Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-09-07 · 36 (7.9.1928) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
36 (7.9.1928)
Date
1928-09-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2613366-2613947-2613983--2852-2620371
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

rakter der jüdischen Frömmigkeit aus. Wie eine Verabsolutier rung der Forderung gottgewollten Wesens erscheint dieser Gedanke von der wandellosen Gültigkeit des Gesetzes; denn man darf nie vergessen, daß jedwede rituelle und zeremcknielle Vorschrift nur als Gliä> eines Lebenssystems verstanden werden kann, das in seiner Totalität die Versittlichung, die Heiligung des jüdischen Menschen zum Ziele hat. Hier heißt es wirklich: Am Anfang war die Tat. Aber auch das Ziel geht nur aus Bewährung." Und wie hier das Gebäude — abgesehen von dem Sprung, der nach meinem Empfinden zwischen Wieners Auffassung von allgemeiner und jüdischer Religiosität besteht — durchs aus folgerichtig aufgebaut ist, so daß eine Kritik nur djio Prämissen zu überprüfen hat, so ist auch durchaus folgerichtig das Gebäude, das sich aus der rationalen, etwa Cohenschen Auffassung der Religion ergibt. Nicht ob am Sonnabend oder Sonntag gebetet wird, ist von Belang. Wesentlich ist hier, daß nichts Gegenstand des Glaubens sein kann, was den Grundgesetzen der Wissenschaft widerspricht; daß keine rituelle Satzung als Gesetz in dem religiösen Bewußtsein Platz findet, daß keine rituellen Gebote den Forderungen des Moralgesetzes als ebenbürtig an die Seite gestellt werden können; daß der Gottesdienst nach Form und Inhalt den Grundforderungen modernen Denkens entspricht, daß in ihm nicht unserem Verhältnis zu Logik, Ethik und Aesthetik widersprochen wird; daß als die bedeutungsvollste Form der Religion, die allein Gegenstand der allgemeinen Pflicht sein kann, betrachtet werden muß: die sittliche Tat. * Nun zeigt sich die zweite Quelle, die unser Gefühl des Unbesriedigffeins nährt. Tie fehlende Gemeinsamkeit der religiösen Überzeugungen schaltet das Judentum, schaltet auch den Weltverband für religiös-liberales Judentum aus der Gestaltung des Gesamtbildes des Lebens, der Welt, aus. Es ist lein Zufall, daß heute die sittliche Tat als Ausdrucksform jüdischer Religiosität so gering gewertet wird. Daß zur Verwirklichung des Judentums, zur „Verjüdischung der Welt", wie es Dr. Gottschalk in seiner Diskussionsrede nannte, so gut wie nichts geschieht. Will der liberale Weltverband die Kräfte seiner Mitglieder nicht in Jnnendiskussionen recht unfruchtbarer Art binden, will er nicht dauerndes Theoretisieren, jede praktische Stellungnahme verhindern lassen, jo muß er — auch wenn das zunächst schmerzlich ist — sich bescheiden, muß er eine Gemeinschaft sein, deren Mitglieder positive Gemeinsamteü der religiösen Ueberzeugung eint. Liberales Judentum ist Geist. 'Geist, der das Leben der Menschhert gestalten muß. Heute geht liberales Judentum neben dem Leben der Menschheit einher. Und die Tagung des liberalen Weltverbandes hat daran nichts geändert. Ein Weltkrieg hat die Menschheit durchwühlt — das Judentum schweigt. Der vierte Stand rst erwacht — das Judentum schweigt. Die Demokratie beginn:/ sich zu verwirklichen — das Judentum schweigt. Tie Frau tritt gleichberechtigt in das öffentliche Leben ein — das Judentum schweigt. Und doch: sollte das alles so ganz ohne innere Beziehung zur jüdischen Religion stehen, sollte sie zu gll dem garnichts zu sagen haben, sollte sie durch all das Neue, das wurde und noch wird, garnicht beeinflußt werden? ..Es macht traurig zu sehen, daß heute die christliche Kirche stärker um die religiöse Durchdringung des Lebens besorgt ist als die jüdische. Bei der Stockholmer Konferenz der christlichen Kirchen hat man nicht „theoretisiert", sondern Fragen der Befriedung der Welt, der