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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-09-07 · 36 (7.9.1928) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
36 (7.9.1928)
Date
1928-09-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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wie den Bettlern, die bei Durchführung der Verordnung Plötze lich vor dem Nichts stehen werden, zu helfen sei. Jüdisches Museum in Presov. Ueber das Jüdische Museum in Presov, dessen feierliche Eröffnung kürzlich stattaefunden hat, schreibt Dr. L. Schik im „Prager Tageblatt": „In der Grabengasse in Presov fand man anläßlich der Neutünchung eines Zimmers den hebräischen Namen Gottes in der Wand, und als der kunstsinnige Miterbauer des Kaschauer großen Tempels, der Presover Architekt Eugen Barkary, die Uebertünchung auf sorgfältigste Weise entfernte, entdeckte man in zwei Zimmern allerhand altertümliche Malereien und dazwischen die für die hohen Festtage vorgeschriebenen Gebete. Da beschloß die Judenheit von Presov, ganz ohne Rücksicht auf ihre Parteistellung (eine Tatsache, die sich in dieser Stadt wohl zum ersten Male ereignet), die Räume nicht mehr für profane Zwecke verwenden zu lassen, sondern sie zu einem jüdischen Museum auszugestalten. In einer großen Vitrine sind die Schriften und Bücher zu sehen, die die Geschichte der Presover Juden betreffen: der Protest der Kaufleute gegen die ständige Niederlassung des ersten Juden Markus Holländer, dessen Nachkommen später im ungarischen Freiheitskampf eine große Rolle gespielt haben, sehr interessante Publikationen des Rabbiners S. M. Schiller, der später Rabbiner und Universitätsprofessor in Cambridge war. Einige Schritte weiter fällt uns ein Protest der liberalen Judengemeinde gegen den Siksoer orthodoxen Rabbi in die Augen, als erstes in einer ganzen Reihe von Dokumenten, die alle Phasen des vor einem Jahrhundert begonnenen Kampfes zwischen der liberalen und konservativen Richtung im Judentum darlegen. ... eine Sammlung von Briefen berühmter Männer, ferner Mesuses, Menorahs, holzgeschnittene, messingne, kupferne und eiserne große Trinkgefäße mit hebräischen Aufschriften, jahrhundertealte „Schnoderkasten", zahlreiche, in Synagogen verwendete Handarbeiten, bizarre Misrachitafeln, Kindbettaseln, viele Leuchter aus Holz, Blech und Eisen, kunstgestickte Vorhänge. An den Wänden zahlreiche Bilder berühmter Juden. Es soll womöglich eine komplette Sammlung aller großen Rabbiner in der Tschechoslowakei angelegt werden. Sehr interessant sind die bereits heute vorhandenen Photographien der einzelnen Tempel und Friedhöfe, speziell jener von Szebeskellenges und Hunsdorf, welche ja durch mehrere Jahrhunderte hindurch eine Art Ghetto für vaS ganze Komitat Saros und Zips bedeuten." # Aus den Gemeinden * Berlin. (Sportfest des R. I. F.) Am 2. September veranstaltete die Sportgruppe im Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin, aus dem Sportplatz zu Westend sein diesjähriges internes Sportfest. Man muß es der R.J.F.-Jugend lassen, daß sie es versteht, derartige Veranstaltungen gut auszuziehen. Der Sportplatz bot, vom besten Wetter begünstigt, einen Anblick, der beweist, daß die Berliner jüdische Jugend gewohnt ist, Disziplin zu üben und auch bei ernster sportlicher Art jugendlichen Frohsinn wahrt. Die dargebotenen Leistungen gehen teilweise über das Durchschnittsmaß hinaus. Erwähnenswert ist es, daß die weibliche Jugend ein gut Teil zum Gelingen des Sportfestes beigetragen hat. Die hervorragenden Leistungen der jungen Mädchen zeigten, daß das so oft von uns geforderte Werk der körperlichen Ertüchtigung der jüdischen Jugend mit allem Ernst betrieben wird. Um die Preise entstand ein harter Kampf. Neben den einzelnen Organisationen des R.J.F. hatte der