe und von künstlerischem Verständnis für die einzelnen Objekte beherrschte Darstellung, die ausgezeichnet gelungene Reproduttion verschiedener Bilder der Gegenstände und die vornehme Ausstattung des Büchleins, das durch alle Buchhandlungen, aber auch durch die Leitung des Hessischen Landesmuseums zu beziehen ist, verdienen die Beachtung aller für kunsthistorische Bestrebungen empfänglichen Kreise. Wie weiter verlautet, wird die Leitung des Kasseler jüdischen Museums durch periodisch erscheinende „Mitteilungen" von den die Kunstsammlung betreffenden Veränderungen Kenntnis geben. Witten. (Jubiläum.) Am 1. Oktober konnte der Lehrer und Kantor der Gemeinde, Herr Max Meyer, das 25 jährige Jubiläum seines Wirkens am hiesigen Orte unter lebhafter TÄnahme weiter Kreise begehen. Daß der Jubilar sich großer Sympathien erfreut, bezeugt die Tatsache, daß ihm zu Ehren ein Festgottesdienst mtt nachfolgendem Gemeindefest stattfinden soll. Bei dem Festgottesdienst wird Rabbiner Dr. David, Bochum, die Verdienste des Jubilars würdigen und Lehrer Hartmann, Iserlohn, wird den liturgischen Teil ausführen. Wyk. (Heim des Jüdischen Frauenbundes.) Nachdem das Heim des Jüdischen Frauenbundes in Wyk auf Föhr jetzt über ein Jahr im Betrieb ist, und einer Reihe von Kindern und weiblichen Jugendlichen zur Kräfttgung und Gesundheit verholsen hat, kann der Jüdische Frauenbund tat vielen, die das Wirken dieser Heilstätte mtt großem Interesse verfolge», die erfreuliche Mitteilung machen, daß es ihm gelungen ist, «in Nachbargrundstück «it Wohnbau- STOlkWERCI^ iDoh (Schmecke nd nahrhaft. zu erwerben. Dadurch hat sich der Grundbesitz in Wyk verdoppelt. Das Wohnhaus kann zum April geräumt werden, es wird das Heim in die Lage setzen, eine größere Anzahl von Pfleglingen, als es bisher möglich war, aufzunehmen, vor allem aber mehr Fsolierräum« bei etwa auftretenden Krankheitsfällen zu schaffen. Durch die Vergrößerung des Heims kann man nicht nur Kinder vom 4. Jahr an, sondern auch, wie es von ärztlicher Seite gewünscht wurde, vom 2. Jahr an aufnehmen. Das Heim, das den Charakter der Heilstätte hat, nimmt bekanntlich tb. gefährdete Kinder und weibliche Jugendliche aller Stände zu einem Tagespreis von Mk. 4,— aus, ohne irgendwelche Nebenausgaben für die ärztliche Betreuung, Kurtaxe, Wäsche und dergleichen zu berechnen. Die Kurperiode dauert 8 Wochen. Die Erfahrungen des vorigen Jahres geben Veranlassung, ganz besonders aüf die sehr guten Heilerfolge im Herbst und Winter hinzuweisen. Anmeldungen hierfür sind baldigst zu richten an das Büro des Jüdische« Frauenbundes, Berlin N. 24, Monbijouplatz 10. Zoppot. (Der Zentralverband der deutschen Kur- 1 orte gegen Rassenhetze.) Der Zentralverband der deut-- schen Kurorte und Berkehrsbüros versandte ein Zirkular an di« eist- . zelnen Kurortleitungen, in welchem diese ersucht werden, mit alle« Mitteln danach zu streben, den Kurorten Rassenhaßpropaganda sernzuhalten. ★ BÜCHERSCHAU ★ Marcus Ehrenpreis: Das Land zwischen Orient und Okzident. Spanische Reise eines Juden. Mit einem Brief an den Verfasser von Alfons Paquet. 