Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 36 (7.9.1928)
- Date
- 1928-09-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch- * liberaler Zugendvereine Deutschlands * Jlt Monatliche Beilage zur Jüdisch-liberalen Zeitung Verantwortlicher Schriftleiter: Werner van der Zyl Berlin MB 87, Vrückenallee 5.N Zur Sonkrelifierung der sozialen Arbeit der jüdischen Zugendbewegung' Georg Lubinsli - Berlrn. Es sind jetzt schon mehr als 2 Jahre her, seitdem man in der jüdischen Jugend sich mit dem Gedanken der Leistung sozialer Arbeit durch die Jugend näher beschäftigt. Ter Gedanke selbst reicht schon bis auf das Jahr 1924 zurück, in dem eigens zu diesem Zwecke der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände gegründet worden ist. Und doch muß bei einer ehrlichen Prüfung festgestellt werden, daß der'Gedanke bei weitem nicht in dem Maße eine Gefolgschaft gefunden hat, wie er es eigentlich verdient. Es gibt eben Ideen, deren innere Richtigkeit von jedem auf den ersten Blick begriffen wird und die trotzdem sehr schwer in vre Welt der Wirklichkeit gezogen werden können. Wir stellen alfo fest, daß der Gedanke der sozialen Arbeit durch die Jugend weder im Bewußtsein noch in der praktischen Durchführung große Erfolge gehabt hat. Woran liegt das? Es lassen sich aus diese Frage prinzipiell 2 Antworten geben: Tie eine sagt, daß es aus äußeren Gründen der Jugendbewegung nicht mgölich ist, diesen an sich wichtigen Gedanken durchzuführen. Es wird zunächst darauf hingewiesen, daß die wenigsten Jugendlichen Zeit für diefe Arbeit haben, daß die Arbeit in den Bünden sie vollkommen absorbiert. Es wird das sehr schwerwiegende Argument geltend gemacht, daß zur Leistung sozialer Arbeit eine gewisse Abgeschlossenheit und Reise erforderliche sei, die eben Menschen aus der Jugendbewegung in den seltensten Fällen besitzen. Weniger schwer wiegt ein drittes Argument, das gelegentlich angeführt wird, wonach gar kein Bedürfnis für eine solche Arbeit vorliegt, da den vorhandenen Notständen durch die bestehenden Organisationen und deren Mitarbeiter voll ausreichend begegnet wird. Gegen diese Stellungnahme wird eingewendet, daß die Jugendbewegung nicht egoistisch sein dürfe und die Verpflichtung zur Leistung sozialer Arbeit über ihre eigenen Bundesziele stellen müsse. Gegen die Forderung der Reife wird angeführt, daß eine Reihe von Arbeiten innerhalb der Wohlfahrtspflege vorhanden sind, für die eine solche Reife nicht erforderlich wäre. Denjenigen, die das Bedürfnis für eine derartige Arbeit leugnen, wird entgegengehalten, daß unsere Wohlfahrtspflege, da wo dieses Argument gebraucht wird, teilweise noch so unentwickelt ist, daß sie die vorhandene Not nicht sieht und daher auch keine Maßnahmen zu ihrer Abwendung trifft. Alle diese Argumente, die für und gegen die soziale Arbeit der Jugend geltend gemacht werden, sind richtig. Oder vorsichtiger gesagt: allen kommt ein gewisser Wahrheitsgehalt zu. Auf Grund der Abschätzung des Wahrheitsgehalts dieser Argumente haben wir es jetzt zu unternehmen, den Gedanken der sozialen Arbeit der Jugend konkret zu machen, d. h. zu fragen: Was können wir unter Berücksichtigung all dieser Umstände nun wirklich tun? Es soll zunächst kurz auf den Personenkreis eingegangen werden. Wer kommt für eine solche Tätigkeit in Frage? Im Wesentlichm glauben wir, daß zur Leistung sozialer Arbeit und zwar insbesondere „ehrenamtlicher" oder präziser unbezahlter Arbeit nur die älteren Menschen aus der Jugendbewegung in Frage kommen. Ausnahmen gelten im Wesentlichen nur für zwer Gebiete: Gruppen von Jüngeren können in die Heime für Alte, Kranke und Kinder ziehen und die Insassen durch Lieder, Instrumentalmusik und Aufführungen