Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 38 (21.9.1928)
- Date
- 1928-09-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Verlebendigung der Bibel Die Legende von Moses Tod. Zur Seelenfeier am DersShnungslage. Von Rabbiner Dr. Tieneman n, Offenbach a. M. Wenn des Versöhnungstages Sonne die Scheitelhöhe erklommen hat, vereinen wir uns in unseren Gotteshäusern, um unseren Toten eine Stunde des Gedenkens zu weihen. Das ist dann der Höhepunkt des Tages, da nehmen wir, um das Werk der Läuterung der Seele zu vollenden, Zuflucht zu denen, die vor uns waren, tauchen unter in den Fluß der Geschlechter, daß aus ihm das Wasser der Reinigung zu uns ströme, daß wir einmünden in ihn. Eine Stunde des Gedenkens? Es stünde schlecht um unser Verbundensein mit denen, die wir liebten, brauchten wir eine Stunde, die uns an sie erinnert. In jeder Sekunde unseres Daseins muß ihr Andenken in uns lebendig sein. Ihre geistige Persönlichkeit ist doch ein Stück unseres Seins. Wozu also diese Stunde? Wir tauchen gleichsam unter in den Urquell unseres Seins, um neue Kraft zu gewinnen für die Lebenswanderung. Aber wie denn? Wird nicht damit in uns Trauer und Wehmut erzeugt? Muß nicht dabei die Klage lebendig werden um die, die allzu früh von uns gingen, und darf es Klage geben an dem Tage, der der Tag -der großen Lebenströstung ist? Und weil das, und sei es auch nur für eine Sekunde Dauer, nicht ganz^ zu unterdrücken ist, darum soll unser Erinnern an die Stunde des Scheidens, unserer Teuersten, soll unser Denken an die Stunde des eigenen Scheidens untertauchen in der Erinnerung an die Scheidestunde eines Großen, an den Tod Moses. Von Moses, unseres Lehrers Tod sei erzählt, der heimging, obgleich sein Herz voll Sehnsucht war nach dem Leben trotz seiner 120 Jahre, der heimging, als sein Volk ihn bitter nötig nock) brauchtet Man möchte sagen, Mose, wie kann sein Tod uns trösten? Ist er nicht zu groß für uns? Aber nein, für uns -ist in unserem Herzen Vater und Mutter, die uns erzogen, und wer immer uns lieble, und wen immer wir liebten, so groß wie Mose. Für uns hat unser Leben so viel Wert und Bedeutung wie Moses Leben. Von seinem Tode also sei erzählt. Aber nicht so knapp, so einfach, so dürftig und so nüchtern, wie die Bibel es tut, sondern so, wie die Legende ihn erzählt. Sie ist eigenartig, diese Legende, zu hohem Fluge erhebt die Phantasie ihre Flügel in ihr. Kindlich ist sie, so kindlich, daß man mitunter trotz des ernsten Gegenstandes ein Lächeln kaum unterdrücken kann. Komische Wucht ist in ihr. Ein Mensch kämpft um sein Leben, aber nicht ein Mensch nur, die ganze Welt ist in Bewegung, weil in jedes Menschen und Geburt und Tod eine ganze Welt mitschwingl. Als der Heilige, gelobt sei er, zu Mose die Worte sprach: „Siehe, herangenaht ist die Zeit, da du abscheiden sollst", wurde Mose von Schrecken erfüllt, er hüllte sich in Sack und Asche, und er wollte flehentlich zu Gott beten, wie er jo wft für Israel gebetet hatte. Aber Gott verkündete in all'en Toren seiner sieben Himmel, daß niemand Moses Gebet ausnehmen und vor seinen Thron tragen dürfe. Und er gab allen Engeln des Dienstes den gemessenen Befehl, sich in den letzten