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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-09-21 · 38 (21.9.1928) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
38 (21.9.1928)
Date
1928-09-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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kenven und redenden Engel, in aller Zwiesprache zwischen Mose und Gott den Menschen, der um sein Leben kämpft. Welche Illustration zu dem Psalmwort „ich will nicht sterben, sondern leben, um zu erzählen von den Taten Gottes". Welche Erdverbundenheit in diesem Kampf um das Leben! Wie will selbst ein Mose lieber als Namenloser leben, als als Hochberühmter tot sein. Welche Konstanz der Seelenhaltung in Israel! Zweier Wotte Kraft aber sei emporgehoben. Ueber Mose hatte der Todesengel keine Gewalt, als er mit der Thora zu tun hatte, keine Kraft der Schädigung hat Gewalt über den, der mit der Thora verbunden ist. Und „Gott bat die Seele Moses". Nicht einem tyrannischen Befehl gehorcht die Seele des Scheidenden, sie folgt der „Bitte" Gottes. Daran zu denken in der Stunde des Gedenkens ist Balsam des Trostes. Mayer Wallach. Alsfeld „Reisebeschreibung eines israelitischen Reisenden" (um 1830). Das hler folgende „Dokument humain" wird uns von befreundeter Seite zur Verfügung gestellt. Wir veröffentlichen beit aufschlußreichen Brief ohne grammatische und orthographische Acnderungen. Leuchtet auf der einen Seite das Gefühl altjüdlfcher Liebe zum Elternhaufe und die Ehrfurcht vor dessen Tradition auf, so ofsenbatt sich auf der andern Seite doch die Einsicht, daß das Leben wichtiger sei als die minutiöse Uebung der Schulchan aruch — Vorschriften. Mit prächtigem, zuweilen derbem Humor meistert der Briefschreiber die kulturhistorisch reizvolle Darstellung. Tie Schriftleitung. Dresden, Schabbath perek b'reschith. (Sabbath b'reschith). Lieber Vater! Ich habe mir vorgenommen, Dir erst zu schreiben, sobald ich hier angekommen bin, tut mir aber leid, Dir zu sagen, tme schlecht mrr es auf der Reise ging, besonders wegen unserer Religion, wovon ich den Anfang mache. Als wir aus dem Postwagen stiegen, ließ sich feder zum Frühstück eine Tasse Bouillon geben, denn die Stationen sind meist bestimmt, auf der einen das Frühstück, auf der anderen Mittags, aus einer den Kaffee, was alles für die Passagiere bereit gehalten wird; ich ließ mrr nun ein Schnäpschen und ern Butterbrod kommen, allein da alle Butterbrode mit Fleisch belegt sind, so schickte ich meins wieder weg und bat um eins ohne Fleisch. Da der Marqucr so schwind damit da war, so könnt ich mir denken, daß er nur das Fleisch davon genommen, mithin das andere treife war, ich bat um Butter und Brod, ich wollte mir selbst schmieren; man brachte mir Butter und ein Stück Brod. Da ich dieses Brod oben und unten mit meinem Messer abschnrtt, so hatte ich nichts mehr mitten, und indem rch ernen Laib Brod bestellen wollte, so blast der Postillon, und ich mußte ohne Frühstück abgehen. Aus der Station wo Mittag gehalten wurde, war es im Ru, daß alle Tische mitten rn der Stube zusammengesetzt und gedeckt wurden, zch konnte mich allerdings nicht zwischen den Gästen setzen, und da ich mnn Fleisch essen wollte und kein Platze fand, so gmg ich hinaus mit meinem Fleisch und ließ mir Brod geben, setzte mich auf die Treppe und aß wie ein armer Jude. Einige Hunde, die Mir zusahen, und husch, hatten sie mein Fleisch, das ich