sozialen Gestaltung des Lübens, des Rechts und der Technik mit religiösem Geist zu verbinden gesucht. Das liberale Judentum, nach unserer Auffassung die höchste aller Kulturreligionen, die Religion der Vernunft, hätte den Anderen beispielgebend voranschreiten müssen. Es muß nachholen. Sein Bezirk ist nicht nur Gottesdienst und Haus, sein Bezirk ist die Totalität des Lebens. Der nächste Weltkongreß des liberalen Judentums muß das Judentum aus der Vereinsamung lösen, muß es wieder als einen der allgemeinen Kultur förderlichen. Faktor zeigen. Bis dahin aber gilt es, die Gemeinsamkeit der geistigen Grundlage zu schaffen oder aufzuzeigen und zu vertiefen — oder, wenn das nicht möglich ist, die erforderliche Scheidung zu vollziehen. * Ornament? Von Rabbiner Dr. Gottschalk, Franffurt a. M. Veranlaßt durch den Tadel, den Leo Baeck auf der Welttagung all den Reformern erteilte, die die Frage des „Ornaments", des äußeren religiösen Lebens, zu wichtig genommen haben, sprach sich Cl. Montesiore im Schlußwort dafür aus, daß wir zur Frage des Ornaments doch enffchieden Stellung nehmen müßten. Man wird nicht behaupten können, daß das noch nie geschehen sei und daß unsere Zeit in dieser Frage nicht Partei ergriffen hätte. Aber es entsteht vielleicht gerade im Hinblick auf die durch Baeck erfolgte starke Herauskehrung der Welffrömmigkeit, wie ich die dem Weltlichen zugewandte Richtung des Judentums auf der Tagung nannte, eine Richtung, die ich immer wieder und wieder propagierte — die Frage: hat, falls wir uns mit ganzer Kraft den Aufgaben der Welt zuwenden, das Ornament nicht vielleicht wirklich seine Bedeutung eingebüßt, ist es, praktisch ausgedrückt, dann nicht ganz gleich, ob unser Gottesdienst, ob unser äußeres religiöses Leben mehr nach rechts oder links tendiert, ob mehr Hebräisch oder weniger im Gottesdienst austritt, ob besonders die religiösen Leiter der Gemeinden sich mehr oder weniger Freiheit in ihrer Lebensführung und bei Vornahme ritueller Handlungen gestatten. Wenn das heißen würde, daß damit die Freiheit des Einzelnen, er sei Führender oder Geführter, nicht bloß einseitig, nach rechts, sondern auch nach links wirklich verbürgt ist, dann könnte man sich vielleicht zufrieden geben. Aber abgesehen davon, daß ich selbst starke Zweifel an der Richtigkeit meiner Deutung hege, wäre mit diesem Hinweis aus praktische Folgerungen noch keineswegs an den letzten Zusammenhang von Orttament und Wesen gerührt. Es muß ja schon stutzig machen, daß nicht bloß irgend welche unbekannten Menschen, über die die Geschichte zur Tagesordnung übergegangen ist, um das Ornament gestritten haben. Alle klassischen Liberalen vielmehr waren doch gleichermaßen darauf bedacht, sie, die durchaus aus innerlichen Gesichtspunkten eine Fortentwicklung erstrebten. Und weshalb? „Das Gesetz", sagt Cohen, „würde es selbst nur.festgehalten an den Festen und für manche und viele selbst nur rm Bersöhmmgslag, ist eine Schutzmauer gegen die Nivellierung des reinen Monotheismus.. Daher ist auch die Bestrebung zur Reform des Gottesdienstes durchaus im Einklang mit dem alten Gesetz, das auf die Würdigkeit des Gottesdienstes großen Wert legt. Und diese ganze Tendenz der Reform ist eine wahrhaft religiöse, die man nicht als eine nur äußerliche abschätzen darf." Und Geiger: „Leugnen wir es nicht, die Zeit, in welcher das Judentum in seiner herkömmlichen Gestalt ungetellt unser Herz inne hatte, ist dahin, unwiederbringlich dahin. Was nützt das Heimlichtun. Aber wie schreibt denn Baeck selbst in seinem Buche: „Sie alle (die Satzungen) sind keine gleichgültigen neutralen Vorschriften. Sie gewinnen ihre Eigenart und ihren religiösen Werl dadurch, daß sie das Leben mit unzähligen Banden, mit „Banden der Liebe" an Gott zu knüpfen suchen." Und es kann ja auch kein Zweifel sein, daß Baeck in