und höchsten Himmel zurückzuziehen. Aber Moses Gebet war wie ein scharfes Schwert. Es riß die Himmel auf, durchschnitt jeden Widerstand und drang hinaus über alle Himmel, denn er hatte den unaussprechbaren Namen Gottes aus seine Lippen genommen, den er von Sagsael, dem Lehrer aller Engel, gelernt hatte, und dessen Kraft gewaltig ist. Und also sprach er: „Herr der Welt, Du kennst alle meine Arbeit und Mühe mit Israel, Du weißt, welche Arbeit ich hatte, um aus Israel ein freies Volk zu machen; welche Mühe ich hatte, bis ich die Thora und die Gebete in sie eiipzepslanzt. Ich dachte, wie ich die Sorgen mit ihnen geteilt, so würde ich je^t ihr Glück schauen und mit ihnen erleben: und da nun die Stunde der Erfüllung kommt, sagst Du mir, „Du darfst nicht über den Jordan?" Du strafst ja Deine eigene Thora Lüaen. in der Du ^schrieben hast bejomo titten ssechorau. „Am Tage der Arbeit mußt Du dem Arbeiter auch seinen Lohn geben." Ist das der Lohn meiner Mühe?" Aber Gott sprach: „Du hast mich nicht geheiligt beim Haderwasser, darum muß ich hart sein." Sprach Mose: „Zu allen Menschen bist Du voll Erbarmen, und mir willst Du nicht die eine Sünde Nachsehen?" Sprach Gott: „Nicht einmal, sechsmal hast Du gesündigt. Du, der Du ein Vorbild sein sollst." * | Versammlungskalender Berlin. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B. Am Mittwoch, den 26. September, abends 8.30 Uhr, findet im großen Saal der „Gesellschaft der Freunde", Potsdamer Straße 9, eine Mitglieder-Berfammlung statt. Herr Rechtsanwalt Heinrich Stern, Vorsitzender der Bereinigung für das liberale Judentum E. B., spricht über „Die Weltkonserrnz des religiös-liberalen Judentums". Breslau. Jli „Abraham Geiger". Mittwoch, den 26. September, 20.15 Uhr, im Vereinslolal: Restaurant Kornhiiustr, Freiburger Straße 9: Außerordentliche Mitglieder-Bersammlung. Tagesordnung aus der Zuschickung ersichtlich. f * Gottesdienste * i Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Gottesdienst: Freitag, abends 7.15 Uhr, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Sonnabend früh 10 Uhr. Festgottesdienst am Lersöhnungstage: Sonntag, den 23. September, abends 6.15 Uhr, Predigt: Prof. Friedländer. Montag, den 24. September, früh 10 Uhr, Predigt und Seelenfeier: Rabbiner Dr. Salvmonsli. Nachmittags 4 Uhr: Schlußpredigt, Rabbiner Dr. Salomonski. Jugendgottesdienst Metzer Straße 1. Im Saale des Wohlfahrtsamtes: Sonntag, den 23. September, abends 6 Ahr. Montag, den 24. September, früh 10 Uhr und nachmittags 4 Uhr, Predigten: Herr Rosenblatt. Festgottesdienst am Sukkaus: Freitag, den 28. September, abends 7.15 Uhr. Sonnabend, den 29. September, morgens 10 Uhr. Sonnabend, den 29. September, abends 7.15 Uhr, Sukkausseier in unserer Sulkoh, Schönhauser Allee 162 sAuerbachschrs Waisenhaus). Sonntag, den 30. September, morgens 10 Uhr, Einsegnung der Konfirmandinnen. An allen Feiertagsgottesdiensten Predigten: Herr Rabbiner Dr. Salomonski. Suttausseier für die Jugend: Sonntag, den 30. September, 4 Uhr, in der Sulkoh der Neuen Synagoge, Oranienburger Straße 29. Ansprache: Herr Rabbiner Dr. Salomonski. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf. Freitag, 21. September, 7.15 Uhr abends, in der Cäcilienfchule, Prediger Dr. Hohenstein. Gottesdienst an den hohen Feiertagen im Beba-Palast „Atrium", Kaiser-Allee. Jom-Kippur: Sonntag, 23. September, abends 5.15 Uhr, Predigt: R. Hirschfeld. Montag, 24. September, vormittags 10 Uhr, Seelenfeier, nachmittags 4 Uhr, Predigten: Rabbiner Dr. Galliner. Sprach Mose: „Israel hast Du so viele Sünden verziehen, und mir willst Du nicht verzeihen?" Sprach Gott: „Du bist ein Einzelner, und Israel ist eine große Gemeinde, anders muß man eine Gemeinde beachten, als einen einzelnen Menschen." Und als Mose noch weiter sprach, sagte Gott: „Wisse, der Tod gehört nottvendig zur Schöpfung". Da gedachte Mose, sich nach Fürsprechern umzusehen. Und er machte sich aus und ging hin zu Himmel und Erde und sprach zu ihnen: „Betet Ihr für mich." Sägten sie: „Wir haben nicht die Kraft, für Dich zu beten, da wir doch selbst von Vernichtung bedroht sind; denn so heißt es: „Die Himmel werden wie Rauch vergehen, und die Erde wird wie ein Gewand zerfallen." Wie können wir für Dich um Erbarmen beten, da wir doch selbst des Erbarmens bedürftig sind?" Da ging er hin zu den Sternen und sprach zu ihnen: „Betet Ihr für mich um Erbarmen". Aber die Sterne sprachen das gleiche: „Wie können wir für Dich beten, wir, die wir hinfällig sind und vergänglich, wir, von denen es heißt: „Und alles Heer des Himmels wird zerfließen?" Wir müssen für uns selbst um Erbarmen beten und können nichts für Dich tun." Und er ging hin zu den Bergen und Hügeln und bat sie, sie möchten für ihn beten, und sie gaben dieselbe Antwort: „Wie können wir für Dich beten, wir, von denen geschrieben steht: „Die Berge werden weichen und die Hügel werden wanken?" Wir haben mit uns selbst genug zu tun." Da ging er hin zu dem Meer, daß es für ihn bete. Aber das Meer sagte zu ihm: „Mose, Du kommst zu mir. Tu brauch meine Hilfe? Wo ist Deine schm oder sozialdemokratischen Gremiums - und sei es auch nur ein Zahlabend in Kötzschenbroda — bei dein wie hier auf der Bühne die Entscheidung fällt. * Wir glauben. Und die Erfahrungen in Ländern, die nicht erst seit gestern Demokratien sind, stärken unseren Glauben, daß der Mensch und seine Weltanschauung, sein Trachten und sein Tun zur Geltung gelangen werden. Deshalb glauben wir nicht, daß der dargestellte Konflikt in jeder Zeü jedem Land denkbar ist. Wir schätzen die Kunst des Spiels. Doch wir verneinen das Werk, weil es die Augen verdirbt. Seht oas Leben, es widerlegt dieses Spiel! Walter Loewen ft ein. Der Zazz-Sänger Ein jüdischer Film. Erstaufführung im Gloria-Paiast am 18. September 1928. Mit glücklicher Witterung für Mtualität importiert die Ufa aus Amerika just zwischen Rausch haschonoh und Jom Kippur einen jüdischen Film, bei dem der Versöhnungstag, seine Weihe und seine Stimmung die Hauptrolle spielen. Man sollte eigentlich diese Tinge nicht durch den Kurbelkasten banalisierm. Dazu stehen sie zu hoch! — Nachdem; aber Moses und die Propheten, die Legenden des alten und des neuen Testaments schon daran glauben mußten, ist es keine Uebertrumpfung mehr, wenn jetzt auch die Heiligkeit und die ehrwürdige Tradition der höchsten jüdischen Feiertage in das grelle