theils neben mir legte, weg. Ich lief ihm nach, allein er wußte besser Bescheid als ich. Nun war ich um meine Munition. Abends wollte ich Eher haben, allein die Auswätter waren wie exerziert für das Nachtessen, was für allgemein bestimmt war. Ich bestellte es nochmals, die Köchin war beschäftigt für das Essen der Gäste und konnte sich mit Nebensachen nicht abgeben, und indem ich Butterbrod bestellen wollte, hieß es: meine Herren, wollen Sie gefälligst einsteigen! Ich hatte Hunger, kein Frühstück, mittags der Hund gefressen, fetzt war ich so hohl wie das Posthorn; hätte ich nur Butterbrod geschmiert, was ich heute fortgeschickt hatte. Die Nacht gings durch, morgens wollte ich, wie Tu gesagt hast, oren; ich saß im Postwagen, gewöhnlich 8 m emer Reih, man ist sozusagen gekeilt, ich bat mir Platz zu machen, mnn Mantel auszulegen, mnn Rock auszuziehen und gehörig Thesillim zu legen, wie mir dies alles ging, lieber Vater, glaubst Du nicht, was die Leute für Augen machten, als wäre ich ein Indianer; lange „w'hu rachum" konnte ich gar nicht fertig bringen. Zum Frühstück nahm ich Butterbrod geschmiert, Du wirst nicht übelnehmen, ich hatte Hunger, mittags ließ ich mrr gleich Butterbrod geben. Jetzt war es 3 Ahr, wie wir auf der ander Station kamen; Freitag wars, und am Winter, wie Du weift, muß man um 8 Uhr bleiben, wo man ist. Ich blieb/ich fragte, ob Juden da wohnten; nein war die Antwort. Ich ließ Mir mein Logis anzergen, dott machte ichs mir bequem. Abends wollte ich im Theater gehen, und da ich am Schabes nicht bezahlen wollte, wollte ich meine Uhr geben zum Pfand Allem man sagte, ich sollte mich packen, sie wären kein Pfandhaus! Ich blieb haußen. Abends bat ich mrr zu Bett zu leuchten, was den Leuten sonderbar vorkam, ich wüßte ja, daß ich Nr. 87 oben im 4. Stock logiere. Sie wußten aber nicht, daß ich kein Licht angreise. Vor der Thür angekommen, hatte ich mich geirrt in dem Schlüsselregister und hatte den Unrechten. Der Marquer, der runter lausen wollte, stieß mir das Licht in ide Hand, und da! lieber Vater, nehme mrr nicht übel, hier stand ich und hatte das Licht rn der Hand, und indem ich an Mechalle Schabes dachte, zitterte ich, und pah! lag das Licht. Der Marquerer kam, ich entschuldigte mich und bekam ern ander Licht. Hier folgt eine menschlichallzu menschliche Schilderung der Nöte, in die der Gast m fernem Zimmer geriet und von denen er sich entschlossen bestelle. Wir übergehen sie des „sufets" wegen. Am Schabes morgen bezahlt ich meine Zeche, denke: am Schabes bezahlt! es war kein anderer da, der für mich bezahlt, und mußte nun zum ersten Mahl Geld angreisen;; Du wirst es fa nicht übel nehmen. Daß ich etit dummer Kerl war, sehe ich fetzt erst ern, ich hätte fa Tresorscheine mir wechseln können. Damit darf man fa am Schabes bezahlen, das klimpelt nicht. Statt daß ich nun schon längst in Dresten wäre, mußte ich Sonntags noch hier bleiben, denn Montag kam die Post wieder, wo ich mitsahren konnte, und gerad am Montag wars, wo mein Milchting Messer treife wurde. Einer Frau die neben mir saß borgte ich es zum Butterbrod, und ehe ichS gedacht hatte da! hat sie Wurst mit geschnitten, womit nun mein Butterbrod essen? Mein Messer war treife, die Wittsmesser sind es gewiß, lieber Vater, mmm mirs nicht , übel, ich dachte mein Fleischting Messer ist doch nicht treife, ist doch kein Schwein mit gegessen, ich nahms und, bitte nochmals um Verzeihung, ah mnn