seinen mündlichen Ausführungen nicht den Wert der Zeremonie überhaupt anzweifeln, sondern sich vielleicht nur für eine gewisse Neutralität in dem Streit um das Ornament einsetzen wollte. Dies scheint mir aber schon allein nach den oben angeführten Aussprüchen unmöglich. „Reiner Monotheismus", „unser Herz", ,>die Liebe zu Gott" sind doch wohl so entscheidende Dinge, sind so sehr die Grundlage unserer Religiosität, ja, die Voraussetzungen unserer Weltfrömmigkeit, daß es uns eben doch nicht gleichgültig ist, welche Formen solcher Religiosität entsprechen. Nicht daß „die großen Gedanken und das reine Herz", wie Goethe es nennt, „der starke Geist und das reine Herz", wie der Psalmist es nennt, durch entsprechende Formen noch größer und noch reiner werden könnten. Aber schon die „geistige Redlichkeit und intellektuelle Freiheit" verlangen, wie Goldensän in seinem Referat über den Gottesdienst treffend bemerkt, als „seelische Eigenschaften" ihr Recht, aber nicht weniger doch jene Sehnsucht nach Einheit der Persönlichkeit, die sich nicht nur in ihrem Tun und Wollen, sondern auch in ihren Formen wiederfinden will und bis zur letzten Tiefe, wenn es geht, ausprägen. Aber nicht bloß im Tun und Wollen, sondern nicht zuletzt in seinem Gotterleben findet der Religiöse den Antriä» zu seiner Form. Das geht natürlich viel weiter als die Frage: deutsch oder hebräisch, mit Kopfbedeckung oder ohne, Sonnabend oder Sonntag. Aber die stark betonte Weltfrömmigkeit wird auch deshalb ihren Niederschlag in ihrem Ornament finden wollen, weil sie die Weltfrommen, die alten und neuen, die jüdischen und — soweit sie allgemeinfromm sprechen auch die nichtjüdischen, besonders, wenn sie jüdische Dinge behandeln, die alten und neuen, die Redner, die Dichter, die Sänger, der Töne Meister immer wieder vernehmen wollen. Wenn Franz Rosenzweig sogar in der Festnummer der „Gemeinschaft" für Bach im Gotteshaus dringend eintritt, dann wird ja wohl feO&ft der „jüdischste" Jude nichts mehr sagen können. In dieser Ausdehnung unseres Kultus ins Weltliche und Menschliche prägen wir ja nur unseren inneren Zug zum Menschlichen aus, unser Streben nach Verbrüderung der Religionen. Und lvas für Gottesdienst gilt, gilt für alle rituellen Handlungen auch außerhalb des Gotteshauses, gilt für Führer und für Geführte. Auch hier ist das Ornament gar nicht unwichtig und wir müssen, wie Montesiore sagt, Stellung nehmen,. konsequent sein und ehrlich und vorwärts schreiten unö wieder die Einheit der Persönlichkeit darstellen und schassen, die allein ein „Ebenbild" der Einheit Gottes in aller Demut genannt werden darf. Für jeden liberalen Gedanken, den wir energisch und herzenswarm vertreten, müssen wir die entsprechende Form ausprägen und in diesem Spiegel den Menschen, den jüdischen und nichtjüdischen, das Judentum zeigen, nicht zuletzt in den hehren Momenten, wo diese Menschen ihr Herz zu uns tragen. Schließlich gitt doch das Geheimnis des vielbesprochenen Irrationalen nicht bloß für die Religion im großen, sondern gerade für das Verhältnis von Form und Wesen, Inhalt und Ausdruck. Nicht nur die „Masse", nicht nur der „Laie", nein jeder, der gefühlsbewegt, religiösbeschwingt und ergriffen ist, hat den „Hunger des .Herzens", von dem eine Jugendliche kürzlich im Hinblick auf den Gottesdienst schrieb, hat chn für die Erfüllungen des Lebens, aber hat ihn auch für das Singen und Sagen, für das Lauschen und Stillsein, das Schluchzen und Jubeln, kurz für sein — Beten. Und umgekehrt — aus diesem Tönen und Klingen um uns, aus dem Zusammen unserer Gemeinschaft, aus dem Voreinander meines Ich mit meinem Du strömt jene tiefmächtige Wirkung aus, die gewiß schon oft gekennzeichnet wurde, die hier aber noch einmal als weiterer Antrieb für die Arbeit am Ornament hervorgehoben werden soll — denn es muß freilich unser