Liberale Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V. zwei Preise gestiftet. Die Preisverteilung war mit einem geselligen Beisammensein verbunden, das Alt und Jung lange Zeit zusammenhielt. Brieselang. (Jugendtreffen.) Bei herrlichem Sonnenschein versammelte sich am Sonntag, den 2. September d. I., die jüdische Jugend aller Richtungen aus dem Jugendland Brieselang zum zweiten Jugendtreffen des Landesausschusses Berlin der jüdischen Jugendverbände. Nachdem am 26. und 27. August die Borkämpfe stattge-- funden haben, wurden die letzten Entscheidungskämpfe am vergangenen Sonntag ausgesochten. Im Stassettenlauf, im Handball und anderen Sportarten masten sich die weibliche und männliche Jugend, und man konnte sich überzeugen, was für schöne sportliche Leistungen unsere Jugend hervorbringt. Einen ganz besonders schönen Anblick zeigte das Lagerlebcn der einzelnen Jugendverbände, wie Zelt an Zelt, in welchen zum Teil übernachtet wurde, aneinander gereiht war, und wie man beobachten konnte, wie friedlich und ausgelassen es dort bei unserer jüdischen Jugend herging. Alle religiösen und politischen Gegensätze schienen hier völlig überbrückt zu sein. Der von uns gestiftete Wanderpreis wurde im Wettlaufen 10/100, Klasse II, Jugend, ausgetragen. Nach hartem Kampfe wurde er von der Deutsch-Jüdischen Jugendgemeinschaft errungen. Mit besonderer Freude konnten wir feststellen, daß die Beteiligung des „Jli" recht stark war und unsere Jugend-Organisation an der Regie hervorragenden Anteil hatte. Frankfurt a. M. (Rabbinerwahl der Frankfurter Israelitischen Religionsgesellschaft.) Der am Sonntag, den 2. September, stattgefundene Wahlgang zur Wahl -eipes Rabbiners der Frankfurter Israelitischen Religionsgemeinschaft, der führenden orthodoxen gesetzestreuen jüdischen Gemeinde Deutschlands, anstelle des verstorbenen Rabbiners Dr. Salomon Breuer hatte ein negatives Ergebnis, indem auf den zur Wahl gestellten in Aschaffenburg Dr. Raphael Breuer, den Sohn von Dr. Salomon Breuer, eine Minderheit von Stimmen, 200, entfielen, während die Mehrheit der Zettel, etwa 600, „weiß" (ablehnend) abgegeben und 50 für ungültig erklärt wurden. Somit ist die Wahl Dr. Raphael Breuers als abgelehnt zu betrachten. Diese negativ ausgefallene Wahl hat eine bewegte Vorgeschichte. Ein Teil der Mitglieder der Religionsgemeinschaft wünscht die Wahl von Rabbiner Dr. Klein-Nürnberg, ein anderer Teil tritt für Rabbiner Dr. R. Breuer ein. In einem vom Dajan der Religionsgesellschaft, Posen, seinerzeit erstatteten Gutachten wurde festgestellt, daß Dr. Raphael Breuer als der Sohn des verstorbenen Rabbiners die sogenannte „Chasokoh" hat und daß ihm du Gegenkandidat nicht entgegengestellt werden dürfe, daß aber die Gemeinde das Recht auf Ablehnung habe, jetzt, nachdem die Mehrheit der Gemeinde weiße Zettel abgegeben hat, ist eine freie Rabbinerwahl möglich geworden. Frankfurt a. M. (Ausstellung jüdischer Kunstdenkm ä l e r.) Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdcnkmäler veranstaltete anläßlich ihres 30 jährigen Bestehens eine Ausstellung, die hier erstmalig einen Ueberblick über das reiche Material, das die Gesellschaft im Laufe dieser Jahre in allen Ländern gesammelt hat, gab. Um auch den alten Familicnbesitz zu zeigen, hatte die Gesellschaft ihre Mitglieder gebeten, die Ausstellung durch Leihgaben zu erweitern. Es bot sich somit ein Einblick in ein bisher der weiteren Oeffentlichkeit noch völlig unbekanntes Gebiet. Die Publizierung der sehr reich beschickten Ausstellung ist in den Notizblättern 19 und 20 der Gesellschaft bereits begonnen worden, und zwar so, daß damit für die in Betracht kommenden Gebiete eine Ergänzung der bisher von der Gesellschaft veröffentlichten Forschungsresultate erzielt worden ist. Die reich illustrierten Veröffentlichungen