ButteLbrod mit. Montag Nacht kam ich in Dresden an, und morgens fragte ich naa, Juden, denn mein Magen stempelte sich und wollte knn Butterbrod mehr, und da ich m <> Tag nicht gezwickt werden tonnte, so lief ich umher um Juden, hatte Hunger wie nn Hund und ein Batt wie nn Putel. Im kam wirklich in eine sogenannte Restoration, wo Juden sem follten; allein da saßen Berliner und Hamburger Kaufleute an der Tafel ohne Kappe, blosköppig, kein Wott Jüdisch und alles blank und brant, nein, sagte ich, hier ist nicht laufcher, das sind lauter Porsche Jisreilim (Abtrünnige). Ich suchte eine wirkliche Kauscher-Gattüche auf, da waren meist Polacken. Die sind an sich schon kauscher. Die Leute fragten mich gleich, was ich treibe, was ich lause und eine Menge drängten sich zuletzt um mich rum, und ehe ich mich versah, war mnn Beutelchen fort! Das war nicht kauscher, dachte ich! Da konnte ich meine Uhr nun los werden, und wenn ich noch viel raushaben wollte, beTam ich noch Schlag dazu. Ich behaupte, der mich gezwickt hatte, hat mir auch das Geld gezwickt, indem ich dabey emgeschlassen war. Was nun machen; hat maus doch zuhause gut, war man den Tag über bei den Bauern, da ists doch ganz anderst, kann man des Abends wieder zuhaus sein. Ich habe nun, um kein Porsche Jisroel zu sein, Hunger gelitten, zuletzt komme ich aus purer Jüdischleit wegen noch um mein Beutelchen. Ich fand so, daß man nicht so fort kommen kann, ohne sich Verdruß aus Verdruß zu häufigen. Ich nahm Mir vor, sobald ich wieder esse, in die beste und schönste Garküche zu gehen, wo ich erst drin war. Nun lieber Vater, nehm mir fa nicht übel, da sie alle die Kappe ab, so wollt ich so unartig nicht sein und eine Ausnahme machen, indem vermuthlich der Witt nicht gern sah, daß Gäste durch unanständiges Benehmen seine Wirthschaft verdunkeln, besonders da auch viele Ehristen mit an waren, und Gott verzeihe mu, ich that solche ab und sand endlich, daß diese Leute viel anständiger waren als die erste Garküche, denn loer tu der ersten Garküche nicht schwiitd zugriss, der hatte sich um das beste gebracht, und hier presentierl einer dem anderen mit Zuvottommenheit. d. 3ost. Dec. Lieber Vater; seit mein letztes Schreiben ist bur so wohl; Du durstest aber es nicht wissen. Allein da ich nicht sor Dich zurückhalte, so wisse, daß ich lme feder jüdische Reisende leben und ohne dieses müßt man zuhaus bleiben. Ich leide fetzt kein Hunger, kann den Abtritt smoeu, werde federzett mein Bart los, gehe am Schabes in die Eomedie und bleibe im Postwagen Freitags sitzen, und wenn Du nicht mitsahren willst, so bleibe zuhaus. Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands Die Erste Weltkonferenz liberaler Juden (Reden, Diskussion, Beschlüsse) Gründungsversammlung der World Union for Progressive Judaism London, 10.-12. Juli 1926 Preis: Im Buchhandel Mk. 1.80 für Mitglieder der Vereinigung, die bei uns direkt bestellen Mk. 1- Vereinigung llir das liberale Judentum LU. Berlin SW 48, Wilhelmstraße 147 Malenrmneg leder Art Renovierung von Wohnungen, fieschäftsiokaien, Fassaden etc. Rodert Gutheim W50,Kuimtiaclierstr.7 Fernsprecher: LOtzoui 6260 Kostenanschläge gratis Verein für Feuerbestattung in Berlin von 1874, e. V. Term, kostenlose Feuerbestattung Annahme W 35, Lützowstraße 44, Telephon: Lützow 960-61 und Charlottenburg, Kantstr. 