unterhalten. Einzelne Jüngere können ferner den Wohlfährtsernrichtungen Hilfsdienste dadurch leisten, daß sie Spenden zu den Hilssdürstigen bringen. Sonst kominen, wie gesagt, überwiegend einzelne Aeltere in Frage. Tie Arbeitsgebiete für diese Menschen, die sich gerade m der Praxis als wesentlich herausgestellt haben und die vom Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände daher jetzt immer mehr in den Vordergrund seiner Werbung gerückt werden, sind die folgenden: I. Organisierung und Erfassung der bisher nicht organisierten jüdischen Jugend. Es ist bekannt, daß in der Jugendbewegung imfmer nur ein Teil der Jugend erfaßt wrrd, und zwar gewöhnlich der Teil, dessen Erfassung vom sozialen und kulturellen Standpunkt nicht so dringend ist wre die Erfassung des bisher nicht organisierten Teils. In der jüdischen Jugendbewegung sind zum allergrößten Teile die Kinder des Bürgertums und des Kleinbürgertums erfaßt. Die Kinder des jüdischen Proletariats, oder ws dieser Begriff nicht ganz zutrisft, der wirtschaftlich ungesicherten Schichten, stehen außerhalb der Jugendbewegung. Das bedeutet, daß sie sowohl in kultureller als auch in erzieherischer Beziehung von der jüdischen Gesellschaft unbeeinflußt bleiben, ja vernachlässigt werden. Tas Ergebnis dieses Zustandes nennt man dann gewöhnlich die „Indifferenz der breiten Masse". Hiergegen kann und muß ein Versuch der Hilfe durch Aeltere der Jugendbewegung gemacht werden. Sie müssen — unterstützt durch die jüdischen Gemeinden — derartige Jugendliche sammeln und — wre wir aus einer gewissen Erfahrung hinzusügen können — in möglichst frühem Alter sammeln, um mit ihnen ui ähnlicher Art wie in der Jugendbewegung Heimabende zu machen und auf Fahrt zu gehen. Versuche in dieser Richtung sind bereits hier und dort unternom'mien. Sie sind überall da, wo sich der Führer mit ganzem Einsatz dieser Aufgabe widmete, als gelungen zu bezeichnen. Gerade Menschen, die aus der Jugendbewegung kommen, machen bei dieser Arbeit oft zu reicht den Fehler, daß sie annehmen, daß dre bisher völlig unerzogenen Jugendlichen von vornherein ebenso leicht disziplinierbar sind wie die Menschen in der Jugendbewegung, daß sie ferner voraussetzen, daß diese Jugendlichen von vornherein alle Wert- und Unwerturteile der Jugendbewegung mitübernchmen. Es ist eine der wichtigsten Erfahrungen aus dieser Arbeit, daß diese Voraussetzungen nicht zutreffen. II. Ern weiteres sehr wichtiges Gebiet stellt die Schutzaufsicht dar. Das von dem Gesetzgeber als sehr bedeutungsvoll behandelte Institut der Schutzaufsicht verliert heute praktisch nahezu seinen Wert dadurch, daß sie fast ausschließlich von beamteten Kräften ausgeübt wird. Ein Fürsorger oder eine Fürsorgerin hat dann neben der Berufsarbeit oder vielmehr als Teil der Berufsarbeit die Schutzaufsicht über 50 oder ★ Das Ili'Programm ★ Jki „Abraham Geiger", Breslau. Allwöchentlich Montag, 20.15 Uhr, zwangloses Beisammensein im Kurgarten, Kürassierstratze, bei ungünstigem Wetter im Saale. Jli-Berldr. Die Veranstaltungen der Gruppen werden an den Heimabenden bekannt gegeben. Mitteilungen sür die nächste Nummer der Jlizeitung bislS. September an Werner van der Zyl, Berlin NW. 87, Brückenallee 511. mehr Jugendliche. Daß dann diese Aufsicht nur darin bestehen kann, daß der Jugendliche innerhalb bestimmter Fristen vorgeladen wird, um zu berichten, damit das Jugendamt vor allem dem Gericht berichten könne, versteht sich von selbst. Dies erzeugt aber nicht die menschliche und pädagogische Atmosphäre dieses Instituts, das ja gerade darauf beruht, daß der „Helfer" Bürge seines Schützlings sein soll. Derjenige, der glaubt, Sorge für einen einzelnen Menschen üben zu können unter Berücksichtigung