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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-09-21 · 38 (21.9.1928) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
38 (21.9.1928)
Date
1928-09-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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s. Jahrgang Nummer ZS MhchÄemleZeikW Kol nidre 1. Gegen eine Reihe von Reformen, die schon seit langen Jahren im Gottesdienst des religiös-liberalen KnltuS eingeführt sind, machen sich in neuerer Zeit Gegenströmungen bemerkbar, die nicht etwa von orthodoxer Seite ausgehen, sondern im eigenen Lager der religiös-liberal gerichteten Juden ihren Platz haben. Es mag sein, daß die Reformatoren unseres Gottesdienstes bei ihren Aenderungen, die ja schon heute gleich einem geschriebenen Gesetz Gültigkeit erlangt haben, allzusehr vernunftgemäße und verstandesmäßige Neberlegungen walten ließen, dcäei aber auf die Gefühle und Stimmungswette, die einer religiösen Haiidlung oder einem Gebet inne wohnten, nicht achteten. Heute setzt nun eine gewisse Reaktton ein, die an Stelle des Neuen altes Gut wieder Herstellen möchte. Kol nidre ist ein ganz besonders gern gehätscheltes Schoßkind unserer modernen religiösen Romantiker. Es ist keine Frage, dieses G^bet mit seiner ehrwürdigen alten Melodie, die jedem Juden aus dem Gottesdienst und wohl noch mehr von den Klängen der Kurkapelle her bekannt ist, denen er im vergangenen Sommer bei seiner morgendlichen oder abendlichen Kurpromenade lauschte, weiß dem beginnenden Wendgottesdienst des Versöhnungstages eine ganz besondere Stimmung zu geben. Wer einmal im Gebete dingegeben diesen Klängen gelauscht hat, wer einmal diese Weisen mit tiefem Verständnis vortragen hörte, wird den Zauber und die Weihe dieser Stunde nicht vergessen. Wer wie wenig stimmen Text und Melodie überein! Die Melodie, erhaben und feierlich, den andächttgen Beter ergreifend und ihn die Welt des Scheins vergessen lassend, den schuldbeladenen Menschen erhebend und erquickend — der Text, kalt und öd, kahl und leer, wie nur eine juristische Formel es fein kann. Etwas anderes als solch eine Formel stellt ja auch der Text gar nicht dar. Darum hat der moderne Gottesdienst überall, so weit mir bekannt ist, die alte Melodie beibehalten und hat ihr einen anderen Text untergelegt. In einer Reihe von Gebetbüchern, so z. B. im Joelschen, wurde versucht, einen neuen geeigneten hebräischen Text zur allen Melodie zu finden; es gibt noch mehr solcher Versuche, die sich bemühten, einen passenden hebräischen Text an Stelle der alten aramäischen Formel zu setzen; sie sind auch hie und da in den einzelnen Synagogen zur praktischen Anwendung gelangt. Diese hebräischen Texte versuchen in ihrem äußeren Gewände sich an das ursprüngliche Gebet anzulehnen, behalten z. B. das Ansangswort des Gebetes bei, führen den ursprünglichen Gedanken des Gebetes in der Form weiter, daß Gott alle sündigen Regungen, die im Laufe des Jahres sich einstellen, verzeihen möge, u. ä. Während der deutsche T^t (Tag des Herrn oder Pf. 130: Aus den Tiefen rufe ich zu Dir), der zur alten Melodie gesungen wird, weder innerliche noch äußerliche Beziehungen zum alten Text aufweist. Es wäre vielleicht wünschenswert, wenn es uns gelingen würde, einen entsprechenden hebräischen Text zu finden, um diesen der alten Melodie unterzulegen.