Ornament sein, wenn dieser Erfolg sich einstellen soll. Und wenn jetzt noch von Verwirklichung im einzelnen gesprochen werden soll, so folgt alles schon aus dem Voraus gegangenen. Wer befriedigt ist, den störe man nicht und dränge ihm nichts auf. Nur das kann liberal sein. Wen kleine Umformungen genügen und wer fähig ist und bereit, über manches hinweazusehen um der Tradition willen, aus Rücksicht auf die Gemeindeeinheit, den nenne man nicht gleich unliberal. Aber dann denke man auch an die, für die ich immer wieder eintreten werde, weil wir sie uns erst so recht erobern müssen, sie, die Arbeiter und die Gelehrten, die Jugendlichen und die Aetteren, die etwas anderes, ganz anderes als bisher, die den Weltkult wollen für die Weltfrömmigkeit, wollen und brauchen — einen Weltkult, den noch keine Reformgemeinde kennt. Es sind die Ethischen, die wir religiös einstellen müssen, es sind die Religiösen, die lernen sotten, jüdisch-religiös zu empfindendes sind die Jüdischen, die in dem Brnnkreis „des Ewigen" aus der Betätigung des Tages geführt werden sollen. Das kann auch durch Vortrag und kann auch durch Gespräch, das kann auch an jedem Orte erfolgen, aber es soll auch im jüdischen Gotteshaus, im Zusammenklang aller der Sprachen geschehen, die uns dafür zu Gebote stehen. Werkfeiertage gllt es zu schassen, auf daß unser Werk wahrhaft feierlich sei. Und Welffeiertage müssen enfftehen, an denen die ewigen Gedanken unserer Sabbate und Feste in der Sprache der Weltsrommheit zu uns reden. Und wenn so auch die Höhepunkte des Lebens, Höhepunkte für Familie und Einzelne, Wendepunkte in Freud und Leid mit unserem Gotte, in unserem Fühlen, immer beschwingt vom Ton der Welt und immer durchglüht von jüdischer Seele für solche Menschen gefeiert werden, dann schassen wir die einheitlich Abgestimmten, die sich durch die Form für ihr Werk begeistern und aus dem Werk zur Form Hrnsinden, Menschen, die ihres „Gottes voll" und voll darum auch ihres Judentums. Sto&WERCI^ f 0, iDohlSchmeckcrul.% h nahrhaft. Jl Eine Wanderausstellung des Verbandes »Ort" Tic Zentralverwaltung des Verbandes der Gesellschaften zur Förderung von Handwerk und Landwirtschaft unter den Juden „Ort" befaßt sich gegenwärtig mit der Organisierung einer großen Wanderausstellung, die die jüdische Aufbauarbeit in Osteuropa, den Ländern Westeuropa und Amerikas demonstrieren sott. Tie Ausstellung, die Anfang November zum ersten Male in Berlin gezeigt und dann nach Frankreich und England mrd von dort nach den Bereinigten Staaten gebracht werden soll, wird die Tätigkeit des Verbandes „Ort" aus allen Gebieten umfassen; sie wird die Erzeugnisse der technischen Fachschulen von „Ort" in Osteuropa, so der Warschauer Musterwerfflätte für Möbelerzeugung (u. a. ein Wohnzimmer im indischen Stil), der Lehrwerkstätten für Stickern, Teppichweberei, Metallbearbeitung usw. umfassen. Eine spezielle Abteilung wird die Entwicklung der jüdischen Landwirtschaft, wre die Methoden der Bereitung von Käse, Honig, Wein, Konfitüren u. decgl. illustrieren. Tie Ausstellungsobjekte werden durch Diagramme und Bilder ergänzt werden. Ein großer Teil der Ausstellungsobjekte ist bereits in Berlin eingetroffen. » Sprechsaal * Für diese Rubrik übernimmt die Schriftleitung lediglich dir preßgesetzliche Verantwortung. Einheitsgebetbuch und Gemeindegesang Anknüpfend an den Artikel von Hermann Zivi in Ihrem Blatte vom 24. August 1928 (Nr. 34), betr. „Einheitsgebetbuch und Gemeindegesang", möchte ich Folgendes bemerken. Schon i. I. 1910 habe ich ein „Liturgisches Gesangbuch für die jüdischen Religionsschulen Deutschlands", „synagogale Gesänge, welche in den deutschen und ausländischen Gemeinden mit geregeltem Gottesdienst eingeführt sind, gesammelt und für den Schulgebrauch bearbeitet", geschaffen. Die Bearbeitung besteht darin, daß ich