vieler konkreter Bedürfnisse im einzelnen und wer die Möglichkeit einer näheren Beziehung zu einem bis dahin fremden Menschen eingehen zu können glaubt, der ist für die Uebernahme einer Schutzaufsicht geeignet. Es hängt wesentlich von der Jugendbewegung ab, ob die Schutzaufsicht eine bürokratische Maßnahme oder ein menschliches Verhältnis ist. III. Jugendberatungsstetten. Tie Jugendberatung umfaßt vor allem die Nöte, die nicht wirtschaftliche Nöte sind. An allen Orten muß, durch die Jugend geschaffen, eine Stelle entstehen, an die sich jeder in irgendeiner Not sich befindliche Jugendliche wenden kann. Sei es auch, um nur jemanden zu haben, dem yr von seiner Not erzählen kann. Hierzu gehört überhaupt kein Apparat, sondern nur die Bereitschaft und die Fähigkeit „anhören" zu können. IV. Mitarbeit in den bestehenden Kommissionen der Wohlfahrtspflege. Auch hier gibt es schon Anfänge. Aber oftmals kommt die Mitarbeit dadurch noch garnicht zur Geltung, daß die Jugendlichen nicht wissen, worauf es ankommt. Es ist ja überhaupt die Gefahr für junge Menschen, daß sie, sobald sie in einem technisch gut funktionierenden Betrieb eingestellt sind, nur noch in den Möglichkeiten dieses Betriebes denken, diesen Betrieb als endgültig auffassen und nicht merken, daß durch ihren Hinzutritt dieses alte Prinzip jetzt erst recht legitim wird, denn nun nimmt auch dre Jugend an der Arbeit teil — und das Neue, das sie bringen sollte, bleibt unerfüllt. Um diese Gefahr zu vernreiden, müssen die jugendlichen berufsmäßigen und freiwilligen Sozialarbeiter von Zeit zu Zeit zusammenkommen, um sich Rechenschaft abzulegen. Ties ist der Sinn der von dem Reichsausschuß beabsichtigten besonderen sozialen Arbeitskreise. Es gibt noch viel mehr Möglichkeiten, doch wir wollten ja „konkret" bleiben. Der Sabbat Von ArthurLilienthal, Berlin. Wenn davon die Rede ist, was das Judentum für die Menschheit bedeutet, so pflegen >wir mit Stolz darauf hinzuweisen, daß es der Welt den wöchentlichen Ruhetag geschenkt hat. Besonders pflegen wir dabei die soziale Begründung zu betonen, die das Deuternomium dem Sabbatgebot gibt: „auf daß dein Knecht und deine Magd ruhen wie du. Und du sollst gedenken, daß du Knecht warst im Lande Aegypten und daß der Ewige dein Gott dich herausgeführt hat mit starker Hand und emporgehobenem Arm; darum gebietet dir der Avige, dein Gott, den Sabbat zu halten." Erst der Ruhetag sichert dem Knecht, dem Ar* beiter, der fremde Arbeit verrichtet, dessen Seele nicht in seiner Arbeit ist, sein Menschentum und seine Menschenwürde. Das Judentum hat der Welt den Ruhetag geschenkt. Es fühlt sich als der Wächter und Hüter des Sabbatgebots. Hat es ein Recht dazu? Gewiß, es ist heute innerhalb des Judentums sehr viel vom Sabbat die Rede; es wird um den Sabbat gekämpft dabei und gerungen. Doch wird das Wichtigste vergessen. Wo wird von unfern religiösen Wortführern und Lehrern das Große und Befreiende der Sabbatidee für die neuen Aufgaben der Gegenwart ausgewertet? Wo wird die religiöse Macht des Judentums in den Dienst ihrer Forderungen gestellt? Menschentum und Menschenwürde soll der Ruhetag auch den Abhängigen sichern. Kanu er das heute noch? Die Voraussetzungen find andere geworden, als sie im Lande der Bibel waren. Die moderne Großstadt zehrt an den Kräften der abgehetzten Menschen. Die innere Anteilnahme der großen Menge der Arbeitenden an ihrer Arbeit wird immer geringer — eine Folge, wie oft erörtert, vor allem der Maschinenarbeit und der zunehmenden Rationalisierung der Arbeit. Der Mensch, der teilnahmslos bis zum letzten Ermatten Tag für Tag seine Arbeit verrichtet, muß stumpf werden; er wird nur in seltenen Fällen noch die Fähigkeit zum Sabbat haben. Gewiß, er