werden in den nächsten Notizblättern, die den Mitgliedern dieses Jahr viermal gratis zugehen, fortgesetzt werden; dieselben werden für jeden Kunstfreund eine Quelle der Belehrung bilden. .! ★ \ Versammlungskalender i :*! Breslau. Jli „Abraham Geiger". Die Sommerzusammenkünste finden nicht mehr statt. Mittwoch, den 12. September, 20.15 Uhr, geben unsere Vertreter Bericht über ihre Eindrücke auf der Weltkonferenz für religiös-liberales Judentum in Berlin. Bereinslokal: Restauranl Hornhäufer, Freiburger Straße 9. Gottesdienste j *1 Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden, SchSnhanfer Allee 162. Gottesdienst am Freitag, de« 7. September, abends 7.15 Uhr, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonfki. Sonnabend, den 8. September, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Sonntag, den g. September, 10 Uhr vormittags, findet in unserer Synagoge der Selichaus-Goltesdienst, Borbereitungsgottesdienst für Rausch-Haschono, statt. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonfki. Rausch haschono-Gottesdienste: Freitag, den 14. September, abends 6.30 Uhr, Predigt: Direktor Plaut. Sonnabend, den 15. September, vormittags 9.30 Uhr, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonfki. Sonnabend, den 15. September, nachmittags 6.30 Uhr, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonfki. Sonntag, den 16. September, vormittags 9.30 Uhr, Predigt: Hermann Falkenberg. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Aula der Cäcilienfchule, Nikolsburger Platz): Jeden Freitagabend liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr pünktlich. Freitag, den 7. September, Predigt: Rabbinats-Kandidat Swarfensky. Freitag, den 14. September (Rausch hafchvnv), Gottesdienst im Beba-Palast. Näheres siehe Tageszeitungen. Frielendorf. (Todesfall.) Tie hiesige Synagogengemeiude ist durch das plötzliche Hinscheiden ihres ersten Gemeindeältesten Herrn Moses Moses I. in tiefste Trauer versetzt worden. 35 Jahre hat der Verblichene dieses Amt in nicht zu überbietender, musterhafter Weise ausgeübt. Mit ganzer Seele hing er an unseres Glaubens erhabener Lehre, dessen Wesen ihm Ehrfurcht vor Gott und den Menschen war. Aus dieser Glaubenstreue heraus gab er sich mit Gewissenhaftigkeit der Verwaltung der Gemeinde hin, die durch seine würdevolle Persönlichkeit nach innen und nach außen vortrefflich vertreten wurde. Elatz. (Gefallenengedenkfeier.) Bei der Enthüllung des Kriegerdenkmals in Glatz sprach neben dem evangelischen und katholischen Geistlichen auch Rabbiner Dr. Vogelstein aus Breslau. Am Morgen war bereits eine Gedenkfeier in der Synagoge abgehalten worden. Sämtliche sieben jüdischen Jünglinge der Gemeinde Glatz, die sich bei Kriegsausbruch freiwillig gemeldet hatten, sind aus dem Felde der Ehre gefallen. Hamburg. (R ep rä s e n t a n t e n s itz UN g.) Die letzte Sitzung des Repräsentanten-Kollegiums der Gemeinde vom 28. August 1928 hatte sich nur mit einer kleinen Anzahl von Vorlagen zu befassen. Vom Gemeindevorstand lvar ein Antrag cingegangen, der mit einem Komplex von Fragen im Zusammenhang steht, welche sich auf die Friedhossverhaltnisse beziehen. Für die Verhandlungen mit dem Staate erbittet der Vorstand die Ermächtigung, daß er einen Geländestreisen seines jetzigen Terrains, der an Wohnhäuser grenzt, an den Staat abtreten dürfe. Da es sich nur um einen Streifen von 5 Meter Breite handelt, wurde die Ermächtigung ausgesprochen. Auf das Gebiet des Wohlfahrtswesens der Gemeinde, das eine immer weitere Ausgestaltung nach Maßgabe der Gemeindemittel erfährt, führte ein Antrag betr. den Ankauf von zwei Grundstücken zur Erweiterung des Pflegeheims, womit ein zusammenhängendes Gesamtareal von ca. 3000 Qudratmeter gewonnen würde. Es wurde von ärztlicher Seite auf die