Licht der Jupiterlampe gerückt werden. Und abgesehen von obigen Bedenkm ist der Film recht geschickt gemacht, vermeidet geschmackvoll alle Längm und spekuliert in nicht zu protesterregender Weise auf die Sentimentalität der Zuschauer. Der alte Kantor Rabinowitz ist der verehrte Senior des New-Yorker Ghettos; er singt sich an allen Feiertagen seine religiöse Schnsucht vom Herzen und hat den einzigen Filius dazu erzogen, sein Nachfolger zu werden. Dieser aber fühlt sich gerade zum Ehansonmer und Jazzsangec berufen. Darob uralter Konflikt der Generationen, Unterschied der Lebensalter, vergleiche Werfel: „Vater und Sohn". — Ter Alte treibt seinen zu modernen Sprößling aus dem Hause. Der jedoch wird, nun gerade, ein berühmter Künstler! Er soll nach vielen Jahren einmal bei einer Premiere auftreten, die sein Glück zu werden verspricht. Es ist aber gerade Eres Jontef des Bersöhnungstages. Der Vater liegt un Sterben, niemand ist da, der in der Snyagoge Vorsingen kann. Und unser Revue-Star läßt natürlich alles stehen und liegen, Jugenderrnnerungen überkommen ihn, er eilt in die Synagoge und singt mit aller Inbrunst, wie ec es einft gelernt hat. Vater und Sohn begegnen einander wieder: „Und in den Armen liegen sich beide. Und weinen vor Rührung und Freuoe." Versöhnt stirbt Papa Rabinowitz, uno der Junge verdient später doch mit seiner weltlichen Sangeslünst dreihundert Dollar pro Woche und heiratet seine angebetete jüdische Jugendliebe. Das alles ist, wie gesagt, filmtochnisch munter und lebhaft zurecht gerückt. Recht hübsch sind schauspielerisch die verschiedenen Ghettotypen ersaßt, und die mimische Kunst des Hauptdarstellers, des neuentdecktcn jüdischen Schauspielers Al Jolfon-New Äjork ist ganz hervorragend! Seine Partnerin, die Schottin May Mc Avoy ist von höchst bemerkenswerter Schönheit. — Was für prächtiggewachsene und anmutige Madchengestalten schuf doch unser üeBer Herrgott! — Mit seinen Regiekünsten kann nichts Irdisches wetteifern! — Sehr fein spielte das Schmidt-Gentner'sche Elite-Orchester der Ufa alte jüdische Melodien, die eigentlich an dieser Stelle seltsam deplaziert wirkten. Ein wirklich-großer Kunstgenuß wurde mit Recht lebhaft applaudiert: Ter Konzertmeister Orlenberg, Meister Heß' Lieblingsschüler, spielte solo das Kol-nidre in der Bruch'schen Bearbeitung. Der großh klare Ton seines kostbaren Instrumentes war von wundervoller Wärme und Kkangschünheit. Tie Flageolettgrisfe ließen den herrlichen Gesang der Kantilene in unübertrefflicher Reinheit austeuchten. Auch im Kino kommt man aus diese Weise, wie Figura zeigt, zu großen Erlebnissen! ... Dr. Ludwig Davidso hn, Berlin. Kraft? Du brauchtest doch einstens nur die Hand auszustrecken, da mußte ich mich zusammenziehen und mußte 12 Pfade erstehen lassen, durch die man trockenen Fußes gehen konnte.