hat, falls ihn die Tradition dahin zieht, die körperliche Kraft, die Synagoge oder die Kirche aufzusuchen. Aber kann in ihm noch etwas frei werden? Kann er seine Seele noch finden? Das Sabbatgebot ist aktueller als je. Aber nicht das ist das Entscheidende, ob der Sabbat nach den Vorschriften des Religionsgesetzes gehalten wird. Es geht vielmehr darum, Millionen von Menschen überhaupt die Kraft zu einem wirklichen Ruhetage zu erhalten, der nicht nur ein der Ermattung Nachgeben ist, sondern Kräfte frei werden läßt. Wenn einst die Vorschrift des wöchentlichen Ruhetages genügte, so hat die Gegenwart die Aufgabe, zu verhindern, daß die Arbeit jedes einzelnen Tages das Menschentum erstickt, bevor der Sabbat kommt. Tas ist die Gefahr, die dem Sabbat drohte und noch droht. Wenn Menschen ausgenutzt werden bis zum Letzten, was ihre Arbeitskraft hergibt, das ist die schwerste Verletzung des Sabbatgebots. Den Kamps dagegen, allen hemmenden wirtschaftlichen Interessen zuwider, erfordert die Idee des Sabbats. Sie verlangt die gesetzlich begrenzte Arbeitszeit. Ter Achtstundentag, wie diefe Forderung im politischen Leben der Gegenwart formuliert wird, ist Erfüllung jüdischen Geistes. Diese Forderung ist Sabbatforderung. Kampf für den Sabbat? Wer wollte ihn nicht? Aber nicht in denen, die über die Mißachtung Jahrhunderte und Jahrtausende alter Sabbatgesetze eifern, wirkt der schöpferische Geist des Judentums. Die, welche die Not der Gegenwart sehen und das Gebot der Begrenzung der Arbeitszeit an jedem Tage neben das Gebot des Ruhetages setzen, sind die wahren Hüter des Sabbats. Jli-Arbeit und «Schule der Zugend" Von Ern st Heinrich Seligsohn. Ter Kurs der Jli-Arbeit hat im Laufe der letzten Jahre mehrmals gewechselt. Vor acht Jahren bestand die Tätigkeit des Jli im wesentlichen aus Vortragsabenden mit daran anschließender Diskussion. Die wenigen Kurse, die es gab, überdauerten meist nicht den dritten oder vierten Abend. Mit der Verjüngung des Berliner Jli wurde dann eine regehmäßige Gruppentätigkeit notwendig, bei der das Schwergewicht unserer Arbeit auf den Heimabenden lag. Die Abkehr von dem Vortragssystem brachte aber noch anderes mit sich. Wir hatten eingesehen, daß das dein Jli gesteckte Ziel, daß die Jugend in sich das Judentum lebendig macht, nur erreicht werden könnte, wenn unsere großen Lücken in jüdischer Mbdüng ausgefüllt würden. So kam es, daß die meisten Gruppen, insbesondere des Berliner Jli, sich in mehr oder weniger systematischer Weise mit Bibel, jüdischer Geschichte, den politischen und philosophischen Grundlagen des modernen Judentums beschäftigten. Heute hat man, insbesondere im Berliner Jli, diese Arbeit zwar nicht aufbegeben, aber den Hauptteil der Heimabende nimmt heute dre Besprechung der Fragen ein, die uns als moderne Menschen beschäftigen. Man sucht auch „Judentum" mit anderen Religions-Weltanschauungen zu vergleichen. Ich habe auf der letzten Hauptversammlung des Berliner Jli gegen diese Richtung nachdrücklich Stellung genommen. Mir ist aber klar, daß mit der Kritik, wie es nicht gemacht werden soll, noch nicht viel geschehen ist. Heute glaube ich auch die Gründe erkennen zu können, warum die Arbeitsiweise des Jli anders geworden ist. Man hat in Führerkreisertz schon seit längerer Zeit die Frage aufgeworfen, was wir denn sür jüdische Arbeit leisten sollten. Man glaubte, nachdem man einen Ueberblicke verschaffenden Kurs über jüdische Geschichte durchlaufen hatte, mit dieser Arbeit „fertig" zu sein. Ter Hinweis darauf, daß man sich eingehender mit den Dingen beschäftigen müsse, schien nicht zu helfen. War das ein Zeichen von Sattheit, wenn die jüngeren Führer glaubten, mit ihrer Bildungsarbeit „schon fertig" zu