154 a Ecke Fasanenstraße, Telephon: Steinplatz 1835 SeMtnrellic fl. Yereinigupg I. d. Illi. Jndentam E. V. Halt nr. i Die Grundsätze des jüdischreligiösen Liberalismus Von Rabbiner Dr. Lewkowitz-Berlin Preis 0.50 Mk. Hon HP. 3 in zweiter Auflage die seit Jahren vergriffene Broschüre {Grundlagen und Ziele des {religiös-liberalen Judentums von or. Joseph norden-EiDerteid Preis 0.75 Mk. {Bestellungen beim Verlag der »Jüdisch-liberalenZeitung* Berlin SW 48. Wilhelmstraße 147 Abitur. Obersekunda Vormittags-Abendschule Private Vorbereitungsanstalt. Direktor Danziger Berlin, Alte Jakobstraße 125 Die Stelle des Rabbiners der Synagogen-Gemeinde Barmen soll demnächst neu besetzt werden. Gehalt nach staatlichen Sätzen, Pensions- und Hinterblieb.-Versicherung. Bewerbungen, jüngerer gut empfohlener Herren an d. unterzeichn. Vorsitzenden des Vorstandes erbeten Dr. Ollcndorff verwenden (ohne Zusatz) das heisst Israelitischer Gottesdienst in Zrankfurt/Ai. Liberaler Ritus: Hauptsynagoge. Freitag, 0. 21. 9., abds. 6. Sonnabend, d. 22. 9., morg. 9, nachm. 4, Sabbat-Ausgang 7.10. Wochengottesdienst: morg. 7.30, nachm. 4. Sonntag, d. 23. 9., Jaum Kippur, abds. 6.30, Predigt Rabb. Tr. Seligmann. Montag, d. 24. 9., morg. 9, Predigt Rabb. Dr. Salzberger; nachm. 4, Seelenseier, Rabb. Dr. Salzbcrger; nachm. 5, Neila Predigt, Rabb. Tr. Salzbcrger; Festes Ausgang abds. 7. Synagoge an der Königsteiner Straße. Freitag, d. 21. 9., abds. 6, Predigt Rabb. Tr. Lazarus. Soun abend, d. 22. 9., morg. 9. Wochengottesdicnst: morg. 7.30, nachm. 7. Sonntag, d. 23. 9., Jaum Kippur, abds. 6.30, Predigt Rabb. Dr. Salzbcrger. Montag, d. 24. 9., morg. 10, Predigt Rabb. Dr. Lazarus; nachm. 4, Scelenfeier, Rabb. Dr. Seligmann; nachm. 5, Neila Predigt, Rabb. Dr. Seligmann. Fcstcsausgang abds. 7. Konservativer Ritus: Synagoge am Börneplatz Freitag, d. 21. 9., abds. 5.55. Sonnabend, d. 22. 9., Frülp gottcsdienst 6.30, morg. 8 Predigt, nachm. 4.30, Ausgang 7.10. Sonntag, d. 23. 9., morg. 5, nachm. 2.30, Kol nidre abds. 6.25, Predigt. Montag, d. 24. 9., Jaum Kippur, morg. 6.10, Predigt, nachm. Predigt, Festcsausgang 7. Wochengottesdienst: morg. 6.15, nachm. 5.45. Synagoge Bockenheim. Freitag, d. 21. 9., abds. 5.55. Sonnabend, d. 22. 9., morg. 8.45, nachm. 4, Ausgang 7.10. Sonntag, d. 23. 9., Jaum Kippur, Vorabend, abds. 6.25. Montag, d. 24. 9., Jaum Kippur, morg. 7, Predigt, Ausgang 7. Wochengottesdienst: morg. 6.30. Israel. Krankenhaus Gagernstt. 36. Freitag, d. 21. 9., abds. 5.55. Sonnabend, d. 22. 9., morg. 8, nachm. 4. Sonntag, d. 23. 9., Jaum Kippur, Vorabend, abds. 6.25. Montag, d. 24. 9., Jaum Kippur, morg. 7. Festesausgang 7. Filial-Gottesdienste: Aula des Philanlhropins, Hebrlstraße 15-19. Sonntag, d. 23. 9., Jaum Kippur, abds. 6.30, Predigt Rabb. Dr. Gottschalk. Montag, d. 24. 9., morg. 10, Predigt Rabb. Dr. Gottschalk, nachm. 4 Scelenfeier, nachm. 5 Neila, Predigt Rabb. Dr. Gottschalk. Festesausgang 7. Frankfurt-Loge, Eschersheimerlandstraße 27. Sonntag, d. 23. 9., Jaum Kippur, abds. 6.30, Predigt Rabb. Dr. Horovitz. Montag, d. 24. 9., morg. 7.15, Predigt Rabb. Dr. Fricdmann. Festcsausgang 7. Großer Saal, Theobaldstraße 5. Sonntag, d. 23. 9., Jaum Kippur, abds. 6.30. Montag, d. 24. 9., morg. 7, Predigt Rabb. Dr. Unna. Festcsausgang 7. Verlag: Bereinigung für das liberale Judentum e. 13., Berlin SW. 48. —Verantwortlicher Redakteur: Dipl.-Jng. B r u n o W o y d a , Berlin NW. 23. — Druck: Hermann Wegner & Co., Berlin-Martendorf.

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