236 Seiten, 35 Text- und Tafelbilder, holzfreies Papier, in Ganzleinen gebunden. — Der Heine-Bund, Eine jüdische Buchgemeinde, Berlin W 57, Pallasstraße 1Q-11. (Interessenten erhalten die „Blätter des Heine-Bundes" kostenlos.) Mitgliedsbeitrag: für die vier Jahresreihenbände bei jährl. Vorauszahlung RM 14,—, bei vierteljährlicher Zahlung RM 3,75. (Eine Parallelausgabe des Buches für Nichtmitglieder ist im Welt-Verlag/Berlin erschienen und durch jede Buchhandlung zu beziehen. Preis RM 7,— (gleiche Ausstattung)! Mit großer Freude begrüßen wir den 3. Band der zweiten Jahresreihe. Wir haben uns hier mit einem ausgezeichneten, Ja klassischen Werke zu beschäftigen. Der Verfasser war bis 1914 Oroßrabbiner von Bulgarien und seit diesem Jahre amtiert er als Oberrabbiner in Stockholm und begründete die Zeitschrift „Judisk Tidskrift“. Das vorliegende Werk, ursprünglich schwedisch geschrieben, ist außer ins Deutsche, ins Französische, Polnische und Holländische übersetzt worden. Das dürfte schon seinen Wert kennzeichnen. Wir greifen nur einiges aus dem reichhaltigen Inhalt heraus: Auf dem Wege nach Madrid, Spanische Eindrücke, Granada, Durch mittelalterliche .Judengassen, In Gabirols Geburtsstadt, Meine Begegnungen mit Maimoiniides usw. Viele Anregungen für den jüdischen Geschichtsunterricht! Wir möchten das Wort der Haggada variieren: Geh' und werde Mitglied des Heine-Bundes! Dr. M. Spanier, Magdeburg „Jesus im Böhmerwald“4 von Robert Michel. (F. G. SpeCdelsche Verlagsbuchhandlung, Wien.) Mit Recht hat dieses wundervoll zarte Buch seinem Verfasser den Adalbert Stifter-Preis eingetragen. Aber dies wäre kein genügender Grund, es gerade hier zu erwähnen, in einem jüdischen Blatte, dessen liberale Tendenzen, sich nicht auf politische Dinge beschränken dürfen, sondern sich auch auf die Kunst erstrecken müssen, mag der Stoff, sofern nur seine Behandlung liebenswert ist, uns an sich entgegengesetzt sein. Und wie stark müssen die hier aufgespeicherten Werte sein,. wenn auch der jüdische Leser davon ergriffen wird!. Wer es versteht, mit so reinen Händen das Wunder der unbefleckten Empfängnis zu entschleiern, zu deuten, sinnfällig zu gestalten, muß selbst den Ungläubigsten zu bewundernder Andacht auf die Knie zwingen. Mit einer kristallenen Klarheit, die dem ganzen Buche eignet, schildert der Dichter, wie er als Lehrer in Prag Sommer für Sommer mit seinen Jungens den Böhmerwald durchstreifte und wie er dort immer wieder auf die Erzählung von dem wundertätigen Knaben, welcher schließlich den Opfertod starb, gestoßen sei. Unterdessen starb Michels eigener Sohn, und dieses Erlebnis, sich intuitiv mit jenem verknüpfend, das er nur vom Hörensagen kannte, brachte in ihm den Wunsch zur Reife, sich zur völligen Klarheit darüber durchzuringen. In der Tat legt Michel die feinsten Wurzelfäserchen bloß, ohne daß uns von dem blütenzarten Duft seiner Pflanze etwas verloren geht. Im Gegenteil, er erschließt sich uns immer mehr, je weiter wir den Knaben von seinem merkwürdigen Eintritt ins Leben bis an sein frühes Ende begleiten; sein Weg aus gebirglicher Einsamkeit in den Lärm der Welt, tschön bei der Begegnung mit allem, was Natur heißt, dornenvoll bei der Berührung mit den Menschen. Nur mit Rührung trennt man sich von der in Romanform gekleideten Legende, so stark ist in ihr trotz allem Unterirdisch-Unfaßbaren das Menschliche, das sich — von einem Dichter erfühlt und ausgestreut — nicht an die Anhänger eines bestimmten Glaubens wendet, sondern mit sieghafter Kraft jeden bezwingt, der über wahre, auf schlichter Einfalt des Gemüts beruhende Religiosität verfügt. Dr. Rieh. Elb. Rebb Scheindel Von Paul Joachim Ollendorff-Barmen. (2. Portsetzung) II. „Es ist aus meinem Mund gekrochen, wie ein schlimmer Wurm, mein Herz ist ein trauriger Qebärer. Sieh, Scheindel, wir lebten froh und friedsam an dem großen weißen Strom im Westen. Mein Vater trieb das gleiche HandWerk wie ich, und meine Mutter war ein Segen. Wir lebten alle, eine glückliche Gemeinde, wachend: und schaffend. Da ballte sich am Himmel eine Wolke und finsterte auf uns zu. Wir schlossen uns zusammen,

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