bei den Chorstücken die Melodien, um sie dem Sopran und Alt zugänglich zu machen, in den meisten Fällen transponiert habe. Das „Liturgische Gesangbuch" mit einem Anhang, enthält annähernd 800 Nummern: Gesänge sür alle Gottesdienste, Predigtlieder, hebräisch und deutsch, Konfirmationslieder, Gesänge zu feierlichen Anlässen in Schule und Haus. Das Vorwort zu dieser Sammlung enthält u. a. auch einige praktische Winke für den liturgischen Gesanglehrer und schließt mit Joseph Singers Ausspruch, der sich nun bald verwirklichen möge. Wenn die Jugend schon in der Schule mit diesen Gesängen bekannt gemacht wird, dann wird sie beim Betreten des Gotteshauses die Melodien als Vertraute begrüßen, und ihr Herz und Sinn wird mit Andacht und Inbrunst erfüllt werden." Das „Liturgische Gesangbuch" habe ich der sangesfreudigen jüdischen Jugend Deutschlands zugeeignet. Die Sammlung habe ich meinen Kollegen Zivi, Kirschner, Fabisch, Heule s. A. zur Begutachtung vorgelegt. Sie alle haben die Drucklegung derselben sehr empfohlen und die Sammlung als „kulturelle Leistung" hingestellt. Auch Professor Dr. Kopfermann, weil. Direktor der Musikabteilung der Staatsbibliothek Berlin, und Professor Dr. Georg Schumann, Direktor der Berliner Singakademie, haben sich äußerst günstig über das Werk ausgesprochen. Vielleicht sehen sich die Herren, die sich mit diesem Problem beschäftigen, einmal das Manuskript an, das der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde käuflich erworben und der Gemeindebibliothek überwiesen hat. Musikdirektor Aron Friedmann, Berlin. Liberale Lehrbücher Von Oberkantor Bernhard Alt- Danzig. Unter diesem Titel veröffentlicht Jssi Bayer-Bingen in Nr. 32 dieser Zeitung einen als Vorwort zu seinen geplanten Schulbüchern gedachten Aussatz und läßt durch eine Vorbemerkung der Schriftleitung die interessierten Kreise zur .Stellungnahme zu seinen Gedankengängen auffordern. So muß denn die Kritik, solcherart zur Gegenäußerung allgemein aufgefordert, mancherlei Feststellungen und Richtigstellungen vornehmen. So befremdend es an sich berührt, daß jemand das Vorwort zu einem Buche, das er efft schreiben will, von dem also kaum mehr als die Absicht dazu existiert, zur öffentlichen Beurteilung herausgehen läßt, so erklärlich wäre dies immerhin etwa aus dem Willen, sich vorher der Zustimmung weiter Kreise zu den grundsätzlichen Fragen der Angelegenheit zu vergewissern. Zu diesem Zwecke wäre es aber zum mindesten notwendig, daß der Verfasser klar und einfach, mit logischer Schärfe, sagt, was er schaffen will, damit man dafür oder dagegen Stellung nehmen kann. Demgegenüber muß leider gesagt werden, daß die Ausführungen Jssi Bayers in ihrer Verworrenheit und mit ihren Widersprüchen nicht geeignet sind, Klarheit darüber zu geben, was von seinen geplanten Schulbüchern eigentlich zu erwarten ist. Zunächst bleibt es völlig unklar, was in dem Buch eigentlich dargeboten werden soll. Bayer spricht an einer Stelle von einem Geschichtsbuch und unterscheidet da zwischen Bolksgeschichte und Religionsgeschichte, an anderer Stelle ist von Religions lehre und Religions Übung die Rede, und es erhebt sich die Frage, ob in dem geplanten Lehrbuche diese durchaus verschiedenen Stoffgebiete einer getrennten Behandlung unterworfen sind oder ob am einheitlichen Objekt der Stoffauswahl alle diese verschiedenen Gesichtspunkte gemeinsam berücksichtigt werden sollen. Ties halte idy für eine völlige Unmöglichkeit. Gewiß ist, entsprechend der altisraelitischen Theokratie mit ihrer einzigartigen Verbindung von Religion und Staatswesen, häufig nur schwer feststellbar, wo die Volksgeschichte aufhört, und wo die Reliawnsgeschichte ansängt, aber es ist dennoch etwas grundsätzlich anderes, ob ich ein Lehrbuch für dieses oder jenes

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.