*) In einem liberalen Gottesdienst ist die Wiedereinführung des alten Textes schlechterdings unmöglich. Es kann von einem ernsten, wahrhaften religiösen Standpunkt aus in keiner Weise gerechtfertigt werden, daß wir vorausschauend Gelübde, die wir erst ausfprechen werden, für ungülttg erklären. Wir kennen die peinliche Sorgfalt, mit der unsere religiösen Vorschriften darüber wachen, daß wir ein ausgesprochenes Gelübde verwirklichen und ihm treu bleiben. Aus dieser peinlichen Gewissenhaftigkeit heraus, die ängstlich besorgt war, jedes gesprochene Wort auch wahr werden zu lassen, ist ja jenes Gebet entstanden. Wir begreifen den Gedankengang unseres Kol Nidre, aber wir können ihn uns nicht zu eigen machen, denn für den wahrhaften, religiösen Menschen ist es unsittlich, ein noch nicht bestehendes Gelübde von vornherein für ungülttg zu erklären, selbst wenn diese Erklärung aus einer gewissen Scheu vor der Sünde erfolgt. Wir wissen Alle und brauchen gewiß darüber nicht belehrt zu werden, daß unser Kol Nidre von unseren Vätern empfunden wurde als ein Notschrei der peinlich ängstlichen Menschenseele, die auch nur um Haaresbreite von dem Wort des Gelübdes abzuweichen fürchtete. Für unsere Väter hatte dieses Gebet oft noch eine tiefere uckd ernstere Bedeutung gewonnen. Sie wußten, daß der Tyrannen Gewalt oft auch ihre Seele und ihren Glauben unterjochen wollte. Manches Wort und manches Bekenntnis, das in ihren Herzen keinen Platz hatte, ist ihnen abgerungen worden. Wenn sie also gezwungen wurden, zu lügen, zu bekennen, was ihrer Seele fremd war und fremd bleiben sollte, dann glaubten sie, daß sie durch das Gebet Kol Nidre solch erzwungenes Bekenntnis längst für ungülttg erklätt hätten. Diese furchtbaren Zttten der Glaubensverfolgung, von denen dieses Gebet erzählt, haben mit einem seltsamen Zauber umwoben, aus seinen Klängen tönen zu uns die Schmerzenslaute und die Klagen der Verfolgten herüber. Wir aber wollen als freie Menschen vor unserem Gotte stehen, Verzeihung erflehen für Sünden, die wir begangen haben, und nicht Lossprechung von Vergehen, die erst der Zukunft angehören. Für das, was wir gefehlt, erwarten wir in Demut Gottes Richterspruch; das, was noch in der Zukunft liegt, können wir Menschen nicht im Voraus für ungülttg erklären. Das ganze Gü»et müßte sich, wenn wir es in einem geänderten Text wieder in unseren Gottesdienst übernehmen wollten, auf die Zeit vom „vergangenen Bersöhnungstag bis zum heutigen Bersöhnungstag, sich beziehen, eine Lesart, die übrigens neben der heute allgemein bekannten auch in früheren Texten bezeugt wird. Eine solche Umarbeitung, wie sie in diesen Zeilen angedeutet ist, müßte erst vorgenommen werden, der Tyt dagegen, wie er sich in den allgemein gerauchten Festgcketbüchern findet, ist für uns nicht brauchbar. An dem Tage, an dem wir die Reinhett des Herzens und den Frieden unserer Seele uns erttngen wollen, dürfen wir den Gottesdienst nicht beginnen mit einem Gebet, dessen Gedankeninhalt nicht mit den Empfindungen unserer Seele und unseres Herzens in Einklang zu bttngen ist. RabbrneB Dr. H e i l b r o n n, Nürnberg. *) Dem Verfasser dieses Aufsatzes ist die Lösung, die unsere Frage in dem liberalen einheitlichen Gebetbuch gefunden hat, nicht bekannt. Nikolaus Lenau, der Länger der Schwermut und Zerrissenheit, hat kurz vor seinem seelischen Zusammenbruch im Jahre 1844 eine Schilderung der Wirkung des Kol Nidre Gebetes aus seine Seele gegchen, die in der gesamten Weltliteratur nicht ihresgleichen findet. Diese Schilderung ist um so wettvoller, als sie von einem nichtjüdischen Menschen stammt, der eine tief religiöse und musikalische Natur war. „Ern Lied, über