sein? Ich glaube nicht. Vielmehr beruht dies auf einer nicht unberechtigten Skepsis gegenüber den bisherigen Erfolgen der Jli-Arbeit. Wenn wir einmal einen strengen Maßstab an uns legen, so müssen wir sagen, daß von unserer Beschäftigung mit Bibel, jüdischer Geschichte usw. wenig übrig geblieben ist. Gewiß: Wir sind den religiösen Fragen nachgegangen, uns sind die Dinge, die wir trieben, richtig lieb geworden, abev was haben wir davon im Kopf und iw Herzm behalten? Ber^ gessen wir nicht: Wir waren davon ausgegangen, daß es! eines jungen jüdischen Geschlechts unwürdig sei, so wenig von jüdischen Dingen zu wissen, wie die Mehrzahl der vorangehenden Generation. Aber ist heute nicht fast jeder von uns noch ein am haarez geblieben? Worin liegt der Grund dieses Mißerfolges? Unsere gesamte jüdische Bildungsarbeit war nicht intensiv genug, war nicht von dem heiligen Ernst getragen, den sie verdient; also Mangel an persönlichen Voraussetzungen? Nein! Aber die Verquickung von Zusammenleben einer Gemeinschaft mit sachlicher Arbeit war hier in gewisser Beziehung schädlich. Die Heimabende waren fast die einzige Gelegenheit, die die Gruppe menschlich zusammenwachsen ließ. Ta ist es nicht verwunderlich, daß man die Arbeit nur als Mittel zur Gemeinschaftsbildung aufgefaßt und so ihres Selbstzwecks entkleidet hatte. Abgesehen von der mangelnden Vorbildung der Führer reichte außerdem die Zeit nicht aus, um irgend ein ansehnliches Kapitel zu bewältigen. Die Aussprache über die Stellung des Hebräischen in der Jli-Arbeit, die hier in diesen Blättern stattgefunden hat, beweist dies deutlich. Selbst diejenigen, die die Erlernung des Hebräischen im Rahmen der Jli-Arbeit fördern, machen von vornherein die Einschränkung, daß man natürlich nur bescheidene Erfolge erzielen könnte, während die andern sich für diese bescheidenen Erfolge schönstens bedanken und lieber weniger „Mühseliges" tun wollen, wo der Erfolg schneller eintritt. Nun, ich glaube, gezeigt zu haben, daß, wenn man es ganz ernst betrachtet, es mit diesen Erfolgen allenthalben sehr schlecht bestellt ist. So kann es nicht weitergehen! Wenn wir in uns die Verpflichtung fühlen, die „Lehre" aus die kommenden Geschlechter weiter zu übertragen, so müssen wir den Weg finden, um uns jüdische Bildung anzueignen und zu erhalten. Dieser Weg ist gefunden! In diesem Winter wird in Berlin eine „Schule der Jugend" gegründet werden, an der sich die jüdischen Bünde der verschiedenen Richtungen und auch viele Aeltere, die aus den Bünden und sonstigen Jugendorganisationen herausgewachsen sind, beteiligen werden. Hier wird die bisher so mangelhafte Bildungsarbeit zentralisiert werden. Es ist kein trockener Schulunterricht, der dort gegeben wird. Insofern werden die Grundlagen, die in der Jugendbewegungsarbeit gelegt worden sind, verwendet. Man weiß, daß die Gemeinschaft als Trägerin gemeinschaftlicher Arbeit einen Wert darstellt. Darum soll der „Unterricht" nicht den Zweck verfolgen, Kenntnisse aufzustapeln, sondern diese Kenntnisse so zu vermitteln, daß sie lebendiger Bestandteil des Lernenden werden. Daher wird es selbst bei der sachlichen Erlernung immer darauf ankommen, wie „Lehrer" und „Lernende" zu den behandelten Fragen stehen und so eine persönliche Aussprache vorbereiten. Diese persönliche Aussprache soll aber, abgesehen von den sachlichen Kursen, auch allgemein in einem wöchentlich einmal stattfindenden freien Sprechsaal Raum habm. Worin liegen nun die Vorteile dieser Arbeit gegenüber der bisherigen Gruppenarbeit? Einmal bei den „Dozenten". Diejenigen, die dort lehren werden, werden das nötige Wissen haben, um in verantwortlich-freier Art ihren Stoff behandeln zu können. Es sind aber auch Menschen,