^ Und als Mose so an die Tage seiner Kraft erinnert wurde, da weinte er laut aus und sprach: mi jitneni kejarche kedem. „Ach, wenn ich doch noch wäre wie in den Monaten der früheren Zeit; als ich die Hand über Dich reckte, war ich' Herr der Welt, und jetzt — - niemand achtet auf mich." Und er hing zu dem Engel, der vor Gottes Antlitz steht, und bat chn: „Bete Du für mich". Der aber sprach: „Ich habe hinter dem Vorhang eine Stimme gehört, die sagte, daß Deine Stunde gekommen ist." Und von neuem Hub Mose an und sprach zu Gott: „Wenn Du mich schon nicht ins heilige Land einziehen lassen willst, lasse mich außerhalb seiner leben, aber laß' mich leben." Sprach Gott: „Und wenn ich Dich nicht in dieser Welt sterben lasse, wie kann ich Dich in der künftigen Welt zu neuem Leben auserwecken?" Sprach Mose: „Vielleicht bist Du nur deshalb so hart zu mir, weil Josuas, meines Nachfolgers Stunde gekommen ist, ich will mich fügen; gib ihm die Herrschaft iyid ich will als Schüler zu seinen Füßen sitzen. Oder lasse mich sein wie die Tiere auf dem Felde, die ihr Gras essen und dazu trinken, wenn sie auch nichts sind an Geist, sie sehen doch wenigstens die Welt; laß mich sein wie eines von ihnen. Oder laß mich sein wie ein Vogel, der durch die Lüste fliegt, sich sein Essen zusammensucht und abends zu seinem Neste heimkehrt." Gott aber sprach: „Genug, Mose, zwei Eide habe ich geschworen; den einen, daß Du hier sterben sollst und nicht über dm Jordan ziehen darfst; und den zweiten, daß Israel nie weitergehen wird. Willst Du, daß ich Deinem Wunsche willfahre, gut, Dein Wille soll geschehen. Du darfst leben! Aber wenn ich nun den ersten Eid aufhebe, welche Sicherheit ist dann noch da für des zweiten Dauer und Unzerbrechdarkeit?" Da beugte Mose das Haupt und sprach: „Herr, mit listiger Rede hast Du mich besiegt." Und als er sah, daß alles vergeblich war, nahm er die Thora zur Hand, um sie zu Ende zu schreiben., Aber er war noch nicht damit fertig, da hatte seine Stunde geschlagen. Und Gott sprach zu dem Erzengel Gabriel: „Gehe und hole mir die Seele Moses". Sprach er: „Wie kann ich Gewalt über einen Mann haben, der in seiner Persönlichkeit ganz Israel auswiegt?" Sprach Gott zu dem Erzengel Michael: „Gehe und hole die Seele Moses." Der sprach: „Ich war sein Lehrer, er war mein Schüler, ich kann seine Seele nicht nehmen". Da wandte sich Gott an Samuel, dm Engel des Todes, und sprach zu ihm: „Gehe und hole b|ie Seele des Moses". Der hatte nur darauf gewartet. Sein Auge begann vor Freude zu funkeln. Er gürtete sein Schwert um sich, hüllte sich in Erbarmungslosigkeit und ging. Aber als er zu Mose kam und sah, daß er die Thora in der Hand hielt und Gottes Namen schrieb, fühlte er, daß kein Engel Gewalt über Mose hat, und Zittern übersiel ihn, und er wußte nicht, wie er zu reden beginnen sollte. Ta redete Mose ihn an und sprach: „Es heißt en scholaum omar elochai loreschoim. Kein Frieden, spricht der Ewige, ist mit den Bösewichtern. Du Böfewicht, was willst Du hier?" Er antwortete: „Ich bin gekommen, Deine Seele zu Holm." „Und wer hat Dich geschickt?" „Der^ der die Lanze Welt xrschaffen hat." Sagte Mose: „Du kannst meine Seele mir nicht nehmen." Daraus der Engel: „Alle Menschen sind in meine Hand gegeben, warum nicht Du?" Sagte Möst: „Weil meine Kraft größer ist, als die dfet Menschen." Fragte der Engel: „Und was ist denn Deine Stärke?" Sagte Mose: „Ich bin der Sohn Arams; ich ward geboren mit dem Bundeszeichen der Beschneidung am Leibe. Am Tage der Geburt schon stand ich auf meinen Füßen und redete