und über in Trauer gehüllt, ein langaustönender Nachtgesang bußfertiger, zerknirschter, reuestammelnder Menschenkinder. Kol Md re heißt dieses Schmerzensgebet; ich habe es vor Jahren in der Heimat gehört. Ter Vorabend des Versöhnungstages war gekommen. Ich drückte mich in einen Winkel der Synagoge, um den Gläubigen kern Aergernis zu geben Mächtige Wachskerzen flammten, das Volk stand gesenkten Hauptes in weiten, schneeweißen Sterbegewändern. Da begann der Vorbeter fein tiefernstes, herzzerwühlendes Entfündigungslied, reich an Schrecken und Gnade. Ich rang mit einer seltenen Rührung, schluchzte krampfhaft, langgekochte Tränen schossen mir aus den Augen, ich stürzte wund und geläutert in die Nacht hinaus. In jener unvergeßlichen Stunde haftete kein einziger schwarzer Punkt in meiner Seele. Und wer hat diese Weisen geschaffen? Tie Leutchen wissen's nicht, das Lied ist vom Großahnen auf Urenkel gekommen. Solche Schmerzensgesänge der Völ ker, dünkt mich, werden schwerlich von einem einzelnen gedichtet, ich möchte sagen, die rätselhaften gchen fertig urw gerundet, in Hunderten zugleich auf. . . Ach, ich wünschte wohl, daß es an meinem Totenbttte von Freundesstimmm vorgesungen werde." Wir wissen wegen der ungenauen Angaben des Dichters nutzt, wo und wann dieses erschütternde Erlebnis stattfand. Aber wir können vermuten, daß es sich um eine Jugenderinnerung handelt. In Stöckerau nördlich von Wien, wo Haben Sie Ihre Spende für die UMLAGE schon eingesandl? Wenn nicht, dann überweisen Sie umgehend einen angemessenen Betrag auf das Postscheckkonto der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin Nr. 137069 Lenau als Jüngling im Hause feiner Großeltern lebte, bestand in den 20er Jahren eine Leine jüdische Gemeinde von 40 Köpfen, die dort auch ein kleines Bethaus besaßt Aus dieser Zeit stammen wahrscheinlich auch die Eindrücke, die dem Gedichte „Der arme Jude "zu Grunde liegen, in dem Lenau zusm ersten Male in der deutschen Dichtung den Typus des kleinen, jüdischen Hausierers zu einer tragischen und symbolischen Gestalt erhob. A. Kaplan, Hamburg. Die Vorbereitung des Weltkongresses der religiösen Kräfte für den Weltfrieden Am 12. September wurde hier durch den Dekan der theologischen Fakultät der Universität Chicago, Shailer M. Mathews, die Präliminarlonserenz zur Vorbereitung eines Weltkongresses der religiösen Kräfte für den Weltftteden eröftnet. An der Konferenz beteiligten sich 124 Delegierte aus den verschiedensten Ländern, die die elf führenden Religionen der Welt repräsentieren. Die jüdische Religion wird durch den englischen Chiefrabbi Dr. Hertz vertreten, während der Grand Rabbin von Frankreich Israel Levy seine Abwesenheit schriftlich entschuldigt hat. Der Vorsitzende der Präliminarkonserenz Mathews schilderte die Ziele und Aufgaben der Konferenz, die vom kirchlichen Friedensverband in Amettka, einer Schöpfung des verstorbenen Andrew Carnegie, einberufen worden ist. Als erster begrüßte die Konferenz in einer längeren eindrucksvollen Rede Rabbi Hertz, der u. a. betonte, daß ein neuer Ktteg die ganze Welt in Gefahr bringen und die menschliche Kultur und Zivilisation vernichten würde. Er ettnnette daran, daß allein in den ersten drei Monaten des Weltkrieges in England, Frankreich und Deutschland 1600000 Menschenleben zugrunde gegangen sind. Dr. Hertz schilderte die Ergebnisse des Völkerbundes, des Locarno- Vertrages und zuletzt des Kellogg-Pattes, aber damit tatsächlich der Weltfrieden herbeigefühtt werde, müsse man vre össentliche