Notwendigkeit der Einrichtung einer Abteilung für geistig Erkrankte hingewiesen. Man lvar aber darüber einig, daß zur Zeit die Errichtung eines neuen Pflegeheims nicht in Frage käme, daß aber der durch den Ankauf der beiden Grundstücke erreichte wertvolle Gesamtkomplex als ganzer verwertet werden kann und damit die Mittel für die Errichtung eines, neuen Heimes an einem Vorort Hamburgs gewonnen werden können. Der Vorstand erhielt die Ermächtigung zum Ankauf der beiden Grundstücke. Schließlich wurde noch ein Betrag von RM. 1000,— für die durch ein Erdbeben geschädigten bulgarischen Juden, und ein weiterer Betrag von Mk. 200,— für die jüdische Sonderschau der Pressa bewilligt. Herleshausen. (Persönliches.) Lehrer und Kantor F. Alexandrowitz konnte letzten Sonntag sein 50 jähriges Dienstjubiläum und gleichzeitig das Fest der goldenen Hochzeit begehen. Bis zum Weltkrieg war der Jubilar in den östlichen Provinzen (PSsen, Ost- und Westpreußen) tätig. Der Krieg hat das Jubel-Ehepaar dreier hoffnungsvoller Söhne beraubt, und auch andere herbe Schicksalsschläge sind den greisen Leuten, denen an ihrem Ehrentage viele Sympathiekundgebungen zugingen, nicht erspart geblieben. Kassel. (Die Kandidatenliste für die Gemeindewahle n.) Während der am 26. August abgelaufenen Frist zur Einreichung der Wahlvorschläge wurde vom Centralverein, der Liberalen Vereinigung, Mittelstandspartei, den Konservativen und der Jüdischen Volkspartei folgender Vorschlag für die Wahlen zum Gemeindeältesten-Kollegium eingereicht: 1. Dr. Josef Katzenstein, Rechtsanwalt; 2. Albert Heß, Bankier; 3. Dr. Hermann Kugelmann, Rechtsanwalt; 4. Albert Heinemann, Kaufmann; 5. Moritz Loeb, Metzgermeister; 6. Th. Eisenberg, Kaufmann; 7. Rudolf Nußbaum, Schreinermeister; 8. Siegfried Speier, Kaufmann; 9. Julius Dalberg, Rechlsanwalt. Scheidet einer der aus Grund des gemeinsamen Wahlvorschlags gewählten Gemeindeältcsten vor Beendigung der Wahlperiode oder vor Inkrafttreten des zu erwartenden neuen Gesetzes aus, so soll der Ersatzmann durch die Partei, von der sein Vorgänger aus dem jetzigen Wahlvorschlag genannt worden ist, gestellt werden. Die Ostjuden, soweit sie in der Jüdischen Volkspartei nicht organisiert sind, haben einen eigenen Sondervorschlag eingereicht. Königsberg (Pr.). (8 5. Geburtstag.) Kürzlich beging der frühere Vorsteher der Königsberger Alten Synagoge, Isidor Simon, seinen 85. Geburtstag. In der Landwirtschaft groß geworden, betrieb er diese bis zu seinem 70. Lebensjahre im Memelgebiet. Er zog dann nach Königsberg und widmete sich sehr stark den Interessen der Alten Synagoge. Nebenher betrieb er in starker Weise literarische und biblische Studien, u. a. schrieb er auch hebräische Gedichte und biblischhistorische Abhandlungen. Bemerkenswert ist seine Sprachenkunde, so daß er innerhalb des Lvndgerichtsbezirks als Dolmetscher für die hebräische, russische, polnische, litauische und lettische Sprache fungierte. Dem Vorstand des Königsberger Vereins für jüdische Geschichte und Literatur gehört Isidor Simon seit einer Reihe von Jahren an. Königsberg (Pr.). (Justizrat Siegfried Jacoby verstarb en.) Auf einer Jtalienreise, auf der er Erholung suchte, verstarb in Mailand der bekannte und geschätzte Königsberger Justizrat Siegfried Jacoby I. Justizrat Jacoby war in Saalfeld in Ostpreußen geboren und hat ein Alter von 56 Jahren erreicht. Der Verewigte genoß in weiten Kreisen der Bevölkerung große Achtung als Mensch wie als Jurist. Seit langen Jahren in Königsberg ansässig, war er früher mit Rechtsanwalt Hugo Haase, dem bekannten Reichstagsabgeordneten, assoziiert, der einem Attentat zum Opfer siel. Besonderes Ansehen genoß er auch in den Kreisen seiner wählten. Im vorigen Jahre wurde von Seiten völkisch gesinnter Standesgenossen, die ihn zum Vorstandsmitglied: der Anwallstammec Anwälte ein Vorstoß unternommen, Jacoby und einen anderen jüdi schen Rechtsanwalt aus dem Vorstande der Anwallskammer herauszuwählen; er scheiterte jedoch an dem Vertrauen der Standesgenossen zu den jüdischen Anwälten. — Die Einäscherung hat in aller Still: in Mailand stattgesunden. Lippstabt. (8 0. Geburtstag.) Der hier im Ruhestand lebende Lehrer Rosenseld beging in körperlicher Rüstigkeit und Geistes frische seinen 80. Geburtstag. Vier Jahrzehnte hat der Jubilar, der heute noch zuweilen gottesdienstliche Funktionen versieht, als Seelsorger und Jugendbildner gewirkt und bei jung und alt Verehrung und Dankbarkeit erworben. Auch sein Geburtstag war vielen Anlaß zu treuem Gedenken. Mainz. (Einweihung im israelitischen Hospital.) Am Sonntag, den 2. September, wurde im Israelitischen Hospüal- Berein, Gonsenheimerstraße 11, der Erweiterungsbau des Kranken und Pfründnerhauscs durch einen feierlichen Einweihungsakt seinen Zwecken übergeben. Im Anschluß daran fand eine Führung der geladenen Gäste durch die Anstalten statt. Um auch dem Publikum von Mainz Gelegenheit zu geben, sich von den aus der Höhe der Wissenschaft, Technik und Hygiene stehenden Einrichtungen zu überzeugen, hatte der Vorstand des Vereins beschlossen, am Sonntag Nachmittag von 2—6 Uhr allen Interessenten den Zutritt und die Besichtigung zu gestatten. München. (Todesfall.) Eine ungewöhnlich große Trauer gemeinde hatte sich im neuen israelitischen Friedhof versammelt, um Frau Rosa Werner, geb. Banasch, Witwe des langjährigen Münchener Rabbiners, Professor Dr. Werner, zu Grabe zu geleiten. Rabbiner Dr. Baerwald schilderte in erhebenden Gedüchtnisworten Rosa Werner als eine gütige, von tiefer Menschenliebe erfüllte Frau, die ihren Gatten in seinen Arbeiten stets unterstützte und von inniger Glaubenstreue erfüllt war. Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Justizrat Oppenheimer, gab der Trauer über den Heimgang der besten Frau der Gemeinde Ausdruck. Rosa Werner sei ihrem Manne eine Lebensgefährtin im edelsten Sinne des Wortes gewesen. In dem Umkreise, in dem er lebte, habe auch sie geschaffen. Als die Wohlfahrtspflege der Gemeinde noch nicht organisiert war, war ihr Haus durch Jahrzehnte die Stätte der Wohlfahrtsarbeit. Um ihre Person gliederten sich alle karitativen Bestrebungen der Gemeinde. Sie war als Vorsitzende die Seele des Frauenvereins des Israelitischen Schwesternheims, der Jugendhilfe, des Vereins für die Bekleidung der Schulkinder, für Ferienkolonien usw. In der Gemeinde habe man sie als Mutter geliebt und verehrt. Nordhausen. (T o d e s f a l l.) In dem verstorbenen Herrn Emit Hirsch verliert die hiesige Gemeinde ihren langjährigen Vorsitzenden des Repräsentantenkollegiums, der sich aus allen Gebieten religiöser Interessen, namentlich aber in der Wohlfahrtspflege, betätigte und auch ein halbes Jahrhundert dem Israelitischen Wohltätigkeitsverein als Mitglied, Vorsitzender und in der letzten Zeit auch als Ehrenvorsitzender wertvolle Dienste geleistet hat. An seiner Bahre würdigte Rabbiner Dr. Pfingst die mannigfachen Verdienste des allgemein geachteten Mannes, dem die Gemeinde ein treues Gedenken bewahren wird. Stettin. (N o r d o st d e u t s ch e s V e r b a n d s t r e f f e n.) Am 25. und 26. August 1928 fand in der Obermühle Stettin das vom jüdischen Jugendbund veranstaltete erste Treffen der Nordostdeutschen Bünde des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands statt. Die Veranstaltungen nahmen einen ausgezeichneten Verlauf, der alle Erwartungen übertraf. Am Sonntag morgen wurde zunächst in großen Gruppen Gymnastik getrieben. Um 9.30 Uhr eröffnele der Vorsitzende des jüdischen Jugendbundes, Stettin, Referendar E. Seegall, die für einen Teil des Vormittags vorgesehene Sitzung. Er dankte