mit Vater und Mutter. Als ich drei Jahre alt war, hatte ich bereits die Gabe der Prophetie und weissagte, daß ich einstms die Thora aus dem Feuer Herausholm würde. Frei und kühn ging ich in Pharaos Palast und nahm ihm die Krone vom Haupt. Mit 80 Jahren tat , ich Zeichen und Wunder für Israel und Aegypten. Bitteres Wasser wandelte ich in süßes. Zum Himmel.stieg ich auf und redete mit Gott wie ein Kind mit dem Vater; die Geheimnisse des Himmels nahm ich zu den Menschen hinab; siegreich führte ich Krieg mit Sichon und Og, den zwei Riesen, denen das Wasser der Sintflut bis zu den Knöcheln ging; welcher Mensch kann ähnliche Taten ausweisen? Dir gebe ich meine Seele nicht, fort von hier!" Da kehrte Samael heim zu Gott und berichtete ihm. Gott sprach aufs neue zu ihm: „Gehe und hole die Seele des Moses". Er ging, zog sein Schwert und trat diensteifrig Mose entgegen. Der aber wurde nun vom Grimm gepackt, und er erhob den Gottesstab, aus dem, der erhabene unaussprechliche Name Gottes eingegraben war, und traf Samael so stark, daß er floh; er jagte ihm nach und traf ihn so, daß er ihn blendete, so daß er nun in alle Ewigkeit blind durch die Welt rasen muß. Und nun sprach Mose zu Gott: „Herr der Welt, gedenke mir, wie Du am Dornbusch« Dich mir zeigtest; wie ich aus dem Sinai vor Dir stand 40 Tage und 40 Nächte. Gib mich nicht in die Hand Leis Todesengels." Sprach Gott: „Fürchte Dich nicht, ich sttbst werde Dich zurecht legen und Dir das Grab graben." Er stieg hinab aus ben höchsten Himmeln, und er sagte zu Mose: „Schließe Deine Augenlider"; da schloß er die Lider. „Lege die Hände über die Brust"; und er legte die Hände über die Brust. „Schließe Deine Füße aneinander"; und er schloß die Füße aneinander. Nun ries der Heilige, gelobt sei er, die Seele aus dem Körper. Er sagte: „Meine Tochter, 120 Jahre war Deine Bestimmung, in dem Leibe Moses zu leben. Nun ist die Stunde des Auszuges gekommen. Komm und zögere nicht." Da sagte die Seele: „Ich weiß wohl, daß Du der Herr aller Geister und aller Seelen bist. Du hast mich geschaffen und gebildet und mich in Moses! Leib getan, an dem kein Fleck und Fehl ist. Es gibt ckein edleres Gefäß. Ich liebe diesen Leib und gehe nicht heraus." Sprach Gott: „Ich nehme Dich auf in den allerhöchsten Himmel und setze Dich nieder zu den Stufen meines Thrones mitten unter meine Engel." Sagte die Seele: „Von Deinen Engeln sind zwei herniedergestiegen und haben Buhlschaft getrieben mit den Töchtern der Erde, aber Mose, fett Du Dich ihm offerrbart hast, ist kein Gedanke an irdische Lust ihm gekommen. Laß mich in seinem Leibe." Da bat der Heilige, gelobt sei er, die Seele, und im Kuß ging isie in Gott ein. Und Gott selbst weinte, es weinte der Hnlige Geist, Himmel und Erde weinten, Josua weinte und Israel weinte und sprach: „Das Andenken des Gerechten bleibt zum Segen, und seine Seele zieht ein in das Leben der künftigen Welt." — So die Legende. Soll man mit deutendem Worte ihrer Schmetterlingsflügel Schönheit typisch betasten? Es wäre schade darum. Ader dessen möge man sich bewußt werden, wie hier das Wort der Bibel in einem kaum ahnbaren Maß Leben gewinnt. Wie sieht man in aller Phantastik der wir-