Meinung erziehen, zivilisieren und moralisieren. Man müsse die Herzen der Menschen gewinnen und dies könne nur die Religion erreichen. Wenn sie dies nicht vermag, dann hat die Religion keine Zukunft, weil dann auch die Menschheit kerne Hoffnung hat. Von Juden beteiligten sich an der Konferenz neben Ir. Hertz auch noch die Herren Gershon Agronsky und Leventhal. Professor Dr. Reinach aus Paris, der Genfer Rabbiner Balitzer und Leo Motzttn. Auf der Nachkmittagssitzung von Donnerstag begrüßte Reinach die Konferenz im Namen des französischen liberalen Judentums. Er erklärte, daß die Religionen in der Vergangenheit, rm Mittelalter und selbst bis ins 18. Jahrhundert Ursache aller Att Kriege gewesen seien. Die Religion habe aber eine. Evolution durchgemacht uird sei heute von den höchsten Friedensideen durchdruytzen. Die Propheten haben die moralischen Wette über dis Er- Beilage 21.September 1928 süllung der religiösen Gebote und Zeremonien gestellt, der Talmud habe jedoch den Geist der Propheten besiegt. Das liberale Judentum wolle jetzt zu den Propheten zurückkchren, die als erste in der Welt das Prinzip der Gerechtigkeit bei den Menschen untereinander und des Friedens unter den Völkern verkündet haben. Bei Erwähnung der religiösen Verfolgungen bttonte Reinach, daß diese auch heute noch nicht ganz verschwunden sind, wobei er als Beispiel die Pogrome in Rußland und Rumänien ansührte. Tie Konferenz schloß ihre Beratungen am 14. September. Das Weltexekutivkomitee, das beauftragt ist, den Kongreß zu organisieren, wird aus 70 Mitgliedern bestehen. Vorläufig wurde ein provisorisches Komitee aus 11 Mtgliedern gewählt, dem auch Chiefrabbi Tr. Hertz angchött. Dieses Komitee wird die übrigen Mitglieder zu nominieren haben. Ter Kongrch wird 1930 abgehalten werden urw 1000 Mitglieder zählen. Davon werden auf die jüdische Religion 60 entfallen, auf die Protestanteii 100, aus die Katholiken 100, die Anhänger des Konfuzius 75, die Buddhisten 150, die Mohammedaner 125, die Hindus 100 usw. Der Generalsekretär Atkinson erklärte, es solle keineswegs ein Verband der Konfessionen gegründet werden, sondern nur aus die Frage Antwort erteilt werden: „Was kann die Religion für den Frieden leisten?" Als Kongreßott vorgeschlagen wurden Jnbien, Konstantinopel und von manchen auch Jerusalem. Tie Frage soll von der Executive entschieden werden. Jubiläum des Oberrabbiner Immanuel Löw Immanuel Löw, der weltberühmte Oberrabbiner von Szeged, feierte am letzten Freitag das Jubiläum seiner 50jährigen Seelsorgettätigkeit. Der große Gelehrte, dessen grundlegendes dreibändiges Werk über „Die Flora der Juden" vor kurzem erschienen ist, hatte alle Feierlichkeiten abgelehnt, und so wurde das Jubiläum im Rahmen des Freitagsgottesdienstes begangen; Rabbiner Dr. Fränkel hielt eine Rede, in der er den Jubilar würdigte. Oberrabbiner Löw ist einer der Führer des ungarischen Judentums, das er im Oberhausc vertritt, und seiner wissenschaftlichen Tätigkeit wurde vor einigen Jahren die höchste Würdigung zuteil, indem er auf einen orientalischen Lehrstuhl der Universität von Jerusalem berufen wurde. Umschau Katholische Schriftsteller und Judenfrage. Im Anschluß an die „Semaine des Ecrivains Carholigues", die vor einigen Monaten in Patts abgchalten wurde, schreibt in der „Germania", dem führenden deutschen Zentrumsblatt vom 8. September CH. D e m m i g: „In den Berichten, die auch die deutsche Presse über Jenes für das allgemeine katholische Geistesleben außerordentlich wichtige Ereignis