zunächst für die zahlreich eingegangenen Glückwünsche. Das Wort erhielt darauf das Mitglied der Lerbandsleitung, Waldemar Strauß, Berlin, der unter treffender Hervorhebung der Ziele des Verbandes die Grüße und Wünsche der Verbandsleitung überbrachte. Sodann sprach Herr Nathan Marx, Stettin, für die Synagogengemeinde und sämtlichen jüdischen Organisationen aller Richtungen. Er betonte, daß der Verband der jüdischen Jugendvereine vollstes Verständnis für seine Arbeit bei den Gemeinden finden müsse, denn im jüdischen Leben Deutschlands sei es unbedingt erforderlich, daß der Gedanke des Zusammenschlusses, des Brückenbauens, immer weiter um sich greife. Hierauf referierte Rabbiner Dr. Elk (Stettin) über die Arbeit in den Bünden. Das Korreferat hielt Dr. Goldberg (Berlin) über Heimabende. Er betonte die Notwendigkeit eines eigenen Heimes für jeden Bund. Gerade die gemeinsame Arbeit für einen derartigen allgemeinen Besitz des Bundes kettet die Menschen aneinander. Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Neubelebung jüdischer Feste. In der recht lebhaften und fruchtbaren Aussprache, die im Anschluß an beide Referate stattfand, wurden eingehend die Arbeitsmöglichkeiten, besonders in den kleineren Bünden, besprochen. Im Schlußwort wurde das Ergebnis der Aussprache in folgenden Forderungen zusammengesaßt: Veranstaltung der jüdischen Feste im Geiste unseres natürlichen Empfindens; Wille zur Gemeinschaftsbildung; Aussprache durch eine neu zu gründende Zeitung; Pflicht zur Mitarbeit in der Gemeinde und in den U.O.B.B.-Logen; Ver bindung der kleineren Bünde durch intensive Bezirksverbandsarbeit. Im Anschluß an die Sitzung fanden sportliche Wettkämpfe statt. Nach dem gemeinsamen Mittagessen fand eine geschlossene Telegiertensitzung der vertretenen Verbandsvereine statt, die als Ergebnis zeitigte: 1. Gründung des Bezirksverbandes Pommern (an Stelle der bisherigen Bezirksgruppe), umfassend die Bünde Stettin und Stralsund, sowie die jüdischen Jugendkreise Stargard, Pyritz und Prenzlau, unter Vorsitz von Referendar Seegall, Stettin, 2. Herausgabe eines selbständigen Ostdeutschen Bundesblattes als Beilage für die Vcrbandszeitschrift „Der Jugendbund", 3. Ausstellung einer Rednerliste für die Nordöstlichen Bezirke zwecks Verbreitung und Vertiefung der Verbandsarbeit in den kleineren Gemeinden. Die Tagung hat im öffentlichen Leben Stettins reichlich Beachtung gefunden, was auch längere Berichte in Stettiner Zeitungen bekundeten. Vereinsnachrichlen Verband Berlin des Jüdischen Frauenbundes. Beratungsstelle für Frauen und Jugendliche in Ehe- und Erziehungsfragen ist Münchener Straße 37. Sprechstunde Mittwoch von 10—11 Uhr. Mitteilung. Herr Obertantor Wilhelm Friedmann bittet uns mitzuteilen, daß er nach wie vor auch während der Feiertage nur in der Synagoge Levetzowstraße, nicht im Friedenstempel amtiert. Richtigstellung. Von mehreren Seiten werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß die Feststellung, Herr Dr. Lehmann sei als erster der Reformrabbiner der Vereinigung der Liberalen Rabbiner Deutschlands beigetreten, irrig ist, und daß z. B. Rabbiner Dr. Coblenz ebenfalls dem Liberalen Rabbinerverband angehörte. Das Mißverständnis dürste darauf zurückzuführen sein, daß in früheren Fällen der Anschluß an den Liberalen Rabbinerverband bereits vor der Tätigkeit in der Resormgemeinde vollzogen wurde. Durch ein Versehen, das gern richtiggestellt werden soll, ist ferner in dem Bericht über die Verhandlungen auf der Weltkonferenz des religiös-liberalen Judentums in der Sektion „Häusliches Leben" der Name von Herrn Gemcinderabbiner Arnold Lazarus - Frankfurt a. M. in der dort aufgeführten Reihe der Diskussionsredner ausgelassen worden, was hiermit korrigiert sei.

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