brachte, wurde einem der zur Tisküssion stehenden Probleme nicht Erwähnung gttan, obgleich es gerade für Deutschland besonders aktuell erscheinen mag, nämlich die Beziehungen der katholischen Schriftsteller zur Judenfrage. Tie auf eine geistige Einigung hinzielenden Bestrebungen, denen die Distussionen jener „Semaine" vornehmlich gewidmet waren, beschränkten sich nicht nur auf Orthodoxe und Anglikaner; |onDe*tt fite Versöhnung suchende Sympathie suchte auch die Juden zu umfassen, selbstverständlich unter voller Beachtung der durch die Kirche gezogenen Grenzen. Durfte diese Sympathie sich darum auch nicht anmaßen, im Namen der Kirche zu sprechen, sondern mußte sie im Gegenteil eingedenk bleiben ihrer eigenen Abhängigkeit von der kirchlichen Autorität, so erreichte sie doch in jenen als außerordentlich lebendig und erfolgreich geschilderten Verhandlungen über die Judenfrage ein absolutes Totschweigen jeden Antisemittsmus; nicht nur schien der der Boden für Verständigung auss günstigste vorbereitet, sondern unverkennbar offenbarte sich ein neuer Geist, der hinsichtlich der Judenfrage in jenen katholischen intellektuellen Kreisen lebendig geworden war. Aus der Feder des Kanoniküs Halslants und Maurice Vaussard liegen uns in der „Revue catholique des idees et des saits" einerseits und im „Bulletin catholique international" andererseits eingehende Berichte vor über jene der Judenfrage gewidmeten Sitzungen, die in der Folge zu den nutzbringendsten uird erfolgreichsten Mitwirkungen in der Annäherung der Geister und der Seelen erachtet worden sind. Das Präsidium dieser Sitzungen führte Stanislaus Fümet, einer der wenigen katholischen Schriftsteller, die sich bisher eingcheird mit dem Studium der Judenfrage befaßt haben. Er war es auch, der das Auditottum in dieses Problem emführte durch eine glänzeude Darstellung des gemeinsamen Erbgutes von Judaismus und Christentum, des Wohlwollens der Päpste und zeitweise auch des Klerus gegenüber den jüdischen Gemeinden des Mittelalters (fast gänzlich unbekannt z. V. ist die Tatsache daß das „Ghetto" ursprünglich eine Schutzmaßnahme zugunsten der Juden «er), uiü> schließlich des modernen Antisemitismus. Tie an den letzten Punkt seiner Darlegung sich anschließenden Aussprachen schieden sich in zwei Parteien, die eine für, die andere gegen den Zionismus. M. Watrin, Registrator des Ordens Saint-Lazare in Jerusalem, vertrat den Standpunkt, daß man als Antisemtt den Zionismus nur begünstigen müsse, da es sein Ziel ist, den Juden, die einer Assimilation an andere Nationen unfähig seien, ein eigenes Vaterland zu geben, uns aber von ihnen zu befreien. M. Georges Balois dagegen sprach im Namen jener, die es als Pflicht der Christen anseycn, die Juden zu neutralisieren, ohne Blutsvermischung noch irgendwelcher Zwangsmaßnahmen. Jene Pattei betrachttt den Antisemittsmus lediglich als eine Reaktion der Schwache und Angst. In einer außerordentlich interessanten Rede zur Betteidigung sttner Rasse gegen die herrschenden Borutteile, widerlegte M. Edmond Fleg, hervorragender Verleger und Schttststeller, die allgemeine aber vollkommen irrige Auflassung, daß das jüdische Volk einen Mock bilde. Keine andere Rasse, so meinte er, sei so uneinig. Tatsächlich fn die Solidatttät unter zeitgenössischen Juden nicht wirksamer als unter den Angehöttgen irgend eiltet anderen Rasse. Die religiösen Bewegungen und Tendenzen, die sie spalten, sind so zahlreich, daß man fast von Anarchie

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